Karthauses Bücherwelt …

31. Dezember 2008

Jodi Picoult – In einer regnerischen Nacht

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 13:35
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Maggie MacDonald hat Krebs im Endstadium. Als ihr Ehemann, Jamie, das Leiden seiner Frau nicht mehr ertragen kann, erfüllt er ihr ihren letzten Wunsch, er tötet sie. Nach seiner Tat stellt er sich der Polizei. Dazu fährt er in den Ort, in dem sein Cousin Cameron MacDonald Polizeichef ist. Cameron verhaftet Jamie, er kann den Mord auf Verlangen nicht akzeptieren. Seine Frau Allie versteht das Handeln des Familienangehörigen und ergreift offen für Jamie Partei. So kommt es zu einem tiefen Riss in der vorher scheinbar intakten Beziehung. Als Allie dann noch erfährt, dass Cameron mit ihrer Angestellten ein Verhältnis hat, ist die Beziehung am Ende. Sehr kontrovers verläuft auch die Gerichtsverhandlung. Denn es galt für Jamie und seinen Anwalt klar zumachen, dass sich Mord und und Tötung auf Verlangen durch eine Sache unterscheiden – durch die Liebe.

Wieder hat Jodi Picoult für ihren Roman ein brisantes Thema aufgegriffen, Tötung auf Verlangen. Dabei hat sie alle Seiten der Problematik sehr gut dargestellt. Die Charaktere werden realistisch und lebensnah gezeichnet. So gelingt es ihr auch die Protagonisten zu diesem Thema argumentieren zu lassen, ohne dass dem Leser eine endgültige Meinung präsentiert wird. Es bleibt ausreichend Platz für eigene Gedanken und am Ende des Buches steht fest, es gibt darin weder Richtig noch Falsch. Es gibt weder Belehrungen noch wird der moralische Zeigefinger erhoben. Als Leser wird man unauffällig gedrängt sich zu positionieren – egal wie. Der Schreibstil der Autorin war wie gewohnt gut. Allerdings fehlte es der Handlung ein wenig an Schwung. Da der Klappentext auch wieder deutlich mehr verriet als ihm zuträglich war, ging ein Stück der Spannung verloren und so hat das Buch auch die eine oder andere Lesepause vertragen.

Mein Fazit: „In einer regnerischen Nacht“ ist ein gut zu lesendes Buch zu einer interessanten Thematik. Es ist eine schöne Liebesgeschichte mit einem tragischen Ausgang. Mir hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Broschiert: 504 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492250603

 

17. Dezember 2008

“Lesen!” die 39.

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 10:01
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Die neue Sendung „Lesen!“ ist seit gestern im Netz abrufbar. Gast von Elke Heidenreich ist Richard David Precht.

 

 

Folgende Bücher werden vorgestellt:

 

 

Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? – Richard David Precht

Legende – Hugo Hamilton

Mein schwarzer Hund – Matthew Johnstone

Und ich mischte die Farben und vergaß die Welt – Donald Friedman

Gesammelte Werke und Gesammelte Bildergeschichten in Kassette - Loriot

Die Wissenschaft bei James Bond - Lois H. Gresh und Robert Weinberg

Ginster – Siegfried Kracauer

 

 

Und hier geht’s zu litColony.de.

 

 

 

 

 

14. Dezember 2008

Hans Fallada – Wolf unter Wölfen

Einsortiert unter: 2008,Klassiker/Weltliteratur — Karthause @ 14:27
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Berlin, Sommer 1923. Die Inflation galoppiert, die Verzweiflung und Aussichtslosigkeit der Menschen ist grenzenlos. Wolfgang Pagel wohnt mit seiner Freundin Petra Ledig in der Georgenkirchstraße im dritten Hinterhof, vier Treppen bei Pottmadam, die untervermietet. Ursprünglich entstammt er einer angesehenen Familie, mit der er sich jedoch überworfen hat. Nun lebt er, arbeitslos, ohne Lebensinhalt und -ziel, das unstete Leben eines Glücksspielers. Trotzdem will er Petra heiraten, muss jedoch erst noch das Geld für die Trauung auftreiben. Um zu seinem Freund, der ihm das Geld leihen soll, fahren zu können, bringt er die Kleidung der Freundin ins Pfandhaus. Aber sein Versuch, an das Geld zu kommen, scheitert. So muss er später von seiner Mutter erfahren, dass Petra von Pottmadam auf die Straße gesetzt wurde. Dort wurde sie halbnackt von der Polizei aufgegriffen und eingesperrt.

