Karthauses Bücherwelt …

31. Januar 2010

Lesestatistik – Januar 2010

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Gerade hat das neue Jahr erst begonnen und schon ist der erste Monat Geschichte. Aus dem Vorjahr hatte ich ja “Anna Karenina” zu beenden. Dieses Buch ist für mich immer wieder ein ganz besonderes Leseerlebnis. Mein Monatshighlight war im Januar “Das Salz der drei Meere” von Anita Nair. Enttäuscht war ich von „Die Stadt der Verlierer“ von Daniel Depp. Dieses Buch habe ich nach 65 Seiten abgebrochen. Aber das ist wohl weniger dem Buch anzulasten, als meinem Desinteresse gegenüber dem Geschehen in Hollywood. Insgesamt habe ich in diesem Monat 2.325 Seiten gelesen.

  1. Zombie – Joyce Carol Oates – 213 Seiten
  2. Über den Wolken von Afrika – Belinda Seaward – 480 Seiten
  3. Leopard – Jo Nesbø – 704 Seiten
  4. Das Salz der drei Meere – Anita Nair – 368 Seiten
  5. Die Kunst des stilvollen Verarmens – Alexander von Schönburg – 240 Seiten
  6. Stadt der Verlierer – Daniel Depp – Abbruch nach 65 Seiten
  7. Die Geschichte der Christen – Arnulf Zitelmann – 255 Seiten

Monatshighlight

29. Januar 2010

Die Vorleser – Bücherliste 05.02.2010

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Am Freitag, 05. Februar 2010, ab 23.00 Uhr sind die „Vorleser“ wieder im ZDF zu sehen. Als Gast wird der Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor und Kinoregisseur Detlev Buck erwartet.

Hier nun die Bücherliste aus dem Vorleser-Newsletter, den ich heute in meinem Postfach hatte.

Helene Hegemann
Axolotl Roadkill
Broschierte Ausgabe, 208 Seiten
Ullstein Verlag, 2010
ISBN: 3550087926
14,95 Euro

Benjamin Stein
Die Leinwand
Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
Verlag C.H. Beck, 2010
ISBN: 3406598412
19,95 Euro

Zhu Xiao-Mei
Von Mao zu Bach
Aus dem Französischen von Anna Kamp
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
Antje Kunstmann Verlag, 2009
ISBN: 3888975573
19,90 Euro

Nadeem Aslam
Das Haus der fünf Sinne
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
Gebundene Ausgabe, 459 Seiten
Rowohlt Verlag, Reinbek, 2010
ISBN: 3498000772
19,95 Euro

Thomas Bernhard – Siegfried Unseld
Der Briefwechsel
Herausgegeben von Raimund Fellinger, Martin Huber und Julia Ketterer
Gebundene Ausgabe, 800 Seiten
Suhrkamp Verlag, 2009
ISBN: 3518419706
39,80 Euro

Peter Knorr, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn, Mark-Stefan Tietze (Hrsg.)
Titanic – das endgültige Satirebuch
Das Erstbeste aus 30 Jahren
Gebundene Ausgabe, 400 Seiten
Rowohlt Berlin Verlag, 2009
ISBN: 3871346527
25,00 Euro

Linus Reichlin
Der Assistent der Sterne
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
Galiani Berlin bei Kiepenheuer & Witsch; 2009
ISBN: 3869710039
19,95 Euro

Gregor Weber
Kochen ist Krieg
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
Piper Verlag, 2009
ISBN: 3492052932
19,95 Euro

Lyrikstimmen
Die Bibliothek der Poeten
9 CDs, 638 Minuten Spielzeit.
der Hörverlag, 2009
ISBN: 3867173389
49,95 Euro

28. Januar 2010

Buch der Woche (4. KW)

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Als aktuellen Buchtipp stellt der mdr figaro in dieser Woche “Das war ich nicht” von Kristof Magnusson vor. Es hört sich sehr interessant und nicht alltäglich an.

