Karthauses Bücherwelt …

31. Juli 2011

Buch der Woche (30. KW 2011)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Swamplandia“ von Karen Russell.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Die Familie Bigtree ist weit über Floridas Sümpfe hinaus für ihren Vergügungspark Swamplandia berühmt. Ava träumte zwar schon immer davon, der große Star der Alli-gatoren-Show zu werden, doch seit dem Tod ihrer Mutter bleiben die Zuschauer weg. Nachdem erst ihr Bruder, dann ihr Vater aufs Festland verschwanden sind, ist das Mädchen alleine für die Insel und die siebzig Alligatoren verantwortlich und für ihre ältere Schwester Osceola, die ihr Herz an einen Geist verloren hat. Als auch noch Osceola abhaut, bricht Ava zu einer gefährlichen Odyssee durch den Sumpf auf. Statt gegen Alligatoren kämpft sie nun um ihre Familie und entpuppt sich dabei als wahre Heldin.

Über den Autor

Karen Russell, geboren 1981 in Miami, studierte an der Northwestern
University in Evanston/Illinois Englisch und Spanisch. Ihre Erzählungen erscheinen u. a. im New Yorker und in Granta. Sie hat den “Transatlantic Review/Henfield Foundation Award” erhalten und wurde 2009 von der National Book Foundation zu den fünf besten Schrifstellern unter 35 gewählt.

29. Juli 2011

Per Olov Enquist – Kapitän Nemos Bibliothek

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 18:26
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Kapitän Nemos Bibliothek
Per Olov Enquist
Originaltitel: Kapten Nemos bibliotek
Broschiert: 236 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3596176366

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

In einem kleinen nordschwedischen Dorf, in dem die Armut das Regiment führt, werden 1934 an einem Tag zwei Jungen geboren. Jahre später kommt heraus, dass die beiden vertauscht wurden und bei den falschen Eltern aufwuchsen. Die Kinder werden an die leiblichen Eltern zurückgegeben, was sich aber als Tragödie erweist. Einer der beiden versucht als Erwachsener, sich Klarheit über das tragische Geschehen zu verschaffen. Er hält sich in einer Heilanstalt auf und sieht in seiner verzweifelten Rekonstruktion der Ereignisse einen letzten Versuch zur Selbstrettung.

Meine Meinung

„Kapitän Nemos Bibliothek“ ist die Geschichte zweier Jungen, die nach der Geburt vertauscht und Jahre später aus ihren Familien herausgerissen wurden, damit das Versehen rückgängig gemacht wurde.

Aus Erinnerungsfetzen aneinandergereiht, so setzt sich, je weiter man sich durch dieses Buch liest, Puzzleteil mit Puzzleteil zusammen und erst am Ende des Romans ergibt sich ein (fast) vollständiges Bild. Zu Beginn haderte ich etwas mit dieser Erzählweise, weil ich zu schnell viel mehr erfahren wollte. Man musste sich bewusst auf diesen Stil einlassen und seinen Gedanken Zeit geben. Im Nachhinein betrachtet, finde ich diese fragmentarische Erzählweise genial, spiegelt sie doch nicht zuletzt die innere Zerrissenheit des Erzählers auch Jahre nach dem Rücktausch wider.

Immer wieder flüchtet sich der Ich-Erzähler in seine Suche nach Gott und in seine Fantasiewelt, die Bibliothek von Jules Vernes Kapitän Nemo, weil er sonst das Leben nicht aushalten würde.

Der gesamte Roman war durch eine äußerst bedrückende Atmosphäre gekennzeichnet. Es war kein bisschen Frohsinn oder Hoffnung darin zu finden. Das machte es mir auch schwer eine gewisse Lesefreude zu entwickeln, zumal dieses unendlich traurige, auf mich sehr intensiv und verstörend wirkende Buch seine geballte Wirkung auch erst nach der Lektüre entfaltet. Es hat mich lange, nachdem ich es zurück ins Regal gestellt habe, noch sehr bewegt und wird keineswegs das letzte Buch des Autors gewesen sein, dem ich meine Aufmerksamkeit schenken werde.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Per Olov Enquist, geboren 1934 in Nord-Schweden, lebt in Stockholm. Er arbeitete als Theater- und Literaturkritiker und zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Europas. Für seinen international erfolgreichen Roman “Der Besuch des Leibarztes” (Bd. 15404) wurde er in Leipzig mit dem Deutschen Bücherpreis 2002 ausgezeichnet.

