Karthauses Bücherwelt …

29. Juni 2010

Beth Harbison – Kaufrausch

Einsortiert unter: 2010,ChicLit — Karthause @ 12:48
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Kaufrausch
Beth Harbison
Originaltitel: Secrets of a Shoe Addict
Broschiert: 356 Seiten
Verlag: Fischer (Tb)
ISBN-13: 978-3596183364

Tiffany, Abby und Loreen begleiteten ihre Kinder zu einem Wettbewerb nach Las Vegas. Tiffany war bis zu ihrer ausufernden Shoppingtour eine ganz normale amerikanische Hausfrau und Mutter, bis sie für Designermode ein Vermögen ausgibt. Loreen lässt sich etwas naiv auf einen Gigolo ein, nach dem sie ihn bezahlen musste, versuchte sie, den Verlust beim Glücksspiel auszugleichen, es wird aber alles noch viel schlimmer. Abby, die Ehefrau eines Pfarrers, wird in der Wüstenmetropole von ihrer unrühmlichen und von ihr geheim gehaltenen Vergangenheit eingeholt. Damon, ihr früherer Liebhaber, erkennt und erpresst sie. So haben die drei Frauen binnen kürzester Zeit einen Schuldenberg von insgesamt 20.000 Dollar angehäuft. Geld muss herangeschafft werden. Der Verkauf von selbstgebackenem Kuchen oder eine Autowäscheaktion wird kaum in der kurzen Zeit zum Erfolg führen. Dann wird ihnen ein Vorschlag unterbreitet. Können sie durch Telefonsex ihre Schulden tilgen? Die „Happy Housewives“ geben alles.

Chic-Lit ist eigentlich nicht das Genre, in dem ich mich wohl fühle. So stand ich diesem Buch mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber. Aber vielleicht haben gerade meine kaum vorhandenen Erwartungen dazu beigetragen, dass ich mich beim Lesen doch recht gut amüsiert habe. Klar, mit den drei Weibchen, die jedem Klischee entsprechen, habe ich relativ wenig Gemeinsamkeiten. Aber die Sicht auf die Frauen, wenn diese auch ziemlich überspitzt war, bot recht nette, leichte Unterhaltung. Der Roman ist sehr dialoglastig und aufgrund des flüssigen Schreibstils war das Buch schnell gelesen. Für ein wenig Spannung war durch die zwielichtige Vergangenheit Abbys gesorgt. Die großen Überraschungen und Wendungen blieben aus und wie vorhergesehen, gestaltete sich dann auch das Ende.

Mein Fazit: Wer „Sex in the City“ oder „Desperate Housewives“ gern sieht, wird dieses Buch mit Sicherheit mögen. Anderenfalls bietet es leicht verdauliche Unterhaltung sowie den einen oder anderen Lacher und kann über ein verregnetes Wochenende gut hinweg trösten.

Über den Autor

Elizabeth (Beth) Harbison stammt aus der Nähe von Washington, D.C. Sie studierte Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaften in London und Washington. Dann arbeitete sie als Koch in der amerikanischen Hauptstadt und veröffentlichte drei Sachbücher zu diesem Thema. Seit ihrer Kindheit schreibt sie Geschichten und ist als Autorin mehrerer romantischer Komödien erfolgreich.

Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Washington, D.C.

26. Juni 2010

Buch der Woche (25. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:53
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Am Dienstag wurde passend zu Fußball WM vom mdr figaro “Wir haben noch das ganze Leben” von Eshkol Nevo als Buch der Woche vorgestellt.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

WM-Finale 1998. Frankreich – Brasilien. Fiebrige Stimmung vor der Glotze zwischen Churchill, Juval, Amichai und Ofir. Die vier sind um die dreißig, Freunde seit Jugendtagen, sie gucken zusammen Fußball, quatschen, kiffen, sind füreinander da. Da verfällt einer auf eine kuriose Idee – drei Lebenswünsche auf einen Zettel zu schreiben, die Zettel zu verstecken und erst beim nächsten Finale die Wünsche preiszugeben … Wird das Glück auf ihrer Seite sein?

