Karthauses Bücherwelt …

29. März 2010

Sabine Thiesler – Die Totengräberin

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:21
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  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • ISBN-10: 3453434684
  • ISBN-13: 978-3453434684

Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende.“

Dieser Gedanke begleitet Magda Tillmann schon seit ihrer Kindheit. Als ihr Mann Johannes dann nach vielen glücklichen Ehejahren eine Affäre mit der jüngeren Carolina hat, ist für sie klar, dass sie handeln muss. In ihrem Ferienhaus in der Toskana bringt sie ihren Mann um, vergräbt seine Leiche im Garten und pflanzt auf sein Grab ein Olivenbäumchen. Sie verschleiert ihren Mord, in dem sie erklärt, er habe in Rom einen Freund besuchen wollen und sei nun verschwunden. So macht sie eine Vermisstenmeldung und ruft damit den trotteligen Kommissar Neri auf den Plan. Als Johannes Bruder Lukas in dem Feriendomizil auftaucht, ist für Magda die Welt wieder in Ordnung. Sie verdrängt den Tod ihres Mann ebenso, wie sie den des gemeinsamen Sohnes nicht wahr haben will und sieht Lukas als ihren Ehemann an. Dieser macht das Spiel mit, weil er seit Jahren in Magda verliebt ist und erkennt zu spät, dass Magda psychisch krank ist. Aber dann kommt ein Fremder hinter das Geheimnis des frisch gepflanzten Olivenbaumes und will aus diesem Wissen seinen Nutzen ziehen…

Die beiden anderen Krimis von Sabine Thiesler habe ich mit viel Freude gelesen und so hatte ich Grund zu der Annahme, dass „Die Totengräberin“ an dieses Niveau anknüpfen kann. Sabine Thiesler schrieb diesen Krimi in Anlehnung an den bekannten Howcatchem-Stil. Gleich zu Beginn des Buches wird der Leser Zeuge des Mordes, auch der Täter ist von Anfang an bekannt und die Spannung sollte durch die Jagd des Mörders aufkommen. Sollte, ist aber nicht. „Die Totengräberin“ ist streckenweise schreiend langweilig. Der Kommissar Neri scheint einer Komödie entsprungen zu sein und soll nun als Dorftrottel Detektivarbeit leisten, er kommt einer Karikatur aller dümmlichen Ermittler in Film, Fernsehen und Buch gleich. Magda verdrängt in ihrem Wahnsinn alles Schreckliche in ihrer Vergangenheit. Der Unfalltod des Vaters, der ihre Mutter auch mit „Jemand“ betrog, taucht immer wieder bruchstückhaft in ihren Gedanken auf und sie schreibt Briefe an Thorben, dessen Tod sie vollkommen verdrängt hat. Der naive Lukas bemerkt in seiner Verliebtheit das Ausmaß von Magdas Krankheit erst, als es bereits zu spät ist. Die Auflösung ist dann einfach nur noch hanebüchen und an den Haaren herbei gezogen. Bei der Bewertung von Krimis bin ich ja eigentlich recht wohlwollend, für die perfidesten Taten opfere ich gern meine Lesezeit, so lange es dem Autor gelingt mich bei der Stange zu halten. Bei diesem Buch tendierte ich aber doch zwischenzeitlich dazu, es einfach zur Seite zu legen. Warum ich dann doch nicht tat? Weil ich nicht glauben wollte, dass Sabine Thiesler nicht doch noch etwas in Petto hat, was mich mit diesem Kriminalroman versöhnen könnte. Mein Durchhaltevermögen wurde jedoch nicht belohnt Aber das Buch hat auch einen positiven Aspekt, er enthält einige nette Landschaftsbeschreibungen der Toskana. Aber da dies ein Krimi und kein Reiseführer ist, fällt das ja nicht wirklich ins Gewicht.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz… und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit ihrem zweiten Hexenkind.

