Karthauses Bücherwelt …

30. Oktober 2010

Buch der Woche (43. KW)

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“Ein französischer Roman” von Frédéric Beigbeder wurde vom mdr figaro als Buchtipp in dieser Woche empfohlen.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Als Frédéric Beigbeder vor etwa zwei Jahren auf offener Straße beim Koksen erwischt wurde, war das für die gesamte Pariser Kulturszene ein gefundenes Fressen. Für ihn selbst entwickelten sich die darauf folgenden 48 Stunden U-Haft zum Anlass, sein Leben einer Generalinspektion zu unterziehen. Beigbeder versucht, zunächst vergeblich, sich an seine Kindheit zu erinnern. Erst, als er auch die Geschichte seiner Großeltern und Eltern ausleuchtet, formieren sich in seinem Kopf allmählich wieder Bilder. Entstanden ist auf diese Weise ein kluges, nachdenkliches Buch, das in seiner Beschreibung der Umbrüche und Entwicklungen der letzten 50 Jahre, der gesellschaftspolitischen Revolution, die unsere Generation definiert hat, weit über eine private Geschichte hinausreicht.

Über den Autor

Frédéric Beigbeider, geboren 1965 in Neuilly-sur-Seine, studierte Politikwissenschaft und lebt als Kritiker und Schriftsteller in Paris. Außerdem war er zehn Jahre lang als Texter in einer renommierten Werbeagentur tätig, die ihn nach der Veröffentlichung seines ersten Romans vom Fleck weg engagierte. Er gilt als Enfant terrible des französischen Literaturbetriebs. Mit »39,90« gelang ihm als Schriftsteller auch international der Durchbruch.

 

28. Oktober 2010

Michael Köhlmeier – Idylle mit ertrinkendem Hund

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Idylle mit ertrinkendem Hund
Michael Köhlmeier
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: ZSOLNAY-VERLAG
ISBN-13: 978-3552060760

Hohenems Winter 2006. Der wegen seiner großen Exaktheit bekannte und renommierte Lektor, Dr. Johannes Beer, kündigt sich als Gast bei seinem Autor, dem Ich-Erzähler, an. Obwohl beide seit Jahren miteinander arbeiten, kennen sie sich auf privater Ebene kaum. Zum persönlichen Du kam es eher zufällig als gewollt. Das Verhältnis zwischen beiden ist zwischen fachlichem Vertrauen und persönlicher Distanziertheit angesiedelt. Im Haus des Autors mit erstaunlich großem Gepäck angekommen, begeistert Dr. Beer sich sofort für den urwaldgleichen Wintergarten seiner Gastgeber, wodurch ihm die Sympathien der Hausherrin gewiss sind. Er möchte während seines Aufenthaltes aber nicht nur über Literatur sprechen, er möchte spazieren gehen, allein. Auf einer dieser Wanderungen durch die tief verschneite Alter-Rhein-Landschaft begegnet er einem großen schwarzen Hund, der ihn offensichtlich in sein Herz geschlossen hat.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, was Michael Köhlmeier mit diesem Buch ausdrücken wollte. Alles begann sehr leicht und unterhaltsam, steigerte sich aber und bekam immer mehr Tiefe. Oberflächlich betrachtet, berichtet Köhlmeier in seiner Erzählung von einem Autor, der sich mit seinem Lektor trifft. Beide duzen sich mehr aus Versehen und als Freunde kann man sie wohl nicht bezeichnen. Aber je weiter man liest, desto mehr wird man von der leisen, unterschwelligen Traurigkeit und der erzählerischen Dichte erfasst. Unzählige Metaphern, von denen viele auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind, schmücken dieses dünne Buch. Es war mir wieder eine Freude, die Sprache des Autors auf mich wirken zu lassen. Beeindruckend beschriebene Szenen, die unaufhaltsam und ganz unbemerkt die Seele des Leser ergreifen, erwecken Emotionen, die noch lange nachhallen. Tief beeindruckt war ich von dem eigentlichen Problem in diesem Buch, dem Tod der Tochter Paula, die so jung starb, noch gar nicht richtig lebte, denn “…sie hat den Boden nur mit den Fußspitzen berührt.” Und so geht es letztlich in diesem gehaltvollen Büchlein nicht nur um Freundschaft, sondern um den Umgang mit dem Tod und um den Verlust eines geliebten Menschen. Dem angedachten Gespräch mit dem Lektor über den Tod der Tochter und dessen literarischer Verarbeitung, das sich der Ich-Erzähler in Gedanken zurechtlegte, liegt eine geniale Konstruktion zugrunde, die einem bewusst wird, wenn man die Biographie Michael Köhlmeiers mit dem vorliegenden Roman vergleicht.

