Karthauses Bücherwelt …

30. August 2011

Buch der Woche (34. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:28
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Weiskerns Nachlass“ von Christoph Hein.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Rüdiger Stolzenburg, 59 Jahre alt, hat seit 15 Jahren eine halbe Stelle als Dozent an einem kulturwissenschaftlichen Institut. Seine Aufstiegschancen tendieren gegen null, mit seinem Gehalt kommt er eher schlecht als recht über die Runden. Er ist ein prototypisches Mitglied des akademischen Prekariats. Dieser »Klasse« fehlt jede Zukunftshoffnung: Die selbst gesetzten Maßstäbe an die universitäre Lehre lassen sich nicht aufrecht erhalten; die eigene Forschung führt zu keinem greifbaren Resultat. Für das Spezialgebiet des Rüdiger Stolzenburg, den im 18. Jahrhundert in Wien lebenden Schauspieler, Librettisten und Kartografen Friedrich Wilhelm Weiskern, lassen sich weder Drittmittel noch Publikationsmöglichkeiten beschaffen. Und dann erweist sich das angeblich sensationelle neue Material aus dem Nachlaß von Weiskern auch noch als Fälschung. Seine Bemühungen, eine ihn ruinierende Steuernachforderung zu erfüllen, machen ihm endgültig deutlich: die Welt, die Wirtschaft, die Politik, die privaten Beziehungen – alles ist prekär. Sie zerbrechen, sie setzen Gewalt frei, geben in großem Ausmaß den Schein für Sein aus. Christoph Hein hat mit Rüdiger Stolzenburg eine Figur geschaffen, in der sich prototypisch die Gefährdungen unserer Gesellschaft und unserer Zivilisation am Ende des ersten Jahrzehnts des zweiten Jahrtausends spiegeln. Christoph Hein ist damit der aktuelle, realistische, literarisch durchgeformte Gesellschaftsroman gelungen.

Über den Autor

Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. 1967 studierte an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm mit seinem Prosadebüt Einladung zum Lever Bourgeoise. 2008 wurde Hein mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.

27. August 2011

Theresa Révay – Die weißen Lichter von Paris

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 16:52
Tags: , , , , ,

Petersburg, Paris, Berlin 1917-1945. Die im Jahr 1917 15-jährige Xenia Ossolin, Tochter des russischen Gardegenerals Fjodor Sergejewitsch Ossolin, wuchs bis zur Oktoberrevolution behütet und in einer heilen Welt auf. Als dann aber ihr Vater erschossen wurde, war sie gezwungen mit ihrer jüngeren Schwester Mascha, dem neugeborenen Bruder Kyrill, ihrer von Schwangerschaft und Entbindung geschwächten Mutter, die die Flucht nicht überlebte, und ihrem Kindermädchen über Odessa nach Paris zu fliehen. In Paris lebten die Emigranten unter ärmlichsten Verhältnissen, Xenia musste allein für die Familie sorgen und arbeitete als Näherin für ein Pariser Modehaus. Nur mit viel Mühe und mit zusätzlichen Näharbeiten, an denen die ganze Familie saß, schafften sie es zu überleben. Ihre Verhältnisse besserten sich erst als ein Modemacher Xenia kennen lernte und sie unter seine Fittiche nahm. Schnell wurde sie zum gefeierten Mannequin. So traf sie dann den deutschen Fotografen Max von Passau. Für ihn war Xenia die Liebe seines Lebens, aber sie hatte in ihrem Leben schon zu viel Schreckliches erfahren und zu viele Verluste beklagen müssen, um sich ganz auf ihn einlassen zu können.

