Karthauses Bücherwelt …

28. Februar 2011

Irène Némirovsky – Die Hunde und die Wölfe

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 19:34
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Die Hunde und die Wölfe
Irène Némirovsky
Originaltitel: Les chiens et les loups
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Knaus
ISBN-13: 978-3813502831

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ada Sinner wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Judenviertel einer unbenannten ukrainischen Stadt auf. Ihre Mutter war tot und so musste sie ihren Vater bei seinen Geschäften als Handelsvertreter begleiten. Nachdem der Bruder des Vaters verstorben war, zogen dessen Witwe Rhaissa mit den Kindern Lilla und Ben bei Ada und Israel Sinner ein. Da der Vater Ada nun von der Tante betreut wusste, ging er in der Folge allein seinen Geschäften nach. Während eines Pogroms flüchteten Ada und Ben in die Oberstadt, das Viertel der Reichen, in ein Haus, das Ada schon seit langem bestaunte, das Haus der reichen Sinners. Hier lernte sie ihren Cousin Harry kennen, es war eine schicksalhafte Begegnung, denn sie konnte ihn danach nicht mehr vergessen.

Jahre vergingen und Rhaissa war mit den erwachsen gewordenen Kindern nach Paris gezogen; Ada und Ben hatten geheiratet. Da erfuhr Ada, die Malerin war, dass sich auch Harry, nicht weit entfernt von ihnen, in Paris aufhielt. Gab es doch noch Hoffnung für ihren geheimen Traum? …

In „Die Hunde und die Wölfe“ erzählt Irène Némirovsky die Geschichte der Jüdin Ada Sinner und ihrer Familie, eine Geschichte von Armut und Reichtum, von Emigration und Anpassung, von der Liebe, von Träumen und von der Angst. Ihr gelingt es, diese großen Themen in das doch relativ dünne Buch zu packen, ohne es überladen wirken zu lassen. So schildert sie gekonnt anhand von Israel und Samuel Sinner, von Ben und Harry, Ada und Laurence die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich und den Versuch Adas, den tiefen Graben zwischen diesen Welten durch ihre große Liebe überbrücken. Sie zeigt aber auch deutlich auf, dass die Situation der Protagonisten um Ada auch in der neuen Heimat nicht unbedingt einfacher wurde. Sie mussten wieder ums Überleben kämpfen und waren auch in Paris nur jüdisches Gesindel, wogegen Harry gleich der Schritt in die bessere Gesellschaft gelang. Sehr stimmungsvoll, immer ein wenig melancholisch überschattet und trotzdem nicht ausschließlich hoffnungslos breitet die Autorin das Schicksal ihrer Protagonisten vor dem Leser aus. So wurden die Träume von einem besseren Leben, der Wunsch einfach dazu zu gehören greifbar und nachvollziehbar. Nicht so überzeugend empfand ich die (Zweck-)Ehe von Ada und Ben. Dramaturgisch passte sie gut ins Geschehen, andererseits passte diese Entscheidung so gar nicht zu Bens Charakter, für den es immer nur um Alles oder Nichts ging, Ada für Alles jedoch nicht bereit war. Ihre Geschichte hat mich, besonders zum Ende hin, sehr berührt. Gern hätte ich sie noch ein Stück auf ihrem Weg begleitet.
Beeindruckt war ich besonders von der Beschreibung der historischen Kulisse, dem armseligen Leben der „kleinen“ Juden im zaristischen Russland, den Problemen der Migranten und deren Angst, ausgewiesen zu werden.

„Die Hunde und die Wölfe“ ist kein Liebesroman im klassischen Sinn. Durch die genaue Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse ließe sich dieser Roman schon fast ins historische Genre einordnen, zumal die Liebesgeschichte, die sich durch die Handlung zieht, überhaupt nicht süßlich verkitscht anmutet.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren und kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman “David Golder”, der sie schlagartig zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13. Juli 1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als „Suite française“ veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.

