Karthauses Bücherwelt …

29. März 2011

Michael Köhlmeier – Nachts um eins am Telefon

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 18:36
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Das Telefon ist der beste Freund des Einsamen, und Telefongespräche nach Mitternacht sind Unterhaltungen mit Geistern.“, so der Klappentext.

Der Ich-Erzähler telefoniert mit Vorliebe nachts um eins. Er telefoniert mir der Nachbarin, mit Richard, mit der Ex-Freundin und auch mit ihm völlig fremden Menschen, nur um zu sprechen und seiner Einsamkeit zu entfliehen. Alle seine Gesprächspartner bleiben imaginär, die Telefonate stehen großteils für sich, nur wenige bilden einen Zusammenhang. Aber alle sind herausgelöst aus der dem Leser unbekannten Alltagswelt des Erzählers. Unterschwellig erkennt man jedoch die Probleme des Erzählers, dessen vermeintlich einzige Schnittstelle zur Außenwelt das Telefon ist.

Michael Köhlmeier ist ja mit jedem Buch, das ich von ihm las, ein wenig mehr zu einem meiner Lieblingsautoren avanciert. „Nachts um eins am Telefon“ hat mich allerdings nicht so begeistert wie zum Beispiel „Madalyn“ oder „Idylle mit ertrinkendem Hund“. Es ist deshalb nicht schlecht, keineswegs. Aber ich empfand es als schade, dass für mich die Figuren nicht greifbar waren, sie blieben unwirklich, – wie im Klappentext schon geschrieben – Geister. Einige der Gespräche erschlossen sich für mich auch inhaltlich nicht, ich fühlte mich nicht dazugehörig, wie ein Außenstehender, ein Lauscher. Vielleicht hat Michael Köhlmeier dies auch genau so bezweckt, aber ich fühlte mich nicht richtig wohl dabei.

„Nachts um eins am Telefon“ ist weder ein Roman noch eine Sammlung von Kurzgeschichten, es sind Fragmente, die durch die Person des Erzählers verbunden sind. Sie wirkten unglaublich traurig und melancholisch auf mich, sodass ich mich fragte, was den Erzähler wohl in diese Einsamkeit getrieben hat. Bestechend ist auch in diesem Buch der Stil Michael Köhlmeiers, poetisch, ausdrucksstark und feinsinnig. Schon allein deshalb ist es lesenswert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michael Köhlmeier, geboren 1949 in Hard am Bodensee, studierte Germanistik und Politikwissenschaft, sowie Philosophie und Mathematik. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter: Rauriser Literaturpreis, J.-P.-Hebel-Preis, Manès-Sperber-Preis, Anton-Wildgans-Preis. In Österreich erlangte er mit seinen Nacherzählungen von Sagen des klassischen Altertums größte Popularität.

27. März 2011

Buch der Woche (12. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 16:40
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro Stephen Kelman’s “Pigeon English”

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Auch Harri könnte gut einer der Jungs sein, die dort drüben an der Ecke rumlungern. Er könnte einer von ihnen werden. Er würde irgendwann mit dem Dealen anfangen oder seine Tags an die Wände der Hochhäuser sprühen. Dafür spricht einiges, auch wenn Harri erst elf Jahre alt ist. Gerade aus Ghana angekommen, lebt er mit seiner Mutter und Schwester im neunten Stock eines Londoner Sozialbaus. Harri Opoku könnte eine Figur aus der gefeierten Serie “The Wire” sein, einer der weiß, dass Respect und Credibility die Währung sind, mit der man sich auf der Straße durchschlägt. Aber Harri liebt Haribo, den Aufzug, obwohl er nach Pisse stinkt, die Tauben und seine modischen Turnschuhe, Unikate mit selbst gemalten Adidas- Streifen, und mit diesen flitzt er durch sein neues Leben. Doch hier in den grauen Schluchten eines abgehängten Stadtviertels stimmt nichts. Die meisten sind illegale Einwanderer, haben lausige Jobs, und häufig genug werden die Mädchen schon mit vierzehn schwanger. Dann wird ein Nachbarsjunge auf offener Straße erstochen, doch keinen kümmert’s. Nur Harri beginnt seine abstrusen Ermittlungen. Er versucht zu verstehen, wer gut ist, wer böse, wer verdächtig. Er macht sich die Welt um ihn herum so gut begreifbar, wie er kann, doch er spürt, dass nichts dem entspricht, was es zu sein vorgibt. Und mit jeder Zeile spürt das auch der Leser dieser großen Romanentdeckung.