24. Juli 2011

Buch der Woche (29. KW 2011)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Muttersohn“ von Marin Walser.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

WOVON HANDELT DIESER ROMAN? Es ist leichter zu sagen, wovon er nicht handelt. Er handelt von 1937 bis 2008, kommt nicht aus ohne Augustin, Seuse, Jakob Böhme und Swedenborg, handelt aber vor allem von Anton Percy Schlugen. Seine Mutter Josefine, Fini genannt, ist Schneiderin; sie lebt, auch als sie mit einem Mann zusammenlebt, allein. Jahrelang schreibt sie Briefe an Ewald Kainz, der auf den Stufen des Neuen Schlosses in Stuttgart eine politische Rede hielt. Die Briefe schickt sie nicht ab; sie liest sie ihrem Sohn vor und vermittelt ihm so, dass zu seiner Zeugung kein Mann nötig gewesen sei. Mit diesem Glauben lebt Percy. Er wird Krankenpfleger im psychiatrischen Landeskrankenhaus Scherblingen, wird gefördert von Professor Augustin Feinlein und eines Tages mit einem Fall betraut, an dem die Ärzteschaft fast verzweifelt. Es geht um einen Suizidpatienten, einen Motorradlehrer, der sich allen Therapieversuchen stumm widersetzt. Dieser Patient heißt: Ewald Kainz. Percy ist inzwischen berühmt, weil er keiner Weltvernunft zuliebe verzichtet auf die von der Mutter in ihn eingegangene Botschaft vom Kind ohne leiblichen Vater. Berühmt auch durch seine prinzipiell unvorbereiteten Reden. Das ist sein Thema: Ich sage nicht, was ich weiß. Ich sage, was ich bin. «Muttersohn» ist ein Abenteuer, ein wilder, ein mit allen Daseinsfarben auftrumpfender Roman. Ein Roman darüber, was die Liebe vermag, was der Glaube vermag, was die Sprache vermag.

Über den Autor

geboren 1927 in Wasserburg, lebt in Überlingen am Bodensee. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Außerdem wurde er mit dem Orden «Pour le Mérite» ausgezeichnet und zum «Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres» ernannt.

22. Juli 2011

Sabrina Janesch – Katzenberge

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Katzenberge
Sabrina Janesch
Gebundene Ausgabe: 273 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN-13: 978-3351033194

Nele Leipert, eine junge, in Berlin lebende Journalistin, hat ihre familiären Wurzel im Oberschlesischen. Als sie die Nachricht vom Tod ihres geliebten Großvaters erhielt, führ sich nach Polen zu dessen Beerdigung. Schnell kommen Fragen nach dessen Vergangenheit auf und so beschloss Nele, weiter Richtung Osten zu reisen, in die Ukraine, dem ehemaligen Galizien. Von dort wurde die Familie nach dem 2. Weltkrieg nach Polen vertrieben.

Sabrina Janesch legt mit „Katzenberge“ einen beachtenswerten Debütroman vor. Sie erzählt einerseits die Geschichte der Nele Leipert, die sich selbst als in Deutschland angekommen betrachtet, von den Deutschen und den Polen jedoch immer der anderen Seite zugeordnet fühlt. Viele der beiderseitig gängigen Vorurteile werden bedient und mit den dazugehörigen Klischees ad absurdum geführt. Die Autorin erzählt aber gleichzeitig die Lebensgeschichte von Neles Großvater. Mit Neles Reise ins frühere Galizien lichten sich nach und nach die Schleier, die über dessen Vergangenheit lagen. Durch die gekonnten Beschreibungen fühlt man sich als Leser schnell in die harte Nachkriegszeit hineinversetzt. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass die verschiedenen Zeiten ineinander verlaufen, ebenso wie die Grenzen zwischen Realem und Mystischem. Diese etwas rätselhaften Elemente haben mich überhaupt nicht gestört, sie stehen für sich und sind nach der Lektüre des Buches selbsterklärend.
Der Roman ist wegen der angenehmen Sprache und der unterschwelligen Ironie sehr gut und flüssig zu lesen. Er besitzt eine ganz eigene Spannung, die es einem schwer machte, das Buch zur Seite zu legen. Die Charaktere sind lebensnah, wenn auch nicht alle bis zur letzten Konsequenz für mich greifbar waren.
Nicht anfreunden konnte ich mich mit den immer wieder im Buch vorkommenden polnischen Redewendungen und Floskeln. Auch ohne diese wären ihm weder Glaubwürdigkeit noch Authentizität verlorengegangen.
„Katzenberge“ ist eine sehr schöne Reise in die Vergangenheit, in dieser Richtung wird die Geschichte erzählt. Schuld, Vertreibung, ein Familienfluch und die große Liebe einer Enkelin zu ihrem verstorbenen, geheimnisvollen Großvater sind die tragenden Pfeiler in diesem Roman, den ich mit viel Freude gelesen habe und gern anderen Lesern empfehle.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Sabrina Janesch studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, außerdem Polonistik in Krakau. U. a. Gewinnerin des O-Ton Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des LCB. Sie war erste Stadtschreiberin von Danzig und erntete dabei viel Medienaufmerksamkeit. Zurzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Roman. www.sabrinajanesch.de