24. Februar 2011

Buch der Woche (08. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:14
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro Helmut Kraussers “Die letzten schönen Tage”.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Serge Hanowski ist Mitte dreißig und Werbetexter in einer Berliner Agentur. Er ist manisch mit einer Prise diabolischem Feuer. Eines Nachts wartet Serge auf die letzte Bahn nach Neukölln, als er auf den Gleisen ein Centstück liegen sieht. Er weiß sofort: Das ist mein Glückscent. Aber runterspringen? Die Vernunft siegt. Serges größter Wunsch ist es, endlich seine Freundin Kati zu heiraten. Was er nicht weiß: Kati hat ein Verhältnis mit seinem Arbeitskollegen David. Doch sie entscheidet sich für ihn und eine gemeinsame Auszeit auf Malta. Die beiden kommen bei den halbseidenen Angestellten eines Online-Poker-Servers unter, was ihr Leben nicht einfacher macht. Und auch auf der Insel wird Serge von Eifersucht getrieben. Er hackt sich in Katis E-Mail-Zugang ein und beginnt in ihr Leben einzugreifen. Kati kann nur ahnen, wozu Serge in der Lage ist. Tempo, Witz und die Fallstricke einer Dreiecksbeziehung machen Helmut Kraussers neuen Roman zu einer rasanten Tragikomödie um Liebe, Entsagung und nahrungsverweigernde Kater.

Über den Autor

Helmut Krausser, geboren 1964 in Esslingen war u. a. Spieler, Nachtwächter, Zeitungswerber, Opernstatist, Sänger in einer Rock`n`Roll-Band und Journalist. (Halb-)freiwillig verbrachte er ein Jahr als Berber. Nebenbei studierte er provinzialrömische Archäologie. er schrieb Erzählungen, Theaterstücke und ein Opernlibretto.

22. Februar 2011

Sabine Weigand – Die silberne Burg

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Die silberne Burg
Sabine Weigand
Gebundene Ausgabe: 572 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt
ISBN-13: 978-3810526649

1390 – 1428. Infolge des Judenschuldenerlasses wurde der jüdische Geldverleiher Levi Lämmlein über Nacht mittellos und musste Nürnberg verlassen. In Köln fand er mit seiner Frau und der Tochter Sara eine neue Heimat. Bereits in ihrer Kindheit freundeten sich Sara und Salo an. Als sie dann Jahre später heirateten, schien das Glück nahezu perfekt und sie waren ihrer silbernen Burg als Ort des Schutzes und des Friedens sowie Stätte des Seelenglücks sehr nahe. Doch schon ein halbes Jahr später starb Salo und nach einem Jahr musste Sara Chajim, den älteren Bruder Salos, heiraten, wie die Tradition es erforderte. Als sie seine Misshandlungen nicht mehr ertragen konnte, floh Sara nach München zu ihrem Onkel Jehuda, der dort ein anerkannter Medicus war. Auch in Sara erwachte das Interesse an der Medizin und nach einigem Zögern wurde Jehuda für seine Nichte zum Lehrmeister.

Ezzo ist der illegitime Sohn des Grafen von Rieden. Nach dessen unerwartetem Tod erhob der Bruder des Grafen Anspruch auf den Besitz, er verbrannte das Testament, woraufhin Ezzo die Burg verließ und sich als Ritter in die Dienste der ungarischen Königin stellte, aber den Kampf um sein Erbe gab er nicht auf.

Ciaran, der irische Mönch, der lange Zeit im Ungewissen über seine Herkunft war, wurde von den Lollarden in die Bestrebungen um eine Reform der katholischen Kirche hineingezogen. Mit einem geheimen Papier von John Wyclif, das seine Eltern hinterließen, machte er sich auf den Weg zu Jan Hus.

Die Wege der drei Protagonisten kreuzten sich. Gemeinsam mit fahrenden Gauklern traten sie die gemeinsame Reise zum Konzil von Konstanz an.

