Karthauses Bücherwelt …

29. August 2010

Buch der Woche (34. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 16:20
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“Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung” von Günter Grass wurde als Buch der Woche beim mdr figaro vorgestellt. Eigentlich habe ich ja zu Grass ein recht eigentümliches (Lese-)Verhältnis. Auf eine Art fühle ich mich durch seine Bücher angezogen und beim Lesen bin ich dann oft am Hadern, aber nur um danach zu sagen, das es schon ein Erlebnis war, ein Buch von Grass gelesen zu haben. So bin ich wieder einmal unentschlossen, soll ich oder soll ich nicht.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Die Brüder Grimm erhalten im Jahr 1838 einen ehrenvollen Auftrag: Ein Wörterbuch der deutschen Sprache sollen sie erstellen. Voller Eifer machen sie sich ans Werk. Aberwitz, Angesicht, Atemkraft fleißig sammeln sie Wörter und Zitate, in wenigen Jahren sollte es zu schaffen sein. Barfuß, Bettelbrief, Biermörder sie erforschen Herkommen und Verwendung, sie verzetteln sich gründlich. Capriolen, Comödie, Creatur am Ende ihres Lebens haben Jacob und Wilhelm Grimm nur wenige Buchstaben bewältigt.
Günter Grass erzählt das Leben der Brüder Grimm auf einzigartige Weise als Liebeserklärung an die deutsche Sprache und die Wörter, aus denen sie gefügt ist. Er schreibt über die Lebensstationen der Märchen-Brüder, über ihre uferlose Aufgabe und die Zeitgenossen an ihrer Seite: Familie und Verleger, Freunde, Verehrer und Verächter.
Spielerisch-virtuos spürt Grimms Wörter dem Reichtum der deutschen Sprache nach und durchstreift die deutsche Geschichte seit der Fürstenherrschaft und den ersten Gehversuchen der Demokratie. Von der Vergangenheit mit ihren politischen Kämpfen und ganz alltäglichen Sorgen schlägt Günter Grass manche Brücke in seine eigene Zeit.

Über den Autor

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman ‘Die Blechtrommel’. 1965 erhielt der Autor den Georg-Büchner-Preis, 1994 den Karel-Capek-Preis. 1999 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen und 2009 wurde er zum Ehrenpräsidenten des P.E.N. ernannt. Grass lebt in der Nähe von Lübeck.

28. August 2010

Da bin ich wieder!

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 18:56
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In den vergangenen 14 Tagen habe ich mich ja ein wenig rar gemacht. Aber ich hatte einen guten Grund dafür: Urlaub.




20. August 2010

Kristof Magnusson – Das war ich nicht

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 10:58
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Das war ich nichtKristof MagnussonGebundene Ausgabe: 288 SeitenVerlag: KunstmannISBN-13: 978-3888975820

Meike ist Übersetzerin. Sie verlässt ihren Partner, ihr Leben ist ihr zu weichgespült, sie nimmt den Notausgang. In Nordfriesland kauft sie sich ein ziemlich heruntergekommenes Häuschen direkt hinter dem Deich. Dort will sie auf den neuen Roman von Henry LaMarck warten, den sie übersetzen soll. Als ihre Finanzen zur Neige gehen, reist sie kurz entschlossen von ihrem letzten Geld nach Chicago, um das Manuskript persönlich abzuholen

Anlässlich des 60. Geburtstags von Henry LaMarck hat sein Verlag in Chicago eine Überraschungsparty ausgerichtet. Von allen Seiten wird er auf den erwarteten Roman angesprochen, der den 11. September zum Thema haben soll. Schon wird er mit dem Pulitzerpreis in Verbindung gebracht, den er bereits einmal erhielt. Aber er hat noch nicht einmal damit begonnen, er wird wohl auch nie damit beginnen. Deshalb verlässt er die Party durch die Hintertür und taucht ab.

Jasper Lüdemann, ein junger Banker, der es von Bochum bis nach Chicago geschafft hat, wurde nach Jahren im Back-Office-Bereich einer großen Investmentbank in den Tradersaal befördert. Nun will er zeigen, was er kann. Hilfsbereit übernimmt er einen kleinen Verlust, den ein Kollege bei einem Geschäft erwirtschaftet hat und will ihn ausgleichen. Damit bringt er einen Stein ins Rollen, der als Lawine endet.

