Ihre Sätze hämmern sich ins Bewusstsein, der Rhythmus ihres Debütromans macht fast atemlos. Wäre Scherbenpark ein Popsong, wäre er schnell, gut durchkomponiert, aufmüpfig und stellenweise ohrenbetäubend laut. Definitiv kein Stück, das schwermütig macht. (Brigitte)
Die hochbegabte Alexandra Naimann, genannt Sascha, kam aus Russland und wohnt mit ihren Geschwistern und der Tante in einem Neubau-Ghetto von Frankfurt/Main, dem Scherbenpark. Zwei große Ziele hat sich die 17jährige gestellt, sie will für ihre Mutter ein Buch schreiben und sie will Vadim umbringen. Was es mit diesen Wünschen auf sich hat, erfährt der Leser erst im Laufe der Handlung. Zu Beginn stehen dazu die Fragen im Raum, welche sich jedoch nach und nach erklären.
Frisch, frech, spritzig, witzig, angenehm anders, diese Worte fallen mir nach der Lektüre von „Scherbenpark“ spontan ein. Die Handlung ist simpel, wird jedoch durch den flotten Erzählstil der Autorin deutlich aufgewertet. Unbekümmert und wie ihr der Schnabel gewachsen ist, erzählt Alina Bronsky die Geschichte der Sascha Naimann. Sie steht als Aussiedlerin am Rande der Gesellschaft. Alles ist anders als in Sibirien, wo sie geboren wurde und die Kindheit verbrachte. Von der alten Heimat hat sie sich noch nicht vollkommen gelöst, in der neuen ist sie noch nicht ganz angekommen. Zu den Mitschülerinnen hat sie kaum Kontakt gefunden. Aber durch das Verbrechen, dem die Familie zum Opfer fiel erlangte sie traurige Berühmtheit. Ihre Kommentare und Bemerkungen über ihre neue Heimat sind mitunter bissig, aber doch zutreffend. Die gängigen Klischees von Aussiedlern aus Russland bedient sie ebenso wie die über die Neubau-Ghettos. Aber vielleicht sind es gar keine sondern eher Wahrheiten? Das hohe Erzähltempo hält sie von Anfang bis Ende durch. Das unterstreicht den jugendlichen Eindruck, den ich von ihrer Schreibweise erhielt. Gut gefallen hat mir auch der Humor, der in der doch tragischen Geschichte steckt.
Mein Fazit: „Scherbenpark“ ist ein Buch, das mich von Beginn an gefangen und gut unterhalten hat. Es ein echter Page-Turner, der die Suche einer 17jährigen nach ihrem Platz im Leben eindrucksvoll beschreibt.
Über den Autor
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium arbeitete sie als Texterin in einer Werbeagentur und als Redakteurin bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Frankfurt und telefoniert bis heute fast täglich mit ihren Großeltern in Sibirien. “Scherbenpark” ist ihr erste literarische Veröffentlichung.
Gebundene Ausgabe: 286 Seiten * Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag * ISBN-13: 978-3462040302

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