25. März 2010

Buch der Woche (12. KW)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 16:50
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„Gnade“ von Toni Morrison ist das aktuelle Buch der Woche des mdr figaro. Ich habe schon viel zu lange „Menschenkind“ von der Autorin auf meinem SuB. Das sollte ich umgehend ändern. Denn erst dann kann ich mich diesem Buch widmen. Bis dahin muss es auf er Wunschliste verweilen.

Amazon sagt dazu:

Kurzbeschreibung

MILTON, DELAWARE, 1682 Der Pflanzer Vaark nimmt gegen seine Überzeugung aus Mitleid ein junges Sklavenmädchen in Zahlung, doch bald stirbt er, und das Mädchen bleibt mit drei anderen Frauen, die das Schicksal dort zusammengeweht hat, allein auf seiner Farm zurück. Zusammen kämpfen sie gegen die Wildnis – die der harschen Natur um sie herum und die in ihnen selbst …« Die Markenzeichen von Morrisons Romanen – die auf den Kopf gestellte Geschichte, das schreckliche Opfer, die verdrehte Liebe, die Volksweisheiten, die Geister und ein biblisch blutiger, herzzerreißender Plot – machen dieses Buch so unwiderstehlich wie seinen Geschwisterband ‹ Menschenkind ›.» The Village Voice

Über die Autorin (Quelle: Wikipedia)

Toni Morrison (eigentlich Chloe Anthony Wofford; * 18. Februar 1931 in Lorain, Ohio) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Sie zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen der afroamerikanischen Literatur und erhielt 1993 den Literaturnobelpreis für ihr Gesamtwerk.

21. März 2010

David Nicholls – Zwei an einem Tag

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 14:45
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Es ist der 15. Juli 1988. Emma und Dexter, beide 20 Jahre alt, verbringen nach ihrer Abschlussfeier am College eine gemeinsame Nacht. Tags darauf geht jeder seiner Wege, aber die Zwei wollen Freunde fürs Leben bleiben, nicht mehr und nicht weniger. Für beide beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Dexter, ein gutaussehender, charismatischer, junger Mann aus begütertem Hause, genießt das Leben. Er wechselt die Frauen und seine Aufenthaltsorte häufig, ist auf den Partys ein gern gesehener Gast, ist Drogen und dem Alkohol nicht abgeneigt und findet irgendwann eine Anstellung bei einem Fernsehsender. Kurzum, er ist oberflächlich und geht dem Ernst des Lebens gern aus dem Weg und wird nur schwer erwachsen. Die bodenständige, kluge und aus einfachen Verhältnissen stammende Emma ist der krasse Gegensatz zu ihm, sie ist das hässliche Entlein, die graue Maus mit der dicken Hornbrille. Beharrlich geht sie ihren Weg, der nicht nur geradlinig nach oben führt. Sie erkämpft sich Erfolge. Und als er auf Karriereleiter nach unten steigt, veröffentlicht sie ihr erstes Buch.

20 Jahre macht David Nicholls eine Art Hausbesuch bei den beiden Protagonisten, immer am 15. Juli schaut er auf deren Leben und erzählt von den Veränderungen und Entwicklungen, der beiden, die sich nie vergessen konnten. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder, nur um kurz darauf wieder auseinander zu gehen. Aber gänzlich reißt der Kontakt zwischen ihnen nie ab, wenn es auch gelegentliche Funkstillen gibt.