In Chicago trifft Meike Jasper, Jasper trifft Henry und auch Meike und Henry treffen sich und im Folgenden werden die Abhängigkeiten geschildert, die die Drei miteinander verbinden.

Auf diesen Roman wurde ich durch einen Wirtschaftstalk im TV aufmerksam, ein recht ungewöhnlicher Ort für Literaturtipps. Aber ich wurde nicht enttäuscht. Noch nie habe ich einen Roman gelesen, der die Börse mit ihren Finanztransaktionen und -manipulationen so allgemeinverständlich erklärt und dabei noch sehr unterhaltsam ist. Die Story ist intelligent konstruiert und spannend geschrieben. Die drei die Handlung bestimmenden Charaktere, die sich in gewissen gegenseitigen Abhängigkeiten befinden, sind recht einfach gehalten. Aber genau das macht den Reiz dieses Romans aus. Sie sind in ihrem Tun berechenbar und so hat der Leser keine Probleme , sich in die Protagonisten hinein zu versetzen. In nicht zu langen Kapiteln erzählen die drei Hauptdarsteller, andere Personen sind wirklich nur Randfiguren, abwechselnd in der Ich-Form ihre Sicht der Ereignisse und lassen den Leser so an ihrem Denken und Handeln teilhaben. Dadurch kommt es mitunter zu Überschneidungen, um die persönliche Sichtweise zu unterstreichen. So beschreibt der Autor auf sehr anschauliche Weise den Mikrokosmos seiner Helden. Dabei sind manche Szenen schon fast Slapsticks, andere lassen den Laien staunen, was an der Börse alles möglich ist. Humor und Ernst haben sich in diesem Roman im rechten Maß gefunden und geben eine wunderbare Paarung ab. Die finanzwirtschaftlichen Schilderungen zeugen davon, dass der Autor intensiv recherchiert hat. Inhaltlich korrekt und trotzdem amüsant zu lesen, haben besonders diese Szenen mich vom Können des Autors überzeugt.

Mein Fazit: „Das war ich nicht“ ist eine gelungene Mischung aus Wirtschaftskrimi und Komödie. An keiner Stelle trocken oder langweilig, sondern stets spritzig witzig und gut zu lesen. Voller Sachverstand, erklärt Kristof Magnusson in seinem Roman ganz nebenbei die Hintergründe der Wirtschafts- und Finanzkrise. Dieses Buch empfehle ich gern weiter.

Über den Autor

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Lebt als Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Seine Komödie »Männerhort« lief an über 30 Theatern im In- und Ausland, unter anderem in Berlin mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka. Sein Debütroman »Zuhause« (Kunstmann 2005) wurde 2006 mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.

„Das war ich nicht“ wurde auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis nominiert.

19. August 2010

Buch der Woche (33. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:57
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Trotz meines Urlaubs möchte ich schnell über den neuesten Buchtipp des mdr figaro informieren. “Generation A” von Douglas Coupland wurde am Dienstag als Buch der Woche vorgestellt.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Das neue prophetische Werk des literarischen Weltstars Douglas Coupland

»Generation A« spielt in einer Welt ohne Bienen und ohne Liebe, in der die Pharmaindustrie und der Irrsinn herrschen. Douglas Coupland erzählt eine wundersame Geschichte über die große Einsamkeit im digitalen Zeitalter – und zugleich über die Möglichkeit einer neuen Gemeinschaft.

