Karthauses Bücherwelt …

29. Dezember 2009

Colum McCann – Die große Welt

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Die große Welt
Colum McCann
Gebundene Ausgabe: 537 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek
ISBN-13: 978-3498045111

New York. August 1974. Auf einem zwischen den Twin Towers gespannten Seil balanciert im 110. Stockwerk, etwa 500 Meter über der Erde ein Hochseilartist. Für die Passanten scheint in diesem Moment die große Welt stillzustehen. Fasziniert und wie gebannt schauen sie an den Himmel und betrachten diesen Balanceakt.

Aber unten auf der Erde geht das Leben weiter. Es ist für viele ein nicht weniger riskanter Drahtseilakt. Da ist Corrigan. Der gläubige Ire, hilfsbereit und aufopferungsvoll bis zur Selbstaufgabe. Selbst keusch und in Armut lebend, unterstützt er die Prostituierten der Bronx. Sein Bruder ist gekommen und bemüht sich, Corrigans Leben in andere Bahnen zu lenken, versucht ihn aus diesem gefährlichen Viertel zu holen. Aber dessen Weg ist durch seine Kindheit vorgezeichnet. Tillie, die 38jährige Großmutter und Jazzlyn, ihre Tochter, sind Straßenhuren und nehmen Corrigans Hilfe wie selbstverständlich an. Ihr Leben ist hart und nicht immer bewegen sie sich auf legalen Gebiet. Eine Geschichte von Huren und eine von Heiligen, beide eng verknüpft. Aber auch das Künstlerpärchen Lara und Blain sind durch die Geschehnisse um Corrigan in diese Handlung involviert und stehen ebenso wie alle anderen am Scheideweg.

Eine weitere Geschichte führt den Leser zu den New Yorker Müttern, die ihre Söhne im Vietnamkrieg verloren. Sie haben ein gemeinsames Schicksal, Claire allerdings fühlt sich zu der Gruppe nicht so ganz dazugehörig, sie gehört zur New Yorker Oberschicht. Claires Ehemann ist Richter, und er verhandelt just an diesem Tag den Prozess, in den Tillie und Jazzlyn verstrickt sind und wünscht sich nicht mehr als den Prozess um den Artisten zu übernehmen.

Immer wieder, zwischen den fiktiven Einzelschicksalen, greift Colum McCann die Rahmenhandlung, die auf dem realen Hochseilakt des Philippe Petit fußt, auf und verwebt die einzelnen Handlungsstränge miteinander. Das verbindende Element ist der Abgrund, vor dem alle Protagonisten in ihrer speziellen Situation stehen. Wer stürzt ab, wer kann sich halten? Lest selbst.

Colum McCann ist ein begnadeter Erzähler. Noch kein Buch von ihm hat mich enttäuscht. Schon nach wenigen Seiten bin ich gefangen von seinem Stil, seiner Sprache, seinen Stories, seinen lebensechten Protagonisten. In seinem Roman „Die große Welt“ hat er es geschafft, den Blick des Lesers vom Mikrokosmos der einzelnen Personen auf das Große alles Verbindende zu lenken. Er lässt gezielt Gegensätze aufeinander prallen, die schon angesprochene Konstellation von Hure und Heilige, aber auch Reich und Arm, Gesetzeshüter und Gesetzesbrecher und nicht zuletzt Leben und Tod. All dies wird stimmig, mit einem guten Auge fürs Detail, geradlinig, sehr feinfühlig, intensiv und authentisch erzählt.

Mein Fazit: Ich wünschte, es würde mehr Bücher dieser Art geben, für die ich eher Feierabend mache, nur schnelle Mahlzeiten zubereite und die Nacht lesend verbringe. All das habe ich für dieses Buch getan. Leider hatte das Buch nur 537 Seiten und die waren viel zu schnell gelesen. Es war mein ganz persönliches Highlight im Jahr 2009.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Europa und Amerika. für seine Erzählungen erhielt McCann, der heute in New York lebt, zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Hennessy Award for Irish Literature sowie den Rooney Prize.

