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15. September 2014 / Karthause

Das blaue Sofa

Am Freitag, 19. September 2014, strahlt das ZDF eine neue Folge der Literatursendung „Das blaue Sofa“ um 23.45 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt zu später Stunde wieder interessante Bücher nach seiner ganz persönlichen Auswahl vor.

Hier nun die Bücherliste zur Sendung:

Robert Seethaler
Ein ganzes Leben
Gebundene Ausgabe, 160 Seiten
Hanser Verlag, 2014
ISBN 978-3-446-24645-4
17,90 Euro

Eindringlich und doch auch herrlich leicht erzählt Robert Seethaler auf nur 150 Seiten von einem schweren Leben. Andreas Egger, ein einfacher, aber nicht einfältiger Knecht, wird vom Schicksal gebeutelt, aber er versteht, es mit stiller Verwunderung zu meistern.
Erst wird er vom Stiefvater fast zum Krüppel geprügelt, dann nimmt eine Lawine ihm die geliebte Frau und alles, was er besitzt. Er überlebt als Seilbahn-Arbeiter und Bergführer, beobachtet, wie der Fortschritt ins Tal zieht. Robert Seethaler hat sich mit seinem fünften Roman endgültig in die erste Reihe der deutschen Literatur geschrieben.

Paulo Coelho
Untreue
Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
Diogenes Verlag, 2014
ISBN 978-3-257-06908-2
19,90 Euro

Paul Coelhos Heldin wird diesmal nicht spirituell erleuchtet, sondern von erotischen Erfahrungen kuriert. Linda, die schöne, reiche, doch gelangweilte Genferin voller Sehnsucht nach Abenteuern, lebt in derselben Stadt wie der brasilianische Kultautor. Er erlaubt sich kräftige Spitzen gegen die Luxuswelt und kann sich auch nicht verkneifen, dem Hausgott der Genfer, den Reformator Calvin, als einen Vorläufer Bin Ladens zu zeichnen.
Einer der interessantesten Romane des von seiner Gemeinde verehrten, von der Kritikerkaste unterschätzten Bestsellerautors.

Yuri Herrera
Der König, die Sonne, der Tod
Mexikanische Trilogie
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
Gebunden Ausgabe, 352 Seiten
S. Fischer Verlag, 2014
ISBN: 978-3-10-002255-4
19,99 Euro

Verstörend poetisch und drastisch zugleich schreibt Herrera. Er ist eine unverwechselbare, erregend neue Stimme der lateinamerikanischen Literatur.
Drei Novellen in einem Band, die einen tiefen Blick in die blutigen Abgründe eines faszinierenden Landes bieten. Vor dem Hintergrund des Kriegs der Drogenkartelle erzählt der mexikanische Autor zum Beispiel von einem Sänger, der von einem Drogenboss engagiert wird wie ein mittelalterlicher Troubadour an den Hof eines Königs. Der mächtige Gangster zahlt nicht nur gut, der Glanz dieses Königs fällt auch auf den Künstler, bis der erkennt, nicht bloß Beobachter bleiben zu dürfen. Es geht also um die Verführbarkeit von Kunst durch Macht.

Rax Rinnekangas
Der Mond flieht davon
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
Gebundene Ausgabe, 160 Seiten
Verlag Graf, 2014
ISBN-13 9783862200344
16,99 Euro

Einer der besten finnischen Romane der vergangenen Jahrzehnte, anlässlich des Gastauftritts Finnlands auf der Frankfurter Buchmesse erstmals ins Deutsche übersetzt.
Es ist eines dieser seltenen Bücher, das Sie nie mehr loslassen wird. In den hellen Sommernächten im hohen Norden Finnlands zieht das Mädchen Sonja ihren jüngeren Bruder Leo und ihren Cousin Laurie, den Ich-Erzähler, vollkommen in ihren Bann, führt sie in die Freuden der Sexualität ein. Dann verunglückt Sonja tödlich. Jetzt erst, in der tiefsten Trauer, kommt die Frage der Moral auf. Ist dieser Tod sinnloser Zufall oder eine Strafe? Innerhalb weniger Tage werden die Jungen auf glühendste und schrecklichste Art erwachsen.