Klappentext

Die Bienen sind ausgestorben. Bis eines Tages an unterschiedlichen Orten der Welt fünf Menschen gestochen werden. Monatelang werden sie in Quarantäne gehalten und von Männern in schlecht sitzenden Anzügen verhört. Nach der Freilassung in eine internetgetriebene Welt erleben sie ihre fünfzehn Minuten Ruhm. Als ein dubioser Wissenschaftler sie überredet, ihm zu Testzwecken auf eine abgelegene Insel zu folgen, kommen sie einander überraschend näher. Mit souveränem Humor führt Douglas Coupland durch die Untiefen und Abgründe dieser bizarren Welt. Die der unseren verdammt ähnlich sieht …

Über den Autor

Douglas Coupland geboren 1961 auf einem NATO-Stützpunkt in Deutschland, wuchs in Vancouver auf, wo er auch heute als Autor und Künstler lebt. In den späten Achtzigern begann er für lokale Magazine zu schreiben, daraus resultierte 1991 sein Erstlingswerk »Generation X«, das ihn schlagartig berühmt machte und zum Sprachrohr einer Generation werden ließ.

Gebundene Ausgabe: 330 Seiten * Verlag: Tropen Bei Klett-Cotta; Auflage: 2., Aufl. (August 2010) * ISBN-13: 978-3608501100

12. August 2010

Buch der Woche (32. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:36
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Am Dienstag wurde Bernhard Schlinks “Sommerlügen” vom mdr figaro als Buch der Woche vorgestellt. Nachdem mir “Der Vorleser” von diesem Autor sehr gut gefiel, wollte ich mich seinen Romanen immer schon einmal intensiver zuwenden. So werde ich das vom Sender vorgestellte Buch, das eine Geschichtensammlung ist,  sicher irgendwann auch lesen.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Lebensentwürfe, Liebeshoffnungen, Alterseinsichten was ist Illusion, und was stimmt? Was bleibt, wenn eine Illusion zerplatzt? Die Flucht in eine andere? Weil das Leben ohne Lebenslügen nicht zu bewältigen ist? Sieben irritierend-bewegende Geschichten von Bernhard Schlink.

Über den Autor

Bernhard Schlink, geboren 1944 in Bielefeld, aufgewachsen in Heidelberg. Jurastudium dort und in Berlin, danach wissenschaftlicher Assistent. Erste Professur für VerfR und VerwR in Bonn, dann in Frankfurt. 1988 Richter des VerfGH für das Land NRW. Nach der Wende 1989 in Berlin tätig. Heute Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und Richter am LVerfGH in Münster. Zunächst Fachbuch-, dann Romanveröffentlichungen. Auszeichnungen: 1989 Glauser Autorenpreis für deutschsprachige Kriminalliteratur (“Die gordische Schleife”), 1992 Deutscher Krimi-Preis (“Selbs Betrug”), 1997 Hans-Fallada-Preis der Stadt Münster, Italiens ‘Grinzane Cavour’ und Prix Laure Bataillon (“Der Vorleser”). 1999 erstmals den “Welt”-Literaturpreis, im Februar 2000 die Ehrengabe der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Gesellschaft.

10. August 2010

Jo Nebø – Headhunter

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:39
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Headhunter
Jo Nesbø
Originaltitel: Hodejegerne
Broschiert: 301 Seiten
Verlag: Ullstein Tb
ISBN-13: 978-3548280455

Als Headhunter ist Roger Brown eine Berühmtheit. Seine Kunden vertrauen ihm blind. Seiner Frau finanziert er eine Galerie und sein extravaganter Lebensstil übersteigt seine Einkünfte bei weitem. Lebensart ist für ihn wichtig, er braucht sie, um seine recht geringe Körpergröße zu kompensieren. Geschickt nutzt er die Gespräche mit den Bewerbern, um in Erfahrung zu bringen, ob diese Kunstgegenstände besitzen. Dieses Wissen nutzt er dann für sein „Hobby“ – Kunstraub. Nur durch diesen Nebenverdienst schafft er es, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Als er einem Rubensgemälde auf der Spur ist, laufen die Dinge allerdings nicht so wie geplant.

