Karthauses Bücherwelt …

27. März 2009

Uwe Tellkamp – Der Turm

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 18:41
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Klappentext

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der »süßen Krankheit Gestern« der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze – oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der »roten Aristokratie« im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk »Ostrom«, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.

In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben, der den Turm mit sich reißen wird.

Meine Meinung

Nach 976 gelesenen Seiten lege ich nun das Buch aus der Hand und ich fühle mich wahrlich wie nach einer Turmbesteigung. Ich war atemlos vom Lesen, habe mich durch einige Abschnitte gequält und zwischendurch immer wieder die Rückblicke genossen. Um es auf den Punkt zu bringen, dieses Buch zu lesen bedurfte schon einiger Anstrengung, besonders bei den experimentellen Passagen. An sich gefiel mir der Stil Tellkamps sehr gut. Die verschiedenen Spielarten des Sprachgebrauchs, die Wortgewalt, die Sprachgewandtheit und der immer wieder hervor blitzende Witz, das Überzeichnen bis ins Groteske beeindruckten mich. Diese Bandbreite der Sprache und dann die Verbindung von Dialogen, Beschreibungen, Briefen und Tagebüchern in anderen Romanen vorgefunden zu haben, kann ich mich im Moment gar nicht erinnern. Jedes Kapitel las sich anders, manche lasen sich leicht und flüssig, andere waren eine Herausforderung. Manche Stellen mussten förmlich erarbeitet werden und nicht immer war mir danach klar, was der Autor damit nun wirklich zum Ausdruck bringen wollte. Dann gab es wieder Stellen voller Poesie, die so gar nicht zum zuvor genannten K(r)ampf-Lesen passten, die einfach nur schön waren. Eigentlich passte jedes Wort, auch wenn manche im ersten Augenblick ungewohnt oder ungebräuchlich waren. Bemerkenswert fand ich auch, dass Tellkamp es bis zum Ende hin durchhielt jeder Person seinen eigenen Sprachstil zuzugestehen.

Erinnerungen wurden wach und das „Weißt du noch…?“ stand ab und an im Raum. Bei einigen der Protagonisten drängten sich Parallelen zu real existierenden Persönlichkeiten förmlich auf. Tellkamp sprach viele kleine Alltagsdinge an, die mich auch schon mal schmunzeln ließen, ob das nun die Mintkissen, mein geliebter grüner Parka aus Jugendtagen oder der Minolpirol war. Stellenweise gab es jedoch eine richtige Flut solcher Dinge, weniger wäre in dem Fall nicht weniger authentisch gewesen.

Die Protagonisten wurden vom Autor gut gewählt und ebenso gut in Szene gesetzt. Allerdings fehlte ihnen häufig das, was den Menschen letztlich ausmacht, das Gefühl. Oft erschienen sie mir in Situationen, die Gefühl forderten, blutleer und kalt. Ein ausführlicheres Personenverzeichnis wäre wünschenswert gewesen.

Gefallen hat mir die Aufmachung des Buches mit der Karte auf den Buchinnenseite. Dort wurden die wichtigsten Handlungsorte in die Dresdner Umgebung gebracht, eine DDR im Kleinformat.

Mein Fazit: „Der Turm“ ist ein für mich einzigartiger Roman. Selten musste (wollte) ich mich durch ein Buch so hindurch arbeiten und empfand dabei noch Freude. Es ist ein monumentales Werk, ein Epos, mit ein paar kleinen Schwächen. Ich hoffe auf einen zweiten Teil, Tellkamp bezeichnet ihn als Wenderoman, endet aber genau 1989. Ich wäre neugierig, wie die Türmer die neue gesellschaftliche Situation erleben. Da geht doch noch was, Herr Tellkamp, oder?


Gebundene Ausgabe: 976 Seiten * Verlag: Suhrkamp Verlag * ISBN-13: 978-3518420201

18. März 2009

Gilbert Sinoué – Die Straße nach Isfahan

Einsortiert unter: 2009,History — Karthause @ 20:22
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In „Die Straße nach Isfahan“ erzählt Gilbert Sinoué vom wechselvollen Leben des Abu Ali ibn Sina, auch bekannt als Avicenna. Dieser war bereits in jungen Jahren der bekannteste Mediziner seiner Zeit. Aber er war nicht nur auf dem Gebiet der Medizin sachkundig, sondern auch auf dem des Rechts und der Astronomie. Von seiner Kindheit an ordnete er dem Erwerb von Wissen alles andere unter. Er erlebte die Ehren des schnellen Aufstiegs und die Schmach des tiefen Falls. Mehr als einmal musste er flüchten, weil sein Leben bedroht war.