16. Juli 2011

Buch der Woche (28. KW 2011)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Vorabend“ von Peter Kurzeck.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Seit Mitte der neunziger Jahre arbeitet Peter Kurzeck an dem großen autobiographisch-poetischen Projekt “Das alte Jahrhundert”. Die ersten vier Bände sind bereits erschienen: Übers Eis (1997), Als Gast (2003), Ein Kirschkern im März (2004) und Oktober und wer wir selbst sind (2007). Über das Autobiographische hinaus entsteht eine faszinierende Zeitgeschichte. (Norbert Wehr im WDR) “Im Jahr 1982 in Frankfurt-Eschersheim ein langes Wochenende im Herbst. Der Erzähler ist mit Frau und Kind bei Freunden zu Besuch. Vielleicht das letzte Wochenende, bevor die Freunde nach Südfrankreich ziehen. Der Erzähler ist müde. Will schlafen. Um ihn her der Nachmittag und die vertrauten Stimmen und dazu die Stimmen in seinem Kopf. Und dann muß er erzählen! Eine lange Reise. Und wir begleiten ihn in das Land seiner Kindheit. Das Oberhessen aus der Zeit nach dem Krieg und bis in die Siebziger Jahre. Gestern noch hier und jetzt ein versunkenes Land, eine Sage. Man muß die ganze Gegend erzählen, die Zeit! Und dazu die Menschen. Kleinbauern, Handwerker und Gießereiarbeiter. Die Oberdorfwitwen, die alten Leute und ihre Geschichten. Und die Kinder, als wir alle noch Kinder waren. Die alten Kaufläden. Flohmarkt- und Flüchtlingsgeschichten. Wie es bei der Arbeit zugeht.
Lebensläufe, Vergangenheiten, die Zeit. Was die Zeit mit uns macht. Das Fernsehen. Die Liebe. Drei Paargeschichten. Wie man mitten im Pferdefuhrwerk- und Dampflokzeitalter als Sechsjähriger in Lollar am Güterbahnhof bei der amtlichen Waage steht (neben einer großen Pfütze) und weiß vom Hörensagen, die Erde ist eine Kugel. Ein langer Herbstnachmittag und er ist sechs und muß sich alle Stimmen und Farben und jede Einzelheit merken. Und hat keine Wahl, wird ein Dichter. Wenn man auf einem Berg wohnt, führt jeder Heimweg am Ende mühsam bergauf.
Die Nachkriegs-, die Not-, die Hunger-, die Hamster-, die Schwarzmarkt- und dann die neue und immer noch eine neuere neue Zeit. Der Fortschritt. Und fängt dann zu fahren an. Baustellen, der Straßenbau, Autobahnen, Schnellstraßen und Autobahnzubringer. Staatssekretäre, Ehrenjungfrauen und das Weltbild der Igel. Eine vergessene alte Landstraße, die leer in der Sonne liegt. Supermärkte, Einkaufsfahrten, Räubergeschichten, ein gelungener Amoklauf und die langen Sommer der späten Sechziger Jahre. Ein ganzes Zeitalter und jeder Augenblick fängt zu reden an.”
Über den Autor

Peter Kurzeck ist 1943 in Böhmen geboren und als Flüchtlingskind in Staufenberg im Kreis Gießen aufgewachsen, lebte seit 1970 lange Jahre in Frankfurt am Main. Heute lebt er in Uzès, Südfrankreich, und in Frankfurt am Main. Verschiedene Literaturpreise und Stipendien: Alfred-Döblin-Preis 1991, Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1999, Hans-Erich-Nossack-Preis 2000, Stadtschreiber von Bergen 2000/2001. 2008 erhielt Peter Kurzeck den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis.

