Karthauses Bücherwelt …

31. Dezember 2010

Buch der Woche (52. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:41
Tags: , , , ,

“Ein Hemd des 20. Jahrhunderts” von Yann Martel ist der letzte Buchtipp für das Jahr 2010 vom mdr figaro.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Henry T., ein ehemals erfolgreicher Schriftsteller, bekommt eines Tages einen Brief von einem Leser, der ihn sehr neugierig macht. Die Suche nach jenem führt Henry zur Tierpräparation “Okapi” und ihrem Besitzer. Der zeigt ihm Szenen eines ungewöhnlichen Theaterstückes, das er gerade schreibt. Es handelt vom “Schrecken”. Doch was ist der “Schrecken”, was geschieht da, und wie können wir Erlebnisse benennen, die sich in ihrer Grausamkeit jeglicher Sprache entziehen?
Yann Martel hat ein literarisches Zauberspiel über die Barbarei der Diktatur geschrieben. Anwendbar für jeglichen fürchterlichen, alles Menschliche unterdrückenden Faschismus, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Ein poetisches wie grauenerregendes Plädoyer für Menschenwürde und Toleranz.

Über den Autor

Yann Martel wurde 1963 in Spanien geboren. Seine Eltern sind Diplomaten. Er wuchs in Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Alaska und Kanada auf und lebte später im Iran, in der Türkei und in Indien. Er studierte Philosophie und wohnt derzeit in Montreal.

29. Dezember 2010

Günter de Bruyn – Preußens Luise

Einsortiert unter: 2010,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 19:32
Tags: , , , ,
Preußens Luise
Günter de Bruyn
Gebundene Ausgabe: 142 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886807185

Auf unsere Gemüter können Mythen nur so lange wirken, wie sie als Wahrheiten gelten; wenn wir wissen warum sie entstanden sind und welchem Zwecken sie dienten, sind wir ihrer Macht schon entflogen.“ (S.128, Preußens Luise, Günter de Bruyn)

Die am 10. März 1776 geborene Luise war die 7. von insgesamt 11 preußischen Königinnen. Sie war eine in Hannover geborene Mecklenburgische Prinzessin, die ihre Jugend in Darmstadt verbrachte. So war sie also auch persönlich mit vielen außerpreußischen Ländern verflochten. Gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike heiratete sie in der Weihnachtszeit des Jahres 1793 in die Königliche Familie ein. De Bruyn weist in seinem Buch ausdrücklich auf ihre Natürlichkeit hin, sie gehorchte ihren Gefühlen, widersetzte sich dem Hofzeremoniell und verhielt sich auch gelegentlich unschicklich. Die Ehe mit dem Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. galt als mustergültig. Schon in jungen Jahren war sie für den Hofbildhauer Schadow ein beliebtes Modell, Friedrich von Hardenberg und Jean Paul priesen in ihren Werken ihre Schönheit und Güte. Viele Dichter haben schon zu ihren Lebzeiten unzählige Verse ihr zu Ehren gedichtet. De Bruyn beleuchtet aber auch die tragische Seite ihres Lebens. Nach Napoleons Sieg bei Jena flüchtete sie gemeinsam mit ihren Kindern nach Ostpreußen. Nach ihrer Flucht wurde immer weniger ihre Schönheit und mehr ihre Leidensfähigkeit thematisiert. Im Alter von nur 34 Jahren starb sie. Luisenstätten existierten bereits zu Lebzeiten der Königin, aber nach ihrem Tod wurden diese zu Pilgerstätten. Auch die Dichter, wie u.a. Achim von Arnim, fertigten Schriften zu ihrem Leben. Friedrich Wilhelm III. machte das Andenken an Luise zur Staatsangelegenheit, die Stiftung des Eisernen Kreuzes wurde nachträglich auf den Geburtstag der Königin gelegt. Die Erneuerung der Stiftung durch Friedrich I., erfolge an ihrem Todestag. Die Kaiserzeit war die Hochzeit der Luisenverehrung, aber auch die Zeit, in der ihre Person besonders differenziert betrachtet wurde. Die immer volkstümlichere Verehrung glitt immer mehr ins sagenhafte und pseudosakrale ab, dem stand die um historische Wahrheit bemühte wissenschaftliche Betrachtungsweise gegenüber. Zu Zeiten des 3. Reiches geriet Luise beim Volk langsam in Vergessenheit. Zu Propagandazwecken wurde sie kaum benutzt und auch ihr Kinderreichtum fand keine Beachtung. Nach dem 2. Weltkrieg, kamen kaum noch Besucher nach Paretz, wo Luise die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte. Die Gebäude wurden in den letzten Kriegstagen geplündert, blieben aber von den Abrissbirnen der DDR verschont. Das Schlösschen wurde erst zur Bauernhochschule, dann beherbergte es das Institut für Landwirtschaft, später war es Sitz des VEB Tierzucht. Luise war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland kaum im Bewusstsein der Bevölkerung vorhanden, sie war eine historische Figur, wie viele andere auch.

