Karthauses Bücherwelt …

28. Februar 2009

Jurek Becker – Jakob der Lügner

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 14:39
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Ghetto von Lodz Ende 1944. Jakob Heym wurde auf der Straße vom Scheinwerferlicht des deutschen Kontrollturms erfasst. Der Posten behauptete, Jakob sein nach der Ausgangssperre ab 20 Uhr unterwegs gewesen. Da der Besitz von Uhren den Juden im Ghetto verboten war, konnte er sich nicht rechtfertigen. Ein Widerspruch hätte auch tödlich sein können. So sollte er sich beim Wachhabenden des Reviers melden. Als eine Tür geöffnet wurde, hörte er folgende Nachricht:

In einer erbitterten Abwehrschlacht gelang es unseren heldenhaft kämpfenden Truppen, den bolschewistischen Angriff zwanzig Kilometer vor Bezanika zum Stehen zu bringen.“

Diese Information wollte Jakob eigentlich für sich behalten. Denn aus dem deutschen Polizeirevier kam man als Jude entweder als Spitzel oder als toter Mann heraus.

Als am nächsten Tag Mischa, mit dem Jakob auf dem Güterbahnhof Züge entladen musste, aus Hunger und Verzweiflung Kartoffeln stehlen wollte, hielt er ihn aber mit seinem Wissen vom Frontverlauf davon ab. Als Mischa ihm aber nicht glaubte, sagte Jakob: „Ich habe ein Radio!“ Das aber zu besitzen war bei Todesstrafe verboten. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht und Jakob war in seiner Lüge gefangen. Schnell bemerkte er, die Ghetto-Insassen schöpften neue Hoffnung, sogar die Selbsmordrate sank. Er brauchte jetzt immer neue Meldungen, denn die Nachfragen wurden immer dränger, ebenso wie die Angst seiner Leidgenossen vor der Entdeckung des Rundfunkempfängers durch die Gestapo.

Jurek Becker kennt das Ghetto von Lodz aus eigenem Erleben. Er wuchs dort auf. Mit „Jakob der Lügner“ gelang ihm ein ganz besonderer Roman. Der anonym bleibende Erzähler berichtet in wechselnden Perspektiven in der Ich- und in der Wir-Form. Dabei verfällt er nicht in Pathos, sondern bedient sich eines tragikomischen Erzählstils. Er schildert ungeschönt den Alltag und die Lebensbedingungen im Ghetto, vermeidet dabei aber jegliche Effekthascherei. Die gesamte Erzählung wirkt dadurch so ungemein authentisch.

Mein Fazit: „Jakob der Lügner“ ist ein bewegender Roman über das Leben im Ghetto von Lodz. Dieser ernsten Thematik hat Becker durch seinen Stil eine Leichtigkeit gegeben, die in ihrer Art für mich in der Literatur unerreicht ist.

Über den Autor

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Becker, Jurek dt.-poln. Schriftsteller und Drehbuchautor *30.9.1937 LódzŠ (Polen), †14.3.1997 Berlin Jakob der Lügner, 1969 Jurek Becker hat in vielen Romanen die Erfahrungen seiner polnisch-jüdischen Kindheit und des Lebens in der DDR verarbeitet. Bereits sein erster Roman Jakob der Lügner über den Alltag im Warschauer Ghetto begründete seinen Erfolg weit über die Grenzen der DDR hinaus. Becker wuchs ab 1939 im Warschauer Ghetto auf und war später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. Als Mitglied von FDJ und SED studierte er ab 1957 Philosophie in Ostberlin. Dort lebte er bis 1977 als Drehbuchautor und freiberuflicher Schriftsteller. Nachdem er 1976 öffentlich gegen den Ausschluss von Reiner Kunze (*1933) aus dem Autorenverband der DDR sowie gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann (*1936) protestiert hatte, wurde er aus der SED ausgeschlossen. Ab 1977 hielt er sich mit Genehmigung der DDR-Behörden in Westdeutschland auf, wo er u.a. die Drehbücher zur preisgekrönten ARD-Anwaltsserie Liebling Kreuzberg schrieb. Biografie: S.L. Gilman, Jurek Becker, 2002.