Christine Westermann sagte zu dem Roman: „Eine herrliche Liebesgeschichte. Das schönste Buch des Jahres!“ Dem kann ich mich leider nicht anschließen, auch den gesamten Hype um dieses Buch kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Die Idee an sich fand ich sehr gut. Deshalb freute ich mich sehr, als ich dieses Buch endlich in den Händen hielt. Das war es dann aber auch mit meiner Begeisterung, denn die Umsetzung der Idee hat mich nicht überzeugt. Die ganze Geschichte ist sehr einfach geschrieben und hatte für mein Empfinden deutliche Längen. Die Protagonisten wurden eher schablonenhaft beschrieben, Emma war recht konsequent und zielstrebig auf dem Weg nach oben, Dexter war nach einem Höhenflug auf der entgegengesetzten Spur des Lebens. Beide treffen und trennen sich immer wieder, aber was sie miteinander verband, konnte ich nicht so richtig nachvollziehen. Und auch das Ende, hat mich dann nicht verwundert. Eine dramatische Steigerung musste es schließlich noch geben. Obwohl jedoch in jedem Jahr immer nur ein Tag im Leben der beiden Protagonisten beleuchtet wurde, hatte ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Es gelang dem Autor die Geschichte trotzdem stimmig zu erzählen. Schade, ich hatte einfach mehr von diesem Buch erwartet.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

DAVID NICHOLLS, geboren 1966, war Schauspieler, bevor er Drehbuchautor von so beliebten Serien wie Cold Feet, I Saw You und Rescue Me wurde. Bei Kein & Aber erschien 2005 sein erster, erfolgreicher Roman Keine weiteren Fragen (Starter for Ten). Dessen Verfilmung erfolgte im Herbst 2005 durch Tom Hanks Produktionsfirma Playtone, welche die Filmrechte des zweiten Romans, Ewig Zweiter (The Understudy), ebenfalls erworben hat. David Nicholls lebt als Drehbuchautor und Autor in London.

19. März 2010

Die Vorleser – Bücherliste vom 26.03.2010

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 20:27
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Am Freitag, 26. März 2010, ab 23.00 Uhr sind die „Vorleser“ wieder im ZDF zu sehen. Als Gast wird Ulrich Noethen ewartet.

Hier nun die Bücherliste aus dem Vorleser-Newsletter, den ich heute in meinem Postfach hatte.

Weitere Informationen zur Sendung sind unter www.dievorleser.zdf.de zu finden.

Michela Murgia
Accabadora
Aus dem Italienischen von Julika Brandestini
Gebundene Ausgabe, 176 Seiten
Verlag Klaus Wagenbach, 2010
ISBN: 3803132266
17,90 Euro

Miljenko Jergović
Freelander
Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert
Gebundene Ausgabe, 232 Seiten
Schöffling Verlag, 2010
ISBN: 3895613932
19,90 Euro

Anne Weber
Luft und Liebe
Gebundene Ausgabe, 188 Seiten
S. Fischer Verlag, 2010
ISBN: 310091046X
17,95 Euro

Ijoma Mangolds „3 Bücher in 3 Minuten“:

Simon Winder
Germany, oh Germany.
Ein eigensinniges Geschichtsbuch.

Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten
Rowohlt Verlag, Reinbek, 2010
ISBN: 3498073729
19,95 Euro

Benjamin von Stuckrad-Barre
Auch Deutsche unter den Opfern
Broschierte Ausgabe, 336 Seiten
Kiepenheuer & Witsch, 2010
ISBN: 3462042246
14,95 Euro

Mark Twain
Sommerwogen. Eine Liebe in Briefen.
Aus dem Amerikanischen von Alexander Pechmann
Gebundene Ausgabe, 304 Seiten
Aufbau-Verlag, 2010
ISBN: 3351033036
16,95 Euro

Weitere Titel:

Mariana Leky
Die Herrenausstatterin
Gebundene Ausgabe, 208 Seiten
DuMont Literatur und Kunst Verlag, 2010
ISBN: 3832195777
18,95 Euro

Herta Müller
Niederungen
Hörbuch, gelesen von Herta Müller , Albert Kitzl , Marlen Diekhoff
3 CDs, 206 Minuten Spielzeit
Hörbuch Hamburg, 2010
ISBN: 3899036220
19,95 Euro

Eric Karpeles
Marcel Proust und die Gemälde aus der Verlorenen Zeit
Aus dem Amerikanischen von Volker Ellerbeck
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten
DuMont Buchverlag, 2010
ISBN 3832192761
34,95 Euro