Wer an dieses Buch mit dem gleichen Anspruch wie an eine Biografie herangeht, wird sicher enttäuscht sein. Günter de Bruyn betrachtet die Lebensetappen von Preußens Luise nur in dem Maße, wie sie zur Mythenbildung beitrugen. Mit zahlreichen Bildern und Zitaten aus Zeitdokumenten unterstreicht der Autor sein umfangreiches Studium der historischen Quellen. Er schreibt einfach und auch für den Geschichtslaien leicht verständlich, erläutert die politischen Situationen und die höfischen Gepflogenheiten. Allerdings hätte ich gern noch ein wenig ausführlicher zu der Entstehung der Luisenverehrung gelesen. Vollkommen schlüssig empfand ich hingegen das Vergehen des Luisen-Mythos’. “Preußens Luise“ ist mit seinen 142 Seiten ein Buch, das schnell gelesen ist. Es gibt die wichtigsten Lebensstationen der preußischen Königin wieder und ist ein guter Einstieg, will man sich dieser Thematik intensiver widmen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Günter de Bruyn, 1926 in Berlin geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in einem märkischen Dorf. Seine beiden autobiografischen Bücher “Zwischenbilanz” und “Vierzig Jahre” machten Furore. “Preußens Luise” wurde 2002 mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnet. Zu Günter de Bruyns zahlreichen Auszeichnungen zählen der Heinrich-Mann-Preis, der Thomas- Mann-Preis, der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste, der Jean-Paul-Preis und, 2002 verliehen, der Deutsche Nationalpreis.

26. Dezember 2010

Buch der Woche (51. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 11:45
Tags: , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro den Erstlingsroman von Tom Rachman “Die  Unperfekten”. Dieses Buch steht schon einige Zeit auf meinem Wunschzettel, verschenkt habe ich es auch schon. Das Echo war durchaus positiv.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Was, wenn ein Zeitungserbe seinem Basset mehr Interesse entgegenbringt als dem Schicksal seines Blattes? Was wird aus der unglückseligen Ruby (alleinstehend, immer auf der Suche nach dem Mann fürs Leben)? Aus Ed, der gefeuert wird und sich an der zuständigen Sachbearbeiterin (alleinerziehend, drei Kinder und keine Zeit für die Liebe) rächt? Aus der Chefredakteurin Kathleen (verheiratet mit einem Weichei und verliebt in einen anderen)? Und aus Lloyd, der, einsam wie ein Straßenhund, aus Not eine Story erfindet und auffliegt?

Rachmans wunderbar hintergründiger, ernst-komischer Gesellschaftsroman über eine internationale Tageszeitung und ihre Macher in Rom ist von bezwingender Leichtigkeit und ein Panoptikum unserer Zeit.

»Dieser Roman von Tom Rachman ist so gut, dass ich ihn zweimal lesen musste – einfach, um zu begreifen, wie er das hingekriegt hat, wie einer, der gerade mal fünfunddreißig ist, ein derartiges Gespür für Menschen und ihre Schwächen haben kann.« Christopher Buckley, The New York Times Book Review

Über den Autor

Tom Rachman, geboren 1974 in London, aufgewachsen in Vancover. Rachman graduierte an der University of Toronto und der Columbia School for Journalism. Er war Auslandskorrespondent der Associated Press (Rom), die ihn u.a. nach Japan, Süd-Korea, Türkei, Ägypten schickte. Seit 2006 war er Redakteur des International Herald Tribune in Paris. ‘The Imperfectionists’ ist sein erster Roman, der zeitgleich in zehn Ländern veröffentlicht wird und in den USA einen der höchsten Vorschüsse erhielt, die in den letzten zehn Jahren für ein Debüt bezahlt wurden. Tom Rachman lebt in Rom.

