Karthauses Bücherwelt …

31. Januar 2011

Thomas Mann – Der Zauberberg

Der Zauberberg
Thomas Mann
Gebundene Ausgabe: 1.040 Seiten
Verlag: Berlin Aufbau Verlag
ASIN: B004165YVY

Hans Castorp, früh verwaist, hat gerade sein Studium als Schiffbauingenieur beendet und fährt für 3 Wochen nach Davos, um seinen Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen, der dort im internationalen Sanatorium „Berghof“ seine Lungenerkrankung kuriert. Anfangs fühlt er sich fast wie ein Fremdkörper bei „Denen da oben“. Er hat Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung, auch die ungewohnte Höhenlage macht ihm zu schaffen. Hofrat Behrens, leitender Arzt im „Berghof“, attestiert ihm bereits bei der ersten Begegnung, er sei total anämisch. Im Sanatorium lernt Hans den Humanisten Settembrini kennen, der ihm beizeiten rät, den Berg mit all seiner Morbidität zu verlassen. Aber Hans verliebt sich in die femme fatal, Clawdia Chauchat. Als Hans Castorp während seines Besuches infolge einer Erkältung selbst immer mehr Anzeichen für eine „schwere“ Erkrankung an sich entdeckt, lässt er sich eingehend untersuchen und nimmt, nachdem eine feuchte Stelle in seiner Lunge diagnostiziert wurde, von der geplanten Abreise Abstand und bleibt. Insgesamt 7 Jahre verbringt er in dem Sanatorium zwischen üppigen Mahlzeiten, Liegekuren und anregenden Gesprächen.

Der ursprünglich als Novelle konzipierte Roman entstand in der Zeit von 1913-1924 und sollte das groteske Gegenstück zu „Tod in Venedig“ sein. Inspiriert wurde Mann dazu während eines Besuches bei seiner Ehefrau, die sich wegen eines Lungenleidens in einem Davoser Sanatorium aufhielt. Dies war meine erst vollständige Begegnung mit dem Zauberberg, in jüngeren Jahren verfügte ich noch nicht über das Durchhaltevermögen, das einem dieser Roman abverlangt. Dabei ist es keinesfalls eine kompliziert gesponnene Handlung, die den Leser fordert, es ist das Textverständnis. Ungezählte Anspielungen, Bezüge, Symbole und Metaphern aus Philosophie, Mythologie, Theologie und Musik müssen erkannt und in ihren Zusammenhang mit dem Text gebracht werden. Ich bin keineswegs so vermessen, zu behaupten, ich hätte sie alle erkannt. Mir stellt sich eher die Frage, ob das vollständige Verstehen des Werkes wirklich möglich ist. Aber ich denke, mit jedem Lesen nähert man sich dem Kern des Buchs ein Stückchen mehr und so ist ein re-read schon vorprogrammiert. Deshalb werde ich hier keine Bewertung abgeben, sondern nur ein paar meiner Gedanken zum Zauberberg formulieren. Der wunderbare Umgang mit der Sprache, der Thomas Mann zu eigen ist, macht das Lesen des Romans zum Erlebnis. Stellenweise wirkt sie sehr künstlerisch künstlich, aufgesetzt und verkopft, dann wieder bissig ironisch, aber diese Art zu schreiben ist wohl einmalig. Oft wird der Leser vom Erzähler direkt angesprochen. Da sind Momente, in denen man förmlich spürt, wie nahe dieser seinem Protagonisten steht. Andererseits gibt es wieder Passagen, in denen der Erzähler ihn völlig neutral und mit großer Distanziertheit betrachtet. Dieser Spagat zwischen Nähe und Distanz ist grandios gelungen. Einen großen Teil von „Der Zauberberg“ nehmen Betrachtungen von Zeit und Raum, Leben und Tod ein, sei dies in Gedankenspielen des Hans Castorp während seiner Liegekuren, in der Unterhaltung mit seinem Vetter, Joachim Ziemßen, in den Gesprächen mit seinen um ihn buhlenden Mentoren Settembrini und Naphta, oder in deren oft hitzig geführten Debatten. Diese in die Handlung implizierten Gedankengänge sind es wert, Zeit darauf zu verwenden, sie mitzugehen und weiterzuspinnen.

Die im Roman agierenden Figuren kommen in meinen Augen alle nicht über menschliches Mittelmaß hinaus, ein Punkt, der bei Hans Castorp direkt angesprochen wird. Aber gerade diese Mittelmäßigkeit wurde von Thomas ganz phantastisch umgesetzt. Vor dem Hintergrund von Krankheit und Tod, als Metapher für Untergang und Verfall, fehlt es an der Lichtgestalt, der positiv besetzten Person und trotzdem leidet das Werk darunter nicht.

