Karthauses Bücherwelt …

30. September 2008

Greg Iles – 24 Stunden

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:39

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
24 Stunden – so lange dauern in der Regel die perfekt geplanten Entführungen eines Kidnapper-Trios. Die schockierten Eltern zahlen das geforderte Lösegeld, und die geraubten Kinder gelangen wohlbehalten nach Hause. Doch im Fall der kleinen Abby Jennings verläuft nichts nach Plan: Denn das entführte Mädchen benötigt dringend ein lebensnotwendiges Medikament, und ihre Eltern gehören nicht zu der Sorte von Menschen, die sich widerstandslos geschlagen geben. Die Jagd nach den Kidnappern wird zu einem Kampf auf Leben und Tod …

Meine Meinung

Nachdem ich „Blackmail“ als sehr spannend und unterhaltsam empfand, wollte ich von Greg Iles mehr lesen. „24 Stunden“ kam mir als nächstes in die Hände. Die ersten Seiten hielten, was ich erwartete, eine gute Story und viel Spannung. Aber mit der Entführung der Abby Jennings verwässerte die Geschichte nach und nach immer mehr. Weder das Entführer-Trio noch die Jennings waren in ihren Handlungen konsequent. Viele Dinge erschienen nicht recht schlüssig und der Zufall war auch ein beliebter Helfer in diem Thriller. Allerdings ließ sich das Buch flüssig lesen und es gab die eine oder andere Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Der Schluss des Buches war dann sehr actiongeladen. Wahrscheinlich hatte der Autor schon das effektvolle Finale der Verfilmung vor Augen. Mich hat „24 Stunden“ nicht überzeugt.

Taschenbuch: 400 Seiten * Verlag: Lübbe * ISBN-13: 978-3404148103

26. September 2008

Kluun – Mitten ins Gesicht

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 14:54

Stijn und Carmen sind jung und erfolgreich und leben in den Niederlanden. Sie lieben sich, ihre kleine Tochter und das Leben und führen eigentlich eine glückliche Ehe. Aber Stijn geht fremd, wann immer sich ihm eine Gelegenheit dazu bietet. Er kann nicht anders. Doch Carmen ist seine große Liebe. Eines Tages schlägt das Schicksal hart und erbarmungslos zu, sozusagen mitten ins Gesicht. Carmen erkrankt an einer äußerst aggressiven Form von Brustkrebs. Der Behandlungsmarathon beginnt, Chemotherapien, Bestrahlungen, Brustamputation. Dazwischen erlebt der Leser immer wieder ein Stück Normalität, so gut wie es der Gesundheitszustand Carmens gerade zulässt. Stijn tut alles für seine Frau, stößt aber auch an seine Grenzen und ist von der Situation überfordert. Er hat eine „Scheißangst“ und flüchtet sich in immer neue Affären. Als auch die Ärzte Carmen dann nicht mehr helfen können, bleibt nur noch ein Ausweg: Sterbehilfe.

Seit ein paar Monaten stand dieses Buch, das als Geschenk zu mir kam, unbeachtet im Regal. Ein Lesetipp weckte dann mein Interesse und so musste ich feststellen, dass Kluun ein ganz anderes Buch geschrieben hat, als ich erwartete. Offen und ehrlich geht Stijn mit seinen Schwächen um. Er versucht zur ergründen und zu begründen, warum er das Fremdgehen braucht. Er hinterfragt seine Beziehung zu Carmen. War ich anfangs noch der Meinung dieser notorische Fremdgänger sei so ziemlich das Letzte, was frau als Ehemann braucht, so wandelte sich dieses Bild zu meinem eigenen Erstaunen im Laufe der Zeit grundlegend.

Die einfache, deutliche und realitätsnahe Schilderung der Krankheit in allen Phasen hat mich betroffen gemacht. Die Kraft von Carmen und Stijn hat mich beeindruckt. Dieses Buch hat eine Vielzahl von Emotionen in mir geweckt, die Palette reicht von tiefer Trauer bis hin zum entspannten Schmunzeln. Dieses Buch ist etwas Besonderes.

