Karthauses Bücherwelt …

28. April 2010

Buch der Woche (17. KW)

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Der mdr figaro stellt in dieser Woche “Berlin Palace” von Jörg-Uwe Albig vor.

Amazon schreibt dazu:

Klappentext

In einer nahen Zukunft wird die westliche Welt ihre globale Vormachtstellung an China verloren haben. Deutsche Arbeiter verlassen die marode Heimat, um in Asien ihr Glück zu finden. Doch die Germanen sind in China nicht nur geduldet – sie sind Kult. Der Werbefilmer Ai, ein junger Chinese, begeistert sich für germanische Folklore, die sich von der »Schwalbenstadt«, einem futuristischen Vorstadtslum ausbreitet. Ai liebt die Märchen der Gebrüder Grimm, er liebt die deutsche Küche und die deutsche Musik. Doch vor allem liebt er Olympia, eine junge Schauspielerin, die in ihm zwar einen Freund, aber nicht ihren Geliebten sieht. Als Ai den Auftrag für einen Werbefilm erhält, in dem Olympia die Hauptrolle spielen soll, sieht er seine Chance.

Über den Autor

Jörg-Uwe Albig, geboren 1960 in Bremen, studierte Kunst und Musik in Kassel, war Redakteur beim »stern« und lebte zwei Jahre als Korrespondent einer deutschen Kunstzeitschrift in Paris. Seit 1993 arbeitet er als freier Autor in Berlin. Er schreibt u.a. für »GEO« und das »SZ Magazin«. 1999 erschien sein Romandebüt »Velo«, 2006 bei Tropen »Land voller Liebe«.

26. April 2010

Sabrina Capitani – Der verborgene Brunnen

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 15:23
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Der verborgene Brunnen
Sabrina Capitani
Broschiert: 379 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492252027

Ende des 10. Jahrhunderts in der Provence. Kassia, eine Halbsarazenin, ist 16 Jahre alt und schon als Säugling in ein Kloster gekommen. Nun macht sie sich mit dem Pfarrer des Dorfes Roubion auf den Weg, um einen alten Witwer zu heiraten. Als sie ihr Ziel erreichen, ist dieser aber gerade verstorben. Von ihrer Mitgift kauft sie sich ein Stück Land. Aber bald wird die Wasserknappheit zum Problem. Der Quellmeister sucht vergeblich, aber sein Sohn Ramon, von vielen als Dorftrottel verspottet, findet auf dem Land einen verborgenen Brunnen. Als dieser von beiden wieder hergerichtet wird, gibt er sein Geheimnis preis – das Skelett eines Fremden. Von den Leuten im Dorf will keiner etwas wissen. Als Kassia nachfragt, stößt sie auf eine Mauer aus Schweigen und Ablehnung.

Mit diesem Buch bekam ich einen wunderbaren historischen Roman zu lesen. Sehr liebevoll beschrieb Sabrina Capitani die karge und trockene Landschaft in der Provence. Sie zeigte eindrucksvoll auf, welche Bedeutung es hat, über eine Quelle oder einen Brunnen zu verfügen. Aber sie beschreibt auch das Miteinander, das Angewiesensein auf den Nachbarn, den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und die sich für den Ausgeschlossenen ergebenden Probleme. Kassia war eine, die nicht dazu gehörte. Erschwerend kam für sie noch hinzu, dass sie als Halbsarazenin mit Vorurteilen leben musste und so auf Misstrauen und Feindseligkeit stieß. Aber sie meisterte alle Situationen, ohne dabei künstlich zu wirken. Sie war eine sehr sympathische Hauptfigur, mit der man sofort mitfühlen konnte. Mit sehr viel Liebe zum Detail beschrieb die Autorin die Lebensumstände in dem abgelegenen Dorf, das Leben im Einklang mit der Natur und öffnete dem Leser so ein Fenster in eine lang vergangene Zeit. Auch das Zusammentreffen verschiedener Religionen ist ein Thema, das in diesem Roman einen wichtigen Stellenwert hat und dadurch eine Brücke in unsere zeit schlägt.