Nachdem ich mich an den Stil Sinoués und das Namengewirr gewöhnt hatte, fand ich einen gut zu lesenden und hoch interessanten historischen Roman vor. Ich bekam Einblicke in die Medizintechnik des Mittelalters und war zugleich erstaunt, über welche Kenntnisse man zu damaliger Zeit bereits verfügte. Da aber der Protagonist nicht nur Mediziner war, erfährt der Leser viele interessante Details aus den anderen Wissensgebieten. Besonders gut haben mir die Ausführungen zum Zusammenleben der verschiedenen Religionen gefallen. Zeigen diese Abschnitte doch Probleme auf, die sich auch in unserer Zeit wiederfinden lassen. Sinoué lässt einen Erzähler sprechen, Al-Djudzani, Freund und Vertrauter des Abu Ali ibn Sina, und beschränkt sich bis auf wenige Ausnahmen auf die historischen Fakten. Nur an einigen Stellen fügt er die Meinung und Interpretation des Erzählers ein. So wirkt das gesamte Buch sehr authentisch und ich erhielt gute Einsichten in die Lebensumstände des 11. Jahrhunderts. Ein paar Längen gab es bei der Schilderung der Schlachten, in die der Protagonist involviert war. Aber mein Gesamteindruck von diesem Buch ist ein sehr guter. Informativ, unterhaltsam und historisch korrekt, so muss ein solcher Roman geschrieben sein. All das trifft auf diesen zu.

Mein Fazit: „Die Straße nach Isfahan“ kommt meinen Erwartungen an einen historischen Roman sehr nahe. Wer leichte, lockere Unterhaltung erwartet, wird vielleicht eine Enttäuschung erleben. Allen anderen Lesern dieses Genres kann ich dieses Buch empfehlen.


Der Autor (Quelle: Verlag Droemer Knaur)

Gilbert Sinoué, 1947 in Ägypten geboren, gilt als Meister des historischen Romans. Die Straßen nach Isfahan machte ihn berühmt. Der blaue Stein bescherte ihm 1996 den Prix des libraires. In Frankreich zählt Sinoué zu den erfolgreichsten Autoren des Landes.


Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Bechtermünz * ISBN-10: 3860475142

16. März 2009

Alina Bronsky – Scherbenpark

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 16:22
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Ihre Sätze hämmern sich ins Bewusstsein, der Rhythmus ihres Debütromans macht fast atemlos. Wäre Scherbenpark ein Popsong, wäre er schnell, gut durchkomponiert, aufmüpfig und stellenweise ohrenbetäubend laut. Definitiv kein Stück, das schwermütig macht. (Brigitte)

Die hochbegabte Alexandra Naimann, genannt Sascha, kam aus Russland und wohnt mit ihren Geschwistern und der Tante in einem Neubau-Ghetto von Frankfurt/Main, dem Scherbenpark. Zwei große Ziele hat sich die 17jährige gestellt, sie will für ihre Mutter ein Buch schreiben und sie will Vadim umbringen. Was es mit diesen Wünschen auf sich hat, erfährt der Leser erst im Laufe der Handlung. Zu Beginn stehen dazu die Fragen im Raum, welche sich jedoch nach und nach erklären.

Frisch, frech, spritzig, witzig, angenehm anders, diese Worte fallen mir nach der Lektüre von „Scherbenpark“ spontan ein. Die Handlung ist simpel, wird jedoch durch den flotten Erzählstil der Autorin deutlich aufgewertet. Unbekümmert und wie ihr der Schnabel gewachsen ist, erzählt Alina Bronsky die Geschichte der Sascha Naimann. Sie steht als Aussiedlerin am Rande der Gesellschaft. Alles ist anders als in Sibirien, wo sie geboren wurde und die Kindheit verbrachte. Von der alten Heimat hat sie sich noch nicht vollkommen gelöst, in der neuen ist sie noch nicht ganz angekommen. Zu den Mitschülerinnen hat sie kaum Kontakt gefunden. Aber durch das Verbrechen, dem die Familie zum Opfer fiel erlangte sie traurige Berühmtheit. Ihre Kommentare und Bemerkungen über ihre neue Heimat sind mitunter bissig, aber doch zutreffend. Die gängigen Klischees von Aussiedlern aus Russland bedient sie ebenso wie die über die Neubau-Ghettos. Aber vielleicht sind es gar keine sondern eher Wahrheiten? Das hohe Erzähltempo hält sie von Anfang bis Ende durch. Das unterstreicht den jugendlichen Eindruck, den ich von ihrer Schreibweise erhielt. Gut gefallen hat mir auch der Humor, der in der doch tragischen Geschichte steckt.