Besonders ist auch die Aufmachung des Buches. Neu in die Handlung eingreifende Personen werden in kleinen Kästchen vorgestellt, ebenso die besuchten Lokalitäten. Jedes Kapitel wird durch ein Zitat aus einem Musikstück bekannter Künstler eingeleitet.

Mein Fazit: „Mitten ins Gesicht“ ist ein besonderes Buch im Genre der Erfahrungsberichte. Es ist nicht darauf angelegt, die Tränendrüsen des Lesers zu beanspruchen. Es schildert in Nahaufnahme wie der Krebs unbarmherzig und schonungslos das Leben und Lieben der Familie grundlegend verändert. Besonders das Ende hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Fortsetzung dieses Buchs „Ohne sie“ werde ich mit Sicherheit auch lesen.

Broschiert: 368 Seiten * Verlag: Fischer (TB) * ISBN-13: 978-3596169115

24. September 2008

Muriel Barbery – Die Eleganz des Igels

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 18:08

/

In der Pariser Rue de Grenelle 7 wohnen auch die 12jährige Paloma und die verwitwete 54 jährige Renée. Paloma ist die jüngste Tochter einer reichen Familie. Renée ist die Concierge des noblen Hauses. Beide verbindet ihre ungewöhnliche Intelligenz. Beide versuchen, diese so gut wie möglich zu verbergen. Sie wollen nicht auffallen. So vertrauen sie ihre Gedanken lediglich ihren Tagebüchern an und spielen im Alltag die Rolle, die von ihnen erwartet wird. Das fällt Renée deutlich schwerer, sie ist im Haus eine öffentliche Person, so hat sie in dem den Blicken der Hausbewohner ausgesetzten Bereich Bücher von Barbara Cartland liegen, in ihren privaten Räumen dagegen liest sie Tolstoi. Paloma sieht in dem Leben, das die Erwachsenen führen, keinerlei Sinn, sie will für sich die Konsequenzen daraus ziehen.

Egoismus, Dekadenz, Eitelkeit und Selbstverliebtheit prägen das Bild, das man sich über die begüterten Bewohner dieses Hauses macht. Erst als der Japaner Ozu in dieses Haus einzieht, halten mit ihm Menschlichkeit, Verständnis und Wärme Einzug.

Auf den ersten 100 Seiten habe ich mich mit diesem Buch etwas schwer getan. Einzig die wirklich schöne Sprache hat mich davon abgehalten, es zur Seite zu legen. Stellenweise fühlte ich mich belehrt. Mir waren die Kapitel zu kurz. Die philosophischen Gedanken waren nicht immer zu Ende gedacht. Das Buch fühlte sich für mich an, als hätte sich die Autorin, die selbst Philosophin ist, von „Sophies Welt“ inspirieren lassen. Aber mit Eintritt des Herrn Ozu in die Handlung, gab es für mich beim Lesen die Wende. Erschien mir „Die Eleganz des Igels“ bis dahin etwas blutleer, so las ich von nun an mit viel Freude und Begeisterung weiter. Für meine Anfangsschwierigkeiten wurde ich entschädigt. Der wirklich schöne Stil der Autorin, der durch die Übersetzung nicht gelitten hat, zog sich konsequent durch das gesamte Buch. Das Buch endete für mich unerwartet. Der Schluss erschien mir aber ein wenig zu pathetisch.

Mein Fazit: „Die Eleganz des Igels“ ist ein empfehlenswertes Buch, allerdings hatte ich höhere Erwartungen und war vielleicht deshalb zu Beginn etwas enttäuscht. Es beinhaltet viele Denkanstöße und Gedankengänge, die es wert sind, weiter gesponnen zu werden.

