Karthause's Welt …

26. Mai 2012

Buch der Woche (21. KW 2012)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Eine souveräne Frau“ von Gabriele Wohmann.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Würden alle Figuren plötzlich lebendig werden, die in Gabriele Wohmanns unzähligen Erzählungen vorkommen, könnte man wohl eine Kleinstadt mit ihnen bevölkern. Man hätte das alltägliche Welttheater vor sich, allerdings eines, bei dem hinter den banalen Verrichtungen und Problemen die Bruchlinien der Existenz ausgeleuchtet werden. Es wäre mit Nachsicht gegenüber Unzulänglichkeiten und einem Humor ausgestattet, der selbst dem Scheitern noch eine überraschende Leichtigkeit und Komik verleiht. Damit sich der Leser nicht verliert in diesem verlockenden Figuren- und Geschichtengewimmel aus fünf Jahrzehnten, wurden nun die schönsten Erzählungen ausgewählt und mit dem Bonus einiger neuer Geschichten versehen.

Über den Autor

Gabriele Wohmann, 1932 in Darmstadt geboren, gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen Deutschlands. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Bremer Literaturpreis und dem Hessischen Kulturpreis, und sie erhielt das Große Bundesverdienstkreuz. Zuletzt erschienen die Erzählungsbände: “Scherben hätten Glück gebracht” (2006) und “Schwarz und ohne alles” (2008).

21. Mai 2012

Tanja Ratsch – Erste Hilfe für Kübelpflanzen

Einsortiert unter: 2012,Fach- und Sachbuch — Karthause @ 18:38
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Kübelpflanzen: Kosmos Soforthelfer

Die 99 schnellsten Antworten

Ratsch, Tanja

Broschiert: 128 Seiten

Verlag: Kosmos

ISBN-13: 978-3440131572

 

 

 

Erste Hilfe für Kübelpflanzen

Wie oft kommt es vor, dass man einfach eine schöne Kübelpflanze kauft, ohne zu wissen, welche Ansprüche sie hat. Sie wird dann an einem fürs Auge günstigen Platz aufgestellt und nach Bauchgefühl gegossen, gedüngt und eventuell verschnitten. Eine Weile mag das auch gut gehen, aber was, wenn es der neue Pflanze schlecht geht, sie von Schädlingen befallen ist oder einfach vor sich hin kümmert. Mit diesem Buch sollten die häufigsten Sorgen behoben werden können.

Das Buch ist in die Abschnitte

  • Basics

  • Blütenpflanzen

  • Schmucklilie und Co.

  • Fruchtpflanzen

  • Zitrus

  • Lorbeer

  • Hochstämmchen

  • Kletterpflanzen

  • Palmlilie und Co.gegliedert

In den einzelnen Kapiteln werden die Themen Worauf muss ich achten?, Was brauche ich?, Wie versorge ich die Pflanzen am besten?, Die schönsten Arten, Probleme und Schneiden erörtert. Das Sachbuch wird durch einen Serviceteil mit vielen Adressen und einem Register abgerundet. Tanja Ratsch ist eine erfahrene Gärtnerin, seit vielen Jahren leitet sie eine Kübelpflanzenversandgärtnerei unweit von Ulm. In diesem Nachschlagewerk gibt sie ihr umfangreiches Fachwissen kompetent, aber unkompliziert an den Ratsuchenden weiter. Die Autorin hat für ihr Buch eine Auswahl der gängigsten Kübelpflanzen getroffen, so kann es schon sein, dass man sein eigenes Kübelpflanzen-Sorgenkind nicht darin findet. Aber schon aufgrund des Buchumfanges habe ich kein allumfassendes Sachbuch erwartet, sondern eher eine Art Erste Hilfe und Anleitung für Einsteiger. Diesem Anspruch wird das Buch gerecht. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch die gelungenen Fotografien von Martin Stafler.

18. Mai 2012

Buch der Woche (20. KW 2012)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Alles zerfällt“von Chinua Achebe.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete und die Weltliteratur prägte endlich in neuer Übersetzung!
Chinua Achebe erzählt von Verrat und Rache, von Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und von Sehnsüchten, die keine Zukunft haben. Okonkwo, stark und jähzornig, stösst sich an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Kolonialherren.
In seinem Meisterwerk beschreibt Achebe den Konflikt einer archaischen Kultur in einer Sprache, die rituell-sprichwörtlich, dokumentarisch und wunderbar poetisch ist: Mit diesem Roman erhielt der Kontinent eine Stimme.

Über den Autor

Chinua Achebe, 1930 in Ogidi/Nigeria geboren, studierte zunächst Medizin, dann Literatur, Geschichte und Religion an der Universität von Ibadan/Nigeria. Leiter des nigerianischen Rundfunks. Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten von Nigeria sowie der Universität von Massachusetts/Amhurst und Connecticut. Leitet den Fachbereich für Literatur an der Universität von Nsukka/Nigeria. Chinua Achebe erhielt 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

15. Mai 2012

Benjamin Stein – Replay

Einsortiert unter: 2012,SF/Fantasy — Karthause @ 16:17
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Ich war immer davon überzeugt, dass eine transparente Gesellschaft auch eine totalitäre Gesellschaft ist.” – Francois Baroin

 

Ed Rosen, von Geburt an gehandicapt, sein rechtes Auge kann er nicht bewegen und damit nicht räumlich sehen, ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. So verwundert es auch nicht, dass er sich als erster Mensch bereit erklärt, sich anstelle seines kranken Auges ein Implantat (Unicom) einsetzen zu lassen und das ständig um neue Features zu erweitern.

Es fiel mir etwas schwer mich in dieses Buch einzulesen. Es wirkte etwas befremdlich auf mich. Aber je weiter ich las, desto mehr gewöhnte ich mich an Sprache und Stil und meine Neugier wurde geweckt.

