Karthauses Bücherwelt …

29. November 2009

Lesen! Das Buch der Woche (31)

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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Die schönsten Sagen des klassischen Altertums von Gustav Schwab. Da ich die Volständig Augabe der “Sagen des klassischen Altertums” besitze, werde ich mit dieser Empfehlung nicht in Versuchung geführt. ;-)

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

Seit mehr als 150 Jahren prägt Gustav Schwabs geradezu kanonische Sammlung und Nacherzählung der ‘Schönsten Sagen des klassischen Altertums’ die Vorstellung der deutschen Leserschaft vom Wesen und Treiben der griechischen Götter und Helden, von Prometheus und den Argonauten, von Herakles, Theseus und Ödipus, von der Erbauung Trojas, dem Krieg um die Stadt und ihrem Untergang, von den Irrfahrten des Odysseus und von Äneas. Bunt und anschaulich entsteht hier aufs neue die Welt der antiken Mythologie und zeugt noch immer von der überaus fruchtbaren literarischen Vermittlertätigkeit Schwabs, der es verstand, die von ihm vorgefundenen – überwiegend bruchstückhaften – dichterischen und lexikographischen Quellen zu einem geschlossenen Bild zusammenzufügen und seiner Fassung stilistisch so viel Eigenheit zu verleihen, dass sie für den Bereich der Antike zum Sagenbuch schlechthin wurde und bis heute blieb.

27. November 2009

Die Vorleser – Bücherliste

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 17:23
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Am Freitag, 04. Dezember 2009, ab 22.30 Uhr sind die „Vorleser“ wieder im ZDF zu sehen.

Hier nun die Bücherliste aus dem Vorleser-Newsletter, den ich heute in meinem Postfach hatte.

 

David Wagner

Vier Äpfel

Gebundene Ausgabe, 158 Seiten

Rowohlt Verlag, Reinbek, 2009

ISBN: 3-498-07368-0

 

David Grossman

Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer

Gebundene Ausgabe, 736 Seiten

Hanser Verlag, 2009

ISBN 3-446-23397-3

 

Günter Grass

Die Blechtrommel

Gebundene Ausgabe, Leineneinband, 781 Seiten

Materialband, broschiert, 128 Seiten

Steidl Verlag, 2009

ISBN: 3-86521-970-1

 

Dave Eggers

Bei den wilden Kerlen

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Gebundene Ausgabe, 272 Seiten

Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2009

ISBN: 3-462-04176-7

 

James Frey

Strahlend schöner Morgen

Gelesen von Rufus Beck, August Zirner, Eva Mattes, Stephan Schad, Matthias Brandt und anderen

Hörbuch, 6 CDs, 477 Minuten Spielzeit

Hörbuch Hamburg, 2009

ISBN 3-89903-665-7

 

Pier Paolo Pasolini

Die lange Straße aus Sand

Ein Cinquecento Tagebuch

Bildband, gebunden, 128 Seiten

Edel Verlag, 2009

ISBN: 3-941378-36-0

 

Axel Scheffler, Julia Donaldson

Der Grüffelo. Pop-up-Theaterbuch

Mit Pop-up-Theaterbühne, Programmheft mit Spielanleitung, Spielfiguren

(für Kinder ab 5 Jahren)

Aus dem Englischen von Monika Osberghaus

Gebundene Ausgabe, 16 Seiten

Beltz Verlag, 2009

ISBN 3-407-79393-5

 

Zadie Smith (Hrsg.)

Das Buch der anderen

Gebundene Ausgabe, 304 Seiten,

Kiepenheuer & Witsch, 2009

ISBN: 3-462-04135-4

 

Edward St Aubyn

Muttermilch

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren

Gebundene Ausgabe, 320 Seiten

Dumont Verlag, 2009

ISBN 3-8321-8023-2

 

Weiter Informationen gibt es unter www.dievorleser.zdf.de

Die folgende Sendung wird am Freitag, 05. Februar 2010, ab 23.00 Uhr zu sehen sein.