Ein weiterer Aspekt, der mich stark beeindruckt hat, ist der Handlungsort, diese scheinbare Parallelwelt, in der die Uhren anders ticken und die Zeit sich nicht an die physikalischen Gesetze hält. Nur selten wird die Hermetik des Berghofs verlassen, kaum wird über den Tellerrand geschaut. Auch dem Zeitfluss passt sich der Roman an. Liest man über Hans Castorps ersten Aufenthaltstag im Sanatorium über 3 Kapitel, vergehen die folgenden sieben Jahre in nur vier weiteren Kapiteln. Abschließend kann ich für mich feststellen, dass ich froh bin, dieses literarische Meisterwerk gelesen zu haben, es war eine wirkliche Bereicherung meines Leserlebens, ich werde wieder zu dem Buch greifen – vielleicht in sieben Jahren.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Bis heute gilt er vielen als der Inbegriff der deutschen Literatur: Thomas Mann (1875-1955), der Literaturnobelpreisträger von 1929. Diese höchste Auszeichnung erhielt er für seinen ersten Roman “Die Buddenbrooks”, ein Jahrhundertwerk, das als Schlüsselroman seiner Zeit gilt. Kurz nach diesem Triumph begann für Thomas Mann die Zeit des Exils, zunächst in der Schweiz, unterbrochen von Reisen in die USA, wo ihm 1938 die Ehrendoktorwürde der Columbia University, New York, verliehen wurde. 1941 siedelte er nach Kalifornien über, drei Jahre später wurde er amerikanischer Staatsbürger. 1952 kehrte Thomas Mann in die Schweiz zurück, wo er 1955 starb. Zu seinen bekanntesten Werken gehören “Der Tod in Venedig”, “Der Zauberberg” und “Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull”.

28. Januar 2011

Moment beim Lesen

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“Manchmal, o glücklicher Augenblick, bist du in ein Buch so vertieft, daß du in ihm versinkst – du bist gar nicht mehr da. Herz und Lunge arbeiten, dein Körper verrichtet gleichmäßig seine innere Fabrikarbeit, – du fühlst ihn nicht. Du fühlst dich nicht. Nichts weißt du von der Welt um dich herum, du hörst nichts, du siehst nichts, du liest. Du bist im Banne eines Buches. (So möchte man gern gelesen werden.)

Doch plötzlich läßt die stählerne Bindung um eine Spur nach, das Tau, an dem du gehangen hast, senkt sich um eine Winzigkeit, die Kraft des Autors ist vielleicht ermattet, oder er hat seine Intensität verringert, weil er sie sich für eine andre Stelle aufsparen wollte, oder er hat einen schlechten Morgen gehabt . . . plötzlich läßt es nach. Das ist, wie wenn man aus einem Traum aufsteigt. Rechts und links an den Buchseiten tauchen die Konturen des Zimmers auf, noch liest du weiter, aber nur mit dreiviertel Kraft, du fühlst dumpf, daß da außerhalb des Buches noch etwas andres ist: die Welt. Noch liest du. Aber schon schiebt das Zimmer seine unsichtbaren Kräfte an das Buch, an dieser Stelle ist das Werk wehrlos, es behauptet sich nicht mehr gegen die Außenwelt, ganz leise wirst du zerstreut, du liest nun nicht mehr mit beiden Augen . . . da blickst du auf.

Guten Tag, Zimmer. Das Zimmer grinst, unhörbar. Du schämst dich ein bißchen. Und machst dich, leicht verstört, wieder an die Lektüre.

Aber so schön, wie es vorher gewesen ist, ist es nun nicht mehr – draußen klappert jemand an der Küchentür, der Straßenlärm ist wieder da, und über dir geht jemand auf und ab. Und nun ist es ein ganz gewöhnliches Buch, wie alle andern.

Wer so durchhalten könnte: zweihundert Seiten lang! Aber das kann man wohl nicht.”

Kurt Tucholsky – Moment beim Lesen (veröffentlicht: Die Weltbühne, 12.04.1932, Nr. 15, S. 573) gefunden bei www.zeno.org


26. Januar 2011

Buch der Woche (04. KW 2011)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro “Die Tränen meines Vaters” von John Updike.

Amazon schreibt darüber:

Kurzbeschreibung

«So frei, wie etwas nur sein kann» John Updikes letzte Erzählungen Von der Weltwirtschaftskrise der 30er bis zu den Nachwehen des elften September, vom ländlichen Alton bis ins ferne Indien spannt sich der Bogen eines ganzen Menschenlebens. In seinen nachgelassenen Erzählungen erweist John Updike sich ein letztes Mal und einmal mehr als «Meister der unangestrengten Bewegung» (Ian McEwan), als «ein Genie der Gegenwartsentschlüsselung in Geschichten» (Die Welt).

Über den Autor (Qulle: Wikipedia)

John Hoyer Updike (* 18. März 1932 in Reading, Pennsylvania; † 27. Januar 2009 in Beverly, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Updike hat mehr als 20 bedeutende Romane und Sammlungen von Kurzgeschichten veröffentlicht, daneben mehrere Sammlungen von Essays und Gedichtbänden. Er hat zahlreiche amerikanische Literaturpreise und -auszeichnungen erhalten und zählte viele Jahre lang zu den Anwärtern auf den Literatur-Nobelpreis.