Zu Beginn dieses historischen Romans verlaufen die Handlungsstränge um die Medica, den Ritter und den Mönch parallel. So war ich eine ganze Weile gespannt, was die Drei verbinden könnte. Dieser Ausgangspunkt wurde von Sabine Weigand sehr geschickt gewählt. Der Leser wird Zeuge von christlicher Gewalt bei den Judenpogromen, von Vorurteilen aufgrund des unterschiedlichen Glaubens und von der vorlutherischen Reformationsbewegung innerhalb der katholischen Kirche. Die Autorin gibt aber auch einen sehr guten Einblick in die mittelalterliche Medizingeschichte. So kämpft die jüdische Ärztin Sara, sie ist historisch verbürgt, gegen überlieferte, aber unwirksame Heilmethoden an, die nur dem Geldbeutel der sogenannten Heiler gut taten und setzt mutig und erfolgreich auf Neues. Ausführlich werden jüdische Rituale beschrieben und die Unterschiede und Ähnlichkeiten von jüdischem und christlichem Glauben herausgearbeitet. Aber auch die Geschichte des unter dem Eindruck von John Wyclif’s Lehren stehenden Jan Hus, der für seine offene Kritik an der verweltlichten Kirche und der Lasterhaftigkeit der Kirchenmänner während des Konzils von Konstanz als Ketzer verbrannt wurde, ist in diesem Roman vortrefflich erzählt worden. Wie bereits in den anderen mir bekannten Romanen von Sabine Weigand sind in diesem die Personen sehr natürlich und menschlich mit Stärken und (nicht immer liebenswerten) Schwächen ausgestattet und passen sich auch sprachlich sehr gut ihrer Zeit an. Neben fiktiven Figuren bereicherten zahlreiche historisch verbürgte die Handlung. Aber alle wirkten real und lebensecht und in ihren Gefühlen sehr glaubhaft und nachvollziehbar. Zwischen den einzelnen Kapitel waren immer wieder Zeitdokumente, Behandlungsanweisungen für die Ärzte und Gedichte eingeschoben. Das lockerte die Handlung nicht nur auf sonder erhöhte die Authentizität des Romans. Besonders gut hat mir das Ende des Romans gefallen. Nachdem im Titel und auch zu Beginn der Handlung die silberne Burg thematisiert wurde, findet sich dieses Motiv zum Ende hin wieder und schließt somit den Handlungskreis. Ungewöhnlich, aber sehr gut , fand ich die Erzählperspektive. Die einzelnen Handlungsstränge berichten in der 3. Person von ihren Protagonisten. Die Erzählart wechselt aber in den eingeschobenen Kapiteln, in denen Sara in der Ich-Form direkt ihre Sicht der Dinge schildert.

„Die silberne Burg“ ist ein wirklich hervorragend komponierter und sehr ausgewogener Roman, der alle Anforderungen, die ich an einen wirklich historischen Roman stelle, voll erfüllt. Er ist unterhaltend, spannend, äußerst informativ und historisch korrekt.

Diese Bücher von Sabine Weigand habe ich schon gelesen:

Seelen im Feuer

Die Markgräfin

18. Februar 2011

Markus Lanz – Grönland. Meine Reisen ans Ende der Welt

Einsortiert unter: 2011,Fach- und Sachbuch — Karthause @ 18:56
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Grönland. Meine Reisen ans Ende der Welt
Markus Lanz
Gebundene Ausgabe: 285 Seiten
Verlag: National Geographic
ISBN-13: 978-3866901957

Alle wahre Weisheit findet man nur fern von den Menschen, draußen in der großen Einsamkeit.“ (Igjugarjuk – Inuit-Jäger)

