Karthauses Bücherwelt …

29. September 2010

Buch der Woche (38. KW)

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In der vorigen Woche stellte der mdr figaro Alexander Osangs “Königstorkinder” als Buch der Woche vor.

mdr figaro schreibt dazu:

Sein Erstlings-Roman “Die Nachrichten” machte ihn bekannt und wurde auch verfilmt. Nun erscheint Alexander Osangs dritter Roman, eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte voller Ironie.

Der 1962 in Berlin geborene Schriftsteller und Journalist Alexander Osang wurde durch seinen im Jahr 2000 veröffentlichten Erstlingsroman “Die Nachrichten” in ganz Deutschland bekannt. Das Buch über den unter Stasi-Verdacht stehenden Tagesschau-Sprecher Jan Landers beschreibt den Aufstieg eines Ostdeutschen in der wiedervereinigten gesamtdeutschen Medienwelt und seine Identitätssuche zwischen DDR-Vergangenheit und Anpassung an die neuen Verhältnisse. Jan Josef Liefers spielte in der Verfilmung die Hauptrolle.
Alexander Osangs zweiter Roman “Lennon ist tot” erschien 2007 und war bei FIGARO Buch der Woche. Es ist ein Adoleszenzroman über einen 19-jährigen Berliner Studenten, den es nach New York zieht. Dort sucht er jedoch weniger das Wissen der Universitäten, als seinen eigenen Lebensweg. Und plötzlich spielt auch John Lennon dabei eine wichtige Rolle, obwohl er, wie im Titel verzeichnet, längst tot ist. Osang veröffentlichte neben seinen Romanen auch u.a. eine Tamara-Danz-Biografie (1997) sowie verschiedene Kolumnensammlungen.

Deutsch-deutsche Liebesgeschichte mit Biss

Nun erscheint Osangs dritter Roman “Königstorkinder”. Er spielt dort, wo der zwischenzeitlich in New York lebende Autor mittlerweile wieder seine Heimat hat, in Berlin. 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist das Buch auch eine Bestandsaufnahme, wie weit die Einheit geglückt ist. Dies ist ja besonders in Berlin spürbar, der Stadt, die durch die Mauer am schmerzlichsten zerrissen war, die aber nach dem Fall der Mauer auch die direkteste Konfrontation der unterschiedlichen Lebenswelten spürte.

Zwei Protagonisten treffen hier aufeinander, die unterschiedliche Lebensentwürfe haben. Ulrike kommt eigentlich aus Süddeutschland und lebt wegen der vermeintlich besseren Jobchancen und der turbulenten Quirligkeit der Stadt in Berlin, besitzt ein Penthouse und arbeitet in einer Werbeagentur. Sie trifft auf Andreas, der mit seinen 40 Jahren ebensoviel Zeit in der DDR, wie nach ihr verbracht hat. In seinem Job als Journalist gescheitert, ist der Arbeitslose im Prenzlauer Berg in einer Projektgruppe aktiv. Es entwickelt sich aus dieser Konstellation eine interessante und komplizierte Liebesgeschichte. Was als neugierige Affäre begann, entwickelt sich zum Aufeinanderprallen der Kulturen – bis Ulrikes Ehemann nach Berlin zurückkehrt. Andreas zieht sich aus der Beziehung zurück und bewirbt sich – man mag es kaum glauben – als Versuchskaninchen für ein Weltraumflugexperiment, denn in der Berliner Charité wird die Langzeitwirkung eines Marsflugs getestet.

Mit viel Witz und Ironie führt Osang durch seine Geschichte. Die Charaktere sind in all ihren Eigenheiten liebenswert und die Bezüge zur deutsch-deutschen Geschichte mit wundervollem Humor gewürzt.

“Wer ‘Königstorkinder’ liest, wird das weite Feld des deutsch-deutschen Zusammenwachsen schön aufgebreitet finden, sich freuen, wie Osang seine Figuren auf diesem Spielfeld arrangiert hat und es am Ende doch bei einem unterhaltsamen Spiel belassen hat – das ist literarisch betrachtet, schon recht souverän gemacht.”