In einem zweiten Erzählstrang erfährt der Leser wie sich das Leben in ländlicher Gegend gestaltet. Zur gleichen Zeit versucht der Rittergutspächter Joachim von Prackwitz-Neuenlohe in Berlin Arbeitslose als Erntehelfer anzuwerben. Sein Pachtvertrag ist gespickt mit verzwickten Klauseln, die einzig dazu dienen sollen, die Unfähigkeit des Pächters zu belegen, denn der Verpächter ist der Schwiegervater von Prackwitz-Neuenlohe, dieser will den ungeliebten Schwiegersohn ruinieren und so die Scheidung von seiner Tochter erzwingen.

Dieses Werk Falladas wurde im Jahr 1937 veröffentlicht und zählt zu den bedeutendsten, die zur Zeit des Nationalsozialismus erschienen sind. Da sich aus dem Roman Parallelen zum Naziregime ergaben, wurde das Buch bereits kurz nach seinem Erscheinen wieder aus dem Handel gezogen.

Die Handlung des Romans ist sehr vielschichtig. Sie gewährt Einblick in die verschiedenen Gesellschaftsschichten. Eindrucksvoll schilderte der Autor den Kampf der Mittelschicht gegen den sozialen Abstieg. Die Figuren sind in ihrem sozialen Umfeld fein charakterisiert und geschickt in Szene gesetzt. Besonders die Entwicklung des Wolfgang Pagels ist bemerkenswert. Aber ebenso wie die Figuren berichtet Fallada umfassend über das politische und gesellschaftliche Geschehen während der Inflation. So entstand ein fantastisches, farbiges und lebensnahes Zeit- und Sittenbild.

Hervorzuheben ist auch die Sprache, deren sich Fallada bedient. Die Protagonisten lässt er in der ihnen eigenen Mundart sprechen. Das macht das Lesen stellenweise etwas mühsam, weil es ungewohnt ist, es wird aber nie langweilig, sondern rundet das Bild, das vor dem inneren Auge entstand, ab. Irgendwie schlichen sich beim Lesen auch immer wieder die Bilder von Heinrich Zille in meinen Kopf.

Mein Fazit: „Wolf unter Wölfen“ ist ein äußerst interessant zu lesender Roman, der auch viele Bezüge zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen aufweist. Der Titel ist für die gesamte Handlung programmatisch, es geht schließlich um das Fressen oder das Gefressen werden. Dieses Buch (bei mir waren es zwei) kann ich guten Gewissens empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 916 Seiten * Verlag: Aufbau-Verlag * ASIN: B0000BHXDA

9. Dezember 2008

Ines Thorn – Galgentochter

Einsortiert unter: 2008,History,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:21
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Auf dem Frankfurter Galgenberg wird die Leiche einer Hure neben einem aufgehängten Hund gefunden. Der Richter sieht es als erwiesen an, dass es sich dabei um einen Selbstmord handelt. Auf die Argumentation seiner Frau Hella und deren Mutter Gustelies gibt er nichts. Als kurze Zeit darauf eine Leiche nach der anderen dort aufgefunden wird, immer von einem erhängten Hund begleitet, beginnen die beiden Frauen ihre Ermittlungen auf eigene Faust.

In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens, Tochter einer Hübschlerin, erzählt, die selbst nach der Versteigerung ihrer Jungfräulichkeit, nur knapp dem Hurenhaus entkam.

 

Die Bücher von Ines Thorn habe ich immer gern gelesen. Sie waren gut recherchiert, stilistisch angenehm zu lesen und ihre Figuren waren ausgesprochen lebendig beschrieben. Mit diesem Buch hat die Autorin neues Terrain beschritten, es ist ihr erster Krimi und mich überzeugte er leider gar nicht. Die Figuren passten nicht in ihre Zeit, die beiden ermittelnden Frauen waren für die Mitte des 16. Jahrhundert überzogen emanzipiert, das machte die Geschichte unglaubwürdig. Die Charaktere bekamen in meinen Gedanken keine Gesichter, sie blieben farblos. Die Geschichte um die 13-jährige war mir an vielen Stellen viel zu detailliert. Gewalt kann auch beschrieben werden, in dem man Einzelheiten nicht schildert. Die Rolle des Hundes empfand ich grenzwertig. Dem Mädchen sind Dinge widerfahren, die man keinem Menschen wünscht. Mir fehlte es da am Feingefühl der Autorin. Die Detailtreue bei den Misshandlungen erinnerte fast schon an die Effekthascherei der Boulevardberichterstattung. Daher war ich schon erstaunt, dass die Autorin diese entsetzlichen Szenen in solch einer Ausführlichkeit schilderte. Für mich war auch sehr schnell klar, wer der Mörder ist. Diese Vorhersehbarkeit nahm mir dann auch noch die Spannung.

Ich habe dieses Buch aber trotz aller Kritikpunkte zu Ende gelesen. Das lag an der schönen, flüssigen Schreibweise von Ines Thorn, die ich immer so mochte

Mein Fazit: „Galgentochter“ war der erste Krimi, den ich von Ines Thorn gelesen habe, es war wohl auch der letzte. Mit dem Buch wurde ich von Beginn an nicht warm, zu viel hatte ich zu bemängeln. Schade. Allerdings gibt mein SuB noch ein ungelesenes Buch der Autorin her, auf das ist die Vorfreude ungemindert.