Markus Lanz war mir bisher lediglich als TV-Moderator ein Begriff. Mit dem Buch „Grönland. Meine Reisen ans Ende der Welt“ lernte ich eine ganz andere Seite von ihm kennen, die des Journalisten und Fotografen. Seit Jahren reiste Markus Lanz nach Grönland und hat im ewigen Eis inzwischen Freunde gefunden. Aber was zog ihn immer wieder zu diesem für den Außenstehenden nicht unbedingt einladend wirkenden Teil der Erde, der sich für Lanz zu einer Art Sehnsuchtsland entwickelt hat? Das waren vor allem die Menschen, die, wie er sagte, bei –20°C erst auftauen und der Kälte und den Schneestürmen mit Herzenswärme begegneten. Und es war die Erkenntnis, dass man, wenn man auf diese Menschen traf, auf alles vorbereitet sein musste, auf große Herzlichkeit und tiefe Ablehnung, auf große Offenheit und tiefes Misstrauen. Markus Lanz, der Medienprofi mit dem immer vollen Terminkalender, lernte die Kultur des Schweigens, des Verharrens und des Vertrauens als Gegenpol zu seinem hektischen Alltag schätzen und lieben. Aber ihm ist auch die Natur ans Herz gewachsen, die in diesem Stückchen Erde zerbrechlicher scheint als anderswo. Der Klimawandel und mit ihm das zurückgehende Eis bedrohen die Lebensgrundlage der Inuit und der Ivi ebenso wie die von der Europäischen Union vorgegebenen Fangquoten. Aber auch Alkohol und Drogen sind bis in die Eiswüste vorgedrungen und stellen mit ihren unausweichlichen Folgen ein großes Problem für die Einwohner dar. Neben dem beeindruckenden Text waren es vor allem die wunderschönen Fotos, die mich so berührten. Einmalig erscheinende Stimmungsbilder stehen neben einzigartigen Tierfotografien, Aufnahmen von Naturphänomenen und Porträts. In diesen Fotos erkennt man die enge Verbundenheit des Fotografen Lanz mit Grönland. Fotos, die oft mehr aussagen, als es Worte vermögen. Fotos, die einfach nur schön sind und in denen man versinken möchte. Viele entstanden bei Expeditionen und der Jagd mit den einheimischen Jägern, deren Vertrauen er nach und nach erwarb, weil er mit ihnen lebte und gemeinsam mit ihnen schwierige, manchmal auch lebensbedrohliche Situationen meisterte. Nur deshalb durfte er an ihren Ritualen teilhaben und von ihnen so nahe kommen wie kaum ein anderer. Man glaubt Markus Lanz seine Liebe zu Land und Leuten, die er nicht zuletzt auch dadurch bewies, dass sein Sohn ihn auf den letzten Reisen ans Ende der Welt begleiten durfte.

Dieser Bildband fasziniert durch seine wunderbaren Fotografien und besticht durch sehr menschliche und trotzdem sachliche Beschreibungen des Sehnsuchtslands Grönland. Markus Lanz sieht dabei aber nicht durch die rosarote Touristenbrille. Er richtet sein Augenmerk auch auf die Folgen der Klimaerwärmung und die bei weitem nicht nur positiven Einflüsse der westlichen Zivilisation auf die Inuit und Ivi. Er hat Sorge, dass es diese Welt, so wie er sie noch kennen lernen durfte, nicht mehr lange geben wird.

 

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Markus Lanz, geboren 1969 in Geiselsberg/Südtirol, Fernsehmoderator, Journalist, Fotograf. Zahlreiche Reportagereisen führten ihn u.a. in die USA, aber auch nach Äthiopien, Gambia, Australien, Russland, Grönland und bis zum Nordpol.

16. Februar 2011

Buch der Woche (07. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:18
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Nemesis “ von Philip Roth.

Amazon schreibt darüber:

Kurzbeschreibung

Newark 1944. In der Stadt bricht eine schreckliche Polioepidemie aus. Die meisten Betroffenen sind Kinder, denen Lähmung oder gar der Tod droht. Bucky, ein junger Sportlehrer, bewahrt die Ruhe, während in den Familien Panik herrscht. Als er seine Freundin Marcia in ein Kinderferienlager begleitet, scheint der Fluch der Seuche in der idyllischen Landschaft gebannt. Doch wenige Tage nach Buckys Ankunft erkranken auch hier zwei Jungen an Polio und ihn beschleicht ein schrecklicher Verdacht … 

Über den Autor

Philip Roth wurde 1933 in Newark, New Jersey, geboren. Für sein Werk wurde er mit allen bedeutenden amerikanischen Literaturpreisen ausgezeichnet. Im Jahre 2001 erhielt er die höchste Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters, die Goldmedaille für Belletristik, die alle sechs Jahre für das Gesamtwerk eines Autors verliehen wird. 2006 wurde Philiph Roth mit dem Pen/Nabokov-Preis ausgezeichnet, 2007 erhielt er den Saul-Bellow-Preis des Schriftsteller-Verbands und 2009 den “Welt”-Literaturpreis.