Von Colum McCann las ich bisher:

Der Tänzer (2005)
Zoli (2007)

25. Dezember 2009

Kalender

Einsortiert unter: sonstiges — Karthause @ 14:27
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Jedes Jahr aufs Neue überlege ich, welche(r) Kalender mich im folgenden Jahr begleiten. Für das Büro ist das relativ einfach, es wird einer, der mich mit seinen Motiven an meinen Urlaub erinnert. Da hatte ich die Wahl zwischen Nordsee und Rom. So gibt es inmitten von Zahlen, Tabellen, Instruktionen und „hochwichtigen“ E-Mails auch mal die Möglichkeit, die Gedanken schweifen zu lassen und durchzuatmen. (Lieber Chef, falls du das lesen solltest, natürlich nicht zu lange.) Im Jahr 2010 hängt dieser an meiner Bürowand:

Aber welcher Kalender darf in Karthauses Wohnung ziehen? Das war in diesem Jahr etwas komplizierter. Aber auch hier ist die Entscheidung nun gefallen: für den Literaturkalender Leselust. Es ist übrigens seit langer Zeit zum ersten Mal, dass in meiner Wohnung kein Katzenkalender hängt. Aber vielleicht bekommt dafür in 2010 ein neues Kätzchen bei mir wieder ein Heim und einen Futternapf.

Nun bin ich für das Jahr 2010 gerüstet. Ich bin schon gespannt, was ich für Buch- und Autorenendeckungen vor mir habe. In den nächsten Tage werde ich das alte Jahr Revue passieren lassen.

21. Dezember 2009

Katja Doubek – Katharina Kepler

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Katharina Kepler
Katja Doubek
Gebundene Ausgabe: 414 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492045261

Die Hexenprozesse in Württemberg fanden ihren Höhepunkt im endenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert. Auch Katharina Kepler, die Mutter des großen Astronomen, war davon betroffen. Sie führte in Leonberg ein zurückgezogenes Leben als Heilkundige und Kräuterfrau. Nachdem sie schon früh von ihrem Mann, der gern trank und auch oft gewalttätig wurde, verlassen wurde, musste die zierliche, zähe Frau auf sich allein gestellt, für sich und die Kinder sorgen. Mit eisernem Willen, Entbehrungen und Herz und Mund am rechten Fleck meisterte sie den Alltag. Das brachte ihr jedoch nicht nur Freunde ein. Besonders Luther Einhorn ist sie im Weg und als sich ihm 1617 die Möglichkeit bietet, ihr den Prozess zu machen, ergreift er die Chance.

Katja Doubek ist ein wirklich hervorragender historischer Roman gelungen. Sie erzählt die Lebensgeschichte der Katharina Kepler von ihrer Kindheit an bis hin zu ihrem Tod. Dabei geht sie auf die damaligen Sitten und Gebräuche ein, schildert das Zeitgeschehen sehr anschaulich und beschreibt detailliert das Alltagsleben. Sie erzählt von den Schwierigkeiten der Katharina Kepler in ihrer Ehe, den Misshandlungen, die sie erdulden musste ebenso einprägsam und glaubwürdig, wie von der Suche nach dem verschollenen Ehemann, der ständigen Sorge um die Mitmenschen und das Verhältnis zu ihren vier überlebenden Kindern. Dem Buch ist die minutiöse Recherche anzumerken, dabei wird es an keiner Stelle langatmig. Die Sprache ist einfach gehalten, aber nicht monoton. Glaubte ich nach dem Lesen des Klappentextes, einen Roman, der ausschließlich die Hexenverfolgung zum Thema hat, vor mir zu haben, wurde ich dann zu meiner Freude eines besseren belehrt. Die das Leben des Johannes Kepler betreffenden Abschnitte, seine Ausbildung, seine Arbeit und seine Sorge um die Mutter, haben das Buch abgerundet.

Mein Fazit: Wer sich für realitätsnahe historische Romane interessiert, sollte dieses Buch unbedingt gelesen haben. Da dies der erste Roman war, den ich von Katja Doubek gelesen habe und dieser mich vollkommen überzeugte, habe ich auch schon erfolgreich nach weiteren Werken von ihr Ausschau gehalten.

Über den Autor

Katja Doubek, geboren 1958, studierte Psychologie, Germanistik, Philosophie und Geschichte, ist heute als Psychotherapeutin tätig und verfaßte zahlreiche Sachbücher und besondere Lexika. Sie lebt in München. Zuletzt erschienen von ihr »Das Lexikon der Attentate«, »Blue Jeans. Levi Strauss und die Geschichte einer Legende« und »Katharina Kepler«.

16. Dezember 2009

Lesen! Das Buch der Woche (33)

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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Lyrikstimmen aus der Edition Die Bibliothek der Poeten in einer limited Edition. Ob es etwas für mich ist? Nein, eher nicht, mit Lyrik  verbringe ich nur ganz, ganz selten meine Lesestunden.

