Karthause's Welt …

26. Januar 2012

22 Britannia Road – Amanda Hodgkinson

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 19:15
Tags: , , , ,

Janusz und Silvana lernen sich Ende der 1930er Jahre in Warschau kennen und lieben. Sie heiraten und bekommen ihren Sohn Aurek. Dann überfällt 1939 Deutschland Polen und nichts ist für die kleine Familie mehr wie es war. Janusz kämpft gegen die Deutschen. Er wird von seiner Truppe getrennt und nutzt die Gelegenheit zur Flucht. Gemeinsam mit seinen zwei Begleitern schlägt er sich über Frankreich bis nach Großbritannien durch. Silvana muss mit ihrem Sohn aus Warschau fliehen, sie ist ganz auf sich gestellt und muss eine lange Zeit mit dem Kind im Wald verbringen. Sie durchlebt eine Zeit unvorstellbarer Schrecken und Ängste.
6 Jahre nachdem sich Janusz und Silvana zum letzten Mal sahen, stehen sie sich nun in England wieder gegenüber. Janusz hat alles daran gesetzt, seine Frau und seinen Sohn zu finden. In Ipswich hat er in der 22 Britannia Road ein Nest für sie vorbereitet. Er hat schon gut Fuß gefasst in der neuen Heimat und will britischer als die Briten selbst sein. Aber die Jahre der Trennung haben beide entfremdet. Aurek ist schwer traumatisiert. Alle haben eine eigene, schwierige Vergangenheit, von der sie sich nur schwer lösen und über die noch schlechter miteinander reden können. Das Gestern liegt wie ein dunkler Schatten über ihnen und auch das Heute legt ihnen große Hürden in den Weg. Der Neustart der Familie gestaltet sich äußerst schwierig. Aber die Probleme liegen nicht nur im Vergangenen, die Folgen der langen Trennung reichen bis in die Gegenwart und bereiten Silvana und Janusz Probleme. Das größte ist wohl die Sprachlosigkeit. Sie hat Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung, er will ein perfektes britisches Leben führen. Die Situation beginn zu eskalieren, als Silvana an Janusz gerichtete Briefe einer Frau findet und auch sie von einem anderen Mann umworben wird.
Mit ihrem Erstling legt Amanda Hodgkinson ein starkes, beachtenswertes Buch vor. Sie erzählt die Geschichte einer kleinen polnischen Familie, die nach 6 Jahren Trennung 1946 in Ipswich wieder zusammen findet. Auf eine sehr eindringliche Weise beschreibt sie nachvollziehbar die Entfremdung, die es zwischen den Eheleuten gibt. Sie lässt die Leser in eine kranke Kinderseele schauen und macht damit das Leiden des kleinen Aurek greifbar, der sich an seine Mutter wie ein Ertrinkender klammert und zu dem Janusz nur ganz langsam Zugang bekommt. Für das Verständnis der Protagonisten lässt sie den Leser immer wieder zurück blicken, damit erschließt sich einem ganz langsam die harte Vergangenheit der drei und ihre Gedanken und Reaktionen werden (größtenteils) verständlich, wodurch der Roman eine ganz besondere Tiefe und Kraft erfährt. „22 Britannia Road“ lässt sich trotz der schweren Thematik wunderbar leicht lesen. Diese Familiengeschichte wird von der Autorin ruhig und stetig in der Handlung fortschreitend erzählt. Sie ist emotional, aber keineswegs rührselig geschrieben. Besonders beeindruckt hat mich die Beschreibung der Nachkriegszeit in Ipswich. Amanda Hodgkinson hat mit ihrem Roman ein wirklich gelungenes Sittenbild dieser Zeit gezeichnet. Ein Glücksgriff gelang dem Verlag bei der Auswahl des Coverbildes. Das äußere Erscheinungsbild und der Inhalt des Buches sind vollkommen harmonisch.
„22 Britannia Road“ ist ein Buch, dass sich wie im Flug lesen ließ und dessen Thematik den Leser zwar emotional beansprucht, aber nicht zu gefühlsbetont ist. Ich habe diesen Roman sehr gern gelesen und damit wieder eine Autorin gefunden, deren weitere Werke ich gespannt erwarte.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Amanda Hodgkinson, geboren in Burnham-on-Sea in Somerset/England, aufgewachsen in Essex and Suffolk, studierte Creative Writing an der University of East Anglia. Sie lebt im Süden Frankreichs auf dem Land mit ihrem Mann und zwei Töchtern. »22 Britannia Road« ist ihr erster Roman.

24. Januar 2012

Buch der Woche (3. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:36
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Emily, allein“ von Stewart O’ Nan

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Das einfühlsame Porträt einer Frau, die am Ende ihres Lebens einen Neuanfang wagt. Emily Maxwell, eine Witwe, deren Kinder längst eigene Familien gegründet haben, führt ein ziemlich unspektakuläres Leben, allein mit ihrem Hund. Dann und wann trifft sie sich mit ihrer Schwägerin zum Essen, aber das ist es dann auch schon. Als die bei einem gemeinsamen Frühstück zusammenbricht, wird für Emily alles anders. Sie verbringt ganze Tage damit, Besuche ihrer Enkel aufwendig zu planen, sie kauft sich ein kleines Auto, lernt, die bislang noch nie erfahrene Unabhängigkeit in vollen Zügen zu genießen. Auf einmal offenbart ihr das Leben neue Möglichkeiten. Eine alte Frau wie Emily meint jeder zu kennen, und doch wurde sie selten so einfühlsam und treffend porträtiert. Stewart O’Nan zeigt uns ihre kräftig in alle Richtungen ausschlagenden Gefühle – des Bedauerns, des Stolzes, der Trauer, der Freude – in völlig überraschenden Zusammenhängen. Indem er das scheinbar Gewöhnliche als etwas Außergewöhnliches enthüllt und sich – heiter, ergreifend – mit ernsten Th emen wie Einsamkeit, Alter und nahem Tod befasst, schärft er den Blick des Lesers, sein Verständnis. «Selbst wenn man keine alte Dame ist, es auch nie sein wird, sind Emilys Hoffnungen und Ängste identisch mit denen, die man selber hegt. Der Roman lässt einen einfach nur begeistert sein.» The Washington Post «Herzzerreißend und brillant.» The New York Times «Stewart O’Nan ist ein glänzender Erzähler.» Süddeutsche Zeitung

Über den Autor

wurde 1961 in Pittsburgh geboren und wuchs in Boston auf. Er arbeitete als Flugzeugingenieur und studierte in Cornell Literaturwissenschaft. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Avon, Connecticut. Für seinen Erstlingsroman «Engel im Schnee» erhielt er den 1993 William-Faulkner-Preis.

19. Januar 2012

In Zeiten des abnehmenden Lichts – Eugen Ruge

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 19:52
Tags: , , , ,

Alexander Umnitzer hat eine niederschmetternde Diagnose bekommen. Krebs. Inoperabel. Wie soll er sich da noch um seinen demenzkranken Vater kümmern. Wie auf der Flucht reist er überstürzt nach Mexiko, in das Land, in das seine Großmutter Charlotte und ihr Mann Wilhelm Powileit, beides Kommunisten und mit Machtübernahme der Nazis in die Sowjetunion geflüchtet, auf Anordnung der KPdSU im Zweiten Weltkrieg emigrierten. Ihre Söhne Kurt und Werner blieben in der UdSSR zurück. Diese wurden wegen Kritik am Hitler-Stalin-Pakt im Jahr 1941 zu langjähriger Lagerhaft in Sibirien verurteilt. Werner verschwindet dort von der Bildfläche und gilt als verschollen, Kurt heiratet, inzwischen wurde das Urteil in Verbannung gemildert, die Sanitäterin Irina. Mit ihr und dem gemeinsamen Sohn Alexander kommt er 1956 nach Neuendorf bei Berlin zu Charlotte und Wilhelm, die im Jahr 1952 in die DDR kamen, um dort ihren Beitrag zum sozialistischen Aufbau zu leisten.

Mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ erzählt Eugen Ruge eine sich an den Geschehnissen in seiner eigenen Familie orientierte Familiengeschichte in zwanzig Kapitel. Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern berichtet episodenhaft, sich in der Geschichte hin und her bewegend. Trotz größerer Zeitsprünge war es nicht problematisch sich zu orientieren, über welche Mitglieder der vier Generationen umfassenden Familie berichtet wird. Dank der mit den Jahreszahlen überschriebenen Kapitel konnte man sich als Leser die Zeitfolge problemlos selbst erlesen. Dreh- und Angelpunkt der Handlung bilden der 1. Oktober 1989 und das Jahr 2001. Zu diesen Daten kehrt Ruge immer wieder zurück, um die Ereignisse an Wilhelm Powileits 90. Geburtstag (1989) und Alexanders Mexiko-Reise (2001) aus verschieden Blickwinkeln zu betrachten.
Mehrfach spiegelt sich der Titel im Roman wieder. Viele der Episoden sind im Herbst angesiedelt. Der Kommunismus, der von Charlotte und Wilhelm als höchstes Ziel angesehen wird, verliert von Generation zu Generation an Bedeutung, bis er für Alexanders Sohn, der in seiner eigenen Computerwelt lebt, nicht mehr existent ist. Auch die Gesundheit der Protagonisten ist ähnlich einer herunterbrennenden Kerze. Alexander ist an Krebs erkrankt, sein Vater Kurt hat die Demenz fest im Griff. Irina war Alkoholikerin und Wilhelm und Charlotte – weil ich zu viel verraten würde, schweige ich dazu an dieser Stelle.
Eugen Ruge erzählt diese Geschichte über die mit der Gesellschaftsordnung untergehenden Familie sehr ruhig und sachlich, aber nicht ohne Wortwitz. Dabei ließ er historische Ereignisse eher am Rande einfließen und achtete mehr auf deren Auswirkungen auf die Familie, deren Mitglieder sehr überzeugend charakterisiert wurden. Das Buch lies sich sehr flüssig lesen, die Sprache Eugen Ruges empfinde ich als ausgesprochen angenehm. Als besonders positiv möchte ich hervorheben, dass der Roman weit ab von jeglicher Ostalgie und der Verklärung alter Zeiten geschrieben wurde. Damit hebt er sich wohltuend von anderen ähnlich gelagerten Romanen ab. Eugen Ruge ist mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ein wirklich großer Familienroman gelungen, dem ich noch viele interessierte und begeisterte Leser wünsche.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Eugen Ruge, 1954 in Soswa (Ural) geboren, studierte Mathematik an der Humboldt-Universität und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. Er war beim DEFA-Studio für Dokumentarfilm tätig, bevor er 1988 aus der DDR in den Westen ging. Seit 1989 arbeitet er hauptberuflich fürs Theater und für den Rundfunk als Autor und Übersetzer. 2009 wurde Eugen Ruge für sein erstes Prosamanuskript «In Zeiten des abnehmenden Lichts» mit dem Alfred-Döblin-Preis, 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

16. Januar 2012

Buch der Woche (2. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:29
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Unsterblichen“ von Ketil Bjørnstad.

Amazon schreibt dazu:

 Kurzbeschreibung

Eigentlich führt Thomas Brenner ein gutes Leben. Er ist ein erfolgreicher Arzt, glücklich verheiratet, hat zwei Kinder. Mit Ende Fünfzig freut er sich auf den Ruhestand, auf Reisen mit seiner Frau, auf eine Zeit der Entspannung. Aber plötzlich fühlt er sich alt und überfordert. Sein geordnetes Leben gerät aus den Fugen. Verantwortung abgeben, das ist es, was er sich wünscht; statt dessen bekommt er immer mehr aufgebürdet. Hier die beiden Töchter, die mit Mitte Zwanzig noch nicht auf eigenen Füßen stehen, dort die alten Eltern, die pflegebedürftig werden. Und auch Brenner selbst bleibt von Krankheiten nicht verschont. Die lange geplante Familienreise nach Chicago soll zum ersten Schritt in ein unbeschwerteres Leben werden, doch es kommt alles ganz anders …. Nach dem Erfolg mit seiner Romantrilogie um den jungen Pianisten Aksel Vinding ist „Die Unsterblichen“ Ketil Bjørnstads persönlichstes Buch. Es ist eine Bestandsaufnahme, nicht nur eines Lebens, sondern einer ganzen Generation. Die Menschen scheinen alterslos, nahezu unsterblich – doch zu welchem Preis?

Über den Autor

Ketil Bjørnstad wurde am 25. April 1952 in Oslo geboren und lebt dort als Schriftsteller, Pianist und Komponist. Er studierte in Oslo, London und Paris klassisches Klavier. Sein musikalisches Debüt gab er im Alter von 16 Jahren im Philharmonischen Orchester Oslo mit Bartóks 3. Klavierkonzert. 1972 erschien sein erster Gedichtband Alene ut. Er hat eine Serie von LPs und CDs mit eigener vom Jazz und Rock beeinflusster Musik produziert und zahlreiche Romane veröffentlicht. Für den Roman Nade (Gnade) erhielt er 1998 den Riksmalspreis. In Deutschland wurde er u. a. durch seine Romanbiographien über Edvard Grieg (Suhrkamp 1998) und Edvard Munch (Insel 1995) bekannt.

