Karthauses Bücherwelt …

31. Oktober 2011

Das blaue Sofa im ZDF

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Am Freitag, 04.11.2011, strahlt das ZDF eine neue Folge der Literatursendung “Das blaue Sofa” um 23 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt 5 Neuerscheinungen aus dem Bereich Belletristik vor und führt Gespräche mit Siegfried Lenz, Jeffrey Eugenides und Cora Stephan.

Diese Bücher werden von Wolfgang Herles vorgestellt:

Siegfried Lenz, “Die Maske” (Hoffmann und Campe)

Kurzbeschreibung von Amazon

Es ist Sommer geworden. Auf der kleinen Insel in der Elbmündung sind die ersten Feriengäste angekommen, und für den Wirt der Gaststätte Blinkfeuer hat die Saison begonnen. Da peitscht ein Unwetter von der Nordsee über die Insel, und als die Menschen sich wieder an den Strand trauen, liegt dort eine große Kiste, im Sturm über Bord gegangen von einem Schiff der China Shipping Container Lines. Darin befinden sich Masken, bestimmt für das Völkerkundemuseum in Hamburg. Die Menschen probieren die Masken an, sind plötzlich selbst Drache, Tiger oder Puma. Die vermeintliche Maskierung bringt das wahre Gesicht zum Vorschein. Daraus ergeben sich Komplikationen … “Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske, und er wird dir die Wahrheit sagen.” Oscar Wilde

Jeffrey Eugenides, “Die Liebeshandlung” (Rowohlt)

Kurzbeschreibung von Amazon

Der lang erwartete neue Roman vom Autor des Welterfolgs «Middlesex» – eine dramatische Dreiecksgeschichte, ein ebenso komisches wie überraschendes Buch über die Spielarten und Wege der Liebe. Amerika, Anfang der achtziger Jahre, ein College an der Ostküste. Madeleine Hanna, begeisterte Leserin von Roland Barthes, schreibt eine literaturwissenschaftliche Arbeit über die «Liebeshandlung» viktorianischer Romane. Während sie über den uralten Beweggründen des menschlichen Herzens brütet, bricht das wirkliche Leben in Gestalt zweier junger Männer über sie herein. Leonard Bankhead, charismatischer Einzelgänger mit scheinbar unerschöpflichem Elan, taucht Tabak kauend in einem Semiotik-Seminar auf, und schon bald verstrickt sich Madeleine in eine erotisch und intellektuell aufgeladene Beziehung. Zur selben Zeit lässt sich ihr alter Freund Mitchell Grammaticus wieder blicken, besessen von dem Gedanken, Madeleine sei für ihn bestimmt und er für sie. Wenig später, den Collegeabschluss in der Tasche, werden alle drei gezwungen, vieles in neuem Licht zu sehen. Leonard und Madeleine ziehen in die malerische Dünenlandschaft von Cape Cod; Mitchell, in Gedanken oft bei Madeleine, reist mit einem Rucksack voller Bücher über christliche Mystik bis nach Indien, stellt sich den Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Existenz Gottes und dem, was Liebe ist. Gibt es die großen Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts nicht mehr, heute, in Zeiten von sexueller Freiheit, Eheverträgen, Scheidungen? Indem Jeffrey Eugenides eine totgeglaubte Tradition erneuert, meldet er sich als einer der bedeutendsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur zurück. «Atemberaubend geschrieben – wieder beweist Jeffrey Eugenides, dass er einer der besten Romanautoren der Gegenwart ist.» KIRKUS REVIEWS «Jeffrey Eugenides ist ein großer, großzügiger Autor: großzügig gegenüber seinen Lesern, da er ihnen Geschichten erzählt, die sie mit Sicherheit unterhalten, und großzügig gegenüber seinen Figuren, die wie alle, die wir aufrichtig lieben, herumschlingern und sich abrackern und leiden und bereuen.» JONATHAN FRANZEN

Antje Rávic Strubel, “Sturz der Tage in die Nacht” (S. Fischer)

Kurzbeschreibung von Amazon

Antje Rávic Strubel erzählt eine behutsame Liebesgeschichte und eine perfide politische Story. Wem gehört die eigene Vergangenheit, wenn zwischen Erinnerung, Stasilegende und Lüge nicht mehr zu unterscheiden ist?
Eine Vogelschutzinsel in der Ostsee. Dort begegnet der junge Erik der älteren, verschlossenen Forscherin Inez und nähert sich ihr mit zärtlicher Unbeschwertheit. Mit ihm ist Rainer Feldberg auf die Insel gekommen, eine undurchsichtige Figur, der die beiden beobachtet, befragt, aushorcht. Es stellt sich heraus, dass Inez und er sich von früher kennen. Welches Spiel wird hier gespielt? Aus den Andeutungen Feldbergs, dem Wenigen, das Inez erzählt, und aus Aufzeichnungen, die Erik findet, setzt sich nach und nach eine unglaubliche Geschichte zusammen: Die Biographie eines ostdeutschen Jungen, die als Stasi-Legende und Polit-Story erfunden wird. Seine Geschichte.