Über den Autor

Stephen Kelman wollte immer schon Schriftsteller werden. Aufgewachsen in Luton, einem Arbeiterviertel im Norden Londons, waren die Voraussetzungen denkbar schlecht. Doch er schaffte das, von dem so viele träumen. Mit seinem ersten Roman – manuskript – Pigeon English – sorgte er für internationales Aufsehen und wurde über Nacht vom arbeitslosen Schriftsteller zum begehrten Debütautor. Vorbei die Zeiten, als er sich als Lagerarbeiter, Altenpfleger und Verwaltungs – gehilfe durchschlug oder ein unveröffentlichtes Drehbuch nach dem nächsten schrieb. Kelman ist 34 Jahre alt, und sein Roman wurde in acht – zehn Länder verkauft.

24. März 2011

André Pilz – Bataillon d’Amour

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:24
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Mayra ist eine lebenslustige und –hungrige junge Kolumbianerin. Sie lebt gemeinsam mit ihrer schwerkranken Mutter und ihrer Schwester in einer elenden Behausung im Slum von Bogotá und träumt von einem besseren Leben. Deutsch hat sie von ihrem Vater gelernt, der zwischenzeitlich aber aus ihrem und dem Leben der Familie verschwunden ist. In einem Internetchat lernt sie einen jungen Deutschen kennen und verliebt sich in ihn. Als sie dann auf eine Stellenanzeige stößt, über die Bedienungen für das Oktoberfest gesucht werden, sieht sie darin eine doppelte Chance, sie könnte den Mann, den sie sie so liebt, kennen lernen und mit diesem Job dem Elend entfliehen. Völlig blauäugig fliegt sie nach Deutschland, dort erfährt sie schmerzhaft, dass sie nicht auf dem Oktoberfest, sondern im d’Amour, einem berühmt-berüchtigten „Club“, arbeiten wird. Sie ist in die Hände skrupelloser Mädchenhändler geraten.

André Pilz ist mit seinem Roman über Mädchenhandel und Zwangsprostitution an die Grenzen des Erträglichen gegangen. Schonungslos, offen und ungeschönt wird dem Leser dieses Milieu nahegebracht. Er scheut sich nicht grausamste Misshandlungen zu beschreiben und dem Leser das Leiden der modernen Sklavinnen nahezubringen. Leider funktionierte der antrainierte Schutz, ‚Es ist ja nur eine fiktive Geschichte’ bei diesem Buch nicht. Dazu waren die Szenen zu lebensecht und unter die Haut gehend. Sicher wird es Leser geben, die diesen Thriller wegen der unmenschlichen Grausamkeiten, der Brutalität, den Vergewaltigungen und den Misshandlungen nicht lesen wollen und nicht lesen können. Lange habe ich überlegt, ob Pilz dieses Thema anders hätte anfassen können und habe mich dann zu einem klaren NEIN durchgerungen. Pilz will bewusst schockieren, er will anklagen und die Augen öffnen.

Auch sprachlich ist das Buch der Thematik angepasst, in einfachem Stil, absichtlich derb, direkt und offen. Nichts wird angedeutet, alles wird beim Namen genannt. Eine besonders schöne und ausgefeilte Sprache würde hierbei nur beschönigen und verdecken. Die Geschichte wird aus der Perspektive Mayras in der Ich-Form erzählt, daneben leitet den Leser ein in der 3. Person berichtenden Erzähler durch die Handlung und deren Hintergründe. Damit erreicht der Autor, dass alle Aspekte ihre Beachtung finden. Die Charaktere passen schon recht gut in die gut-böse-Schablone. Aber ehrlich, ich hatte auch nicht das Bedürfnis die guten Seiten dieser menschlichen Bestien zu erfahren

Mein Fazit: „Bataillon d’Amour“ ist ein unheimlich aufwühlender Thriller, der tief unter die Haut geht, berührt und absolut schonungslos ist. Selten habe ich so viele Unmenschlichkeiten in einem Buch gelesen wie in diesem. Darüber sollte man sich vor der Lektüre im Klaren sein und sich fragen, ob man dazu bereit ist.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

André Pilz, geboren 1972, lebt in München und Vorarlberg. Student, Gitarrist, Briefträger, Museumswärter und Flughafenarbeiter, seit 2007 freier Schriftsteller.