17. März 2010

Buch der Woche (11. KW)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 19:55
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„Roman unserer Kindheit“ von Georg Klein ist gestern als Buch der Woche bei mdr figaro vorgestellt worden. Bisher habe ich noch nichts von dem Autor gelesen. Die Kurzbeschreibung hört sich aber sehr interessant an. Georg Klein ist für den Leipziger Buchpreis 2010 nominiert worden.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

«Erzähl schon!», sagt sie schließlich, und es klingt merkwürdig dumpf. Der Ältere Bruder aber hebt den Kopf und guckt über die Büsche und Baumspitzen in den weiß betupften Himmel. Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien und die Laubenkolonie, wo die Kinder der Neuen Siedlung sich die großen Ferien vertreiben. Langsam, kaum merklich, sickert das Unheimliche ein: Ein Mord wird angekündigt, dann kommen die Boten, buchstäblich aus einer anderen Welt. Und es sieht aus, als könnten sie zumindest eines der Siedlungskinder auf die Nachtseite dieses Sommers hinüberziehen. «Roman unserer Kindheit» ist zugleich ein radikal autobiographisches und magisch-phantastisches Buch, ein Kindheitsroman voll fiebrigem Witz und dunkler Einsicht.

Über den Autor

Georg Klein, 1953 in Augsburg geboren, veröffentlichte die Romane «Libidissi», «Barbar Rosa» und «Die Sonne scheint uns» sowie die Erzählungsbände «Anrufung des blinden Fisches» und «Von den Deutschen». Für seine Prosa wurden ihm der Brüder-Grimm-Preis und der Bachmann-Preis verliehen. Zuletzt erschien sein Roman «Sünde Güte Blitz». Georg Klein lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Katrin de Vries, und zwei Söhnen in Ostfriesland. http://www.devries-klein.de

13. März 2010

Belinda Seaward – Über den Wolken von Afrika

Einsortiert unter: 2010,Liebesroman — Karthause @ 11:27
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Über den Wolken von Afrika
Belinda Seaward
Originaltitel: Hotel Juliet
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442467105

Umschlagtext

Schottland, 1972: Zu ihrer Hochzeit bekommen Elise und Paul Cougan zwei Flugtickets nach Sambia geschenkt. Schon kurz nach ihrer Ankunft begegnen sie Max Searle, einem Engländer, der eine Kaffeeplantage betreibt und für die Kinder des Dorfes eine Schule baut. Seine ganze Leidenschaft aber gilt dem Fliegen, und Elise genießt es, bei ausgedehnten Flügen die Faszination des schwarzen Kontinents zu entdecken. Bald sind die drei unzertrennlich, und als eines Tages die Dorfschule niederbrennt, beschließen Elise und Paul, Max beim Wiederaufbau zu helfen. Dabei machen sie die Bekanntschaft des kleinen Waisenmädchens Memory, das ihnen ganz besonders an Herz wächst. Doch die Tage der ungetrübten Freundschaft sind gezählt – und schließlich kommt es zu einer verhängnisvollen Nacht im Busch, die in einer Katastrophe endet.

London, 1996: Memory Cougan steht kurz vor ihrer Hochzeit, als sie plötzlich Zweifel überkommen. Sie hat das Gefühl, diesen Schritt erst tun zu können, wenn sie sich Gewissheit verschafft hat über ihre ungeklärte Vergangenheit. Denn ihre Mutter Elise ist stets ausgewichen, wenn Memory mehr wissen wollte über die Geschichte ihrer Herkunft. Memory beschließt, nach Sambia zu fliegen und Max zu suchen, um endlich die Wahrheit zu erfahren über das, was sich damals ereignet hat …