Broschiert: 360 Seiten * Verlag: Dtv * ISBN-13: 978-3423246583

 

23. September 2008

Hans-Joachim Noack – Helmut Schmidt. Die Biografie

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 17:51

Der bevorstehende 90. Geburtstag von Helmut Schmidt, Bundeskanzler a. D., am 23. Dezember 2008 ist für den Politikjournalisten Hans-Joachim Noack Anlass, über das bewegte Leben des Staatsmannes zu berichten. Bereits seit Jahren sind beide eng vertraut und für diese Biografie öffnete Helmut Schmidt sein Privatarchiv.

 

Hans-Joachim Noack berichtet kurz über die Kindheit und die Jugendjahre Helmut Schmidts. Sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit sind bereits in jungen Jahren deutlich erkennbar. Sehr früh lernt Helmut Schmidt Hannelore (Loki) Glaser kennen, beide hat schon in Kindertagen eine enge Freundschaft verbunden. Nach dem Abitur leistet er seinen Wehrdienst ab, kurz vor Beendigung dessen beginnt der Zweite Weltkrieg, den der junge Mann zwar voller Ehrgeiz , aber mit wenig nationalsozialistischer Überzeugung mitmacht. Später sagt er über diese Zeit, er sei zwar kein Held aber eben auch kein Schwein gewesen. 1942 heiratet er Hannelore. Zum Ende des Krieges entkommt er wegen kritischer Äußerungen nur knapp und mit Hilfe seiner direkten Vorgesetzen einer Verurteilung. Das Ende des Krieges erlebt er in britischer Kriegsgefangenschaft. Dort lernt er Hans Bohnenkamp kennen, der ihm bezüglich des Nationalsozialismus die letzten Illusionen nimmt und ihn politisch prägt. So wird er 1945 Mitglied der SPD.

 

Nach seiner Entlassung studiert Helmut Schmidt Volkswirtschaftslehre und arbeitet nach erfolgreichem Abschluss in verschiedenen Positionen im Hamburger Senat. 1962, als Schmidt, inzwischen Innensenator der Hansestadt, während der Sturmflut die Rettungsmaßnahmen organisiert, legt er den Grundstein für seinen Ruf als Krisenmanager. Innerhalb der Partei macht er, immer noch brennend vor Ehrgeiz, schnell Karriere. Schon als junger Politiker ist er ein Meister der Selbstinszenierung und ein hervorragender Rhetoriker. Bewusst bricht er manch innerparteilichen Konflikt vom Zaun. Er ist in seinem „Verein“ – wie er die SPD nennt – ein unbequemes Mitglied, einer, der immer etwas arrogant und belehrend wirkt. Das Verhältnis zu Willy Brandt war stets problembehaftet, zeitweise sogar zerrüttet. Zahlreiche Beispiele führt der Autor an, um zu belegen, dass Pragmatismus für Helmut Schmidt immer wichtiger als politische Linientreue ist. Trotz politischer Disharmonien wird er im Mai 1974 zum 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Die Ämter, die er zuvor innehatte, Bundesverteidigungsminister, Bundeswirtschaftsminister und Bundesfinanzminister, befähigen ihn dazu wie keinen anderen. Besondere Herausforderungen während seiner Kanzlerschaft sind der Antiterrorkampf gegen die „Rote Armee Fraktion“, die Verbesserung des internationalen Ansehens Deutschlands, die Abrüstungsbemühungen und der damit eng verbundene NATO-Doppelbeschluss, infolge dessen er 1982 gestürzt wird.

 

Seit 1983 ist Schmidt Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, seine umfangreichen Erfahrungen fließen in eine Vielzahl von Büchern ein und noch heute hält er weltweit Vorträge zu aktuellen politischen Problemen. Hans-Joachim Noack würdigt aber auch Schmidts große Liebe zur Kunst.