(Quelle: mdr figaro)

24. September 2010

Michael Köhlmeier – Madalyn

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Madalyn
Michael Köhlmeier
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235977

Sebastian Lukasser, erfolgreicher Schriftsteller, kennt die 14jährige Madalyn schon seit ihrer Geburt. Sie wohnt in der Wohnung unter ihm. Als sie fünf Jahre alt war, rettete er ihr nach einem Fahrradunfall das Leben. Das verbindet. Mit der Zeit entwickelt sich eine enge Freundschaft. Sebastian Lukasser hat für ihre Sorgen und Kümmernisse immer ein offenes Ohr und nimmt sich für die Heranwachsende Zeit, anders als ihre Eltern. Die sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und können (oder wollen) ihrer Tochter nur selten mit Wärme begegnen. Dann lernt Madalyn Moritz kennen und verliebt sich in ihn. Moritz hat schon schwere Zeiten durchlebt. Aber was von seinen Erzählungen ist Lüge und was nicht?

„Madalyn“ ist das zweite Buch, dass ich nach seinem großen Roman „Abendland“ von Michael Köhlmeier gelesen habe. Zwischen beiden Bücher gibt es als Verbindungsglied den Erzähler Sebastian Lukasser, den ich auch in diesem Buch sofort mit dem Autor selbst personifizierte. Aber anders als bei „Abendland“, wo Köhlmeier eine Fülle von Schauplätzen und Personen ins Spiel brachte, bleibt „Madalyn“ überschaubar, fast intim. Es erscheint geradliniger, weil Köhlmeier sich auf die Kerngeschichte beschränkt. In 34 teilweise kurzen Kapiteln berichtet er über die väterliche Freundschaft des Schriftstellers zu der Schülerin, die ihm vertraut, ihn aber auch ausnutzt und hintergeht. Sie schüttet ihm ihr Herz aus, erzählt ihm von ihrer ersten Liebe und ihrem Liebeskummer. Madalyn zieht ihn zu Rate, wenn es wieder einmal Schwierigkeiten mit ihren Eltern gibt, mit denen Lukasser nie richtig warm wurde. Er erwähnt schreckliche Streitereien, die für das Mädchen sehr qualvoll gewesen sein mussten. Es wird aber auch deutlich, wie überfordert Lukasser mitunter in diesen Situationen ist. Auch in diesem Buch zeigt sich welch großartiger Beobachter und Erzähler Michael Köhlmeier ist. Er beschreibt seine Protagonisten in ihrer Gesamtheit, mit all dem Guten und dem Negativen, dass ihren Charakter ausmacht und schnell hat man das Empfinden, die auf dem Papier skizzierten Wesen als Menschen wahrzunehmen und persönlich zu kennen. Schauplätze beschreibt er so bildhaft und klar, dass ich mich gleich nach Wien in die Nähe des Naschmarktes versetzt fühlte. Seinen Stil empfinde ich als unverkennbar. Das Ende des Buches kommt dann abrupt. Aber auch das ist wie aus dem Leben gegriffen, glaubhaft. In „Abendland“ (Seite 166 Hanser Verlag) schrieb Michael Köhlmeier: “Wann ist eine Geschichte eine gute Geschichte? Wenn sie gebaut ist wie das Leben.” Genau das trifft auf diesen Roman zu.

Mein Fazit: Michael Köhlmeier erzählt mit Madalyn die Geschichte der ersten Liebe eines Teenagers, sehr gefühlvoll und berührend, aber gleichzeitig sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Allerdings ist dieser Roman viel mehr als eine einfache Liebesgeschichte, er ist ein Roman über Jugend und Alter, Wahrheit und Lüge und er ist äußerst lesenswert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und trat sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Er erhielt für seine Bücher zahlreiche Auszeichnungen, u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Johann-Peter-Hebel-Preis, dem Manès-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.