Vier Jahre später ist nichts, wie es war. Die Stimmung im Land ist explosiv, die Wünsche sind verweht, das Leben schmeckt anders. Eshkol Nevos neuer Roman über die Lust am Jungsein, die Innigkeit echter Freundschaft, weiß um die Zerbrechlichkeit des Lebens und ist doch voller Hoffnung und Wärme.

Über den Autor

Eshkol Nevo, 1971 in Jerusalem geboren, aufgewachsen in Detroit und Israel. Psychologiestudium an der Universität Tel Aviv; arbeitete zunächst als Werbetexter und unterrichtet heute creative writing an den Universitäten Tel Aviv und in Jerusalem. Nevo hatte bereits einen vielbeachteten Erzählband vorgelegt, als sein Debütroman ›Vier Häuser und eine Sehnsucht‹ bei Lesern und Kritik in Israel Furore machte. Er stand über eineinhalb Jahre auf der Bestsellerliste, wurde 2005 mit dem Golden Book Prize ausgezeichnet sowie 2008 mit dem Raymond Wallier-Peris des Salon du Livre in Paris. 2009 folgte die Nominierung für den renommierten britischen Independent Foreign Fiction Prize. 2008 wurde Eshkol Nevo zudem von der Israel Cultural Excellence Foundation als Chosen Artist geehrt, einer der höchsten israelischen kulturellen Auszeichnungen. Übersetzungen seiner Werke erscheinen auf Arabisch, Deutsch, Englisch, Franzsösisch und Italienisch.

21. Juni 2010

Jodi Picoult – Das Herz ihrer Tochter

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 18:27
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Das Herz ihrer Tochter
Jodi Picoult
Originaltitel: Change of Heart
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Piper Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3492053006

New Hampshire 1996. Die schwangere June Nealson wurde vom Schicksal schwer getroffen. Ihr erster Ehemann kam vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Ihr zweiter Mann, der Polizist Kurt, und ihre Tochter Elizabeth wurden von Shay Bourne ermordet, der im Haus der Familie kleinere und größere liegen gebliebene Reparaturen durchgeführt hat. Von einem Geschworenengericht wurde er zum Tod durch die Giftspritze verurteilt.

11 Jahre später. Junes Tochter Claire, die kurz nach dem schrecklichen Ereignis geboren wurde, ist schwer herzkrank, sie wartet auf ein Spenderorgan und die Zeit wird knapp. Unterdessen wartet der Todeskandidat Shay auf die Vollstreckung des Urteils. Er erfährt von der Krankheit des Mädchens und fühlt sich berufen, ihr sein Herz zu spenden, das rein zufällig nach Größe und medizinischen Parametern bestens geeignet ist. Nur die Giftspritze macht sein Herz für eine Transplantation unbrauchbar. In einem erneuten Prozess soll entschieden werden, ob die Art der Vollstreckung noch geändert werden kann.

Wie auch schon in ihren anderen Romanen erzählt Jodi Picoult diese Geschichte abwechselnd in relativ kurzen Kapiteln aus der Perspektive von vier unmittelbar beteiligten Personen, wodurch der Roman gut strukturiert wirkt. Da ist June, die gleichzeitig die Stimme ihrer todkranken Tochter ist und zweifelt, ob das Herz eines Mörders wirklich ihre Tochter retten soll. Maggie, die Gegnerin der Todesstrafe, berichtet von ihrer Arbeit als Shay’s Anwältin. Michael war bereits Geschworener bei Shay’s 1. Prozess und jetzt kümmert er sich als Pfarrer um dessen Seelenheil. Und Lucius, Shay’s aidskranker Zellennachbar, lässt den Leser am Gefängnisalltag teilhaben. Shay selbst kommt nicht zu Wort.

Auch in diesem Roman greift die Autorin wieder interessante und brisante Themen auf, für meinen Geschmack sind es allerdings zu viele. Während die Todesstrafe und die Organspende noch halbwegs glaubwürdig, wenn auch sehr zufallsbehaftet, behandelt wurden, war für mich die Messiasgeschichte um Shay an den Haaren herbei gezogen und nur schwer zu ertragen. Die von ihm ausgehenden Wunder waren unglaubwürdig, abstrus und nicht nachvollziehbar. Auch ihr angenehmer Schreibstil half nicht über jede Länge hinweg, so dass ich doch manche Seite nur noch oberflächlich las. Wie auch in ihren anderen Romanen kommt es auch in diesem zur (inzwischen erwarteten) unerwarteten Wendung. Von Jodi Picoult habe ich schon einige Romane gelesen, die jedoch alle dem gleichen Muster entsprachen, mit der Zeit verliert das jeden Reiz, dieser Roman war mit Abstand ihr schwächster.