11. Januar 2012

Gegen alle Zeit – Tom Finnek

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 18:55
Tags: , , , , ,

Nach der Premierenfeier der „Bettleroper“ wird Henry Ingram mit einem unvorstellbaren Kater wach – und um fast 300 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Er erwacht in einem stinkenden Keller in der illustren Gesellschaft von Dieben, Gaunern und Huren im London des Jahres 1724 als Captain Machead. Gemeinsam mit ihnen erlebt er spannende Abenteuer. Dabei kommt auch Henry selbst über kurz oder lang mit dem Gesetz in Konflikt und wird zum gesuchten Verbrecher.
Bisher ernteten Zeitreiseromane nie viel Lob von mir, um ehrlich zu ist sein, ich habe noch nie einen beendet. So griff ich ein wenig skeptisch zu dem neuen historischen Roman Tom Finneks. Meine Zweifel erwiesen sich jedoch als haltlos. „Gegen alle Zeit“ ein Abenteuerroman, eine Gaunergeschichte, ein Zeitreiseroman, aber vor allem ein sehr gut geschriebener historischer Roman. Als Leser konnte man das Gefühl bekommen, der Autor hat selbst so einen Zeitensprung hinter sich, so detailliert und bildhaft schildert er das alte London, mit all seinen Einwohnern, Gerüchen und Geräuschen. Mit dem Finger auf dem im Buch enthaltenen Stadtplan Londons wusste ich mich schnell in der Stadt zu orientieren und konnte den Protagonisten auf ihren Wegen folgen. Sehr gelungen waren auch die von Henry Ingram gezogenen Vergleiche vom heutigen und damaligen Aussehen der Stadt. Der Autor zeichnet mit seiner Geschichte ein hervorragendes Panorama Londons im frühen 18. Jahrhundert.
„Gegen alle Zeit“ ist keine Fortsetzung von Finneks knapp 60 Jahre vorher spielenden Roman „Unter der Asche“, aber manch Bekannter begegnet dem Leser auch in diesem Buch und die eine oder andere Begebenheit des Vorgängerromans kommt auch in diesem zur Sprache. Die Protagonisten des Romans gehören nicht zur Oberschicht. Es sind die kleinen Ganoven, Diebe, Betrüger und Huren, die dem Roman das menschliche Kolorit verleihen. Sie alle sind Persönlichkeiten mit Eigenheiten, Stärken und Schwächen, aber auf ihre ganz besondere Art doch liebenswert. Wie ein roter Faden zieht sich die Bettleroper von John Gay durch diesen Roman. Deren Figuren sind es, denen Tom Finnek mit seinem Roman Leben eingehaucht hat. Das Buch ist sehr flüssig zu lesen, die Sprache ist sehr angenehm und der Zeit angepasst. Leider mag man das Buch kaum aus der Hand legen und ist so viel zu schnell auf der letzten Seiten angelangt. Ein ausführlicher Epilog tröstet über das fehlende Nachwort ein wenig hinweg. Darin wird deutlich, welche Figuren der Fantasie des Autors entspringen und welche einen realen Hintergrund haben.
Auch vom optischen Aspekt ist dieses Buch etwas Besonderes, ein wahrer Hingucker. Der zur Handlung passende Schutzumschlag, der enthaltene Stadtplan, das Lesebändchen und nicht zuletzt die wunderschönen Illustrationen von Tina Dreher vor jedem neuen Teil und Kapitel runden den äußerst positiven Leseeindruck ab.
Mein Fazit: „Gegen alle Zeit“ ist ein farbenprächtiger und detailreicher Schmöker, im positivsten Sinne des Wortes. Man taucht als Leser ab in die damalige Zeit und ist bei der Rückkehr in die Gegenwart traurig, das Henry, Bess, Blueskin und all die anderen in ihrer Welt geblieben sind. Ich wünsche diesem Roman viele begeisterte Leser.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Tom Finnek, 1965 in Westfalen geboren, lebt als Filmjournalist und Schriftsteller in Berlin. Als Autor (unter dem Namen Mani Beckmann) beschäftigt er sich schon länger mit historischen Stoffen, insbesondere zum Münsterland. Für ihn ist London mit seiner langen, wechselhaften Geschichte genauso faszinierend wie Berlin. Tom Finnek ist verheiratet und hat zwei kleine Söhne, auf die er sehr stolz ist.
Weitere Informationen: www.tomfinnek.de

9. Januar 2012

Buch der Woche (1. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:26
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Aleph“ von Paulo Coelho.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Innehalten. Nachdenken. Träumen. Sich ausprobieren. Sich neu entdecken. Wagen. Handeln. Gewinnen. Wach werden. Mit ›Aleph‹ beginnt ein neues Kapitel in Ihrem Leben!

Über den Autor

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, Studium der Rechtswissenschaften, danach Reisen nach Südamerika, Europa und Nordafrika. Zurück in Brasilien, Veröffentlichung von Theaterstücken und provokativer Rocksongs, die ihm über die Militarjunta der 70er Jahre dreimal ins Gefängnis einbrachten. Er ist Herausgeber einer Untergrundzeitschrift, eines Musikmagazins sowie Direktor von Polygram und CBS, Brasilien. Ab 1980 (Stellenverlust) 5 Jahre Studium in einem alten spanischen Orden und Zurücklegung des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela. 2006 wurde Paulo Coelho mit dem mexikanischen Literaturpreis „Las Pergolas“ ausgezeichnet.

4. Januar 2012

Ursula Poznanski – Saeculum

Einsortiert unter: 2011,Bücher,Jugendbuch — Karthause @ 19:10
Tags: , , ,

Bastian, Medizinstudent und der Sohn eines bekannten Chirurgen, wird von seiner Freundin zu einem im Mittelalter angesiedelten Live-Rollenspiel eingeladen. Eigentlich fühlt er sich verpflichtet, seinem Studium die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen, aber schon um sich von seinem erfolgs- und karriereorientierten Vater abzugrenzen, sagt er zu. Erst als die Gruppe schon unterwegs ist, wird der Ort für diese Convention bekannt und ein erster Schatten fällt auf das Vorhaben. Schnell macht eine alte Sage die Runde, der zu Folge auf dem Wald ein Fluch liegen soll. Im Wald angekommen, müssen sich die Teilnehmer von den Utensilien der Gegenwart trennen, erlaubt sind nur noch Gegenstände, die es auch schon im 14. Jahrhundert gab, Handy, Feuerzeug, Brillen, Medikamente – alles ist verboten. Jeder der Teilnehmer schlüpft in eine von ihm festgelegte Rolle und die entsprechende Kleidung, damit kann das Spiel beginnen, 5 Tage werden sie nun wie in der Vergangenheit leben. Aber schon bald kommt es zu mysteriösen Vorfällen, Spieler verschwinden spurlos, immer wieder finden die Verbliebenen rätselhafte Nachrichten. Der Fluch scheint sich zu bewahrheiten, langsam kippt die Stimmung im Team und mit ernster werdender Situation zeigen die Spieler ihren wahren Charakter, das Ganze läuft aus dem Ruder.

Nach „Erebos“ war ich sehr gespannt auf den neuen Roman von Ursula Poznanski. Schon das Äußere sprach mich an. Das Cover ist ganz einfach in schwarz und weiß gehalten, der Buchschnitt ist schwarz eingefärbt. Es macht zwar einen etwas düsteren Eindruck, der passt aber ausgezeichnet zur Atmosphäre des Romans, der dunkle Wald, das Wetter, die zunehmend sich verschlechternde Stimmung der Spieler. Den Einstieg in die Handlung gestaltete die Autorin ruhig, aber stetig. Sie ließ sich Zeit ihre Figuren vorzustellen und zu positionieren. Die Charaktere wurden von der Autorin sehr vielfältig gestaltet. Es gab kaum Stereotypen. Einzig Bastian war mir ein wenig zu sehr als Sympathieträger angelegt. Aber in ihrem Handeln und Denken wirkten sie glaubhaft und lebensecht. Der Spannungsbogen wurde recht konsequent aufgebaut. Allerdings wandelte sich etwa ab der Mitte des Buches die Stimmung, das Flair vom Mittelalter konnte in der Konfliktsituation von den Spielern nicht weitergetragen werden. Aber das scheint logisch, schließlich nahmen sie an einem Spiel teil, aus dem plötzlich bitterer Ernst wurde. Mir war eigentlich die ganze Lesezeit über klar, dass es für die sich ereignenden Mysterien eine logische Erklärung gab. Deshalb überkam mich auch nicht das Gruseln und der letztendlichen Lösung kam ich in Gedanken überraschend nahe. Allerdings bin ich auch den Altersempfehlungen des Verlags etwas entwachsen und darüber hinaus geübte Thrillerleserin. Trotzdem fühlte ich mich sehr gut unterhalten und von der Autorin sehr angenehm durch die Welt des Rollenspiels geleitet. Sehr eindrucksvoll beschrieb sie neben den Empfindungen ihrer Protagonisten, auch deren Umfeld, die Natur, und die örtlichen Gegebenheiten. Als Leser konnte ich mich sehr gut in die Teilnehmer der Saeculum-Convention hineinversetzen. Dieses Jugendbuch von Ursula Poznanski war sehr angenehm und unterhaltsam und spannend zu lesen, nicht nur Jugendlichen, auch ihren interessierten Eltern und Großeltern empfehle ich es gern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski, geboren in Wien, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und sich als Medizinjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie Kinderbücher zu schreiben. Mit ihrer Familie lebt sie im Süden von Wien.