 

In seinem Buch gelingt es Noack, das Leben und das Werk des ehemaligen Regierungschefs zu würdigen und historisch einzuordnen. Diese von Sympathie geprägte, aber auch Kritik nicht aussparende Biografie ist das, was Kenner der Szene als biografisches Psychogramm bezeichnen. Zahlreiche Fotos aus dem Archiv des Altkanzlers runden dieses Werk ab.

 

Helmut Schmidt ist mir vor der Lektüre dieser Biografie natürlich kein Unbekannter gewesen. Der Mann mit der Prinz-Heinrich-Mütze, (fast) immer mit Zigarette und hanseatisch kühl hat mich schon in jungen Jahren beeindruckt, war er doch in seiner Art so anders als alle bundesdeutschen Kanzler vor ihm. Hans-Joachim Noack versucht zu erklären, warum Schmidt ist wie er ist. Dabei verzichtet er auf boulevardjournalistische Berichte, er bringt mir den Politiker und ein Stück auch den Menschen Helmut Schmidt näher, sein Privatleben bleibt weitgehend verborgen. Mir hat diese Mischung sehr gut gefallen.

 

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten * Verlag: Rowohlt Berlin Verlag GmbH * ISBN-13: 978-3871345661

 

21. September 2008

Clemens Meyer – Als wir träumten

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 12:24

Klappentext

Nach den Kinderspielen kommen die Kämpfe: Rico, Marc, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, zwischen Autoklau, Alkohol und Angst, zwischen Wut und Zerstörung. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie klauen, Sie fahren ihr Leben gegen die Wand. Sie sind frei und dem Leben ausgeliefert. Mit direkter, wütender, sensibler und authentischer Stimme erzählt dieser Roman von diesem Traum, dass irgendwo ein besseres Leben wartet.

 

 

Meine Meinung

In meiner Taschenbuchausgabe habe ich die ersten 3 Kapitel (55 Seiten) gelesen. Damit beende ich dieses Werk. Bewusst habe ich bisher noch keinen Wende-/Nachwenderoman gelesen, dabei hätte ich es auch belassen sollen. Selten habe ich so viele Klischees aneinandergereiht gelesen. Das Klientel, dass Meyer zu seinen Protagonisten macht, der dazugehörige Jargon, das ist nicht meine Welt. Außerdem konnte ich bisher so gar keine Chronologie bzw. richtige Zusammenhänge erkannt. Tut mir Leid, ich hatte mir von diesem Buch mehr versprochen.

 

 

Broschiert: 528 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596173051

 

 

10. September 2008

Tanja Kinkel – Säulen der Ewigkeit

Einsortiert unter: 2008,History — Karthause @ 16:29

http://www.amazon.de/S%C3%A4ulen-Ewigkeit-Tanja-Kinkel/dp/3426198169/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1232555805&sr=1-1 

Tanja Kinkel führt den Leser in diesem Roman in das Ägypten des 19. Jahrhunderts. Die Archäologie steckt noch in den Kinderschuhen und nur wenige Mutige wagen sich nach den Schätzen der Pharaonen zu suchen.

Sarah, die Heldin des Romans, wächst in einem Waisenhaus auf. Sie ist klug und so unterrichtet sie bereits als Jugendliche andere Kinder im Heim. Später arbeitet sie als Gesellschafterin bei einer alten Dame, bis sie den italienischen Artisten Giovanni Belzoni kennen lernt, den sie heiratet und mit den sie halb Europa bereist, bevor sie als eine der ersten Frauen im Jahr 1815 mit ihm in Ägypten ankommt. Belzoni versucht sich zuerst mit dem Bau einer Wasserpumpe, als er damit scheitert, beginnt er, angeregt durch den französischen Konsul Drovetti, nach Altertümern zu suchen. So birgt er den Kopf des Memnon. Wenig später legt er Abu Simbel frei und öffnet die zweite Pyramide als erster Mensch der damaligen Zeit. Alles geschieht im Wettlauf um Ansehen und Ehre mit Drovetti, der erst ein Freund war, dann zum Konkurrenten und später zum Feind wurde. Denn dieser kämpft nicht nur um die Altertümer Ägyptens, er kämpft auch um Sarah Belzoni, die ungewöhnliche Frau hat ihn mit ihrer pragmatischen Art stark beeindruckt.