Broschiert: 336 Seiten * Verlag: Haymon Verlag * ISBN-13: 978-3852188478

 

21. März 2011

Buch der Woche (11. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:17
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro Orhan Pamuk’s “Cevdet und seine Söhne”

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Istanbul im Jahr 1905: Cevdet fährt mit der Kutsche kreuz und quer durch die Stadt und wird mit verschiedenen Konfessionen, Nationalitäten, Weltanschauungen und sozialen Verhältnissen konfrontiert. Er versucht, sich über seine Identität und über seine Zukunft klar zu werden. Dreißig Jahre später stehen Cevdets drei Kinder im Mittelpunkt, für die sich alles verändert hat: die Zeitrechnung, die Kleidung, die Schrift, die Gesellschaft, das ganze politische System. Eindringlich und stimmungsvoll schildert Pamuk in seinem großen Familienepos Aufstieg und Fall einer Dynastie. Sein Roman führt durch drei Generationen einer Familie und zeichnet zugleich den Weg der Türkei in die Moderne.

Über den Autor

Orhan Pamuk, geb. 1952 in Istanbul, studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Für seine Romane erhielt er 1990 den Independent Foreign Fiction Award, 1991 den Prix de la découverte européenne, 2003 der International IMPAC Dublin Literary Award, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und in demselben Jahr den Ricarda-Huch-Preis, 2006 den Nobelpreis für Literatur und 2007 die Ehrendoktorwürde der FU Berlin als ‘Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur’.

17. März 2011

Tereza Vanek – Chinatown

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 18:36
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Hamburg, Ende der 1920er Jahre. Eigentlich stammte Mai Ling aus einem angesehenen Elternhaus. Dann wurde der Vater politisch verfolgt, die Familie verarmte und Mai Ling wurde die zweite Frau eines chinesischen Händlers. Aufgrund unglücklicher Ereignisse, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, wurde sie nach Shanghai verkauft und zur Prostitution gezwungen. So erschien es ihr fast schon wie ein Glücksfall, als sie von einem Mädchenhändler an den Zuhälter Liang in Hamburg verkauft wurde. Im Chinesenviertel Hamburgs traf sie auf die junge rothaarige Alexandra. Die wollte als Jazzsängerin Karriere machen, musste aber notgedrungen für ihren Lebensunterhalt als Sekretärin arbeiten, da sich ihre Lebensvorstellungen deutlich von denen der wohlhabenden Eltern unterschieden. Ihnen war das Verhältnis ihrer Tochter zu Sarah, einer jüdischen Anwältin, nicht verborgen geblieben. Nachdem Mai Ling bei einem Besuch bei einem Kunden schwer misshandelt wurde, versteckte Alexandra sie auf Drängen ihrer Freundin bei sich. Langsam kamen sich beide näher.

