Karthauses Bücherwelt …

30. November 2010

Buch der Woche (47. KW)

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Madalyn
Michael Köhlmeier
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235977

 

 

Das Buch, welches in der 47. Kalenderwoche vom mdr figaro als Wochentipp genannt wurde, ist “Madalyn” von Michael Köhlmeier. Mich freut das ganz besonders, gehört es doch zu den Büchern, die mich in diesem Jahr am meisten beeindruckten.

Hier ist meine Meinung zu “Madalyn” nachzulesen.

28. November 2010

Titus Müller – Der Kalligraph des Bischofs

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Turin im 9. Jahrhundert. Germunt ist auf der Flucht vor seinen Häschern in der Bischofsstadt angekommen. Er soll seine Stiefmutter getötet haben und fristet sein Leben durch Diebstähle. Der neu ernannte Bischof Claudius, auch gerade in der Stadt eingetroffen, nimmt sich seiner an, erkennt sein Talent und lässt ihn in den schönen Künsten unterrichten. Aber Claudius, der das Bilderverbot predigt, hat starke Widersacher. Er muss die Stadt gegen die Sarazenen verteidigen und seinem ärgsten Feind, dem Grafen Godeoch, die Stirn bieten.

Titus Müllers Debütroman ist in einer Zeit angesiedelt, von der ich bisher recht selten gelesen habe. Dabei gelingt es ihm sehr gut die örtlichen Gegebenheiten und die historischen Umstände zu beschreiben. Der Handlungsaufbau war schlüssig, wenn auch etwas zufallslastig und die Geschichte an sich hatte ihre spannenden Momente. Allerdings konnte ich mich nur schlecht in die Figur des Germut hineinversetzen. Was er leistete, war stellenweise schier übermenschlich und realitätsfern. Interessant fand ich dagegen wieder den Charakter des Bischof Claudius, der sich mit seinen Ideen und Vorstellung gegen die Kirche wandte. Auch die Auseinandersetzung mit der Kirche war sehr lesenswert. Das eigentliche Thema, die Kalligraphie, hätte ich gern etwas ausführlicher behandelt gehabt. Alles in allem war das Buch lesenswert. Ich habe schon den aktuellen Roman „Die Jesuitin von Lissabon“ von Titus Müller gelesen und konnte dabei feststellen, dass er sich als Autor, besonders was das Zeichnen von Charakteren anbetrifft, spürbar weiterentwickelt hat.

Über den Autor

Titus Müller, 1977 in Leipzig geboren, studierte Neuere deutsche Literatur, Mittelalterliche Geschichte und Publizistik in Berlin. Er erhielt den Würth-Literaturpreis und den C.S. Lewis-Preis. “Das Mysterium” wurde 2008 mit dem Sir Walter Scott-Preis als bester historischer Roman des Jahres ausgezeichnet. Titus Müller lebt in München. Bisher erschienen von ihm: “Der Kalligraph des Bischofs”, “Die Priestertochter”, “Die sieben Häupter”, “Der zwölfte Tag”, “Die Brillenmacherin”, “Die Todgeweihte”.

Mehr über den Autor und seine Romane ist unter www.titusmueller.de zu finden.

26. November 2010

Die Vorleser – Bücherliste 03.Dezember 2010

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Am Freitag, 03. Dezember 2010, wird die nächste Sendung von „Die Vorleser“ um 23 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Per Newsletter kam die Bücherliste zu mir, die ich nicht für mich behalten will. Als Gast begrüßen die beiden Moderatoren den Schauspieler Mario Adorf.

Michael Cunningham
In die Nacht hinein
Aus dem Englischen von Georg Schmidt
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
Luchterhand Literaturverlag, 2010
ISBN: 978-3-630-87353-4
19,99 Euro

Adam Thirlwell
Flüchtig
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
Gebundene Ausgabe, 384 Seiten
S. Fischer Verlag, 2010
ISBN: 978-3-10-080050-3
19,95 Euro

Moritz Rinke
Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel
Gebundene Ausgabe, 496 Seiten
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2010
ISBN: 978-3-462-04190-3
19,95 Euro

Weihnachstipps von Fried, Mangold und Adorf:

Rafael Horzon
Das weiße Buch
Broschierte Ausgabe, 216 Seiten
Suhrkamp Verlag, 2010
ISBN: 978-3-518-46226-3
15,00 Euro