24. Januar 2011

John Boyne – Das Haus zur besonderen Verwendung

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Das Haus zur besonderen Verwendung
John Boyne
Originaltitel: The House of Special Purpose
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Arche Verlag
ISBN-13: 978-3716026427

Russland 1915. Georgi Daniilowitsch Jatschmenew, Sohn eines russischen Landarbeiters, rettete dem Vetter des Zaren Nikolaus II. bei einem Attentat das Leben. In Anerkennung dieser Leistung wurde er an den Zarenhof nach St. Petersburg geholt, wo er Leibwächter und Begleiter des kranken Zarewitsch wurde. Durch den engen Kontakt zur Zarenfamilie lernte er bald die Zarentochter Anastasia kennen. Beide verliebten sich ineinander. Da aber diese Liebe schon aufgrund der Herkunft Georgis keine Zukunft haben konnte, blieb sie ein wohlbehütetes Geheimnis. In den folgenden Jahren kam es zu politischen Unruhen in Russland, die sich letztlich in der Oktoberrevolution entluden und Georgi war fest entschlossen, für Anastasia alles zu tun, was in seinen Kräften stand, um sie zu retten. Der Zar hatte bereits abgedankt, als die gesamte Familie schließlich nach Jekaterinburg in Haus zur besonderen Verwendung deportiert wurden.

London 1981. Georgi ist inzwischen schon 82 Jahre alt, sitzt am Sterbebett seiner Frau Soja und sinniert über die Vergangenheit. Die Gedanken gehen zurück in sein Dorf Kaschin. Er denkt über sein Leben im Winterpalais, die Zarenfamilie, die Zeit nach seiner Flucht aus Russland und die Ehe mit Soja nach.

In diesem Roman greift John Boyne die Legende um das Überleben der Zarentochter Anastasia auf. Er erzählt sie aus der Sicht seines Protagonisten Georgi, dieser berichtet auf einer Handlungsebene über die letzten Jahre der Zarenherrschaft in Russland, auf einer weiteren über sein Leben nach den Geschehnissen in Jekaterinburg bis hinein in die Gegenwart und der Leser erlebt förmlich mit, wie aus Georgi und Soja GeorgiundSoja wurden, wie sie selbst nannten, um die Nähe zu demonstrieren, die beide verband. John Boyne hält sich genau an die historisch vorgegebenen Eckpunkte und verknüpft Realität mit Fiktion. Denn wissenschaftlich ist spätestens seit den 1990er Jahren bewiesen, was in jener Nacht im Haus zur besonderen Verwendung geschah. Aber trotzdem ist dieser Roman etwas Besonderes. Er führt den Leser durch Krieg und Revolution ohne Action-Szenen und lässt uns an einer großen Liebe teilhaben, ohne dabei ins Kitschige abzudriften. Es herrschen die leiseren und besinnlicheren Töne in diesem Buch, das mich sehr berührt hat. Immer wieder gibt es Anspielungen auf Tolstois „Anna Karenina“, so z.B. der erste Satz in Boynes Roman oder die Eislaufszene. Sehr gut hat mir auch der Aufbau des Romans gefallen, die zwei Handlungsstränge, die sich immer mehr annähern, um sich dann zu gegebenen Zeitpunkt zu vereinen. Die vielen Zeitsprüngen bauten eher Spannung auf, als sie beim Lesen hinderlich gewesen sein könnten. Es wirkte auch nicht störend, dass ich schon sehr zeitig den Ausgang des Romans hätte vorhersagen können. Die Geschichte war so abwechslungsreich und interessant und sprachlich eindrucksvoll geschrieben, dass es eine Freude war, sie zu lesen. Der Charakter des männlichen Protagonisten Georgi war fein herausgearbeitet und glaubhaft beschrieben. Besonders seine Naivität, mit der er nach St. Petersburg kam und wie er die ihm fremde, luxuriöse Welt entdeckte, schilderte der Autor meisterlich. Die Charaktere der Zarenfamilie, das ist mein einziger kleiner Kritikpunkt, waren mir persönlich etwas zu weich, zu menschenfreundlich, zu volksnah.

Mein Fazit: „Das Haus zur besonderen Verwendung“ ist ein ausgesprochen schöner Roman, der besonders durch seine Sprache besticht. Wenn die Realität auch nicht so war, wie im Roman geschildert, hätte sie doch genau so gewesen sein können.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er studierte “Englische Literatur’ und ‘Kreatives Schreiben’ in Dublin und Norwich. Er ist der Autor von sechs Romanen, darunter “Der Junge im gestreiften Pyjama”, der zwei Irische Buchpreise gewann, für den “British Book Award” nominiert war und vor kurzem verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.