Kurzbeschreibung (Amazon.de)

Diese Anthologie ist eine Sammlung von Originaltönen deutschsprachiger Dichter, die es in dieser Dimension noch nie gab. Sie ermöglicht Einmaliges: hineinzuhören in die ersten Tonaufnahmen des letzten Jahrhunderts, in seltene Lesungen, bis in die Gegenwart. Beginnend bei Hofmannsthal, Zweig und Schwitters und endend bei Grünbein, Lentz und Seiler entstand in fünfjähriger Recherche ein Standardwerk der deutschsprachigen Literatur. O-Töne

12. Dezember 2009

Oliver Hilmes – Cosimas Kinder

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Cosimas Kinder
Oliver Hilmes
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886808991

Nachdem ich „Die Herrin des Hügels“ mit Begeisterung gelesen habe, griff ich sofort zu der logischen Fortsetzung dieses Buches und wandte mich somit den Nachkommen der Cosima Wagner zu. Der Stil des Vorgängerbuches wird hier konsequent fortgesetzt. Aufbauend auf den Erkenntnissen zu Cosima stellt der Autor nun nacheinander deren Kinder vor. In der Familie Wagner geht es um Geld, die Wahrung des äußeren Scheins, Traditionen, Erwartungen und Intrigen. Oliver Hilmes beschreibt und erläutert die Handlungsweisen der Personen und charakterisiert sie sehr genau. Dabei empfand ich seine wertungsfreie und nicht moralisierende Schreibweise als sehr angenehm. Interpretationen überlässt Hilmes seinen Lesern. Er liefert dafür lediglich die Grundlage, die auf historischen Quellen, die z. beruht. Auch in diesem Buch wird sehr gekonnt auf das Zeitgeschehen eingegangen Die Familie Wagner wird im Spiegel ihrer Zeit betrachtet.

Als ich „Cosimas Kinder“ zu lesen begann – unmittelbar nach „Die Herrin des Hügels“ – überlegte ich schon, ob ich mir ein bisschen viel Wagner auf einmal vorgenommen hatte. Meine Zweifel waren unberechtigt, in diesem Buch entwickelte sich der Wagner-Clan weiter. Es wurde weiterhin „gedient und nicht geliebt“, es gab weiterhin Familienzwist, sowie diverse Anekdoten und Begebenheiten. Ich habe auch in diesem Buch eine lehrreiche Lektüre gefunden, die sehr unterhaltsam war und stellenweise Machenschaften aufdeckte, die einer Seifenoper würdig wären.

Den Anhängern des Wagner-Clans, den Lesern von Biografien und historisch Interessierten kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Es ist auch ohne weiteres ohne Kenntnis des Vorgängerbuches zu lesen, da der Autor die Hintergründe von Entwicklungen aus den Vorgängerbuch aufgreift und sehr gut erläutert.

9. Dezember 2009

Oliver Hilmes – Die Herrin des Hügels

Die Herrin des Hügels
Oliver Hilmes
Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886808366

Nachdem ich im vergangenen Jahr „Witwe im Wahn“ von Oliver Hilmes gelesen hatte, stand für mich fest, weitere Bücher des Autors unbedingt lesen zu wollen. „Die Herrin des Hügels“ ist die Biografie der von 1837 bis 1930 lebenden Cosima Wagener (geb. Liszt). Es gibt bereits eine Reihe von Lebensbildern dieser doch sehr widersprüchlichen Persönlichkeit. Oliver Hilmes bediente sich in seinem Buch aber den neuen bisher nicht zugänglichen Quellen des Wagner-Clans. Eindrucksvoll und anschaulich berichtet Hilmes über die schwierige Kindheit, ständig wechselten für die uneheliche Tocher von Franz Liszt und der Gräfin Marie d’Agoult die Bezugspersonen, war es erst die Mutter, dann die Großmutter so wurde später eine Gouvernante und ein Pariser Institut mit der Erziehung beauftragt. Der berühmte Franz Liszt, kam seiner Vaterrolle kaum nach. Bereits 1853 lernte sie den Komponisten Richard Wagner kennen, heiratete aber 1857 den besten Schüler Liszt’s, Hans von Bülow. Als ihre Ehe 1870 geschieden wurde lebte sie bereits mit Richard Wagner zusammen, den sie nur wenige Wochen nach der Scheidung heiratete. Cosima Wagner war aber nicht nur die Ehefrau des Komponisten, sie war seine Privatsekretärin, seine Assistentin, seine Vertraute in allen Dingen, seine Muse. So wurde in enger Zusammenarbeit die Idee von Wagner-Festspielen in Bayreuth umgesetzt. Nach Wagners Tod im Jahre 1883 übernahm sie die Festspielleitung und führte das Festspielhaus mit Hartnäckigkeit, Führungsstärke und festem Willen durch schwierige Zeiten erfolgreich bis ins Jahr 1906. Sie sah es als persönliche Berufung an, Richard Wagner ein Denkmal zu setzen und seine Arbeit zu würdigen, indem sie die Bayreuther Festspiele zu einer festen Einrichtung werden lässt.