Liest man die Kurzbeschreibung dieses Romans oder schaut man das Cover an, meint man, einen leichten, kitschigen Liebesroman vor sich zu haben. Aber der in „Die weißen Lichter von Paris“ gespannte Bogen geht weit darüber hinaus und die Liebesgeschichte ist nur ein Teil dieser umfassenden Familiensaga. Die Autorin thematisiert die Russischen Revolution, die Glamourwelt der Pariser Modeszene, die verrückten 1920er Jahre in Paris und Berlin, die politisch aufgeladene Situation der ausgehenden Weimarer Republik, den Fanatismus im Dritten Reich und die Widerstandsbewegung gegen das Naziregime sowie die Okkupation Frankreichs durch Nazideutschland. Der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut recherchiert leicht verständlich ausgebreitet worden und so eng mit der Romanhandlung verknüpft, dass der Leser in einer atmosphärisch dichten Erzählung, die immer wieder durch Anekdoten von realen Persönlichkeiten aufgelockert wird, gefangen ist. Theresa Révay ist ein Konglomerat aus einem historisch korrekten Roman, einem Politthriller und einer gefühlvollen Liebesgeschichte gelungen. Sie scheut sich nicht, die Gräueltaten aus den bewegten Zeiten der Oktoberrevolution und dem Dritten Reich zu schildern und die daraus resultieren Ängste darzulegen. Aber auch die zarten Gefühle einer entstehenden Liebe werden von der Autorin sehr feinfühlig beschrieben. Aufgrund ihrer Fähigkeit politische Situationen einfach zu erklären und ihre Protagonisten wirklichkeitsnah agieren zu lassen, ist mit diesem Roman ein beeindruckendes Zeit- und Gesellschaftsbild entstanden. Theresa Révays öffnet dem Leser ein Fenster in die damalige Zeit, indem sie gelebtes und nicht doziertes Geschichtswissen vermittelt. Auch die Charakterisierung der Vielzahl ihrer Figuren ist ausgesprochen gut gelungen, alle sind Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, psychologisch ausgefeilt und nicht schablonenhaft. Dabei ist eine Unterscheidung von Realität und Fiktion kaum möglich. Die Lebensumstände der Protagonisten wirken sehr realistisch, die Gefühle sind nachvollziehbar und glaubhaft. Man kann mit Xenia, Mascha, Kyrill, Max, Sarah, Marietta, Kurt und Gabriel mitfühlen und ihre Entscheidungen, auch wenn sie nicht immer richtig sind, nachvollziehen, nichts wirkt künstlich oder aufgesetzt.

Als einzigen Kritikpunkt sehe ich, die im Buch immer wieder vorkommenden Ausblicke auf künftiges Geschehen. Da verlor sich die leichte, elegante Sprache der Autorin und steigerte sich ein wenig ins Pathoshafte.

Der Roman hat meine Erwatungen an ein gutes Buch voll erfüllt. Historische Genauigkeit, durchgehende Spannung, eine unaufdringliche Liebesgeschichte, die zum einem nicht kitschig und zum anderen nicht bis in alle Details ausgearbeitet ist, beiläufige, nicht wertende Wissensvermittlung und ein sehr angenehmer Erzählstil machen diesen Roman aus. Zum Glück liegt schon mit „Der Himmel über den Linden“ für mich bereit, so brauche ich mich von den liebgewonnenen Protagonisten nur ein paar Minuten trennen.

23. August 2011

Buch der Woche (33. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 14:34
Tags: , , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Jáchymov“ von Josef Haslinger.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Sie begegnen sich zufällig: der Verleger und die Tänzerin. Er sucht Heilung im alten Kurhotel von Jáchymov und stößt dabei auf das Grauen dieses Ortes. Die Tänzerin beginnt ihm eine Geschichte zu erzählen, die sie ihr Leben lang begleitet hat. Es ist die Tragödie ihres Vaters. Als Torwart der tschechoslowakischen Eishockey-Nationalmannschaft seit den 1930er Jahren ein Star, konnten ihn seine Erfolge nicht vor der Willkürherrschaft des kommunistischen Regimes schützen. Dann wurde er verhaftet. Man deportierte ihn in die Arbeitslager von Jáchymov, einem Uranbergwerk in einem Tal des Erzgebirges. Nach fünf Jahren wird er amnestiert und als Todkranker entlassen. Seiner Familie bleibt nichts, als ihm beim langsamen Sterben zuzusehen. Die Tochter wird zur Chronistin einer ungewissen Erinnerung, der sie nicht mehr entkommen kann.
Josef Haslinger erzählt in seinem neuen Roman eine Familiengeschichte, verstrickt in die Tragödien des 20. Jahrhunderts.

Über den Autor

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt in Wein und Leipzig. Seit 1996 lehrt Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Haslinger erhielt zahlreiche Preise, zuletzt den Preis der Stadt Wien und den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels. 2010 wird Josef Haslinger der Mainzer Stadtschreiber.

