
Eine Reise mit AliceDiane BroeckhovenVerlag: rororo 92 SeitenISBN-13: 978-3499247712
Die Geschichte um und mit Alice geht weiter. Jules Tod hat sie, so gut man es eben kann, verkraftet. Verreisen wollte sie eigentlich nicht mehr, weil sie dieses Glücksgefühl, dass sie bei den Reisen mit Jules empfand, verbannen wollte. Aber dann entschließt sie sich doch noch einmal nach Paris zu fahren, zu schauen, ob es die kleine Pension, in der sie ihre Hochzeitsnacht verbrachten, noch gibt. So fährt sie mit den Thalys von Antwerpen nach Paris. Nur einen Tag soll ihre Reise dauern, am Abend will sie wieder daheim sein. Aber in der unbekannt gewordenen Metropole findet sie sich nicht mehr zurecht. So bleibt sie in einem Café und gibt ihre Suche auf.
Auch auf einer zweiten Reise darf der Leser die alte Dame begleiten. Alice hat ihre Schwester Esther auf deren Drängen nach Ostende begleitet. Hier merkt sie, wie sehr ihr Jules doch fehlt, wie sie seine Rechthaberei, aber auch seine Ruhe vermisst. In der Gegenwart ihrer Schwester fühlt sie sich einsam, das erträgt sie irgendwann nicht mehr, sie packt ihre Sachen und fährt heim und bereitet sich dort innerlich auf eine weitere Reise vor.
Ganz feinfühlig beschreibt Diane Broeckhoven die Beschwerlichkeiten des Alters. Sie zeigt sowohl die körperlichen als auch die psychischen Grenzen von Alice auf, die mit dem Tempo des Lebens vor ihrer Wohnungstür nicht mehr mithalten kann. Dieses Buch zeigt aber auch die Prägnanz von gemeinsamen Erlebnissen, egal wie viel Zeit seitdem verstrichen ist.. Das macht besonders das Kapitel über die Reise mit ihrer Schwester deutlich. Ähnlich wie schon in „Ein Tag mit Herrn Jules“ ist auch dieses ein äußert gefühlvolles, leises Buch. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen, Achtung und Verständnis nähert sich die Autorin ihrer Protagonistin, die sich auch mit einer gewissen Portion Selbstironie auf ganz sympathische Weise ihrem Alltag stellt.
„Eine Reise mit Alice“ ist ein Buch der leisen Töne und tiefen Gedanken. Ganz poetisch ist das Ende, das mich mit einen Gänsehautgefühl und einem Kloß im Hals zurück ließ.
Von Diane Brockhoven las und rezensierte ich bisher Ein Tag mit Herrn Jules.
Über den Autor (Quelle: Amazon.de)
Diane Broeckhoven, 1946 in Antwerpen geboren, lebt nach 30 Jahren in den Niederlanden wieder in ihrer Geburtsstadt. Sie hat rund zwanzig Jugendbücher veröffentlicht, für die sie mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. “Ein Tag mit Herrn Jules” (C.H.Beck, 2005), ihr zweites Buch für Erwachsene, wurde in Deutschland zu einem Bestseller. Außerdem erschien von ihr bei C.H.Beck “Einmal Kind, immer Kind” (2005).
aktueller Lesestoff

[...] ist die Fortsetzung dieses Buches unter dem Titel Eine Reise mit Alice [...]
Pingback von Diane Broeckhoven – Ein Tag mit Herrn Jules « Karthause's Welt … — 27. Oktober 2009 @ 17:43 |
Liebe Karthause,
vielen Dank für die wunderbare Rezension. Ich habe “Ein Tag mit Herrn Jules” geliebt und nun gibt es auch noch eine Fortsetzung. So wird es dich sicher nicht verwundern, dass das kleine schöne Buch auf meine Wunschliste gewandert ist.
Liebe Grüße,
woerterkatze
Kommentar von woerterkatze — 27. Oktober 2009 @ 22:04 |
Mir hat “Ein Tag mit Herrn Jules” noch einen Hauch besser gefallen. Aber bei diesem ist das Ende einzigartig. LG Karthause
Kommentar von Karthause — 28. Oktober 2009 @ 11:57 |
Hallo, von der Autorin habe ich noch nie gehört. Nach deiner Besprechung aber habe ich sofort gewusst, wem ich das Buch demnächst schenken werde.
LG Carmen von umamibücher
Kommentar von umamibuecher — 31. Oktober 2009 @ 16:51 |
Hallo Carmen!
Das freut mich. Es sind zwar beide Bücher auch unabhängig von einander lesbar, ich persönllich denke aber, man sollte “Ein Tag mit Herrn Jules” als erstes Buch lesen. LG Heike
Kommentar von Karthause — 31. Oktober 2009 @ 17:40 |
Ich habe soeben beide bestellt! Gruß Carmen
Kommentar von umamibuecher — 31. Oktober 2009 @ 21:49 |