22. Januar 2011

Dieter Moor – Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht

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Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht
Dieter Moor
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: rororo
ISBN-13: 978-3499624759

Geschichten aus der arschlochfreien Zone

Als Dieter Moor zum erstem Mal mit vollgepacktem Auto samt Anhänger nach Amerika im Brandenburgischen fährt, weiß er noch nicht, was ihn erwartet. Seine Frau hat, mit seiner Zustimmung aber ohne seine vorherige Besichtigung, einen Bauernhof in eben dieser kleinen Gemeinde gekauft. Bei seiner Ankunft waren zwar die Vorbesitzer noch nicht ausgezogen, dafür waren aber schon die eigenen Tiere, Pferde, Esel, Enten, Katzen und Hunde, eingetroffen. So lernt der Neu-Brandenburger schnell, was man in dieser Gegend können muss – improvisieren. Nachdem er erfuhr, dass direkt hinter seinem Grundstück die Landebahn des Flugplatzes endet, ein Nachbar lieber Techno-Partys auf seinem Acker veranstaltet als diesen zu bestellen und vor seinem Haus bald eine Straße entstehen soll, auf der stündlich um die 4000 Kraftfahrzeuge von und nach Berlin verkehren, kommen ihm doch Zweifel, ob die Entscheidung, die Schweiz zu verlassen und ins idyllische Brandenburg zu ziehen, eine gute war. Aber ganz so schlimm, wie er zwischenzeitlich befürchtete, kam es dann doch nicht. Alles wendete sich irgendwie zum Guten. Alles? Naja, fast alles, wenn es das Problem mit der Frischmilch, die es im Dorfkonsum nicht zu kaufen gibt, nicht gäbe.

Zu diesem Buch griff ich aus purer Neugier. Wollte ich doch wissen, was einen Schweizer ausgerechnet ins beschauliche, manchmal verschlafene, gelegentlich öde Brandenburg zieht. (Als Brandenburgerin darf ich das schreiben.) So richtig verstanden habe ich das bis zum Schluss nicht. Gerade Deutschland ist doch bekannt für seine Bürokratie und seinen Regulierungsdrang. Gut, er mag das Preußische, das Geradlinige, das Klare. Leider erfuhr der Leser nicht, was der Autor über seine erste Einkommensteuererklärung in deutschen Landen dachte. Aber genug genörgelt und gewundert. Die Geschichte, die Dieter Moor seinen Lesern erzählt, ist ungemein unterhaltend. Frei von der Leber weg, als wäre er bei einer Stammtischrunde, beschreibt er seine Ankunft in der Fremde, die ihm inzwischen zur Heimat wurde. Dabei kommt er allerdings nicht umhin, so manches Klischee und Vorurteil zu bedienen. Manche relativiert er jedoch oder baut sie gänzlich ab. Ob er die Anekdoten und Anekdötchen wirklich alle so erlebt hat, sei dahingestellt. Letztlich ist es mir auch egal, denn die Lesestunden, die ich mit seinem Buch verbrachte, waren amüsant, obwohl in der zweiten Hälfte des Buches das Erzähltempo deutlich langsamer wurde und die eine oder andere Länge entstand. Er thematisiert u. a. auch die Tierhaltung und das Landleben als Lebensform und legt seine Sicht der Dinge dazu dar. Dieter Moor berichtet aber nicht nur von seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, er erzählt auch die Lebensgeschichte einiger seiner Mitmenschen nach und hinterfragt, warum sie so sind, wie sie sind. So lernt der Leser Bauer Müsebeck, Teddy und seine Brüder, Schwester Alma mit ihrer Tochter und die kittelschürzetragende Besitzerin des Dorfladens und Gattin des Bürgermeisters Frau Widdel näher kennen, alles Originale, aber trotz ihrer Macken allesamt irgendwie liebenswert. Und so hält er dem brandenburger Leser auch schon mal den Spiegel vor die Nase. Macht nischt, so sind wa halt, und wenn der Fettnapf im Weg steht, treten wir auch gern mal rein. Nach zwei Jahren ist Moor der nette (angepasste) Nachbar geworden und hat sich in die Dorfgemeinschaft integriert, das hat nicht jeder Neuzugang Amerikas geschafft.

So ganz glücklich bin ich aber, trotz etlicher Lacher, mit dem Buch nicht geworden. Irgendwie ging seine „Einbürgerung“ zu glatt, oder aber die Schwierigkeiten waren nicht witzig genug, um in dieses Buch einzufließen.

 

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Dieter Moor, 1958 in Zürich geboren, ist Schauspieler und Moderator. Anfang der 90er Jahre moderierte er das preisgekrönte Medienmagazin “Canale Grande” auf VOX. Nach verschiedenen Stationen beim deutschen und eigenen Talkshows im österreichischen und Schweizer Fernsehen präsentiert Dieter Moor seit 2007 das ARD-Kulturmagazin „Titel, Thesen, Temperamente“. Gemeinsam mit seiner Frau Sonja betreibt er in der Nähe von Berlin einen Demeter-Bauernhof.