Gebundene Ausgabe: 271 Seiten * Club Bertelsmann

20. Februar 2009

Sophie van der Stap – Heute bin ich blond

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 13:15
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Sophie ist jung und lebenslustig, Anfang 20, sie will das Leben genießen, Zukunftspläne schmieden, aber dann kommt die schreckliche Diagnose: Krebs. Zu gut weiß sie was sie erwartet, ihre Mutter hat gerade erst den Kampf gegen den Brustkrebs gewonnen. Viele ordnen dieses Buch sicher in die Reihe der Betroffenheitsliteratur ein. Aber betroffen war ich beim Lesen erst in zweiter Linie. Sicher las ich die Geschichte der todkranken Sophie, vordringlich war jedoch die Geschichte einer jungen, starken Frau, die für sich Wege gefunden hat, mit ihrer Krankheit umzugehen. Als ihr während der Chemotherapie die Haare ausfallen, kauft sie sich eine Perücke, dann noch eine und letzten Endes hat sie neun Stück. Jede hat einen Namen, mit jeder fühlt sie sich anders und jede gibt gibt ihr ein anderes Stück Lebensgefühl.

Dieses Buch brachte ich mir aus der Bibliothek mit und eigentlich waren es die Fotos von Sophie van der Stap mit ihren verschieden Perücken, die mich neugierig machten. Als ich es dann las war ich erstaunt, denn die Geschichte von einer krebskranken jungen Frau versprach schwere Kost zu werden. Aber in dem Buch entdeckte ich eine unerwartete Leichtigkeit. Die Autorin erzählt, auch mit einer gewissen Selbstironie, von schweren Stunden und von Lichtblicken. Diese leichte, unbeschwerte Schreibweise mildert die Erschütterung, die dieses Schicksal bei mir hervorrief deutlich. War es deswegen schlechter? Nein. Das Buch ist in Tagebuchform verfasst. Dadurch empfand ich das Buch nicht so flüssig zu lesen.

Mein Fazit: „Heute bin ich blond“ ist die wahre Geschichte der Autorin Sophie van der Stap. Ein schweres Thema, dass durch den jugendlichen Erzählstil auch unterhaltsam war.

Über den Autor (www.amazon.de)

Sophie van der Stap, geboren am 11. Juni 1983 in Amsterdam, studierte Politologie, als bei ihr Anfang 2005 Krebs diagnostiziert wurde. Die Autorin lebt in Amsterdam und arbeitet neben dem Studium als freie Journalistin für Cosmopolitan und NL20.

Broschiert: 240 Seiten * Verlag: Droemer/Knaur * ISBN-13: 978-3426274439

17. Februar 2009

Maria Barbal – Wie ein Stein Im Geröll

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 14:17
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Klappentext

Der Roman zeigt, was wirklich wichtig ist: lieben und geliebt werden.

Conxa ist gerade dreizehn, als ihre Eltern, arme Bauern in den katalanischen Pyrenäen, sie zu einer kinderlosen Tante bringen. An Arbeit mangelt auch hier nicht, und für Gefühle kennt die Tante keine Worte, aber das Mädchen ist zumindest versorgt. Als sie einige Jahre später ihre große Liebe Jaume heiratet, erlebt Conxa sogar ein bescheidenes Glück. Doch der hereinbrechende Bürgerkrieg macht auch vor dem abgelegenen Gebirgsdorf nicht halt – und verändert Conxas Leben für immer…