12. Februar 2011

Literatur im ZDF

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Nachdem Amelie Fried und Ijoma Mangold nur kurze Zeit für das ZDF als „Vorleser“ agieren durften, soll es nun einen Neuanfang geben. Wolfgang Herles, der bisherige „Aspekte“-Chef, soll an die Erfolge von „Das Literarische Quartett“ und „Lesen!“ anknüpfen. Ab Juli 2011 wird eine eine auf ihn zugeschnittene Redaktion die Arbeit aufnehmen und im Spätsommer soll die erste Sendung mit neuem Moderator und neuem Konzept ausgestrahlt werden. Herles ist selbst Autor verschiedener Sachbücher und Romane und keineswegs diskussionsscheu. Das macht Hoffnung, dass auch im ZDF die Literatur wieder kontrovers besprochen wird. Wie die Sendung heißen wird und wie viel Sendezeit dem neuen Format gegönnt wird ist bisher unbekannt. Geplant sind sechs Literatursendungen pro Jahr und je eine Sondersendung zu den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Ich lasse mich gern überraschen und drücke allen Beteiligten für ein gutes Gelingen die Daumen.

 

10. Februar 2011

Buch der Woche (06. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:16
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro “Die hellen Tage ” von Zsuzsa Bánk.

Amazon schreibt darüber:

Kurzbeschreibung

In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt.
Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist.
Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben.
Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.
Nach ihrem hochgelobten Debütroman “Der Schwimmer” schreibt Zsuzsa Bánk die bewegende Geschichte dreier Kinder, die den Weg ins Leben finden. “Die hellen Tage” ist ein großes Buch über Freundschaft und Verrat, Liebe und Lüge über eine Vergangenheit, die erst allmählich ihre Geheimnisse enthüllt, und die Sekunden, die unser Leben für immer verändern.

Über den Autor

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für die Erzählung ‘Unter Hunden’ erhielt sie den Bettina-von Arnim-Preis.

8. Februar 2011

Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 18:11
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Nichts
Was im Leben wichtig ist
Janne Teller
Originaltitel: Intet
Broschiert: 139 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235960
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

“Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.” Mit diesem, die Schüler der 7. Klasse einer dänischen Kleinstadt, schockierenden Satz, verlässt Pierre Anthon die Schule und sitzt von nun an auf einem Pflaumenbaum, beschimpft seine ehemaligen Schulkameraden, wirft ihnen seine Wahrheiten an den Kopf, lacht sie aus und provoziert. Sind die Schüler zunächst irritiert, steigert sich das über Beunruhigung bis hin zur Angst. Dann aber werden sie aktiv. Sie beginnen in einem alten Sägewerk die Dinge zusammenzutragen, die für sie im Leben wichtig sind. So wollen sie einen Berg von Bedeutung sammeln, um Pierre zu beweisen, dass er Unrecht hat. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle, sie eskaliert. Und am Ende des Buches steht die Erkenntnis: “Ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll.”

Auf dieses Buch wurde ich zunächst durch „Die Vorleser“ aufmerksam, kurz darauf bekam ich die Empfehlung dafür auch von anderen Seiten. Die Idee für das Buch fand ich sehr gelungen. Janne Teller ließ die Sammlung der für die Jugendlichen bedeutsamen Sachen mit eigentlich recht belanglosen Dingen beginnen, um sie dann aber konsequent so zu steigern, dass die Schüler sich gegenseitig existentiell Bedeutungsvolles abverlangten. Als das Experiment dann letzten Endes immer brutaler wurde und schließlich aus dem Ruder lief, kamen unweigerlich Assoziationen zu Morton Rhue’s „Die Welle“ auf.