Mein Fazit: „Das Herz ihrer Tochter“ ist ein thematisch überladener Roman, der von Zufällen und Wundern lebt. Eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.

Über den Autor

Jodi Picoult, geb. 1967 auf Long Island, veröffentlichte 1992 ihren ersten Roman, der sofort zu einem großen Erfolg wurde. 2003 wurde sie mit dem New England Book Award ausgezeichnet. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Mit dem Roman ‘Beim Leben meiner Schwester’, der wochenlang auf den Bestsellerlisten stand, gelang ihr der Durchbruch in den USA. Sie gehört inzwischen zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit und wurde 2007 in England zur Autorin des Jahres gewählt.

19. Juni 2010

Peter Prange – Der letzte Harem

Einsortiert unter: History — Karthause @ 15:03
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Der letzte Harem
Peter Prange
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Weltbild
ISBN-13: 978-3828992573

Die Handlung des Romans umfasst den Zeitraum 1895 bis 1923. Elisa, armenische Christin, und Fatima, muslimische Kurdin, waren gegen den Willen der Eltern beste Freundinnen. Nach einem Massaker in ihrem Heimatdorf wurden sie an den Harem von Abdülhamid II., des letzten Sultans des Omanischen Reiches, verkauft. Fatima avancierte zur Favoritin des Herrschers und Elisa, die ihm ihre Liebesdienste verweigerte, wurde seine Vorleserin. Als Fatima schwanger wurde, fiel sie den Intrigen und Machtkämpfen im Harem zum Opfer, die sie fast nicht überlebte. Nur der von Elisa in den Harem geschmuggelte deutsche Arzt konnte das Schlimmste abwenden. Fatima brachte einen gesunden Knaben zur Welt. Währenddessen gab es außerhalb der Palastmauern Unruhen. Die Jungtürken formierten sich und Zeit des Sultans aller Sultane lief erbarmungslos ab. Für die beiden Frauen begann eine schwierige Zeit.

Peter Prange wurde mir von vielen Lesern als Autor besonders guter historischer Romane ans Herz gelegt. Mit seinem Roman „Der letzte Harem“ hat er den Leser in eine sehr interessante und für mich weitgehend unbekannte Zeit versetzt. Das Osmanische Reich ist im Untergang begriffen und die Türkei steht vor ihrer Gründung. Mit großer Detailtreue und Kenntnis der historischen Begebenheiten schildert er den historisch wahren Hintergrund für seine größtenteils in Konstantinopel angesiedelte Handlung. Dabei beschreibt er die Stadt als eine lebendige, multikulturelle Metropole, in der Angehörige aller großen Religionen zu finden sind. Er schreibt sehr informativ vom Aufbegehren der türkischen Nationalbewegung, was schließlich zum Zerfall des Reiches führte, geht detailliert auf die Massaker an den Armeniern ein und berichtet von den Anfangsjahren der heutigen Türkei. Diesen historischen Rahmen als Hintergrund für einen fundierten Roman zu wählen, fand ich nahezu genial. Allerdings enttäuschte mich die eigentliche Romanhandlung. Zwei Frauen, die eine mehr, die andere weniger in ihr Kismet ergeben, durchleben die Wirren dieser Zeit und die Auflösung des letzten Harems des real existierenden Abdülhamid II., dessen innere Zerrissenheit vom Autor auch gut in Szene gesetzt wurde.