 

Im Oktober 2011 erscheinen von ihn neue Geschichten aus der arschlochfreien Zone: „Bauer sucht Frau mit Trecker“

20. Januar 2011

Buch der Woche (03. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:35
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Der mdr figaro stellte am Dienstag als neuen Tipp  “Rimbaud oder die Dinge des Herzens” von Samuel Benchetrit vor.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Der »kleine Prinz« der Pariser Vorstadt „Weißt du, Charly, im Leben muss man lieben, und zwar sehr. Man darf niemals Angst haben, zu sehr zu lieben. Diejenigen, die den Schmerz fürchten, glauben nicht an das Leben … Verstehst du, Charly: Was auch geschieht, sieh zu, dass dein Herz immer voll ist.“ Ein kleiner Junge sucht in der feindlichen Umgebung der Pariser Banlieue einen Tag lang nach seiner Mutter – und nimmt uns dabei mit auf eine Reise in eine überraschende Welt voller Hoffnung und Poesie. Eine moderne Fabel, die glücklich macht. Der zehnjährige Charly ist gewohnt, dass die Polizei seine Mutter aus ihrer Wohnung in dem heruntergekommenen Hochhaus holt – immer geht es um seinen Bruder Henry und dessen Drogenprobleme. Doch heute hat sie ihn zum ersten Mal in seinem Leben nicht angelächelt: Was ist passiert? Er muss sie finden, auch wenn er dafür die Schule schwänzt. Mit klopfendem Herzen läuft er durch das Viertel, erzählt von seinen Sorgen und von den zwei Frauen, die er liebt – seine Mutter und seinen heimlichen Schwarm Melanie. Und wenn er gar keine Antworten mehr findet, sucht er Zuflucht bei den Versen seines Lieblingsdichters Rimbaud. Jeder Leser wird den lebensmutigen, weisen Charly ins Herz schließen und nicht mehr daraus entlassen.

Über den Autor

SAMUEL BENCHETRIT, geboren 1973 in Champigny-sur-Marne, ist Schriftsteller, Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor. Für „Rimbaud und die Dinge des Herzens“ erhielt er 2009 den Prix Populiste. Die französische Presse jubelte: „Humorvoll und ernsthaft zugleich – irgendwo zwischen ‚Der Fänger im Roggen’ von Salinger und bester Dickens-Tradition.“

17. Januar 2011

Ingo Schulze – Adam und Evelyn

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 20:49
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http://www.amazon.de/Adam-Evelyn-Roman-Ingo-Schulze/dp/3423138769/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1295293608&sr=1-1Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Ingo Schulze erzählt vom Spätsommer 1989 – und entdeckt in der Wendezeit die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis. Im Spiel mit dem biblischen Mythos von Adam und Eva gelingt ihm eine grandiose Tragikomödie.

Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen schöne Kleider schneidert. Und Adam liebt schöne Frauen. Abgesehen davon liebt er Evelyn. Die aber ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin an den Balaton. Und Adam fährt mit seinem alten Wartburg hinterher. Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist das Paradies zum Greifen nah – und alle müssen sich entscheiden.

Meine Meinung

Das Cover kann einen schon abschrecken. Mich hat es über lange Zeit vom Lesen abgehalten, zu süßlich, zu ostalgisch verklärt, das waren meine Vorurteile zu diesem Buch. Ich musste sie revidieren. Sehr dialoglastig, was aber nicht störend ist, erzählt der Autor die Geschichte von Adam, der von den Frauen geliebt wird, weil er ihnen schöne Kleider näht und dann die Anproben mitunter sehr individuell gestaltet. Als Evelyn ihn auf frischer Tat erwischt und ihm dann sagt, er solle doch abhauen, bekommt dieser Satz in Anbetracht der Zeit gleich noch eine ganz andere Bedeutung. Auf sehr unterhaltsame und amüsante Weise, immer mit einem Augenzwinkern, erzählt Ingo Schulz die Liebesgeschichte von Adam und Evelyn und ihren Verlockungen. Seine Protagonisten hat er sehr realistisch und sehr menschlich gezeichnet. Sie haben Schwächen und Stärken, sie sind liebenswert normal.

Ingo Schulzes Schreibstil ist fast schon minimalistisch. Oft reißt er Szenen nur an, kurze knappe Sätze reichen ihm dafür aus. Immer lässt er Raum für eigene Gedanken. Trotzdem gelingt es ihm ein beeindruckendes, wenn auch manchmal künstlerisch überspitztes Bild der Wendezeit zu zeichnen. Dabei spart er nicht an Details und kleinen witzigen, manchmal auch traurigen Begebenheiten aus dem Leben seiner Protagonisten.

Sein hohes Erzähltempo hält der Autor ziemlich konsequent bis zum Schluss durch, einzig in der Mitte gibt es ein wenig Zeit zum Durchatmen. So ist die 320 Seiten umfassende Erzählung über die Vertreibung aus dem Paradies (oder eher ins Paradies?) schnell gelesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte von 1983 bis 1988 klassische Philologie in Jena. Anschließend war er bis 1990 als Dramaturg am Landestheater Altenburg, dann in einer Zeitungsredaktion tätig. Diese Arbeit führte ihn 1993 für ein halbes Jahr nach Sankt Petersburg. Seither lebt er als freier Autor in Berlin. 2006 erhielt Ingo Schulz den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum und 2008 den Samuel-Bogumil-Linde-Preis für Literatur.