23. Dezember 2010

Es wird im ZDF nicht mehr vorgelesen

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 15:58
Tags: ,

SPIEGEL ONLINE meldete heute das Aus für die Sendung “Die Vorleser”, die seit dem Abgang von Elke Heidenreich von Amelie Fried und Ijoma Mangold unaufgeregt moderiert wurde. Irgendwie war es abzusehen. Schade ist nur, dass es nun wieder eine Literatursendung weniger gibt. Ich trauere ja immer noch ein wenig “Lesen!” oder gar dem “Literarischen Quartett” hinterher, aber nun, so gar nichts mehr??? Denn mit der Suche nach einem neuen, ansprechenderen Format wird sich das ZDF wohl sehr schwer tun. Da kann ich nur hoffen, dass es dann weniger gekünstelt, auswendig gelernt und aufgesetzt weitergeht. Bis das Zweite zu Potte gekommen ist, werde ich mir meine literarischen Tipps weiterhin aus dem “Literaturclub”, dem mdr figaro oder den Bücherforen holen, oder wie früher meinem Bauchgefühl folgen.

22. Dezember 2010

Jeffery Deaver – Allwissend

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 14:08
Tags: , , ,

Wie zur Erinnerung an einen Autounfall steht am Straßenrand ein Kreuz, geschmückt mit roten Rosen. Allerdings steht darauf als Todesdatum das Datum des folgenden Tages. Als tags darauf eine im Kofferraum ihres Autos eingesperrte junge Frau in der steigenden Flut gefunden wird, übernimmt Kathryn Dance den Fall. Die junge Frau überlebt nur ganz knapp. Immer mehr solcher mysteriöser Kreuze werden an den Straßenrändern Kaliforniens gefunden und in einem Blumengeschäft wurden 12 Sträuße rote Rosen gestohlen. Auch bei den weiteren Opfer werden deren Ängste genutzt, um sie zu quälen. Unter großem Zeitdruck muss Kathryn Dance ermitteln, den jeden Tag kann es neue Opfer geben. Schnell wird man auf den Chilton-Report aufmerksam, und der Täter scheint enttarnt. Aber auch privat steht die Ermittlerin unter enormem Druck, ihre Mutter wird verdächtigt, bei einem ihrer Patienten Sterbehilfe geleistet zu haben.

In diesem Thriller um die Verhör- und Kinesikexpertin Kathryn Dance begibt sich Jeffery Deaver Online, in die Welt des Internets, der Blogs und der Rollenspiele. Wie von ihm nicht anders gewohnt, schreibt Deaver sehr flüssig. Trotzdem gibt es in der Handlung gelegentliche Längen, die mich nicht unbedingt an das Buch fesselten. Denen folgten allerdings auch wieder Kapitel, in denen ich unter keinen Umständen gestört werden wollte. Ähnlich, wie es mir beim Lesen erging, erlebte auch die Ermittlerin ihre up and downs. Das IT-Thema behandelt der Autor sehr anschaulich, so dass auch die Leser, die sich in diesen Gefilden nicht so heimisch fühlen, keine Verständnisprobleme haben werden. Leicht verständlich beschreibt er, wie schnell sich Nachrichten und Information mittels moderner Medien streuen lassen. Auch seine Protagonisten wirken lebendig und realitätsnah. Ihre Charaktere lassen sie menschlich erscheinen, sie haben sowohl gute als auch weniger gute Seiten. Die Ermittlerin wurde von Jeffery Deaver bereits in dem Rhyme/Sachs-Thriller „Der gehetzte Uhrmacher“ eingeführt, mit „Die Menschenleserin“ hatte sie ihren ersten Auftritt als Ermittlerin. In „Allwissend“ erfährt der Leser wiederum ein wenig mehr über ihren privaten Hintergrund. Aber wie schon beim Vorgängerroman wurde ich mit diesem Thriller nicht so warm wie mit mit denen um Lincoln Rhyme. Die Spannung war nicht so präsent und der gesamte Roman nicht so temporeich wie die von mir so gern gelesenen Thriller aus der Rhyme/Sachs-Reihe.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

18. Dezember 2010

Buch der Woche (50. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 20:14
Tags: , , , ,

“Ein Engel an Güte” von Ippolito Nievo ist der aktuelle Buchtipp des mdr figaro.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Große Oper: ein Roman voll tiefer Gefühle und zauberischer Betörungen

Was vermag menschliche Güte angesichts einer Welt, in der die Unmoral regiert? Dieser venezianische Bilderbogen erzählt von den Prüfungen einer edlen Seele inmitten des liederlichen Settecento. Er entführt uns in eine hinreißend märchenhafte Welt, wo indes Gut und Böse selten klar voneinander zu scheiden sind. «Was Verdi für die Musik, ist dieser Autor für Italiens Literatur.» (Lothar Müller)

Ein Frühlingsabend im Venedig des Jahres 1749: An der Riva di San Pieretto drängen sich die Gondeln, auf jeder Brücke lauert ein parfümierter Cavaliere, und die Serenissima gefällt sich in ihrer ganzen schwülen Pracht und Verkommenheit. Morosina, ein Engel an Güte und von vollendetem Liebreiz, fiebert dem Tag entgegen, an dem man sie aus dem Mädchenpensionat der Seraphinerinnen ins Leben entlässt. Noch ahnt sie nichts von den Leimruten der Galanterie, von Heuchelei, Tücke, Liebesverrat, die hinter den malerischen Fassaden der Palazzi lauern.