Sehr gut gefallen hat mir auch der Aufbau des Romans. Zuerst wird die Geschichte von Kassia erzählt, später die der Nonne Douce, die im Kloster eine enge Vertraute unserer Protagonistin war. Da diese beiden Handlungen nicht parallel abliefen, blieb der Spannungsbogen bis zum Ende hin erhalten. In diesem Roman ist aber auch die Geschichte einer Liebe beschrieben, unaufdringlich, mit leisen Worten und wie der gesamte Roman – einfach nur schön.

Mein Fazit: „Der verborgene Brunnen“ ist etwas ganz Besonderes im Genre der historischen Romane, ein Buch das ich von ganzem Herzen empfehlen kann. Im Sommer erscheint ein neuer historischer Roman der Autorin, ich habe ihn mir schon vorgemerkt.

Über den Autor (Quelle Amazon)

Sabrina Capitani, geboren 1953, studierte Germanistik, Publizistik und Kunst in Berlin und arbeitet seit zwanzig Jahren als Autorin für Hörfunk und Fernsehen. Sie schrieb Drehbücher für deutsche Kinderserien, Hörspiele für den SFB, für Radio Bremen und RAI und ist außerdem als freie Malerin tätig.

Homepage der Autorin, die auch unter ihrem Namen Sabine Korsukewitz Romane veröffentlicht hat.

21. April 2010

Buch der Woche (16. KW)

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Hans-Ulrich Treichels “Grunewaldsee” ist als Buch der Woche vom mdr figaro vorgestellt worden. Wieder ein Buch, das mich sehr interessiert, denn von Treichel hat mir „Der Verlorene“ schon sehr gut gefallen.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Paul liebt Berlin, vor allem Westberlin, sofern man Westberlin lieben kann, wenn man in einer dunklen Hinterhofwohnung in Kreuzberg lebt. Und er liebt Maria, die Spanierin mit den graugrünen Augen und der Motorradjacke. Die beiden lernen sich in Málaga kennen, wo er als Sprachlehrer jobbt, während er auf eine Referendariatsstelle wartet. Maria, die angehende Ärztin, wird für ihn zur Liebe seines Lebens, und doch muß er sie bald verlassen: Sie ist verheiratet und erwartet ein Kind. Aber bei seinem Abschied aus Spanien ruft sie ihm nach: »Permanecemos juntos!« – »Wir bleiben zusammen!« Marias Versprechen soll kein leeres bleiben: Sie sehen sich wieder, in Deutschland. Von der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten aus brechen sie auf zu einer Reise, die freilich nur einen halben Tag dauert … Auf einem olivenbestandenen Grundstück hoch über dem Meer in Südspanien und an den mit Hunde-Urin verseuchten Stränden rund um den Grunewaldsee verwickelt Bestsellerautor Hans-Ulrich Treichel seinen Helden in eine Liebesgeschichte, wie sie nur dieser Meister der heiteren Melancholie und des lakonischen Spotts erzählen kann: voller Abstürze und in höchstem Maß vergnüglich.

Über den Autor

Hans-Ulrich Treichel, am 12.8.1952 in Versmold/Westfalen geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Er studierte Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1984 mit einer Arbeit über Wolfgang Koeppen. Er war Lektor für deutsche Sprache an der Universität Salerno und an der Scuola Normale Superiore Pisa. Von 1985-1991 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin und habilitierte sich 1993. Seit 1995 ist Hans-Ulrich Treichel Professor am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig.

17. April 2010

Deana Zinßmeister – Die Gabe der Jungfrau

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Die Gabe der Jungfrau
Deana Zinßmeister
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442470365

Mehlbach in der Kurpfalz um 1525. Die Stimmung war angeheizt, die Welt hatte sich verändert. Es war die Zeit des deutschen Bauernkrieges. Luther hatte vor nicht all zu langer Zeit seine Thesen zur Reformation der Kirche veröffentlicht und Müntzer war in Thüringen und Sachsen der Wortführer der Bauern.