13. Juli 2011

Tom Finnek – Unter der Asche

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Unter der Asche
Tom Finnek
Taschenbuch: 656 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3404160518

London 1666. Nur wenige Wochen nach dem verheerenden Brand der vier fünftel von London in Schutt und Asche legte, wurde der vermeintliche Täter, der Franzose Robert Hubert, hingerichtet. Aber hatte er sich wirklich der Brandstiftung schuldig gemacht?
Der 13-jährige Geoffrey Ingram lebte unter elenden Bedingungen, sein Vater, ein Säufer, starb an der Pest. Die Mutter verließ die Familie bereits kurz nach Geoffs Geburt, sein älterer Bruder Edward verschwand vor Jahren und Jezebel, seine Schwester, wurde seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen. Nun musste sich der Junge allein durchschlagen. Abends arbeitete er bei einem Spelunkenwirt, der seine Wut über das Verschwinden Jezebels, sie war seine Bedienung, an dem Jungen ausließ. Sonntags besuchte er die kostenlose Armenschule von Master Gerrard, dem Eremit von St. Olave. Dieser animierte den Jungen, dem geheimnisvollen Verschwindens seiner Familienmitglieder auf den Grund zugehen und seine Geschichte aufzuschreiben.
In Rückblicken, in denen abwechselnd der Ich-Erzähler Geoffrey und ein auktorialer Erzähler über die Geschehnisse berichten, erfährt der Leser die wechselvolle Geschichte der Familie Ingram. Dabei kommt es vor, dass bereits bekannte Gegebenheiten auch aus anderer Perspektive noch einmal geschildert werden. Das fand ich sehr gelungen, als Leser bekam man so von allen Aspekten und Sichtweisen des Geschehens Kenntnis, was der Suche nach der Wahrheit sehr dienlich war. Die Geschichten der vielen Protagonisten, die alle aus den unteren Gesellschaftsschichten stammten, waren einerseits so – zum Teil auch ineinander – verworren und verknüpft, wurden aber nicht zuletzt durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven so glänzend aufgelöst, dass man diesen historischen Roman nur ungern zur Seite legen wollte. Tom Finneks Charaktere lebten. Kein einziger fiel der schwarz-weiß-Malerei zum Opfer, es waren allesamt Personen, von denen man sich gut vorstellen konnte, dass sie genau so zu dieser Zeit gelebt haben könnten, mit ihren guten und schlechten Eigenschaften, ihren harten Schicksalen und den wenigen kleinen Freuden des Alltags. Der Autor behandelt aber auch ohne sich zu verzetteln eine Unmenge Nebenthemen in seinem Roman, wie zum Beispiel die Pest, die Geschichte der Digger und nicht zuletzt den großen Brand. Er erklärt politische und gesellschaftliche Hintergründe ebenso, wie er gekonnt eine Liebesgeschichte in die Handlung eingebaut hat, die einerseits sehr gefällig zu lesen ist, andererseits nicht aufdringlich oder gar kitschig wirkt. Alle diese detailreichen Handlungsfäden verwebt Tom Finnek zu einem äußerst gelungenen Ganzen, zu einem wirklich gelungenen historischen Romane. Dazu trug besonders der Ich-Erzähler Geoff bei. Er führte mich mit einer liebenswerten Schnodderigkeit im Stil von Huckleberry Finn in eine Welt, die der Feder eines Charles Dickens entstammen könnte. Tom Finnek ist ein Erzähler, der mit seinen Worten Bilder malt, die sich im Kopf des Lesers verselbständigen.
Leider ist das Taschenbuch nicht mit dem Stadtplan Londons ausgestattet, warum der Verlag darauf verzichtete, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ein Glossar und eine Karte von der Umgebung von Oxshott sind aber auch in dieser Ausgabe enthalten.
Dieser Roman über Liebe und Hass, Schuld und Sühne, Erbitterung und Rache hat mir äußerst unterhaltsame und kurzweilige Lesestunden beschert. Für mich ist „Unter der Asche“ ein besonderer Roman in der Flut der historischen Romane, den ich sehr gern auch anderen Lesern empfehle.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Tom Finnek, 1965 in Westfalen geboren, lebt als Filmjournalist und Schriftsteller in Berlin. Als Autor (unter dem Namen Mani Beckmann) beschäftigt er sich schon länger mit historischen Stoffen, insbesondere zum Münsterland. Für ihn ist London mit seiner langen, wechselhaften Geschichte genauso faszinierend wie Berlin.
Tom Finnek ist verheiratet und hat zwei kleine Söhne, auf die er sehr stolz ist.
Weitere Informationen: www.tomfinnek.de

