Karthauses Bücherwelt …

29. September 2009

Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:03
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Ein König für Deutschland Andreas Eschbach Gebundene Ausgabe: 491 Seiten Verlag: Lübbe ISBN-13: 978-3785723746
Ein König für Deutschland
Andreas Eschbach
Gebundene Ausgabe:
491 Seiten Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3785723746

Entscheidend ist nicht, ob wirklich alle Stimmen korrekt gezählt werden; entscheidend ist, dass alle glauben, dass sie korrekt gezählt werden.“

Vincent Wayne Merrit (21) ist ein talentierter Programmierer. In Florida arbeitet er bei einer kleinen Softwarefirma mit einer ambitionierten Chefin und steigt schnell zum 1. Programmierer auf. Dann bekommt er im Jahr 2000 den Auftrag, für einen Abgeordneten ein Programm zu Test- und Studienzwecken zu schreiben, dass die Abstimmungsergebnisse der Wahlcomputer verändern kann. Bereits einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, hat er zunächst Skrupel. Seine Chefin zerstreut seine Bedenken und Vincent erfüllt seinen Auftrag. Als er das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen sieht, kommen Zweifel in ihm auf, ob sein Programm wirklich nur zu Testzwecken genutzt wurde.

Zanetti, der Geliebte der Firmenchefin, erpresst ihn 8 Jahre später mit seinem Wissen über dieses Programm. Vincent soll noch einmal ein solches Programm schreiben. Dieses Mal aber kein zu Testzwecken bestimmtes, sondern ein einsatzfähiges Programm, das bei den Landtagswahlen in Hessen eine Patt-Situation herbeiführen soll.

Vincent gelingt die Flucht, er will sein Programm nicht an Zanetti liefern. Deshalb schickt er es seinem in Deutschland lebenden Vater, Simon König, den er persönlich gar nicht kennt, weil dieser mit Vincents Mutter nur eine sehr kurze Affäre hatte. Simon ist Lehrer an einem Gymnasium, lebt sehr zurückgezogen und weiß von Computern im Prinzip nur, dass es sie gibt. Er soll die CD, die ihm sein Sohn schickte, sicher aufbewahren. Das gelingt ihm nicht einmal einen Tag lang. Und eine Geschichte, die so unvorstellbar gar nicht ist, nimmt ihren Lauf.

Andreas Eschbach setzt seinem Roman das Zitat Stalins voran: „Diejenigen, die wählen, entscheiden gar nichts. Diejenigen, die die Stimmen auszählen, alles.“, das den Leser gedanklich schon auf die hochaktuelle und brisante Handlung vorbereitet.

In gewohnter Manier führt der Autor den Leser auch in seinem neuesten Roman an ein heikles Thema, die Manipulierbarkeit von Wahlen, demokratischen Wahlen mit geheimer Abstimmung mittels Wahlcomputer. Auch in diesem Roman schafft er es, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt. So gefangen ist man in der logisch aufgebauten Handlung und der kontinuierlich gesteigerten Spannung.

Zum besseren Verständnis für die Computerlaien und die normalen Wahlurnenbesucher hat er mittels Fußnoten entsprechende Erklärungen eingebaut, die gleichzeitig die exakte Recherche belegen und die Realitätsnähe dokumentieren. Das gilt auch für die theoretische Möglichkeit, in Deutschland die Monarchie wieder einzuführen.

Andreas Eschbach erzählt seinen Roman in zwei Haupthandlungssträngen, die in den USA angesiedelte Geschichte um Vincent Merrit und den in Deutschland spielenden Teil um den Normalbürger Simon König.

Der einzige Kritikpunkt in diesem Buch ist für mich die Rolle Vincents im letzten Drittel dieses Romans. Für meinen Geschmack hatte der Zufall Vincent den Zugang zum Computer ein bisschen einfach ermöglicht. Diese zusätzliche Action hätte die Romanhandlung nicht erfordert.

Alles in Allem ist es Andreas Eschbach wieder einmal gelungen, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, mit denen ich an diesen Roman ging. Ein flüssig geschriebener und spannend zu lesender Thriller entschädigten mich für eine zweieinhalbjährige Wartezeit auf den neuen Eschbach. Ich kann diesen Roman an die Liebhaber dieses Genres ruhigen Herzens empfehlen.

