Karthauses Bücherwelt …

27. Mai 2008

Ulla Fröhling – Vater unser in der Hölle

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 17:34

Klappentext

Seit frühester Kindheit erlebte Angela Lenz sexuelle Gewalt. Mit grausamen Folterungen, Drogen und Gehirnwäsche wurde sie in einer Geheimsekte zur Prostitution gezwungen und musste andere in satanistischen Ritualen quälen. Unter der Last des Unerträglichen zersplitterte ihre Seele in Dutzende von Persönlichkeiten. So überlebte sie die Schrecken. Doch die traumatischen Erlebnisse drängten an die Oberfläche. Angela machte eine Therapie, und trotz Schweigegebot und Todesdrohungen wagt sie über das zu sprechen, was man ihr und anderen angetan hat.

Meine Meinung

Es ist bereits etliche Tage her, seit ich „Vater unser in der Hölle“ von Ulla Fröhling beendet habe. Eher war ich nicht in der Lage, meine Gedanken niederzuschreiben. Dieses Buch wurde mir von lieben Freundin ans Herz gelegt, ich kannte im Groben die Thematik, wusste aber nicht, worauf ich mich einlasse. Die Unfassbarkeit dieses Buches veranlasst mich auch, hier ausschließlich über meine Gefühle, mit denen ich beim Lesen zu kämpfen hatte, und nicht über meine literarischen Eindrücke zu schreiben.

Noch heute bekomme ich Gänsehaut und einen Kloß im Hals, wenn ich an dieses Buch denke. Viele Bücher dieser Art habe ich bereits gelesen und ich dachte, mein Fell wäre auch für „Vater unser in der Hölle“ dick genug, weit gefehlt. Ulla Fröhlings Buch ist anders, härter, schrecklicher, grausamer, die geschilderten Taten sind unvorstellbar menschenverachtend. Es ging mir nicht nur unter die Haut, es berührte mich im tiefsten Inneren. Nichts wurde ausgeblendet, umschrieben oder beschönigt. Die Autorin lenkte meine Gedanken genau auf die schlimmsten unbeschreiblichsten Schreckenstaten. Stellenweise kam ich mir wie ein Voyeur vor. Und immer, wenn ich dachte, die Leiden der Angela Lenz können nicht mehr schlimmer werden, gab es wieder eine furchtbare Steigerung. Mehrfach war ich versucht, das Buch zur Seite legen, aber auch das konnte ich nicht. Gedanklich war ich schon viel zu sehr verstrickt in die Fäden des Geschehens.

Dieses Buch bewerte ich lediglich mit 4 von 5 Sternen, weil es auf mich stellenweise etwas reißerisch wirkte. Es ist aber ein wichtiges Buch, ihm sind viele Leser zu wünschen. Wenn ich es empfehlen würde, dann nur sehr stabilen Lesern und es wäre immer eine Warnung mit dabei, denn was ich gelesen habe, überstieg oft mein Vorstellungsvermögen, ich mochte es nicht wahr haben, obwohl es nachgewiesenermaßen leider wahr ist.

Broschiert: 445 Seiten
Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3404616251

Lesung mit Sigrid Damm

Einsortiert unter: 2008 — Karthause @ 07:53

                                                                                                                                                                                                                                                       Am vergangenen Donnerstag, 22. Mai, war ich zu Sigrid Damms Lesung zu „Goethes letzte Reise“ im Frankfurter Kleist-Museum. Ich hatte recht hohe Erwartungen an diese Veranstaltung und wurde auch nicht enttäuscht. Sie las sich quer durch besagtes Buch, so dass ich einen guten Überblick davon bekam. Da ich es mir schon gekauft hatte, werde ich es auch lesen, keine Frage. Allerdings wird es nicht mein nächstes Buch von ihr sein, weil ich mich beim Lesen von Sigrid Damms Büchern ein bisschen an die zeitliche Reihenfolge halten möchte. Das war wohl die Erkenntnis des Abends.

Sigrid Damm hat eine ganz wunderbare Stimme, am liebsten würde ich ihre Bücher als Hörbuch verschlingen. Sie kam auch äußerst sympathisch rüber und beantwortete alle Fragen sehr geduldig und ausführlich. Unter anderem beschrieb sie auch noch ihre aufwändige Recherche zu „Christiane und Goethe“, von der sie auch bei ihrem letzten Buch noch profitiert hat.

Zum Schluss gab es wie üblich die Möglichkeit, sich von ihr Bücher signieren zu lassen. Ich hatte natürlich ein Buch von ihr dabei. Mich hat Sigrid Damm künstlerisch überzeugt und menschlich in ihren Bann gezogen. Es war ein sehr gelungener Abend.

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