22. November 2009

Siba Shakib – Eskandar

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 13:44
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Eskandar
Siba Shakib
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-13: 978-3570009680

Er hat mit eigenen Augen die erste Ölquelle dieses Landes gesehen, er war dabei, als die Väter unserer Nation für die Verfassung und das Madjless kämpften, er hat sein Brot als Fotograf verdient, als Ladenbesitzer, als Büroangestellter, als Gärtner, und er war sein ganzes Leben lang Geschichtenerzähler.“

Persien im Jahr 1908. Das Dorf ohne Namen litt unter der Dürre. Die Bewohner starben und glaubten, ihnen sei eine Gottesstrafe auferlegt worden, weil der Bach, der das Dorf mit Wasser versorgte, versiegt war. Als Eskandar, das von den Arbab Verbotene wagte und über den Berg kletterte, sah er, dass die nach Petroleum suchenden Ausländer sehr wohl Wasser hatten und der Landbesitzer den Bach nur umgeleitet hatte. Nach dem Tod seiner Mutter ging der Junge wiederum über diesen Berg. Dort lernte er den kanadischen Ingenieur Richard kennen, der Eskandar in seine Obhut nahm. So lernte er die Kultur und die Sprache der Ausländer kennen. Richard schickte den Jungen nach kurzer Zeit zur Familie seiner Geliebten, die ein Kind von ihm erwartete. Dort hatte er die Möglichkeit ein Minimum an Bildung in der örtlichen Koranschule zu erlangen. In der Schule wurde das Talent des Jungen, Geschichten zu erzählen, schnell erkannt und so wurde er als Motivationshilfe beim nationalistischen Sturm auf Teheran eingesetzt. Für kurze Zeit kehrte Eskandar danach ins Camp der Ausländer zurück. So war er als Richards Boy dabei als das erste Erdöl im Iran gefunden und die Anglo-Persische-Oil-Company gegründet wurde. Aber eines Tages verkaufte Richard den Jungen an den Khan.

Siba Shakib erzählt um den Protagonisten Eskandar die interessante Geschichte Persiens von 1908 bis ins Jahr 2002. Mit Eskandar lässt sie den Leser die verschiedenen Abschnitte persischer Geschichte durchleben, er ist mittendrin, immer am Puls der Zeit. Die ersten einhundert Seiten des Buches habe ich mit sehr viel Freude gelesen. Aber dann ließ die Begeisterung für dieses Buch ein wenig nach. Die Autorin führt die Hauptperson als Geschichtenerzähler in den Roman ein, im Verlaufe der Handlung erlebte ich Eskandar allerdings fast ausschließlich als Geschichten“erleber“. Die Sprache des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die arabischen Einflüsse waren deutlich spürbar, trotzdem wirkte der Roman nicht zu blumig. Es ist der Autorin auch sehr gut gelungen, zu verdeutlichen, dass aus dem Kind Eskandar langsam ein Erwachsener wird. Sprach Eskandar zu beginn des Romans in kindlich kurzen Sätzen, änderte sich dies mit der Zeit. Das im Buch enthaltene Glossar erleichtert es dem Lesern die unbekannten arabischen Begriffe zu verstehen. Ein wenig hat mich gestört, wie die Handlungsaufteilung im Buch erfolgte. Die ersten Jahre wurden sehr ausführlich beschrieben und je mehr sich die Autorin der Gegenwart näherte, desto schneller und kürzer waren die Beichte darüber, so, dass die letzten 20 Jahre auf weniger als einhundert Seiten abgehandelt wurden. Was mich jedoch ganz massiv an diesem Buch störte, und das ist keineswegs der Autorin anzulasten, sind die doch recht häufigen (Druck-?)Fehler in diesem Buch. Hat der Verlag C. Bertelsmann keine Lektoren?

„Eskandar“ ist meinen hohen Erwartungen nicht ganz gerecht geworden. Es ist aber, trotz meiner Kritikpunkte, ein Buch, das man gut lesen kann und das gute Unterhaltung bietet.

Über den Autor

Siba Shakib wurde im Iran geboren und wuchs in Teheran auf und besuchte dort die deutsche Schule. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Autorin und Filmemacherin. Ihr erstes Buch “Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen” war die Nummer 1 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in 16 Länder verkauft. Sie lebt abwechselnd in Deutschland, New York und Italien.