Das war ich nicht – Kristof Magnusson

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: Kunstmann

ISBN-13: 978-3888975820

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

»Bestimmt gibt es auch eine Zeit für das Privatleben. Frau. Kind. Später. Ich war erst 31. Zwischen dreißig und vierzig muss man brennen.« Ein junger Banker, auf dem Sprung zur großen Karriere. Eine Literaturübersetzerin, auf der Flucht vor dem schön eingerichteten Leben mit Weinklimaschrank und Salzmühle mit Peugeotmahlwerk. Ein international gefeierter Schriftsteller mit Schreibblockade und Altersangst. Drei Menschen, die sich unversehens in abenteuerlicher Abhängigkeit befinden. Wie konnte es dazu kommen? Eine Bank, ein Leben ist schnell ruiniert. Das ist das Erschreckende, aber auch das Komische an diesem Roman, der mit großer Leichtigkeit von unheimlichen Zeiten erzählt.

Über den Autor

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Lebt als Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Seine Komödie »Männerhort« lief an über 30 Theatern im In- und Ausland, unter anderem in Berlin mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka. Sein Debütroman »Zuhause« (Kunstmann 2005) wurde 2006 mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.

25. Januar 2010

Jo Nesbø – Leopard

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Leopard
Jo Nesbø
Originaltitel: Panserhjerte
Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Ullstein HC
ISBN-13: 978-3550087745

Nach seinem letzten Fall um den Schneemann brauchte Harry Abstand, Abstand zur Polizei, Abstand zu Norwegen, Abstand zu seinem bisherigen Leben. Die Trennung von Rakel und deren Sohn hat ihn sehr mitgenommen. Unterschlupf hat er in Hongkong gefunden. Aber in Ruhe leben kann er auch dort nicht. Alkohol, Opium und Pferdewetten sind für ihn zum Lebensinhalt geworden. Wegen seiner Schulden bei den Tiraden, der chinesischen Mafia, kann er auch das Land nicht verlassen, denn sie haben ihm seinen Pass als Pfand abgenommen. Die junge norwegische Ermittlerin Kaja Solness fliegt im Auftrag von Gunnar Hagen, Leiter des Morddezernates, nach Hongkong, um Hole zurück nach Norwegen zu holen, denn dort treibt erneut ein vermeintlicher Serienmörder sein Unwesen. Dies sind aber nicht die einzigen Handlungsorte, der Leser verfolgt die Ermittlungen noch in Ruanda, im Kongo und in Leipzig.

Gleich zu Beginn des Romans wird man Zeuge eines äußerst grausamen und perfide ausgeklügelten Mordes an einer Frau. War „Schneemann“ schon nichts für Zartbesaitete, empfand ich „Leopard“ im Vergleich zum Vorgängerbuch noch einmal als eine deutliche Steigerung.

Die Handlung verläuft in verschiedenen Strängen. Neben den Ermittlungen in den Mordfällen ging es in diesem Thriller auch um das Kompetenzgerangel zwischen dem Morddezernat und dem Kriminalamt.

Temporeich erzählt Jo Nesbø vom Fortschreiten der Ermittlungen, von Fehlschlägen und der behördlichen Rivalität. Mikael Bellman, Chef des Kriminalamtes und selbsternannter Platzhirsch, will mit seinem Team allein die Fälle lösen und erkennt die Kompetenz des Morddezernates nicht an. Ruhe kommt in dieses Buch immer dann, wenn Harry Hole seinen todkranken Vater am Sterbebett besucht. Es ist ein leises Abschiednehmen von Vater und Sohn, dass gefühlvoll und eindringlich beschrieben wurde. Eine weiter Handlungsebene ist die unvermeidliche Lovestory. Die gehört wohl einfach zu diesem Genre.

Prinzipiell hat mir „Leopard“ recht gut gefallen. Der Spannungsbogen wurde kontinuierlich aufgebaut und auch bis zum Ende hin gehalten. Die Morde sind zwar brutal, aber gerade noch erträglich und auch die Ermittler sind nicht zimperlich und müssen einiges einstecken. Jo Nesbø erzählt gekonnt und baut geschickte Cliffhanger ein, so lässt er dem Leser Zeit zum Durchatmen und zum stillen Weiterfiebern und hält ihn so vor allen Dingen bei der Stange. Der Thriller ist leicht und flüssig zu lesen, zieht den Leser schnell in seinen Bann und entwickelt dann eine gewisse Eigendynamik. Mir fiel es doch recht schwer, das Buch zur Seite zu legen. Nesbø nutzt intelligent die Zutaten, die einen guten Thriller ausmachen, durchkonstruierte Morde als Grundlage, ein bisschen Liebesgeflüster fürs Gefühl und einige unverhoffte Wendungen für die Spannung. Einzig die Figur des Harry Hole hat mir in diesem Fall nicht so zugesagt. Zwar gelingt es dem Autor gut, seine Sucht und Schwächen zu beschreiben, aber den Widrigkeiten seines Berufsalltags kann er trotzen, obwohl er psychisch und physisch sehr mitgenommen scheint. Nicht jeder kann seine persönlichen Defizite so gut überspielen.