Christoph Schwennicke
Das Glück am Haken
Gebundene Ausgabe, 238 Seiten
Droemer Verlag, 2010
ISBN: 3-426-27518-X
16,99 Euro

Arche Kinder-Kalender 2011
Mit Gedichten um die Welt
Herausgegeben und ausgewählt von der Internationalen Jugendbibliothek, München
Vorwort von Peter Härtling
60 Blätter, 53 vierfarbige Illustrationen, 33 × 30,5 cm
ISBN: 978-3-0347-7011-8
16,80 Euro

Lew Tolstoi
Für alle Tage – Ein Lebensbuch
Aus dem Russischen von Christiane Körner, Eugen Heinrich Schmitt und Albert Skarvan
Mit einem Geleitwort von Volker Schlöndorff und einem Nachwort von Ulrich Schmid
Gebundene Ausgabe, Leinen, 760 Seiten mit 9 Abbildungen im Schuber
Verlag C.H. Beck, 2010
ISBN: 978-3-406-59367-3
49,95 Euro

Anne Tyler
Verlorene Stunden
Aus dem Amerikanischen von Simone Jakob
Gebundene Ausgabe, 304 Seiten
Verlag Kein & Aber, 2010
ISBN: 978-3-0369-5571-1
19,90 Euro

Die nächsten „Vorleser“ werden am Freitag, 4. Februar 2011, ab 23.00 Uhr ausgestrahlt.

22. November 2010

Buch der Woche (46. KW)

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Am vergangenen Dienstag stellte der mdr figaro Peter Handkes neuen Roman “Immer noch Sturm” als Buch der Woche vor.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Das Jaunfeld, im Süden Österreichs, in Kärnten: Dort versammeln sich um ein »Ich« (oder steht es eher am Rande?) dessen Vorfahren: die Großeltern und deren Kinder, unter ihnen die eigene Mutter. Sie erscheinen ihm, da sie ihn bis in die Träume begleiten, in einer Vielzahl von Szenenfolgen, in denen sich die unterschiedlichsten Spiel- und Redeformen abwechseln . ein Panorama, das weit über alle literarischen Genres hinausreicht und sie sich zugleich anverwandelt. Gestaltet Peter Handke eine beispielhafte Familientragödie in Szenen? (Immerhin sterben zwei der Brüder in den vierziger Jahren.) Erzählt er anhand einzelner Stationen das Epos eines Volkes, der Slowenen? (Von ihnen ging der einzige bewaffnete Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime innerhalb dessen ursprünglicher Grenzen aus.) Entwirft er das Geschichtsdrama der ewigen Verlierer (die einmal die Historie auf ihrer Seite wähnten und doch nichts erreichten)? Oder wendet er sich, erzählend-dramatisch, zurück zur eigenen Biographie, deren Voraussetzungen und Folgen?
In diesem Buch von Peter Handke durchdringen sich Prosa und Drama, Theatralisches und Poetisches, Geschichtliches und Persönliches, und so wird am Ende doch fraglich, ob der überlebende Bruder der Mutter wirklich das letzte Wort hat: “Es herrscht weiterhin Sturm. Andauernder Sturm. Immer noch Sturm. Ja, wir haben das Unrecht begangen – das Unrecht, hier, gerade hier, geboren zu sein.”

Über den Autor

Peter Handke, 1942 in Griffen (Kärnten) geboren, lebt heute in Paris. Sein erster Roman, »Die Hornissen«, erschien 1966 im Suhrkamp Verlag.

Im suhrkamp taschenbuch erscheinen im August 2007 Handkes Romane »Mein Jahr in der Niemandsbucht« und »Gestern unterwegs«.

21. November 2010

Sabine Thiesler – Der Menschenräuber

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Der Menschenräuber
Sabine Thiesler
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453266315

Jonathan war ein erfolgreicher Fotograf und Medienmanager. Aber der Unfall, durch den seine Tochter ums Leben kam, verändert ihn grundlegend. Seine Ehe zerbricht, er lässt alles hinter sich und verlässt Deutschland. Es ist eher der Zufall der ihn in das idyllische Dorf in der Toskana führt. Dort lernt er die blinde Sophia, die seiner Tochter so gleicht, kennen. Er beschließt zu bleiben, aber als ihn nach Jahren seine Vergangenheit einholt, ändert sich für ihn wieder alles.