Jo Nesbø ist für mich ein Synonym für spannende Unterhaltung mit dem Kommissar Harry Hole. In diesem Thriller steht der Täter im Mittelpunkt des Geschehens. Der Leser begleitet den Ich-Erzähler Roger Brown und hat somit einen ganz anderen als den von Nesbø sonst verwendeten Zugang zu dem Geschehen. Da dieser Thriller sich so von den bisherigen des Autors unterscheidet, verbietet sich ein Vergleich mit den Harry-Hole-Fällen von allein. Aber nichts desto trotz ist auch Headhunter ein spannender und rasanter Thriller, den man gern und schnell liest. Unverhoffte Wendungen, ausdrucksvolle Charaktere und versteckte Hinweise auf das wirkliche Geschehen machen den Unterhaltungswert dieses Thrillers aus. Allerdings wirkt die Handlung stellenweise ein wenig unglaubwürdig. Die Headhunter-Szene bildet einen interessanten Hintergrund für diesen Kriminalfall. Die Auflösung des Falles lies mich zwar schmunzeln, irgendwie hatte Nesbø es doch geschafft mich auf die Seite von Brown zu ziehen, trotzdem fand ich sie fast etwas einfallslos.

Mein Fazit: „Headhunter“ ist ein gut zu lesender, aber kein überragender Thriller, der den Leser schnell in den Bann zieht. Mir hat er, bis auf das Ende, recht gut gefallen. Wer spannende Unterhaltung sucht, ist bei diesem Nesbø sicher nicht gänzlich falsch.

Über den Autor

Jo Nesbø, geb. 1960, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er ist der erfolgreichste Autor Norwegens, in 17 Ländern mit seinen Büchern vertreten, darunter die USA und England.

7. August 2010

David Grossman – Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 15:14
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Eigentlich war Ofers Militärdienst gerade zu Ende und er wollte gemeinsam mit Ora, seiner Mutter, eine Wanderung durch Galiläa machen. Eigentlich. Doch dann meldet er sich freiwillig für weitere 28 Tage zu einem Kriegseinsatz ins Westjordangebiet. Ora weiß was der Krieg und seine Folgen aus den Menschen machen kann. Sie ist entsetzt und denkt an das Schlimmste, das eintreten könnte. Aber ihre Gedanken gehen weiter. Was ist, wenn sie nicht daheim ist, wenn die Nachricht kommt? So überredet sie Avram, ihren alten Freund, Geliebten und Vater von Ofer, dazu, mit ihr gemeinsam zu wandern. Sie will über Ofer sprechen und Avram den Sohn näher bringen, den er so gar nicht kennt. Sie denkt, so lange sie über ihn spricht, muss er am Leben sein, eine gegenteilige Nachricht kann sie ja nicht erreichen. Avram ist ein gebrochener Mann, die Kriegsgefangenschaft hat ihn psychisch und physisch schwer zugesetzt. Aber diese Wanderung, die auch etwas von einer Pilgerreise hat, bringt die beiden einander wieder näher. Anfangs hört Avram nur zwangsläufig die Erzählungen Oras über ihr Leben mit Ofer, seinen Bruder Adam und ihrem Mann, Ilan, von dem sie inzwischen getrennt ist und der wiederum auch mit Avram befreundet war. Aber nach und nach wächst sein Interesse an der Unterhaltung. Er trägt seinen Teil dazu bei, erzählt von seinen schrecklichen Erlebnissen im Krieg und in der Gefangenschaft. So laufen sie fernab aller Nachrichten und ein wenig auch jenseits der Zeit.

Mit diesem Buch, meinem ersten des Autors, legt David Grossman ein beeindruckendes Werk gegen den Krieg und für die Aussöhnung vor. Eindrucksvoll schildert er förmlich nebenbei den Alltag in Israel. Er berichtet vom schwierigen Leben der Palästinenser, von der ständigen Angst vor Terroranschlägen in der israelischen Bevölkerung und von den Ängsten, die Frauen und Mütter ausstehen, wenn ihre Männer und Söhne zu Kriegseinsätzen gehen und er widmet den Problemen der Palästinenser, die sich illegal in Israel aufhalten, einen kurzen Abschnitt. Aber er schildert eben auch die andere Seite. Er macht die Schrecken des Krieges am Beispiel von Avram und Ilan deutlich. Was die beiden erleben müssen, kommt dem Begriff Hölle schon recht nahe.

Besonders imponiert mir jedoch, wie der Autor es schafft, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Protagonistin Ora, die ihr Leben lang zwischen den zwei Männern steht, hineinzuversetzen. Psychologisch feinfühlig beschreibt er ihre Gemütsverfassung, ihre Ängste und Hoffnungen.