Romane, deren Handlung hauptsächlich durch eine Liebesgeschichte geprägt sind, finde ich sehr oft langweilig. Ganz anders dieses Buch, denn die erwartete Lovestory entwickelte sich erst recht spät. Zunächst erfuhr der Leser viele Dinge aus dem Leben der Protagonisten, konnte an Höhen und Tiefen ihres Lebens teilhaben und sie in ihrem Handel verstehen lernen. Das Umfeld der Hauptpersonen, das Chinaviertel im Hamburger Hafen, das es wirklich gab, wurde dem Leser ebenso näher gebracht wie die politische Situation. Auch dem Zeitgeist wurde mit Fortschreiten der Handlung immer mehr Rechnung getragen. Empfand ich zu Beginn des Romanes die zeitlichen Gegebenheiten etwas zu wenig betrachtet, so änderte sich das ab der Mitte des Buches grundlegend. Da konnte ich die verrückten 20er Jahre förmlich spüren. Besonders schön und interessant fand ich die Passagen, die sich um den Jazz rankten. Aber auch das Zusammenspiel zwischen den Chinesen und ihre Distanziertheit zu den Einheimischen wurde sehr kompetent beschrieben. Außerordentlich gut hat mir die Charakterisierung von Alexandra gefallen. Sie kämpfte mit allen Mitteln, um die ihr verhasste Stelle als Sekretärin aufgeben und sich ihren Lebenstraum erfüllen zu können. Dazu musste sie eine gescheiterte Beziehung verkraften. Vergessen fand sie im Alkohol. Der Liebesbeziehung zwischen Alexandra und Mai Ling nähert sich Tereza Vanek sehr feinfühlig, vieles wird nur angedeutet und nicht wirklich ausgesprochen. Der Leser darf seine Fantasie bemühen. Abwechselnd wird die Handlung aus der Sicht der beiden Frauen geschildert und immer wieder gibt es höchst interessante und berührende Rückblenden in Mai Lings Vergangenheit.

In einem aufschlussreichen Nachwort klärt die Autorin ihre Leser über die Schnittpunkte ihrer fiktiven Geschichte zur Realität auf, etwas, was ich an historischen Romanen sehr schätze.

Nun freue ich mich auf die weiteren Bücher, die ich von der Autorin noch lesen kann und vielleicht gibt es ja doch einmal einen Roman, der mich als Leser ins ferne China entführt.

 

Über den Autor

Tereza Vanek wurde 1966 in Prag geboren und kam als kleines Kind mit ihren Eltern nach München. Sie studierte Anglistik, Romanistik und Slawistik und promovierte über die Darstellung verbrecherischer Frauen im englischen Drama des 17. Jahrhunderts. Sie arbeitete als Fremdsprachenlehrerin, Übersetzerin, Call Center Agent und Teamassistentin und verkaufte im Internet nostalgische Kleidung, bevor sie sich mit ihrem ersten Roman »Schwarze Seide« einen Traum erfüllte und Schriftstellerin wurde. Tereza Vanek lebt und arbeitet in München.

 

11. März 2011

Buch der Woche (10. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:02
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Der alte König in seinem Exil“ von Arno Geiger.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Wenn einer nicht mehr denken kann wie früher, was ist das für ein Leben? Arno Geigers Vater hat Alzheimer. Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen. Arno Geiger erzählt, wie er nochmals Freundschaft mit seinem Vater schließt und ihn viele Jahre begleitet. In nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätzen entdeckt er, dass es auch im Alter in der Person des Vaters noch alles gibt: Charme, Witz, Selbstbewusstsein und Würde. Arno Geigers Buch ist lebendig, oft komisch. In seiner tief berührenden Geschichte erzählt er von einem Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden.

Über den Autor

Arno Geiger, geb. 1968 in Bregenz, Vorarlberg, wuchs in Wolfurt/Österreich auf. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Seit 1993 lebt er als freier Schriftsteller. 1986-2002 war er im Sommer auch als Videotechniker bei den Bregenzer Festspielen tätig. 1996 und 2004 nahm Arno Geiger am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. 2008 wurde Arno Geiger mit dem ‘Johann-Peter-Hebel-Preis’ geehrt.