“”Der Menschenräuber” war der vierte Roman den ich von Sabine Thiesler gelesen habe und gleichzeitig der zweite, der mich gar nicht mehr überzeugte. Wieder hat die Autorin für ihren Krimi als Handlungsort die Toskana gewählt. Diese Landschaft scheint ihr sehr am Herzen zu liegen, sehr detailreich und bildhaft beschreibt sie die Gegend. Man bekommt Lust auf eine Reise dorthin. Auch Bekannte aus den Vorgängerromanen tauchen in diesem wieder auf, so zum Beispiel der trottelige Kommissar Neri, der wieder einer mittelmäßigen Satire entsprungen scheint, und auch in diesem Buch keine bessere Figur abgibt. Zu den Protagonisten konnte zu keiner Zeit eine Beziehung aufbauen, eigentlich waren sie mir egal. Die Idee zum Buch fand ich sogar recht gut, die Umsetzung gefiel mir dann nicht mehr. So reihten sich Zufälle aneinender, manches schien an den Haaren herbeigezogen und zum Schluss kommt es, wie es kommen musste, unglaubwürdig, vorhersehbar und trivial. Auch beim Aufbau des Krimis ist der Autorin nichts Neues eingefallen. Sie bleibt ihrem bekannten Schema treu, das inzwischen zwar einen gewissen Wiedererkennungwert hat, jetzt nach dem vierten Buch jedoch langweilt. Das ich „Der Menschenräuber“ überhaupt beendet habe, liegt einzig daran, dass ich Zeit hatte und die Autorin einen sehr flüssigen Schreibstil hat, so dass die gut 400 Seiten schnell gelesen waren. Dieses Buch kann ich leider nicht empfehlen.

Über den Autor (Quelle Amazon)

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit den beiden folgenden Büchern Hexenkind und Die Totengräberin.

Von Sabine Thiesler habe ich bisher gelesen:

Der Kindersmmler
Hexenkind
Die Totengräberin

16. November 2010

Buch der Woche ( 45. KW)

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Der mdr figaro präsentierte François Lelords “Hector und das Wunder der Freundschaft” als Buch der Woche. Ich glaube, ich werde es nicht lesen.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Hector ist ein ziemlich guter Psychiater in Paris. Oft kommen Menschen in seine Praxis, weil sie keine Freunde mehr haben. Was ist bloß aus der Freundschaft geworden, fragt Hector sich gerade, als er erfährt, dass sein allerbester Freund unvorstellbar viel Geld gestohlen haben soll. Und weil Hector nicht nur ein ziemlich guter Psychiater ist, sondern auch ein erstklassiger Freund, steckt er schon kurz darauf mittendrin in einem großen Abenteuer. Das führt ihn nicht nur durch zahlreiche Länder Südostasiens, sondern auch zu der Frage, was Freundschaft ihm eigentlich bedeutet – und warum sie für alle Menschen so überaus wichtig ist.

Über den Autor

François Lelord, geboren 1953 in Paris, studierte Medizin und Psychologie und wurde Psychiater, schloß 1996 jedoch seine Praxis, um sich und seinen Lesern die wirklich großen Fragen des Lebens zu beantworten. Er ist viel auf Reisen, besonders gerne in Asien, und lebt nach einem Jahr in Kalifornien heute in Paris und Hanoi, wo er seit 2004 Psychiater an der französischen Klinik ist. Alle Abenteuer Hectors (»Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück«, »Hector und die Geheimnisse der Liebe«, »Hector und die Entdeckung der Zeit«, sein Roman »Im Durcheinanderland der Liebe« sowie zuletzt »Hector & Hector und die Geheimnisse des Lebens«) wurden große Erfolge und auf der ganzen Welt gelesen.