Mein Fazit: „Leopard“ ist der 8., gut in Szene gesetzte Fall des Ermittlers Harry Hole. Wer sich nicht an der Spezifik des Ermittlers stört, rasante und blutige Kriminalromane bevorzugt und Liebhaber dieses Genres ist, für den wird dieses Buch kein Fehlgriff sein.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Jo Nesbø (* 23. März 1960 in Oslo) ist ein norwegischer Musiker und Autor.

Nach einer Ausbildung als Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen war er neben seiner Aufgabe als Sänger und Komponist der Popgruppe Di Derre als Makler und Journalist tätig.

Hauptperson von Nesbøs bisherigen Kriminalromanen ist der alkoholkranke, alleinstehende Hauptkommissar Harry Hole, der zumeist brutale Mordfälle lösen muss.

Nesbø erhielt als Auszeichnung den norwegischen Riverton-Preis und den skandinavischen Krimipreis (Glasnøkkelen) für seinen Debütroman Flaggermusmannen. Sein Roman Rotkehlchen brachte ihm 2000 den norwegischen Buchhandelspreis ein und wurde 2004 zum besten norwegischen Krimi aller Zeiten (Tidenes beste norske krim) gewählt. Seine Werke wurden in die schwedische, finnische, dänische, englische, niederländische, französische, polnische und deutsche Sprache übersetzt.

Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:

  1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
  2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
  3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
  4. Die Fährte (Sorgenfri)
  5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
  6. Der Erlöser (Frelseren)
  7. Schneemann (Snømannen)
  8. Leopard (Panserhjerte)

20. Januar 2010

Buch der Woche (3. KW)

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Befreiung” von Sándor Márai ist das Buch, das der mdr Figaro in dieser Woche den Lesern empfiehlt. Von dem Autor habe ich schon einige Bücher gelesen. Am nachhaltigsten hat mich “Die Glut” beeindruckt, die anderen von mir gelesenen Bücher des Autors fand ich nicht so stark. So dass ich eine Márai-Pause eingelegt habe. Dieses Buch könnte mich aber wieder reizen.

“Befreiung” – Sándor Márai

Originaltitel: Szabadulás

Gebundene Ausgabe: 190 Seiten

Verlag: Piper Verlag GmbH

ISBN-13: 978-3492053723

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Dezemberkälte liegt über dem belagerten Budapest, zwischen Todesangst und Erschöpfung wartet die junge Erzsébet zusammen mit den anderen Bewohnern im Keller eines Hauses auf ihr Schicksal. Tag und Nacht, Mittag und Morgen sind unterscheidungslos geworden. Inmitten von stehlenden, streitenden Menschen empfindet sie dennoch eine Art Milde, denn nun ist er endlich da, der Augenblick der Wahrheit. Während die anderen vor den heranrückenden Belagerern fliehen, beschließt Erzsébet zu bleiben. All ihre Sinne sind hellwach, als plötzlich ein junger Russe den Keller betritt. Geprägt von der Intensität des eigenen Erlebens, erzählt Sándor Márai von Freiheit, Anstand und dem letzten Augenblick seiner sich selbst zerstörenden bürgerlichen Welt.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sándor Márai, am 14. April 1900 in Kaschau (Košice, heute Slowakei) geboren, lebte und studierte in verschiedenen europäischen Ländern, ehe er 1928 als Journalist nach Budapest zurückkehrte. Er verließ Ungarn 1948 aus politischen Gründen und ging 1952 in die USA, wo er bis zu seinem Freitod am 22. Februar 1989 lebte. Mit der Neuausgabe des Romans »Die Glut« (1999) wurde Márai als einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erkannt und zum Bestsellerautor. Danach erschienen zahlreiche Neuausgaben seiner Werke, die alle bei Piper vorliegen, zuletzt die Romane »Die vier Jahreszeiten« und »Befreiung« sowie die Neuedition seiner Tagebücher.