10. Juli 2011

Buch der Woche (27. KW 2011)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Liebste Fenchel“ von Peter Härtling.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Der große neue Roman von Peter Härtling.Nach den hochgelobten Romanen über Hölderlin, Schubert, Hoffmann und Schumann widmet sich Härtling nun einer Frau im Schatten ihres berühmten Bruders: Fanny Hensel-Mendelssohn, Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Eine deutsche Familie des neunzehnten Jahrhunderts: Fannys Großvater Moses Mendelssohn war einer der Vordenker der Aufklärung, ihr Vater Abraham Mendelssohn ist Stadtrat in Berlin, beteiligt am Aufstieg der Stadt zur deutschen Metropole, weltoffen und assimiliert, sehr auf die Förderung der musikalischen Anlagen seiner vier Kinder bedacht. Und die geben Anlass zu großen Hoffnungen: Während Fanny, die Älteste, am Klavier und als Sängerin reüssiert, erwirbt sich der vier Jahre jüngere Felix schnell den Ruf eines Wunderkindes – auch dank der Förderung durch seine Schwester, mit der er früh zu komponieren beginnt. Von dem gemeinsamen Aufbruch in die bewegende und beglückende Welt der Musik erzählt Härtling aus der Perspektive Fannys, innig, kenntnisreich und mit einem Gespür für die komplizierte Gefühlslage zweier hochbegabter Geschwister, denen unterschiedliche Wege vorgezeichnet sind: Felix wird ins Licht der Öffentlichkeit treten, während Fanny sich auf das Wirken im Kreis der Familie beschränken muss. Zum Gesellschaftsporträt wird der Roman durch die Vielzahl berühmter Persönlichkeiten, mit denen die Familie verkehrte, von Heine, Kleist, den Varnhagens bis zu Geheimrat Goethe.

Über den Autor

Peter Härtling wurde 1933 in Chemnitz geboren. Er arbeitete als Redakteur bei Zeitungen und Zeitschriften. Anfang 1967 Cheflektor des S. Fischer Verlages in Frankfurt am Main, dort von 1968 bis 1973 Sprecher der Geschäftsleitung, seit 1974 freier Schriftsteller. Das gesamte literarische Werk von Peter Härtling ist lieferbar im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

5. Juli 2011

Andrea Busfield – Mauertänzer

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Mauertänzer
Andrea Busfield
OT: Born Under a Million Shadows
Gebundene Ausgabe: 334 Seiten
Verlag: Atrium-Verlag
ISBN-13: 978-3855350438