Ippolito Nievo (1831–1861) inszeniert in seinem Romanerstling eine Opera buffa vor der zauberhaften Kulisse des historischen Venedig. Mit souveräner Hand bringt er zur Aufführung, was fühlende Herzen höher schlagen lässt: große Gefühle, dramatische Wendungen, Grandezza und nicht zuletzt das mondäne Flair des 18. Jahrhunderts. Spielt das heitere moralische Lehrstück doch in jener Epoche, in der die Dogenrepublik – politisch wie kulturell längst im Niedergang begriffen – noch einmal eine späte Blüte dekadenter Prachtentfaltung erlebt. Die Geschichte der schönen Seele Morosina, eine Parabel auf die Macht der Liebe, kann als Prolog zu Nievos Hauptwerk «Bekenntnisse eines Italieners» verstanden werden und liest sich in dieser Neuübersetzung ebenso vergnüglich.

Über den Autor

Ippolito Nievo (1831-1861) ist neben Alessandro Manzoni der bedeutendste italienische Romancier des 19. Jahrhunderts. Seine «Bekenntnisse» sind das Werk eines Frühgereiften. An der Seite Garibaldis eng in den Unabhängigkeitskampf seiner Heimat eingebunden, fand Nievo nach der ruhmreichen Befreiung Siziliens bei einem Schiffbruch den frühen Tod.

Barbara Kleiner, promovierte Germanistin und Romanistin aus München, Jahrgang 1952. Sie erhält den Übersetzerpreis der Kulturstiftung NRW für ihre Übertragung von Ippolito Nievos Werk “Bekenntnisse eines Italieners” (Manesse Verlag, 2005) aus dem Italienischen ins Deutsche. Gleichzeitig wird das Gesamtwerk der Übersetzerin ausgezeichnet. Die Kunststiftung NRW verleiht den renommierten Preis, der mit 25.000 € zu den höchstdotierten Auszeichnungen für literarische Übersetzer im deutschsprachigen Raum gehört, in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen.

16. Dezember 2010

Anita Shreve – Die Nacht am Strand

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 19:08
Tags: , , , ,

Die Nacht am Strand
Anita Shreve
Originaltitel: Body Surfing
Broschiert: 339 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492258807

Sydney ist 29 Jahre alt und ihr Leben ist aus den Fugen geraten. Ihre erste Ehe mit dem Piloten wurde geschieden, weil sie ständig um sein Leben fürchtete. Ihr zweiter Mann, ein Arzt, starb ganz überraschend im Dienst. Um Abstand von ihrem bisherigen Leben zu gewinnen, nimmt sie an der Küste New Hampshires den Job einer Privatlehrerin bei den Edwards an. Julie, die Tochter, soll es mit Sydneys Hilfe schaffen an DEM College aufgenommen zu werden. Wenig später kommen die erwachsenen Söhne der Edwards, Ben und Jeff, zu Besuch. Gemeinsam mit ihnen verbringt Sydney eine ausgelassene Nacht am Strand und sie bemerkt recht schnell, dass sie sich zu Jeff, dem Jüngeren der Brüder, hingezogen fühlt, während sie zu Ben stets eine gewisse kühle Distanz hält. Die Dinge entwickeln sich recht zügig. Jeff trennt sich von seiner Freundin Victoria, kommt mit Sydney zusammen und die Hochzeitsplanungen laufen auf Hochtouren. Aber unter Oberfläche brodelt es, in der Familie haben sich Spannungen aufgebaut. Und so nimmt eine Geschichte eine Wendung, die man in dieser Art nicht erwartet hätte.