Obwohl der Autor versuchte, die Schwierigkeiten des Lebens für die beiden Hauptfiguren herauszuarbeiten, löste er diese oft durch Zufälle. So hatte der in den Harem geschleuste deutsche Arzt (auch das verlief unerwartet einfach) zur Behandlung von Vergiftungen lediglich ein Gegenmittel gegen Schlangengift dabei, seine Behandlung war trotzdem erfolgreich. Die Charaktere der beiden Protagonistinnen blieben mir über weite Strecken des Buches fremd, sie wirkten mitunter klischeehaft und ihr Handeln inszeniert. Sie traten kaum aus den gut-böse-Schablonen heraus. Alles erschien sehr oberflächlich, teils vorhersehbar und sehr bemüht, um dem historischen Ablauf der Dinge ein passendes Gesicht zu geben. Allesamt waren die Protagonisten schön anzusehen und besonders die Herren waren prächtig gebaut, worauf der Autor immer wieder hinwies, so oft, dass es schon fast lächerlich wurde. Die in der Handlung enthaltenen Liebesgeschichten berührten mich kaum. Die Massaker beschrieb er, wie sie waren, blutig, grausam, unmenschlich. Zu zart besaitet sollte man beim Lesen dieser Passagen nicht sein.

Bemerkenswert fand ich wiederum das Ende das Buches, bei dem nicht das von mir Erwartete eintrat.

Mein Fazit: „Der letzte Harem“ ist ein leicht zu lesender Roman, der den historischen Hintergrund hervorragend schildert und daneben eine Handlung mit dem Charme einer Soap Opera vor exotischer Kulisse aufweist.

Über den Autor

Peter Prange, geboren 1955, promovierte mit einer Arbeit zur Philosophie und Sittengeschichte der Aufklärung. Nach seinem Durchbruch als Romanautor mit “Das Bernstein-Amulett” folgte die grandiose Weltenbauer-Trilogie: “Die Principessa”, “Die Philosophin” und “Die Rebellin”. Zuletzt erschien 2007 bei Droemer sein Bestseller “Der letzte Harem”. Peter Prange lebt als freier Schriftsteller in Tübingen.

Homepage des Autors

16. Juni 2010

Buch der Woche (24. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:17
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Der mdr figaro stellte gestern “Stadt der Engel” von Christa Wolf als den wöchentlichen Buchtipp vor.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Los Angeles, die Stadt der Engel: Dort verbringt die Erzählerin Anfang der Neunziger einige Monate auf Einladung des Getty Center. Ihr Forschungsobjekt sind die Briefe einer gewissen L. aus dem Nachlaß einer verstorbenen Freundin, deren Schicksal sie nachspürt – eine Frau, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigrierte. Sie beobachtet die amerikanische Lebensweise, taucht ein in die Vergangenheit des „New Weimar unter Palmen“, wie Los Angeles als deutschsprachige Emigrantenkolonie während des Zweiten Weltkriegs genannt wurde. Ein ums andere Mal wird sie über die Lage im wiedervereinigten Deutschland verhört: Wird der „Virus der Menschenverachtung“ in den neuen, ungewissen deutschen Zuständen wiederbelebt? In der täglichen Lektüre, in Gesprächen, in Träumen stellt sich die Erzählerin einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das sie in eine existentielle Krise bringt und zu einem Ringen um die Wahrhaftigkeit der eigenen Erinnerung führt. Das neue Buch von Christa Wolf ist auch autobiographische Prosa: Sie erzählt von einem Menschenleben, das drei deutschen Staats- und Gesellschaftsformen standhält, von einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, von der Kunst, sich zu erinnern. „Du bist dabei gewesen. Du hast es überlebt. Du kannst davon berichten.“ Der neue große Roman von Christa Wolf: Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud spiegelt das Leben der Autorin, wie in Kindheitsmuster immer wieder verbunden mit entscheidenden Momenten deutscher Geschichte.

Über den Autor

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebt in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis und dem Deutschen Bücherpreis für ihr Gesamtwerk, ausgezeichnet.

13. Juni 2010

Johanna Adorján – Eine exklusive Liebe

Eine exklusive Liebe
Johanna Adorján
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN-13: 978-3630872919

Vera und István haben als ungarische Juden den Holocaust überlebt. Infolge des ungarischen Aufstandes im Jahre 1956 flohen sie nach Dänemark. Dort zogen sie gemeinsam ihre Kinder groß und als István dann 1991 schwer erkrankte planten sie den gemeinsamen Tod. Als am 13. Oktober 1991 der Tag dann gekommen war, brachte Vera den Hund zu Freunden, denen sie von einer Reise erzählte, räumte die Wohnung auf und kümmerte sich ein letztes Mal um die Rosen. Tage später fand man die beiden, die miteinander alt wurden und sich so liebten, dass der Tod sie nicht scheiden konnte, Hand in Hand in ihrem Bett.