 

20. November 2009

Lesen! Das Buch der Woche (30)

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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Laufen von Jean Echenoz. Ob es etwas für mich ist? Auf jeden Fall werde ich es zum Weihnachtsfest verschenken.

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

Er hasst den Sport, aber er hat keine andere Wahl. Bei einem Wettkampf im “Reichsprotektorat” wird sein Talent als Läufer entdeckt; er ist siebzehn. Auf der ers – ten Meisterschaft nach dem Krieg läuft er zwei Landesrekorde. Sein Laufstil lässt zu wünschen übrig, aber er ist sein eigener Coach, trainiert mit schwerem Schuhwerk, hängt sich Gewichte ans Bein und erfindet den Endspurt. Auf der ersten Nachkriegsolympiade in London holt er Gold für die ¢C SR. Er wird zum Leutnant befördert. Vier Jahre später, in Helsinki, dreimal Gold. Die Welt jubelt ihm zu. Er hält acht Weltrekorde. Er wird zum Hauptmann befördert. Und läuft immer in Rot, der Farbe der proletarischen Revolution: Er ist zur Symbolfigur für den Erfolg des realen Sozialismus geworden. Nur einmal stand er auf der “falschen” Seite: Im “Prager Frühling”, als er auf dem Wenzelsplatz von einem Panzer herab die sowjetischen Soldaten aufforderte, nach Hause zurückzukehren. Er wird für acht Jahre in ein Uranbergwerk verbannt, darf nach Prag zurück aber wenn er, zur Müllabfuhr relegiert, hinter einem Karren durch die Vorortstraßen läuft, jubelt ihm die Bevölkerung immer noch zu … Die atemberaubende Karriere des Langstreckenläufers Emil Zatopek ist zwischen zwei historische Daten gespannt: die Besetzung seiner Heimat 1939 durch die Deutschen und der Einmarsch der Russen 1968, der dem “Prager Frühling” ein Ende machte. Und wie nebenher gerät Echenoz der kleine Roman, den er aus Zatopeks Leben spinnt, zu einer bestürzenden Parabel der Diktatur.

18. November 2009

Sabine Weigand – Seelen im Feuer

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Seelen im Feuer
Sabine Weigand
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Krüger
ISBN-13: 978-3810526632

Klappentext

Jeder kann verdächtigt werden, jeder wird verhört, jeder kann brennen. Die Angst geht um in Deutschland. 1626 ist es die Angst vor dem Teufel, der Zauberei, den Hexen. Es ist ein Ringen um Gut und Böse, aber auch ein Kampf um die Macht. Der intrigante Fürstbischof von Bamberg will die freien Bürger der Stadt in ihre Schranken weisen. Neben den einfachen Leuten hat er es deshalb besonders auf die Stadträte abgesehen. Sie werden verhört und verurteilt. Sie werden verbrannt. Mit der jungen Apothekerstochter Johanna schauen wir in eine Welt, in der der Hexenwahn Wirklichkeit ist. Auch sie droht in den Teufelskreis zu geraten, aus dem keiner entrinnt. Gelingt ihr die Flucht ins weltoffene Amsterdam? Bekommen die Bürger von Bamberg endlich Hilfe bei Kaiser und Papst, um dem Brennen ein Ende zu machen?

Meine Meinung

Gleich vorweg, dies war das erste Buch, welches ich von Sabine Weigand gelesen habe, aber auf weitere freue ich mich schon. Der Grund dafür ist die professionelle Recherche, die dem Buch Leben eingehaucht hat. Oft kann man als Leser nur erahnen, welchen Aufwand der Autor bei seinen Nachforschungen betrieben hat. Aber in diesem Buch ist es spürbar. Endlos viele kleine Details, die manchmal nur am Rande vermerkt wurden, lassen die Hexenverfolgung real werden.