Der Roman ist in vier Abschnitte untergliedert, zu Beginn eines jeden wacht Ed Rosen auf, um sich sofort wieder in der Vergangenheit zu verlieren. Die Handlung des Buches lebt förmlich von diesen Rückblenden. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und als Leser bekommt man ein Bild von einer Gesellschaft, in der Transparenz mehr als nur Programm ist, sie wird gelebt in voller Bandbreite, der gläserne Mensch ist Realität und der Überwachung kann man auch in intimsten Momenten sicher sein. Bezugnahmen auf die gegenwärtig bekannten social Networks erhöhen die Authentizität Buches. Durch den gesamten Roman ziehen sich Anlehnungen an Philosophie und Mythologie. „Replay“ ist sehr sachlich geschrieben, Empathie wird dem Leser überlassen. Ich habe interessiert über das Dasein, die Entwicklung und das Umfeld des Ed Rosen gelesen, konnte mit ihm aber nicht unbedingt warm werden. Ungeachtet dessen, fand ich den Roman unterhaltsam. Er regt zum Nachdenken und zum Nachlesen der angeschnitten Themen an. Ob man wirklich alles möchte, was technisch umsetzbar wäre und die Nutzung dessen wirklich ein größeres Glücksgefühl zu Folge hat, muss jeder einzelne für sich entscheiden. Für mich ist dieser Roman keine Utopie, zu vieles von dem, was der Autor thematisiert, wird in absehbarer Zukunft möglich sein bzw. ist es schon jetzt.

Auf dieses Buch muss man sich einlassen können. Ich werde mich im Nachhinein noch etwas mit dem von Benjamin Stein in den Roman gebrachten Konstruktivismus befassen, vielleicht genehmige ich mir danach noch einen re-read von „Replay“ und muss meine aktuelle Bewertung von 3,5 Sternen noch einmal korrigieren.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Benjamin Stein, 1970 in Ost-Berlin geboren, arbeitete nach dem Abitur bis zur Wende als Nachtpförtner. Später studierte er Judaistik und Hebraistik. Sein erster Roman erschien 1995. Benjamin Stein arbeitete als Redakteur und Korrespondent diverser Computerzeitschriften und seit 1998 als Unternehmensberater für Informationstechnologie. Er ist Inhaber des Autorenverlags Edition Neue Moderne und betreibt das literarische Weblog ‘Turmsegler’. Benjamin Stein ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in München.

14. Mai 2012

Das blaue Sofa

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Am Freitag, 18.05.2012, strahlt das ZDF eine neue Folge der Literatursendung „Das blaue Sofa“ um 23 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt interessante Bücher nach seiner ganz persönlichen Auswahl vor.

1812. Napoleons Feldzug in Russland  – Adam Zamoyski
Die Republik der Frauen  – Gioconda Belli
Die große Nacht  – Chris Adrian
Robinsons blaues Haus  – Ernst Augustin
Weitlings Sommerfrische  – Sten Nadolny

(Quelle: Newsletter “Das blaue Sofa”)

11. Mai 2012

Buch der Woche (19. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 08:44
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Ewig Dein“von Daniel Glattauer.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen. Kurz darauf taucht er in dem edlen kleinen Lampengeschäft auf, das Judith, unterstützt von ihrem Lehrmädchen Bianca, führt. Hannes, Architekt, ledig und in den besten Jahren, ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freunde sind restlos begeistert. Am Anfang empfindet Judith die Liebe, die er ihr entgegenbringt, als Genuss. Doch schon bald fühlt sie sich durch seine intensive Zuwendung erdrückt und eingesperrt. All ihre Versuche, ihn wieder aus ihrem Leben zu kriegen, scheitern – er verfolgt sie sogar bis in ihre Träume …

Über den Autor

Daniel Glattauer, geb. 1960 in Wien, ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig und schreibt für die Tageszeitung Der Standard.

8. Mai 2012

Andrea Maria Schenkel – Finsterau

Einsortiert unter: Uncategorized — Karthause @ 18:33

Finsterau

Andrea Maria Schenkel

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag:
Hoffmann und Campe
ISBN-13:
978-3455403817

Anfang der 1940er Jahre verließ Afra ihr Elternhaus in Finsterau. 1944 kehrt sie heim, unverheiratet und schwanger von einem französischen Zwangsarbeiter, eine Schande in der damaligen Zeit. Immer häufiger kommt es zu heftigen Streitereien mit dem Vater. Dann, im Jahr 1947, werden Afra und ihr Sohn tot aufgefunden. Nach 18 Jahren wird dieser Fall neu aufgerollt.

“Finsterau” ist nach bewährtem Schenkelschem Erfolgsmuster geschrieben. Andrea Maria Schenkel hat sich für ihren neuesten Kriminalroman wieder an einem realen Mordfall orientiert. Nach dem Motto “in der Kürze liegt die Würze” ist auch dieser Krimi minimalistisch gestaltet. Schnörkellos, beschränkt auf das Wesentliche, klar und prägnant transportiert die Autorin sehr gut die bedrückende Stimmung, die schon das dunkle Cover erahnen lässt, zum Leser. Darüber hinaus gelingt es Frau Schenkel, in dieser Einfachheit die Vergangenheit aufleben zu lassen. Als Leser fühlte ich mich als stiller Beobachter der Geschehnisse auf dem Bauernhof im Allgäu in den Jahren 1944 und 1947. Einem Bericht ähnlich rekonstruiert die Autorin die Ereignisse, die im bayerischen Finsterau 1947 zu einem Doppelmord führen. Dabei lässt sie die Familienangehörigen, den Arzt, Mitarbeiter der Ermittlungsbehörden und Verdächtige in sehr kurzen Kapiteln zu Wort kommen. In Zwischenspielen wird die Geschichte der ledigen Afra und ihrem unehelichen Sohn erzählt.
Die Figuren sind nicht so deutlich beschrieben, wie ich es mir gewünscht hätte. Das ist ein erkennbarer Nachteil des Andrea Maria Schenkel eigenen Stils. Ich hätte gern mehr von ihnen erfahren, um mich in sie besser hinein versetzen zu können und sie zu verstehen. So erscheint die gesamte Geschichte zu oberflächlich. Die Dialoge sind in leichter Mundart gehalten. Auch als Flachländer hatte ich keine allzu großen Probleme mit deren Verständnis.
Mir fehlt in diesem Roman ein Nachwort, das den Leser über Fiktion und Wahrheit aufklärt. Das ist zwar vielleicht nicht wirklich wichtig, ich möchte aber immer gern wissen, wo die Fantasie der Autorin einsetzt, wenn schon darauf hingewiesen wird, dass ein tatsächliches Verbrechen die Grundlage des Romans bildet.
Durch “Finsterau” musste ich mich zwar nicht quälen, trotz meiner Kritikpunkte bot das dünne Büchlein mit nur 124 Seiten solide Unterhaltung, meine Erwartungen an diesen Kriminalroman waren aber offensichtlich zu hoch.