1. Januar 2012

Buch der Woche (52. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 12:02
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Alles über Lulu“ von Jonathan Evison.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Schreiend komisch und manchmal tieftraurig. Als Will Miller sieben Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Während sich sein hünenhafter Vater Big Bill mit Bodybuilding weitere Muskeln antrainiert und seine beiden unterbelichteten Brüder es ihm gleichtun, hört Will auf zu wachsen. Das ändert sich erst an dem Tag, an dem Big Bill eine neue Frau heiratet und diese mit ihrer Tochter Lulu bei den Millers einzieht. Denn Will verliebt sich unsterblich in Lulu. Fleisch und Bodybuilding – das sind die beiden Leidenschaften, denen Big Bill und die beiden Zwillingsbrüder Doug und Ross frönen. Will, kurzsichtig und Vegetarier, hat es schwer in dieser Familie, in der zu Thanksgiving gleich mehrere Truthähne im Ofen schmoren. Als Lulu mit ihrer Mutter in die Familie zieht, fängt Will sofort Feuer: Obwohl er erst neun Jahr alt ist, weiß er, dass Lulu und er zusammengehören. Inniges Vertrauen, gemeinsame Interessen und eine ungeheure Anziehungskraft machen die beiden Heranwachsenden unzertrennlich. Doch als Lulu nach den Sommerferien in einem Cheerleadingcamp wieder nach Hause kommt, ist sie völlig verändert. Von Will möchte sie nichts mehr wissen. Doch der lässt nicht locker. Hochkomisch und tieftraurig zugleich nimmt der Roman den Leser vom ersten Satz an gefangen. Wer John Irvings „Hotel New Hampshire“ liebt, wird diesem Roman nicht widerstehen können.

Über den Autor

Jonathan Evison, 1968 geboren, gelang mit „ALLES über Lulu“ ein Riesenerfolg. Kritiker verglichen ihn mit Salinger, Charles Dickens und John Irving. Für das Buch erhielt er den Washington State Book Award

26. Dezember 2011

Buch der Woche (51. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 15:10
Tags: , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Der Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Der neue Roman von Olga Tokarczuk ist ein spannender moralischer Thriller. Die schrullige Erzählerin Janina Duszejko, Dorflehrerin für Englisch und im Winter Hüterin der Häuser von Sommerfrischlern auf einem windgepeitschten Hochplateau im Glatzer Kessel, hat zwei Leidenschaften: für Astrologie und für Tiere. Außerdem kämpft sie mit einem tückischen Leiden, liest und übersetzt mit einem ehemaligen Schüler die Gedichte von William Blake und räsoniert über die Sterne, die Menschen und die Bedeutung von Namen. Vor allem aber entwickelt die Erzählerin kuriose Theorien über die an Tieren begangenen Verbrechen. Als in der Umgebung eine Leiche nach der anderen gefunden wird, ist sie, die allgemein als Verrückte angesehen wird, der Polizei immer einen Schritt voraus. Dabei weiß sie das unauffällige Erscheinungsbild einer »alten Frau mit Plastiktüte in der Hand« geschickt zu nutzen. In ihrem einsamen Kampf für die Sache der Tiere legt sie sich mit den Honoratioren der Umgebung, mit der Polizei und sogar mit der Kirche an – und begibt sich dabei in große Gefahr.

Über den Autor

Olga Tokarczuk, 1962 geboren, ist eine der bedeutendsten polnischen Autorinnen ihrer Generation. Zuletzt erschien auf Deutsch UNRAST (2009). Dafür wurde sie mit dem Nike-Literaturpreis ausgezeichnet. DER GESANG DER FLEDERMÄUSE ist als deutsch-polnische Koproduktion zur Verfilmung vorgesehen (Regie: Agnieszka Holland).

20. Dezember 2011

Versatile Blogger Award

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 17:18

Mitten in der Vorweihnachtszeit wurde ich vom Lesekreis Seitenweise mit einem Award überrascht. Leider kann ich mich wegen ständiger I-Net-Probleme (es tröpfeln nur Bits aus der Leitung und keine Bytes, geschweige denn viele davon) erst jetzt richtig dafür bedanken. Zukünftig werde ich noch öfter diesen sehr lesenswerten Blog besuchen, auch wenn dies meinem SuB nicht besonders gut tut. ;-)

Dieser Preis ist mit ein paar Regeln verbunden:

1. Nominiere 10-15 Blogger
2. Informiere die Blogger über ihre Nominierung
3. Teile 7 beiläufige Dinge über dich mit
4. Danke dem Blogger der dich nominiert hat
5. Füge das Versatile Blogger Award Bild in deinen Blogeintrag ein.

10 Blogs kann ich nicht nominieren, aber meine Lieblingsblogs werde ich gern mit diesem Preis würdigen

7 Dinge über mich:

  • Mein Grundsatz: Nie ohne Buch!
  • Es darf auch gern etwas dicker sein.
  • Gerne nehme ich einen Kaffee zum Buch.
  • Bitte nichts Süßes dazu und auch die Bücher sollten nicht zu süßlich sein.
  • Zum Genießen darf es gern ein guter Roter sein.
  • Das Leserglück macht mein Kater perfekt, der seinen Lieblingsplatz neben meinem Lesesessel hat.
  • Ich liebe lange Spaziergänge und fotografiere dabei.

 

18. Dezember 2011

Buch der Woche (50. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 13:35
Tags: , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Sand“ von Wolfgang Herrndorf

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

„Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und überprüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trinkwasser, goß den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sandfarbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsunkundige Frau in einem Auto hierherzubestellen.“ Während in München Palästinenser des „Schwarzen September“ das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis – Nordafrika 1972. Ein mitreißender Agententhriller – und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman.

Über den Autor

Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren, hat Malerei studiert und unter anderem für die «Titanic» gezeichnet. 2002 erschien sein Debütroman «In Plüschgewittern», 2007 der Erzählband «Diesseits des Van-Allen-Gürtels» und 2010 der Roman «Tschick», der zum Überraschungserfolg des Jahres avancierte. Wolfgang Herrndorf wurde u.a. mit dem Deutschen Erzählerpreis (2008), dem Brentano-Preis (2011) und dem Deutschen Jugendliteraturpreis (2011) und dem Hans-Fallada-Preis (2012) ausgezeichnet.

16. Dezember 2011

Rudolf Lill – Die Macht der Päpste

In seinem Buch „Die Macht der Päpste“ widmet sich Rudolf Lill der Geschichte des Papsttums. Er informiert über die einzelnen Päpste ebenso wie über das langsame Wachstum und die Ausdehnung der päpstlichen Macht von der späten Antike bis in die heutige Zeit und widmet seine besondere Aufmerksamkeit den Umbrüchen durch Konzile und Reformen in der Kirchengeschichte. Dabei möchte ich besonders die große Aktualität dieses Sachbuches hervorheben, schließt es doch die Amtszeit von Benedikt XVI. mit ein. Hochinteressant empfand ich die bemerkenswert kritischen Gedanken des Autors bezüglich des von den letzten beiden Päpsten zelebrierten Zentralismus und der doch recht rigiden Personalpolitik der katholischen Kirche. Die daraus die gezogenen Schlussfolgerungen begründet Lill sachlich und überaus kompetent.