„Seelen im Feuer“ beleuchtet ein Zeitfenster von 1626 – 1632. In diesen 6 Jahren, in denen bei der Bevölkerung Angst und Schrecken ständige Begleiter waren. Es wurden so viele Menschen denunziert, angeklagt, gefoltert und verurteilt, dass ganze Straßenzüge ausstarben und ein normales Leben nicht mehr stattfand. Ursache für diese nicht enden wollende Hexenjagd war die Wichtigtuerei des Bürgermeistersohnes Hansi Moorhaupt. Nachdem er die „Historia von D. Johann Fausten…“ gelesen hatte, behauptete er, auch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Damit begann ein Schreckenszenario, das über Jahre hinweg, das Leben der Menschen in Bamberg bestimmen sollte und unzählige unschuldige Opfer zur Folge hatte. Gekonnt fügte die Autorin Zeitdokumente in ihren Roman, dadurch wurde die Authentizität nochmals erhöht: Auch wenn diese in altem Deutsch eingefügten Texte den Lesefluss ein wenig hemmten, empfand ich sie als sehr informativ und für den gesamten Roman als bedeutend.

Erschreckend gut nachvollziehbar waren die Schilderungen der Folter, die Qualen und Ängste, die die Beschuldigten durchlebten. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, es ist einfach zuviel, Handlungen wiederholten sich. Aber wie soll andererseits dem Leser klar werden, wie grausam die Hexenjagd war und wie unsagbar viele – nicht nur Frauen – zum Opfer wurden.

Die Charaktere der im Roman vorkommenden Person waren sehr realistisch und fein gezeichnet. Ihr Tun war nachvollziehbar und glaubhaft.

Mein Fazit: „Seelen im Feuer“ ist ein ausgezeichneter historischer Roman, das betrifft sowohl die Erzählweise als auch die Geschichtstreue. Er ist ein Zeitdokument. Auch die in die Handlung aufgenommene Liebesgeschichte schmälert den äußerst positiven Gesamteindruck nicht, sie rundet die Geschichte ab.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus der Stadtgeschichte von Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans »Das Perlenmedaillon«, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman »Die Königsdame« zugrunde. Schon bei ihrem ersten Erfolgsroman »Die Markgräfin« lieferte die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach die historische Vorlage.

15. November 2009

Lesen! Das Buch der Woche (29)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 12:48
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Alles hat seine  Zeit von Ennio Flaiano. Ob es etwas für mich ist? Hmmm. Ich weiß nicht so recht…

Kurzbeschreibung von Amazon

«Ein beinahe archaischer Roman über die uralten Themen von Schuld, Sühne, Gut und Böse. Höchste Zeit, ihn wieder zugänglich zu machen.» Elke Heidenreich

Nach einer Autopanne findet sich ein junger italienischer Offizier allein im äthiopischen Busch wieder. Die Begegnung mit einer rätselhaften Schönen löst eine Katastrophe aus: Durch Zufall prallt sein Schuss auf ein wildes Tier ab und tötet die Frau. Daraufhin quälen ihn nicht nur Selbstvorwürfe und die Furcht vor Entdeckung, sondern bald auch ein schlimmer Verdacht: dass er sich mit Lepra infiziert haben könnte. Auf seiner filmreifen Flucht durch die grandiose, bedrohliche Natur Afrikas sieht er sich mit existentiellen Fragen konfrontiert, aber auch mit der absurden Komik scheinbar auswegloser Situationen.

Präzise leuchtet Ennio Flaiano die Skrupel und Schuldgefühle seines Helden aus und zeigt eindrucksvoll, wie der junge Offizier zwischen Selbstanklage und Rechtfertigung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt. «Alles hat seine Zeit» ist das ergreifende Porträt eines Menschen, der in der Fremde allmählich seinen moralischen Halt und damit sich selbst verliert.

Ausgezeichnet mit dem «Premio Strega», Italiens höchstem Literaturpreis.

12. November 2009

Elke Heidenreich, Bernd Schroeder – Alte Liebe

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 19:39
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Alte Liebe
Elke Heidenreich & Bernd Schroeder
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446233935

Lore und Harry sind seit 40 Jahren verheiratet und die Zeit hat bei dem alt-achtundsechziger Paar ihre Spuren hinterlassen. Ihre Tochter Gloria steht unmittelbar vor der dritten Hochzeit und die Enkelin Laura ist begeistert von Playstation, Computer und Gameboy. Harry ist pensioniert und ein passionierter Kleingärtner. Lore geht noch arbeiten, in ihrer Bibliothek fühlt sie sich schier unersetzlich, der Umgang mit Büchern, der Kontakt mit Autoren ist ihr Leben und ihre Leidenschaft.