14. Januar 2011

Buch der Woche (02. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:43
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Am vergangenen Dienstag  stellte der mdr figaro Martin Suters neues Buch “Allmen und die Libellen” vor.

Bei Amazon ist darüber zu lesen:

Kurzbeschreibung

Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie.Allmen, eleganter Gentleman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler, hat über die Jahre das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht. Das hochherrschaftliche Anwesen musste er verkaufen, er hat sich mit seinem lebenserfahrenen Faktotum Carlos aus Guatemala ins bescheidene Gärtnerhaus zurückgezogen. So schlecht er mit Geld umgehen kann, so virtuos beherrscht er den Umgang mit Schulden und Gläubigern. Insbesondere die diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder aus der Bredouille. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er guter Lieferant, erst mit Stücken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten, über deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt. Bis ihn nach einem alkoholseligen Opernabend Jojo, eine heißhungrige junge Frau, in die See-Villa ihres Vaters abschleppt und er dort eine Sammlung von fünf bezaubernden Jugendstil-Schalen entdeckt, jede ein kleines Vermögen wert. Und jede mit einem Geheimnis behaftet. Eine Herausforderung, an der er wachsen – oder die ihn das Leben kosten kann.

Über den Autor

Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, lebt mit seiner Frau in Spanien und Guatemala. Er war Werbetexter und erfolgreicher Werber, ein Beruf, den er immer wieder durch andere Schreibtätigkeiten ergänzt oder unterbrochen hat. Unter anderem “GEO”-Reportagen, zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 lebt er als freier Autor, seit 1992 schreibt er die wöchentliche Kolumne “Business Class” in der “Weltwoche”.

Martin Suter ist am 29. März 2004 in Zürich mit der Goldenen Diogenes Eule ausgezeichnet worden.

12. Januar 2011

Lew Tolstoi – Krieg und Frieden

Krieg und Frieden
Lew Tolstoi
OT: Vojna i mir
Gebundene Ausgabe: 2288 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235755

Pierre Besuchow, unehelicher Sohn des reichen Grafen Kirill Wladimirowitsch Besuchow, erbt nach dessen Tod nicht nur den Titel, sondern auch das immense Vermögen des Vaters. Das öffnet dem vorher als tollpatschig und manierenlos belächelten Pierre endgültig die Türen zur höheren Gesellschaft. Lange sucht er nach seinem Platz im Leben, wild sind die Trinkgelage an denen er teilnimmt. Vertrauensselig lässt er sich von seinen Verwaltern hintergehen und von seien vermeintlichen Freunden ausnutzen. Seine erste Ehe mit Hélèn Kuragin wurde arrangiert und verlief unglücklich.

Fürst Andrej Nikolajewitsch Bolkonski zieht 1805 in den Krieg gegen Napoléon, weil es für ihn die bessere Alternative zu seiner Ehe ist, in der er sich nicht mehr wohl fühlt. Seine Frau stirbt bei der Geburt des Sohnes, der daraufhin von Andrejs Schwester Marja im Hause des Vaters aufgezogen wird. Die Prinzessin selbst wird von ihrem despotischen Vater aufs ärgste bevormundet und unterdrückt, erst nach dessen Tod beginnt für sie ein glücklicheres Leben.

Nikolaj, Natascha und Petja sind die Kinder des über seine Verhältnisse lebenden Grafen Rostow. Nikolaj zieht begeistert in den Krieg. Als dies Jahre später auch der Jüngste, Petja, tun will, hat die Euphorie deutlich nachgelassen, das lag nicht nur an den fehlenden finanziellen Mitteln, die für die Ausstaffierung des Jungen aufgebracht werden mussten. So wurden immer öfter die Gedanken auf eine reiche Heirat der Kinder als letzte Hoffnung gelenkt. So ist prinzipiell die Hochzeit Nataschas mit Fürst Andrej bereits beschlossene Sache. Einzig sein Vater, der gegen diese Verbindung ist, fordert von Andrej eine „Wartezeit“ von einem Jahr. Während dieser verliebt sich Natascha in Anatol, nach dem gescheiterten Versuch mit ihm durchzubrennen, löst sie das Verlöbnis mit Andrej.

Pünktlich zum 100. Todestag des großen russischen Dichters Lew Tolstoi legt der Hanser Verlag die Neuübersetzung seines Epos „Krieg und Frieden“ von Barbara Conrad-Lütt vor. Laut dem Verlag soll sie sich stark an das Original angelehnt haben.