Das Bundesverfassungsgericht urteilte über den Einsatz von Wahlcomputern am 03. März 2009.

Weitere von mir gelesene Bücher des Autors
Quest
Das Jesus-Video
Ausgebrannt
Eine Billion Dollar

28. September 2009

Lesen! Das Buch der Woche (22)

Einsortiert unter: Uncategorized — Karthause @ 12:17
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Die Ängstlichen von Peter Henning. Ob es etwas für mich ist? Kann gut sein.

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
Mit »Die Ängstlichen« legt Peter Henning seinen großen Roman vor: Die Chronik einer musterhaften Familie ist eine aberwitzige, rabenschwarze menschliche Komödie, ein Mosaik aus kleinen und großen Schrecken, Glück und Hoffnung. Über Taunus und Rhön gehen sintflutartige Regenfälle nieder. Sie sind Vorboten eines Orkans, der die Familie Jansen mit aller Zerstörungskraft trifft: Weil Johanna Jansen, die 78-jährige Patriarchin, in ein Wohnstift ziehen will, möchte sie ihre Kinder noch einmal um sich versammeln. Doch der Lebensabend wird für sie zur Sonnenfinsternis: Plötzlich verschwindet ihr Lebensgefährte, und ihr ältester Sohn sieht sich von einer tödlichen Krankheit bedroht, während sein jüngerer Bruder aus der Psychiatrie flieht. Auch Johannas Tochter begibt sich auf eine Reise, die für sie und ihren untreuen Mann zur Tortur gerät, derweil ihr Enkel um die Liebe seines Lebens kämpft. Als die Jansens ein letztes Mal zusammenfinden, ziehen erneut dunkle Wolken auf. Es sind die Schatten des Kleinmuts und der Angst, der Geltungssucht und Lieblosigkeit – die Schatten einer Familie.

24. September 2009

Ferien, ich habe Ferien!

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 17:48
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22. September 2009

Lesen! Das Buch der Woche (21)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 10:32
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Der Tod meiner Mutter von Georg Diez.Ob es etwas für mich ist? Hmmm. Ich weiß nicht. Vielleicht.

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Die Mutter stirbt. Der Sohn erzählt. Ein bewegendes Buch über das Leben, zu dem auch der Tod gehört. Georg Diez, Autor der Süddeutschen Zeitung, berichtet mit atemberaubender Genauigkeit vom Sterben seiner Mutter, ihrem Kampf um Selbstbestimmung und Würde und seinem eigenen Umgang mit dem Unausweichlichen. Wenn das Sterben und der Tod ins Leben eines Menschen treten, ist die Reaktion oft Schweigen und Sprachlosigkeit. Für den unwiederbringlichen Abschied eines geliebten Menschen fehlen uns die Worte, die das Leiden und den Schmerz angemessen fassen. Der Autor und Journalist Georg Diez aber hat nach dem Krebstod seiner Mutter den Mut zu erzählen, wie sich ein solcher langer Abschied vollzieht. Mit größter Genauigkeit und Schonungslosigkeit beschreibt er, wie er als Sohn den Tod in sein Leben hereinlassen musste, während er zugleich seine Hochzeit feierte und darauf wartete, zum ersten Mal Vater zu werden. Mit liebevollem, aber präzisem Blick begleitet er den langen Weg einer Frau, deren Leben vom Kampf um Selbstständigkeit und von leidenschaftlichem sozialen und beruflichen Engagement geprägt war, bis in die Einsamkeit der Krankheit und der Schmerzen. Die langsamen Verschiebungen in den Beziehungen zu Freunden und Kollegen, die letzten Reisen, die letzten Spaziergänge, die letzten Feste, die vielen kleinen und großen Abschiede, die wiederkehrenden Hoffnungen, die praktischen Nöte bei der Organisation des Alltags: All das schildert Georg Diez so intensiv wie die Erschütterungen, die das Sterben seiner Mutter für sein eigenes Leben bedeuten. So ist ein Buch entstanden, das im Angesicht des Todes auch das Porträt zweier Generationen auf eine ganz neue Weise zeichnet: die Generation, die von den Befreiungsideen von 68 geprägt war, und ihre Adidas-Kinder, die in der Zeit des Wohlstands und der Sorglosigkeit aufwuchsen und nun mit Krankheit und Tod der Eltern konfrontiert werden. Georg Diez ist ein kleines Wunder gelungen: Er hat ein Buch voller Traurigkeit und Abschied geschrieben, das durch seine erzählerische Brillanz für den Leser eine befreiende Kraft entfaltet.