Dieses Buch ist sicher nicht geeignet, um eine katholische Grundbildung zu erlangen, über diese sollte man bei der Auseinandersetzung mit dem Inhalt schon verfügen. Um einen komplexen Überblick über die päpstliche Macht im Wandel der Geschichte zu bekommen, ist es sehr zweckdienlich. Ich sehe Rudolf Lills Werk eher als eine Art Kompendium, in dem man bei Bedarf nachschlagen kann. Denn eine Lektüre von Anfang bis Ende fand ich trotz der nur 288 Seiten ein wenig beschwerlich. Das Buch ist klar und logisch gegliedert, ausführliche, als Anmerkungen beigefügte Quellen, zeigen, welchen Aufwand Rudolf Lill bei der Recherche zu diesem fundierten Sachbuch betrieb. Darüber hinaus sind im Anhang die Karrieren der Päpste und Kardinalssekretäre ab 1800 aufgeführt. „Die Macht der Päpste“ besticht nicht nur durch die Fülle der aufbereiteten Informationen, es ist auch augenscheinlich ein sehr ansprechendes Buch.

Ich kann das vom Butzon & Bercker Verlag veröffentlichte Buch, das mir von BloggdeinBuch als Rezensionsexemplar – vielen Dank dafür – zur Verfügung gestellt wurde, guten Gewissens den Lesern weiterempfehlen, die sich von einem anspruchsvollen Sachbuch nicht abschrecken lassen. Ich bewerte „Die Macht der Päpste“ mit 4 von 5 Sternen. Bestellt werden kann es *hier*.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Rudolf Lill ist Professor emeritus für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Karlsruhe, wo er die Forschungsstelle „Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten“ leitete. Als Gastprofessor lehrte er an mehreren italienischen Universitäten und ist Lehrbeauftragter für italienische Geschichte der Universität Bonn.

12. Dezember 2011

Buch der Woche (49. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 14:08
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Maske“ von Siefried Lenz.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Es ist Sommer geworden. Auf der kleinen Insel in der Elbmündung sind die ersten Feriengäste angekommen, und für den Wirt der Gaststätte Blinkfeuer hat die Saison begonnen. Da peitscht ein Unwetter von der Nordsee über die Insel, und als die Menschen sich wieder an den Strand trauen, liegt dort eine große Kiste, im Sturm über Bord gegangen von einem Schiff der China Shipping Container Lines. Darin befinden sich Masken, bestimmt für das Völkerkundemuseum in Hamburg. Die Menschen probieren die Masken an, sind plötzlich selbst Drache, Tiger oder Puma. Die vermeintliche Maskierung bringt das wahre Gesicht zum Vorschein. Daraus ergeben sich Komplikationen … „Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske, und er wird dir die Wahrheit sagen.“ Oscar Wilde

Über den Autor

Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Gegenwartsliteratur. Für seine Bücher wurde er mit vielen wichtigen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2009 mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Neben zahlreichen Romanen, Erzählungs- und Essaybänden erschienen aus Anlass seines achtzigsten Geburtstags sämtliche Erzählungen in einem Band (Die Erzählungen) sowie die Essaysammlung »Selbstversetzung«. 2008 veröffentlichte er die Novelle »Schweigeminute«, 2009 das Stück »Die Versuchsperson« und »Landesbühne«, zuletzt 2010 »Wasserwelten«.

10. Dezember 2011

Tracy Chevalier – Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Einsortiert unter: 2011,History,Uncategorized — Karthause @ 18:10
Tags: , , , , ,

Das Mädchen mit dem Perlenohrring
Tracy Chevalier
Originaltitel: Girl with a Pearl Earring
Taschenbuch: 349 Seiten
Verlag: List Taschenbuch
ISBN-13: 978-3548600697

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Delft 1664. Als der Vater bei einem Arbeitsunfall sein Augenlicht verliert, wird die junge Griet, um die Familie zu unterstützen, als Dienstmagd in den Haushalt des angesehenen Malers Johannes Vermeer gegeben. Die Schikanen von Vermeers eifersüchtiger Gattin ließen sich kaum ertragen, wären da nicht die faszinierenden Bilder des Meisters, die Griet auf magische Weise in ihren Bann ziehen. Immer häufiger ruht der Blick des Künstlers auf ihr; schließlich beginnt Vermeer, sie heimlich zu malen. Doch als er Griet bittet, einen Perlenohrring anzulegen, beschwört er damit eine Katastrophe herauf, die nicht nur für Griet ungeahnte Folgen hat …

Meine Meinung

Wer kennt nicht das Gemälde Vermeers, auf dem ein Mädchen mit großen Augen, einem blau-weißen Tuch ums Haar und einem Perlenohrring zu sehen ist. Tracy Chevalier erzählt um dieses Gemälde die fiktive Geschichte der Dienstmagd Griet, die in diesem Roman als Ich-Erzählerin fungiert. Sie berichtet über die Umstände, die sie ins Hause Vermeer geführt haben, von der eifersüchtigen Gattin des Malers und von der Kunst des Malens. Die Autorin schildert auf eine ganz ruhige, stille und einfühlsame Art das Leben in diesem Künstlerhaushalt. Als Leser nimmt man am täglichen Leben teil, besucht mit der Magd den Markt und bewirtet die wohlhabenden Gäste. Damit entsteht ein beeindruckend authentisches Alltags- und Sittenbild über das Leben in Delft in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das überaus Besondere sind aber die Beschreibungen der Bilder, die Vermeer in dieser Zeit schuf. Da ich viele seiner Gemälde kenne, hatte ich das Gefühl, bei deren Entstehung stiller Beobachter zu sein.

Die Charaktere sind sehr feinfühlig beschrieben. Die Personen wirken auffallend lebendig und deren Gefühle sind nachvollziehbar. So wird die Eifersucht von Vermeers Ehefrau ebenso glaubhaft beschrieben, wie die Leidenschaft, der Egoismus und Feigheit des Malers oder die Rolle der schüchternen Griet als seine Muse.

Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen. Es nahm mich mit auf eine äußerst interessante Reise in die Vergangenheit.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Tracy Chevalier, geboren 1962, wuchs in Washington D. C. auf. 1984 zog sie nach England, wo sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn auch heute noch lebt. Ihr Roman Das Mädchen mit dem Perlenohrring wurde ein internationaler Bestseller und ein großer Kinoerfolg.

4. Dezember 2011

Buch der Woche (48. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:06
Tags: , , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Schmidts Einsicht“ von Louis Begley.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Schmidt hat alles: Nach seiner vorzeitigen Pensionierung ist der frühere Anwalt Direktor einer Stiftung; eine Aufgabe, die ihn auf Reisen um die Welt schickt. Seine Hoffnung auf ein Enkelkind scheint sich zu erfüllen, die Frauen liegen ihm nach wie vor zu Füßen. Einerseits. Andererseits hat ihn Carrie, seine jugendliche Freundin, wegen eines anderen, jüngeren verlassen. Jetzt erwartet sie ein Kind und weiß nicht, wer von beiden der Vater ist. Auch Schmidts Tochter Charlotte zieht sich immer mehr zurück, in ihre eigene Welt aus Teilnahmslosigkeit und Hass. Dabei droht sie nicht nur, sich selbst zu zerstören. Einziger Lichtblick ist Alice, eine Frau, die er vor Jahren bewundert hat, und die plötzlich wieder in sein Leben tritt. Doch haben die beiden eine Vergangenheit, die eine gemeinsame Zukunft nicht ganz leicht macht… Wieder schießt Schmidt nicht selten übers Ziel hinaus und steht sich oftmals selbst im Weg. Was, wenn nach all den Jahren der Liebe und der Einsamkeit die größte Herausforderung noch vor ihm liegt: Was, wenn es an der Zeit ist, sich zu ändern? Mit seiner ganz eigenen Leichtigkeit erzählt Begley, der große Romancier, von Zeiten des Aufbruchs und der Angst, loszulassen und dabei vollends zu verschwinden.