Das Buch hat nur 192 Seiten, aber diese beinhalten den gesamten Kosmos von Lore und Harry. Die Gedanken, die sie sich über ihre Tochter machen, die nun einen reichen Mann, einen Kapitalisten, heiraten will und damit versorgt ist, sind keineswegs von der rosaroten Elternbrille gekennzeichnet. Sie hinterfragen ihre Erziehung, suchen Fehler bei sich und sehen sowohl die Tochter als auch die Enkelin mit kritischem Blick. Beide philosophieren über den Sinn des Lebens, das Altern, das Verständnis der Generationen untereinander, über Reichtum und Armut, über alte Ideale und was davon übrig blieb, über Liebe und Leidenschaft und fragen sich nicht zuletzt, was aus ihrer Beziehung geworden ist, und wie sie in das gemeinsame Altern zukünftig ein bisschen frischen Wind bringen können.

Abwechselnd erzählen die beiden aus ihrem Leben, teilen ihre Gedanken mit und gewähren dem Leser Einblicke in ihre Gefühlswelt. Alle Kapitel werden durch einen Dialog der beiden beendet, diese waren amüsant und spritzig, waren kleinere Geplänkel, waren mal leicht, mal tiefsinnig und waren auch mal grummelig und grantlig, sie zeugten vom jahrelangen Zusammenleben der Partner.

Dieses Buch war wunderschön, es hat mich emotional sehr angesprochen. Ich fand mich wieder in den Gesprächen, Gedanken und Wünschen. Die beiden Protagonisten waren mir sehr nah. Hätte ich das Buch vor 10 – 20 Jahren gelesen, wäre das vielleicht noch anders gewesen.

„Alte Liebe“ umfasst eine Vielzahl von Themen, die bei anderen Autoren auch 500 Seiten füllen könnten. Aber Elke Heidenreich und Bernd Schroeder gelingt es in aller Kürze, den Kern der Sache zu treffen.

Den Höhepunkt findet dieses Buch im Epilog. Ich werde vom Ende nichts verraten, nur so viel, es war absolut stimmig. „Alte Liebe“ ist der Lesehöhepunkt in diesem Jahr für mich. Ich habe gelacht, Parallelen gezogen und geweint. Es wird mich gedanklich sicher noch eine ganze Weile begleiten und das nicht nur weil ich den im Buch enthaltenen „Literaturempfehlungen“ noch ein wenig folgen werde.

Jetzt liest Herr Karthause dieses Buch und ich hoffe, ihm fällt auf, dass auch ein bisschen „Harry“ in ihm steckt.

Über die Autoren (Quelle: Amazon)

Elke Heidenreich, geboren 1943, lebt in Köln. Seit 1970 ist sie freie Autorin und Moderatorin bei Funk und Fernsehen. Seit 1983 ist Elke Heidenreich Kolumnistin bei der Zeitschrift “Brigitte” und schreibt regelmäßig Buchbesprechungen für verschiedene Fernseh- und Rundfunksender. 2008 wurde sie mit dem “Hans-Bausch-Mediapreis” ausgezeichnet. Bernd Schroeder, geboren 1944, aufgewachsen in Bayern, Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in München. Seit 1970 freier Autor. Bis 1992 hat er vorwiegend Fernseh- und Hörspiele geschrieben. 1985 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis, 1992 den Deutschen Filmpreis. Seit 1993 hat er verschiedene Romane veröffentlicht. Bernd Schroeder lebt seit 1987 in Köln.