15. September 2009

Die Vorleser

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 22:17
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Am Freitag, 18. September 2009, treffen sich um 22.35 Uhr im ZDF wieder die Vorleser Amelie Fried und Ijoma Mangold. Gast in dieser Sendung soll Rufus Beck sein. In ihrer zweiten Sendung sollen die folgenden Bücher besprochen werden. Die Auswahl finde ich sehr interessant.

2666
Roberto Bolaño
Gebundene Ausgabe, 1096 Seiten
Hanser Verlag, 2009
ISBN: 978-3446233966


Aufbruch
Ulla Hahn
Gebundene Ausgabe, 592 Seiten
Deutsche Verlags-Anstalt, 2009
ISBN: 978-3421042637


Superhero
Anthony McCarten
Aus dem Englischen von Manfred Allié
Gebundene Ausgabe, 302 Seiten
Diogenes Verlag, 2007
ISBN: 978-3257861587


Zwei an einem Tag
David Nicholls
Gebundene Ausgabe, 560 Seiten
Verlag Kein & Aber, 2009
ISBN: 978-3036955421


Deutschland einig Vaterland
Andreas Rödder
Gebundene Ausgabe, 496 Seiten
Verlag C.H. Beck, 2009
ISBN: 978-3406562815


Verbrechen
Ferdinand von Schirach
Gebundene Ausgabe, 205 Seiten
Piper Verlag, 2009
ISBN: 978-3492053624


Ich schlage vor, dass wir uns küssen
Rayk Wieland
Gebundene Ausgabe, 208 Seiten
Antje Kunstmann Verlag, 2009
ISBN: 978-3888975530

14. September 2009

Lesen! Das Buch der Woche (20)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 11:27
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Cosimas Kinder von Oliver Hilmes. Der Autor ist bekannt durch sein Buch “Die Herrin des Hügels”, in dem er die Wagner-Witwe Cosima Wagner portraitiert. In seinem neuen Buch beleuchtet er nun das Leben der Kinder Cocima Wagners. Für mich ein Buch, das bald den Weg  in mein Regal finden wird.

Kurzbeschreibung
(Quelle: Amazon.de)
Ganz große Oper: Die Geschichte der Familie Wagner

Oliver Hilmes entschlüsselt den Wagner-Kosmos, indem er die Nachkommen der schillernden Komponisten-Witwe porträtiert und ihren Kampf um die Macht auf dem Grünen Hügel in Bayreuth beschreibt. Das aufregende Epos einer deutschen Familie und ihres leidenschaftlichen Ringens um den Erhalt einer Dynastie, die uns bis heute beschäftigt.

Eine Mutter, zwei Väter und fünf Kinder – die Familie Richard und Cosima Wagners ist ein Kosmos, rätselhaft und sagenumwoben. Ähnlich wie die Kinder Thomas Manns trugen die Sprösslinge dieses faszinierenden Paars schwer an der Last ihrer Herkunft. Selbstverleugnung wurde zum Schicksal von Daniela, Blandine, Isolde, Eva und Siegfried – von Cosimas Kindern: Ihre Aufgabe war es, Richard Wagners »Werk« als Inbegriff »deutscher Kultur« zu pflegen und darüber zu wachen.Da es dabei auch um viel Geld ging, schreckte der Clan nicht vor der Verstoßung eigener Familienangehöriger zurück, wenn die Vorherrschaft auf dem Grünen Hügel in Gefahr schien. Man zwang sogar den als Thronfolger vorgesehenen einzigen (homosexuellen) Sohn Richard Wagners, Siegfried, in eine Ehe – mit jener Winifred, die als enge Vertraute und wichtige Unterstützerin Adolf Hitlers in die Geschichtsbücher eingehen sollte.Fesselnd erzählt Oliver Hilmes in seinem Buch anhand neuer Quellen diesen spannenden Stoff aus Kunst und Weltanschauung, aus Politik und eigennütziger Geschäftigkeit. Er spürt den seelischen Konflikten und dem Größenwahn von Cosimas Kindern nach und liefert eine faszinierende Familiensaga aus Triumph und Tragödie, Genie und Verfall.