Meine Meinung

Ein eisigkaltes Winterwochenende wollte ich nutzen, um in einem schönem Afrika-Schmöker abzutauchen. Das Titelbild ließ auf Afrika pur hoffen. Das war es dann aber auch. Die Autorin erzählt die Geschichte von Elise, Paul und Max aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu kommen Zeitsprünge, so dass der Leser sich eigentlich in jedem Kapitel auf andere Gegebenheiten einstellen muss. Die Umstellung an sich war nicht das wirkliche Problem. Den durchgehenden roten Faden vermisste ich. Die Geschichte wirkte dadurch sehr zerrissen. Auch das typische Afrika-Feeling kam bei mir zu keinem Zeitpunkt auf. Bei diesem Roman habe ich keine hohe Literatur erwartet, ich hoffte auf pure Unterhaltung. Die Handlung war aber so vorhersehbar und die Dialoge so oberflächlich, dass ich von diesem Buch eigentlich nur enttäuscht war. Schade. Ich habe das Buch beendet und siehe da, meine Vorahnungen bezüglich des Endes der Story bewahrheitete sich tatsächlich.

11. März 2010

Umberto Eco – Die Geschichte der Häßlichkeit

Einsortiert unter: 2010,Fach- und Sachbuch — Karthause @ 20:13
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Die Geschichte der HäßlichkeitUmberto EcoGebundene Ausgabe: 456 SeitenVerlag: Hanser BelletristikISBN-13: 978-3446209398

Fragt eine Kröte, was Schönheit ist, das wahrhaft Schöne, das to kalón. Dann wird sie antworten, das sei das Weibchen mit den schönen runden Augen, die aus dem kleinen Kopf hervorstehen, dem breiten, platten Maul, dem gelben Bauch und dem braunen Rücken. … Fragt den Teufel: Er wird euch sagen, das Schöne sind zwei Hörner, vier Pfoten mit Krallen und ein Schwanz.“ (Voltaire)

Was ist schön und was empfinden wir als hässlich? Ist Hässlichkeit einfach nur die Umkehrung der Schönheit oder lediglich deren Abwesenheit? In seinem Buch widmet Eco sich diesen Fragen. Dabei thematisiert er unter anderem das Hässliche in der Antike, Apokalypse, Tod, Hölle und Teufel, die hässliche Frau, Hexerei und Satanismus, die Hässlichkeit der Industrie, Dekadenz und Kitsch.

Anders als für die Schönheit gibt es für die das Hässliche keine klare Definition oder Regel. Auch Eco definiert sie nicht, er betrachtet sie aus kulturgeschichtlicher Sicht und zeigt dem Leser und Betrachter die unterschiedlichen Sichtweisen in den einzelnen Epochen. Denn eines ist die Hässlichkeit auf jeden Fall, sie ist in Abhängigkeit zu ihrer Zeit zu sehen. Um dies zu belegen, bedient sich der Autor einer Vielzahl von Zitaten von Zeitzeugen und Dokumenten. Er bezieht sich immer wieder auf die „Ästhetik des Häßlichen“ von Karl Rosenkranz, vergleicht und diskutiert dessen Thesen. Besonders wird dieses Buch jedoch erst durch die Auswahl des Bildmaterials. Deshalb ist „Die Geschichte der Häßlichkeit“ neben seinen interessanten Texten auch (oder vor allem) ein sehr schöner Bildband, der eindrucksvoll die Fülle an Hässlichem, Ordinärem, Missgestaltetem und Unförmigem wiedergibt, aber trotzdem kein Gruselkabinett ist und nur durch eine aufwändigere Gestaltung, wie z. B. aufklappbare Seiten für große Abbildungen, aufgewertet werden könnte. Aber auch so ist das Äußere von Eco’s Werk alles andere als hässlich. Es ist ein Schmuckstück in dem gutes Papier auf Fadenheftung trifft.

Ich habe dieses Buch am Stück gelesen. Nicht als Zweitbuch oder häppchenweise. Es war eine hervorragende und lehrreiche Lektüre. Nun wandert es zurück ins Regal, aber ich bin mir sicher, es noch häufig in die Hand zu nehmen, um einzelne Abschnitte erneut auf mich wirken zu lassen und zu vertiefen.