„Idylle mit ertrinkendem Hund“ – von mir eigentlich nur als Zwischenlektüre gedacht – hat mich weitaus mehr beschäftigt und beeindruckt als erwartet. Das zeigt wieder einmal, wie viel sich auf nur 112 Seiten sagen lässt. Dieses Buch kann man getrost mehrmals lesen, ich bin sicher, es wird immer wieder eine Bereicherung sein.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michael Köhlmeier, geb. 1949, wuchs in Hohenems/Vorarlberg auf, wo er auch heute lebt. Für sein Werk wurde der österreichische Bestsellerautor unter anderem mit dem Manes-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet.

 

 

27. Oktober 2010

Andrea Schacht – Götterfunkeln

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Götterfunkeln
Andrea Schacht
Taschenbuch: 392 Seiten
Verlag: Sieben Verlag
ISBN-13: 978-3941547018

Die letzten Tage im Dezember 2011. Nach dem Maja-Kalender steht das Ende der Welt unmittelbar bevor. Die 31-jährige Helena verlor vor 2 Jahren ihren Ehemann Julian. Kurz vor dem Jahreswechsel erhält sie eher zufällig, weil sie nach einem Streit mit ihrer Mutter wütend das Haus verließ und ihre Bekannte Zara traf, die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen und zu schauen, was für Paradiese auf die Erretteten für die Zeit danach warten. Mit weiteren 20 Auserwählten begibt sie sich, immer in Begleitung ihres Katers Dante, mit einem UFO auf die Reise. Das Paradies selbst stellt sich als eine Art Themenpark dar. Alles wurde gerade umgestaltet, die Besucher sollen sich schließlich wohl fühlen, und die Götter halten Rat, wie es mit der Erde weiter gehen soll. So wandern die Besucher durch die Insel der Seligen und treffen dort auf Goethe, in Walhall begegnen sie Wagner. Nacheinander werden die Paradiese aller irdischen Religionen besucht und die Gäste kommen mit den Göttern ins Gespräch. Vielleicht gibt es ja auch noch Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Julian.

Unterdessen beginnt auf der Erde die verzweifelte Suche nach den spurlos verschwundenen Angehörigen.

Andrea Schacht war mir bisher als Autorin von historischen Romanen bekannt und die Bücher, die ich von ihr las, sind mir in bester Erinnerung geblieben. Und nun liegt zu meiner großen Überraschung ein Endzeitroman der Autorin vor. Das machte mich doch mehr als neugierig. Als dann gleich zu Beginn der Handlung ein UFO ins Spiel kam, war ich für kurze Zeit etwas ernüchtert. Aber nur um mich mit um so mehr Spaß durch den paradiesischen Themenpark zu lesen. Mit viel Wortwitz, Ironie, und Augenzwinkern sowie manch skurriler Idee führt die Autorin ihre Leser durch die himmlische Verkaufsschau. So erfuhr ich, dass ich dort nicht überrascht sein sollte, Kunstrasen und einen moderne Fortbewegungsmittel nutzenden Hermes vorzufinden und natürlich ist auch das Paradies nicht von Sparzwängen verschont geblieben. Der Märtyrer wird mit Dart-Pfeilen malträtiert und Jesus begegnet mir als Hippie. Lust zum Verweilen hatte ich lediglich an einer der vielen Stationen, die alle sehr detailreich und illuster beschrieben wurden. Aber es ging der Autorin nicht nur darum dem Leser ein Schmunzeln und auch einen lauten Lacher abzuringen. Immer wieder trafen die Besucher auf ihrer Besichtigungstour auf ein altes, zerlumptes Mütterchen, deren Identität es zu ergründen hieß und die erst ganz am Ende wirklich bekannt wird. Mit fortschreitender Handlung werden die dem Buch innewohnenden Gedanken immer tiefer und das anfangs als spaßig empfundene Buch wird ernster. Der Leser wird mit Ideen und Gedanken konfrontiert wird, die es lohnt, weiter zu spinnen. Als einzigen (kleinen) Kritikpunkt sehe ich, dass ich schon ziemlich zu Beginn des Buches die endgültige logische Auflösung erahnte. Da der Weg dorthin aber ein überaus netter war, fällt das kaum ins Gewicht. Einen so farbenfrohen und doch zugleich tiefsinnigen Endzeitroman hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Für mich war dieses Genre bisher eher düster und ernst besetzt. Aber dieser witzig-spritzige Roman, der mit leichter Feder geschrieben zu sein scheint, lässt sich wunderbar lesen, ist amüsant, kurzweilig und unterhaltsam und lässt mich doch nachdenklich zurück – er ist so ganz anders als von mir erwartet. Andrea Schacht hat mich eben noch nie enttäuscht. Ich würde mir mehr Bücher dieser Art von der Autorin wünschen, die mit diesem Werk einen sehr unkonventionellen Weg gegangen ist.