10. September 2009

Reinhard Stöckel – Der Lavagänger

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 19:48
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Der Lavagänger   Reinhard Stöckel    Gebundene Ausgabe: 379 Seiten     Verlag: Aufbau-Verlag    ISBN-13: 978-3351032449
Der Lavagänger
Reinhard Stöckel
Gebundene Ausgabe: 379 Seiten
Verlag: Aufbau-Verlag
ISBN-13: 978-3351032449

“Wenn du dir eine Perle wünschest,

such sie nicht in einer Wasserlache.

Wer Perlen finden will,

muss bis zum Grund des Meeres tauchen.”


Henri Helder ist Eisenbahner und die Eisenbahn prägte auch schon das Leben seiner Vorfahren. Und genau so hat er sein Leben eingerichtet. Alles läuft in eingefahrenen Gleisen (auch seine Ehe mit Susanne), gut organisiert, planmäßig, Veränderungen sind unerwünscht, weil sie das System stören. Kurz, er ist ein Langweiler.

Eines Tages erreicht ihn ein Brief von einer Anwaltskanzlei – nein es sind nicht die befürchteten Scheidungsunterlagen von seiner Frau, die inzwischen in Brüssel arbeitet – es geht um eine Erbschaftsangelegenheit. Henris Großvater verschwand vor vielen Jahren spurlos. In der Familie wurde um diese Sache immer ein Geheimnis gemacht. Hans Kasper ist so etwas wie das schwarze Schaf der Familie. Nun erbt jedoch Henri ein paar abgenutzte Schuhe mit eigentümlichen Schriftzeichen. Seine Neugier, was es mit diesen Schuhen auf sich hat, ist geweckt und ganz langsam entkommt Henri bei seinen Nachforschungen seiner Lethargie. Zu guter Letzt macht er sich sogar selbst auf die Reise – nicht nur mit der Eisenbahn – um vor Ort seine Suche fortzusetzen. Ganz nebenbei erfährt er unglaubliche, eigenartige, skurrile, abenteuerliche und geheimnisumwobene Geschichten aus der Vergangenheit seiner Familie.

„Der Lavagänger“ ist ein Abenteuerroman, aber nicht im herkömmlichen Sinne. Es geht nicht um die Entdeckung neuer Kontinente. Der Protagonist begibt sich auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit seiner Familie. Der Leser lernt eine Vielzahl von Personen kennen und der Autor schafft das Kunststück, jeden einzelnen mit Leben zu erfüllen, ihm seinen eigenen Charakter und eigene Persönlichkeit zu verleihen. Schon durch die verschiedenen Lebensläufe dieser Personen vermittelt Stöckel ein sehr buntes Bild der Handlungszeit. Dieses verbindet er geschickt mit geschichtlich relevanten Ereignissen und so werden dem Leser mit dieser Familiengeschichte die historischen Eckdaten und bedeutende Ereignisse der letzten 150 Jahre nahe gebracht.

Der Roman ist sehr flüssig und ohne direkte Rede, aber mit viel Witz und Charme geschrieben. Zu Beginn hatte ich noch ein paar kleine Schwierigkeiten, in diese weit verzweigte, vielschichtige und diffizile Geschichte zu finden. Nachdem ich jedoch zu diesem Buch den Zugang gefunden hatte, ließ es mich nicht mehr los und dem Autor gelang es auch, diesen Spannungsbogen bis zum Schluss zu halten. Reinhard Stöckel forderte dem Leser aber auch Konzentration beim Lesen ab. Denn er griff mehrfach kleine Details, die anfangs unwichtig erschienen, auf und baute deren Bedeutung an späterer Stelle deutlich aus.