Oliver Hilmes ist es mit dieser Biografie gelungen, wertungsfrei ein vollständiges Bild der Cosima Wagner zu zeichnen. Überzeugend hat er ihre Widersprüchlichkeit herausgearbeitet, ihre Mission als Wagners Erbin, ihre antisemitischen Ansichten und auch die Beziehung zu Adolf Hitler, den sie 1923 erstmals traf und von dieseem Zeitpunkt an protegierte, dargestellt. So kann sich der Leser ein umfassendes Charakterbild dieser beeindruckenden Frau, so zwiespältig sie auch war, machen.

Die Biografie ist flüssig und leicht zu lesen, auch die eingefügten Ausschnitte aus Originaldokumenten störten den Lesefluss nicht im Geringsten. Mich hat diese überaus gelungene Biografie veranlasst, auch andere Quellen nachzuschlagen und mich der Musik Richard Wagners nach jahrelanger Abstinenz wieder zuzuwenden.

Mit „Die Herrin des Hügels“ ist für mich das Wagner-Thema noch nicht beendet. Mein nächstes Buch ist „Cosimas Kinder. Triumph und Tragödie der Wagner-Dynastie“ vom gleichen Autor. „Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth“ von Brigitte Hamann wird in Kürze folgen.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Oliver Hilmes (* 1971 in Viersen) ist ein deutscher Historiker, Publizist und Autor von Biografien.  Oliver Hilmes studierte Geschichte, Politik und Psychologie an den Universitäten Marburg, Paris und Potsdam. Er promovierte über politische Musikgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker.
Bekannt wurde er durch seine Biografien über Alma Mahler-Werfel und Cosima Wagner, die es auch in die Spiegel-Bestsellerliste schafften.
Die Zeitschrift Die Welt bezeichnete ihn als das “Wunderkind unter den deutschen Biografen”.

6. Dezember 2009

Der Nikolaus war da …

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 11:42
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…und hat mir ein schon lange gewünschtes Buch neben den ungeputzten Hauspantoffel gelegt. Ich freue mich sehr, besonders, weil ich nun im Büchertreff an einer Leserunde teilnehmen kann, die ja schon abgesagt hatte.

Die große Welt
Colum McCann
Gebundene Ausgabe: 537 Seiten
Verlag: Rowohlt
ISBN-13: 978-3498045111

4. Dezember 2009

Lesen! Das Buch der Woche (32)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 16:07
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In dieser Woche empfiehlt Elke Heidenreich auf Litcolony das Buch Die große Welt von Colum McCann. Ob es etwas für mich ist? Und ob. Ich habe so eine Idee im Hinterkopf und glaube, dieses Buch könnte der Weihnachtsmann für mich im Gepäck haben.

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

1974: Am Morgen eines schönen Augustsommertags starren die Passanten in Lower Manhattan ungläubig zu den Twin Towers hinauf. Fast einen halben Kilometer über ihnen läuft, springt und tanzt ein Hochseilartist – ein schwebender Moment von absoluter Freiheit und künstlerischem Triumph in einer Stadt des ewigen Überlebenskampfes. Seine Magie lässt unten auf den Straßen in den gewöhnlichen Existenzen das Besondere hervortreten. Etwa in Corrigan, dem verrückten, aufopferungsvollen Iren, der sein Leben den Straßenhuren in der Bronx widmet. Er hat in seinem Kleinbus vor dem Zentralgericht am WTC übernachtet, um zweien seiner Schutzbefohlenen bei einem Ankalageerhebungstermin beizustehen: Tillie, die schon mit 38 Großmutter ist, und ihrer schönen Tochter Jazzlyn. Doch Corrigan weiß nicht, dass dieser Tag, der so großzügig Freiheit schenkt, auch den Tod bringen und damit das Leben zahlreicher Menschen verändern wird, die ihm und den beiden Frauen in seiner Obhut nahestehen…
Colum McCann fängt die Atmosphäre und die Stimmen dieser Stadt zu einem mitreißenden Epos ein. Es sprüht vom wilden Geist seiner Zeit wie von der elektrisierenden Sprache und Bildwelt eines Autors, der zu den sinnlichsten und mutigsten Erzählern englischer Zunge zu rechnen ist.