Meine Meinung

Dieses nur 125 Seiten umfassende Buch ist wieder einmal der Beweis dafür, dass auf gut einhundert Seiten mehr gesagt werden kann als auf tausend. Kein Wort ist zuviel, trotzdem ist es authentisch. Maria Barbal ist mit „Wie ein Stein im Geröll“ ein bittersüßes Buch gelungen. Ganz ruhig schildert sie die große Armut, in der Conxa aufwächst, wie die Tante ihre Liebe, für die sie keine Worte findet, aber durch kleine Gesten im Alltag genau dieses Gefühl ausdrücken kann. Die Sprache der Autorin ist klar und schnörkellos, oft emotionslos, aber am Ende des Buches wurde klar, Emotionen konnte man sich zu der Zeit kaum leisten, es geht nur um das kleine Glück und das zu erreichen ist schwer genug. Freundlichkeit und Lachen zieht erst in das Buch ein, als Jaume in die Handlung eingreift. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, aber mich hat das nicht gestört. Beleuchtete doch die Autorin so die verschiedenen Facetten des Alltagslebens. Dramatisch wird die Geschichte als sich die politischen Verhältnisse ändern und Conxa plötzlich Spanierin wird, katalanisch ist nun nicht mehr erlaubt. Sie fühlt sich nur noch als Stein im Geröll.Aus dem beigefügten Bonusmaterial ist ersichtlich, dass die Protagonistin Conxa Züge der Großmutter der Autorin trägt.

Mein Fazit:Wie ein Stein im Geröll“ ist ein ruhiges, eindringliches Buch, eine einfache Geschichte, die mir sehr gefallen hat. Es berührt und macht nachdenklich. Elke Heidenreich sagte dazu: “So ein schmales, ruhiges Buch – und es enthält nicht nur ein ganzes Leben, es enthält eine ganze verschwindende Welt.“ Mehr muss zu diesem Buch eigentlich nicht gesagt werden.

Die Autorin (www.wikipedia.de)

Maria Barbal i Farré (* 1949 in Tremp) ist eine spanische Schriftstellerin. Sie gilt als eine der wichtigsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Autorinnen katalanischer Sprache.

Barbal verbrachte ihre Kindheit in der bergigen Region der spanischen Pyrenäen. 1964 kam sie nach Barcelona, um an der dortigen Universität spanische Philologie zu studieren, und arbeitete im Anschluss als Lehrerin.

In den 1980er Jahren erschienen ihre ersten Bücher, die weitgehend im archaisch-ländlichen Kontext ihrer Heimat angesiedelt waren. Ihr Buch Wie ein Stein im Geröll (1985, Originaltitel Pedra de tartera) ist in ihrer Heimat in fünfzig Auflagen erschienen und inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt.

Für ihre Arbeit wurde Barbal mit dem spanischen Kritikerpreis, dem Nationalen Literaturpreis Spaniens sowie dem Serra d’Or-Preis ausgezeichnet. Ihr letzter Roman Inneres Land (2005, Originaltitel País íntim) brachte ihr den angesehenen Prudenci-Bertrana-Preis.

Gebundene Ausgabe: 125 Seiten * Verlag: Transit Buchverlag * ISBN-13: 978-3887472214

13. Februar 2009

Joseph Roth – Hiob

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 18:53
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“Erinnere dich Mendel,…erinnere dich an Hiob. Ihm ist Ähnliches geschehen wie dir…. Auch er lästerte Gott. Und doch war es nur eine Prüfung gewesen.” (S. 156)

Mendel Singer ist ein einfacher orthodoxer Jude. Er lebt mit seiner Familie in einem kleinen Ort in Galizien. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Dorfschullehrer. Er lebt, wie schon sein Vater lebte, gottesfürchtig, bescheiden, schicksalsergeben. Aber mit der Geburt des 4. Kindes gerät seine Welt aus den Fugen. Menuchim ist krank, er leidet an Epilepsie, kann nicht laufen und nicht sprechen. Deborah, Mendels Ehefrau, scheut keinen Weg, um ihrem kranken Sohn zu helfen. Ein Rabbi gibt ihr folgende Worte mit auf den Weg:

“Menuchim, Mendels Sohn wird gesund werden. Seinesgleichen wird es nicht viele geben in Israel. Der Schmerz wird ihn weise machen, die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark. Seine Augen werden weit sein und tief, seine Ohren hell und voll Widerhall. Sein Mund wird schweigen, aber wenn er die Lippen auftun wird, werden sie Gutes künden.” (S. 20)