Der freie Bauer Daniel Hofmeister schickte zwei seiner Söhne in den Kampf für die Sache der Bauern. Bevor sie gingen gaben sie jedoch ihrer Schwester Anna Maria das Versprechen, dass einer nicht ohne den anderen heimkehren würde.

Anna Maria besaß die Gabe, sich im Traum von nahestehenden Menschen, deren Tod bevor steht, verabschieden zu können. Eines Nachts sah sie ihre Brüder in verschneiter Landschaft. In großer Sorge und Eile brach sie mit dem Segen des Vaters auf, um Peter und Matthias in den Kriegswirren zu finden und das Schicksal abzuwenden.

Der Leser begleitet die junge Frau auf ihrer abenteuerlichen und nicht ungefährlichen Suche. Dabei verwebt Deana Zinßmeister die verschiedenen Handlungsstränge mit der realen Geschichte so geschickt, dass am Ende die Handlung stimmig ist und der Leser gleichzeitig ein sehr realistisches Bild über das Leben und die Ereignisse dieser bewegten Zeit machen kann. So erfährt man vom Doppelleben des Vaters ebenso wie vom schweren Leben der Bauern und ganz nebenbei, unaufdringlich und mit dem Gespür für das Wesentliche werden die historischen Fakten unterbreitet. Man lernt die Bundschuhbewegung als Wurzel für den Bauernkrieg auf deutschem Boden kennen und die Standpunkte von Luther und Müntzer zu unterscheiden.

Die Beweggründe für das Handeln der Protagonisten werden immer wieder in Rückblenden dargelegt, so wurde den Figuren von Anfang an ein Charakter verliehen und Leben eingehaucht. Sie wuchsen mir ans Herz, ich konnte mit ihnen hoffen und bangen und als ich das Buch schloss, hatte ich das Gefühl gute Bekannte zu verlassen.

In diesem Roman trifft Fiktion auf Realität und es war mir nicht immer möglich reale Personen von denen, die der Feder der Autorin entsprangen, zu unterscheiden.

Das Buch enthält ein umfangreiches Nachwort und ein ausführliches Quellenverzeichnis, das belegt, was beim Lesen schon angenehm auffällt, die Autorin hat eine akribische Recherche betrieben. Ich hätte gern noch ein Personenverzeichnis und eine Karte im Buch gehabt. Solche Beigaben liebe ich. Deren Fehlen laste ich aber keinesfalls der Autorin an.

„Die Gabe der Jungfrau“ ist für mich der beste der bisher von Deana Zinßmeister erschienen Romane. Gut charakterisierte Figuren treffen auf eine interessante und von der Autorin gewohnt gekonnt erzählte Geschichte und sind eingebettet in einen realen historischen Rahmen. Was will man als Leser historischer Romane mehr.

Über den Autor

Deana Zinßmeister hat sich mit dem Schreiben einen Traum erfüllt und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits mit ihrem ersten historischen Roman »Das Hexenmal« gelang ihr auf Anhieb ein Erfolg. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

15. April 2010

Jugendliche zum Lesen verurteilt

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Gelegentlich hatte ich mich mit meinem Laien-Rechtsverständnis schon über Urteile der Gerichte gewundert. Nicht immer konnte ich sie nachvollziehen, manchmal erschienen sie mir zu lasch und oft wünschte ich mit mutigere Richter, die auch einmal einen unorthodoxen Weg beschreiten würden. Aber gerade fand ich in den Aachener Nachrichten online.de folgenden Artikel über ein mehr als ungewöhnliches Urteil:

Zitat:

Fulda. Zum Lesen verurteilt: Statt Arrest oder Arbeitsstunden droht jugendlichen Straftätern im Landkreis Fulda künftig ein Buch.

Bei der Lektüre sollen die Jugendlichen einen anderen Blick auf ihre Taten bekommen, wie Jugendrichter Christoph Mangelsdorf der Nachrichtenagentur dpa erläuterte.