Kabul nach 2001. Nachdem Taliban das Haus der Familie zerstört hatten, Vater und Bruder töteten und die Schwester verschleppten, fanden Fawad und seine Mutter Unterschlupf bei der Tante. Sie hatten nun zwar ein Dach über dem Kopf, aber das Leben war schwierig und die Schwester der Mutter trug nichts dazu bei, es einfacher werden zu lassen. Von der Arbeit der Mutter konnten sie nicht überleben. So war der 11jährige Fawad gezwungen, den Reichtum der Ausländer umzuverteilen. Dann bekam die Mutter Arbeit und Unterkunft im Haus von drei in einer Wohngemeinschaft lebenden Ausländern. Fortan bildeten James, ein dem Alkohol nicht abgeneigter Journalist, Georgie, die sich als Aufbauhelferin um die Kashmirziegen kümmert und die lesbische May ihre Nachbarn und Arbeitgeber. Fawad lernte eine völlig neue, sehr freizügige Welt kennen. Mit Georgie, die seine Sprache sprach, führte er intensive Gespräche und schnell entwickelte der Junge eine Schwärmerei für die Engländerin, die mit einem einflussreichen Paschtunen liiert war.
Andrea Busfield hat über Jahre hinweg in Afghanistan gelebt, sie kennt das Land und die Mentalität der Menschen. Der Erzähler der Geschichte ist der 11jährige Fawad, der Mauertänzer. Mit seinen Augen und den kindlichen Gedankengängen öffnet die Autorin dem Leser ein Fenster in das gerade von den Taliban befreiten Afghanistan. Der Charme der Naivität eines Kindes ist es dann auch, der das Buch zu etwas Besonderem macht. So wie Fawad in seiner Wohngemeinschaft zwischen Tradition und Moderne steht, ist es ein Sinnbild für das heutige Afghanistan. Alte und bewährte Werte wie Tradition, Familienzusammengehörigkeit und Solidarität werden mit dem unbekümmert freien westlichen Leben gemessen und am Beispiel von Georgies Beziehung zu dem Paschtunen wird aufgezeigt, wie schwierig die Verknüpfung beider Welten ist.
Fawad erzählt viele Anekdoten aus dem Leben der afghanischen Familie und wenn es dann zu Missverständnissen in seinem neuen Lebensumfeld kommt entbehrt das nie einer gewissen Komik. Andererseits werden auch die Auswirkungen der langjährigen Kriege, der Drogen und der ärmlichen Lebensverhältnisse thematisiert.
In dieses Buch wurden sehr viele Themen angerissen und nicht alle logisch bis zum Ende geführt. Über die Authenzität des Buches wage ich nicht zu urteilen. Ich habe es als fiktive Geschichte einer Autorin gelesen, die Land und Leute gut kennt und entsprechend in ihrem Roman verarbeitet.
Ich habe das Buch, dass sich sehr leicht lesen lässt, in einem Rutsch durchgelesen und habe es sehr unterhaltsam gefunden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Andrea Busfield, Jahrgang 1970, ist britische Journalistin. 2005 erfüllte sie sich einen Traum: Sie zog nach Kabul und arbeitete als Redakteurin bei Sada-e-Azadi (Stimme der Freiheit), von der International Security Assistance Force gegründet. Im Anschluss schrieb sie für die Gulf Times in Qatar, bis sie nach Europa zurückkehrte, um in Wien zu leben.

3. Juli 2011

Buch der Woche (26. KW 2011)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Hobalala“von Marc Fischer.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Girl from Ipanema, Chega de Saudade, Corcovado — diese Klassiker der Bossa Nova sind täglich in den Cafés, Clubs und Radios dieser Welt zu hören. Sie sind berühmt, weil sie so sind, wie Musik sein sollte: ewig gültig und trotzdem immer wieder neu. Erfunden wurde ihr einzigartiger leiser Klang von einem Mann, dessen Gitarre und Gesang alle kennen, mit dem aber kaum jemand geredet hat, weil er sich seit dreißig Jahren in einem Hotelzimmer in Rio de Janeiro versteckt, erst um 8 Uhr abends aufsteht und nie Interviews gibt: Joao Gilberto. Wer ist dieser Joao Gilberto – warum verlässt er sein Zimmer nie, warum spielt er jede Nacht stundenlang nur für die Wände, wenn er vor Zehntausenden auftreten könnte, warum halten ihn fast alle, die je was mit ihm zu tun hatten, für verrückter als Howard Hughes und Thomas Pynchon zusammen? Wer darf zu ihm, wer nicht? In HOBALALA macht sich Marc Fischer auf die Suche nach der letzten großen Musikerlegende unserer Zeit. Er trifft Freunde, Frauen, Weggefährten, um herauszufinden, wie das Herz der Bossa im Innersten tickt und was Lohn und Preis der Kunst sind. Eine Detektivgeschichte zum 80. Geburtstag des großen geheimnisvollen Mr. Joao Gilberto.

Über den Autor

Marc Fischer, (1970 – 2011), lebte als freier Reporter und Autor in Berlin. Er veröffentlichte die Romane “Eine Art Idol und Jäger”; zuletzt erschien der Almanach “Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind)”. Für Hobalala griff sich Fischer eine sehr alte Gitarre und ging für fünf Wochen nach Brasilien, um Joao Gilberto und das Herz der Bossa Nova zu finden.

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