Über den Autor (Quelle : amazon.de)
Andrea Maria Schenkel, 1962 geboren, gilt als eine der renommiertesten Kriminalautorinnen Deutschlands. 2006 erschien ihr Debüt “Tannöd”, mit dem sie großes Aufsehen erregte. Der Roman wurde 2007 mit dem Deutschen Krimi-Preis, dem Friedrich-Glauser-Preis und der Corine ausgezeichnet. 2008 folgte der renommierte Martin Beck Award für den besten internationalen Kriminalroman. Das Buch wurde in bislang 20 Sprachen übersetzt und fürs Kino verfilmt. Auch für ihr zweites Buch “Kalteis” bekam sie begeisterte Kritiken und erhielt 2008 erneut den Deutschen Krimi-Preis. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Regensburg.

7. Mai 2012

Buch der Woche (18. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:43
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Schrift in Flammen“ von Miklos Bánffy.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Luxuriöse Bälle und große Jagden auf prächtigen Landschlössern, Affären in Budapester Palais, Duelle im Morgengrauen, Intrigen im Parlament: Sie bilden den Hintergrund dieses Romans, der die untergehende Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Sicht der beiden jungen Grafen Bálint Abády und László Gyeröffy schildert. Das Buch erzählt vom Versagen der herrschenden Schichten und entwirft ein Gesellschaftsbild vom Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie. Dieser erste Band der “Siebenbürger Geschichte“ wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn publiziert, kürzlich wiederentdeckt und erscheint jetzt erstmals auf Deutsch.

5. Mai 2012

T. C. Boyle – Wenn das Schlachten vorbei ist

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 15:43
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Wenn das Schlachten vorbei ist

T. C. Boyle

Originaltitel: When the Killing`s Done

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag

ISBN-13: 978-3446237346

Naturschützer vs. Tierschützer

Der Mensch als Schützer von Natur und Umwelt, so sieht T. C. Boyle seine Helden in seinem neuen Roman mit dem martialisch anmutenden Titel „Wenn das Schlachten vorbei ist“. Auf den Channel Islands vor der kalifornischen Küste ist die Umwelt empfindlich gestört worden. Das ökologische Gleichgewicht wurde durch eingeschleppte Ratten und Schweine aus dem Gleichgewicht geraten. Zwei Gruppen von Umweltschützern mit entgegengesetzten Auffassungen liefern sich nun einen erbitterten Kampf. Soll man die eingeschleppten Tiere gnadenlos töten oder hat jedes Tier, auch das eingeschleppte, letzten Endes eine Daseinsberechtigung, auch wenn das die Vernichtung des ursprünglichen Tierbestands und der Pflanzenwelt zur Folge hätte.

Dieser Roman war mein erster des Autors T. C. Boyle. Nicht sofort konnte ich mich in der Handlung zurechtfinden. Begann der Roman doch mit einem in der Vergangenheit liegenden Schiffbruch. Aber schnell wurden die Zusammenhänge klar und das Buch ließ mich nicht mehr los. Die Grundfrage des Romans ‘Wie viel Tierschutz verträgt die Natur?’ mag auf den ersten Blick etwas verwirrend klingen. Aber je weiter man sich durch den Roman liest, desto nachvollziehbarer werden die Positionen von Natur- und Tierschützern. Als Leser beginnt man, sich selbst Fragen zu stellen und wird schnell feststellen, dass deren Beantwortung alles andere als leicht ist. Und somit ist auch die Lektüre dieses Romans nicht unbedingt leichte Kost. Das bezieht sich aber keineswegs auf den Schreibstil des Autors, sondern ausschließlich auf das Thema, bei dessen Behandlung es schon mal “gut zur Sache geht”. Der Roman ist in zwei Teile untergliedert. Kern des ersten sind die Bemühungen, die Insel Anacapa von eingeschleppten Ratten zu befreien. Im zweiten Teil sollen die Schweine, die durch Siedler auf die Nachbarinsel Santa Cruz gebracht wurden, entfernt werden. Beide Tierarten haben sich durch ihre invasive Vermehrung, es fehlte ihnen an natürlichen Feinden, den Lebensraum erobert und bedrohen inzwischen die einheimische Fauna und Flora. In immer wieder eingeschobenen kleinen Geschichten, wird berichtet, wie diese Tiere auf die Inseln kommen und dort Fuß fassen konnten.

Die beiden Hauptpersonen, Alma und Dave, sind in ihren völlig konträren Ansichten sehr glaubhaft beschrieben. Bei beiden hat man das Gefühl, sie handeln aus innerer Überzeugung, aus Berufung. Dabei sind sie lebensecht mit Stärken, Schwächen und Ängsten gezeichnet. Boyle schreibt neutral und für den Leser erscheinen die Positionen beider Seiten gut nachvollziehbar.

Das Buch hatte ein paar Längen, aber wirklich gelangweilt habe ich mich beim Lesen nie, denn Boyle ist ein guter, sprachgewaltiger Erzähler und weiß auch mit scheinbar Nebensächlichem den Leser gut zu unterhalten.

Wie nebenbei vermittelt T. C. Boyle dem Leser umfangreiches Wissen über Ökologie, das Zusammenspiel von Fauna und Flora. Er regt zum Nachdenken an, will aber an keiner Stelle belehren. Ich vermag nur ansatzweise zu erahnen, welch umfangreiche Recherchen hinter diesem Roman stecken mögen.