Als ich zu diesem Buch griff erwartete ich einen Liebesroman mit typisch amerikanischen Touch, eine heile Welt, eine Prise Kitsch, süßliches Liebesgeflüster und Protagonisten ohne Fehl und Tadel. Schnell bemerkte ich, von fast allen Vorurteilen muss ich mich trennen. Eine heile Welt fand ich nur zu Beginn des Romanes vor. Sehr schnell spürte ich die unterschwelligen Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, die eigentlich kaum thematisiert wurden, sondern eher zwischen den Zeilen zu finden waren. Ich empfand es auch als sehr auffällig, dass die Autorin das Geschehen sehr distanziert, von einer Art Außenperspektive her schildert. Dadurch war eine Identifikation mit den Hauptpersonen kaum möglich, was aber den Vorteil hat, dass man als Leser dem Geschehen mit größerer Neutralität gegenüber steht. Mit hat diese Sicht der Dinge sehr gut gefallen. Allerdings bediente sich Anita Shreve auch einiger Klischees, so gab es den liebenswerten, netten und verständnisvollen Vater und als Gegenstück dazu die ständig unzufriedene, mürrische und mäkelnde Mutter, oder die gut geratenen Söhne und den Sorgen bereitenden Nachkömmling. Was ich aber am positivsten in Erinnerung behalten werde, „Die Nacht am Strand“ ist keine der typischen Herz-Schmerz-Geschichten. Es ist eine schöne Liebesgeschichte, eine Alltagsgeschichte, die nicht kitschig wirkte und auch nicht auf die Tränendrüsen drückte. Anita Shreve legte mit diesem Buch einen leichten, gut und flüssig zu lesenden, aber keineswegs seichten Roman vor. Durch die immer nur angedeuteten innerfamiliären Schwierigkeiten erhielt dieser Roman schon ein gewisses Maß an Tiefe.

Mein Fazit: „Die Nacht am Strand“ habe ich gern gelesen. Wer Spaß an klaren und schnörkellosen Liebes- und amerikanischen Familiengeschichten hat, wird mit diesem Buch gut unterhalten werden.

Über den Autor (Quelle: Amazon)

Anita Shreve, geboren 1947, gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen der USA. Sie lebt mit ihrem Mann in Boston/ Massachusetts. Mit ihren Romanen, die von der Kritik für ihre kühle Eleganz gefeiert werden, erreicht sie weltweit ein Millionepublikum. Zu ihren größten Erfolgen gehören »Das Gewicht des Wassers«, »Die Frau des Piloten« und »Olympia« sowie »Eine Hochzeit im Dezember«. Zuletzt erschien von ihr »Die Nacht am Strand«.

14. Dezember 2010

Buch der Woche (49. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:57
Tags: , , , , ,

“Ehrenwort” von Ingrid Noll ist der aktuelle Buchtipp vom mdr figaro.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Drei Generationen unter einem Dach: Student Max, die Buchhändlerin Petra, Ingenieur Harald und Willy Knobel, hochbetagt. Trautes Heim, Glück allein? Zwischen Maxiwindeln und mörderischer Eisenstange spielt diese bitterböse Kriminalkomödie. Ingrid Noll erzählt von einer Familie, die das Altern anpackt auf unkonventionelle Art.

Über den Autor

Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren und studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt sofort zu Bestsellern wurden, “Die Häupter meiner Lieben” wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane, auch erfolgreich verfilmt. Im September 2000 kam “Kalt ist der Abendhauch” in die Kinos. 2005 erhielt Ingrid Noll den Friedrich-Glauser-Preis.

 

13. Dezember 2010

Hans-Joachim Noack/Wolfram Bickerich – Helmut Kohl. Die Biographie

Einsortiert unter: 2010,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 19:56
Tags: , , ,

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Vollblutpolitiker, Machtmensch, Einheitskanzler: die große Biographie zum 80. Geburtstag Kaum ein Politiker der jüngsten deutschen Geschichte hat so polarisiert – und kaum einer wurde so unterschätzt wie Helmut Kohl. Die langjährigen «Spiegel»-Politikchefs Hans-Joachim Noack und Wolfram Bickerich, die Kohls Karriere seit vierzig Jahren zum Teil aus nächster Nähe verfolgt haben, zeichnen das Porträt dieses Ausnahmepolitikers, der wie kein Zweiter das Land geprägt hat. Ein glänzend geschriebenes Lebenspanorama – und zugleich eine packende Zeitreise durch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

Meine Meinung:

Von Hans-Joachim Noack las ich vor 2 Jahren die gelungene Biographie des Altkanzlers Helmut Schmidt. Um so mehr war ich erfreut jetzt die Helmut Kohls vor mir zu haben, prägte er doch über Jahrzehnte die Politik der Bundesrepublik Deutschland. Empfand ich die Schmidt-Biographie als sehr freundschaftlich und wohlwollend, so war diese das krasse Gegenteil. Äußerst kritisch, ja fast schon aggressiv scharf gingen die Autoren mit dem Altkanzler ins Gericht. Überaus deutlich bemerkte man, dass sowohl menschlich als auch politisch Welten zwischen den Autoren und Helmut Kohl liegen. Ich finde das sehr schade, obwohl ich kein besonderer Anhänger von Helmut Kohl bin. Aber von einer Biographie erwarte ich, dass sie doch mit größtmöglicher Neutralität geschrieben wird und nicht zum Parkett für persönliche oder parteipolitische Fehden wird. Darüber konnten mich auch die knapp bemessenen Stellen nicht hinweg trösten, in denen auch Leistungen des Altkanzlers gewürdigt wurden.