12. November 2010

Andrea Schacht – Das Spiel des Sängers

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Andrea Schacht führt ihre Leser in diesem Roman auf die Burg Langel zur Zeit der Minnesänger. Dort will Ritter Ulrich wegen des Mordes an dem Burgherren Eberhard die Lehennachfolge klären. Neben den Bewerbern ist auch der Barde Hardo Lautenschläger eingeladen worden. Er soll für eine gute Stimmung in der Runde sorgen. Aber ist die Unterhaltung der Gäste wirklich sein ausschließliches Anliegen? Diese Frage stellt sich nach dem Mord am Burgvogt und einem Anschlag auf Hardo um so dringender. Wer hatte ein Motiv? Oder besser, wer hatte keines? Ritter Ulrich will die Tat auf seine ganz persönliche Art und Weise lösen. Er lässt die Zugbrücke hoch ziehen. Da die Burg nun nicht mehr verlassen werden kann, muss auf Gedeih und Verderb jeder mit jedem auskommen und jeder weiß, eine(r) hat die Tat begangen. Die Spannung zwischen den Gästen nimmt zu, als ihnen bewusst wird, dass die von Hardo allabendlich vorgetragene Minne seine Lebensgeschichte ist, die weit mehr mit der Burg verbandelt ist als viele erwarteten und in der sich einige von ihnen wieder finden.

Andrea Schachts Romane sind für mich inzwischen schon ein Garant für gute Unterhaltung. Sie helfen mir beim Abschalten nach einem stressreichen Arbeitstag. So erging es mir auch mit „Das Spiel des Sängers“. Mit dem ihr eigenen Humor und Wortwitz schafft die Autorin es, die Zeit der Minne vor meinem inneren Auge mit Leben zu erfüllen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie ihre Charaktere sehr gekonnt und einfühlsam in die Geschichte einbringt. Man spürt, dass die Akteure Andrea Schacht am Herzen liegen und so berichtet sie über Hardo, Ulrich, Engelin, Casta, Margarethe und wie sie alle hießen auch mit einem Augenzwinkern und natürlich taucht auch wieder ein Katerchen in der Handlung auf. Von Beginn an war dieses Buch spannend und auch als das Ende absehbar war, büßte es nichts von seinem Reiz ein. Das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Hardo in seinen Gesängen immer nur häppchenweise Episoden aus seinem Leben preis gibt und dann wieder die Ent- und Verwicklungen der Burggäste thematisiert werden. Dadurch, dass die in der Handlung vorkommenden Personen auf der Burg eingeschlossen sind, berichtet Andrea Schacht über ein sehr abgeschottetes Terrain. Manchmal fühlte ich das Flair der guten, alten englischen Krimis. Dabei hatte ich ja eigentlich einen reinen historischen Roman erwartet. Zu der Krimihandlung und der Historie kam noch die eine oder andere offene oder versteckte Liebelei und somit waren alle Bedingungen für flüssig zu lesende, humorvolle und auch spannende Unterhaltung gegeben. Abgerundet wurde sehr positive Gesamteindruck durch die passend zu Handlung eingefügten Texte alter Minnegesänge und die sehr ansprechende Gestaltung des Buches.

Über den Autor

Andrea Schacht war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin tätig, hat dann jedoch ihren seit Jugendtagen gehegten Traum verwirklicht, Schriftstellerin zu werden. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Kölner Begine Almut Bossart gewannen auf Anhieb die Herzen von Lesern und Buchhändlern. Mit »Die elfte Jungfrau« kletterte Andrea Schacht erstmals auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, die sie seither mit schöner Regelmäßigkeit immer neu erobert. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Nähe von Bonn.

10. November 2010

Bettina Hennig – Luise. Königin aus Liebe

Einsortiert unter: 2010,Challenge,History — Karthause @ 18:32
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Luise. Königin aus Liebe
Bettina Hennig
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442464067

Luise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, wächst gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike nach dem Tod von Mutter und Stiefmutter bei der Großmutter in Darmstadt auf. Diese setzt alles daran, ihre beiden Enkeltöchter standesgemäß zu verheiraten. Ihre Bemühungen wurden mit einer Doppelhochzeit belohnt. Weihnachten 1793 heiratet Luise den Preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und Friederike ehelicht dessen Bruder Friedrich Ludwig (genannt Louis). Während man Luises Heirat noch eine Liebesheirat nennen kann, heiraten Friederike und Louis aus Gründen der Staatsräson.