Romane, die den Erhalt des Ökosystems unserer Erde thematisieren scheinen gegenwärtig gefragt zu sein. Wenn sie es schaffen, die Menschen ein wenig wachzurütteln, haben sie ihre volle Daseinsberechtigung. Dieser Roman macht das und ist dazu äußerst lesens- und empfehlenswert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

T. C. Boyle, geb. 1948 in Peekskill, New York im Hudson Valley, war Lehrer an der dortigen High-School und publizierte während dieser Zeit seine ersten Kurzgeschichten. Heute lebt er in Kalifornien und unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles Creative Writing.

Dieses Buch habe ich mit einer sehr lieben Lesefreundin begonnen, leider konnten wir es nicht gemeinsam beenden.

Servus, liebe Christine, danke für deine Freundschaft, ich werde dich immer in bester Erinnerung behalten,
du warst so eine starke Frau.

1. Mai 2012

Buch der Woche (17. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:23
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Nacht des Zorns“ von Fred Vargas.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

„Fred Vargas ist zurück – in Bestform.“ LE FIGARO LITTÉRAIRE Ein jahrhundertealter Mythos führt Kommissar Adamsberg in die dunklen Wälder der Normandie. Ein Heer aus Schattengestalten soll dort wüten und ungesühnte Verbrechen strafen. Lina, eine junge Frau aus der Normandie, hat es jüngst in der Nacht über den Waldweg reiten sehen. Und nicht nur das: Die Reiter hatten vier Menschen in ihrer Gewalt, deren Tage – der Legende nach – gezählt sind. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis das erste Opfer des Wütenden Heeres stirbt. Adamsberg ist überzeugt, dass sich jemand der mittelalterlichen Sage bedient, um ungestört zu morden. Wieder einmal findet sich in diesem Roman alles, was die unnachahmliche und inzwischen sprichwörtliche Magie Vargas ausmacht: wunderbare Charaktere, ein intelligenter Plot, eine subtile Handlungsführung, gefärbt mit einem sprühenden Funken Humor. „Wenn Vargas Musikerin wäre, wäre sie allein ein ganzes Orchester.“ ELLE „Eine ganz große Vargas!“ LE MONDE

Über den Autor

FRED VARGAS, geb. 1957 und von Haus aus Archäologin. Sie ist heute die bedeutendste französische Kriminalautorin und eine Schriftstellerin von Weltrang. 2004 erhielt sie für „Fliehe weit und schnell“ den Deutschen Krimipreis. Ihre Werke sind in über 40 Sprachen übersetzt und liegen sämtlich bei Aufbau in Übersetzung vor: Im Schatten des Palazzo Farnese Die schöne Diva von Saint-Jacques Der untröstliche Witwer von Montparnasse Das Orakel von Port-Nicolas Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord Bei Einbruch der Nacht Fliehe weit und schnell Der vierzehnte Stein Die dritte Jungfrau Die schwarzen Wasser der Seine Das Zeichen des Widders Der verbotene Ort Die Tote im Pelzmantel Die Nacht des Zorns (Frühjahr 2012)

30. April 2012

Téa Obreht – Die Tigerfrau

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 17:56
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Die Tigerfrau

Téa Obreht

Originaltitel: The Tiger`s Wife

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Rowohlt Berlin

ISBN-13: 978-3871347122

“Alles, was nötig ist, um meinen Großvater zu verstehen, liegt zwischen zwei Geschichten: der von der Tigerfrau und der von dem Mann, der nicht sterben konnte.” (S. 43)

Natalia Stépanovic ist eine junge Ärztin und gerade in humanitärer Mission in einem Waisenhaus im Südosten Europas im Einsatz, als sie durch einen Anruf ihrer Großmutter vom Tod des Großvaters erfährt. Natalia wusste von seiner Krebserkrankung, trotzdem kam sein Tod für sie überraschend, so wie der Tod eines geliebten Menschen immer zu früh kommt. So gehen ihre Gedanken immer wieder zurück zu der gemeinsam verbrachten Zeit, dabei tauchen immer wieder die geheimnisumwitterten Geschichten vom Mann, der nicht sterben konnte und der Tigerfrau in ihrem Kopf auf, die ihr der Großvater einst erzählte.

Eine Weile habe ich wegen der angekündigten fantastischen und mystischen Elemente gezögert, bevor ich zu diesem Buch griff. Aber dieses Zögern war vollkommen überflüssig. Téa Obreht legt mit „Die Tigerfrau“ ein beachtliches Romandebüt vor. Sie schafft es, dem Leser eine geheimnisvolle Welt zu eröffnen, in der Mythen zur Tradition gehören und diese fest im Leben der Menschen verankert ist. Obwohl Natalia, ihre Hauptfigur, eine moderne, gebildete junge Frau ist, hat auch sie tief in ihrem Herzen Platz für die alten Geschichten des Großvaters, aus dessen Leben die Autorin Episoden heraufbeschwört. Dieses Buch lebt von den Gegensätzen, Tradition und modernes Leben, Krieg und Hoffnung, Leben und Tod, die durch den Großvater eng miteinander verbunden sind. Dieser Roman, den ich für mich in die Liste meiner „Wohlfühlbücher“ aufgenommen habe, ist sprachgewaltig und kraftvoll erzählt, trotzdem voller Poesie und tiefer philosophischer Gedanken. Immer wieder schweifen beim Lesen die Gedanken ab und folgen den in der Geschichte verwendeten Metaphern. Téa Obreht hat es geschafft mit ihren Worten Bilder zu malen, die in meinem Kopf lebendig wurden. Die von ihr geschaffenen Figuren sind voller Leben. In ihrer Erzählung bewegt sie sich auf verschiedenen Zeitebenen, das macht die Geschichte so besonders reizvoll. Ich wage nach meiner ersten Lektüre dieses Buches zu behaupten, dies ist einer dieser Romane, die mit jedem Lesen besser werden. Man wird immer wieder neue Details erkennen, denen man zuvor nicht die Bedeutung beigemessen hat. Die Magie des Buches wird den Leser immer mehr in seinen Bann ziehen.