Ich danke der Buchcouch und dem Sieben Verlag für Buch.

Näheres über die Autorin und ihre Bücher ist auf ihrer Homepage zu finden.

26. Oktober 2010

Buch der Woche (42. KW)

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Nach einer Woche ungeplanter Internetabstinenz möchte ich wenigstens noch den in der 42. Woche veröffentlichten Buchtipp des mdr figaro hier vorstellen. Der Sender empfiehlt “Tauben fliegen auf” von der Preisträgerin des Deutschen  Buchpreises 2010 Melinda Nadj Abonji.

Amazon schreibt dazu:


Kurzbeschreibung

Eine ungarische Familie aus Serbien in der Schweiz. Ein schwungvoll und gewitzt erzählter Roman aus der Mitte Europas.Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Bleiben da wirklich nur die Liebe und der Rückzug ins angeblich private Leben?

Über den Autor

Melinda Nadj Abonji wurde 1968 in Becsej, Vojvodina, geboren. Sie ist Autorin, Musikerin und Textperformerin und lebt in Zürich. Für ihre Arbeit erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium am Literarischen Colloquium Berlin und den Hermann-Ganz-Preis 2001.

18. Oktober 2010

Die Vorleser – Bücherliste 22. Oktober 2010

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Am Freitag, 22. Oktober 2010, wird die nächste Sendung von „Die Vorleser“ um 23 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Per Newsletter kam die Bücherliste zu mir, die ich nicht für mich behalten will. Als Gast begrüßen die beiden Moderatoren den Schauspieler Joachim Król.

Michael Ebmeyer
Der Neuling
Gebundene Ausgabe, 284 Seiten
Kein & Aber Verlag, 2009
ISBN: 3036955321
19,90 Euro

Ian McEwan
Solar
Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Gebundene Ausgabe, 405 Seiten
Diogenes Verlag, 2010
ISBN: 3257067658
21,90 Euro

Ricardo Piglia
Ins Weiße zielen
Aus dem argentinischen Spanisch von Carsten Regling
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Verlag Klaus Wagenbach, 2010
ISBN: 3803132320
19,90 Euro

Tipps von Amelie Fried:

Barbara Ehrenreich
Smile or die: Wie die Ideologie des positiven Denkens
die Welt verdummt

Aus dem Amerikanischen von Gabriele Gockel und
Barbara Steckhan
Gebundene Ausgabe, 288 Seiten
Kunstmann Verlag, 2010
ISBN: 3888976820
19,90 Euro

Colm Tóibín
Brooklyn
Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini
Gebundene Ausgabe, 302 Seiten
C. Hanser Verlag, 2010
ISBN: 3446235663
21,90 Euro

3 in 3 Minuten

Herfried Münkler
Mitte und Maß. Der Kampf um die richtige Ordnung
Gebundene Ausgabe, 304 Seiten
Rowohlt Verlag Berlin, 2010
ISBN: 387134690X
19,95 Euro

Moritz von Uslar
Deutschboden: Eine teilnehmende Beobachtung
Gebundene Ausgabe, 378 Seiten
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2010
ISBN: 3462042564
19,95 Euro

Antje Vollmer
Doppelleben: Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop
Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
Die Andere Bibliothek im Eichborn Verlag, 2010
ISBN: 3821847735
24,95 Euro

Die nächsten „Vorleser“ sind am Freitag, 03. Dezember 2010, ab 23.00 Uhr zu sehen.