„Davon sprechen wir nicht.“ Damit verdrängten Vera und István ihre Erlebnisse aus den Zeiten des Holocaust und der Zeit als Kommunisten im Ungarn der Nachkriegszeit. „Davon sprechen wir nicht.“, beschloss auch die Familie der beiden nach ihrem Tod. Aber 16 Jahre danach brach Johanna Adorján ihr Schweigen und setzte sich mit dem gemeinsamen Sterben ihrer Großeltern auseinander. Minutiös rekonstruierte die Autorin den letzten Tag ihrer Großeltern und versuchte weiße Flecken in deren Leben durch die Befragung von noch lebenden Bekannten und Freunden Veras und Istváns mit Wissen zu färben. So entstand die Geschichte der Liebe eines außergewöhnlichen Paares, dass sich aus großem Respekt voreinander ein Leben lang siezte. Eine Liebe, die so außergewöhnlich, so exklusiv war, dass sich darin nur Platz für die Eheleute fand.

Am Anfang hatte ich ein paar Bedenken, da die Schilderungen der Zeitzeugen doch zum Teil sehr oberflächlich waren, dass nicht wirklich klar wird, warum beide den gemeinsamen Tod wählten. Schließlich war Vera an die 10 Jahre jünger als ihr Mann, immer noch eine schöne Frau und für ihr Alter recht gesund. Die Vielzahl der Befragungen schuf jedoch ein wirklich rundes und nachvollziehbares Bild des Ehepaares. Vieles, was erst schwer verständlich erschien, wurde nach und nach greifbar. Manches blieb für immer verloren.

In verschiedenen, abwechselnden Erzählperspektiven berichtet die Autorin ohne zu moralisieren oder zu werten, sie hinterfragt und analysiert die ihr vorliegenden Fakten und rekonstruiert so den letzten Tag im Leben ihrer Großeltern. Sie klärt damit aber auch ihre eigenen Identitätsfragen und sucht nach ihren Wurzel.

Die Sprache von Johanna Adorján ist von angenehmer Leichtigkeit, nüchtern und trotz der Thematik oft mit leisem Humor gespickt.

Beim Lesen bekam ich häufig eine Gänsehaut, so berührte mich das Buch. Ich war beeindruckt von der Tiefe der Gefühle und der Eindringlichkeit der Sprache. Trotz einiger offen gebliebener Fragen, weil ja über vieles nicht gesprochen wurde, ist mir dieses ruhige Buch ans Herz gewachsen.

Mein Fazit: „Eine exklusive Liebe“ ist das außergewöhnliche Liebesgeschichte eines faszinierenden Paares, das einander so nah war, dass sie im Tod nicht getrennt sein wollten.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Johanna Adorján, 1971 in Stockholm geboren, studierte in München Theater- und Opernregie. Seit 1995 arbeitet sie als Journalistin, seit 2001 in der Feuilleton-Redaktion der »FAS«. »Eine exklusive Liebe« ist ihr erstes Buch.

10. Juni 2010

David Grossmann erhält Friedenspreis

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 10:29
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Soeben habe ich erfahren, dass der israelische Autor David Grossmann mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wird. Er engagiert sich aktiv für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Da passt es für mich um so besser, dass ich Ende des Monat an einer Leserunde zu seinem Buch „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ im BücherTreff teilnehmen werde.

David Grossmann (Foto: Wikipedia)

9. Juni 2010

Buch der Woche (23. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:13
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Richard Yates “Ruhestörung” wurde in dieser Woche vom mdr figaro als Buch der Woche vorgestellt. Seit gefühlten Ewigkeiten habe ich vor, diesem Autor meine Lesezeit zu widmen.

