Karthauses Bücherwelt …

1. Mai 2008

Martin Walser – Ein liebender Mann

Einsortiert unter: 2008,History — Karthause @ 14:03

Bis er sie sah, hatte sie ihn schon gesehen. Als sein Blick sie erreichte, war ihr Blick schon auf ihn gerichtet. (Seite 9 „Ein liebender Mann“ Martin Walser)

„Ein liebender Mann“ ist ein Roman über eine späte und einseitige Liebe. Der 74jährige Johann Wolfgang von Goethe hat sich in die 19jährige Ulrike von Levetzow verliebt. Eifersucht und Selbstzweifel plagen den berühmten Dichter. Träumereien und die Gedanken an die Geliebte lassen ihn nicht schlafen. Dass die Weimarer ihn inzwischen als einen Lustgreis bezeichnen, trifft ihn, der sich so jung wie seit Jahren nicht mehr fühlt, zutiefst.

„Ein liebender Mann“ habe ich sehr gern gelesen. Das Buch war unterhaltsam, teils fiktiv, teils historisch festgeschrieben.

Ich konnte in diesem Buch in die Gefühlswelt alternder, eitler und selbstverliebter Herren abtauchen. Ein Blick, die sich mir in diesem Maße noch nicht eröffnet hatte. Manches wurde mir dadurch verständlicher, manche Szenen empfand ich nur als bizarr. Die Selbstzweifel, die Ängste, aber auch die Hochgefühle kamen mir sehr lebensecht vor. Ulrike ist der Jungbrunnen des Dichterfürsten, sie erscheint mir sehr modern und selbstbewusst. Ich hatte bisher immer einen anderen Eindruck von ihr. Aber dies ist ja auch keine Biografie sondern ein fiktiver Roman, da darf der Autor schon etwas kreativer ans Werk gehen. Mir hat die Sprache, bis auf wenige Ausnahmen, bei denen ich sie twas aufgestetzt empfand, sehr gut gefallen. Besonders die Wort- und Satzspielereien im Geplänkel zwischen Ulrike und Goethe hatten es mir angetan.

Und der letzte Satz war dann ganz besonders.

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3498073633

Ken Follett – Die Säulen der Erde

Einsortiert unter: 2008,History — Karthause @ 08:43

England im 12. Jahrhundert. Krieg, Intrigen und Hunger haben das Land im Griff. In verschiedenen Handlungssträngen zeichnet Ken Follett ein eindrucksvolles detailliertes Bild des Lebens seiner Protagonisten im Mittelalter.

Der Steinmetz Tom Builder zieht, nachdem er seine Arbeit verlor, mit seiner hochschwangeren Frau, seiner Tochter Martha und seinem Sohn Alfred durch die Lande, immer auf der Suche nach neuer Arbeit und Nahrung. Bei der Entbindung stirbt seine Frau und schon kurz darauf lernt er die rätselhafte Ellen und deren Sohn Jack kennen. Trotz aller Not verliert er nie seinen Traum aus den Augen, eines Tages eine Kathedrale zu bauen.

Aliena, die schöne Grafentochter, wurde erst geschändet und dann mit ihrem Bruder von der Burg Shiring vertrieben. Erstmals steht sie auf eigenen Beinen und muss sich im Leben bewähren. Auch sie hat einen Traum, sie setzt alles daran, den Grafentitel und die Burg für ihren Bruder Richard zurück zu holen.

Philip, der Prior von Kingsbridge, hat es sich zum Ziel gestellt, die Priorei erblühen zu lassen und dort eine Kathedrale zu errichten, deren Säulen sich von der Erde bis in den Himmel erheben.

Sie haben jedoch mächtige Gegenspieler aus Kirche und Adel. An deren Spitze steht William Hamleigh. Er ist ein junger, unberechenbarer Adliger, lässt sich willig von der Mutter, vom Bischof und vom König manipulieren und für deren Intrigen einsetzen und kennt nur eine Sprache, die Gewalt. Mit ihr verschafft er sich skrupellos Macht um der Macht Willen. Er will nur herrschen und beherrschen.

Mir hat das Buch gut gefallen. Die historischen Begebenheiten hat der Autor glaubwürdig beschrieben. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut und hielt sich bis zum Ende. Ken Folletts Stil zu schreiben mag ich sehr. Er schreibt flüssig und zieht seine Leser so ins Geschehen hinein, dass das Buch trotz seiner 1.151 Seiten recht zügig zu lesen ist. Leider bin ich mit sehr großen, mit zu großen Erwartungen an dieses Buch gegangen. So kam es, dass ich stellenweise mit diesem wohl bekanntesten historischen Roman etwas haderte. Zu Beginn des Buches störte mich die schwarz-weiß Malerei bei den Charakteren. Die positiv besetzten Figuren hatten kaum negative Eigenschaften, die Antihelden waren durchweg schlecht. Im weiteren Verlauf der Handlung war dieser Eindruck nicht mehr so präsent, da kaum noch neue Charaktere auf der Bildfläche erschienen. Dafür gab es hier ausführliche Beschreibungen von Schlachten, Vergewaltigungen und Metzeleien, die mich in ihrer Detailliertheit störten. Außerdem waren manche Abschnitte ein wenig mit bautechnischen Einzelheiten überfrachtet, so dass ich diese Seiten etwas überflog. Abgesehen von diesen drei Kritikpunkten habe ich dieses Buch sehr gern gelesen. In meinem Kopfkino entstand ein recht farbiges Bild dieser doch eher dunklen Zeit. Mein Fazit: „Die Säulen der Erde“ ist ein solider, sehr detailreicher historischer Roman, der mich gut unterhalten hat. Die Fortsetzung dieses Romanes „Die Tore der Welt“ werde ich in kürze lesen. Darauf bin nun schon recht gespannt.

Gebundene Ausgabe: 1151 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3785705773

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