Diese Prophezeiung birgt zwar Hoffnung, scheint aber abwegig zu sein. Die Jahre vergehen und es wird deutlich, dass die Familie Singer in Auflösung begriffen ist. Beide Söhne verlassen das Haus, Jonas wird Soldat, Schemarjah (später Sam) geht nach Amerika. Mirjam entfremdet sich geistig von der Familie, sie ist mit einigen Kosaken liiert. Mendel, Deborah und Mirjam folgen Schemarjah nach Amerika und Menuchim wird im Schtetl zurückgelassen. Aber auch die Eheleute Mendel und Deborah sind einander fremd geworden. Mendel sagt an einer Stelle, er könne Deborahs Gesicht nicht mehr ertragen. Aber auch in Amerika kommen auf Mendel weitere Schicksalsschläge zu. Er beginnt mit Gott zu hadern und lehnt sich in seiner Verzweiflung gegen ihn auf und verflucht ihn. Und dann, als man es kaum noch glauben mag, wird ihm ein ungeheures Glück zuteil.

Nach „Radetzkymarsch“ und „Kapuzinergruft“ war „Hiob“ der dritte Roman, den ich von Joseph Roth las. Wie bereits die anderen beiden, zog er mich sofort in seinen Bann. Joseph Roths Art und Weise zu erzählen, einfach, sachlich und schnörkellos, dabei kompetent und einfühlsam, ist es, die mich jedes Buch von ihm, schon wegen der Sprachmelodie, genießen lässt. Nichts finde ich übertrieben oder gar schwülstig, er findet für alles das richtig Maß. Seine Figuren sind lebensecht und im Gegensatz zu den von mir bereits gelesen Büchern gibt es in „Hiob“ auch fantastisch beschriebene Frauen; Deborah, die Mutter, die lange Zeit die war, die die Familie lenkt und Mirjam, in ihrer Auflehnung gegen das Althergebrachte, sind mir schnell ans Herz gewachsen. Aber am meisten liebe ich diesen Autor für seine Kunst, große Gefühle in passende klare Worte zu fassen. Bevor ich zu diesem Buch griff, zögerte ich eine Weile. Ich wusste nicht, sollte ich vielleicht doch erst (mal wieder) zur Bibel greifen und mich mit der Thematik vertraut machen? Ich entschied mich dagegen und ich habe es nicht bereut. Roth verstand es ganz ausgezeichnet, dieses schwierige Thema umzusetzen und dem Leser nahe zu bringen.

Mein Fazit: „Hiob“ ist ein Meisterwerk. Es hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und tief berührt. Es wird garantiert einen Re-read geben und ich bin mir heute schon sicher, viele neue Facetten dieses Roman entdecken zu können.

Über den Autor

Joseph Roth wurde 1894 in Schwabendorf b. Brody in Ostgalizien geboren und verstarb am 27.05.1939 in Paris. Roth war als Journalist u.a. in Berlin und Wien tätig, ehe er als Korrespondent für die “Frankfurter Zeitung” alle europäischen Großstädte bereiste. Seit 1933 emigrierte Roth schrittweise über Wien nach Marseille, Nizza und schließlich Paris. Dort verfiel er aus Verzweiflung dem Alkoholismus und verstarb in einem Armenhospital.

Gebundene Ausgabe: 202 Seiten * Verlag: Kiepenheuer & Witsch * ISBN-13: 978-3462034059

11. Februar 2009

Anonyma – Eine Frau in Berlin

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 15:52
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“Es ist das einzigartige Zeugnis eines Opfers von Gewalt, das seine Souveränität bewahrt und sich seiner historischen Situation bewusst ist. Es bietet Geschichte aus erster Hand, verdeutlicht nachdrücklich die Traumatisierung einer ganzen Gesellschaft: in seiner Menschlichkeit und Reife ein erschütterndes Dokument von Grausamkeit und Schamgefühl, Überlebenswillen und Selbstbehauptung, in dem die deutsche Wirklichkeit des Dritten Reichs in einem neuen Licht gebrochen scheint.” Literaturen