Bettina Hennig widmet sich in ihrem ersten Roman einer der wohl schillerndsten weiblichen Persönlichkeiten am Preußischen Hof. Sie beschreibt Luise als anmutig schöne junge Frau, die durch ihre Unbekümmertheit und ihr unaristokratisches Auftreten bei Hofe zunächst einige schmerzliche Erfahrungen machen musste. Ihr Leben in einer Zeit mit großen politischen Umwälzungen blieb von den historischen Ereignissen nicht unbeeinflusst. Wobei die Flucht vor Napoleons Truppen sicher eines der einschneidendsten Erlebnisse ihres kurzen Lebens waren. Mit großer, der Zeit entsprechenden Wortgewandtheit bringt die Autorin dem Leser das nicht immer einfache Leben der im Volke so beliebten Preußenkönigin nahe. Dabei legt sie aber eindeutig den Schwerpunkt auf die Liebe von Luise, die Liebe zum König, zu den Kindern, die immer wieder aufkommende Verliebtheit in andere Männer und die Liebe zum Volk. Natürlich schreibt Bettina Hennig auch über die politischen Ereignisse und über den Krieg. Aber als das Bestimmende in Luises Leben wird, wie der Titel schon sagt, die Liebe gesehen. Ich fand das etwas bedauerlich und hätte Luise gern im Spiegel ihrer Zeit gesehen. Ansonsten weiß die Autorin ihre Leser mit ausführlichen Geschichten und detailreich ausgeschmückten Histörchen vom Leben am Hof zur Zeit Friedrich Wilhelm III. zu unterhalten. Sehr gut hat mir die Darstellung der historischen Personen gefallen. Sie erschienen nie stereotyp, sondern facettenreich und lebensnah. Und so ist auch Luise nicht nur die lebenslustige, manchmal etwas oberflächliche junge Frau, der Leser erlebt sie auch zweifelnd und besorgt. Sehr gut wurde das Wachsen der Beziehung zwischen Luise und Friedrich Wilhelm geschildert. Denn von einer Liebesheirat der beiden zu sprechen, macht nur Sinn, wenn man als das Gegenstück die verordnete Ehe von Friederike und Louis sieht, bei der von keiner Seite Gefühle oder auch nur Sympathie eine Rolle spielten.
Bis auf meinen genannten Kritikpunkt, der aber nicht so schwerwiegend ist, schließlich weist der Buchtitel auf die Gewichtung der Fakten hin, empfand ich dieses Buch als einen sehr gelungenen Erstlingsroman, der dem Leser eine illustre historische Persönlichkeit wirklich nahe bringt und Lust auf weitere Lektüre in dieser Zeit macht. Über weitere Romane der Autorin würde ich mich freuen.

Über den Autor
Bettina Hennig, geboren 1963 in Hamburg, studierte nach ihrer Ausbildung zur Cutterin in Hamburg Film- und Sprachwissenschaften sowie Informatik. Seit 1992 ist sie als Redakteurin bei verschiedenen Boulevardzeitungen und Illustrierten tätig. Bekannt sind ihre Interviews mit internationalen Stars wie z. B. Madonna. Derzeit promoviert sie zum Thema »Klatschjournalismus«. Sie lebt mit dem Künstler Karmers in Hamburg. »Luise. Königin aus Liebe« ist ihr erster Roman.

Dies war das erste Buch, das ich im Rahmen der History-Challenge „Der Geschichte auf der Spur“ gelesen habe. Damit ist die Etappe „Neuzeit – Zeit des Umbruchs 1789 -1815“ abgedeckt.

7. November 2010

Buch der Woche (44. KW)

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Der mdr figaro stellte am Dienstag “Lumpenroman” von Roberto Bolaño als Buch der Woche vor.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Der letzte Roman, den Roberto Bolaño vor seinem Tod in Spanien schrieb, gehört zu seinen großen Werken. Voller Melancholie und Finsternis, ist er eine brillante Satire auf unsere von Trash und Gewalt dominierte Kultur der Gegenwart. Schauplatz ist Rom, wo sich Bianca und ihr Bruder mit den schäbigsten Jobs durchschlagen. Ihre Freizeit verbringen sie mit Pornofilmen und Quizshows – bis eines Tages der Plan reift, den Tresor von Maciste zu knacken, einem erblindeten Bodybuilder und B-Star aus den fünfziger Jahren. Um den Safe auszukundschaften, gibt sich Bianca Nacht für Nacht dem glatzköpfigen Muskelprotz hin. Doch als das Verbrechen vergeblich scheint, dreht sie schließlich den Spieß um. Die erste Auflage des Buches erscheint wieder in bibliophiler Ausstattung.