„Die Tigerfrau“ ist ein Roman von Leben und Tod, eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte – kurz, ein wunderbares, psychologisch ausgefeiltes, reifes Werk einer jungen Autorin.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Téa Obreht, geboren 1985 in Belgrad, lebt seit ihrem zwölften Lebensjahr in den USA. Dort veröffentlichte sie erste Erzählungen u.a. im “New Yorker”, in “Harper‘s” und der “New York Times”. Ihr Debütroman “Die Tigerfrau” (2011), der in den USA und England zu einem sensationellen Überraschungserfolg wurde, erscheint in mehr als dreißig Sprachen. Im Sommer 2011 erhielt Téa Obreht den Orange Prize for Fiction, im Herbst wurde “Die Tigerfrau” für den National Book Award nominiert.

25. April 2012

Buch der Woche (16. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:05
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Ed King“ von David Guterson.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Walter, der als Versicherungsmathematiker davon lebt, Risiken zu berechnen, geht das größte Risiko seines Lebens ein, als er sich von Diane, dem minderjährigen Au-pair der Familie, verführen lässt. Schwanger geworden, erpresst sie Walter und setzt das Baby aus, bevor sie ihr Glück als Escort in Portland versucht. Ihr Baby wird von einem kinderlosen wohlhabenden Ehepaar adoptiert und Edward King genannt, er ist hochbegabt und wird Internet-Tycoon, der »King of Search« – der sein schnelles Erfolgsleben auf ein Schicksal zulebt, das außerhalb seiner Macht steht. In seinem neuen großen Roman erzählt der Autor von »Schnee, der auf Zedern fällt«, wie drei Menschen im Kampf um ihren amerikanischen Traum an der zerstörerischen Kraft der Leidenschaft scheitern.

Über den Autor

David Guterson lebt mit seiner Frau und seinen Kindern auf Bainbridge Island im Puget Sound westlich von Seattle. Sein erster Roman »Schnee, der auf Zedern fällt«, für den er den Pen/Faulkner Award erhielt, machte ihn weltberühmt.

23. April 2012

Nelson DeMille – Der Löwe

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:18
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Der Löwe

Nelson DeMille

OT: The Lion

Gebundene Ausgabe: 554 Seiten

Verlag: Hoffmann und Campe

ISBN-13: 978-3455403060

 

Vor drei Jahren verschwand Asad Khalil, libyscher Terrorist mit dem Namen „Der Löwe“, spurlos von der Bildfläche nachdem er einen tödlichen Rachefeldzug quer durch die USA absolvierte. Jetzt ist er wieder aufgetaucht, er hat noch einige Rechnungen offen und wieder hinterlässt er eine unübersehbare Blutspur. Ganz weit oben auf seiner Liste stehen seine alten Gegenspieler der Anti-Terror-Task-Force John Corey und seine Partnerin und Ehefrau Kate.

„Der Löwe“ ist der fünfte Thriller, in dessen Mittelpunkt John Corey steht und der zweite, in dem er es mit Asad Khalil, dem libyschen Terroristen, aufnehmen muss. Aber auch ohne die Vorgänger zu kennen, findet man problemlos in die Geschichte, frühere Ereignisse werden wie nebenbei in der laufenden Handlung erklärt. Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt. John Corey berichtet in der Ich-Form über seine Sicht der Dinge. Das wirkt sehr persönlich und authentisch. Sein Gegenspieler, Asad Khalil, steht im Mittelpunkt des zweiten Handlungsstranges, der in der 3. Person geschrieben ist. Der Thriller ist in sieben Teile und insgesamt 49 Kapitel gegliedert, die Abschnitte in denen der Leser Khalil direkt begleitet, sind immer etwas kürzer gehalten als die, die Ermittlungen zu dessen Morden betreffen. Die Hauptfiguren lassen sich zwar problemlos in gut und böse einordnen, sie sind aber trotzdem nicht rundweg stereotyp. John Corey empfand ich an so mancher Stelle als etwas nervend in seiner Selbsteinschätzung, die nur gelegentlich durch Selbstironie gemildert wurde. Dessen ungeachtet er nicht der Unsympath an sich, stellenweise zeigte er sich sogar sehr menschlich. Sein loses Mundwerk hat mir gelegentlich ein breites Grinsen ins Gesicht gemalt. Trotzdem hatte ich mit seiner zynisch-sarkastischen und häufig rassistischen Art immer wieder kleine Probleme. Seine Vorbehalte gegenüber Anhängern des islamischen Glaubens gründen sich in den Ereignissen des 11. September 2001, die er selbst nur knapp überlebte. Er ist eben alles, aber kein geschniegelter Durchschnittsermittler und ganz sicher wird er die Leserschaft spalten, entweder man mag ihn, oder man lehnt ihn ab. Asad Khalil ist ein Psychopath ersten Ranges, er mordet unter dem Deckmantel der Rache aus reinem Vergnügen, egal ob Landsmann und Helfer, Amerikaner und Feind, Mensch oder Tier. Trotz der gekonnt geschilderten äußerst brutalen Morde blitzt immer wieder ein feiner, von mir sehr geschätzter Humor auf. Die Taten an sich waren intelligent konstruiert, einfallsreich und häufig ungewöhnlich. Die Spannung hielt von der ersten bis zur letzten Seite an, auch wenn der Thriller ein von mir nicht unerwartetes Ende fand und recht geradlinig aufgebaut war, würde ich ihn nicht als vorhersehbar bezeichnen. Aber für das ganz besondere Leseerlebnis fehlten mir ein paar irreführende Wendungen. Besonders gefallen hat mir der ungetrübte, kritische, aber auch subjektive Blick des Autors auf die USA, ihre Politik und die inneren Zustände.

Diesen actionreichen, brutalen und sehr flüssig zu lesenden Thriller empfehle ich allen Liebhabern dieses Genres, die eine Lektüre bevorzugen, in der es auch mal etwas blutiger zugehen darf. Mich hat dieser Thriller sehr gut unterhalten.