Über den Autor

Louis Begley, 1933 in Polen geboren, arbeitete bis 2004 als Anwalt in New York. Seine Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Auf Deutsch erschienen zuletzt Der Fall Dreyfus (2009), Zwischen Fakten und Fiktionen (2008), Ehrensachen (2007).

2. Dezember 2011

Frank Schätzing – Der Schwarm

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
Tags: , , , ,

In Peru und Argentinien verschwanden Fischer auf hoher See. Vor der mittelamerikanischen und australischen Küste sterben Menschen, weil sie in Kontakt mit in Massen auftretenden hochgiftigen Quallen kamen. In Frankreich platzten in einem Sterne-Restaurant Hummer, verbreiteten eine gallertartige Masse, Menschen starben. Gastanker explodierten, ein Forschungsschiff verschwand spurlos. Wale trafen verspätet auf ihren Wanderungen vor der kanadischen Westküste ein. Als sie dann doch endlich ankamen, waren sie aggressiv und griffen Menschen und Schiffe an. Im norwegischen Schelfgebiet vermehrten sich massenhaft Borstenwürmer, die sich von methanabbauenden Bakterien ernährten, die ihrerseits das eisförmige Methanhydrat in großen Mengen abbauten. Dadurch wurde der Kontinentalhang vor Norwegens Küste instabil, kam ins Rutschen und verursachte einen gewaltigen Tsunami, der die Küstenregionen Nordeuropas verwüstete. Der Golfstrom kam zum Erliegen. In der Tiefsee verlegte Glasfaserkabel wurden zerstört, eine Kommunikation zwischen den Kontinenten war nur noch eingeschränkt möglich. Das freigesetzte Methan beschleunigte den Treibhauseffekt. Vor der Ostküste der USA wanderten Krebse mit giftigen Bakterien besetzt an Land. Das Gift gelangte ins Abwasser, giftige Gase stiegen auf und töteten die Menschen in ihren Häusern. Vor den Kanaren droht die instabile Westflanke des Cumbre Vieja durch die methanfressenden Bakterien abzurutschen und einen Megatsunami zu verursachen. Die Menschheit ist in ihrer Existenz bedroht. Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Ländern, unter Federführung der USA, führen einen fieberhaften Kampf gegen die Bedrohung. Immer klarer wird, dass diese im Zusammenhang mit der überall gefundenen gallertartigen Masse, die von den Forschern Yrr genannt wurde, steht. Die Forschung läuft auf Hochtouren.

Die Menschen fliegen ins All, suchen nach intelligentem Leben außerhalb der Erde. Aber wie gut kennen sie den eigenen Planeten? Die Tiefsee ist mehr oder weniger unerforschtes Gebiet. Das nutzt Frank Schätzing in seinem Roman und siedelt eine unbekannte Lebensform mit kollektiver Intelligenz in den Tiefen der Ozeane an. Gekonnt verknüpft er verschiedene Wissenschaftsgebiete wie Meeresbiologie, Zoologie, Ökologie, Vulkanologie und Klimaforschung und erklärt die angerissenen Themen allgemeinverständlich. Außerdem werden philosophische und völkerkundliche Ansätze, religiöse Gedanken und ausführliche Informationen zu technischen Fragen der Ölförderung und der Tiefseeforschung nicht ausgelassen. Auch an Handlungsorten mangelt es in Schätzings „Der Schwarm“ nicht. Trotz der beeindruckenden Themenfülle und Schauplatzvielfalt wird der Leser nicht überfordert. Der Roman ist gut strukturiert, in 5 Teile, einen Prolog und einen Epilog untergliedert. Zwischenüberschriften geben dem Leser Auskunft über den Zeitverlauf und der Ort der Handlung. Ein Kritikpunkt sind die recht eindimensional gestalteten Charaktere, die schon so manch gängigem Klischee entsprechen und sich grob in gut und böse einordnen lassen, das wird durch die abwechslungsreiche Handlung aber gut kompensiert. Denn den Hauptprotagonisten an sich gibt es nicht. Es sind etwa ein Dutzend Personen, davon einige real existierende, die die Handlung maßgeblich vorantreiben. Aus einer umfangreichen Recherche schöpfend, die auch noch in „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ einflossen, schuf Frank Schätzing einen äußerst interessantern und spannungsgeladenen Thriller. Den ersten Teil, in dem die Welt zunächst mit unerklärlichen Erscheinungen konfrontiert wurde, fand ich nahezu genial. Als dann in der zweiten Hälfte der Existenzkampf der Menschheit geschildert wurde, konnte mich der Autor nicht mehr hundertprozentig packen. Da gab es Szenen, die mir zu konstruiert und zu hollywoodlike erschienen und damit einfach nicht ganz meinem Geschmack entsprachen. Das Buch ließ sich gut und flüssig lesen, die wissenschaftlichen Fakten erdrückten die Handlung nicht. Ich empfehle „Der Schwarm“ gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Frank Schätzing, Jahrgang 1957, lebt gleich mehrere Leben. Als Kreativchef einer Werbeagentur, Musiker und Musikproduzent, begeisterter Hobbykoch und seit Mitte der Neunziger als Schriftsteller. Mit „Der Schwarm“ hat sich Schätzing, selber ausgebildeter Taucher, einen Traum erfüllt, nachdem er die Idee der Geschichte tatsächlich Jahre zuvor geträumt hatte. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.

1. Dezember 2011

Das blaue Sofa

Einsortiert unter: Allgemeines,Uncategorized — Karthause @ 08:13
Tags: , ,

Am Freitag, 02.12.2011, strahlt das ZDF eine neue Folge der Literatursendung „Das blaue Sofa“ um 23 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt 7 Bücher vor und führt Gespräche mit Julia Franck, Anne Enright und Robert Gerwarth.

Diese Bücher werden von Wolfgang Herles vorgestellt:

Laurent Binet –  “HHhH (Himmlers Hirn heißt Heydrich)“ (Rowohlt)
Kurzbeschreibung von amazon.de:
Beim Spaziergang durch Prag entdeckt der Autor an der Krypta eine Gedenktafel für tschechische Widerstandskämpfer. Sie versteckten sich dort nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich – bis deutsche Soldaten, nachdem sie auf der Suche nach ihnen schon ganz Prag auf den Kopf gestellt hatten, die Krypta fluten ließen.
Der Ich-Erzähler Binet ist so elektrisiert von dieser Geschichte, dass er beschließt, von Paris nach Prag zu ziehen und ihr nachzugehen.
Er verfolgt die sich kreuzenden Spuren der Nationalsozialisten und Widerstandskämpfer im Frühsommer 1942 in Prag. Der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich soll von dem Tschechen Josef Gabèik, der an den braven Soldaten Schwejk erinnert, auf offener Straße erschossen werden. Doch als der Mercedes mit Heydrich naht, klemmt der Abzug …
Ein freches und mutiges Buch, das man lachend und weinend zugleich liest.