Die Maßnahme richtet sich nach Angaben vom Dienstag an Ersttäter und Jugendliche, die etwa aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer Schwangerschaft keine Arbeitsstunden leisten können. «Bei schwerwiegenden Delikten fällt die Alternative aber weg», sagte Mangelsdorf. Die Jugendlichen sollen eines von 14 ausgewählten Büchern zu Themen wie Sexualdelikten, Drogen, Alkohol und Mobbing mit Mitarbeitern der Jugendhilfe besprechen. Außerdem müssen sie Aufgaben in einer bestimmten Frist lösen.

Quelle: Aachener Nachrichten online.de vom 13.04.2010

14. April 2010

Buch der Woche (15. KW)

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Flamingos“ von Ulrike Almut Sandig ist das aktuelle Buch der Woche vom mdr figaro.

Amazon schreibt darüber:

Kurzbeschreibung

»Flamingos stehen in Gruppen, aber jeder Einzelne ist allein. Sie halten Abstand. Sie sind wachsam. Wir finden sie hässlich. Wir finden sie schön. Sie sehen aus, als würden sie brennen, aber das ist nicht wahr. Sie sehen aus, als wären sie nicht kaputt zu machen, aber auch das ist nicht wahr. Sie erwecken den Anschein, als wären sie gar nicht da. Sie sind aber da. Sie stehen mitten unter uns, und sie sind schwer. Doch auf der Oberfläche der seichten Gewässer laufen sie uns davon. Und dann fliegen sie auf.«

Über den Autor

Ulrike Almut Sandig, 1979 geboren, aufgewachsen bei Riesa, lebt in Leipzig. Sie studierte Religionswissenschaft und Indologie sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Bisher erschienen die Gedichtbände ZUNDER (2005) und STREUMEN (2007), das Hörbuch der tag an dem alma kamillen kaufte (2006, gemeinsam mit Marlen Pelny) und das Hörspiel HUSH LITTLE BABY (2008). Ihre Gedichte wurden vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2009. FLAMINGOS ist ihre erste Prosaveröffentlichung.

10. April 2010

Lesestatistik März 2010

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Der März war ein Lesemonat, der alles zu bieten hatte. Vom Flop bis zum Buchtipp war die gesamte Bandbreite vorhanden. Zutiefst enttäuscht wurde ich von „Die Totengräberin“ von Sabine Thiesler. Die beiden Vorgängerkrimis der Autorin hatte ich mit viel Vergnügen gelesen. Dieses konnte aber leider nicht daran anknüpfen. Dafür habe ich mit „Der verborgene Brunnen“ von Sabrina Capitani ein wahres Juwel unter den historischen Romanen gefunden. Das habe ich in einer sehr netten Leserunde gelesen und ohne meine Mitleserinnen hätte ich nie zu diesem tollen Buch gegriffen.

Die Totengräberin – Sabine Thiesler – 512 Seiten – Flop!

Die Henkerstochter – Oliver Pötzsch – 511 Seiten

Verbrechen – Ferdinand von Schirach – 205 Seiten

Die Maurin – Lea Korte – 663 Seiten

Der verborgene Brunnen – Sabrina Capitani – 379 Seiten - Buch des Monats!

insgesamt im März 2010 gelesene Seiten: 2.270


8. April 2010

Buch der Woche (14. KW)

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Schon wieder ist eine Woche um und der mdr figaro hat das neue Buch der Woche vorgestellt.  “Katerina” von Aharon Appelfeld. Dieses hatte ich in meinem Osterurlaub schon in der Hand. Ich bin ungemein neugierig auf das Buch, denn der Klappentext hört sich vielversprechend an.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

«Ein großartiger Autor.» Brigitte «Warum kommst du nicht zu uns, hier ist es warm», rief mir einer der Trinker zu. Ich wusste, dass dies kein Ruf des Himmels war, sondern ein sehr irdischer, grober und böser. Dennoch freute ich mich, Ruthenisch zu hören, die Sprache meiner Mutter. Ich blieb stehen, trat aber nicht näher. «Komm zu uns, wir trinken ein Glas. Wo arbeitest du, Süße?» «Bei Juden», sagte ich, und sofort bereute ich, mich verplappert zu haben. «Die Art, in der Appelfeld sich seiner Wurzeln besinnt, erinnert an Tolstoi.» New York Times Book Review