In der John-Corey-Reihe sind bisher erschienen:

Goldküste
Das Spiel des Löwen
Nachtflug
Operation Wild Fire
Der Löwe

Über den Autor (Quelle: amazon.de -gekürzt)
Nelson DeMille wurde 1943 in Jamaika geboren. 1966 bis 1969 war er als Oberleutnant der amerikanischen Armee in Vietnam. Danach studierte er Politik und Geschichte. Seit 1974 schreibt er Spannungsromane und gehört seit langem zu den erfolgreichsten Thrillerautoren Amerikas. Seine Werke sind regelmäßig auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten.

19. April 2012

Buch der Woche (15. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:53
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Der größere Teil der Welt“ von Jennifer Egan.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Bennie Salazar, ein Musikproduzent mit Visionen, hat Höhen und Tiefen erlebt. Auch seine Assistentin Sasha hat Probleme, von denen er allerdings nichts ahnt. Als Scotty, der Leadgitarrist von Bennies einstiger Punkband, überraschend wieder auftaucht, holt die Vergangenheit beide ein. Jennifer Egan entwirft ein großes Portrait des kulturellen Umbruchs seit dem Ende der Utopien bis zum digitalen Zeitalter und erzählt in wechselnden Perspektiven von Liebe, Freundschaft und Verlust. DER GRÖSSERE TEIL DER WELT reicht von der Musikszene San Franciscos Ende der Siebziger und dem New York der Neunziger bis zur ökologischen Katastrophe der Zukunft und einem verblüffenden Konzert am Ground Zero. Für ihren Roman erhielt Jennifer Egan den Pulitzer-Preis 2011 und zahlreiche weitere renommierte Auszeichnungen. Der größere Teil der Welt wird verfilmt, ist in 28 Sprachen übersetzt und international ein Bestseller. »Jennifer Egan erzählt vom Erwachsenwerden und Altern im digitalen Zeitalter und spürt mit warmherziger Neugier den kulturellen Quantensprüngen unserer Zeit nach.« (Aus der Begründung zum Pulitzer-Preis)

Über den Autor

Jennifer Egan wurde 1962 in Chicago geboren und wuchs in San Francisco auf. Neben ihren Romanen und Kurzgeschichten schreibt sie für den New Yorker sowie das New York Times Magazine und lehrt an der Columbia University Creative Writing. Ihr Roman LOOK AT ME kam ins Finale für die Nominierung des National Book Awards. Für den Roman DER GRÖSSERE TEIL DER WELT, der im Frühjahr 2012 bei Schöffling & Co. erscheint, wurde sie mit dem Pulitzer-Preis 2011 ausgezeichnet.

16. April 2012

Maurizio Maggiani – Himmelsmechanik

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 18:50
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Himmelsmechanik

Maurizio Maggiani

OT: Meccanica Celeste

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten

Verlag: Edition Nautilus

ISBN-13: 978-3894017514

“Wenn wir über das sprechen, was kommen wird, erzählen wir von dem, was gewesen ist, und je weiter wir uns voranwagen, desto mehr graben wir im Vergangenen.” (S. 57)

Der im gesamten Roman unbekannt bleibende Erzähler zeugte mit seiner Frau Nita in der Nacht, in der Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, ein Kind. Nita geht fest davon aus, dass das Kind, sie rechnet fest mit einer Tochter, an Maria Himmelfahrt, am 15. August 2009, zur Welt kommt. In dieser Zeitspanne berichtet der Erzähler über die Menschen und ihre Geschichte(n) in seinem Umfeld, die eng zusammen gehören und eine eingeschworene Gemeinschaft bilden. Dabei sind historische Ereignisse lediglich Eckpunkte der Handlung.

Marizio Maggiani führt den Leser nach Norditalien, in ein Tal, in dem die Uhren noch anders ticken, in dem die Menschen noch Zeit haben und für einander da sind. Er erzählt mit viel Liebe zum Detail vom bescheidenen Leben der einfachen Leute. Mir wuchsen die Dorfbewohner mit ihren Eigenheiten schnell ans Herz. Immer wieder schweifte der Erzähler mit seinen Gedanken ab in die Vergangenheit. Er schwelgt in Erinnerungen und bringt dem Leser damit die Lebensart in der abgelegenen Garfagnana nahe. Er erzählt von den Ereignissen die die Einwohner prägten, die sie zu dem machten was sie sind. Wie mit Hilfe der Himmelsmechanik in der Astronomie die Bewegung von Himmelskörpern beschrieben wird, so beschreibt Maurizio Maggiani die Bewegungen und Beziehungen der Bewohner der norditalienischen Garfagnana für den außerhalb dieses Kosmos stehenden Leser. Schnell hatte ich das Gefühl, der Unbekannte erzählt mir persönlich die Geschichten, die ihm von Land und Leuten wichtig sind.

Dieses Buch ist mehr als nur ein schön geschriebener Roman, es ist eine wundervolle Liebeserklärung an eine Region und deren Menschen mit einer sehr ansprechenden wunderbaren Sprachmelodie. Es enthält ein Glossar und ist von der Gestaltung her sehr ansprechend.

Ich empfehle diesen Roman jedem, der eher die leisen Töne bevorzugt, dem der Sinn nach Tiefe in den Gedanken steht und der Menschen mit all ihren Eigenarten und Schrullen in einer abgeschiedenen Region begegnen möchte. Mit diesem Roman wurde mein Augenmerk auf einen Autor gelenkt, von dem ich mir noch viele ähnlich bezaubernde Bücher erhoffe.

Ich danke Edition Nautilus für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Maurizio Maggiani, geb. 1951 in Castelnuovo Magra, hat u.a. als Gefängnislehrer, Erzieher von blinden Kindern, Fotograf, Kameramann und Regieassistent gearbeitet, bevor er fast zufällig ein erfolgreicher Schriftsteller wurde. Bei Edition Nautilus erschienen der Roman Reisende in der Nacht (2007), die Erzählungen Die Liebe ist ein Schwindel (2004, Literaturpreis »Scrivere per amore«) und der Roman Königin ohne Schmuck (2001).

14. April 2012

Buch der Woche (14. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 09:45
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Im Café der verlorenen Jugend“ von Patrick Modiano.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Paris in den 60er Jahren: Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Mit ihrem Geliebten, dem angehenden Schriftsteller Roland, streift sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem “Café der verlorenen Jugend”, glaubt Louki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat. Mit wunderbarer Leichtigkeit erschafft Patrick Modiano, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren aus Frankreich, eine unvergleichliche Atmosphäre. Eine Atmosphäre, die süchtig macht.