Wer bei „Krieg und Frieden“ eine nette Familiensaga erwartet, der wird bitter von diesem Werk enttäuscht sein. Tolstoi erzählt die Russische Geschichte in der Zeit von 1805 bis 1820. In diesem historischen Rahmen, der geprägt ist durch die Napoléonischen Kriege und den Russlandfeldzug Bonapartes, lässt er eine Vielzahl von Personen agieren. Im Mittelpunkt seiner Erzählung stehen die adligen Familien Rostow, Besuchow und Bolkonski, deren Leben Schnittpunkte bei mehreren Generationen aufweist. In verschiedenen Handlungssträngen wird der Leser mit dem Leben und den Lebensumständen dieser Familien sowie mit ihren Ansichten zum Krieg und zu weltanschaulichen Themen vertraut gemacht. So hat Tolstoi nicht nur ein monumentales Epos sondern auch ein Sittenbild dieser Zeit geschaffen. Aus seiner Biographie ist mir bekannt, welch großen Wert Lew Tolstoi auf historische Genauigkeit gelegt hat. Er beschäftigte sich intensiv mit den Napoléonischen Kriegen und konnte so die militärischen Aktivitäten realistisch, detailgetreu und fast minutiös schildern. Ich empfand die Art und Weise der Schilderung der Kriege als besondere Stärke Tolstois. Er lenkt das Augenmerk des Lesers auf das Grauen, das im Krieg das Leben und Sterben begleitet. Er zeigt verschiedene Ansichten und Standpunkte bezüglich des Krieges und schildert ausführlich die Taktiken und Truppenaufstellungen der sich gegenüberstehenden gegnerischen Parteien, berichtet von Kriegseuphorie und nackter Angst. Aber letztlich bleibt immer der Mensch mit seinen Empfindungen, im Mittelpunkt von Tolstois Werk. Sicher ziehen sich die Ausführungen über das Militärische schon gelegentlich über 10 und mehr Seiten. Tolstoi hat es meisterhaft verstanden seine Charaktere sowohl mit Leben als auch mit Gedanken auszufüllen. Es sind Menschen, wie es sie zur Zeit der Handlung gegeben haben mag, sie wirken lebendig und wirklichkeitsnah. Als langweilig oder besonders schwer zu lesen empfand ich das Buch nicht. Im Gegenteil, Tolstois Schreibstil versetzte mich in die Welt des alten Russlands, vor meinem inneren Auge entstanden Bilder, die mich beim Lesen des Buches begleiteten. Die französischen Dialoge störten mich an keiner Stelle, waren doch die entsprechenden Übersetzungen als Fußnote der jeweiligen Seite zu finden. Sehr interessant empfand ich auch das Nachwort und die zusätzlichen Erläuterungen.

„Krieg und Frieden“ ist einer jener Romane, von denen es leider nur wenige gibt, Meisterwerke der Weltliteratur.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Leo Tolstoi (1828-1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa zog er sich auf sein Familiengut zurück und schrieb dort seine großen Werke. Unter dem Eindruck Rousseauscher Ideen verurteilte er Kultur und Zivilisation als das natürlich Menschentum verfälschende Elemente. Werke u.a.: “Krieg und Frieden”, “Anna Karenina”, “Die Kreuzersonate”, “Meine Beichte”.

11. Januar 2011

Roopa Farooki – Als ich lernte zu fliegen

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Als ich lernte zu fliegen
Roopa Farooki
OT: The Way Things Look to Me
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3785760444

Dieses Buch kam als Geschenk zum mir und die Schenkende hatte ein ganz besonders glückliches Händchen bei der Auswahl. Roopa Farooki, eine mir bis dahin völlig unbekannte Autorin, führte mich in die Welt der in London lebenden Murphy-Geschwister. Eine Welt, in deren Mittelpunkt die autistische 19jährige Yasmin steht, deren Bedürfnissen sich das Leben der anderen stets unterzuordnen, zumindest anzupassen, hatte. Asif Murphy ist 23 Jahre alt. Der Not gehorchend hat er sein Studium abgebrochen und erduldet nun einen langweiligen, ihn unterfordernden Büroalltag. Sein Leben ist völlig anders als das von anderen jungen Männern in seinem Alter. Seit dem plötzlichen Tod der Mutter kümmert er sich aufopfernd um Yasmin, die am Asperger Syndrom, einer leichteren Ausprägungsform von Autismus, leidet. Sie hat Inselbegabungen, sieht beispielsweise Musik als Farben und erinnert sich minutiös an vergangene Erlebnisse. Sie braucht einen ganz geregelten Tagesablauf, Veränderungen kann sie nur schwer verkraften. Lila, die andere Murphy-Schwester, 1 Jahr jünger als Asif, ist ihm keine Stütze. Sie hält das alles nicht mehr aus. Sie will nicht mehr fremdbestimmt leben. Sie will leben wie Gleichaltrige, will ins Kino gehen, sich mit Freunden treffen. In manchen Momenten hat sie das Gefühl, die Schwester oder deren Krankheit zu hassen. Nun lebt sie ihr eigenes Leben mit wechselnden Partnern und Jobs – und Neurodermitis. Doch als Yasmin davon berichtet, dass ein Fernsehteam in einer Dokumentation über sie und ihre Krankheit berichten will, bringt das die Geschwister an den Rand einer Katastrophe, denn Yasmin hat einen Plan. Die schwierige Situation, in der sich die Geschwister befinden, wird von der Autorin auf ganz beeindruckende Weise nachvollziehbar und berührend zugleich beschrieben, ebenso die problematische Kindheit von Asif und Lila, die nicht ohne psysischische Folgen blieb. So unterschiedlich die Geschwister auch in ihrem Wesen beschrieben sind, konnte ich für alle sofort viel Sympathie empfinden. Auch die etwas spezielle Lila konnte ich mit ihrer Flucht aus der Familie sehr gut verstehen. Mit wechselnden Erzählperspektiven und Zeitschienen lässt Roopa Farooki ihre Leser Anteil haben am problematischen Alltag der Geschwister und sie baut Verständnis für jedes der Familienmitglieder auf eine sehr feinfühlige Art auf, ohne dabei auf irgendeine Art belehrend zu sein. Oft wird sie sehr deutlich, manchmal sogar drastisch, z.B. wenn sie von Lilas extremer Neurodermitis berichtet. Aber immer erzählt Roopa Farooki bildhaft, einfühlsam und ruhig. Auch wenn ich hier öfter über Krankheiten, psychische Probleme, familiäre Sorgen und auch Wut schrieb ist dies kein tief trauriger problemüberladener Roman. Es gab durchaus auch witzige Begebenheiten, die mich zum Lachen brachten. Mit diesem Buch habe ich eine neue Autorin entdeckt, von der ich gern mehr lesen würde. Die hier vorgefundene Mischung aus Leichtigkeit des Erzählens und Tiefe der Gedanken hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dieses Buch empfehle ich gern weiter.

