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“Ich kenne keine Schweine und keine Heiligen. Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß; das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen.“ (Seite 114)
1917 in einem kleinen Ort im Osten Frankreichs nahe der Stadt V(erdun). Die Front ist nahe, die Auswirkungen sind direkt zu spüren, aber in dem Örtchen geht das Leben seinen üblichen Gang. Claudel lässt den Ich-Erzähler, der der Dorfpolizist ist, viele Jahre nach dem Mord an der zehnjährigen Belle de jour, der Tochter des Wirts, das Leben und Denken der Gemeindebewohner schildern. Dabei versucht zu ergründen, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. Mehr möchte ich von der Handlung hier nicht vorweg nehmen, ich liefe Gefahr, zuviel zu verraten.
„Die grauen Seelen“ hat mir sehr gut gefallen, es ist eines der Bücher, dem ich viele Leser wünsche. Habe ich vorher schon einmal ein Buch gelesen, in dem die Seelen der Darsteller förmlich seziert wurden? Ich glaube nicht. Auch das Ergebnis irritierte mich nicht, denn im Seelenleben der Menschen gibt es kein Schwarz oder Weiß, es ist eher eine Mischung aus beidem, mal etwas heller, mal etwas dunkler gehalten. Interessant fand ich auch, wie Claudel einigen Personen, u.a. dem Staatsanwalt, der Lehrerin, dem Wirt, dem Bürgermeister, mehr Aufmerksamkeit in diesem Roman schenkte. Sie wurden mir wirklich nahe gebracht. Claudel hat mit „Die grauen Seelen“ ein dichtes, sehr sensibles Buch geschrieben, das von einer tiefen, bis zur Hoffnungslosigkeit reichenden Traurigkeit geprägt ist und dessen Leitgedanke sein könnte, keiner ist ohne Schuld.
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek
ISBN-13: 978-3498009304
Gelesen: November 2007 in Krümels Book-Club
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