17. Januar 2010

Lew Tolstoi – Anna Karenina

Einsortiert unter: 2009,Klassiker/Weltliteratur — Karthause @ 11:06
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Anna Karenina
Lew Tolstoi
Gebundene Ausgabe: 1284 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446234093

Anna Arkadjewna Karenina kommt von Petersburg nach Moskau, um im Ehestreit ihres Bruders Stepan Oblonski (Stiwa) zu vermitteln. Kitty, Stiwas Schwägerin, ist in den Grafen Wonski verliebt und hat in Erwartung seines Antrages den Heiratsantrag des Gutsbesitzers Konstantin Lewin abgelehnt. Auf einem Ball trifft Anna Wronski wieder, er hat nur noch Augen für die verheiratete Anna und die junge Kitty versinkt in ihrem Unglück. Anna, nur nach außen hin  glücklich scheinend, mit dem hohen Staatsbeamten Alexej Karenin verheiratet, stürzt sich in eine Affäre mit dem jungen Offizier. Diese Liaison bleibt nicht ohne Folgen, Anna bringt ein Mädchen zur Welt. Mit ihrem Ehemann kann sie nicht weiter zusammenleben, sie verlässt ihn und den gemeinsamen Sohn, lässt alle Konventionen hinter sich und ist bereit den Preis zu zahlen. Für die Gesellschaft ist sie damit untragbar geworden. Gesellschaftlich fallen gelassen, moralisch verurteilt und isoliert lebend, den Sohn vermissend und die Tochter nicht liebend, wartet sie auf die Einwilligung des Ehemannes in die Scheidung. Doch er versagt ihr diese. Auch in der Beziehung zu Wronski ist große anfängliche Verliebtheit gewichen, Eifersucht, Unverständnis, Wut haben im Alltag Einzug gehalten. Man spürt ihre innere Zerrissenheit. Für Anna erscheint die Situation ausweglos.

Kitty hat nach einem längeren Kuraufenthalt in Deutschland erkannt, dass ihr Herz doch für Lewin schlägt. Beide heiraten und schon bald wird der  Sohn geboren. Er ist zwar glücklich, die Frau, die er aufrichtig liebt, geheiratet zu haben, zufrieden ist aber auch er nicht. Er strebt nach Veränderungen im Landleben und arbeitet an einem Buch über seine sehr fortschrittlichen Visionen zur Modernisierung Landwirtschaft.

Stiwa und Dolly Oblonski stellen das Bindeglied zwischen diesen zwei Handlungssträngen dar. Beide haben sich arrangiert, der Ehebruch Stiwas, der zu Beginn des Romans die Ehe fast hat zerbrechen lassen, ist kein Thema mehr. Beide leben mehr oder weniger ihr eigenes Leben, geprägt durch ständige Geldprobleme, denn Stiwa ist noch immer der Lebemann, inzwischen nur diskreter.

„Anna Karenina“ ist für mich ein Meisterwerk, das Buch der Bücher, schon x-mal gelesen ist mir dafür kein Superlativ zu platt. Tolstoi ist ein begnadeter Beobachter und meisterhafter Erzähler. Er schafft es Szenen so mit Worten zu illustrieren, dass sie einem wie ein Film vor Augen ablaufen, genannt seien dafür stellvertretend das Pferderennen, Lewins Jagd im Schnepfensumpf und Dollys Besuch bei Anna. Seine Protagonisten sind alle lebensechte Menschen, sie haben Stärken und Schwächen. Kein einziger ist nur gut oder nur schlecht. Dabei beschreibt er die Charaktere ausgefeilt, facettenreich und psychologisch fundiert, so dass der Leser bei ihnen mühelos eine Entwicklung verfolgen kann. Lew Tolstoi breitet in diesem Mammutwerk verschiedene Lebensphilosophen und Lebensstile aus. Setzt sich mit der Familie und dem Sinn des Lebens an sich auseinander und baut darum die Geschichte um die drei adligen Familien auf.