22. September 2010

Buch der Woche (37. KW)

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Bereits am Dienstag der vergangenen Woche empfahl der mdr figaro Judith Zanders Debütroman „Dinge, die wir heute sagten“.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Bresekow, ein Dorf in Vorpommern. Als die alte Frau Hanske stirbt, kommt ihre Tochter Ingrid mit ihrer Familie aus Irland zur Beerdigung. Ingrid hatte Bresekow vor vielen Jahren fluchtartig verlassen. Der Besuch verändert vieles im Dorf, wirft gerade für die Familien Ploetz und Wachlowski alte und neue Fragen auf. Die Dorfbewohner beginnen zu sprechen, über ihr derzeitiges Leben und ihre Verstrickungen von damals. Bresekow war immer eine kleine Welt, eng, abgelegen und heute zudem vom Verfall bedroht.

Judith Zander lässt drei Generationen zu Wort kommen. Sie erzählt mit ungeheurer Sprachkraft von einem verschwiegenen Ort im Nordosten Deutschlands, von Provinz und Alltag, von Freundschaft und Verrat, vom Leben selbst.

Über den Autor

Judith Zander wurde 1980 in Anklam geboren und lebt heute in Berlin. Sie studierte Germanistik, Anglistik sowie Mittlere und Neuere Geschichte in Greifswald, anschließend am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Neben dem Schreiben von Lyrik und Prosa übersetzt sie aus dem Englischen. Für ihre Arbeit erhielt Judith Zander mehrere Auszeichnungen, u.a. den Lyrikpreis beim open mike 2007 und den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2009. ›Dinge, die wir heute sagten‹ ist ihr erster Roman.

16. September 2010

Anita Shreve – Eine Hochzeit im Dezember

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Klappentext:

Die winterlichen Berkshire Hills in Neuengland sind der Schauplatz einer besonderen Begegnung: Nach 27 Jahren treffen sich sieben alte Schulfreunde wieder, um die späte Hochzeit von Bill und Bridget zu feiern. Doch statt Ausgelassenheit herrscht angespannte Nervosität. Denn nun wird in ihnen allen das tragische Ereignis wieder lebendig, das sie seit ihrer Schulzeit auf schicksalhafte Weise miteinander verbindet und ihr Leben für immer verändert hat.

Meine Meinung:

Die Presse feierte diesen Roman als explosiven Gefühlscocktail, der elegant, mitreißend und pointiert erzählt wird. Das nenne ich doch mal eine Ankündigung. Ich las dieses Buch bereits im Juni diesen Jahres. Aufgrund von mangelnder Zeit kam ich erst jetzt dazu, die Eindrücke in eine entsprechende Form zu bringen. Dabei merkte ich mit Erstaunen, dass ich zu diesem Buch ohne meine Notizen nicht einmal mehr den Inhalt erzählen könnte. Aus diesen entnahm ich dann, dass die Geschichte Längen hatte und mich nicht wirklich begeisterte. Deshalb belasse ich es bei diesem knappen Statement.

14. September 2010

Buch der Woche (36. KW)

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Am vergangenen Dienstag wurde von der mdr figaro Redaktion “Das amerikanische Hospital” von Michael Kleeberg als Buch der Woche präsentiert. Ich muss leider passen, von dem Autor habe ich noch nichts gelesen.

Amazon schreibt zu dem Buch:

Kurzbeschreibung

Liebe in Zeiten der neuen Kriege

Paris, im Winter 1991. Hélène steht in der Empfangshalle des amerikanischen Hospitals, als vor ihr ein Mann zusammenbricht. Sein Blick brennt sich in ihre Augen. Das ist die erste Begegnung zwischen der dreißigjährigen Pariserin und David Cote, einem amerikanischen Soldaten. Die beiden vom Schicksal Gebeutelten freunden sich an und stützen einander auf ihrer schmerzhaften Suche nach der Wahrheit über sich selbst.