Das äußere Erscheinungsbild des Buches hat mir sehr gut gefallen. Der Schutzumschlag lässt schon ein wenig Fernweh und Urlaubsstimmung aufkommen. Der im Buch enthaltene Familienstammbaum hat mir während des Lesens gute Dienste geleistet.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Reinhard Stöckel, geb. 1956, ist gelernter Bibliothekar, studierte am Leipziger Literaturinstitut, war u. a. als Gießereiarbeiter und Publizist tätig. In den achtziger und neunziger Jahren Arbeit in verschiedenen literarischen Zirkeln. Er schrieb für Zeitungen und Zeitschriften und veröffentlichte außerdem in Anthologien sowie den Erzählband »Unten am Fluss« (2002). Er lebt mit seiner Familie in Maust bei Cottbus.

7. September 2009

Alice Greenway – Weisse Geister

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 19:31
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Weisse Geister   Alice Greenway   OT: White Ghost Girls    Gebundene Ausgabe: 224 Seiten     Verlag: mareverlag     ISBN-13: 978-3866481015
Weisse Geister
Alice Greenway
OT: White Ghost Girls
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: mareverlag
ISBN-13: 978-3866481015

Der Sommer, von dem ich erzählen will, ist die einzige Zeit von Bedeutung. Es ist die Zeit, an die ich denken werde, wenn ich sterbe, so wie sich andere vielleicht einen verlorenen Liebhaber ins Gedächtnis rufen oder einer Liebe nachtrauern, die nie zustande kam. Für mich gibt es nur eine Geschichte. Es ist die meiner Schwester – Frankies Geschichte.“ (Seite 8 )

Hongkong 1967. Die 13jährige Kate ist die Ich-Erzählerin dieses Romans. Die Familie lebt in Hongkong, während der Vater, Fotograf für das Time Magazin, den Vietnamkrieg mit dem Fotoapparat begleitet. Nur alle sechs Wochen besucht er seine Familie und es wird schnell deutliche, welch tiefe Spuren der Krieg bereits in seiner Seele hinterlassen hat. Frankie, die nur wenig ältere Schwester von Kate, ist in einem Alter, in dem sie nicht mehr ganz Kind und noch nicht ganz Frau ist. Mit ihren weiblichen Reizen spielt sie schon sehr bewusst. Frankie und Kate stehen sich sehr nahe. Die Mutter der beiden ist äußerst labil und lebt eigentlich nur mit ihrer Kunst. Anfangs scheint die Zeit der Drei recht unbeschwert zu sein. Die Elternteile sind beide sehr mit sich selbst beschäftigt und die Töchter sind mehr oder minder in der Obhut der damit doch recht überforderten chinesischen Haushälterin. Das Unheil scheint vorprogrammiert zu sein. Eines Tages begleiten die beiden Mädchen die Haushälterin zum Markt und fallen in die Hände von Rebellen. Kate muss für sie einen Auftrag ausführen, während Frankie in von den Aufrührern als Geisel gehalten wird. Dieser Tag ändert das Leben der Schwestern und deren Verhältnis zueinander grundlegend. Frankie soll auf ein Internat geschickt werden, auch um zu vermeiden, dass Kate durch deren Einfluss in Schwierigkeiten gerät. Da sie aber immer noch Frankies „Geheimnisschwester“ ist, ist es dafür bereits zu spät.

Alice Greenways Debüt-Roman „Weisse Geister“ beginnt fast beschaulich mit einem schönen Tag am Meer. Auf den ersten Seiten könnte man eine leichte Familiengeschichte vor exotischer Kulisse erwarten. Aber fast mit jeder Seite, die gelesen wird, nimmt die Intensität des Romans zu. Und nach und nach werden die unterschwelligen Probleme der Familie deutlich. Die fehlende Nähe der Eltern, das heimliche Verfolgen der Kriegshandlungen, die daraus resultierenden Ängste werden von der Autorin psychologisch gut durchdacht, beleuchtet und gut in Szene gesetzt. Aber auch die politische Situation im Hongkong in der 2 Hälfte der 1960er Jahre wurde von der Autorin beeindruckend gut herausgearbeitet und nachvollziehbar beschrieben. So stellt sie in diesem Buch die jungen Mädchen und die exotische Szenerie den Schrecken des Kriegs und der chinesischen Kulturrevolution gegenüber, das Zarte und Vergänglicher im Unterschied zu Krieg und Gewalt.