 

Über den Autor (Quelle: Lübbe.de)

Roopa Farooki wurde in Lahore geboren und wuchs in London auf. Sie machte ihren Abschluss am New College, Oxford und arbeitete in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Roopa lebt jetzt in Südfrankreich mit ihrem Mann und ihren Söhnen. Ihr erster Roman “Kardamom und Honig” stand auf der Shortlist zum “Orange New Writers Award” 2007

8. Januar 2011

Buch der Woche (01. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 13:41
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Als erstes Buch im neuen Jahr stellte der mdr figaro Assaf Gavrons “Alles paletti” vor.

Bei Amazon ist dazu zu lesen:

Kurzbeschreibung

So witzig und absurd wie die besten Filme der Coen-Brüder

»Alles paletti« heißt eine Umzugsfirma in New York, bei der die drei jungen Israelis Johnsy, Schlomo und Izzi das schnelle Geld machen wollen – vergeblich. Und so klauen sie eines Tages den einzigen Umzugswagen inklusive Ladung, darunter zwei von der ukrainischen Mafia frisierte Glücksspielautomaten, und machen sich auf nach Las Vegas. Eine wilde, skurrile Jagd durch ganz Amerika beginnt: Die Mafia jagt die Israelis, der Umzugsunternehmer seinen Laster, das FBI die Mafia, und mittendrin suchen Johnsy, Schlomo und Izzi nur ihr Glück …

Über den Autor

Assaf Gavron wurde 1968 geboren, wuchs in Jerusalem auf und studierte in London und Vancouver und lebt heute in Tel Aviv. Er hat vier Romane und einen Band mit Erzählungen veröffentlicht und ist in Israel Bestsellerautor. Außerdem hat er u.a. Jonathan Safran Foer und J.D. Salinger ins Hebräische übersetzt, ist Sänger und Songwriter der israelischen Kultband “The Mouth and Foot” und war im Schreibteam des Computerspiels “Peacemaker”, das den Nahost-Konflikt simuliert. Einer seiner Romane wird gerade verfilmt.

1. Januar 2011

Das neue und das vergangene Jahr

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 13:42
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Allen meinen Lesern und Freunden wünsche ich ein gesundes, frohes und glückliches Jahr 2011.

 

 

Der Neujahrstag ist ja auch immer ein guter Anlass, um auf das Vergangene zurückzublicken.

Im Jahr 2010 habe ich 73 Bücher mit 30.861 Seiten gelesen. Mein Durchschnittsbuch war 423 Seiten dick. Wie immer gab es herausragende Bücher, im Positiven wie leider auch im Negativen. Die Reihenfolge der aufgeführten Bücher entsprechen keiner Wertung.

Tops:
Der verborgene Brunnen – Sabrina Capitani
Eine Frau flieht vor einer Nachricht – David Grossman
Madalyn – Michael Köhlmeier
Idylle mit ertrunkenem Hund – Michael Köhlmeier
Erebos – Ursula Poznanski
Krieg und Frieden – Lew Tolstoi

Flops
Stadt der Verlierer – Daniel Depp -abgebrochen
Das Mädchen mit den Teufelsaugen – Ines Thorn – abgebrochen
Eine Hochzeit im Dezember – Anita Shreve
Das Herz ihrer Tochter – Jodi Picoult
Die Totengräberin – Sabine Thiesler
Über den Wolken von Afrika – Belinda Seaward

2 Bücher habe ich vergangenen Jahr abgebrochen. Vorsätze habe ich für 2011 nicht.

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