(Quelle: Newsletter “Das blaue Sofa”)

Ich wünsche euch ein gutes Durchhaltevermögen bis zur späten Sendung, vielleicht hält euch ein gutes Buch wach, oder ihr programmiert die Sendung, oder nutzt die Möglichkeiten des www.

Quelle: ZDF.de

Quelle: ZDF.de

 

14. September 2014 / Karthause

Philip Teir – Winterkrieg

Originaltitel: Vinterkriget

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896675347

Der Blessing Verlag über das Buch:

Max Paul ist Soziologe an der Universität von Helsinki und zugleich erfolgreicher Buchautor. Sein akademisches Steckenpferd sind Sexualität und Ehe – seine eigene Ehe jedoch funktioniert schon lange nicht mehr. Während Max und seine Ehefrau Katriina in eine immer tiefere Krise geraten, hadern auch ihre erwachsenen Töchter mit ihrem jeweiligen Lebensmodell: die Lehrerin und zweifache Mutter Helen genauso wie die Kunststudentin Eva, die mit knapp dreißig ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Als Eva eine Affäre mit ihrem Dozenten anfängt und Max eine mit einer jungen Journalistin, spitzt sich in einem kalten Winter in Helsinki die Situation der Familie Paul zu.

Ein brillant erzählter, psychologisch raffinierter Gesellschaftsroman über eine globale Mittelschicht auf der Suche nach dem Lebenssinn, hin- und hergerissen zwischen dem Streben nach Unabhängigkeit und der Sehnsucht nach Sicherheit.

Der Blessing Verlag über den Autor

Der Finnlandschwede Philip Teir, geboren 1980, gilt als einer der wichtigsten Nachwuchsautoren Finnlands. Er hat bereits Gedichte und einen Band mit KurzgeschichMax und Kathten veröffentlicht, und ist Herausgeber von Anthologien. “Winterkrieg” ist sein erster Roman. Philip Teir lebt als freier Journalist und Schriftsteller mit seiner Familie in Helsinki.

Meine Meinung

Gern ließ ich mich von Autor Philip Teir gedanklich nach Finnland mitnehmen. Mit seinem Roman erzählte er nicht nur eine Familiengeschichte, er vermittelte mir gleichzeitig ein interessantes Gesellschaftsbild vom Finnland unserer Zeit. Seine Protagonisten stammen allesamt aus der bürgerlichen Mittelschicht und wurden so charakterisiert und beschrieben, dass man sich gut in sie hineinversetzen konnte und nach kurzer Lesezeit glaubte, Max und Katriina, Eva und Helen sind Menschen, wie man selbst welche kennt. Sie haben sich mit ihrer Sinnsuche und dem inneren Konflikt zwischen Unabhängigkeit und Sicherheit nicht zu weit von meiner Gedankenwelt entfernt. Doch gerade diese Sinnsuche erschien mir dann ein wenig oberflächlich. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe in den Dialogen und Gedanken der Figuren gewünscht. Ein wenig vermisste ich auch, dass der Autor meine eigenen Gefühle für seine Helden anspricht. So blieben zu ihnen trotz allem Verständnis für ihr Tun und Lassen stets eine kühle Distanz. Der Autor zeichnete ein sehr gutes Gesellschaftsbild, von dem die Protagonisten aber gelegentlich in den Hintergrund gedrängt wurden.

„Winterkrieg“ lässt sich gut und recht flüssig lesen und erzählt von alltäglichen Problemen, die weder neu noch fremd sind. Sei es der zweite Frühling oder das sich selbst Finden in jungen Jahren, alles wurde unterhaltsam, manchmal etwas skurril, manchmal mit unterschwelligem Witz an den Leser gebracht. Der Roman wies nur wenige Längen auf und bescherte mir abwechslungsreiche Lesestunden.