Über den Autor

Hans-Joachim Noack, geboren 1940, war seit 1968 Reporter der «Süddeutschen Zeitung» und der «Frankfurter Rundschau ». Von 1983 bis 2005 arbeitete er für den «Spiegel», zuletzt als Leiter des Politikressorts. Für seine journalistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. 2008 erschien die Biographie «Helmut Schmidt», die zum Bestseller wurde.

Wolfram Bickerich, geboren 1942, Studium der Politik und Germanistik, war seit 1968 Journalist bei der dpa, von 1974 an beim «Spiegel», davon lange Jahre als Ressortleiter Politik. 1999 erschien «Die D-Mark. Eine Biographie».

11. Dezember 2010

Sabine Weigand – Die Markgräfin

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 16:53
Tags: , , ,
Die Markgräfin
Sabine Weigand
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596159352

Als im Fränkischen Kulmbach bei Bauarbeiten den ca. 400 Jahre alte Leichnam eines Säuglings entdeckt wird, beginnen die örtlichen Hobbyhistoriker mit ihren Nachforschungen. Langsam forschen sie sich durch die Geschichte der Burg, bis sie auf Barbara von Ansbach stoßen. Die Markgräfin wurde 1495 als Tochter des Markgrafen Friedrich des Älteren von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth geboren. Noch im Kindesalter wird sie mit dem alten Herzog von Groß Glogau verheiratet. Schon zwei Jahre später stirbt der Herzog und Barbara kehrt zu ihrer Familie zurück. Daraufhin wird per procurationem die Ehe mit dem König von Böhmen arrangiert, die jedoch nie vollzogen wird. 5 lange Jahre wartet Barbara ab, bevor sie um Auflösung dieser Ehe ersucht. Daraufhin wird sie von ihren Brüdern auf der Plassenburg gefangen gehalten.

Sabine Weigand verknüpft in ihrem Roman einen Handlungsstrang aus der Gegenwart mit dem, der sich mit dem Leben der Barbara von Ansbach befasst. Geschickt hat sie beide miteinander verwoben. Denn erst durch die in unserer Zeit vorgenommen Untersuchungen und Forschungen der drei Freizeithistoriker, die man nicht immer richtig ernst nehmen konnte, kommt eine gewisse Spannung in die Geschichte. Es zog sich etwas, ehe ich mit „Die Markgräfin“ warm wurde und zum Highlight hat sich das Buch bis zum Ende hin nicht entwickelt. Dafür besticht es durch exakte Beschreibungen von Lebensstil und Brauchtum des ausgehenden Mittelalter. Leider geht dies zu lasten der agierenden Personen, die mir die gesamte Zeit über fremd und farblos erschienen.

Mein Fazit: „Die Markgräfin“ war das Debüt von Sabine Weigand. Auch wenn es von mir noch die eine oder andere Kritik gibt, ist es ein durchaus lesenswerter historischer Roman.

 

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Die Spur der Markgräfin entdeckte sie bei ihren Forschungen zur Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, einer der größten Festungsanlagen Nordeuropas – dem Schauplatz ihres Romans.. “Die Markgräfin” ist ihr erster Roman.

7. Dezember 2010

Buch der Woche (48. KW)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:45
Tags: , , , ,

Der aktuelle Buchtipp vom mdr figaro ist das letzte Werk des in diesem Jahr verstorbenen José Saramago “Die Reise des Elefanten”.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

“Ein Roman voller Witz, Wärme und Wunder.” Yann Martel >PP< Salomon ist als Besitz von Johann III. von Portugal nur noch gelitten. Das exotische Tier aus den fernen Kolonien fristet ein trostloses Dasein, bis die Königin auf die Idee kommt, ihn ihrem Vetter dem Großherzog Maximilian aus Wien zum Geschenk zu machen. Mit einem großen Tross wird Salomon samt seinem Mahut auf eine abenteuerliche Reise geschickt, an deren Ende die eindrucksvolle Überquerung der Alpen steht. Unterwegs lernt man nicht nur die Eigenheiten und Vorlieben des Elefanten kennen, sondern auch die der Menschen und der Gesellschaft um ihn herum. Und meistens ist es der indische Mahut, der, Narr und Weiser zugleich, seine Zeitgenossen auf mehr oder weniger charmante Weise demaskiert. Sprachgewaltig und stets mit einem schelmischen Augenzwinkern verknüpft Saramago in seinem Roman Realität und Fiktion.