17. Oktober 2010

Buch der Woche (41. KW)

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“Solar” von Ian McEwan ist der Buchtipp den der mdr figaro in dieser Woche seinen Hörern präsentierte.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Michael Beard ist Physiker und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er alles andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dauer bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt. In Solar geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch um kriminelle Energie.

Über den Autor

Ian McEwan, geboren 1948, lebt in London. Schon seine ersten Erzählungen wurden 1976 mit dem Somerset-Maugham-Award ausgezeichnet. 1998 erhielt er den Booker Preis für Amsterdam, im Jahr darauf den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Abbitte erhielt nicht nur amerikanische und britische Preise, sondern wurde außerdem 2004 in Santiago de Compostela als Bester Europäischer Roman ausgezeichnet. Ian McEwan ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences.

12. Oktober 2010

Stieg Larsson – Verdammnis

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2. Teil der Milennium-Trilogie

Kurzbeschreibung – gekürzt (Quelle: amazon.de)

Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Meine Meinung

„Verdammnis“ ist die konsequente Fortsetzung von „Verblendung“, die Handlung beginnt etwa 1 ½ Jahre später. Unter diesem Aspekt erscheint die über 200 Seiten lange Einführung der Personen im 1. Teil in einem ganz anderen Licht. Bei diesem Teil der Trilogie beginnt sich der Spannungsbogen deutlich eher zu straffen. Auf Fragen zu Lisbeths Vergangenheit, die man sich nach „Verblendung“ stellte, bekommt der Leser ansatzweise Antworten. Lisbeth steht im Mittelpunkt des Geschehens, sie erscheint wieder als eine Art Superwomen und in etlichen Szenen kommt schon die Frage nach Authenzität auf. Da in „Verdammnis“ auf viele Details aus dem Vorgängerroman Bezug genommen wird, sollte man diese Trilogie in der entsprechenden Reihenfolge lesen. Ansonsten blieb Stieg Larsson seinem bekannten Stil treu, man trank Kaffee, hat natürlich einen Apple und löste Probleme im Schlafzimmer. Zum Ende des Thrillers nahm die Spannung noch einmal sprunghaft zu. Ein fast zu actionreiches Finale lässt hoffen, dass der letzte Teil ohne große Einführung das Geschehen fortsetzt.

Mein Fazit: Mir hat dieser 2. Teil der Millenium-Trilogie trotz ein paar Mängeln besser gefallen als „Verblendung“, er war unterhaltsam und auch spannender. „Vergebung“ werde ich in kürze lesen.

11. Oktober 2010

Buch der Woche (40. KW)

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Der mdr figaro stellte an vorigen Dienstag “September. Fata Morgana” von Thomas Lehr  als wöchentlichen Buchtipp vor.

Amazon schreibt zu dem Buch:

Kurzbeschreibung

Zwei Väter und zwei Töchter, zwei parallele Lebensgeschichten in den USA und im Irak. Ihre Schauplätze sind weit entfernt, und doch verbinden sie zwei politische Ereignisse: Sabrina stirbt am 11. September 2001 im New Yorker World Trade Center, während Muna 2004 in Bagdad bei einem Bombenattentat ums Leben kommt. Thomas Lehr, in Deutschland einer der “klügsten und brillantesten Schriftsteller” (FAZ), begibt sich in seinem grandiosen, vielschichtigen Werk auf eine literarische Grenzwanderung zwischen zwei Kulturen. In einer verdichteten, lyrischen Sprache erzählt “September” vom Islam, von Öl, Terror und Krieg und von zwei Frauen, die stellvertretend für die Opfer dieses Konflikts stehen.

Über den Autor

Thomas Lehr, 1957 geb., lebt in Berlin. Für jedes seiner Bücher erhielt er mehrere Literaturpreise, darunter den Wolfgang-Koeppen-Preis der Hansestadt Greifswald, den Kunstpreis Rheinland-Pfalz, den Rheingau Literatur-Preis. Im Jahr 2010 wird er mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet.