Der Roman hat mehrere Handlungsstränge, zwischen denen wechselt Tolstoi immer wieder in seiner Erzählung, so dass das Schicksal seiner Hauptpersonen auch aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Aber er arbeitet auch deutlich das Verbindende und Trennende zwischen den einzelnen Familien heraus, so dass wirklich der Eindruck entsteht, man kenne alle Protagonisten schon seit Jahr und Tag. Die Beschreibungen von Personen und Szenarien sind meist sehr umfangreich, bildhaft und detailliert. Aber beim Lesen der fast 1.300 Seiten kam nie Langeweile oder Ermüdung auf. Ich habe immer den Drang verspürt, mehr zu erfahren und weiter am Leben der Familien teilzunehmen. So wird dann letzten Endes deutlich, dass die glücklichen Familien einfach nur glücklich sind, sich die unglücklichen Familien jedoch in ihrem Unglück von einander unterscheiden.

Immer wieder werden „Effi Briest“, „Madame Bovary“ und „Anna Karenina“, die großen Ehebrecherinnen in der Literatur, miteinander verglichen. Für mich ist Tolstois Werk auf Grund seiner Erzählkunst und seines Einfühlungsvermögens in die Charaktere der herausragende Roman.

Mein Fazit: Dieses wunderbare Buch werde ich wohl noch einige Male lesen und genießen. Etwas besseres und ausgereifteres habe ich in der Literatur noch nicht gefunden. Es waren für mich wieder Lesestunden voller Freude und Leselust.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Leo Tolstoi (1828-1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa zog er sich auf sein Familiengut zurück und schrieb dort seine großen Werke. Unter dem Eindruck Rousseauscher Ideen verurteilte er Kultur und Zivilisation als das natürlich Menschentum verfälschende Elemente. Werke u.a.: “Krieg und Frieden”, “Anna Karenina”, “Die Kreuzersonate”, “Meine Beichte”.

16. Januar 2010

Buch der Woche (2. KW)

Der Mitteldeutsche Rundfunk stellt wöchentlich ein Buch vor, dass die besondere Aufmerksam des Publikums verdient. In dieser Woche ist dies “Lied vom Hunger” von Jean-Marie Gustave Le Clézio.

Jean-Marie Gustave Le Clézio: Lied vom Hunger
Roman, übersetzt von Uli Wittmann
217 Seiten
Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3462041361

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Der neue Roman des aktuellen Literatur-Nobelpreisträgers – eines seiner schönsten Frauenporträts (Le Monde).

Hunger ist die Grundmelodie ihres Lebens. Ethel lernt ihn während des Zweiten Weltkriegs kennen, aber nicht nur den Hunger nach Brot, sondern auch den nach Glück, nach Gerechtigkeit und Wahrheit. J.M.G. Le Clézio erzählt in diesem ungewöhnlichen Roman von einer jungen Frau, die in Zeiten des Hungers zur Heldin wird. Ethel Brun wächst zwischen den beiden Weltkriegen in Paris auf. Mittelpunkt der Familie Brun, die von der Insel Mauritius stammt, ist Ethels Vater Alexandre, ein schwadronierender Schönling. Er lebt großspurig von seinem Erbe und schwafelt von der Vergangenheit. Die Gegenwart wird zunehmend bestimmt von nationalistischen und antisemitischen Tönen in Frankreich. Ethel leidet vor allem unter der unglücklichen Ehe der Eltern und dem ständigen Streit um Geld, denn Alexandre hat sein Vermögen verschleudert. Den drohenden Bankrott versucht er mit dem Geld, das Ethel von einem Onkel geerbt hat, abzuwenden. Vergeblich. Ethel, kaum zwanzig Jahre alt, erkennt, dass sie die Verantwortung für die Familie übernehmen muss. Couragiert kümmert sie sich um die zerrütteten Finanzen und flieht mit den hilflosen Eltern in den Süden Frankreichs, nachdem die Deutschen Paris besetzt haben. In Nizza muss sie bittere Jahre des Hungers und der Demütigung durchstehen. Von ihren Eltern hat sie sich innerlich gelöst. Sie heiratet und wird nach Kanada auswandern, in eine Welt ohne Antisemitismus, ohne Kriege, ohne Hunger. Völlig unpathetisch, in einer klaren, poetischen Sprache entwirft Le Clézio das Bild einer dramatischen Zeit und einer unerschrockenen jungen Frau. In Frankreich wochenlang auf den Bestsellerlisten: 350.000 verkaufte Exemplare

