Karthauses Bücherwelt …

3. September 2008

Jeffery Deaver – Der gehetzte Uhrmacher

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:06
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Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Er mordet mit der unfehlbaren Präzision eines Schweizer Uhrwerks

“Der kalte Vollmond scheint die Erde an: Das Ende der Reise, die mit der Geburt begann.” Der Uhrmacher

Blutige Handabdrücke auf einem Pier – die Leiche fortgerissen von den eiskalten Fluten des Hudson River. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse des Broadway – sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader … Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können zwar kein Motiv für die quälend grausamen Morde entdecken, doch dafür hat der Täter an beiden Tatorten deutliche Spuren hinterlassen: kleine, laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunter zählten – die unverwechselbare Visitenkarte des “Uhrmachers”. Fieberhaft machen sich die beiden Ermittler auf die Jagd und erhalten dabei unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance, eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, entlarvt Falschaussagen präziser als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint mit ihrer Unterstützung der Täter schon bald entlarvt. Doch dann wird klar: Der Uhrmacher ist seinen Verfolgern längst einen entscheidenden Schritt voraus, und irgendwo im Verborgenen tickt ein Zeitzünder unerbittlich gegen Null … Der siebte Fall für den genialen gelähmten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs!

Meine Meinung

“Nichts ist, wie es scheint.”

Der gehetzte Uhrmacher“ ist der 7. Fall des Ermittlerduos Rhyme/Sachs.

In New York treibt ein Mörder sein Unwesen, der seine Opfer scheinbar willkürlich auswählt und an jedem Tatort eine laut tickende Uhr als persönliches Markenzeichen hinterlässt. Lincoln Rhyme ist wieder gefordert und in altbekannter Manier lässt Deaver den Leser direkt an den Ermittlungen teilnehmen. Die Ermittlungslisten werden von Kapitel zu Kapitel umfangreicher, aber dem Täter scheinen weder Rhyme noch der Leser näher zu kommen. Gleichzeitig ist Amelia Sachs dabei, ihren ersten eigenen Fall als Ermittlerin zu bearbeiten. So steht sie Rhyme nicht in dem Maße zur Verfügung, wie er sie benötigt. Dafür kommt ihm Kathryn Dance zu Hilfe, sie ist Spezialistin für die Analyse der Körpersprache. Rein zufällig stehen die beiden Fälle, dann aber doch in einem direkten Zusammenhang. Der Thriller nimmt noch einige unverhoffte, manchmal auch unnötige Wendungen, aber am Ende kommen Rhyme und Sachs ans Ziel und beide Fälle werden gelöst.

Jeffery Deavers Thriller um das Ermittlerpaar Rhyme/Sachs standen für mich immer als Garanten für Spannung und gute Unterhaltung. In dieser Hinsicht war ich von diesem etwas enttäuscht. Der Thriller hatte unerwartete Längen und auch der Spannungsbogen konnte nicht durchweg gehalten werden. Immer wieder flachte die Geschichte ab, obwohl der Plot an sich gut war. Einige Seiten weniger hätten die Handlung gestrafft und wären sowohl für das Buch als auch für mich als Leser von Vorteil gewesen. Etwas gestört haben mich auch die manchmal einfach zu durchschauenden Handlungskonstrukte. Überzeugt hat mich dieser Thriller nicht. Vielleicht hat sich nach den 7 Fällen die Story um die beiden Ermittler auch einfach nur abgenutzt. Vieles von der Genialität, mit der die beiden in den vorherigen Fällen brillierten, war unauffindbar.

Mein Fazit: „Nichts ist, wie es scheint.“ Und nicht in jedem Deaver ist die erwartete Spannung drin, die der Klappentext verspricht. Leider. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Aber der nächste Thriller „Die Menschenleserin“ ist schon in der Warteschleife. Ich bin gespannt.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764502027

Arthur Schnitzler – Traumnovelle

Einsortiert unter: 2008,Klassiker/Weltliteratur — Karthause @ 17:58

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Die Geschichte einer Ehe in faszinierenden und beklemmenden Bildern: Nach den unheimlichen erotischen Erlebnissen einer Nacht, seinen in einer traumhaften Wirklichkeit und ihren im Traum, erkennen beide ihre unerfüllten Wünsche und Begierden und finden einen Weg aus der Krise.

Faszinierend schildert Arthur Schnitzler das parallele, stark erotisch bestimmte Erleben des Paares Fridolin und Albertine. Er ließ sich auf mysteriöse Weise in eine orgiastische Gesellschaft führen – sie ist in die Erregung eines unvergleichbaren Traumes geglitten. Die Fremde, die Fridolin in dieser leidenschaftlichen Nacht kennenlernt, opfert sich für ihn, weil in dieser bacchantischen Runde jeder Uneingeweihte zum Tode verurteilt ist. Albertine gibt sich im Traum einem eher zufälligen Bekannten hin und sieht ruhig zu, wie ihr Mann für seine Treue zu ihr sich kreuzigen lässt. Fridolin erkennt, als sie ihm dies erzählt, in der Fremden seine eigene Frau.