Michael Kleeberg versteht es auf eindringliche Weise, Zeitgeschichtliches und Privates, die seelischen Qualen des Krieges und die körperlichen des unerfüllten Kinderwunschs mit der dichten Atmosphäre von Paris zu verweben. Ein meisterhaft komponierter Roman voll erschütternder und unvergesslicher Szenen.

Über den Autor

Michael Kleeberg, 1959 in Stuttgart geboren, studierte Politische Wissenschaften und Geschichte. Nach Aufenthalten in Rom und Amsterdam lebte er von 1986 bis 1999 in Paris. Heute arbeitet er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Für sein literarisches Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. 2008 als Mainzer Stadtschreiber. Zu seinen wichtigsten Büchern zählt Ein Garten im Norden (1998). Zuletzt erschien bei DVA der Roman Karlmann (2007).

12. September 2010

Die Vorleser – Bücherliste 17.09.2010

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Am Freitag, 17. September 2010, wird die nächste Sendung von “Die Vorleser” um 23 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Per Newsletter kam die Bücherliste zu mir, die ich nicht für mich behalten will. Als Gast begrüßen die beiden Moderatoren den Schauspieler Matthias Brandt.

Patrick Modiano
Eine Jugend
Aus dem Französischen von Peter Handke
Gebundene Ausgabe, 187 Seiten
Bibliothek Suhrkamp, 1988
ISBN 3518019953
14,80 Euro

Martin Mosebach
Was davor geschah
Gebundene Ausgabe, 336 Seiten
C. Hanser Verlag, 2010
ISBN 3446235620
21,90 Euro

Janne Teller
Nichts. Was im Leben wichtig ist
Aus dem Dänischen von Sigrid Engeler
Broschierte Ausgabe, 139 Seiten
C. Hanser Verlag, 2010
ISBN 3446235965
12,90 Euro

Ijoma Mangolds „3 Bücher in 3 Minuten“:

Sascha Lobo
Strohfeuer
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
Rowohlt Verlag Berlin, 2010
ISBN: 3871346780
18,95 Euro

Fritz J. Raddatz
Tagebücher 1982-2001
Gebundene Ausgabe, 944 Seiten
Rowohlt Verlag, 2010
ISBN 3498057812
34,95 Euro

Carl von Siemens
Kleine Herren
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Scherz Verlag, 2010
ISBN: 3502151598
16,95 Euro

Tipps von Amelie Fried:

Joshua Ferris
Ins Freie
Aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten
Luchterhand Literaturverlag, 2010
ISBN 3630872972
19,99 Euro

Richard Russo
Diese alte Sehnsucht
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten
Dumont Buchverlag, 2010
ISBN 3832195394
19,95 Euro

Die nächsten „Vorleser“ können Sie am Freitag, 22. Oktober 2010, ab 23.00 Uhr sehen.

8. September 2010

Nicole Vosseler – Sterne über Sansibar

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Sterne über Sansibar
Nicole Vosseler
540 Seiten Verlag: Bastei Lübbe GmbH & Co.KG
ISBN-13: 978-3785723814

Sansibar, Mitte des 19. Jahrhunderts. Sayyida Salima bint Said, Sultanstochter aus Sansibar, hat eine recht unbeschwerte Kindheit, die zwar vom Islam geprägt wurde, aber bei weitem nicht den strengen Regeln unterlag wie das Leben ihrer Verwandten im Oman. Allerdings sind unterschwellig Neid, Missgunst und Eifersucht zwischen den Ehefrauen und deren Kindern deutlich zu spüren. Schon in der Kindheit hat Salima einen starken Willen. Regeln sind für sie nur akzeptabel, wenn sie deren Sinn auch versteht. Sie lernt zwar lesen, das Schreiben ist ihr als Mädchen jedoch untersagt, deshalb lernt sie es heimlich. Als ihr Vater, der Sultan, stirbt, brechen offen Machtkämpfe aus. Majid, der neue Sultan, hat nicht zuletzt wegen seiner angeschlagenen Gesundheit viele Gegner. Es werden Intrigen gesponnen und kommt zur offenen Revolte, in die sich auch Salima, die inzwischen eine junge Frau ist, verstrickt. Der misslungene Umsturzversuch hat für Salima zwar keine Strafe zur Folge, aber sie wird jetzt als Verräterin angesehen. So flieht sie aus dem Palast auf die von ihrer Mutter geerbten Plantagen. Als sie nach einiger Zeit wieder in die Stadt zurückkehrt, lernt sie den deutschen Kaufmann Heinrich Ruete kennen und lieben. Um diese verbotene Liebe mit einem Ungläubigen leben zu können, flieht sie von der Insel. Sie konvertiert zum Christentum, trägt von nun an den Namen Emily und geht nach der Geburt ihres ersten Sohnes gemeinsam mit ihrem Ehemann und der Hoffnung auf ein glückliches Leben nach Hamburg.

