Bis er sie sah, hatte sie ihn schon gesehen. Als sein Blick sie erreichte, war ihr Blick schon auf ihn gerichtet. (Seite 9 „Ein liebender Mann“ Martin Walser)
„Ein liebender Mann“ ist ein Roman über eine späte und einseitige Liebe. Der 74jährige Johann Wolfgang von Goethe hat sich in die 19jährige Ulrike von Levetzow verliebt. Eifersucht und Selbstzweifel plagen den berühmten Dichter. Träumereien und die Gedanken an die Geliebte lassen ihn nicht schlafen. Dass die Weimarer ihn inzwischen als einen Lustgreis bezeichnen, trifft ihn, der sich so jung wie seit Jahren nicht mehr fühlt, zutiefst.
„Ein liebender Mann“ habe ich sehr gern gelesen. Das Buch war unterhaltsam, teils fiktiv, teils historisch festgeschrieben.
Ich konnte in diesem Buch in die Gefühlswelt alternder, eitler und selbstverliebter Herren abtauchen. Ein Blick, die sich mir in diesem Maße noch nicht eröffnet hatte. Manches wurde mir dadurch verständlicher, manche Szenen empfand ich nur als bizarr. Die Selbstzweifel, die Ängste, aber auch die Hochgefühle kamen mir sehr lebensecht vor. Ulrike ist der Jungbrunnen des Dichterfürsten, sie erscheint mir sehr modern und selbstbewusst. Ich hatte bisher immer einen anderen Eindruck von ihr. Aber dies ist ja auch keine Biografie sondern ein fiktiver Roman, da darf der Autor schon etwas kreativer ans Werk gehen. Mir hat die Sprache, bis auf wenige Ausnahmen, bei denen ich sie twas aufgestetzt empfand, sehr gut gefallen. Besonders die Wort- und Satzspielereien im Geplänkel zwischen Ulrike und Goethe hatten es mir angetan.
Und der letzte Satz war dann ganz besonders. ![]()
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3498073633


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