7. Oktober 2010

Literaturnobelpreis 2010

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Die Entscheidung in Stockholm ist gefallen, der Nobelpreis für Literatur wird dem 74jährigen  peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa verliehen. Mich persönlich freut das sehr. Sein Roman “Der Krieg am Ende der Welt” hat mich schon vor Jahren begeistert. Seit ich ihn bei einer Lesung live erleben durfte, habe ich in jedem Jahr die Daumen für ihn gedrückt.

Bei Wikipedia ist über ihn unter anderem folgendes nachzulesen:

Mario Vargas Llosa (gebürtig Jorge Mario Pedro Vargas Llosa; * 28. März 1936 in Arequipa, Südperu) ist ein peruanischer Schriftsteller und Politiker. Er ist einer der führenden lateinamerikanischen Romanciers und Essayisten. Vargas Llosa bezeichnete sich im Jahr 2001 als liberalen Demokraten.
Zur Zeit lebt er in London.

 

Quelle: Wikipedia

 

Zu seinen bekanntesten Werken zählen:
Tante Julia und der Kunstschreiber
Der Krieg am Ende der Welt
Lob der Stiefmutter
Tod in den Anden
Das Fest des Ziegenbocks
Das böse Mädchen

 

6. Oktober 2010

Lesestatistik September 2010

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Im September habe ich 6 Bücher gelesen. Enttäuscht war ich von „Das Mädchen mit den Teufelsaugen“.  Allerdings tröstete mich das neue Buch von Michael Köhlmeier „Madalyn“. Das war mein Monatshighlight.

118 Seiten – Das Mädchen mit den Teufelsaugen – Ines Thorn
864 Seiten – Vergebung – Stieg Larsson
142 Seiten – Preußens Luise – Günter de Bruyn
172 Seiten – Madalyn – Michael Köhlmeier
608 Seiten – Die Konfektmacherin – Kirsten Schützhofer
176 Seiten – Rositas Haut – Esther Vilar

2.080.Seiten gelesen

Im Oktober werde ich folgende Bücher lesen:

Das Spiel des Sängers von Andrea Schacht
Götterfunkeln von Andrea Schacht
Tiere essen von Jonathan Safran Foer

Ich bin gespannt was mich bei dieser bunten Mischung erwartet.

5. Oktober 2010

Kirsten Schützhofer – Die Konfektmacherin

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Die Konfektmacherin
Kirsten Schützhofer
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: Diana Verlag
ISBN-13: 978-3453354401

Südfrankreich, nach 1685. Catherine Jospin war 10 Jahre alt, als ihr Mutter starb und ihr ein Büchlein mit Rezepten hinterließ. Sie und ihre Schwestern Marietta und Julie waren protestantischen Glaubens. Eine Tatsache, die mit der Ablösung des Edikt von Nantes durch das von Fontainebleau durch Ludwig IX. für die Anhänger des falschen Glaubens höchst gefährlich war. Ihnen drohte Verfolgung, Gefängnis und auch der Tod. Nachdem infolge des Verrats durch die du Ports die Älteste der Schwestern, Marietta, gemeinsam mit ihrem Mann festgenommen wurden, mussten Catherine und Julie fliehen. Gemeinsam mit Mathieu, dem Freund seit Kindestagen und Verlobter Catherines, wollten sie über die Berge in Richtung Genf fliehen. Schon bald wurde Mathieu von den beiden Mädchen getrennt, die nun versuchten, sich mit Hilfe des Fluchthelfers Luc nach Orléans durchzuschlagen. Aber Barnabas du Port und sein Sohn Adrien, angestachelt durch den Vater, geben die Suche nach den Schwestern nicht auf. Ein Geheimnis aus alten Zeiten liegt über den beiden Familien.