10. November 2009

François Lelord – Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 20:25
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Hector & Hector
und die Geheimnisse des Lebens
François Lelord
Gebundene Ausgabe: 222 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492051675

Seit Jahren kenne ich Hector schon, Hector sen., er philosophierte über die Liebe, die Zeit und das Glück und bescherte mir damit sehr schöne Lesestunden. Jetzt gibt es Hector im Doppelpack, Hector sen. und Petit Hector und auch Clara ist dazu gekommen als Ehefrau und Mutter. In diesem Buch sollten wir nun die Welt des kleinen Hectors, die ist schließlich sehr kompliziert, und seine Sicht darauf kennen lernen. Wie sein Vater hat er ein Notizbuch und entdeckt die Welt auf seine eigene Weise.

Auf dieses Buch hatte ich mich gefreut, ja, ich bin bekennender Hector-Leser und -Liebhaber. Aber von der ersten Seite an, war ich irritiert über die Art des Petit Hector. Er sprach zwar Fragen an, die ein Kind schon bewegen können, das Kind in mir konnte er nicht erreichen. Mir kam er viel zu altklug, neunmalschlau und besserwisserisch vor. Die vorherigen Bücher des Autors waren mit Witz und Charme geschrieben, beides vermisste ich hier, ich war einfach nur genervt von der hier offenbarten Naivität. Dabei kann ich nicht einmal eine Aussage über das wirkliche Alter des Jungen machen, ein Schulkind, mehr erschloss sich mir nicht. Allerdings habe ich das Buch ab Seite 100 auch nur noch diagonal gelesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

François Lelord, geboren 1953 in Paris, studierte Medizin und Psychologie und wurde Psychiater, schloss 1996 jedoch seine Praxis, um sich und seinen Lesern die wirklich großen Fragen des Lebens zu beantworten. Er ist viel auf Reisen, besonders gerne in Asien, und lebt nach einem Jahr in Kalifornien heute in Paris und Hanoi, wo er seit 2004 Psychiater an der französischen Klinik ist. Seine Bücher »Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück«, »Hector und die Geheimnisse der Liebe« und »Hector und die Entdeckung der Zeit« wurden internationale Erfolge.

8. November 2009

Neu im Regal

Einsortiert unter: Neuzugänge — Karthause @ 12:03
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In der letzten Zeit habe ich natürlich auch keinen Bogen um die Buchläden, die auf meinem Weg lagen, gemacht. Außerdem kam vom Büchertreff als Buchgewinn aus der Sommerfreunde-Aktion: Mister Aufziehvogel von Haruki Murakami.

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Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft – Rüdiger Safranski

Die Brücke von Istanbul – Geert Mak

Muss den Liebe Sünde sein – Uwe Bork

Alte Liebe – Elke Heidenreich, Bernd Schroeder

Mister Aufziehvogel – Haruki Murakami

7. November 2009

Lesen! Das Buch der Woche (28)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:56
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Bei Anbruch der Nacht von Kazuo Ishiguro. Ob es etwas für mich ist? Ich glaube schon, allerdings kommt es nicht sofort auf den Wunschzettel, ich warte erst noch ein paar Meinungen von Lesefreunden ab. ;-)

 

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Der neue Ishiguro: humorvoll, leichthändig und ungewöhnlich musikalisch

Die besten Zeiten hat Tony Gardner schon hinter sich – seine Engagements werden rarer, seine Autogramme kaum mehr nachgefragt. Für den Kaffeehausgitarristen Janeck ist der Crooner jedoch das größte Idol. Als sich die beiden in Venedig über den Weg laufen, muss er Gardner einfach ansprechen. Der nutzt die Gelegenheit, um Janeck für den vielleicht wichtigsten Auftritt seines Lebens zu gewinnen: Er will seiner langjährigen Frau ein romantisches Ständchen bringen, in der Hoffnung, dass sie der bröckelnden Ehe noch einmal eine Chance gibt.

Mit dieser und vier weiteren Geschichten hat Kazuo Ishiguro seiner großen Leidenschaft, der Musik, eine Liebeserklärung geschrieben. Von Venedig über London und die Malvern Hills bis nach Hollywood führt sie die Menschen zueinander, spinnt ein Netz zwischen den unterschiedlichsten Persönlichkeiten, Nationalitäten und Schicksalen. Ein betörender Erzählzyklus, der auf eindrucksvolle Weise die Schicksale seiner Figuren mit ihrer Liebe zur Musik verknüpft.