Säulen der Ewigkeit“ ist ein hervorragend recherchierter Roman. Die Protagonisten sind reale Personen und nur ganz wenige Details wurden im Sinne einer stimmigen Geschichte von der Autorin angepasst. Der historische Hintergrund und die sehr gut beschriebenen landestypischen Eigenheiten ließen ein farbenprächtiges Bild Ägyptens vor meinem inneren Auge entstehen. Die Autorin brachte mir die Lebensweise der Einheimischen, aber auch die Schwierigkeiten im Alltag der Ausländer in diesem Land näher. Sie beschrieb anschaulich das Leben und die Religion der Moslems und der Christen, deren Eigenheiten und Traditionen.

Sarah Belzoni nahm nachgewiesenermaßen eine ganz ungewöhnliche Entwicklung. War sie mit ihren Ansichten zu Beginn des Romans noch in England der damaligen Zeit fest verwurzelt, so entwickelte sie sich zur eigenständig denkenden und handelnden modernen Frau in Ägypten. Die Rolle der duldsamen Ehefrau füllte sie nicht aus. Ihr Leitspruch ist: „Was immer du tun willst, fang damit an.“ Sie lebt ihn. Sarah Belzoni ist in diesem Roman in eine Dreiecksbeziehung verstrickt, für die es in der Historie keine Beweise gibt, allerdings gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass es so gewesen könnte. Diese Geschichte ist sehr gut in das Geschehen eingebaut. Sie ist vollkommen frei von Herz-Schmerz und Kitsch.

Tanja Kinkel bedient sich einer einfachen, aber sehr einfühlsamen Sprache. Die historischen Fakten verknüpft sie geschickt mit der Romanhandlung. Man könnte ihren Roman auch problemlos als Romanbiografie bezeichnen, so eng hält sie sich an die von der Geschichte vorgegebenen Eckdaten. Die Spannung bleibt fast durchgängig erhalten, in nur ganz wenigen Szenen schleichen sich Längen in die Handlung ein. Dem Buch sind noch hilfreiche Karten und Zeichnungen sowie eine umfangreiche Bibliografie beigefügt.

Mein Fazit: „Säulen der Ewigkeit“ ist ein äußerst interessanter, detailgetreuer, historischer Roman, den ich sehr gern gelesen habe. Die enge Bindung an belegte Fakten machte das Buch an keiner Stelle lehrbuchhaft oder gar schwer lesbar. Wer sich für ägyptische Geschichte, Archäologie und historische Romane interessiert, kommt an diesem Buch sicher nicht vorbei.

Vom Verlag wurde noch eine Homepage für das Buch eingerichtet, die noch viele interessante Informationen bereit hält.

Gebundene Ausgabe: 688 Seiten * Verlag: Droemer/Knaur * ISBN-13: 978-3426198162

8. September 2008

Louis Begley – Mistlers Abschied

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 15:51

Krebs im Endstadium. Inoperabel. Medikamente können das Leben verlängern, sie können ihn aber nicht heilen. Ohne medizinische Hilfe bleiben ihm nur noch Monate zu leben. Mit dieser Diagnose wird der erfolgreiche Chef einer Werbeagentur bei seinem Arztbesuch konfrontiert. Ohne die Familie zu informieren, nutzt Mistler eine Europareise, um noch einmal Venedig zu besuchen. Unverhofft trifft er dort auf ein flüchtige Bekannte. Eine kurze, aber intensive Affäre ist die Folge dieses Zusammentreffens. Mistler ist aber zu sehr in seiner Gedankenwelt verstrickt, als dass er sich völlig auf die junge Frau einlassen könnte. Das schnelle Ende dieser Beziehung ist unumgänglich. Mistlers Tagträume geben viel von ihm und seiner Gedankenwelt preis. Ehrgeizig, war er, rücksichtslos, berechnend und in seinen Augen ein ganz passabler Liebhaber. So hat er nur noch zwei Wünsche: Schmerzfrei zu sterben und keine Rechenschaft über Sünden abgeben zu müssen.