„Die Geschichte der Häßlichkeit“ ist trotz des nicht unerheblichen Preises jeden Cent wert. Es ist ein Buch zum Lesen, zum Genießen, zum Vor- und zum Zurückblättern, zum Nachdenken, zum längeren Betrachten und Verweilen bei einzelnen Seiten. Es ist ein Buch, das man ein Leben lang hat, um immer wieder reinzuschauen, um Neues zu entdecken und Bekanntes aufzufrischen. Bereits 3 Jahre vor diesem Band erschien „Die Geschichte der Schönheit“, ich freue mich jetzt schon darauf, es zu lesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Umberto Eco wurde 1932 in Alessandria geboren und lebt heute in Mailand. Er studierte Pädagogik und Philosophie und promovierte 1954 an der Universität Turin. Anschließend arbeitete er beim Italienischen Fernsehen und war als freier Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation in Turin, Mailand und Florenz tätig. Seit 1971 unterrichtet er Semiotik in Bologna. Eco erhielt neben zahlreichen Auszeichnungen den Premio Strega (1981) und wurde 1988 zum Ehrendoktor der Pariser Sorbonne ernannt.

Er verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. Seine Romane ‘Der Name der Rose’ und ‘Das Foucaultsche Pendel’ sind Welterfolge geworden.

 

9. März 2010

Buch der Woche (10. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 22:50
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Der mdr figaro stellt heute “Hellersdorfer Perle” von Katja Oskamp als Buch der Woche vor. Ich werde es wohl vorerst nicht lesen.  Aber eine liebe Leseratte hat es gerade in der Hand, Wenn sie sich ihre Meinung gebildet hat, werde ich den entsprechenden Link setzen.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Von der Tagseite des Lebens in die Nacht: Katja Oskamps neuer Roman.
Was wäre, wenn man allem Vertrauten den Rücken zukehrte, einfach so? Wenn man sich auf das Unerhörte einließe, auf die Lust?

Die Frau, Mitte dreißig, führt ein standesgemäßes Berliner Leben: Der Freund ist Theaterkritiker, die kleine Tochter wird geliebt, alles ist geregelt und gut. Bis die Frau aus einem spontanen Fluchtimpuls heraus ihre Sachen packt und in eine Straßenbahn steigt. An der Endhaltestelle, am äußersten Rand der Stadt, betritt sie eine zwielichtige Kneipe, die Hellersdorfer Perle. Am Tresen sitzt ein Mann mit Stock, der vom ersten Augenblick an eine unerklärliche Anziehung auf die Frau ausübt. Sie wechseln einige Worte, messen ihre Kräfte, und er verlangt von ihr, sie solle am nächsten Abend wiederkommen, im Rock. Die Frau wird neugierig – und zu ihrer eigenen Überraschung tut sie, was der Mann verlangt.

In klarer, suggestiver, soghafter Sprache erzählt Katja Oskamp die Geschichte einer Frau, die in den Bann eines Fremden gerät und ein Spiel beginnt, in dem sie sich selbst begegnet.

Über den Autor

Katja Oskamp, geboren 1970 in Leipzig, aufgewachsen in Berlin, studierte Theaterwissenschaften und Germanistik, war Dramaturgin am Volkstheater in Rostock. Sie lebt heute mit ihrer Tochter in Berlin.

Im Literaturblog ist bereits die Rezension zu “Hellersdorfer Perle” von Christine zu lesen.

Und nun reiche ich noch den Link zum Literatur Talk mit Katja Oskamp nach.