Über den Autor

Patrick Modiano, geboren 1945, gilt als einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller der Gegenwart. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den großen Romanpreis der Academie francaise und den Prix Goncourt.

8. April 2012

Ian Whybrow – Erwin, König der Wüste

Einsortiert unter: 2012,Jugendbuch — Karthause @ 10:22
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Erwin, König der Wüste
Ein Erdmännchen-Abenteuer

Whybrow, Ian

Originaltitel: Meerkat Madness

Gebundene Ausgabe: 217 Seiten

Verlag: Schneiderbuch

ISBN-13: 978-3505129575

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 – 10 Jahre

Früher war Erwin der König der Wüste, ein geachteter König einer Erdmännchenkolonie. Aber seit seinem „Unfall“ mit dem Stummen Feind hat sich seine Welt verändert. Körperlich ist er nicht mehr der Alte, mit nur noch einem Auge und einigen „Kriegsverletzungen“ hat er es schwer, er taugt jetzt nur noch als Babysitter für den Nachwuchs. So erzählt er Tüftler, Mia und Träumer von seinen Abenteuern mit den Blah-Blahs, den Klick-Klicks und den O-Guck-Mals. Er prahlt, gibt mit seinen Erlebnissen an und verspinnt so manchen Meter Erdmännchenlegendengarn. Sogar die jungen Erdmännchen haben ihre Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Berichte. Aber dann kommt der Tag, an dem sie ihren dunklen Bau tief unter der Wüste verlassen dürfen…

Wer mag sie nicht, die possierlichen Erdmännchen. In den Zoos sind sie die Lieblinge von Groß und Klein. Ian Whybrow macht sie zu Helden einer wunderbaren Geschichte. Er erzählt vom Leben in einer Erdmännchenkolonie, von Freud und Leid, von Freund und Feind, vom Gewinnen und Verlieren, alles ohne jegliche Gewalt. Aber er berichtet auch, dass ein scheinbarer Verlierer am Ende etwas gewonnen haben kann. Das Buch ist kindgerecht, auch Erwins Unglück wird sehr einfühlsam vermittelt. Mit vielen Illustrationen wird der Text, der für Erstleser eine angenehme Schriftgröße hat, veranschaulicht. Die Handlung ist auf 22 Kapitel aufgeteilt, jedes ist etwa 10 Seiten lang. Eine Länge, die sich auch sehr gut für das abendliche Vorlesen eignet. Das Buch ist sehr flüssig zu lesen und lebt von seinen humorvoll geschilderten Begebenheiten. Es wird für die Altersklasse von 8 – 10 Jahren empfohlen, ich würde sie um 1 Jahr heruntersetzen. 10-jährige sind dem Buch vielleicht schon ein wenig entwachsen. Dagegen versteht auch ein 7-jähriger schon gut, worum es in der Handlung geht. Ich empfehle das Buch besonders als Vorlesebuch.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ian Whybrow, in Kent geboren, hat sich als Autor von humorvollen Erzählungen für Kinder und Jugendliche einen Namen gemacht. Heute lebt er mit seiner Frau in Middlesex und schreibt auch für den Hörfunk und das Fernsehen.

3. April 2012

Buch der Woche (13. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:14
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Wohin mit mir“ von Sigrid Damm.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Es ist das letzte Jahr des vergangenen Jahrtausends. Gerade erst hat die Erzählerin ihren Lebensmittelpunkt im hohen Norden gefunden, in einer Landschaft, in der sie unendliche Weite und Ruhe umgibt, in der alles liegt, was sie erzählen will – da erreicht sie eine Einladung in den Süden: ein halbjähriges Stipendium in Rom. Rom im Millenium-Fieber, Lärm, Abgase, Touristenströme. Die Ewige Stadt erscheint ihr wie ein einziger Monitor, auf dem tausend Bilder gleichzeitig laufen. Sie fühlt sich zunächst wenig willkommen. Erst in den Parks der Villa Borghese, vor den Gemälden Caravaggios in der Kirche Santa Maria del Popolo und gemeinsam mit den Söhnen, die sie besuchen, findet sie Momente des Glücks. Sie holt sich den Norden in die Ewige Stadt. Schließlich aber erliegt sie der Faszination des Südens doch. Da ist in Rom Baschal, ein junger Kongolese, Pförtner in Trinità dei Monti, da sind Fulio und Anna, das alte Ehepaar, und die deutsche Buchhändlerin an der Piazza Montecitorio. Sie folgt den Spuren von Ingeborg Bachmann, ihr begegnet der Komponist Hans Werner Henze. Und Goethe ist allgegenwärtig, nicht nur in ihrem Domizil, der „Casa di Goethe“. Sie reist nach Sperlonga, zum Monte Circeo am Tyrrhenischen Meer, an den Lago Maggiore und nach Venedig. Sie besucht Genua und Palermo und wandert durch Syrakus. Die Begegnungen im Süden lösen Erinnerungen aus: an die Hochzeitsreise nach Kuba, an Che Guevara, an den Fall der Mauer und die ersten Aufenthalte in Lappland. Verflossene Lebenszeit – das Nachdenken darüber wird zur Selbstbefragung. Wer bin ich, wo will ich hin? Ein intimes, heiter nachdenkliches Buch, das mit großer poetischer Kraft vom Suchen, Verfehlen und Finden des Glücks erzählt.

Über den Autor

Sigrid Damm, in Gotha/Thüringen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Mecklenburg. In Jena studierte sie von 1959-65 Germanistik und Geschichte. 1970 folgte die Promotion. Die Autorin ist Mitglied des P.E.N. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Feuchtwanger-, Mörike- und Fontane-Preis.