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde 1940 in Nizza geboren und studierte in Frankreich und England Literatur. Er veröffentlichte über dreißig Bücher – Romane, Erzählungen und Essays. Der promovierte Literaturwissenschaftler zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftstellern. 2008 wurde Jean-Marie Gustave Le Clézio der Nobelpreis für Literatur verliehen.

15. Januar 2010

26. Deutscher Krimipreis

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 18:02
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Der 26. Deutsche Krimipreis wurde verliehen. Die Preisträger sind:

national:

    1. Platz: Beifang von Ulrich Ritzel

    2. Platz: Totsein verjährt nicht von Friedrich Ani

    3. Platz: Alles total groovy hier von Jörg Juretzka

international:

    1.Platz: Tokio im Jahr Null (Tokyo Year Zero) von David Peace

    2. Platz: Kap der Finsternis (Mixed Blood) von Roger Smith

    3. Platz: Jack Taylor fliegt raus (The Guards) von Ken Bruen

    (Quelle: www.deutscher-krimipreis.de)

11. Januar 2010

Charlotte Lyne – Das Haus Gottes

Einsortiert unter: 2009,History — Karthause @ 18:19
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Das Haus Gottes
Charlotte Lyne
Rowohlt TB 704 Seiten
ISBN-13: 978-3499249181

Klappentext

Portsmouth, 1336. Die tatkräftige Dorothy heiratet den gut aussehenden Symond, Sohn des berühmten Schiffsbauers Aimery Fletcher. Doch schon bald zerbricht ihr Traum vom Glück: Symond entpuppt sich als Taugenichts und Frauenheld. Dorothy muss zusehen, wie sie sich und ihre Kinder über die Runden bringt. Da geschieht eine unfassbare Katastrophe: Die Franzosen legen Portsmouth in Schutt und Asche; es ist der Beginn des Hundertjährigen Krieges. In ihrer Verzweiflung wendet sich Dorothy dem Schwiegervater zu. Aber kann ein Mann ihr helfen, von dem es heißt, er habe seine untreue Ehefrau ermordet?

Meine Meinung

Die Handlung dieses historischen Romanes beginnt im Jahr 1336, einer Zeit, in der ich mich literarisch nicht zu Hause fühle, wohl auch deshalb, weil mir der historische Hintergrund nicht ausreichend bekannt ist. In „Das Haus Gottes“ geht es um Schuld und Sühne, um Glauben um Liebe, um den Schiffbau, aber auch um historische Ereignisse, die über die Bewohner von Portsmouth hereinbrechen und deren Folgen, so der Stadtbrand, die Pest, der Krieg. Die historische Seite wurde von Charlotte Lyne auf ganz anschauliche Weise geschildert. Die Leiden und die Not der Bevölkerung waren nachvollziehbar. Über das Alltagsgeschehen konnte ich die Protagonisten kennen lernen, die sehr ausgeklügelte und lebensnahe Charaktere hatten. Ihre Handlungen und Gefühle erschienen echt und nachvollziehbar und waren echte Kinder ihrer Zeit, eng verknüpft mit dem historischen Geschehen. Die immer couragiert zupackende Dotty, der weichliche Symond, der blinde John und nicht zuletzt Aimery sind mir schnell zu vertrauten Personen geworden. Hier ist es der Autorin auf herausragende Art und Weise gelungen, Realität und Fiktion zu einen. Die Passagen über den Schiffbau haben mich persönlich ganz besonders angesprochen, ein Thema, das mich schon seit sehr jungen Jahren interessiert.

Dies war der erste Roman, den ich von der Autorin las. Aber die kraftvolle, direkte, der Zeit angepasste, ausdrucksstarke Sprache lassen mich Ausschau nach den anderen bereits erschienen Romanen von Charlotte Lyne halten.