Meine Meinung

Eine Frau in Berlin“ sind die über etwa 2 Monate geführten persönlichen Tagebücher der Autorin. Als sie diese schrieb, war sie von dem Gedanken einer späteren Veröffentlichung weit entfernt. Sie tat es für sich, um Vergewaltigungen und Übergriffe russischer Soldaten bestmöglich zu verarbeiten. So entstand ein Zeitdokument, das seinesgleichen sucht. Kaum vorstellbar waren die erlebten Grausamkeiten, bewundernswert der Überlebenswille der Autorin, die sich mit dieser schrecklichen Situation arrangieren musste und konnte. Es wird ein Kapitel der letzten Kriegs- und ersten Friedenstage angesprochen, dass nicht oft den Zugang zur Literatur findet, viel zu oft wird es einfach totgeschwiegen. Aus diesem Grund ist das Buch der anonymen Autorin äußerst bemerkenswert.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren recht hoch und wurden – abgesehen von der brisanten Problematik – enttäuscht. An den Schreibstil konnte ich von der ersten bis zur letzten Seite nicht gewöhnen. Wenn ich bedenke, dass die Autorin über ihr eigenes Erleben schrieb, fehlten mir jegliche Emotionen. Ich vermisste Gefühle wie Wut, Abscheu und Ekel. Die Gräueltaten wurden ausführlich, aber nüchterner als die Ankündigung eines Tiefdruckgebietes im Wetterbericht geschildert. Ich mag keine Bücher, in denen sich Autoren einem Seelenstriptease unterziehen, aber diese verstandesmäßige Erörterung war mein Ding nicht. Häufig führt das bewusste Aussparen von Gefühlen zu einer gewissen Eindringlichkeit, aber auch das empfand ich in diesem Buch nicht so. Gut herausgearbeitet wurde hingegen der Zusammenhalt der Hausbewohner in der schwierigen Zeit und der Zerfall dieser Gemeinschaft, sobald sich die Bedingungen ein wenig besserten.

Mein Fazit: „Eine Frau in Berlin“ ist ein Buch über eine historisch bedeutsame Zeit. Anonyma schildert in ihm ein Einzelschicksal, das für tausende andere Frauenschicksale steht. Ich habe von schrecklichen Dingen gelesen, hatte jedoch dabei immer den Eindruck, diese würden von einer Unbeteiligten erzählt.

Über den Autor (www.amazon.de)

Es war der Wunsch der Autorin, dass ihr Name ungenannt bleibt. Nur deshalb erlaubte sie, dass nach ihrem Tod die Tagebücher wieder veröffentlicht werden durften. Denn schon als ihre Notizen in den späten 50er Jahren erst in den USA und dann in Deutschland erschienen, sah sich die Autorin unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt. Seit dem Erscheinen in der “Anderen Bibliothek” gibt es in der Presse einige Spekulationen über die Identität der Autorin – und über die Authentizität des Textes. Walter Kempowski sprach sich in einem Gutachten für die Echtheit der Tagebücher aus; wir respektieren auch weiterhin den Wunsch der Verstorbenen, ungenannt zu bleiben.

Gebundene Ausgabe: 300 Seiten * Verlag: Eichborn * ISBN-13: 978-3821847375

10. Februar 2009

“Lesen!” Die 41.

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 12:45
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„Lesen!“ Die 41. ist online. In dieser Sendung empfängt Elke Heidenreich im Kölner Backes Schauspieler und Parodist Michael Kessler. Folgende Bücher werden vorgestellt:

Trans-Amerika – Tom McNab

Alle sieben Wellen – Daniel Glattauer

Die Berliner Nacht-Taxe – Michael Kessler

Schöner wird’s nicht – David Sedaris

Fliegende Koffer – Annegret Held

Lurchis Abenteuer – Salamanderbuch 01

…und hier ist noch der Lesen!-Link.