7. März 2011

Sue Harrision – Vater Himmel, Mutter Erde

Einsortiert unter: 2011,Challenge,History — Karthause @ 18:28
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Vor etwa 9000 Jahren auf den Aleuten. Chagak war 13 Jahre alt, als ihr Stamm von dem der Kurzen überfallen wurde. Sie musste mit ansehen, wie alle anderen brutal getötet wurden. War ihr Leben bis eben noch glücklich und voller Hoffnung, sie war endlich eine Frau und mit Robbenfänger verlobt worden, so stand sie nun ganz auf sich gestellt in dem zerstörten Dorf vor den Leichen ihrer Lieben. Sie dachte an Selbstmord und bestattete die Toten. Als sie dann noch ihren kleinen Bruder lebend fand, siegte der Lebenswille in ihr, ihm wollte sie das Leben retten und so fuhr sie mit dem Kanu hinaus aufs Meer, um den Jungen zu dem auf einer entfernten Insel lebenden Großvater zu bringen, in ständiger Angst, auf weitere Krieger aus dem Volk der Kurzen zu treffen. Als sie an einem einsam erscheinenden Strand rastete, traf sie auf den alten, seit Jahren allein lebenden Schamanen Shuganan. Er schnitzte aus Elfenbein Figuren, von denen eine ungeheure Kraft ausging, aber auch er konnte den kleinen Bruder von Chagak nicht retten. Diese beschloss, zu bleiben, aber dann kamen auch auf diese Insel Männer vom Stamm der Kurzen und Mann-der-tötet zwang Chagak, seine Frau zu sein…

Wer weiß schon wie sich das Leben der Ureinwohner vor 9000 Jahren auf den Aleuten gestaltete? Sue Harrison weiß sehr genau davon zu berichten und nach dem Lesen dieses Romans habe ich auch eine recht gutes Bild davon bekommen. Die Autorin hat unter anderem die Sprachen der Ureinwohner Amerikas studiert und insgesamt neun Jahre für diesen Roman recherchiert. Dadurch gelingt es ihr sehr gut, dem Leser eine Vorstellung vom Alltagsleben der Ureinwohner zu vermitteln. Beeindruckend fand ich die Beschreibungen von den ganz alltäglichen Arbeiten mit den steinzeitlichen Hilfsmitteln, die das Leben und das Überleben in diesem lebensfeindlich erscheinenden Lebensraum sicherten. Sie berichtet ausführlich von Ritualen und dem Glauben, von Bräuchen und Eigenarten der Eingeborenen. Stellenweise fand ich diese Beschreibungen etwas ausufernd und für die Handlung zu gewichtig. Auch die Charaktere waren mir ein wenig zu einseitig gezeichnet. Es wurde streng unterschieden in Freund und Feind, in gut und böse. Aber insgesamt betrachtet, war dieser Roman gut und flüssig zu lesen, ist spannend geschrieben und bietet interessante Einblicke in das Leben der Vorfahren der Eskimos, wie es sich zu Urzeiten abgespielt haben könnte. Das Buch beinhaltet zudem noch eine Karte und ein sehr nützliches Glossar, das die im Text verwendeten Begriffe der Ureinwohner erklärt.

„Vater Himmel, Mutter Erde“ ist der erste Teil der Ivory-Carver-Trilogie die weiteren Teile sind „Schwester Mond“ und „Bruder Wind“.

 

Über den Autor (Quelle: Klappentext)

Sue Harrison hat englische Literatur und die Sprachen der Ureinwohner Amerikas studiert. Für „Vater Himmel, Mutter Erde“ hat sie neun Jahre lang recherchiert. – Geographie, Archäologie, Antropologie und Kulturgeschichte der Aleuten. Sue Harrison, 1950 geboren, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Pickford, Michigan.

3. März 2011

Buch der Woche (9. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:09
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro “Der Maler und das Mädchen” von Margriet de Moor.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Warum erschlug die achtzehnjährige Elsje, gerade erst nach Amsterdam gekommen, ihr Zimmermädchen mit einem Beil? Und was veranlasste den Maler Rembrandt, dessen Name nicht genannt wird, sich zu dem Leichnam zu begeben und ihn mit wenigen Strichen für immer festzuhalten? Margriet de Moor schreibt einen großen Roman über die Malerei, die Liebe und den Tod im Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Wie eine Malerin wechselt sie in diesem Krimi zwischen Hell und Dunkel und verschränkt die gegensätzlichen Geschichten zu einer spannenden, ergreifenden Erzählung.

Über den Autor

Margriet de Moor, geb. 1941, studierte in Den Haag Gesang und Klavier. Nach einer Karriere als Sängerin, vor allem mit Liedern des 20. Jahrhunderts, studierte sie in Amsterdam Kunstgeschichte und Architektur.

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