2. April 2012

Stephan M. Rother – Ich bin der Herr deiner Angst

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:13
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Ich bin der Herr deiner Angst

Stephan M. Rother

Taschenbuch: 576 Seiten

Verlag: rororo

ISBN-13: 978-3499258695

Im Mittelpunkt dieses in Hamburg angesiedelten Thrillers stehen die Ermittler Jörg Albrecht und Hannah Friedrichsen. Sie ermitteln in einer Serie äußerst bizarrer und grausamer Morde. Die ersten beiden Opfer sind Kollegen, das dritte Opfer ist eine bekannte TV-Moderatorin, die für einen Privatsender als Berichterstatterin immer in erster Reihe stand. Die Ermittler stehen unter Druck, denn die Fälle haben die Öffentlichkeit wach gerüttelt, gab es doch zu Beginn von Jörg Albrechts Polizeikarriere ähnlich gelagerte Serienmorde. Der damalige Täter sitzt jedoch inzwischen in der Psychiatrie.

Der in 12 Kapitel gegliederte Thriller wird von einem Vorspiel eingeleitet, von mehreren Zwischenspielen unterbrochen und endet mit einem Nachspiel. Die Haupthandlung wird aus der Sicht der beiden Ermittler geschildert, dabei ist Hannah Friedrichsen die Ich-Erzählerin und die Sichtweise ihres Vorgesetzten, Jörg Albrecht, wird dem Leser in der dritten Person erzählt. Diese beiden Erzählperspektiven tun dem Roman sehr gut, der Blickwickel des Lesers wird dadurch scheinbar größer und der Einblick in die Ermittlertätigkeit lässt die Protagonisten in ihrem Tun überzeugender wirken. Auch wenn beide Ermittler nicht meine Sympathie erlangten, Albrecht kehrte für meine Begriffe zu oft den Bildungsbürger heraus, Friedrichsens Affäre mit dem Staranwalt war völlig unnötig, führten sie mich doch gekonnt zur Aufklärung dieser eigenwilligen Mordserie, bei der sich die Angst der Opfer immer in ihrem Tod widerspiegelte. Der Spannungsbogen wird von Beginn an ziemlich konstant gehalten. Sprachlich ist der Roman sehr ansprechend und flüssig zu lesen. Die Aufklärung der Morde ist intelligent konstruiert, wobei mir besonders die psychologische Komponente sehr gut gefiel.

Thrillerleser, die ihre Lektüre abseits der bluttriefenden Massenware suchen und ihr Augenmerk eher auf das Subtile richten, werden mit „Ich bin der Herr deiner Angst“ sicher angenehme, spannende und unterhaltsame Lesestunden verbringen können.

Mein besonderer Dank gilt dem rororo Verlag für das Rezensionsexemplar.

 Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Stephan M. Rother wurde 1968 im niedersächsischen Wittingen geboren, ist studierter Historiker und war fünfzehn Jahre lang als Kabarettist unterwegs. Seit einem Jahrzehnt veröffentlicht er erfolgreich Romane, darüber hinaus ist er als Übersetzer tätig. Stephan M. Rother ist verheiratet und lebt in einem verwinkelten Haus voller Bücher und Katzen am Rande der Lüneburger Heide.

31. März 2012

Linda Maria Koldau – Die Titanic: Das Schiff, der Untergang, die Legenden

Einsortiert unter: 2012,Fach- und Sachbuch — Karthause @ 18:26
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Titanic: Das Schiff, der Untergang, die Legenden

Linda Maria Koldau

Gebundene Ausgabe: 303 Seiten

Verlag: Beck

ISBN-13: 978-3406624247

Am 15. April 2012 jährt sich der Untergang der Titanic, der über 1500 Menschen den Tod brachte, zum 100. Mal. Seit dem ranken sich viele Geschichten und Legenden um dieses Ereignis. Bücher wurden geschrieben und Filme gedreht. Die Titanic wurde zum Mythos.

Linda Maria Koldau hat in ihrem Buch diese Thematik aufgegriffen. Sie berichtet über den Bau der Titanic und beschreibt die luxuriöse Ausstattung. Sie betont auch, dass die Titanic zwar ein Luxusliner war, aber der Transport von Auswandern mehr als nur ein Nebengeschäft war. Auch die Kajüten der 3. Klasse waren im Vergleich zu anderen Passagierschiffen erstaunlich geräumig. Sie schreibt vom harten Konkurrenzkampf der Reedereien, der in nicht unerheblichem Maße auch zu Lasten der Sicherheit ging. Die Autorin zitiert aus Befragungen und Gerichtsprotokollen die Aussagen der Überlebenden, deckt Widersprüche und bisher für Außenstehende Unbekanntes auf und belegt damit die aus Haftungsgründen verschleierten Umstände des Schiffsuntergangs. Die Autorin lenkt aber auch die Gedanken des Lesers zu den Filmen, denen die Titanic-Katastrophe als Vorlage diente. So gibt es zum Beispiel einen Blick auf die Figur des Joseph (Jack) Dawson (in der Cameron-Verfilmung dargestellt von Leonado Dicaprio), der zwar auf keiner Passagierliste stand, für den es aber einen Grabstein in Halifax gibt.

In einem Epilog, einer Einleitung und 17 Kapiteln lässt die Autorin für den Leser die Jungfernfahrt Revue passieren. Fast minutiös schildert sie das Geschehen an Bord.  Das Werk wird durch einen umfangreichen Anhang, der eine Zeittafel, umfangreiche Literatur-, Zitat- und Bildnachweise sowie ein Register umfasst, abgerundet. Aber auch die Gestaltung des Buches ist ausgesprochen gelungen.

„Titanic: Das Schiff, der Untergang, die Legenden“ ist ein Sachbuch mit durchaus kulturgeschichtlicher Bedeutung. Es ist aber so flüssig zu lesen, so spannend geschrieben, dass es einen Roman in nichts nachsteht. Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt. Ich bewerte es mit 5 von 5 Sternen.

Ich danke Blog dein Buch und dem Ch. Beck Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.

Hier kann das Buch bestellt werden.

Über den Autor (Quelle: buch.de)

Linda Maria Koldau, Kulturwissenschaftlerin und Journalistin, ist Professorin für Musikwissenschaft und Kulturgeschichte an der Universität Aarhus in Dänemark. Einem größeren Publikum ist sie durch Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und zahlreiche Radiosendungen bekannt.

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