 

 

9. Februar 2009

Ilkka Remes – Das Erbe des Bösen

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:18
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http://www.amazon.de/Das-Erbe-B%C3%B6sen-Ilkka-Remes/dp/3423246669/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1234194417&sr=8-1

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

An die Nazis hat er seine Seele verkauft. An die NASA sein Wissen. Jetzt holt die Vergangenheit ihn ein. Als der finnische Physiker Rolf Narva in hohem Alter überraschend eine Reise nach Berlin antritt und spurlos verschwindet, beginnt für seinen Sohn Erik und dessen Frau Katja ein Alptraum. Vieles deutet darauf hin, dass ein dunkles Geheimnis die Vergangenheit des Vaters umgibt. Einst hatten Rolf und seine Frau, eine Biologin, als Wissenschaftler in den USA Karriere gemacht. Was führt den alten Mann jetzt nach Berlin? Und was hat das Deutschland der Nazizeit mit Rolfs Verschwinden zu tun? Erik – selbst Wissenschaftler – hat eine erfolgreiche Gentechnik-Firma in London gegründet. Doch plötzlich erhält das Thema Genetik für ihn eine ganz neue Dimension. Während Erik und Katja einem entsetzlichen Familiengeheimnis auf die Spur kommen, ahnen sie nichts von der Gefahr, die sie selbst und das Leben ihrer Kinder bedroht …

Meine Meinung

“Das Erbe des Bösen“ war mein erster, aber sicher nicht mein letzter Roman von Ilkka Remes. Geschickt verwob er in diesem Thriller die Fäden zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei verknüpfte er Wahrheit und Fiktion auf eine Weise, wie ich sie in einem Buch dieses Genres bisher nicht gelesen habe. Die Arbeit der Wissenschaftler im nationalsozialistischen Deutschland, deren spätere Abwanderung in die USA und die Folgen für das spätere Leben der Protagonisten sind so spannend beschrieben, dass dies allein schon die Basis für einen Roman bieten würde. Aber das Verschwinden von Rolf Narva und die familiäre Geheimnistuerei, die Suche nach ihm und die Aufdeckung des Familiengeheimnisses steigern den Spannungsbogen dermaßen, dass man völlig in dem Buch versinken konnte. Seine Protagonisten hat Remes lebensecht konzipiert und diese Realitätsnähe hat er bis zum Ende durchgehalten. Ihre Handlungen waren logisch aufgebaut und somit für mich nachvollziehbar. Der Thriller, in dem mehrere Handlungsstränge zusammengeführt wurden, ließ sich leicht und flüssig lesen und überzeugte durch seine Authentizität. Die wissenschaftlichen Passagen waren auch für den Laien verständlich. Meine einzigen Kritikpunkte sind die ziemlich offensichtliche Produktwerbung und (wieder einmal) das Finale Grande. Letzteres scheint aber eine ganz persönliche Macke von mir zu sein, das bemängele ich bei vielen Büchern.

Mein Fazit: „Das Erbe des Bösen“ ist ein historisch fundierter, spannungsgeladener, realistischer Thriller, den ich sehr gern gelesen habe und den ich ebenso gern weiter empfehle. Hintergrundinformationen kann man auf der Autoren-Website des dtV nachlesen.

Über den Autor (www.amazon.de)

Ilkka Remes wurde 1962 in einer Gemeinde im südostfinnischen Seengebiet geboren.1997 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der sogleich die Bestsellerlisten eroberte. Remes war der erste Autor, der einen Thriller reinsten Wassers vorlegte. Er hat die finnische Variante des Genres eingeführt und etabliert.Dem Debüt sind mittlerweile weitere Thriller gefolgt. Ilkka Remes ist der meistgelesene finnische Schriftsteller. Seine Bücher erzielen in Finnland stets sechstellige Auflagenhöhen. In der Öffentlichkeit macht sich der Autor rar. Innerhalb von 7 Jahren hat er zwei Interviews gegeben. Er tritt in Finnland nirgendwo auf, macht keine PR-Touren oder dergleichen.

Broschiert: 528 Seiten * Verlag: Dtv (Mai 2008) * ISBN-13: 978-3423246668

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