Mein Fazit: „Scherbenpark“ ist ein Buch, das mich von Beginn an gefangen und gut unterhalten hat. Es ein echter Page-Turner, der die Suche einer 17jährigen nach ihrem Platz im Leben eindrucksvoll beschreibt.

Über den Autor

Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium arbeitete sie als Texterin in einer Werbeagentur und als Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Frankfurt und telefoniert bis heute fast täglich mit ihren Großeltern in Sibirien. “Scherbenpark” ist ihr erste literarische Veröffentlichung.

Gebundene Ausgabe: 286 Seiten * Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag * ISBN-13: 978-3462040302

5. März 2009

Arno Surminski – Die Vogelwelt von Auschwitz

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 20:44
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Der Pole Marek Rogalski ist Insasse des KZ Auschwitz – unschuldig, wie er immer wieder betont. Er ist einem Malertrupp zugeteilt worden. Früher war er Kunststudent in Krakau, nun streicht er Baracken an. Hans Grote, Wachmann der SS in Auschwitz, ist mehr der Natur zugetan als dem Alltag in einem Konzentrationslager. Er stellt bei der Lagerleitung den Antrag, die Vogelwelt von Auschwitz erforschen zu dürfen. Das wird ihm genehmigt und Marek wird ihm als Assistent zur Seite gestellt und soll nun Vögel skizzieren und präparieren. Marek erkennt schnell, dass Grote einer der Deutschen ist, der die Pflicht erfüllt und Befehle ausführt, aber darüber das Nachdenken verweigert. Beide lernen sich bei der täglichen Arbeit näher kennen und wundern sich darüber, wie ähnlich sie einander eigentlich sind. Die Wünsche des Polen sind nicht viel anders als die des Deutschen. Beide wollen heim, Grote zu seiner Frau und den Kindern, Marek zu seiner Verlobten. Mehr als einmal spielt der Pole mit dem Gedanken, bei den Ausflügen in die Natur einfach nur die Weichsel zu durchschwimmen und nach Krakau zu Eva zu gehen. Die Sonderbehandlung Mareks bringt ihm zwar mehr Freiheiten, aber er bemerkt auch den Neid der anderen Insassen.

Als ich dieses Buch in meiner Buchhandlung liegen sah, irritierte mich zuerst der Titel. Provokant, das geht gar nicht, waren meine ersten Gedanken, irgendwie war ich peinlich berührt und empört. Ich war jedoch sehr überrascht, als ich diese Novelle las. Von Provokation oder gar „heiler Welt“ war nichts zu spüren. Einen Vogelkundler gab es unter den SS-Leuten in Auschwitz wirklich. Seine Studie, die den Titel „Beobachtungen über die Vogelwelt von Auschwitz“ trägt, wurde in einer wissenschaftlichen Wiener Zeitschrift veröffentlicht. Neben der überraschend friedlichen Tätigkeit des Vogelkundlers wird aber auch der grausame KZ-Alltag nicht ausgespart. Da wird der Leser mit fehlgeschlagenen Pharma-Versuchen, der Massenvernichtung und Hinrichtungen zur Abschreckung konfrontiert. Hervorragend entwickelte und charakterisierte Surminski die beiden Protagonisten Hans Grote und Marek Rogalski. Die Dialoge der beiden sind einzigartig. In der Naivität ihrer Gedanken übertrafen sie sich gegenseitig. Ich hegte für keinen besondere Sympathien, sondern konnte das Buch eher als neutraler Beobachter lesen. Es war flüssig und leicht zu lesen, war aber trotzdem keine leichte Kost. Besonders erschreckend waren Szenen, in denen für den Schutz der Vögel eingetreten wurde, wenig später aber das geplante massenhafte Töten von Insassen als absolut normal dargestellt wurde. Damit beschreibt der Autor meisterhaft, wie verabscheuungswürdig und perfide dieses System war. Arno Surminski war mir bisher als Autor nur dem Namen nach geläufig. Ich hatte noch keinen Roman von ihm gelesen. Diese Novelle hat mich aber voll überzeugt.

Mein Fazit: „Die Vogelwelt von Auschwitz“ ist ein leicht zu lesendes Buch mit einem sehr herben Nachgeschmack. Es macht ergriffen und auch fassungslos. Die schönen Naturbeschreibungen in Verbindung mit dem bestialischen Geschehen im KZ lassen sehr zwiespältige Gefühle aufkommen. Trotzdem kann ich jedem, der sich dieser Thematik gewachsen fühlt, dieses Buch empfehlen.