Die Wanderung zieht sich als roter Faden durch die Handlung, immer wieder wird sie durch Dialoge und Monologe unterbrochen. Aber ich fühlte mich ständig als stiller Begleiter und Zuhörer an der Seite von Ora und Avram. „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist ein äußerst intensiver und dichter Roman, der von Beginn an eine gewisse bedrückende Stimmung vermittelt, die jedoch immer wieder durch charmante Anekdoten aus der Vergangenheit unterbrochen wird. Trotzdem ist die alltäglich Bedrohung fast körperlich spürbar. Dabei urteilt oder verurteilt David Grossman nicht. Er ergreift nicht Partei. Er führt allerdings dem Leser die Sinnlosigkeit von Kriegen eindrucksvoll vor Augen, nachdrücklich, prägnant, greifbar. Auf der anderen Seite schreibt er über die Kraft der Liebe, einfühlsam, sensibel, mitfühlend. Er bedient sich eines ganz wunderbaren Sprachstils, der auch durch die Übersetzung nicht abgeschwächt wurde.

Mein Fazit: „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist eines der Bücher, die mich bisher am meisten beeindruckten. Es hat mich in jeder Hinsicht überzeugt. Ich wünsche dem Buch eine große, weltweite Leserschar.

Über den Autor

David Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, ein dezidierter Verfechter einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts, gehört wegen seiner differenzierten politischen Haltung und ungewöhnlichen Erzählphantasie zu den herausragenden Schriftstellern der jüngeren Generation.

Originaltitel: Ischa borachat me-bessora * Gebundene Ausgabe: 736 Seiten * Verlag: Hanser Belletristik * ISBN-13: 978-3446233973

6. August 2010

Jan Zweyer – Goldfasan

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:40
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2. Teil der Reihe um den Kriminalkommissar Peter Goldstein/Golsten

1943 im Ruhrgebiet. Der Kriminalkommissar Peter Goldstein, bekannt aus dem Krimi „Franzosenliebchen“ hat in Anbetracht der Zeiten seinen Nachnamen in Golsten geändert und ist inzwischen Mitglied der NSDAP und der SS. Das alles natürlich nur, weil er Karriere machen will, Kriminalrat zu werden, ist sein ehrgeiziges Ziel.

Der stellvertretende Kreisleiter Walter Munder, aufgrund der Farbe seiner Uniform der Goldfasan genannt, meldet das Verschwinden seiner polnischen Fremdarbeiterin mit zwei Tagen Verspätung. Golsten übernimmt den Fall und stößt bei seinen Ermittlungen schon bald auf Ungereimtheiten und Widersprüche. Die Vermisstensache Maria Slowacki ist alles andere als ein Routinefall.

War mir der Kommissar Peter Goldstein in „Franzosenliebchen“  recht sympathisch, so hegte ich für Peter Golsten deutlich weniger Sympathien. Hat er sich doch zu einem ausgemachten Opportunisten gemausert, der für die Karriere auch bereit ist, Überzeugungen aufzugeben. Mit dieser Figur hat der Autor einen recht häufig in der damaligen Zeit vorkommenden Zeitgenossen in Szene gesetzt. In seiner Familie stößt Peter Golsten mit seinem Handeln nicht auf Gegenliebe, denn sein Schwiegervater ist aktiv im Widerstand tätig, er versteckt einen Juden. Sehr gut hat der Autor gezeigt, wie die Nazibonzen sich gegenseitig aus der Patsche helfen, eine Hand wäscht schließlich die andere und so hat es der eifrige Ermittler, für die Nazigrößen ist er schon zu dienstbeflissen, schwer. Aber er hat auch beschrieben, was geschieht, wenn Parteigenossen unbequem werden.