“Mistlers Abschied” ist ein sehr berührendes Buch. Mistler, ein Leben lang erfolgreich, wird seinen letzten Kampf, den gegen den Krebs, verlieren. Er tritt eine Reise an, um zu sich zu finden, lässt in Venedig sein Leben Revue passieren und genießt noch einmal die Liebe. Familiäre Unstimmigkeiten sieht er nun aus einem anderen Blickwinkel. Er kann sogar seinen Sohn bitten, nach Hause zu kommen und auch die ungeliebte Schwiegertochter mitzubringen. Es war wieder der bekannte Stil von Begley, der mich gefangen genommen hat und doch ist dieses Buch anders alle anderen, die ich von diesem Autor bisher las, es ist ruhiger, nachdenklicher. Bereits zu Beginn dieses Buches machte ich mir Gedanken, wie Begley die Handlung letztendlich auflösen würde. Ich hatte Angst vor großem Pathos. Aber auch das hat er sehr einfühlsam und mit großer Symbolkraft gelöst. Einen Begley lese ich immer wieder gern.

Taschenbuch: 283 Seiten * Verlag: Suhrkamp * ISBN-13: 978-3518396131

3. September 2008

Jeffery Deaver – Der gehetzte Uhrmacher

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:06
Tags: , ,

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Er mordet mit der unfehlbaren Präzision eines Schweizer Uhrwerks

“Der kalte Vollmond scheint die Erde an: Das Ende der Reise, die mit der Geburt begann.” Der Uhrmacher

Blutige Handabdrücke auf einem Pier – die Leiche fortgerissen von den eiskalten Fluten des Hudson River. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse des Broadway – sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader … Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können zwar kein Motiv für die quälend grausamen Morde entdecken, doch dafür hat der Täter an beiden Tatorten deutliche Spuren hinterlassen: kleine, laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunter zählten – die unverwechselbare Visitenkarte des “Uhrmachers”. Fieberhaft machen sich die beiden Ermittler auf die Jagd und erhalten dabei unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance, eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, entlarvt Falschaussagen präziser als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint mit ihrer Unterstützung der Täter schon bald entlarvt. Doch dann wird klar: Der Uhrmacher ist seinen Verfolgern längst einen entscheidenden Schritt voraus, und irgendwo im Verborgenen tickt ein Zeitzünder unerbittlich gegen Null … Der siebte Fall für den genialen gelähmten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs!

Meine Meinung

“Nichts ist, wie es scheint.”

Der gehetzte Uhrmacher“ ist der 7. Fall des Ermittlerduos Rhyme/Sachs.

In New York treibt ein Mörder sein Unwesen, der seine Opfer scheinbar willkürlich auswählt und an jedem Tatort eine laut tickende Uhr als persönliches Markenzeichen hinterlässt. Lincoln Rhyme ist wieder gefordert und in altbekannter Manier lässt Deaver den Leser direkt an den Ermittlungen teilnehmen. Die Ermittlungslisten werden von Kapitel zu Kapitel umfangreicher, aber dem Täter scheinen weder Rhyme noch der Leser näher zu kommen. Gleichzeitig ist Amelia Sachs dabei, ihren ersten eigenen Fall als Ermittlerin zu bearbeiten. So steht sie Rhyme nicht in dem Maße zur Verfügung, wie er sie benötigt. Dafür kommt ihm Kathryn Dance zu Hilfe, sie ist Spezialistin für die Analyse der Körpersprache. Rein zufällig stehen die beiden Fälle, dann aber doch in einem direkten Zusammenhang. Der Thriller nimmt noch einige unverhoffte, manchmal auch unnötige Wendungen, aber am Ende kommen Rhyme und Sachs ans Ziel und beide Fälle werden gelöst.