Über den Autor

José Saramago, geboren am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo, entstammt einer Landarbeiterfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlags und Journalist bei verschiedenen Lissabonner Tageszeitungen. Seit 1966 widmete er sich verstärkt der Schriftstellerei. Der Romancier, Erzähler, Lyriker, Dramatiker und Essayist erhielt 1998 den Nobelpreis für Literatur. José Saramgo verstarb am 18. Juni 2010.

3. Dezember 2010

Ursula Poznanski – Erebos

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 16:59
Tags: , , ,
Erebos
Ursula Poznanski
Gebundene Ausgabe: 485 Seiten
Verlag: Loewe Verlag
ISBN-13: 978-3785569573
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 13 Jahre

“Was kann sie denn, die Realität? Hungrig machen, durstig, unzufrieden. Sie verursacht Schmerzen, sie schlägt mit Krankheit um sich, sie gehorcht lächerlichen Gesetzen. Vor allem aber ist sie endlich. Immer führt sie zum Tod. Was zählt und Kraft hat, sind andere Dinge: Ideen, Leidenschaften, sogar Wahnsinn. Alles, was sich über die Vernunft emporhebt. Ich entziehe der Realität meine Zustimmung.”

Eigenartiges geschieht an einer Londoner Schule. Schüler kommen nicht mehr zum Unterricht, sie schwänzen das Basketball Training, sind ständig müde, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Aber keiner spricht darüber. Hängt das mit der DVD zusammen, die unter der Hand weitergereicht wird? Nick Dunmore geht in die 9. Klasse und möchte unbedingt wissen was ES ist. Als Brynne ihm die DVD unter dem Mantel der Verschwiegenheit gibt, löst sich für ihn das Rätsel und endlich weiß er, es ist ein Spiel. EREBOS. Aber es hat strenge Regeln. Es darf mit keinem darüber gesprochen werden. Es muss allein gespielt werden. Man muss seine Aufgaben erfüllen, sonst ist man raus, endgültig, unwiderruflich. Schnell gerät Nick in den Sog des Spiels, er ist förmlich süchtig danach und schlägt alle Warnungen in den Wind. Aber Spiel und Realität vermischen sich immer mehr, bis Nick eines Tages erkennen muss, Erebos ist alles andere als ein harmloses Computerspiel.

Jugendbücher sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Als mir aber von verschiedenen Seiten Erebos empfohlen wurde, ging es mir allmählich wie Nick. Ich wollte es haben, wollte wissen, was es mit dem Buch auf sich hat, warum es meine Bekannten im gestandenen Erwachsenenalter so gefesselt hat. Ich war sehr skeptisch, denn Computerspiele interessieren mich überhaupt nicht. Aber dann war das Buch endlich da, zum Glück an einem Wochenende und ich begann zu lesen. Was dann mit mir geschah, ist der Kunstfertigkeit der Autorin zuzuschreiben. Für 24 Stunden tauchte ich in die Welt von Erebos ein. Ähnlich wie es Nick mit dem Spiel erging, erging es mir mit dem Buch. Schon nach kurzer Zeit war ich im Sog der Handlung, die recht ruhig beginnt, sich aber stetig steigert und ständig zwischen Spiel und Realität wechselt, um später in eine von mir unerwartete Richtung zu gehen. Bildlich sah die Spielebenen vor mir und wie Nick süchtig von Level zu Level hastete, las ich mich von Kapitel zu Kapitel. Für einen ganzen Tag erledigte ich nur die allernotwendigsten Arbeiten und war für meine Mitmenschen sicher eine Zumutung. Von der Spannung her kann dieses Jugendbuch problemlos mit den besten Thrillern mithalten. Die Charaktere der Protagonisten sind lebendig und nicht stereotyp, das Buch liest sich ungemein flüssig. Die Autorin hat es geschafft, mich in eine für mich unbekannte Welt zu locken, in der ich neben einem Computerspiel, das scheinbar mitdenken kann, auch noch Werwölfe, Vampire, Dunkelelfen und Trolle kennen lernte. Diese phantasievoll ausgestattete Welt hat mich gleichermaßen fasziniert und schockiert. Als besonderes Bonbon gibt es nicht nur durch den Titel kleine Fingerzeige hin zur griechischen Mythologie. Alles in allem legt Ursula Poznanski mit diesem Jugendbuch eine schlüssige, ausgezeichnet facettierte und vor allem authentisch wirkende Geschichte von ungeheurer Sogkraft vor, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, trotzdem pädagogisch wirkt und sicher auch den einen oder anderen Wenig-Leser begeistern kann.