Als recht unbefriedigend empfand ich die Zeichnung der Personen. Ich weiß nicht, ob sich die Autorin bewusst zurückgehalten hat, Charaktere herauszuarbeiten, um eben das Augenmerk auf den eigentlichen Kern der Geschichte zu lenken, oder ob es ihr einfach nicht gelungen ist, lebensnahe Figuren zu beschreiben. Ich hätte mir auch gewünscht, dass dieses Buch mehr als nur 139 Seiten umfasst, um mehr Raum für eine philosophisch fundierte Tiefe zu haben. Als philosophisches Werk sehe ich das Jugendbuch von Janne Teller nicht an, dafür genügt es nicht, Bedeutung als Begriff nur anzureißen. Eine gelungene Anregung zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Begriff Bedeutung liefert sie damit allemal. Schon die Widersprüchlichkeit des Titels bietet für eine ausgiebige Diskussion die Grundlage.

Aber auch sprachlich hat mich dieses Buch nicht überzeugt. Besonders die sich ständig wiederholenden Steigerungen störten mich.

Dieses Buch ist es durchaus wert, kontrovers diskutiert zu werden. Es ist für junge Leser ab 14 Jahre geeignet, es wäre aber in jedem Fall empfehlenswert, mit den Jugendlichen nach oder während der Lektüre Grundzüge und Geschehnisse des Buches gemeinsam mit Erwachsenen zu erörtern.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Janne Teller wurde 1964 geboren. Die ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin lebt derzeit in Paris.Sigrid Engeler, geboren 1950 in Wolfenbüttel, lebt heute in Kiel. Sie übersetzte aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen.

 

6. Februar 2011

Tereza Vanek – Die Dichterin von Aquitanien

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 11:09
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Die Dichterin von Aquitanien
Tereza Vanek
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442472260

Frankreich/England in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Marie wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Der Spielmann Guillaume, ihr Stiefvater, der sie nach dem frühen Tod der Mutter allein aufzog, legte mehr Wert darauf, sie Lesen und Schreiben zu lehren als ihr die Dinge des Alltags beizubringen. Im Dorf waren sie Außenseiter, sie waren anders alle anderen und über Maries Herkunft wurde getuschelt. Nach seinem Unfall blieb Guillaume gerade noch Zeit ihr die Geschichte ihrer Herkunft zu erzählen. So erfuhr Marie, dass ihre Mutter, eine Magd, mit Geoffry VI., Bruder des englischen Königs Henri II., eine Liaison hatte, dieser für seine illegitime Tochter Geld schickte und ihnen somit das Überleben sicherte. Auf Betreiben Henri II. wurde sie an den Hof geholt und wurde eine der Damen von Königin Aliénor. Doch Maries Aufenthalt am Hof war nur von kurzer Dauer, schnell hatte der König ihre Ehe mit dem wesentlichen älteren walisischen Prinzen Cadell Rhys arrangiert. Doch der jähzornige Waliser ließ sie seine Burg nicht verlassen und misshandelte sie aufs Ärgste. Das Schreiben von Lais gab ihr in ihrer Einsamkeit Halt . Als die der Kunst sehr zugeneigte Königin von ihrem Können erfuhr, holte sie Marie an den Hof zurück und ließ sie jetzt für sich als Dichterin tätig werden. Schnell avancierte Marie zur Lieblingsdame Aliénors. Damit entkam sie zwar ihrer Ehehölle, aber auch am Hof gab es Intrigen, Neid und Machtkämpfe.
Bisher war mir Marie de France, die erste Dichterin Frankreichs, kein Begriff. Aber Tereza Vanek ist es gelungen, mir ihr Leben, die Lebensumstände und die Zeit nahezubringen. Mit Liebe zum Detail und historischer Genauigkeit ließ die Autorin vor meinem inneren Auge ein Bild entstehen, dass ich als sehr realitätsnah empfand. Ich konnte die Widrigkeiten und Beschwerlichkeiten des Lebens zu damaliger Zeit sehr gut nachvollziehen, konnte mir die örtlichen Gegebenheiten vorstellen und an den Gefühlen der Protagonisten teilhaben. Beeindruckt war ich von der ausgesprochen schönen Sprache, mit der das Buch glänzt. Dadurch konnte ich mich problemlos in die Handlungszeit hinein versetzen, hatte aber nie den Eindruck etwas gekünsteltes zu lesen. Dieser wunderbare historische Roman las sich sehr leicht, die Seiten flogen nur so dahin und ich war viel zu schnell am Ende angelangt. Die Charaktere waren facettenreich und vielschichtig gestaltet, fast hätte man den Eindruck bekommen können, Tereza Vanek kenne ihre Helden persönlich. Über 700 Seiten hält die Autorin den Leser in ihrer Geschichte fest. Spannende und ruhigere Szenen wechseln einander ab, aber Langeweile oder Eintönigkeit empfand ich beim Lesen nie. Eine Zeittafel, ein Stammbaum und eine Karte runden den sehr positiven Gesamteindruck ab.
Dieser Roman ist keine Biografie der Marie de France, auch wenn ihr Leben hätte genau so gewesen sein können, aber er ist auch keiner dieser zur Zeit den Buchmarkt überschwemmenden „Die …in“-Romane. „Die Dichterin von Aquitanien“ ist eine Perle unter den historischen Romanen, mit ihm werden Leser zu „Zeitzeugen“ längst vergangener Zeit.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Tereza Vanek wurde 1966 in Prag geboren und kam als kleines Kind mit ihren Eltern nach München. Sie studierte Anglistik, Romanistik und Slawistik und promovierte über die Darstellung verbrecherischer Frauen im englischen Drama des 17. Jahrhunderts. Sie arbeitete als Fremdsprachenlehrerin, Übersetzerin, Call Center Agent und Teamassistentin und verkaufte im Internet nostalgische Kleidung, bevor sie sich mit ihrem ersten Roman »Schwarze Seide« einen Traum erfüllte und Schriftstellerin wurde. Tereza Vanek lebt und arbeitet in München.