Die Geschichte der Emily Ruete, Prinzessin von Sansibar, ist eine wahre Geschichte. In ihrem Leben gibt es so viele Zufälle und schicksalhafte Wendungen, dass ich bei einem fiktiven Roman dem Autor wohl eine blühende Fantasie bescheinigt und das Buch als unglaubhaft abgestempelt hätte. Aber die besten Geschichten werden noch immer vom Leben geschrieben. Nicole Vosseler griff für die Recherche die von Emily Ruete selbst verfassten Aufzeichnungen als Fäden auf, die sie dann zu dieser äußerst gelungenen Romanbiografie verwob. Die Autorin nähert sich ihrer Protagonistin sehr liebe- und rücksichtsvoll, stellt sie nie bloß und versucht immer, die Hintergründe ihrer Handlungen schlüssig zu erläutern, versäumt es aber nicht ihren Charakter in seiner ganzen Kompliziertheit darzustellen. Aber auch die Nebenfiguren leben, haben gute und schlechte Eigenschaften und verleihen damit dem Roman die volle Authenzität. Sie arbeitet unauffällig anhand der Erlebnisse von Emily Unterschiede zwischen der christlichen und moslemischen Kultur heraus und erklärt sie ohne dabei zu dozieren und öffnet dem Leser damit ein Fenster in eine fremde Welt voller Exotik. Wie schon in ihren anderen Büchern konnte ich auch bei diesem Buch die Augen schließen und mich in die Welt der Protagonistin versetzen. So begleitete ich Salima durch das exotische Sansibar, konnte den Geruch von Gewürznelken und Meer spüren, fröstelte mit ihr in Hamburg und hörte das Klappern der Pferdekutschen. Besonders gut gelang es der Autorin die innere Unruhe Emilys, ihr Getriebensein und ihre Heimatlosigkeit darzustellen. Wenn für mich auch als im Hier und Jetzt fest verwurzelter Mensch nicht jede Handlung der Protagonistin nachvollziehbar war, war es mir doch möglich, diese zu respektieren.

Bisher habe ich alle historischen Romane (mit Ausnahme der Jugendbücher) von Nicole Vosseler gelesen, aber mit keinem habe ich mich im Nachhinein so intensiv auseinandergesetzt. Bewundernswert finde ich es immer wieder, wie detailliert sie dem Leser Eindrücke und Empfindungen beschreibt, ohne sich dabei zu verzetteln und ins Langatmige abzudriften. Mit diesem Buch beweist die Autorin, dass auch ein schwieriges Thema so umsetzbar ist, dass es für den Leser einfach zu lesen und leicht verständlich ist, daneben aber auf äußerst informative und unterhaltsame Weise Wissen vermittelt.

Mein Fazit: Gut geschriebene Romanbiografien gehören zu meinem Lieblingsgenre, die der Emily Ruete gehört für mich zu den Besten. Ich mochte bisher alle Bücher von Nicole Vosseler, aber mit diesem hat sie die Latte, an der sich die zukünftigen Romane der Autorin messen lassen müssen, sehr hoch gelegt.