7. September 2014 / Karthause

Isabel Beto – Korallenfeuer

Taschenbuch: 496 Seiten

Verlag: rororo

ISBN-13: 978-3499267222

 

Kurzbeschreibung (Quelle: Rowohlt)

 Nichts wünscht sich Noëlle sehnlicher, als einmal diese Worte zu hören. Doch jemand anderem zu gehören, ist für sie grausame Wirklichkeit: Sie ist Sklavin auf der Seychellen-Insel Mahé. Als Heilerin hat Noëlle sich Respekt erworben, aber Nähe spürt sie nur zu ihrem geliebten Onkel. Als dieser schwer verletzt wird, ist Noëlle verzweifelt. Ihre einzige Hoffnung: der Schiffsarzt der Fregatte, die gerade vor Mahé ankert. Dieser Mann löst etwas aus in Noëlle – etwas Tiefes und Dunkles. Sie ahnt nicht, was er verbirgt. Was ihn zwingt, ein Leben ohne Vergangenheit zu führen.

Über die Autorin (Quelle: Rowohlt)

Isabel Beto arbeitete als Malerin, bevor sie anfing zu schreiben. Die Farben Südamerikas haben sie schon immer besonders fasziniert, und sie liebt es, ganz in ihren Geschichten und Bildern abzutauchen und so fremde, exotische Welten erleben zu können.

Meine Meinung

Als ich zu diesem Roman griff, erwartete ich etwas ganz leichtes, seichtes für Sommerabende auf der Terrasse mit einem Glas Wein. Umso überraschter war ich, nicht die typisch kitschige Liebesschnulze in Händen zu halten. Die Autorin führt die Leser auf die Seychellen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie beschreibt die Schönheit der Natur, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt auf eine Art und Weise, wie man sie selten in der Belletristik findet. Aber auch die politische Situation, um die Inselgruppe war ein Streit zwischen Frankreich und England entbrannt, wurde dem Leser verständlich nahegebracht. Dazu wurde sowohl das Leben der Kolonialisten als auch das der Sklaven nacherlebbar dargestellt.

Noëlle ist Sklavin bei einer einflussreichen Familie, sie wird sehr gut behandelt und hat einige Freiheiten, die für eine Sklavin sicher nicht typisch sind. Aber sie ist auch eine Heilerin und ihr Ansehen hat sie sich nicht zuletzt dadurch erworben. Als dann mit Thierry Carnot, ein Arzt von einem französischen Schiff auf die Insel kommt, entspinnt sich eine leise, nicht vordergründige Liebesgeschichte, die diesem Roman ihren Charme dadurch verleiht, dass ihr jeglicher Kitsch fehlt. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sie hadern, zweifeln, sind alle sehr menschlich, kurz sie sind facettenreich gezeichnet.

„Korallenfeuer“ ist ein sehr gut zu lesender, flüssig geschriebener (Liebes-)Roman, der den Leser gedanklich auf eine Reise schickt und eine Insel voller Naturschönheiten und vor ihm interessanter Menschenschicksale ausbreitet. Ich habe diesen Roman sehr gern gelesen und mit ihm unterhaltsame Lesestunden genossen.