Jeffery Deavers Thriller um das Ermittlerpaar Rhyme/Sachs standen für mich immer als Garanten für Spannung und gute Unterhaltung. In dieser Hinsicht war ich von diesem etwas enttäuscht. Der Thriller hatte unerwartete Längen und auch der Spannungsbogen konnte nicht durchweg gehalten werden. Immer wieder flachte die Geschichte ab, obwohl der Plot an sich gut war. Einige Seiten weniger hätten die Handlung gestrafft und wären sowohl für das Buch als auch für mich als Leser von Vorteil gewesen. Etwas gestört haben mich auch die manchmal einfach zu durchschauenden Handlungskonstrukte. Überzeugt hat mich dieser Thriller nicht. Vielleicht hat sich nach den 7 Fällen die Story um die beiden Ermittler auch einfach nur abgenutzt. Vieles von der Genialität, mit der die beiden in den vorherigen Fällen brillierten, war unauffindbar.

Mein Fazit: „Nichts ist, wie es scheint.“ Und nicht in jedem Deaver ist die erwartete Spannung drin, die der Klappentext verspricht. Leider. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Aber der nächste Thriller „Die Menschenleserin“ ist schon in der Warteschleife. Ich bin gespannt.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764502027

Arthur Schnitzler – Traumnovelle

Einsortiert unter: 2008,Klassiker/Weltliteratur — Karthause @ 17:58

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Die Geschichte einer Ehe in faszinierenden und beklemmenden Bildern: Nach den unheimlichen erotischen Erlebnissen einer Nacht, seinen in einer traumhaften Wirklichkeit und ihren im Traum, erkennen beide ihre unerfüllten Wünsche und Begierden und finden einen Weg aus der Krise.

Faszinierend schildert Arthur Schnitzler das parallele, stark erotisch bestimmte Erleben des Paares Fridolin und Albertine. Er ließ sich auf mysteriöse Weise in eine orgiastische Gesellschaft führen – sie ist in die Erregung eines unvergleichbaren Traumes geglitten. Die Fremde, die Fridolin in dieser leidenschaftlichen Nacht kennenlernt, opfert sich für ihn, weil in dieser bacchantischen Runde jeder Uneingeweihte zum Tode verurteilt ist. Albertine gibt sich im Traum einem eher zufälligen Bekannten hin und sieht ruhig zu, wie ihr Mann für seine Treue zu ihr sich kreuzigen lässt. Fridolin erkennt, als sie ihm dies erzählt, in der Fremden seine eigene Frau.

Das Buch diente als Vorlage für den Film “Eyes Wide Shut” von Stanley Kubrick mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen.

Meine Meinung

Lange, viel zu lange, stand dieses Meisterwerk ungelesen in meinem Regal. Fast schon in minimalistischen Stil beschreibt Schnitzler die Szenen einer Ehe. Mit wenigen Worten vermag er beeindruckende Bilder zu zeichnen, er führt den Leser immer dicht an der Grenze zwischen Traumwelt und Realität. Kein Wort ist zu viel oder überflüssig. Erstaunlich welche Tiefe und Fülle er auf nur 95 Seiten bannen kann. Schnitzler bediente sich dabei vieler zu deutender Traumbilder – Freud lässt grüßen – die ich zugegebenermaßen oft sicher nur unzureichend zu interpretieren vermochte. Für seine Zeit erzählt Schnitzler erstaunlich frei von den offenen und versteckten erotischen Wünschen der Eheleute; von den Erlebnissen Fridolins, der in allen Frauen immer nur Albertine suchte und von der Wehmut, die Albertine befiel, wenn sie daran dachte, ohne jegliche erotische Erfahrung in die Ehe gegangen zu sein.