Mit „Die Konfektmacherin“ hat Kirsten Schützhofer ihren vierten historischen Roman vorgelegt. Der Titel versprach einen jener süßlichen „Die …in“-Romane, die derzeitig in den Buchhandlungen unübersehbar sind. Dafür war allerdings zu wenig Konfektmacherin drin. Zum Glück. Die Autorin ist ihrem bekannten Stil treu geblieben und hat historische Genauigkeit, Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe dem lieblichen Gesäusel vorgezogen. Ihre Protagonisten wirkten menschlich mit eben jenen Stärken und Schwächen, die einen vollwertigen Charakter ausmachen. So gab es Personen, die man schnell in sein Herz schloss und solche, deren Tun und Lassen man eher mit Skepsis betrachtete. Sehr exakt und detailliert schilderte die Autorin die historischen Gegebenheiten und zeigt vor dem Hintergrund der Hugenottenverfolgung infolge des Edikts von Fontainebleau auf, wie wichtig gegenseitige Toleranz und Akzeptanz für ein friedliches Zusammenleben der Menschen sind. Wie ein roter Faden zieht sich das nicht miteinander Sprechen durch die elf Jahre umfassende Handlung. Was den Protagonisten das Leben erschwert, aber das zieht natürlich auch einen Zuwachs an Spannung nach sich. Mit viel Liebe zum Detail wird der Alltag der Menschen zur damaligen Zeit sehr anschaulich beschrieben. Die im Roman enthaltenen Liebesgeschichten drängen nur sehr selten in den Vordergrund, obwohl sie doch die Handlung in einem gewissen Maße prägen. Sie sind lebens- und gefühlsnah beschrieben, sind aber weder kitschig noch romantisch verklärt, was dem historischen Hintergrund der Handlung auch nicht angemessen wäre. Das Buch ist flüssig und ohne größere Längen geschrieben, es zieht den Leser von Beginn an in den Bann und lässt sich sehr gut lesen.

Liebhaber von Romanen, bei denen geschichtsrelevante Ereignisse nicht nur bloße Kulisse sind, sondern die Handlung leiten und die noch dazu sehr genau recherchiert und gut beschrieben sind, werden an „Die Konfektmacherin“ viel Freude haben.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Kirsten Schützhofer, 1972 geboren, war in der Erwachsenenbildung tätig, bevor sie 1999 in Leipzig den Studiengang Bibliothekswesen begann. Sie verbrachte längere Zeit am Goethe Institut in Bordeaux sowie in Bibliotheken in Colmar und in den Archives de Paris. Heute arbeitet sie als Bibliothekarin. „Die Konfektmacherin“ ist ihr vierter Roman im Diana-Verlag.

Homepage von Kirsten Schützhofer

PS: Wer jetzt Lust auf Süßes verspürt, kann sie die Leckerei aus Montelimar hier anschauen. Gucken macht auch nicht dick. ;-)

4. Oktober 2010

Buch der Woche (39. KW)

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Am vergangenen Dienstag stellte der mdr figaro “1Q84″ von Haruki Murakami als Buch der Woche vor.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

1984. Aomame hat zwei verschieden große Ohren. Beim Rendezvous mit einem reichen Ölhändler zückt sie eine Nadel und ersticht ihn ein Auftragsmord, um altes Unrecht zu sühnen. Tengo ist Hobby-Schriftsteller. Er soll einen Roman der exzentrischen 17-jährigen Fukaeri überarbeiten, damit sie einen Literaturpreis bekommt. Der Text ist äußerst originell, aber schlecht geschrieben ein riskanter Auftrag. Aomame wundert sich, warum die Nachrichten ihren Mord nicht melden. Ist sie in eine Parallelwelt geraten? Um diese Sphäre vom gewöhnlichen Leben im Jahr 1984 zu unterscheiden, gibt Aomame der neuen, unheimlichen Welt den Namen 1Q84.

Über den Autor

Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, die Eltern sind Lehrer für japanische Literatur. Studium der Theaterwissenschaften und des Drehbuchschreibens in Tokyo, aufkeimendes Interesse an amerikanischer Literatur und Musik. 1974 Gründung des Jazzclubs “Peter Cat”, den er bis 1982 betreibt. 1978 erste erfolgreiche Buchveröffentlichung. In den 80er Jahren dauerhaft in Europa ansässig (u. a. in Frankreich, Italien und Griechenland), geht er 1991 in die USA, ehe er 1995 nach Japan zurückkehrt. 2006 erhielt Haruki Murakami den Franz-Kafka-Literaturpreis. 2009 wurde ihm der Jerusalem Prize für sein literarisches Werk verliehen.Ursula Gräfe, geb. 1956, hat in Frankfurt a. M. Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, Kiharu Nakamura, Hikaru Okuizumi und Haruki Murakami.