2. September 2014 / Karthause

Bodo Kirchhoff – Verlangen und Melancholie

Cover Verlangen und MelancholieVerlag: Frankfurter Verlagsanstalt

ISBN-13: 978-3627002091

Gelesen: August 2014 RE

Der Verlag über das Buch

Hinrich, dem ein “e” zum eleganteren Heinrich fehlt, findet an einem sonnigen Maitag einen Brief mit schwarzem Rand in seinem Briefkasten. Wer mag da gestorben sein? Hinrich wagt nicht, den Umschlag zu öffnen. Seit seine Frau vor neun Jahren bei einem Sturz aus 43 Metern Höhe ums Leben gekommen ist, lebt er allein. Seine Zeit als Kulturkorrespondent bei einer großen Frankfurter Zeitung liegt hinter ihm. Und so gehören seine Tage den Erinnerungen an Irene, der geliebten Mutter seiner Tochter Naomi, der Übersetzerin anspruchsvoller italienischer Literatur. Da gab es die gemeinsamen Sommer in Italien, ihre Reisen nach Pompeji, wo sie vor den berühmten Fresken der Villa dei Misteri stundenlang stehenbleiben konnten, um deren Bedeutung zu enträtseln. Und ihre Liebe zum Kino; sie mochten das Schwermütige der Schwarzweißbilder, aber ließen sich auch verführen von etwas Leichtem. Doch was geschah wirklich vor neun Jahren, vor ihrem Sturz? Und was steht in diesem Brief mit dem schwarzen Rand? Aufklärung bringt erst eine Reise nach Warschau, wo Hinrich sowohl das Leben mit Irene als auch die Zeit mit einer früheren Geliebten in einer Weise einholt, die alles auf den Kopf stellt, woran er geglaubt hat.

“Verlangen und Melancholie”, der neue große Roman von Bodo Kirchhoff, ist ein mit einer hintergründigen Spannung geladener Roman, der den Leser mitnimmt auf eine Spurensuche, bei der langsam, aber unerbittlich die Aufdeckung des großen „Warum“ geschieht und der Held die Wahrheit über den Tod seiner Frau erkennt. Bodo Kirchhoff erzählt dabei auch von einem Älterwerden, ohne dass die Wünsche mitaltern, von einem ewig jungen Verlangen und einer letztlich hilfreichen Melancholie.

Der Verlag über den Autor

Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Zuletzt erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt sein von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierter Roman Die Liebe in groben Zügen (FVA 2012). Mehr Informationen zu Leben und Werk finden Sie auf der Webseite des Autors.

Meine Meinung

Wann endet ein Leben, wenn das Herz nicht mehr schlägt oder es sinnlos erscheint, dass es noch schlägt?“ (S. 11)

Hinrich, Ich-Erzähler, Rentner und ehemaliger Zeitungsredakteur, ist Witwer. Seine Frau Irene nahm sich vor neun Jahren das Leben. Er ist einsam. Melancholisch wendet er seinen Blick auf das Vergangene, gleichzeitig gewinnt jedoch sein Verlangen danach, Antworten zu finden, Antworten auf das im Raum stehende Warum? immer mehr an Bedeutung.

Ich war abends allein, ein Stütze nur der grüne Tee und gelegentlich die Sechste von Bruckner, weil Irene sie gern gehört hatte; ich stand in der Küche bis der Tee getrunken war, und später am Fenster, ich konnte nicht sitzen, nur stehen und schauen. Ich suchte über der Stadt nach Sternen, wie ein Bemühen um Nichterfolg, weil zu viel Licht von den Hochhäusern kam, höchstens ein paar Pünktchen am Nachthimmel flimmerten, schäbige Sonnen, auch wenn es sonst wo im All noch die hellsten waren. Und immer weder die Frage Warum. Warum hat sie das gemacht, was war der letzte Anstoß?“ (S. 92)

Vielfältig ist das Themenspektrum, welches Bodo Kirchhoff in seinem Roman bedient, es geht ihm nicht nur um Liebe und Trauer, es geht um das Älterwerden und das sich in den Wünschen noch jünger Fühlen, aber auch um Schwarzgeld in der Schweiz, um das Für und Wider der Anschaffung eines Haustiers, um Musik und Literatur und nicht zuletzt um die Familienbande. Wie ein roter Faden ziehen sich Gedanken an Eros in Pompeji durch den Roman, zum einen durch die gemeinsamen Erlebnisse mit Irene und zum anderen wegen der Ausstellung, die Naomi, Hinrichs und Irenes Tochter, im Museum für alte Kulturen organisiert hat. Wobei man zwischen Pompeji und Hinrichs und Irenes Ehe durchaus Analogien sehen kann. In diesem Themen-Kaleidokop gibt es kein Verzetteln oder sich Verlieren. Bodo Kirchhoff ist ein Sprachkünstler, ein Wortjongleur, der mit einem ungeheuren Sprachgefühl jedes Wort abgewogen und genau platziert hat.