Traumnovelle“ ist trotz der Kürze, wahrscheinlich aber gerade deswegen, ein äußerst komplexes Werk, das mich zwar fasziniert, aber sich mir in seiner Gänze noch nicht völlig erschlossen hat. Es wartet also auf ein „noch einmal Lesen“, das wird aber erst geschehen, nachdem ich mich ein wenig in die Welt Sigmund Freuds eingelesen habe.

Gebundene Ausgabe: 95 Seiten * Verlag: Anaconda * ISBN-13: 978-3938484562

Sabine Prilop – Das Mühlengrab

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:50

/

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Der schöne Rostocker Kommissar mit dem schicken Roadster, der Leidenschaft fürs Kochen und dem flotten Schlagstock beim Trommeln in seiner Jazzband ist schwer angeschlagen. Thomas Bellroth trauert um die Frau, die er heiraten wollte. Rache an Sonjas Mörder ist der einzige Gedanke, für den sein Kopf noch zu taugen scheint bis man ihn in Urlaub schickt, in die Provinz zwischen Gifhorn und Braunschweig, zu seinem Vater. Dort beginnt eine ganz andere Art von Jagd: eine Schatzsuche in alten Mühlen. Thomas ist nicht der einzige in diesem mörderischen Spiel, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit verweben. Aber was er zuerst dabei zu Tage fördert, hatte er nie wiederfinden wollen: Erinnerungen an seine Kindheit. Der Tag, an dem sein Vater in den Westen floh …Vor dem Hintergrund der Atmosphäre der ländlichen Kleinstadt Gifhorn und der Faszination ihres Mühlenmuseums entwickelt Sabine Prilop ganz nebenher eine deutsch-deutsche Familiengeschichte und eine Vater-Sohn-Beziehung, die ebenso spannend ist wie der Kriminalfall, in den Bellroth in Meine hineingezogen wird. Es ist nicht nur ihr Insiderwissen über die Polizeiarbeit, die Prilops Romanfiguren authentisch macht.

 

Meine Meinung

Organisierte Kriminalität, eine unaufgearbeitete Familiengeschichte und Heideidyll sind die Zutaten für diesen Krimi. Mein erster Gedanke, nach dem ich den Klappentext las, war: ‚Das geht gar nicht.’ Aber schon nach wenigen Seiten war ich von dem Krimi, der für mich fast mehr eine Familiengeschichte war, gepackt. Ich wollte mehr wissen über den Rostocker Kommissar Thomas Bellroth, sein kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater und die geheimnisvollen Geschichten um den Mühlenschatz. Geschickt hat Sabine Prilop Gegenwart und Vergangenheit der Romanfiguren mit einander verbunden, so, dass man die Hintergründe für die Handlungen der einzelnen Personen recht gut nachvollziehen konnte. Die Handlung des Buches war in der Umgebung von Gifhorn angesiedelt. Eine Gegend, die mir durch einen Urlaub nicht unbekannt war und so hatte ich z. B. den Tatort im Mühlenmuseum bildlich vor Augen.

Dies war das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. „Mühlengrab“ ist flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Besonders die detailgetreuen Beschreibungen der Mühlen haben mich beeindruckt. Trotz der komplizierten Familiengeschichte und der schön beschriebenen Heidelandschaft verlor Sabine Prilop den roten Faden nicht aus den Augen. Die Spannung zog sich konsequent durch das ganze Buch. Den Freunden des ruhigeren Krimis würde ich diesen Heidekrimi ohne Bedenken empfehlen. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.
Danke, liebe Steffi, für diese Überraschung.

 

Broschiert: 208 Seiten * Verlag: Leda Verlag * ISBN-13: 978-3939689102

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 33 Followern an