Die in dem Roman enthaltene Liebesgeschichte ist vollkommen unaufdringlich und frei von jeder Form von Kitsch. Ich würde jedem widersprechen, der behauptet, dies sei ein Liebesroman. Für mich ist Charlotte Lynes Roman ein hervorragender historischer Roman, der den Leser über die Zeit und die Lebensweise im 14. Jahrhundert informiert und dazu gehört natürlich auch die Liebe.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Charlotte Lyne, geboren 1965 in Berlin, studierte Germanistik, Latein, Anglistik und Italienische Literatur in Berlin, Neapel und London. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in London, und wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie Übersetzerin und Lektorin.

9. Januar 2010

Joyce Carol Oates – Zombie

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 11:23
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Zombie
Joyce Carol Oates
Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
Verlag: DVA
ISBN-13: 978-3421051783

Quentin ist 31 Jahre alt, er ist einsam. Für seine Eltern, der Vater ist Professor, ist er DIE Enttäuschung. Im Ort stößt er wegen seiner Homosexualität auf Ablehnung, nur für seine Großmutter ist er wegen der gelegentlichen Gefälligkeiten ein großartiger Enkel. So gerät er ins Abseits, ist von dem Wunsch beseelt, sich einen Zombie zu schaffen, der ihm hörig ist und wird so zum Serienmörder. Seine Opfer sucht er sich in anderen Ortsteilen oder unter Anhaltern, die in seinem Haus wohnenden Studenten sind tabu. Deren Verschwinden wäre zu auffällig. Er führt an seinen Opfern chirurgische Versuche zur frontalen Lobotomie durch, eine unglaubliche Grausamkeit – auf nähere Erläuterungen möchte hier verzichten.

Joyce Carol Oates hat mit diesem Psychogramm eines Serienmörders ein Buch vorgelegt, das aufgrund der Länge, der Kapiteleinteilung und der eingefügten Skizzen recht schnell zu lesen ist, das aber den Leser auch noch nach der Lektüre beschäftigt. Sie hat den Schwerpunkt ihres Buches nicht auf Effekthascherei und blutige Szenen gerichtet. Es hat mir keine schlaflosen Nächte bereitet, in Gedanken war ich jedoch, wie so oft auch in der Realität, mit der Frage beschäftigt, warum hat keiner etwas bemerkt. Die Autorin schreibt dieses Portrait vollkommen nüchtern, emotionslos und wertungsfrei. Die 57 relativ kurzen Kapitel erinnern an Tagebucheinträge. Teilweise schreibt Quentin P. von sich selbst auch in der 3. Person. So kommt es dazu, dass man als Leser das Gefühl hat, wirklich in die Gedankenwelt einen Psychopathen einzutauchen. Die eingefügten Skizzen, die kindlich und nur flüchtig hingeworfen erscheinen, runden den Eindruck, dem man von dem Protagonisten hat, ab. Stilistisch ist es kein Meisterwerk, aber gute, nachhaltige und interessante Unterhaltung bietet Joyce Carol Oates auf jeden Fall.

Mein Fazit: „Zombie“ ist das hervorragend gezeichnete Portrait eines kranken Kopfes. Einzig die recht kurzen Kapitel haben mich etwas gestört. Es war das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe, ich bin neugierig auf weitere geworden.

Über die Autorin (Quelle: Wikipedia)

Joyce Carol Oates (* 16. Juni 1938 in Lockport im US-Bundesstaat New York) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Gelegentlich publiziert Oates auch unter den Pseudonymen Rosamond Smith und Lauren Kelly.
Oates stammt aus einfachen Verhältnissen der weißen unteren Mittelschicht. Ihr Vater war Werkzeugmacher und Farmer. Ihre Schwester Lynn musste wegen Autismus in ein Heim.1956 erhielt Oates ein Stipendium und studierte in Syracuse und an der University of Wisconsin Englisch und Philosophie. Sie erwarb 1960 den B.A. und 1961 den M.A. Von 1961 bis 1967 war sie Anglistik-Dozentin an der University of Detroit, von 1967 bis 1978 wirkte sie an der Universität im kanadischen Windsor. Nachdem sie von 1978 bis 1981 als Writer in Residence an der Princeton University (New Jersey) gearbeitet hatte, wurde sie dort 1987 Professorin für Kreatives Schreiben.
Seit 1961 war Joyce Carol Oates mit Raymond J. Smith (1930–2008) verheiratet, der als Professor für Literaturgeschichte in Princeton lehrte. Das Paar hatte keine Kinder. Gemeinsam gaben sie die „Ontario Review of Books“ heraus. Im März 2009 heiratete Oates den Neurowissenschaftler Charles Gross.