Mein Fazit: „Erebos“ ist eine fantastisch erzählte und äußerst spannende Geschichte für junge und jung gebliebene Leser. Die Altersangabe 12-13 Jahre, kann man ganz getrost mit dem Vorsatz „ab“ versehen. Es hat mich lange kein Buch mehr in einen solche Leserausch versetzt wie dieses.

 

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie ist als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihre Bücher zeichnen sich durch sprühenden Witz und Ideenreichtum aus.

2. Dezember 2010

Deana Zinßmeister – Der Hexenturm

Einsortiert unter: 2010,Challenge,History — Karthause @ 17:40
Tags: , , , ,

Der Hexenturm
Deana Zinßmeister
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442472482

Im Saarland um 1618. In Deana Zinßmeisters Roman „Das Hexenmal“ lernte der Leser die Geschichte der fünf jungen Eichsfelder Johann, Franziska, Katharina, Clemens und Burghard kennen, die auf der Flucht vor der Anklage der Hexerei ihre Heimat verlassen mussten. In diesem Buch, das direkt die Handlung des Vorgängers aufgreift, treffen wir die Fünf wieder und begleiten sie auf ihrer Flucht durch Hessen bis hin ins Saarland. Auf dem Gestüt Rehmringer werden sie, trotz des Todes des alten Pferdehändlers, von dessen Witwe freundlich aufgenommen und finden Arbeit und Unterkunft. Dies ist für einige Alteingesessene auf dem Hof und den der Witwe nahestehenden Amtsmann Johann von Baßy ein Dorn im Auge. Sie müssen auf der Hut sein, denn die Hexenverfolgung wird auch in ihrer neuen Heimat zelebriert. Zur gleichen Zeit ist auch der dem Leser aus dem 1. Teils der Geschichte bekannte Magier Barnabas unterwegs, in seinem Gefolge Sevatius und eine Kinderhexe.

Wie schon im „Hexenmal“ ist die Geschichte durch verschiedene Handlungsstränge geprägt. Durch nicht zu lange Kapitel hält Deana Zinßmeister die Spannung und vermeidet Längen. Ihr angenehmer und flüssig zu lesender Schreibstil ließ mich als Leser förmlich durch das Buch eilen. Die Autorin legt auch in diesem Roman großen Wert auf Details, das macht ihre Geschichten so beeindruckend authentisch. Das Alltagsleben, die damit verbundenen Schwierigkeiten, Sorgen und Nöte werden nachvollziehbar. Die belegten historischen Persönlichkeiten, die ihre Auftritte in dem Roman haben, lassen Geschichte lebendig werden.

In diesem Roman werden zwar immer wieder die Schicksale der Protagonisten in Rückblenden erzählt, so dass man ihn auch ohne Kenntnis des 1. Teils lesen und verstehen kann. Um aber die Entwicklung der Charaktere nachvollziehen zu können, sehe ich es als hilfreich an „Das Hexenmal“ gelesen zu haben. Die Story und auch die Charaktere haben in diesem 2. Teil für mich deutlich an Tiefe gewonnen. Besonders gelungen fand ich die Person des Magier Barnabas, der in seiner Bösartigkeit auch Skrupel hatte, die immer wieder deutlich wurden. Nur ganz wenige Charaktere bleiben etwas eindimensional, wie z.B. Servatius, der in jeder Beziehung einfach nur böse war. Aber letztlich war er in seinem Tun und Denken auch wieder überzeugend. Auch das Zusammenleben in der Gruppe wurde durch die Autorin realistisch und als nicht einfach beschrieben. Gab es doch im Verlauf der Handlung manch kritische Situationen für die Protagonisten zu meistern, an denen die Freundschaft der einstigen Zweckgemeinschaft zu zerbrechen drohte. Es kamen aber nicht nur die die in dem Roman zu Wort, die die konsequente Hexenverfolgung predigten und gnadenlos vollzogen. Auch die Lichtfänger konnten Akzente setzen und einen Hauch von Hoffnung hinterlassen.

Mein Fazit: Nach dem ich mit „Das Hexenmal“ ein wenig haderte, weil mir die Handlungsstränge zu losgelöst voneinander erschienen, hat sich das in „Der Hexenturm“ völlig relativiert. Ich habe mich sehr gern von Deana Zinßmeister durch dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte führen lassen und freue mich schon auf die nächste „Zeitreise“ mit ihr. Ich kann diesen schnörkellosen historischen Roman jedem Liebhaber dieses Genres empfehlen.

 

Über den Autor

Deana Zinßmeister hat sich mit dem Schreiben einen Traum erfüllt und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits mit ihrem ersten historischen Roman »Das Hexenmal« gelang ihr auf Anhieb ein Erfolg. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 33 Followern an