18. August 2011

Biografien-Challenge

Einsortiert unter: Allgemeines,Challenge,Uncategorized — Karthause @ 12:32

In Krümels-Bücherwelt startet die

Biographien Challenge

 

vom 1. Oktober 2011 bis 30. September 2012

Es sind zu lesen 6 Biographien aus 9 Themen:

• Literatur
• bildene Kunst und Musik
• Religion und Philosophie
• Naturwissenschaft, Technik und Medizin
• Politik und Wirtschaft
• besondere Leistung oder besonderes Schicksal ( z. B. Sport oder Krankheit)
• Biographie einer Institution, Landes, Stadt, Fluss u.a.
• Romanbiographie
• Autobiographie

Die Teilnehmer melden sich bitte im Krümel-Forum im entsprechenden Forum an (das geht auch als Gast). Dort kann man im einem persönlichen Ordner eine Bücherliste erstellen, oder aber man liest einfach drauf los. Die Liste darf selbstverständlich auch geändert werden.

Zu den 6 Biographien muss jeweils eine Buchbesprechung in dem entsprechenden Forum eingestellt werden.

Für den Gewinner gibt es einen Gutschein von Amazon über 20 Euro. Wobei der Gewinner nicht gleichzusetzen ist mit dem Schnellsten, der ganz schnell mal 6 Biographien gelesen hat, sondern hier erwartet man Engagement und Diskussionsfreude, eben eine Bereicherung für die Challenge. Der Gewinner wird von einer unabhängigen Jurie gewählt.

 

 

16. August 2011

Buch der Woche (32. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:22
Tags: , , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Ist schon in Ordnung“ von Per Petterson.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Auch wenn die Familie zerrüttet ist und der Alltag knallhart: Audun lässt sich nicht unterkriegen. Schon mit dreizehn hat er während der Ferien in ein paar Pappkartons am Bahndamm gehaust. Jetzt lebt er mit der Mutter in einem Arbeiterviertel in Oslo und trägt Zeitungen aus. Egal, was passiert, Audun schluckt den Schmerz und die großen Gefühle hinunter: „Ist schon in Ordnung.“ Per Petterson aus Norwegen hat einen großartigen Roman über die Jugend, das Erwachsenwerden und die Gesellschaft der 70er Jahre geschrieben: Brutal und zärtlich, schonungslos und poetisch.

Über den Autor

Per Petterson, geb. 1952 in Oslo, ist ausgebildeter Bibliothekar und arbeitete als Buchhändler und Übersetzer, bevor er sich als Schriftsteller etablierte.Ina Kronenberger, geboren 1965 in der Pfalz, übersetzt aus dem Norwegischen und Französischen, u.a. Per Petterson, Linn Ullmann, Ketil Björnstad, Anna Gavalda, Amin Maalouf und Thomas Gunzig.

13. August 2011

Lisa Moos – Das erste Mal und immer wieder

Einsortiert unter: 2011,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 10:37
Tags: , , ,

Das erste Mal und immer wieder
Lisa Moos
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
ISBN-13: 978-3896029591

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)
In diesem Buch erzählt Lisa Moos intim, offen und detailliert über ihre Erfahrungen als Prostituierte: Leidenschaft, Hemmungslosigkeit, Schattenseiten und sexuelle Obsessionen – und warum sie die Hoffnung auf “die große Liebe” niemals aufgegeben hat. “In meinem Leben habe ich circa sechstausendmal sexuelle Handlungen jeder Art mit Männern vorgenommen. Fünfmal wurde mir Gewalt angetan, davon zweimal in meiner eigenen Familie.” Bereits in ihrer Kindheit muss Lisa Moos die Vergewaltigung durch den Großvater und die Schläge des Stiefvaters erleiden. Die Erfahrungen von Gewalt, Sex und männlicher Dominanz bestimmen schon früh ihr Leben.
Mit 16 wird Lisa schwanger und braucht Geld für eine Abtreibung. Ohne Schulabschluss und Berufsausbildung bieten sich ihr kaum Perspektiven. In einem Bordell in ihrer Heimatstadt empfängt sie ihren ersten Freier. Viele weitere folgen.
Mit 26 Jahren hat Lisa schon alle Höhen und Tiefen des Hurenlebens kennengelernt: Sie hat sich auf dem Straßenstrich angeboten, in schäbigen Bordellen “angeschafft”, aber auch als Edelhure in Luxus-Etablissements gearbeitet. Sie berichtet, wie sie ihren Körper für fünfzig Mark in Hinterhöfen verkauft, von Sexorgien mit reichen Geschäftsmännern, Sado-Maso-Partys und von den Obsessionen und besonderen Wünschen ihrer Stammkunden und Freier.
Die Trennung von Beruf und Privatleben fällt Lisa nicht leicht, ihre zwei Ehen scheitern, um das Sorgerecht für ihre beiden Söhne muss sie immer wieder kämpfen. Nur der kleine Christopher bleibt ihr. Mit ihm möchte sie ein neues Leben im Süden beginnen. Doch auch hier holt ihre Vergangenheit sie ein …