3. Dezember 2009

west.art – Bücher

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Ich freue mich schon auf die nächste Sendung von west.art – Bücher mit Christine Westermann und Werner Köhler, die am 15. Dezember 2009 um 22:30 Uhr im WDR ausgestrahlt wird. Als Gäste werden Fritzi Haberland und Christian Brückner erwartet. Und hier nun die Liste der Bücher, die in der Sendung vorgestellt werden:

Stadt der Verlierer – Daniel Depp

Erbarmen – Jussi Adler-Olsen

Der Glasmondmann – Jane Anne Philipps

Gesammelte Erzählungen – F. Scott Fitzgerald

Laufen – Jean Echenoz

Atlas der abgelegenen Inseln – Judith Schalansky

2. Dezember 2009

Armistead Maupin – Stadtgeschichten I.

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 17:53
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Stadtgeschichten I.
Armistead Maupin
Originaltitel: Tales of the City
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb
ISBN-13: 978-3499239694

Hätte ich dieses Buch nicht geschenkt bekommen, wäre ich wohl im Buchladen immer daran vorbei gegangen. Ein Jammer. Auch so zierte es noch über ein Jahr ungelesen mein Bücherregal, denn ich wusste nicht, was für eine unterhaltsame und spritzige Lektüre ich noch vor mir hatte.

Amistead Maupin lässt in dem 1. Band seiner Stadtgeschichten, die in der Barbary Lane ihren Mittelpunkt finden, ein Vielzahl von Menschen zu Wort kommen, die alle auf der Suche nach dem großen Glück sind und es in San Francisco finden wollen. Jeder einzelne Charakter wurde detailliert und liebevoll gezeichnet und so dauerte es nicht lange, bis bei mir das Gefühl aufkam, ich würde die Geschichte guter Freunde lesen. Ich fühlte mich als stiller Beobachter einer turbulenten Szene. Da ist Mary Ann Singelton, die nicht nach Cleveland zurückkehren will, ihre Vermieterin, Anna Madrigal, aufgewachsen in einem Bordell, heißt sie mit einem Joint in ihrem Haus willkommen. Ihre Mieter betreut sie überaus fürsorglich, fast so wie eigene Kinder. Das Spektrum der Protagonisten reicht weiter von der bisexuellen Hippiefrau, über den bizarren Gynäkologen, hin zur überdrehten DeDe Halcyon-Day. Alle führen auf ihre Art ein scheinbar oberflächliches Leben. Aber mit der Begegnung von Anna Madrigal und Edgar Halcyon kommt dann spürbar Tiefe in das Buch.

Der Autor gewährt dem Leser in seinem Roman einen tiefen Einblick in das Leben Ende der 70er Jahre in San Francisco. So manche Vorstellung, die ich hatte, fand ich bestätigt. „Stadtgeschichten“ ist ein leicht zu lesender, temporeicher Roman. Einzig die Vielzahl der Personen hatte mich zu Beginn ein wenig irritiert. Aber schon bald wurde das Beziehungsgeflecht verständlich und das Lesen machte nur noch Spaß. Dieses Buch lebt von der Vielzahl der geführten Dialoge, was es einem schwer macht, es zur Seite zu legen. Die Frage „Wie geht es weiter?“ lässt sich nicht verdrängen und am Ende wird auch deutlich, das nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Ich freue mich nun schon auf die noch ungelesenen „Stadtgeschichten“ des Autor und hoffe mit ihnen ebenso viel Lesespaß zu haben.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Armistead Maupin (* 13. Mai 1944 in Washington, D.C.) ist US-amerikanischer Schriftsteller.

Armistead Maupin studierte Englisch an der University of North Carolina und arbeitete als Reporter und für eine Nachrichtenagentur. Maupin wurde bekannt durch seine Stadtgeschichten („Tales of the City“), die zunächst als Fortsetzungsgeschichten im San Francisco Chronicle erschienen und später als Romanreihe veröffentlicht wurden.

Weitere Werke von Maupin neben den Stadtgeschichten sind „The Night Listener“ und „Maybe the Moon“.

Stadtgeschichten-Zyklus

  1. Tales of the City. 1981 (deutsch: Stadtgeschichten 1993)
  2. More Tales of the City. 1980 (deutsch: Mehr Stadtgeschichten 1993)
  3. Further Tales of the City. 1982 (deutsch: Noch mehr Stadtgeschichten 1993)
  4. Babycakes. 1984 (deutsch: Tollivers Reisen 1993)
  5. Significant Others. 1987 (deutsch: Am Busen der Natur 1993)
  6. Sure of You. 1989 (deutsch: Schluss mit Lustig 1994)
  7. Michael Tolliver Lives. 2007 (deutsch: Michael Tolliver lebt. Die neuesten Stadtgeschichten 2008)

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