Über den Autor

Nicole Vosseler stammt aus Villingen-Schwenningen. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz. Sie lebt und arbeitet in Konstanz.

Mehr über Nicole Vosseler und ihre Bücher ist auf ihrer Homepage zu finden. Dort gibt es auch noch jede Menge Zusatzmaterial zu ihren Büchern.

5. September 2010

Buch der Woche (35. KW)

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“Die Insel unter dem Meer” von Isabel Allende wurde vom mdr figaro in dieser Woche als Buchtipp vorgestellt. Ein Buch, das ich sicher auch lesen werde. Irgendwann.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Die Mulattin Zarité, genannt Tété, ist erst neun Jahre alt, als der junge Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain sie als Dienstmagd für seine lebensuntüchtige Frau kauft. Doch in Tété schlummert eine andere Bestimmung als die der willfährigen Sklavin. Selbst als ihr Herr sie in sein Bett zwingt, als man ihr das erste Kind entreißt und ihr Geliebter sie verläßt, um sich den aufständischen Sklaven in den Bergen anzuschließen, verliert Tété ihr Ziel nicht aus den Augen: die Freiheit für sich und ihre Tochter. Der Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weißen Herren in Saint-Domingue eskaliert, und Tété muß eine schwere Entscheidung treffen; sie flieht mit Valmorain, dessen kleinem Sohn und ihrer Tochter aus der brennenden Stadt Le Cap nach Kuba und weiter nach New Orleans. In der bunten kreolischen Gesellschaft findet ihr Drang nach Freiheit und Verantwortung für das eigene Leben neue Nahrung, doch müssen Jahre vergehen, bis ihr Traum Wirklichkeit wird. Mit ihrem neuen Roman Die Insel unter dem Meer entführt uns die chilenische Bestsellerautorin Isabel Allende von den Zuckerrohrplantagen auf Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, in das pulsierende New Orleans des frühen 19. Jahrhunderts. Ein schillernder, dramatischer Bilderbogen um eine starke Frau, die alles riskiert und sich bedingungslos ihre Freiheit erkämpft.

Über den Autor

Isabel Allende wurde am 2. August 1942 in Lima/Peru geboren. Nach Pinochets Militärputsch am 11. September 1973 ging sie ins Exil. 1982 erschien ihr erster Roman La casa de los espíritus (dt. Das Geisterhaus, 1984), der zu einem Welterfolg wurde. Der dänische Regisseur Bille August verfilmte den Roman 1993. Allende arbeitete unter anderem als Fernseh-Moderatorin und war Herausgeberin verschiedener Zeitschriften. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kalifornien. Ihr Werk erscheint auf deutsch im Suhrkamp Verlag.

2. September 2010

Lesestatistik August 2010

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Im August habe ich 6 Bücher gelesen. Herausragend waren drei davon. „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson, „Sterne über Sansibar“ von Nicole Vosseler und „Niemandsland“ von Pat Barker. Auch die Themenwahl ist breit gefächert. Drei Thriller, die Romanbiografie der Emily Ruete und der 1. Weltkrieg haben mich literarisch begleitet. Wie erwartet überzeugte mich der 2. Teil der Millenium-Trilogie ebenso wenig wie der 1. Teil. Trotzdem werde ich den 3. Teil auch noch lesen.

301 Seiten – Headhunter von Jo Nesbø
288 Seiten – Das war ich nicht von Kristof Magnusson
497 Seiten – Nur der Tod kann dich retten von Joy Fielding
540 Seiten – Sterne über Sansibar von Nicole Vosseler
768 Seiten – Verdammnis von Stieg Larsson
323 Seiten – Niemandsland von Pat Barker

2.717 Seiten gelesen im August 2010

Im September sind geplant:

  • Das Mädchen mit den Teufelsaugen von Ines Thorn
  • Madalyn von Michael Köhlmeier
  • Im Koma von Joy Fielding
  • Die Konfektmacherin von Kirsten Schützhofer

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