Über den Autor

Aharon Appelfeld wurde 1932 in Czernowitz geboren. Nach Verfolgung und Krieg, die er im Ghetto, im Lager, dann in den ukrainischen Wäldern und als Küchenjunge der Roten Armee überlebte, kam er 1946 nach Palästina. In Israel wurde er später Professor für Literatur. Seine hochgelobten Romane und Erinnerungen sind in vielen Sprachen erschienen, auf Deutsch zuletzt «Bis der Tag anbricht», «Elternland» und «Blumen der Finsternis». Aharon Appelfeld, unter anderem Träger des Prix Médicis und des Nelly-Sachs-Preises, lebt in Jerusalem.

6. April 2010

Lea Korte – Die Maurin

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Die Maurin
Lea Korte
Broschiert: 663 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426502303

Andalusien zum Ende des 15. Jahrhunderts. Das Land wird beherrscht von erbitterten Kämpfen zwischen Mauren und Kastiliern, ein Kampf der Religionen und Kulturen, die letzte Zeit der Reconquista. In diese historische Handlung ist das Schicksal der jungen Maurin Zahra as-Sulami, enge Vertraute der Sultanin Aischa, eingebaut. Ihre Familie, alter maurischer Adel, ist ein Spiegel der Gesellschaft. Moslems, Christen und Juden sind durch Familienbande miteinander verbunden. So kommt es durch die unterschiedlichen politisch-religiösen Ansichten zu familiären Spannungen, bei denen ihr Halbbruder Yazid schon radikal fanatisch für den Heiligen Krieg, auch innerhalb der Familie, eintritt. Aber auch Zahra kämpft ihren ganz eigenen Kampf. In alter maurischer Tradition erzogen, begehrt sie gegen Sitten, Bräuche und Zwänge auf und will sich mit der ihr gebührenden Rolle als Frau in der Familie nicht abfinden. Sie ist eine beherzte und mutige junge Frau, aber immer wieder wird auch deutlich, dass sie doch in ihren muslimischen Traditionen verwurzelt ist. Wiederholt überschreitet sie Grenzen und auch der vom Vater verhängte Hausarrest zeigt nicht die erwartete Wirkung. So bleibt dem Familienoberhaupt nur noch, die geplante Hochzeit vorzuziehen. Zahras Herz schlägt aber nicht für den für sie ausgewählten Mann. So muss sie viele persönliche Kämpfe und Abenteuer bestehen und wird immer wieder von den religiösen Auseinandersetzungen ihrer Zeit eingeholt.

Lea Korte lässt den Leser in die letzten Jahre der maurischen Herrschaft in Spanien reisen. Und eine Zeitreise ist es wirklich. Sehr anschaulich und historisch fundiert beschreibt sie das Leben von Kastiliern und Mauren und lässt den Leser an Glücksmomenten wie auch am Augenblicken großer Trauer und Not teilhaben. Der Leser begleitet die junge Maurin Zahra, Tochter eines maurischen Vaters und einer zum Islam konvertierten Christin, über 15 Jahre. Sie setzt sich durch, auch in schwierigen Situationen. In nur wenigen Passagen erschien sie mir etwas zu tough. In „Die Maurin“ agieren neben fiktiven Personen historisch verbürgte. Alle sind liebevoll mit viel Detailgenauigkeit in Szene gesetzt. Aufschluss darüber, welche Personen wirklich existierten, gibt dem Leser das Personenverzeichnis. Dies war für mich ebenso hilfreich, wie die sich im Buch befindenden Stammbäume, die Zeittafel und das Glossar.