Amazon schreibt darüber:

Kurzbeschreibung

John Wilder ist erfolgreich und mit einer liebevollen Familie gesegnet. Aber etwas scheint nicht zu stimmen in seinem Leben, und mit der Unzufriedenheit steigt auch sein Alkoholkonsum, bis er eines Abends vor dem Abgrund steht – und seiner Frau telefonisch mitteilt, es sei sicherer für sie, er käme nicht nach Hause… Ein eindringlicher und unvergesslicher Blick in die dunklen Winkel der Psyche, von einem der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

John Wilder führt das perfekte Leben: Im trauten Eigenheim wartet eine ihn liebende Frau täglich auf seine Rückkehr aus dem Büro, wo er sich eine vielversprechende Karriere als Anzeigenvertreter aufgebaut hat. Seine Abende verbringt er auf Cocktailpartys und die Wochenenden mit der Familie auf dem Lande. Alles scheint gut. Doch wenn John ehrlich zu sich ist, dann weiß er, dass tief in ihm schon seit Langem etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist – etwas droht, die Ruhe zu stören.

Über den Autor

Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Kalifornien. Er war einige Jahre als Werbetexter beschäftigt und in den späten Sechzigern kurzzeitig als Redenschreiber für Senator Robert Kennedy tätig. Hauptsächlich jedoch arbeitete Richard Yates als Schriftsteller: Er war der Autor von sieben Romanen und zwei Erzählungsbänden, die zu seinen Lebzeiten kaum Beachtung fanden – heute jedoch zu den wichtigsten Werken der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören. Die DVA veröffentlicht Yates’ Gesamtwerk auf Deutsch.

3. Juni 2010

Buch der Woche (22. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen,Uncategorized — Karthause @ 17:49
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Am Dienstag wurde vom mdr figaro ein Buch als Wochentipp vorgestellt, dass sich bereits seit dem Wochenende bei mir wohl fühlt. Das Buch der Woche ist: „Letzte Nacht in Twisted River“ von John Irving. Ich bin sehr gespannt auf das Buch. Die älteren Werke Irvings haben mich bisher überzeugt. Nun bin ich schon neugierig auf die Geschichten, die in diesem Buch auf mich warten. Gibt es wieder eine Reihe skurrilen Figuren, kommt wieder ein Bär, Irvings Lieblingstier, darin vor?

Amazon schreibt dazu:

Letzte Nacht in Twisted River
John Irving

Kurzbeschreibung

Von der Sehnsucht und der Flüchtigkeit des Glücks. Die Odyssee eines Kochs und seines Sohns durch New Hampshire und halb Amerika, ausgelöst durch eine tragische Verwechslung. Die Geschichte einer großen Liebe und vieler kleiner.

Über den Autor

John Irving wurde 1942 in Exeter in New Hampshire geboren. Als Berufsziele gab er schon sehr früh an: Ringen und Romane schreiben. Irving lebt und schreibt heute abwechselnd in New England und Kanada.

2. Juni 2010

Lesestatistik Mai 2010

Einsortiert unter: Allgemeines,Lesestatistik — Karthause @ 15:53
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Der Mai 20101 war ein thematisch sehr abwechslungsreicher Monat. Aber auch bei der Auswahl meiner Bücher hatte ich ein glückliches Händchen. Erstmals habe ich einen Roman von Titus Müller gelesen. Titel und Klappentext von „Die Jesuitin von Lissabon“ ließen einen typischen „Die …in“-Roman mit einer vordergründigen Liebesgeschichte erwarten. Dem war nicht so, stattdessen las ich einen gut recherchierten, eng an die Historie angebunden Roman, der sowohl hervorragend auf die politische Situationen als auch auf das Leben der Menschen um 1755 in Lissabon einging und auch unaufdringlich die Geschichte einer Liebe erzählte. Es war ein Buch, das sehr angenehm zu lesen war und gleichzeitig Wissen vermittelte. Auf weitere Bücher des Autors bin ich sehr neugierig.

192 Seiten – Eine exklusive Liebe – Johanna Adorján
523 Seiten – Das Krähenweib – Corina Bomann
127 Seiten – Minitrampolin: Schlank und fit im Flug – Marion Grillparzer
450 Seiten – Die Jesuitin von Lissabon – Titus Müller
596 Seiten – Hotel New Hampshire – John Irving
400 Seiten - 1984 – George Orwell

2.288 Seiten im Mai 2010 gelesen

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