„Weiße Geister“ ist sehr einfühlsam geschrieben, vielleicht auch weil die Autorin selbst in Hongkong aufwuchs. Ihre Sprache ist fast schon poetisch, leise, gefühlvoll, aber lebendig und beeindruckend. Das Buch hat mich emotional sehr berührt, es war intensiv, jedoch ohne jede Gefühlsduselei geschrieben. Alice Greenway ist eine Autorin, von der ich gern wieder Bücher lesen würde.

Über den Autor 

Alice Greenway, 1964 in Washington D. C. geboren, aufgewachsen in Hongkong, Bangkok, Washington, Jerusalem und Massachusetts, studierte an der Yale University. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie in Edinburgh, Schottland. Weiße Geister ist ihr erster Roman. (Quelle: Klappentext)

6. September 2009

Lesen! Das Buch der Woche (19)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 11:09
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Schau heimwärts, Engel von Thomas Wolfe. Es ist wohl das erste Mal, dass sie ein Buch vorstellt, welches ich schon gelesen habe, auch wenn es vor gefühlten Ewigkeiten war. Aber “Schau heimwärts, Engel” liegt jetzt in einer Neuübersetzung von Irma Wehrli vor. Ein Grund es noch einmal zu lesen? Mal schauen, vielleicht. ;-)


Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)
Ein großer Klassiker, im großen Format, in großartiger Neuübersetzung

«Schau heimwärts, Engel» ist eines der legendären Romanepen des 20. Jahrhunderts. Betörend durch die Unmittelbarkeit des Erzählten wie durch eine Sprachkunst, in der schonungsloser Realismus und lyrische Anmut Hand in Hand gehen, gilt es als stilbildend für die moderne amerikanische Erzähltradition bis hin zu Jonathan Franzen. Mit der kommentierten Neuübersetzung kann man Wolfes Meisterwerk nun in seiner ganzen jugendlichen Frische und Kraft wiederentdecken.

«Home, sweet home» … Doch die Verhältnisse, in die der Romanheld Eugene Gant hineingeboren wird, sind alles andere als heimelig. Ein jähzorniger Alkoholiker der Vater, eine berechnende Krämerseele die Mutter, wird sein Elternhaus im Nu zur Keimzelle zwischenmenschlicher Dramen. Bei aller Erbitterung und Zwietracht der Gants erweist sich ihr Clan aber auch als Hort eines unbändigen Lebenswillens. «Schau heimwärts, Engel», erschienen 1929, zeigt vielfältigste Facetten häuslichen Glücks und Unglücks und liest sich über weite Strecken als Abrechnung mit dem Heiligtum des «American way of life»: der Familie. Aufs Exemplarische abzielend, erwächst aus der drei Generationen überspannenden Chronik ein faszinierendes Zeit und Sittenbild der Vereinigten Staaten, eine Erkundung der Mythen und Mentalitäten des Landes und nicht zuletzt ein Hymnus auf dessen nie versiegende Vitalität. · Die erste kommentierte Ausgabe und nach Jahrzehnten wieder eine zeitgemäße deutsche Fassung des legendären Klassikers · Ein durch und durch packender Roman, der den Weltruf US-amerikanischer Fabulierkunst im 20. Jahrhundert mitbegründet hat · Der Altmeister unter den modernen Erzählern: einer, bei dem William Faulkner und Philip Roth in die Schule gegangen sind

3. September 2009

Neu im Regal!

Einsortiert unter: Neuzugänge — Karthause @ 19:16
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Natürlich habe ich in den letzten Wochen auch mein Bücherregal weiter bestückt. Heute will ich den ersten Teil meiner Neuzugänge zeigen. Das sind meine Schätzchen mit Fadenbindung und ganz tollem Papier.