Über den Autor

Arno Surminski 1934 in Jäglack (Ostpreußen) geboren, arbeitet seit 1972 freiberuflich als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller. Er hat neunzehn Romane und Erzählbände veröffentlicht, darunter die Bestseller “Jokehnen”, “Sommer vierundvierzig” und die Erzählbände “Aus dem Nest gefallen” und “Die masurischen Könige”. 2008 erhielt Arno Surminski den Hannelore-Greve-Literaturpreis.

Gebundene Ausgabe: 191 Seiten * Verlag: Langen/Müller * ISBN-13: 978-3784431260

3. März 2009

Sabine Weiß – Die Wachsmalerin

Einsortiert unter: 2009,History — Karthause @ 19:09
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Paris zur Zeit der französischen Revolution. Ihre frühe Kindheit verbrachte Marie Grosholtz in der Scharfrichterfamilie in Straßburg. Dann ging sie mit ihrer Mutter nach Paris zu ihrem Onkel, der aus Wachs kleine und große Kostbarkeiten schuf. Bereits in den Kindertagen war Marie sehr an der Arbeit des Onkels interessiert. Was erst kindliches Interesse war, wurde später für sie zur Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem Onkel fertigte sie Ebenbilder der Großen ihrer Zeit. Besonders zur Zeit der Revolution war Aktualität unablässig. Es gab viel zu tun und die Zeiten waren auch für sie nicht ungefährlich. Stand beispielsweise das Abbild Ludwig XVI. zum falschen Zeitpunkt in falscher Dekoration, konnte das Leben bedroht sein, da leicht der Verdacht aufkam, königstreu zu sein.

Die Wachsmalerin“ ist der Roman über die Kindheit und Jugend der Madame Tussaud. Er führt den Leser zurück in die Zeit der französischen Revolution Marie ist eine zielstrebige, willensstarke junge Frau, die schon in frühester Jugend ihre Liebe zur Wachskunst entdeckte. Angeleitet vom Onkel erreicht sie die Meisterschaft auf diesem Gebiet. Sie muss jedoch ständig gegen Widerstände und Vorurteile kämpfen, denn als Frau, die die Arbeit Mann, Heim und Herd vorzog, entsprach nicht sie den Vorstellungen der damaligen Zeit. Ob Künstler, Politiker, die Königsfamilie, oder auf der Guillotine hingerichtete, von allen schufen sie Abbilder und das Volk besuchte gern die Ausstellungsräume. Marie lebte in historisch bewegten Zeiten, die die Autorin sehr gekonnt und detailgetreu in ihrem Roman aufleben lassen konnte. Der Sturz des Königs, der Sturm auf die Bastille und Wirren nach der Revolution arbeitete Sabine Weiß authentisch in die Romanhandlung ein. Sie verwob das Leben der historischen verbürgten Persönlichkeiten – und dazu zählt auch Marie Tussaud – mit gesicherten geschichtlichen Fakten zu einem gelungenen Roman. Dieser ist sehr flüssig und angenehm zu lesen und vermittelt dem Leser gleichzeitig ein interessantes Zeit- und Sittenbild. Dieser Roman hebt sich sehr wohltuend von vielen anderen „Die …in“-Romane ab, weil sich die Autorin an die geschichtlichen Vorgaben hielt. Sie stellte die Protagonistin nicht als Superheldin dar, sondern als Frau, die zwar ihren eigenen Weg geht, unter den Widerständen und den Widrigkeiten der Zeit aber auch leidet. Sie muss für ihren Lebenstraum kämpfen und auch ihre Grenzen erkennen. Ein wenig habe ich bedauert, dass die kunsthandwerkliche Seite dieses Romans nicht so intensiv wie die geschichtliche beleuchtet wurde. Ich hätte gern noch etwas mehr über diese Kunst erfahren.

Mein Fazit: „Die Wachsmalerin“ ist der Debütroman von Sabine Weiß und dieser ist äußerst beachtenswert. Ein Besuch bei Madame Tussaud in Berlin ist bereits geplant und die inzwischen erschienene Fortsetzung dieses Romans „Das Kabinett der Wachsmalerin“ werde ich mit Gewissheit lesen, ich bin sicher, unterhaltsame und interessante Lesestunden vor mir zu haben.

Über den Autor

Sabine Weiß, geboren 1968, studierte in Hamburg Germanistik und Geschichte, bevor sie sich dem Journalismus zuwandte. Seit 1995 arbeitet sie als freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur und Medien. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nordheide.

Broschiert: 416 Seiten * Verlag: List Tb. * ISBN-13: 978-3548608457

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