Auch „Goldfasan“ ist ein sehr gut recherchierter Kriminalroman, der sich leicht und flüssig liest. Die Kriminalhandlung ist wie auch im Vorgängerroman unaufdringlich in die Schilderung der Zeit und des Lebens im Nationalsozialismus in Herne eingebettet. Besonders haben mir die Charaktere gefallen, die Jan Zweyer regelrecht mit Leben erfüllt. Sie haben in meiner Fantasie alle ein Gesicht und ein menschliches Wesen bekommen. Aber Zweyer wertet oder moralisiert nicht. Und so bekommt man als Leser den Eindruck, an einer realen Geschichte teilhaben zu dürfen. Sein Kriminalroman ist einer der ruhigeren Art, ohne wilde Verfolgungsjagden und großes Blutvergießen.

Mein Fazit: „Goldfasan“ ist die gelungene Fortsetzung der Peter-Golstein-Reihe. Ich freue mich schon auf den hoffentlich bald erscheinenden dritten Teil.

Über den Autor

Jan Zweyer, geboren 1953 in Frankfurt am Main, lebt schon seit vielen Jahren in Herne. Sein halbes Leben war er in unterschiedlichen Funktionen bei verschiedenen Industrieunternehmen beschäftigt, heute ist Zweyer freier Schriftsteller. Nach zahlreichen zeitgenössischen Kriminalromanen und -kurzgeschichten erschien 2007 das erste Buch der geplanten Trilogie um Peter Goldstein, das zur Zeit der Weimarer Republik spielt: Franzosenliebchen. Mit Goldfasan erscheint nun der zweite Band, der sich mit der Nazizeit auseinandersetzt.

4. August 2010

Buch der Woche (31. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:05
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“Schuld” von Ferdinand von Schirach ist am gestrigen Dienstag als Buch der Woche beim mdr figaro vorgestellt. Schirach wurde durch “Verbrechen”, seinem Erstling, über die Grenzen Deutschlands bekannt. Ich bin auf sein neues Buch sehr gespannt.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Der Erzählungsband “Verbrechen” von Ferdinand von Schirach hat die Leser im deutschsprachigen Raum begeistert und bewegt, wie es Büchern nur ganz selten gelingt. Nun legt der als die literarische Entdeckung des Jahres 2009 gefeierte Autor und Strafverteidiger einen neuen Band Geschichten vor. Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach die der Autor von Schirach in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlichen lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns.

Über den Autor

Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, arbeitet seit 1994 als Anwalt und Strafverteidiger in Berlin. Zu seinen Mandanten gehörten das frühere Politbüro-Mitglied Günter Schabowski, der ehemalige BND-Spion Norbert Juretzko, Industrielle, Prominente und Angehörige der Unterwelt. Mit »Verbrechen«, seinem erzählerischen Debüt, gelang ihm auf Anhieb der Durchbruch als literarischer Autor. Die Übersetzungsrechte wurden in 30 Länder verkauft, und das Buch wird demnächst verfilmt. Es stand monatelang auf der Spiegel-Bestseller-Liste und wurde mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis ausgezeichnet.

1. August 2010

Lesestatistik Juli 2010

Einsortiert unter: Allgemeines,Lesestatistik — Karthause @ 15:17
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Im Juli habe zwar, wenn man lediglich nach der Zahl der gelesenen Seiten geht, etwas weniger gelesen. Aber mit „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ hatte ich mein bisheriges Lesehighlight im Jahr 2010. Das Buch war so beeindruckend ich habe jede Zeile, jedes Wort genossen. Danach hatten es jedoch alle folgenden Bücher etwas schwer. Wobei „Der Menschenräuber“ von Sabine Thiesler eine wirkliche Enttäuschung war.

737 Seiten – Eine Frau flieht vor einer Nachricht – David Grossman
320 Seiten – Adam und Evelyn – Ingo Schulze
464 Seiten – Der Menschenräuber – Sabine Thiesler
541 Seiten – Allwissend – Jeffery Deaver
497 Seiten – Nebelsturm – Johan Theorin

2.559 Seiten im Juli 2010 gelesen

Die nächsten Bücher, die ich lesen werde sind:

Headhunter – Jo Nesbø
Nur der Tod kann dich retten – Joy Fielding
Verdammnis – Stieg Larsson
Sterne über Sansibar – Nicole Vosseler
Letzte Nacht in Twisted River – John Irving


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