5. März 2010

Josef Haslinger – Phi Phi Island. Ein Bericht

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 17:52
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Phi Phi Island. Ein Bericht
Josef Haslinger
Gebunden 203 Seiten
S. Fischer Verlag
ISBN-13: 978-3100300591

“wir überlebenden von koh phi phi waren eine zufällige auslese. in unserem hotel standen die chancen fünfzig zu fünfzig. doch das große gericht hatte keinen gerechtigkeitssinn. wir waren zu viert gekommen und sind zu viert wieder abgereist.” (aus: Haslinger, Josef: Phi Phi Island, S. 11.)

Über Weihnachten 2004 wollte die Familie Haslinger ausspannen, eigentlich sollte sie die Reise wieder in die Karibik führen. Aber der begeisterte Bericht von Freunden ließ sie ihre Planungen ändern und so reiste Josef Haslinger gemeinsam mit seiner Frau und seinen 18jährigen Zwillingen auf das zu Thailand gehörende Urlaubsparadies Phi Phi Island. Ihre zu einem Urlaubsresort gehörenden Bungalows standen unmittelbar am Strand. Am Morgen des 26. Dezember 2004 beratschlagten die Haslingers gerade den Tagesablauf, als das Schreien von Menschen sie aufschreckte und das Unglück über sie hereinbrach. Plötzlich stieg das Wasser und sie versuchen noch auf das Dach des Verwaltungsgebäudes zu gelangen, aber die Welle trennte die Familie und Haslinger erkannte, dass er dem Tod ins Auge schaute:

“diese erkenntnis kam zwar schockartig, aber ihr folgte keine verzweiflung. es war eher eine art bedauern darüber, dass ich nicht anders sterben darf, sondern hier im dreck verrecken muss.” (aus: Haslinger, Josef: Phi Phi Island, S. 79)

Alle vier Haslingers überlebten mit viel Glück. Hunderttausende starben.

Vielfach wurde Haslinger, nachdem er und seine Familie, abgesehen von den kleineren körperlichen Blessuren, gesund nach Österreich zurückkehrte, darauf angesprochen, er hätte ja nun DEN Stoff für einen neuen Roman. Lange Zeit hatte er jedoch nicht die Absicht, über das Erlebte zu schreiben. Und dann schrieb er (s)einen Bericht, um das Trauma zu verarbeiten, seine persönliche Therapie. So besuchte er gemeinsam mit seiner Frau ein Jahr später den Ort der Katastrophe noch einmal. Er wollte einfach das Geschehene verstehen lernen und wissen wie das Leben in dem einstigen Urlaubsparadies weitergeht und die Menschen vor Ort mit der Situation leben. Im Buch selbst wirkt es stellenweise so, als suche er für diese Veröffentlichung eine Rechtfertigung.

Abwechselnd berichtet Haslinger von den Geschehnissen während und nach dem Tsunami bis zur glücklichen Heimreise, von seinen Eindrücken auf der zweiten Reise nach Phi Phi Island und von seinen Gedanken und Empfindungen während des Schreibens. Einfach, schnörkellos, nüchtern und ohne große Worte beschreibt er wie eine Katastrophe über sich, seine Familie und tausende andere Menschen hereinbrach. Aber genau dieser Stil ist es, der beim Leser eine Gänsehaut auslöst und den Schrecken greifbar macht. Aber der Autor schildert die Dinge nicht nur aus seiner Sicht, er lässt andere Betroffene zu Wort kommen und setzt denen, die nicht das Glück hatten zu überleben, mit seinem Bericht ein Denkmal.

Der gesamte Bericht ist konsequent in Kleinbuchstaben geschrieben. Kein Großbuchstabe ziert den Satzbeginn oder den Eigennamen. Ich war zunächst etwas verwundert, gestört hat es mich nicht. Im Buch folgt auch noch eine Erklärung zu der ungewohnten Schreibweise.