2. September 2009

Akardi Babtschenko – Die Farbe des Krieges

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 18:36
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Die Farbe des Krieges
Arkadi Babtschenko
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt, Berlin
ISBN-13: 978-3871345586

“Ich habe immer gedacht, der Krieg sei schwarzweiß. Aber er ist bunt. – (…) Die Farben sind grell, die Bäume grün, und der Himmel ist hellblau dort, wo Menschen getötet werden. Das Leben blüht und gedeiht, die Vögel zwitschern, und die Bäume treiben junges Grün. – Tote Menschen liegen im Gras und sind überhaupt nicht schrecklich, sie gehören in diese bunte Welt. Man kann danebenstehen und lachen, sich unterhalten. Die Menschheit erstarrt nicht und verliert nicht den Verstand beim Anblick der Leichen. – Sehr seltsam, dass der Krieg bunt ist.”

1995. Junge Männer, Soldaten, werden nach Tschetschenien geschickt, um dort zu kämpfen. Der Leser begleitet den Ich-Erzähler in den Krieg und muss erst einmal in einem Zwischenlager Station machen. So wird über den Soldatenalltag in der russischen Armee berichtet, über Untätigkeit, Hunger, Misshandlungen durch dienstältere Soldaten und Mangel. Nur an einem mangelt es nicht, an den Leichen, die mit Flugzeugen aus dem Kriegsgebiet zurückgeführt werden. Aber das Grauen ist noch steigerungsfähig, dass erfahren die Soldaten bei ihrem Fronteinsatz. Tschetschenische Partisanenangriffe, friendly fire, Verstümmelungen, nicht wieder erkennbare Tote, Massaker und deren Vergeltungen prägen nun ihr Dasein.

10 Jahre später – wieder Tschetschenien – immer noch Krieg. Die Kriegsführung hat sich kaum geändert. Nur der Hass auf die Gegner wurde tiefer, dem entsprechend wurde die Wahl der Mittel auch grausamer. Um sich zu betäuben, griffen die Soldaten zu Alkohol und Drogen. So konnten sie für kurze Zeit in eine Traumwelt fern jeder Realität abtauchen und von einer friedlichen Heimat träumen.

Arkadi Babtschenko schildert den Tschetschenienkrieg aus russischer Sicht. Eine Sicht, die mir bisher unbekannt war, ebenso wie die erschreckenden und unbeschreiblichen Zustände in der Armee. Babtschenko schrieb seine eigenen Erlebnisse auf. Er war als 18jähriger selbst Soldat in Tschetschenien und hat die geschilderten Erfahrungen am eigenen Leib gemacht. Sprachlich gesehen ist dieses Buch kein Glanzstück. Es weiß durch seine Authentizität zu überzeugen. Nur wenige Bücher haben mich bisher so erschüttert und mitgenommen. Selbst jetzt beim Schreiben bekomme ich noch Gänsehaut und einen Kloß im Hals. Arkadi Babtschenko prangert Politiker und Generäle an, legt die Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Krieges kompromisslos offen, beschreibt unmissverständlich die Gräuel und setzt allen Gefallenen mit diesem Buch ein Denkmal. Dieses Buch wird oft mit den ganz großen Werken der Antikriegsliteratur in einem Atemzug genannt und das völlig zu Recht. Allerdings sollten die Leser nicht all zu sensibel sein, denn der Autor nennt die Dinge beim Namen, er beschreibt präzise und detailliert Zustände und Begebenheiten. Dieses Buch ist eine wahre Anklageschrift.

Über den Autor (www.amazon.de)

Arkadi Babtschenko, 1977 in Moskau geboren, wurde mit achtzehn Jahren zum Militärdienst einberufen und 1996 nach Tschetschenien versetzt. Anschließend studierte er in Moskau Jura und schrieb für verschiedene Zeitungen. 2001 wurde sein Zyklus Zehn Bilder vom Krieg mit dem Preis der literarischen Zeitschrift Debüt ausgezeichnet. Heute lebt Babtschenko als freier Journalist und Autor in Moskau.

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