„Verlangen und Melancholie“ ist ein beeindruckender Roman, der für mich sowohl sprachlich als auch thematisch vollends überzeugt hat. Hinrich, der Protagonist, wurde äußerst facettenreich charakterisiert wie er als liebes- und lebenserfahrener Ruheständler mit dem Verlust eines geliebten Menschen und der Trauer darüber sowie dem Verlangen, das Unabänderliche zu verstehen und im eigenen Weiterleben einen Sinn zu sehen. Tiefgreifende Gedanken, gepaart mit Wortwitz und kleinen gezielten Sticheleien gegenüber den örtlichen Printmedien machten diesen mich doch sehr nachdenklich stimmenden Roman zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

28. August 2014 / Karthause

Der erste Satz

Wieder lese ich einen Roman, dessen erster Satz mich tief nachdenklich stimmt.

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“Wann endet ein Leben, wenn das Herz nicht mehr schlägt oder es sinnlos erscheint, dass es noch schlägt.”

(aus “Verlangen und Melancholie” S. 11, Bodo Kirchhoff, Frankfurter Verlagsanstalt)

Verlangen und Melancholie - Bodo Kirchhoff Gebundene Ausgabe: 448 Seiten Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt ISBN-13: 978-3627002091

Verlangen und Melancholie – Bodo Kirchhoff
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
ISBN-13: 978-3627002091

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23. August 2014 / Karthause

Bücher Neuerscheinungen gesucht – schnell gefunden im BücherTreff

BT1Bald ist es wieder soweit, die Verlagsvorschauen der einzelnen Verlage stehen vor der Tür und präsentieren die zukünftigen Bücher Neuerscheinungen. So war für mich bisher mindestens zweimal im Jahr das Wälzen der Verlagsvorschauen angesagt. Seit einiger Zeit kann ich die ganze Sache jedoch deutlich entspannter angehen. Fester Bestandteil meiner Leseleidenschaft ist seit vielen Jahren nämlich BuecherTreff.de, eine Community von Lesern und Buchliebhabern.

In der dortigen „Stöber“-Rubrik findet man eine umfangreiche Auswahl an Bücher Neuerscheinungen, verbunden mit einer komfortablen Suchfunktion. Voreingestellt sieht man die am aktuellen Tag erscheinenden Novitäten. Man kann aber auch Monat und Jahr auswählen und so sehr gut filtern. Zusätzlich kann man das Medium (Bücher, E-Books, Hörbücher) wählen oder man lässt sich gleich alle zusammen anzeigen. Dabei kann man aber nicht nur in die Zukunft blicken, sondern auch recherchieren, welche Titel in den vergangenen Jahren erschienen sind. Hat ein Buch das Interesse geweckt, hat man die Möglichkeit, dieses gleich in die persönliche Wunschliste zu übernehmen und dort mit Prioritäten zu versehen. Zusätzlich zur Auflistung innerhalb der Stöber-Rubrik findet sich im Forum ein weiterer Bereich für Bücher Neuerscheinungen, in dem Mitglieder ihre favorisierten Neuerscheinungen auflisten können. Dort ist das Ganze nach Genres sortiert.

BT2

Besonders spannend finde ich jedoch die Funktion, sich eine Rangliste der zukünftigen Neuerscheinungen anzeigen zu lassen, auf welche die anderen Mitglieder warten. Das Ganze nennt sich “Sehnsüchtig erwartet” und findet sich ebenfalls in der Stöber-Rubrik. Dort beim Punkt “Interessen”. Denn gerne schaue ich auch über den eigenen Buchrand hinaus und finde es interessant, was andere LeserInnen interessiert und welche Vorfreuden sie haben.

Wenn euch also das Durchschauen der Verlagsvorschauen auch ab und an zu lästig ist oder ihr gerne mal einen schnellen Blick in die Bücher Neuerscheinungen des aktuellen Monats werfen wollt, schaut mal bei BuecherTreff.de vorbei.