2. Oktober 2010

Stieg Larsson – Verblendung

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 12:22
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Verblendung
1. Teil Millennium-Trilogie
Stieg Larsson
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453432451

1. Teil der Millenium-Trilogie

Mikael Blomkvist, Journalist und Hauptherausgeber der Zeitschrift Millennium, wurde vom Gericht zu einer 3-monatigen Haftstrafe und einer empfindlichen Geldstrafe wegen Verleumdung des Großindustriellen Wennerström verurteilt. Zu seiner Verteidigung unternahm er nichts. Damit schien seine Karriere vorerst gescheitert zu sein. Aber Herdrik Vander wurde durch diesen Prozess auf Blomkvist aufmerksam, holte durch Lisbeth Salander Informationen über ihn ein und engagierte ihn unter dem Vorwand, er solle seine Biografie schreiben. In Wirklichkeit sollte Blomkvist dem seit fast 40 Jahren ungeklärten Verschwinden von Harriet Vander, Hendriks Nichte, auf die Spur kommen.

„Verblendung ist der erste Teil der ursprünglich auf zehnteilig geplanten Millenium-Trilogie. Es folgen „Verdammnis“ und „Vergebung“. Stieg Larsson konnte dieses Projekt nicht zu Ende bringen, da er im Jahr 2004 infolge eines Herzinfarktes starb.

Die ersten 100 Seiten führten den Leser ausgesprochen langsam in die Handlung ein. Für mich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, wie sich die Story entwickeln würde, eine nette Familiengeschichte war ebenso möglich wie ein packender Thriller. Gleich vorweg, der Roman hatte von allem etwas, leider aus meiner Sicht auch von allem etwas zu wenig. Der Teil, der die wirtschaftlichen Verhältnisse der Industriellen widerspiegelte, war zu einfach und zu oberflächlich. Wenn man so leicht zu Milliarden käme, gäbe es wohl kaum noch Armut. Der Protagonist Mikael Blomkvist, der mit fast allen weiblichen Personen des Krimis nicht nur den Kaffee, sondern gleich auch noch sein Bett teilte, war recht klischeehaft dargestellt. Aber zum Glück (für ihn und den Leser) gab es ja die junge, unorthodox ermittelnde Lisbeth Salander mit schwerer Vergangenheit. Mit sehr unkonventionellen und auch nicht immer gesetzeskonformen Methoden (um deren Glaubhaftigkeit einzuschätzen, fehlt mir der fachliche Hintergrund) griff sie dem Journalisten unter die Arme, rette sein Leben und seine Deputation. Sowohl Mikael Blomkvist als auch Lisbeth Salander erzählen diese Geschichte aus ihrer jeweiligen Sicht und schildern ihre Erlebnisse. Mein Kampf mit dem Buch hielt noch bis etwa auf Seite 250 an. Die Einführung der Personen dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Dann war allerdings der Punkt gekommen, an dem bei mir Interesse erwachte. Die Ermittlungen begannen und die Familiengeschichte der Vanders nahm Konturen an. Das Buch ist einfach geschrieben und ist dadurch auch leicht und schnell zu lesen. So wurden die 704 Seiten dann doch keine Quälerei. Die Idee an sich hat mir auch gut gefallen. Aber die Längen die Larsson in die Handlung durch eine Überfülle an nebensächlichen Details einbaute, störten mich. Ich mag zwar sehr gern dicke Wälzer lesen, für diesen Krimi wären aber 350 Seiten ausreichend gewesen. Dazu hätte sich der Autor lediglich auf die Ermittlungen in Hedeby beschränken müssen. Eine letzte Frage bewegt mich und das ist die nach der Titelwahl. „Verblendung“ kann ich nur mit viel Phantasie nachvollziehen. Warum wurde der schwedische Titel nicht einfach ins Deutsche übersetzt. (Männer, die Frauen hassen)

Dieser erste Teil der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson ist ein solider Thriller, der eine Krimihandlung mit einer Familiengeschichte und etwas Gesellschaftskritik vereint. Wer ein langsames Einsteigen in die Handlung mag, wir diesen Thriller lieben. Den beiden anderen Teilen werden von mir auch noch eine Chance bekommen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Stieg Larsson, 1954 in Umeå, Schweden, geboren, war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. 2006 wurde er postum mit dem Skandinavischen Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens geehrt. Die Bücher aus seinem Nachlass erscheinen bei Heyne.

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