3. Februar 2011

Buch der Woche (05. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:42
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Belüge mich“ von Richard Wagner.

Amazon schreibt darüber:

Kurzbeschreibung

Der letzte Tango Eine junge Journalistin zwischen München und Bukarest: Ein Roman, in dem Geschichte auf schmerzliche Weise zur Familiengeschichte wird. Analytisch und sinnlich schreibend, erweist sich Wagner als ein europäischer Schriftsteller von Format. »Ein Roman ist die Erforschung dessen, was das menschliche Leben bedeutet in der Falle, zu der die Welt geworden ist«, schrieb Kundera. Mit seinem neuen Roman folgt Richard Wagner dieser Maxime, indem er die Kräfte von Verrat und Eros, Vergangenheit und Gegenwart, Familie und Politik auf seine Heldin einwirken lässt: Sandra Horn ist Journalistin. In Bukarest soll sie den Ableger einer Frauenzeitschrift gründen. Dort fängt sie mit dem Anwalt Marcel eine Affäre an, obwohl dessen Frau ihre beste Freundin war. Sandra taucht in die geheime Vergangenheit ihrer und Marcels Familie ein, in das Bukarest der 30er Jahre, in die Tangomusik und die Literatur jener Zeit. Und sie erfährt, dass die alten Konflikte andauern und ihr Leben verändern.

Über den Autor

Richard Wagner, geboren 1952 im rumänischen Banat, arbeitete als Deutschlehrer und Journalist und veröffentlichte Lyrik und Prosa in deutscher Sprache. Nach Arbeits- und Publikationsverbot verließ er Rumänien im Jahr 1987 und lebt seitdem als freier Schriftsteller in Berlin. Er gewann zahlreiche Preise und Stipendien, 2008 wurde er, in der Nachfolge von Karl-Markus Gauß und Karl Schlögel, mit dem Georg Dehio-Buchpreis ausgezeichnet. Werke (Auswahl): “Ausreiseantrag. Begrüßungsgeld” (Erzählungen), “Miss Bukarest” (Roman), “Der leere Himmel” (Essay), “Habseligkeiten” (Roman), “Der deutsche Horizont” (Essay), “Lisas geheimes Buch” (Roman), “Das reiche Mädchen” (Roman).

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