BT3

18. August 2014 / Karthause

Philipp Meyer – Der erste Sohn

Der erste Sohn Philipp Meyer Originaltitel: The Son Gebundene Ausgabe: 608 Seiten Verlag: Albrecht Knaus Verlag ISBN-13: 978-3813504798

Der erste Sohn
Philipp Meyer
Originaltitel: The Son
Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
ISBN-13: 978-3813504798

„Ein großes Epos über die Besiedlung von Texas, so packend erzählt wie von Karl May, aber frei von falscher Romantik.“, so Wolfgang Herles in seiner Literatursendung “Das Blaue Sofa” am 30. Mai 2014 im ZDF.

Eigentlich könnte ich es mir leicht machen und sagen, der Beurteilung von Herrn Herles schließe ich mich 100 prozentig an. Philipp Meyer ist aber mit „Der erste Sohn“ ein wirklich beeindruckender Roman gelungen, über den man gern noch ein paar Worte mehr verlieren sollte. Die Familiengeschichte der McCulloughs wird über einen Zeitraum von guten 150 Jahren, eng verwoben mit der texanischen Geschichte, erzählt. Dazu nutzt er drei verschiedene Zeitebenen. Die am weitesten zurückliegende lebt durch Eli McCullough. Als Junge wird er von Indianern entführt. Er durchlebt schreckliche Situationen, wird aber von den Comanchen auch stark geprägt. So wird aus Eli der Gründer einer Dynastie, die zu Reichtum und Macht kommt. Peter, Elis Sohn und in dessen Augen ein Schwächling, steht im Mittelpunkt der zweiten Zeitebene. In diesem Part geht es um die Auseinandersetzungen mit den Mexikanern. Und schließlich taucht der Leser in das Leben von Elis Enkelin Jeanne Anne McCullough ein. Sie ist eine starke, geschäftstüchtige Frau, die erkennt, die Zukunft der Familie und damit eng verbunden die von Texas, liegt nicht in der Rinderzucht sondern in der Förderung von Öl. Eines zeigen aber alle drei, ihr Leben ist ein Kampf, dem sie sich auf ganz individuelle Art stellen.

Philipp Meyer hat eine wirklich großartige Familiensaga geschrieben. Seine Charaktere sind vielschichtig, ausgefeilt und nicht in schablonenhaft. Sie entsteigen gefühlt dem wahren Leben, haben gute und schlechte Eigenschaften und nicht alle ihre Entscheidungen sind vom Leser in Gänze nachvollziehbar. Aber auch mit den historischen Ausführen langweilt Meyer seine Leser nicht, sie sind interessant und haben immer einen Bezug zur Familie McCullough.

“Der erste Sohn“ hat mich von der ersten Seiten angesprochen und gefesselt hat. Es hat alles, was ich von einem guten Roman erhoffe, einen interessanten Plot, eine gute Charakterisierung der Personen und eine lebendige Sprache. Es ist einer jener Romane, die man aufgrund ihrer Vielfältigkeit, gern auch einem Re-read unterziehen kann.

Der Verlag über den Autor (Quelle: Knaus Verlag)

Philipp Meyer, geboren 1974, stammt aus einer Künstlerfamilie, verließ vorzeitig die Schule und hielt sich mit diversen Jobs – unter anderem als Fahrradmechaniker – über Wasser. Mit 20 entschloss er sich zu einem Literaturstudium und schaffte die Aufnahmeprüfung an der Cornell University. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Broker an der Wall Street, um seine Schulden zu bezahlen. In dieser Zeit begann er zu schreiben. Ein Stipendium ermöglichte ihm einen Aufenthalt an der University of Texas, wo er seinen ersten Roman „American Rust“ (dt. “Rost”) begann. Das Buch gewann den Los Angeles Times Book Prize, war das Washington Post Book of the Year, schaffte es auf diverse Bestsellerlisten und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Philipp Meyer gilt seither als einer der hoffnungsvollsten amerikanischen Nachwuchsautoren. An „Der erste Sohn“ arbeitete er über fünf Jahre. Zur Zeit ist er ein Guggenheim Fellow und lebt in Austin, Texas und New York.

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