Meine Meinung

Schonungslos offen und detailliert berichtet Lisa Moos über ihre Vergangenheit als Prostituierte und wenn ich offen und detailliert schreibe, meine ich das genau so. Nicht alle Episoden ihres Lebens sind leicht verdaulich und somit nicht unbedingt sensiblen Gemütern zuzumuten. Die Sprache ist oft derb und direkt. Sie umschreibt nicht und nennt die Dinge beim Namen.
Besonders bewegt haben mich die ganz persönlichen Dinge, z.B. die nicht unbeschwerte Kindheit, die Freigabe ihres zweiten Sohnes zu Adoption und immer wieder ihre Rückkehr zur Prostitution. Letzteres konnte ich nicht nur nicht verstehen, es machte mich fassungslos. Aber Lisa Moor hat für sich diesen Weg gewählt, es steht mir nicht zu über ihr Leben zu urteilen. Ein Urteil bilde ich mir nur zu ihrem Buch und dieses ist durchaus lesenwert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Lisa Moos wurde in Göttingen geboren. Sie arbeitete mehr als zwanzig Jahre als Prostituierte. Seit zehn Jahren lebt sie mit ihrem Sohn auf Mallorca, wo sie auch ihr Buch geschrieben hat.

9. August 2011

Buch der Woche (31. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 08:23
Tags: , , , , ,

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Wenn wir Tiere wären“ von Wilhelm Genazio.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Das Leben in der modernen Welt verlangt zu viel: tägliche Anwesenheit am Arbeitsplatz, inklusive Engagement und freundlichem Gesicht, die Benutzung von Verkehrsmitteln und den Besuch von Supermärkten. Und dann auch noch das Privatleben. Unausweichlich kommt der Moment, in dem ein Mann nicht mehr weiterweiß – und ehe man sichs versieht, sind es statt einer sogar drei Frauen. Ach, wenn wir doch Tiere wären und die täglichen Zumutungen einfach übersehen könnten! Wilhelm Genazino erzählt ironisch, witzig und böse von einem Mann, der den Alltag nur ertragen kann, indem er das ordentliche Regelwerk durchbricht.

Über den Autor

Wilhelm Genazino, geb. 1943 in Mannheim, lebt heute als freier Schriftsteller in Heidelberg. 1998 erhielt er den ‘Großen Literaturpreis’ der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 2004 den ‘Georg-Büchner-Preis’. 2007 wurde Wilhelm Genazino mit dem ‘Kleist-Preis’ und der ‘Corine’ ausgezeichnet. 2010 erhielt er den ‘Rinke-Sprachpreis’.

 

4. August 2011

Zsuzsa Bánk – Die hellen Tage

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 17:30
Tags: , , , , ,

Die hellen Tage
Zsuzsa Bánk
Gebundene Ausgabe: 540 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3100052223

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt.

Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist.

Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben.

Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.

 Meine Meinung

Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Leben zurück.“

Zsuzsa Bánk entführt die Leser ihres Buches in süddeutsche Kirchblüt in den 1960er Jahren. Sie erzählt die Geschichte dreier Kinder, besser gesagt, die Geschichten derer Familien. Alle haben eines gemein, sie müssten mit Verlust und Abschied zu leben. Über mehr als 20 Jahre begleitet man die drei Protagonisten auf dem Weg durchs Leben.

Das Buch ist in einer wunderschönen einfühlsamen, fast schon poetischen Sprache geschrieben, die leider nicht über die eine oder andere Länge in der Handlung, besonders in der zweiten Hälfte, hinweg täuschen kann. Ein wenig kritisch sehe ich die Entwicklung der Hauptfiguren, denn dies ist schließlich auch ein Roman über das Erwachsenwerden. Weder ihre Persönlichkeiten noch ihre Freundschaft entwickeln sich weiter, ganz im Gegensatz zu ihren Müttern. Aber alle Kritikpunkte werden überlagert von den schönen Bildern der hellen Kindheitstage, einem Kinderparadies, das es heute nur noch selten gibt. Ich habe das Buch mit viel Freude gelesen und empfehle es gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für die Erzählung ‘Unter Hunden’ erhielt sie den Bettina-von Arnim-Preis.

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 35 Followern an