Anne Enright –  “Anatomie einer Affäre“ (Deutsche Verlagsanstalt)
Kurzbeschreibung von amazon.de:
Eine verhängnisvolle Affäre – leidenschaftlich und schockierend offen
Es ist nicht Liebe auf den ersten Blick, als Gina den Familienvater Seán Vallely bei einem Gartenfest kennenlernt. Doch dann treffen sie sich zufällig wieder, trinken zu viel, landen im Bett – und verfallen einander. So beginnt eine verhängnisvolle Affäre, die jahrelang vor den Ehepartnern geheim gehalten wird. Anfangs eine Beziehung voller Leidenschaft und Glück, hält langsam das Schweigen Einzug, Gewissensbisse, Vorwürfe, Schuld – ist es Liebe? Und darf man für diese Liebe das Seelenheil seines Kindes opfern?
Anne Enright ist für die schonungslose Unerbittlichkeit bekannt, mit der sie Beziehungslügen seziert – da reicht eine Geste, ein Blick, und schon ist klar: Die Liebenden steuern in den Abgrund der Alltagsnormalität. Mit Anatomie einer Affäre ist der Irin ein würdiger Nachfolger ihres preisgekrönten Romans Das Familientreffen gelungen: schockierend offen, scharfsinnig und von einer psychologischen Präzision, die kein Entrinnen zulässt.

Julia Franck –  “Rücken an Rücken“ (S. Fischer)
Kurzbeschreibung von amazon.de:
Nach dem internationalen Erfolg von ›Die Mittagsfrau‹ erzählt Julia Franck in ihrem großen neuen Roman eine ergreifende Familiengeschichte im Deutschland der 50er und 60er Jahre.
Ostberlin, Ende der 50er Jahre. Die Geschwister Ella und Thomas wachsen auf sich allein gestellt im Haus der Bildhauerin Käthe auf. Sie sind einander Liebe und Gedächtnis, Rücken an Rücken loten sie ihr Erwachsenwerden aus. Ihre Unschuld und das Leben selbst stehen dabei auf dem Spiel.
Käthe, eine kraftvolle und schroffe Frau, hat sich für das kommunistische Deutschland entschieden. Leidenschaftlich vertritt sie die Erfindung einer neuen Gesellschaft, doch ihr Einsatz fordert Tribut. Im Schatten scheinbarer Liberalität setzen Kälte und Gewalt Ella zu. Während sie mal in Krankheit flieht und mal trotzig aufbegehrt, versucht Thomas sich zu fügen, doch nur schwer erträgt er die Erniedrigungen und flüchtet in die unglückliche Liebe zu Marie.
Julia Franck zeichnet das Bild einer Epoche, die die Frage nach Aufrichtigkeit neu stellt. Sie erzählt von großer Liebe ohne Rückhalt und einer Utopie mit tragischem Ausgang – eine Familiengeschichte, die zum Gesellschaftsroman wird.

Robert Gerwarth, „Reinhard Heydrich. Biographie“ (Siedler)
Kurzbeschreibung von amazon.de:
Die erste große Biographie zu Reinhard Heydrich
Reinhard Heydrich (1904–1942) war einer der mächtigsten Männer des »Dritten Reichs«: Als Leiter des Reichssicherheitshauptamts und engster Mitarbeiter Heinrich Himmlers lenkte er den Terrorapparat der Nationalsozialisten. Robert Gerwarth folgt in seiner Biographie dem steilen Aufstieg Heydrichs und beleuchtet dessen Rolle im NS-Regime sowie die Stilisierung zum Märtyrer nach seinem Tod durch ein Attentat in Prag.
Bis zu seinem gewaltsamen Tod im Sommer 1942 hatte Reinhard Heydrich unter den Nationalsozialisten eine beispiellose Karriere gemacht. Als Leiter des Reichssicherheitshauptamts, stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren sowie Organisator der »Endlösung der Judenfrage« war er eine der Schlüsselfiguren der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und einer der am meisten gefürchteten Männer des »Dritten Reichs«.
Auf der Basis neuer Quellen schildert Robert Gerwarth das Leben Heydrichs und analysiert dessen Aufstieg im nationalsozialistischen Terrorstaat. Er zeichnet ein Bild jenseits der Klischees des unideologischen Karrieristen und bietet zugleich neue Einblicke in die Geschichte des »Dritten Reichs« – in den Aufstieg der SS und die Entstehung des nationalsozialistischen Polizeistaats, in die deutsche Besatzungspolitik und die Organisation des Holocaust.

Neil MacGregor –  “Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“ (C.H.Beck)
Kurzbeschreibung (Auszug) von amazon.de:
Was uns eine steinerne Säule über einen großen indischen Herrscher erzählen kann, der seinem Volk Toleranz predigt, was spanische Dukaten uns über die Anfänge der globalen Währung verraten, oder was ein viktorianisches Teeservice uns über die Macht des Britischen Empires offenbart – Neil MacGregor beschreibt all diese Objekte nicht einfach nur, sondern erschließt uns durch ihre Betrachtung immer auch ein Stück Weltgeschichte. Wer den hier versammelten Dingen – vom afrikanischen Faustkeil bis zur Solarlampe Made in China – auf diese Weise begegnet, sieht die Geschichte als ein großes Kaleidoskop – kreisend, vielfältig verbunden, unentwegt voller Überraschungen. Ein intellektuelles und ästhetisches Vergnügen von der ersten bis zur letzten Seite und eines der außergewöhnlichsten historischen Bücher der letzten Jahre.

Hanns-Josef Ortheil – „Liebesnähe“ (Luchterhand)
Kurzbeschreibung von amazon.de:
An einem Vormittag trifft ein Mann mittleren Alters in der abgeschiedenen, aber luxuriösen Hotelanlage im Alpenvorland ein. Die pure Idylle und kreative Ruhe vor sich. Doch zwischen ihm und einer jungen Frau entsteht eine überraschende Spannung. Versteckte und offene Botschaften werden zwischen den beiden ausgetauscht, sie verstricken sich in ein raffiniertes und labyrinthisches Spiel ihrer Wünsche und Hoffnungen und wissen doch nicht, ob es echte Nähe ist.

Ngũgĩ wa Thiong’o – „Herr der Krähen“ (A1 Verlag)
Kurzbeschreibung (Auszug) von amazon.de:
Ausgangspunkt dieses geistreichen satirischen Romans ist das gigantische Bauvorhaben Marching to Heaven , ein moderner Turmbau zu Babel, das dem despotischen Herrscher der fiktiven Freien Republik Aburiria Weltgeltung verschaffen und ein monumentales Denkmal setzen soll.
„Herr der Krähen“ ist eine lebendige, ausdrucksstarke Satire über den Prototyp des afrikanischen Despoten, die mit tiefgründigem Humor die Lebensbedingungen in einer zunehmend globalisierten Welt thematisiert. Ngugi wa Thiong o gelingt mit diesem Roman eine umfassende Parabel auf die sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent und dessen Beziehung zum Westen.

Quelle: http://dasblauesofa.zdf.de/ZDFde/inhalt/29/0,1872,8402877,00.html?dr=1

Ich wünsche allen Freunden der Literatur ein gutes Durchhaltevermögen bis zu dieser späten Stunde.