4. November 2009

west.art – Bücher

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 21:03
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Die nächste Sendung von west.art – Bücher mit Christine Westermann und Werner Köhler wird am kommenden Dienstag, 10. November, im WDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Gäste sind diesmal Sonya Kraus und Maria Schrader. Hier die Liste der Bücher, die besprochen werden:

Ceridwen Dovey: “Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten” (Luchterhand Literatur)

Nick Cave: “Der Tod des Bunny Munroe” (Kiepenheuer & Witsch)

Linus Reichlin: “Der Assistent der Sterne” (Galiani)

Andrew Sean Greer: “Geschichte einer Ehe” (S. Fischer)

Lisa Genova: “Mein Leben ohne Gestern” (Lübbe)

Haruki Murakami: “Schlaf” (DuMont)

(Quelle: www.buchmarkt.de)

2. November 2009

Zülfü Livaneli – Glückseligkeit

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 20:16
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Glückseligkeit – Zülfü Livaneli
Originaltitel: Mutluluk
Gebundene Ausgabe: 313 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
ISBN-13: 978-3608937923

Die 15jährige Meryem lebt in einem ostanatolischen Dorf und wird vom Imam vergewaltigt. Sie hat damit Schande über ihre Familie gebracht und es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie die Ehre wieder hergestellt werden kann: Selbstmord oder Ehrenmord. Bis zur Entscheidung bleibt das Mädchen im Keller des Hauses eingesperrt.

Cemal, Meryems Cousin, ist Soldat. Er kämpft in den Bergen gegen die PKK-Anhänger. Dabei ist sein Jugendfreund selbst Kurde.

Eine dritte Hauptperson des Buches ist Irfan. Er ist Professor an der Universität von Istanbul, ist wohlhabend und leidet an Depressionen, Ängsten und der Midlife-Crisis. Nach und nach verknüpfen sich die verschiedenen Handlungsstränge miteinander und ein vielschichtiger, interessanter und lebensnaher Roman eröffnet sich dem Leser, der gleichzeitig einen erstaunlich tiefen Einblick in den türkischen Familienalltag gewährt.

Livaneli Zülfü erzählt in „Glückseligkeit“ die Geschichte dieser drei am Scheideweg stehenden Protagonisten, die wie ihr Land, aus dem sie stammen, zwischen Tradition und Moderne hin- und hergerissen werden. So wie die drei Hauptpersonen ganz verschieden Umfeldern entstammen, wird das Leben in der Türkei aus deren grundverschiedenen Sichtweisen geschildert und aufgezeigt, wie westliche und traditionelle Lebensart, Stadt- und Landleben, Fortschritt und Rückständigkeit aufeinander prallen. Deutlich weist der Autor auf Doppelmoral und Falschheit hin und geht weit über die Ehrenmordproblematik hinaus.

„Glückseligkeit“ ist ein atmosphärisch dichter, sehr intensiver Roman, der eindringlich die bekannten Probleme im türkischen Kulturkreis thematisiert. Lediglich die Zeichnung der Charaktere blieb mir häufig zu einfach. Da lag vielleicht auch an der Komplexität der Handlung, die für eine feinere Charakterisierung kaum noch Platz ließ.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich las es fast am Stück und war beeindruckt von der mutigen Schilderung der gesellschaftlichen Zustände in der Türkei und der nicht unkritischen Sichtweise. Ich konnte mit den Protagonisten bei der Suche nach ihrer Glückseligkeit mithoffen und –fiebern. Glückseligkeit ist ein Roman, der Anspruch und Unterhaltung auf äußert gelungene Weise vereint.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Zülfü Livaneli wurde 1946 in Konya-Ilgin (Türkei) geboren. In den 70er Jahren war er wegen seiner politischen Anschauungen gezwungen, die Türkei zu verlassen, erst 1984 kehrte er zurück. Seitdem ist er einer der bekanntesten Sänger der Türkei, der auch international große Erfolge feierte. Einige Jahre war er Mitglied des türkischen Parlaments, besonders setzte er sich dabei für die türkisch-griechische Aussöhnung ein. Seine Bücher werden weltweit gelesen.

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