Das Buch diente als Vorlage für den Film “Eyes Wide Shut” von Stanley Kubrick mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen.

Meine Meinung

Lange, viel zu lange, stand dieses Meisterwerk ungelesen in meinem Regal. Fast schon in minimalistischen Stil beschreibt Schnitzler die Szenen einer Ehe. Mit wenigen Worten vermag er beeindruckende Bilder zu zeichnen, er führt den Leser immer dicht an der Grenze zwischen Traumwelt und Realität. Kein Wort ist zu viel oder überflüssig. Erstaunlich welche Tiefe und Fülle er auf nur 95 Seiten bannen kann. Schnitzler bediente sich dabei vieler zu deutender Traumbilder – Freud lässt grüßen – die ich zugegebenermaßen oft sicher nur unzureichend zu interpretieren vermochte. Für seine Zeit erzählt Schnitzler erstaunlich frei von den offenen und versteckten erotischen Wünschen der Eheleute; von den Erlebnissen Fridolins, der in allen Frauen immer nur Albertine suchte und von der Wehmut, die Albertine befiel, wenn sie daran dachte, ohne jegliche erotische Erfahrung in die Ehe gegangen zu sein.

Traumnovelle“ ist trotz der Kürze, wahrscheinlich aber gerade deswegen, ein äußerst komplexes Werk, das mich zwar fasziniert, aber sich mir in seiner Gänze noch nicht völlig erschlossen hat. Es wartet also auf ein „noch einmal Lesen“, das wird aber erst geschehen, nachdem ich mich ein wenig in die Welt Sigmund Freuds eingelesen habe.

Gebundene Ausgabe: 95 Seiten * Verlag: Anaconda * ISBN-13: 978-3938484562

Sabine Prilop – Das Mühlengrab

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:50

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Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Der schöne Rostocker Kommissar mit dem schicken Roadster, der Leidenschaft fürs Kochen und dem flotten Schlagstock beim Trommeln in seiner Jazzband ist schwer angeschlagen. Thomas Bellroth trauert um die Frau, die er heiraten wollte. Rache an Sonjas Mörder ist der einzige Gedanke, für den sein Kopf noch zu taugen scheint bis man ihn in Urlaub schickt, in die Provinz zwischen Gifhorn und Braunschweig, zu seinem Vater. Dort beginnt eine ganz andere Art von Jagd: eine Schatzsuche in alten Mühlen. Thomas ist nicht der einzige in diesem mörderischen Spiel, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit verweben. Aber was er zuerst dabei zu Tage fördert, hatte er nie wiederfinden wollen: Erinnerungen an seine Kindheit. Der Tag, an dem sein Vater in den Westen floh …Vor dem Hintergrund der Atmosphäre der ländlichen Kleinstadt Gifhorn und der Faszination ihres Mühlenmuseums entwickelt Sabine Prilop ganz nebenher eine deutsch-deutsche Familiengeschichte und eine Vater-Sohn-Beziehung, die ebenso spannend ist wie der Kriminalfall, in den Bellroth in Meine hineingezogen wird. Es ist nicht nur ihr Insiderwissen über die Polizeiarbeit, die Prilops Romanfiguren authentisch macht.

 

Meine Meinung

Organisierte Kriminalität, eine unaufgearbeitete Familiengeschichte und Heideidyll sind die Zutaten für diesen Krimi. Mein erster Gedanke, nach dem ich den Klappentext las, war: ‚Das geht gar nicht.’ Aber schon nach wenigen Seiten war ich von dem Krimi, der für mich fast mehr eine Familiengeschichte war, gepackt. Ich wollte mehr wissen über den Rostocker Kommissar Thomas Bellroth, sein kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater und die geheimnisvollen Geschichten um den Mühlenschatz. Geschickt hat Sabine Prilop Gegenwart und Vergangenheit der Romanfiguren mit einander verbunden, so, dass man die Hintergründe für die Handlungen der einzelnen Personen recht gut nachvollziehen konnte. Die Handlung des Buches war in der Umgebung von Gifhorn angesiedelt. Eine Gegend, die mir durch einen Urlaub nicht unbekannt war und so hatte ich z. B. den Tatort im Mühlenmuseum bildlich vor Augen.

Dies war das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. „Mühlengrab“ ist flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Besonders die detailgetreuen Beschreibungen der Mühlen haben mich beeindruckt. Trotz der komplizierten Familiengeschichte und der schön beschriebenen Heidelandschaft verlor Sabine Prilop den roten Faden nicht aus den Augen. Die Spannung zog sich konsequent durch das ganze Buch. Den Freunden des ruhigeren Krimis würde ich diesen Heidekrimi ohne Bedenken empfehlen. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.
Danke, liebe Steffi, für diese Überraschung.

 

Broschiert: 208 Seiten * Verlag: Leda Verlag * ISBN-13: 978-3939689102

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