Die Reconquista war alles andere als eine friedliche Zeit. Auch in Lea Kortes Roman kommt man um diverse Schilderungen von Kampfhandlungen nicht herum. Aber diese oft auch brutalen Szenen dienen nicht dem Selbstzweck, sie untermauern die historische Lage und lassen den Leser auch ein Gefühl für das Leben in dieser Zeit bekommen. Auf der einen Seite stehen die kriegerischen Auseinandersetzungen, auf der anderen Seite die davon betroffene notleidende Bevölkerung, die eigentlich auch den Frieden herbei sehnt. Diese Friedenssehnsucht ist sowohl bei Christen als auch bei den Mauren deutlich spürbar. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Autorin keine Partei ergreift und sowohl Christen als auch Moslems in ihren Standpunkten wertungsfrei darstellt.

Abschließend kann ich sagen, „Die Maurin“ ist ein sehr gelungener historischer Roman, den ich sehr gern gelesen habe und den ich ebenso gern weiter empfehle. Das Ende lässt sogar auf eine Fortsetzung hoffen, darüber würde ich mich freuen.

Über den Autor

Lea Korte, geboren 1963, wanderte nach Abschluss ihres Studiums nach Spanien aus, wo sie zuerst in Katalonien und später im Baskenland und in Valencia als Übersetzerin und Autorin lebte. Von Anfang an setzte sie sich intensiv mit der Geschichte und Kultur ihrer Wahlheimat auseinander. Zusammen mit ihrem französischen Mann und ihren beiden Kindern lebt sie heute in Südspanien.

Lea Kortes Blog

Lea Kortes Homepage

1. April 2010

Buch der Woche (13. KW)

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Kokoschkins Reise“ von Hans Joachim Schädlich wurde in dieser Woche vom mdr figaro als Buch der Woche empfohlen.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

«Hans Joachim Schädlich ist der grosse Lakoniker unter den deutschen Gegenwartsautoren.» (Die Zeit) Der Exilrusse Fjodor Kokoschkin kehrt auf der Queen Mary 2 von einer Reise an die Orte seiner Kindheit und Jugend nach New York zurück. Seine Erinnerungen rufen die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren Verfolgungen, Schicksalen und Emigrationen wach …

Über den Autor

Geboren am 08.10.1935 in Reichenbach (Vogtland), studierte Hans Joachim Schädlich Gemanistik in Berlin und Leipzig und promovierte mit einer Arbeit über “Die Phonologie des Ostvogtländischen” (1966). Von 1959 bis 1976 war er an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften tätig, anschließend als freier Übersetzer. In der DDR nicht veröffentlicht und als Unterzeichner der Biermann-Resolution attackiert, konnte Schädlich im Dezember 1976 ausreisen. 1988 Literaturpreis für Kurzprosa, Hamburg, Thomas-Dehler-Preis 1989, 1992 Johannes-Bobrowski-Medaille Berlin und Heinrich-Böll-Preis Köln. 1988 Brüder-Grimm-Gastprofessur an der GHS Kassel. Mitglied der Dt. Akademie für Sprache und Dichtkunst. Der Band “Versuchte Nähe” versammelt 25 Geschichten aus dem «mittleren Land», die zwischen 1969 und 1977 entstanden sind. In diesen Prosaskizzen entschlüsselt Schädlich das Alltagsleben in der DDR – die Rituale der Macht wie den Stil der offiziellen Berichterstattung, den Opportunismus der Kleinbürger wie die Frustrationen der Jugendlichen. Schädlich hat die Entfremdung als Folge von Sachzwängen der modernen Industriegesellschaft in der DDR und dann auch in der Bundesrepublik schmerzlich erfahren. In “Der Sprachabschneider”‘ lässt er die Sprache als humansten Lebensausdruck selbst zum Gegenstand einer Geschichte für Kinder und Erwachsenen werden. “Tallhover” reflektiert die Geschichte der politischen Polizei in Deutschland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und endet mit einer bizarren Pointe: Der Protagonist wirft sich schließlich selbst vor, nicht intensiv genug an der Vervollkommnung polizeilicher Überwachungsmaßnahmen gearbeitet zu haben, und verurteilt sich selbst zum Tode.

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