7. Januar 2010

Greg Iles – Leises Gift

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:29
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Leises Gift
Greg Iles
Originaltitel: True Evil
Broschiert: 604 Seiten
Verlag: BasteiLübbe
ISBN-13: 978-3404159673

Klappentext

Dr. Chris Shepard hat die junge Frau, die in seine Arztpraxis kommt, nie zuvor gesehen. Alex Morse gibt sich als Agentin des FBI zu erkennen. Sie sei, so sagt sie, auf der Spur eines Scheidungsanwalts, der seinen Klienten einen ganz besonderen Dienst bietet: Ihre Ehepartner sterben auf unerklärliche Weise. “Okay. Aber warum erzählen Sie mir das?” Zum ersten Mal blickte Agentin Morse unbehaglich drein. “Weil …”, sagte sie schließlich zögernd, “vor genau einer Woche Ihre Frau nach Jackson gefahren ist und zwei Stunden im Büro dieses Anwalts verbracht hat.”

Meine Meinung

Greg Iles lässt diesen Thriller mit einem unglaublichen Verdacht beginnen. FBI-Agentin Alex Morse wird am Sterbebett ihrer Schwester mit dem Verdacht konfrontiert, deren Tod sei nicht Folge einer heimtückischen Krankheit, sondern Mord. Als sie auf eigene Faust ermittelt, kommt sie unglaublichen Dingen auf die Spur.

Dieser Thriller beginnt eher bedächtig – jedenfalls für mich, die bei diesem Genre gern zu den etwas blutigeren Stories greift. Aber so unvorstellbar wie diese beginnt, so glaubwürdig-subtil nimmt sie ihren Lauf. Greg Iles versteht es meisterhaft, die Spannung zu halten, den Leser zu fesseln und an der Geschichte zu halten, dabei ist die Mordmethode so originell wie selten, fast schon perfekt. Die Charaktere der Hauptpersonen überzeugen, wenn auch in der üblichen Rollenverteilung von gut und böse, wie (fast) immer in dieser Art Buch fehlt auch hier die Grauzone. Aber darauf kann ich mich problemlos einlassen. Einzig der Schluss kam mir (mal wieder) zu actionlastig daher. Aber Thrillerautoren lieben wahrscheinlich als Ende das groß aufgebotene Finale.

Von Greg Iles habe ich bereits folgende Bücher gelesen:

Blackmail

24 Stunden

1. Januar 2010

Das war 2009

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 09:58
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Im vergangenen Jahr habe ich 80 Bücher mit 29.724 Seiten gelesen. 10 Bücher waren für mich echte Highlights:

Hiob – Joseph Roth
Hotel Savoy – Joseph Roth
Jakob der Lügner
– Jurek Becker
Die Vogelwelt von Auschwitz
– Arno Surminski
Die Farbe des Krieges
– Arkardi Babtschenko
Varus – Iris Kammerer
Englischer Harem – Anthony McCarten
Alte Liebe – Elke Heidenreich und Bernd Schroeder
Die Herrin des Hügels – Oliver Hilmes
Die große Welt – Colum McCann

Abgebrochen habe ich zwei Bücher, das waren wirklich Enttäuschungen, weil ich mir davon viel mehr versprochen hatte:

Der Schatten des Windes – Carlos Ruiz Zafon
Der Graf von St. Hermine – Alexandre Dumas

Autoren habe ich für mich eigentlich auch nicht entdeckt. Ich habe mich in ziemlich eingefahrenen Gleisen bewegt. Einzige Überraschung war „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich. Bisher nahm ich sie nur Kritikerin und Buchempfehlende zur Kenntnis. Aber dieses Buch zu lesen, war für mich pure Freude.

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