Über den Autor

Roberto Bolaño, geb. 1953 in Santiago de Chile, gestorben 2003, erhielt 1999 den wichtigsten südamerikanischen Literaturpreis ‘Rómulo-Gallegos’. Lange Zeit lebte er in Mexiko. 1973, während Pinochets Militärputsch wurde er in Chile verhaftet, saß ein halbes Jahr im Gefängnis und ging danach zurück nach Mexiko und weiter nach Spanien.

6. November 2010

Mein Lesemonat Oktober 2010

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Im Oktober habe aus den verschiedensten Genres Bücher gelesen. Mein Buch des Monats ist eindeutig “Idylle mit ertrinkendem Hund” von Michael Köhlmeier. Sehr positiv überrascht wurde ich von Andrea Schachts “Götterfunkeln”, ein Endzeitroman ganz besonderer Couleur. Dafür hatte ich mir sowohl von Joy Fieldings “Im Koma” und Bettina Hennigs “Königin Luise” ein wenig mehr versprochen.

640 Seiten Das Spiel des Sängers – Andrea Schacht

112 Seiten Idylle mit ertrinkendem Hund – Michael Köhlmeier

397 Seiten Götterfunkeln – Andrea Schacht

432 Seiten Im Koma – Joy Fielding

139 Seiten Nichts. Was im Leben wichtig  ist – Janne Teller

112 Seiten Luisito – Susanna Tamaro

704 Seiten Luise. Königin aus Liebe - Bettina Hennig
___________________________________________
2.536 gelesene Seiten im Oktober 2010

Die noch ausstehen Rezis werden in kürze nachgereicht.

 
 

 

Ein Award

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 16:40

Von der lieben Woerterkatze habe ich den One-Lovely-Blog-Award bekommen. Vielen Dank dafür, ich freue mich sehr darüber.

Und hier die Regeln:
1. Akzeptiere den Award, indem Du den Namen/Blog auf deinem Blog postest, von dem Du ihn bekommen hast.
2. Verschenke den Award an 15 andere Blogs, die Du entdeckt hast und hinterlasse dort einen Kommentar.

Nun habe ich die schwierige Aufgabe 15 (!) Blogs zu benennen, an die ich den Award weiter geben möchte. Das ist nicht einfach, weil einige, die ich ins Auge gefasst habe, ihn auch schon besitzen. Aber ich werde mir entsprechende Gedanken machen und dann die Blogs hier veröffentlichen.

 

4. November 2010

Stieg Larsson – Vergebung

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:40
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Vergebung
Stieg Larsson
Originaltitel: Luftslottet som sprängdes
Taschenbuch: 864 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453434066

 3. Teil der Milennium-Trilogie

„Vergebung“ setzt unmittelbar die Handlung des Vorgängers fort. Lisbeth wird mit schwersten Schussverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und notoperiert, auch ihr Intimfeind und Erzeuger Zalatschenko hat ihren Axtangriff überlebt. Jetzt liegen beide auf der Intensivstation. Die Ermittlungen gegen Lisbeth Salander laufen auf Hochtouren und werden nur durch ihren stationären Aufenthalt behindert. Mikael Blomkvist – immer zutiefst von Salanders Unschuld überzeugt – stellt auf eigenen Faust Ermittlungen an und sticht bei seinen Nachforschungen in ein Wespennest, womit er sogar höchste politische Kreise aufschreckt.

In diesem letzten Teil der Trilogie werden alle Handlungsstränge zusammengeführt. Somit hat der Roman den Charakter von „Was danach geschah“. Wieder gab es etliche Szenen, die für mich an der Grenze des Vorstellbaren waren, aber Lisbeth Salander war spürbar gehandicapt und konnte über lange Strecken nur vom Krankenbett aus aktiv werden, was den Eindruck aus den vorangegangenen Büchern etwas relativierte. Auch „Vergebung“ war sehr detailreich und flüssig geschrieben, bot Spannung und Unterhaltung. Es wurden nur noch wenige Personen in die Romanhandlung aufgenommen, so dass der Leser viele alte Bekannte wiederfand. Deren Charaktere haben sich allerdings nur unwesentlich verändert. Eine Entwicklung war kaum zu erkennen. Trotzdem habe ich diesen 3. Teil sehr gern gelesen. Er söhnt mich mit des gesamten Trilogie, die ich vorher immer als etwas unfertig empfunden hatte, aus.

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