Mein Fazit: Phi Phi Island ist der pathosfreie Bericht eines vom Tsunami betroffenen Autors. Er grenzt sich wohltuend von den sogenannten Schicksalsromanen ab, heischt nicht nach zusätzlichen Effekten und drückt nicht durch schwülstige Worte auf die Tränendrüsen. Emotionen werden beim Leser ausschließlich durch sehr sachliche Berichterstattung und das dadurch einsetzende „Kopfkino“ erzeugt. Josef Haslingers Bericht ist äußerst lesens- und empfehlenswert.

Über den Autor

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt in Wien und Leipzig. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 1995 erschien sein Roman “Opernball”, 2000 “Das Vaterspiel”. Sein letztes Buch, “Zugvögel”, erschien im Frühjahr 2006. Haslinger erhielt zahlreiche Preise, zuletzt den Preis der Stadt Wien und den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels.

Zu seinem Bericht fand ich in der WELT-ONLINE ein Interview. Hier kann es gelesen werden.

3. März 2010

Buch der Woche (9. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:49
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Die Demütigung“ von Philip Roth wird in dieser Woche vom mdr figaro empfohlen. Wieder einmal thematisiert der Autor das Älter werden. Neugierig bin ich auf den neuen Roth schon, aber mein Regal zieren noch zwei ungelesene Bücher von ihm, die stehen schon länger auf meiner Leseliste, deshalb muss „Die Demütigung“ noch etwas warten. Das Buch erscheint am 8. März 2010.

Die Demütigung

Philip Roth

Gebundene Ausgabe: 144 Seiten

Verlag: Hanser (8. März 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3446234934

ISBN-13: 978-3446234932

15,90 EUR

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Für Simon Axler geht es bergab. Mit sechzig hat er, einer der besten Theaterschauspieler, alles Selbstvertrauen verloren. Als er auch noch von seiner Frau verlassen wird, kehrt er der Bühne endgültig den Rücken zu und beginnt eine scheinbar unmögliche Beziehung mit der lesbischen Tochter eines Jugendfreundes. Doch was zunächst wie ein belebender Trost aussieht, erweist sich als Flucht vor der Wirklichkeit. Philip Roth erzählt in seinem Roman mit unverwechselbarer Eindringlichkeit und Ironie vom Schicksal eines alternden Schauspielers. Auf Simons Reise ans Ende der Nacht entblößt der in den USA lebende Autor gnadenlos alle menschlichen Täuschungen – Liebe und Macht, Leidenschaft und Prestige.

2. März 2010

Lesestatistik – Februar 2010

Einsortiert unter: Lesestatistik — Karthause @ 19:31
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Der Februar war durch die Lesebrille betrachtet ein etwas durchwachsener Monat. Herausragend war Eco’s „Die Geschichte der Häßlichkeit“. Enttäuscht wurde ich von „Zwei an einem Tag” von David Nicholls. Von diesem hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Emotional berührte mich „Phi Phi Island“ von Josef Haslinger am meisten.

456 Seiten – Die Geschichte der Häßlichkeit – Umberto Eco
416 Seiten – Wasser für die Elefanten – Sara Gruen
203 Seiten – Phi Phi Island – Josef Haslinger
560 Seiten – Zwei an einem Tag – David Nicholls
432 Seiten – Im Schatten der Königin – Tanja Kinkel
175 Seiten – Kreuzersonate – Lew Tolstoi

2.242 gelesene Seiten im Februar

1. März 2010

Neuzugang

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 19:09
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Timmie

…nein, nicht wie ihr denkt. Dieses Mal vermelde ich kein Buchneukauf. Sondern den Grund dafür, dass ich in der vergangenen Woche kaum zum Lesen kam.

Jetzt lasse ich sozusagen den den Kater aus dem Sack. Im Hause Karthause gab es unverhofften Familienzuwachs. Ich lese jetzt nicht mehr allein, sondern Timmie, ein junges Sibirisches Katerchen, unterstützt mich jetzt dabei. Er ist putzmunter und liegt am liebsten auf Büchern. Da muss ich ihm noch ein bisschen was erklären. Aber wenn er groß ist, wird er bestimmt ein Lesekater. ;-)

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