27. November 2011

Buch der Woche (47. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 11:32
Tags: , , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen“ von Robert Bober.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Paris, Anfang der 60er Jahre: Der junge Bernard Appelbaum bekommt eine Statistenrolle in »Jules und Jim« durch Truffauts Assistenten, einen gewissen Robert Bober, der nach dem Krieg sein Betreuer in einem Ferienlager für jüdische Kinder war. Auch wenn die Caféhausszene mit Bernard später gestrichen wird: der Film greift tief in sein Leben ein. Denn nach der Kinopremiere erzählt ihm seine Mutter die Geschichte einer anderen Liebe zu dritt, die sie mit seinem Vater Yankel, der nicht aus Auschwitz zurückkam, und Leizer, dem früh verstorbenen Stiefvater, verband. Bernard macht sich auf die Suche: nach seinen eigenen Ursprüngen, aber auch nach den Spuren einer verdrängten Geschichte, eines von Krieg und Kollaboration gezeichneten Paris. In einer schlichten Sprache von unerhörter Eindringlichkeit hat Robert Bober ein Buch der Erinnerung geschrieben, in dem die große Geschichte und persönlichste Erinnerungen sich kreuzen und auf vielfältigste Weise ineinander laufen: lebendig und nostalgisch, traurig und lustig zugleich, wie die Bilder von Robert Doisneau.

Über den Autor

Robert Bober, geboren 1931 in Berlin, emigrierte 1933 mit seiner Familie nach Frankreich. Er arbeitete als Schneider, Töpfer, Erzieher, wurde Assistent von François Truffaut und drehte über 100 eigene Dokumentarfilme. In Deutschland wurde Robert Bober mit seinen Büchern »Was gibt’s Neues vom Krieg« (1995) und »Berg und Beck« (2000) bekannt.

25. November 2011

Mani Beckmann – Moorteufel

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 12:35
Tags: , , , ,

Moorteufel
Mani Beckmann
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3404142729

Ahlbeck im Münsterland, 1814. Der junge Jeremias Vogelsang, Sohn des Ahlbecker Magisterbauern, hat sich in die Tochter des Amtmannes verliebt. Trotz der Standesunterschiede träumt er von einer gemeinsamen Zukunft. Doch dann gerät die Welt der Ahlbecker ins Wanken. Der Amtmann beginnt eine Hetzjagd auf die jungen Männer, die sich dem Kriegsdienst entzogen haben. Auch Jeremias ist einer dieser Deserteure. Der Amtmann möchte nun zwei Fliegen mit einer Klappe fangen, kann er Jeremias festnehmen, ist er auch gleichzeitig den unstandesgemäßen Verehrer seiner Tochter Lotte los. Jeremias flüchtet ins Moor. Im alten Gesindehaus des abgebrannten Moorbauernhofs findet er Unterschlupf, allerdings muss er schnell feststellen, diese Behausung ist auch schon von anderen zwielichtigen Gestalten entdeckt worden. Während Jeremias sich nun im Moor versteckt hält, kommt er alten Geschichten auf die Spur, die auch ihn selbst und die Umstände seiner Geburt betreffen.

Vor dem Hintergrund der napoleonischen Befreiungskriege erzählt Mani Beckmann vom Konflikt zwischen den Nachbardörfern Ahlbeck und Oldendorf. Eine Geschichte, die besonders von deren Hauptpersonen, den einfachen Dorfbewohnern, lebt. Sehr bildhaft stellt er die schwierige Lebenssituation der Bauern dar. Die Armut wird greifbar, das Leben ist alles andere als leicht, sie haben nur das Notwendigste zum Überleben. Marodierende Banden nehmen von dem Wenigen noch das, was sie brauchen oder zu brauchen denken. Sehr gut hat mir auch die Beschreibung der einzelnen Schauplätze gefallen. Das Moor, die Höfe, alles entstand klar und deutlich in meiner Fantasie. Jeremias Vogelsang, der Hauptakteur und Ich-Erzähler, ist ein gelungener Charakter, gegen den es die anderen Personen etwas schwer haben, richtig zur Geltung zu kommen. Er war ein junger Mann, mit Träumen, die zerplatzten und aus denen wieder neue entstanden. Allerdings war er mir manchmal ein wenig zu naiv. Sein „Da hätte ich selbst drauf kommen können“ wurde etwas zu sehr strapaziert. Dagegen hätte ich mir den historischen Hintergrund ein wenig mehr beleuchtet gewünscht. Das hätte die Geschichte „runder“ gemacht. Das Geschehen wurde sehr ruhig erzählt, trotzdem fehlte es nicht an Spannung. Als Leser wusste man nie mehr als der Protagonist, so konnte man mit ihm ahnen, spekulieren und wieder Gedanken verwerfen.

„Moorteufel“ habe ich recht gern gelesen, mich hat das Buch gut unterhalten. Der Roman führte mich in eine Gegend, die eher selten zum Handlungsort auserkoren wird. So werde ich mich in absehbarer Zeit wieder auf die literarische Reise nach Ahlbeck begeben und den beiden Folgebänden („Die Kapelle im Moor“ und „Teufelsmühle“) meine Beachtung schenken.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Mani Beckmann, 1965 in Alstätte/Westfalen geboren, studierte Film- und Fernsehwissenschaft und Publizistik in Berlin. Er ist freier Filmjournalist und Drehbuchlektor sowie Autor von Kriminalromanen und historischen Romanen. Mani Beckmann ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

21. November 2011

Buch der Woche (46. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 08:49
Tags: , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Perversion“ von Juri Andruchowytsch.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Stanislaw Perfecki, ein Held des ukrainischen Underground, Dichter und Happening-Künstler, wird zu einem internationalen Symposion über den postkarnevalistischen Irrsinn der Welt in Venedig erwartet. Unterwegs in die Lagunenstadt gerät er in die Fänge von Bohemiens im dekadenten München, verliebt sich in eine Frau, die jemand als Spitzel auf ihn angesetzt hat, und wird in dämonische Intrigen und erotische Exzesse verstrickt. Am offenen Fenster des Hotels am Canal Grande verliert sich Perfeckis Spur. Hat dieser Künstler der Masken, der Fälschungen, Verdrehungen und anderen »Perversionen« sein Verschwinden nur inszeniert? Fest steht: Wie in Bulgakows »Der Meister und Margarita«, Andruchowytschs »Musterbuch«, bricht das Übersinnliche in die Alltagswirklichkeit ein und übernimmt die Regie. Rabelais und Bachtin, Bulgakow und Esterházy haben Pate gestanden, als in der Ukraine die literarische Postmoderne in Gestalt dieses Buches das Licht der Welt erblickte. Ein entfesseltes Spiel mit Formen, Stilen, apokryphen Traditionen – ein Lektüre-Abenteuer für alle, die lieber lachend mit der Literatur über das Leben triumphieren, als an ihm zu verzweifeln.

Über den Autor

Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, dem früheren galizischen Stanislau, studierte Journalistik und begann als Lyriker. Exotische Vögel und Pflanzen (1991; mit einem Zusatz „Indien“ 1997). Dt. u.d.T. Spurensuche im Juli. Reichelsheim 1995. Übersetzungen aus dem Russischen, Polnischen, Englischen und Deutschen. 1985 Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada). Mit seinen drei Romanen Rekreacij (1992), Moskoviada (1993), Perverzija (1999), die ins Polnische und Russische übersetzte wurden, ist er unfreiwillig zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur geworden. 2000 erschien in Polen Mein Europa (mit Andrzej Stasiuk), Ergebnis einer gemeinsamen Reise durch den unbekannten europäischen Osten. Die deutsche Übersetzung erschien im Mai 2004 in der edition suhrkamp.

Andruchowytsch wurde mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2005 der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Der Schriftsteller vermittle mit seinen brillanten Essays einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung einer nahezu unbekannten Region im erweiterten Europa, hieß es in der Begründung.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Völkerverständigung 2006  wurde Juri Andruchowytsch im März 2006 anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen.

Nächste Seite »

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.