 

Broschiert: 384 Seiten * Verlag: Rowohlt Tb * ISBN-13: 978-3499246036

 

5. Dezember 2008

Iwan A. Gontscharow – Oblomow

Einsortiert unter: 2008,Klassiker/Weltliteratur — Karthause @ 15:37
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Der russische Gutsbesitzer Oblomow verlässt nur ungern seine Liegestatt. Dort empfängt er seine Besucher, dort verbringt er den Tag, dort schmiedet er große Pläne, die er aber nie umsetzt. Der Schlafrock ist sein liebstes Kleidungsstück. Im Nichtstun sieht er seinen Lebensinhalt. Seit 12 Jahren wohnt er bereits in St. Petersburg, seit dem hat er sein Gut nicht mehr besucht. Weil er sich nicht kümmert und weil er bis an die Grenzen des Erträglichen ausgenutzt wird, fallen die Erträge jährlich geringer aus. Seine Freunde sind, bis auf eine Ausnahme, Schmarotzer, die ihm die Zeit und vor allem sein Geld stehlen. Auch sein Diener Sachar ist Nutznießer von Oblomows Desinteresse und Gleichgültigkeit. Einzig sein Freund aus der Jugendzeit, Andrej Karlowitsch Stolz, schafft es, ihn aus seiner Lethargie herauszureißen. Ist er da, was auch in Oblomows Augen viel zu selten geschieht, verlässt er seine Ruhestätte, er rafft sich auf, die vom Freund empfohlenen Bücher zu lesen und zeigt Interesse an seiner Umwelt. Stolz gelingt es auch, Oblomow mit Olga bekanntzumachen. Für kurze Zeit kann Oblomow über seinen Schatten springen und die Liebe genießen. Jedoch lassen ihn Selbstzweifel und Unentschlossenheit diese Beziehung beenden und er fällt in stärker denn je in alte Verhaltensmuster zurück.

Ilja Oblomow ist wohl der faulste, trägste, unentschlossenste und apathischste Romanheld, der Literatur, aber er ist ein auf seine Art ein liebenswerter Protagonist. Der Begriff der „Oblomowerei“ für die Langeweile und den Müßiggang hat auch in den deutschen Wortschatz Einzug gehalten. Als Abkömmling des russischen Landadels steht Oblomow für das feudalistische Althergebrachte, sein Gegenspieler im Roman ist der deutschstämmige Kaufmann Stolz, der den Aufbruch in die neue Zeit verkörpert. Da Gontscharow seinen Roman logisch und intelligent aufgebaut hat, ist das Ende zwar vorhersehbar, aber nicht in der Vielzahl seiner Details. Hat mir der Roman in seinen ersten drei Teilen schon gut gefallen, war der Schlussteil sozusagen die Krönung für mich. Zu Beginn des Buches stellte ich mir immer wieder die Frage, wie man so wie unser Held werden kann. Die Beantwortung folgt in „Oblomows Traum“, welcher als Erzählung bereits 1848 veröffentlicht wurde. Mit seinem Protagonisten provoziert Gontscharow gekonnt, seine feine Ironie macht das Buch zu etwas Besonderem. Besonders hervorheben möchte ich die wunderbare Charakterisierung der in der Handlung vorkommenden Personen. Alle sind sie fein gezeichnete Individuen, die beim Lesen zum Leben erweckt werden.

Heute, 150 Jahre nach seinem Erscheinen, hat dieser Roman eine ungeheure Aktualität erlangt – allerdings genau als Negation dessen, was Gontscharow aussagen wollte. In der heutigen Zeit mit ihrer Hektik, dem Hetzen von einem Termin zum anderen, dem Zeigen des aktiven Lebens, ist ein wenig Oblomowerei sicher ein gesunder Gegenpol zum geschäftigen Alltagsleben.

Mein Fazit: Mit „Oblomow“ schuf Iwan Gontscharow ein Meisterwerk, das ihn als Autor auf eine Stufe mit Tolstoi und Turgenjew hebt. Dabei ist dieses Buch einfach, mit vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten und schnörkellos geschrieben. Mich hat dieses Werk überzeugt. Zu Unrecht ist es nicht so bekannt wie die anderen Werke der großen russischen Literaten. „Die Schlucht“, seinen letzten Roman, möchte ich in absehbarer Zeit auch noch lesen.

Hier reiche ich noch die Meinung von Heidi nach, wir haben das Buch gemeinsam gelesen.

Taschenbuch: 717 Seiten * Verlag: Insel, Frankfurt * ISBN-13: 978-3458346647

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