Umberto Eco, “Der Friedhof in Prag” (Hanser)

Kurzbeschreibung von Amazon

Paris, 1897. Der Italiener Simonini erwacht in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich von seiner Kindheit über die Erlebnisse während des Risorgimento und der Pariser Kommune an die Gegenwart heranzutasten. Doch während er schläft, kommentiert jemand seine Einträge und entlarvt Simonini nicht nur als durchtriebenen Fälscher und Agenten, sondern auch als höchst gefährlichen Antisemiten und Mitverfasser der Protokolle der Weisen von Zion. Atemberaubend virtuos spielt Umberto Eco mit historischen Fakten und literarischer Fiktion, mit Wahrheit und Fälschung, mit Identität und Erinnerung.

Emma Donoghue, “Raum” (Piper)

Kurzbeschreibung von Amazon

Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein  Oberlicht und ist zwölf Quadratmeter groß. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch  geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

 

 

Quelle: http://www.prnewsnet.de/tv-medien/zdf-literatursendung-blaue-sofa-wolfgang-herles-4112011-um-2300-uhr.html

Ich wünsche allen Freunden der Literatur ein gutes Durchhaltevermögen bis zu dieser späten Stunde.

30. Oktober 2011

Theresa Révay – Der Himmel über den Linden

Einsortiert unter: Uncategorized — Karthause @ 13:28

Der Himmel über den Linden
Theresa Révay
OT: Tous les rêves du monde
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442472956

Paris, Berlin, New York, 1945 – 1955. Xenia Ossolin musste ihrer Tochter Natascha, nachdem sie die Tochter und ihre beiden Pflegekinder aus dem Süden Frankreichs, wohin sie sie in Sicherheit vor den deutschen Besatzern brachte, wieder nach Paris geholt hatte, die Wahrheit sagen. Xenias Mann hatte sich blenden lassen von den Nazis und einträgliche Geschäfte mit ihnen gemacht. Aus Angst vor Verfolgung durch die Behörden, aber auch aus der Erkenntnis heraus, dass seine Frau ihn niemals lieben wird, hatte er sich das Leben genommen. Das musste sie Natascha so schonend wie möglich erklären, aber sie musste ihr auch endlich sagen, dass Gabriel nicht ihr leiblicher Vater war, sondern der deutsche Fotograf Max von Passau.

In diesem Roman erzählt Theresa Révay die Geschichte von Xenia und Max weiter, die Handlung schließt direkt an die des Vorgängerromans an. Die lobenden Worte, die ich schon zu „Die weißen Lichter von Paris“ fand, kann ich auch für diese Fortsetzung nur wiederholen. Die Handlung ist im Berlin und Paris der Nachkriegszeit angesiedelt und der Autorin gelang es ausgezeichnet, dem Leser ein Stimmungs- und Zeitbild dieser harten und schwierigen Zeit zu zeichnen. Umbrüche und Aufbrüche waren nicht nur ein Kennzeichen dieser Epoche, sie waren auch im Leben und den Charakteren der Protagonisten zu finden, als besonderes Beispiel sei hier nur der Neffe von Max, genannt. Der historische Hintergrund war auch in diesem Roman nicht nur pure Kulisse. Die Personen waren mit ihrem Tun und Lassen ins politische und gesellschaftliche Geschehen fest integriert, die entscheidenden historischen Ereignisse waren gekonnt eingearbeitet und die Autorin konnte dem hohen Standard aus dem 1. Teil mühelos wieder gerecht werden. Eine große Stärke der Autorin ist ihre wertungsfreie Erzählweise. Auch wenn sie ihre Protagonisten in die falsche Richtung laufen lässt, erhebt sie nie den moralischen Zeigefinger, sondern zeigt logisch und konsequent die Folgen ihres Handelns auf. Das macht sie besonders menschlich und man kann sich als Leser gut in deren Denkweise einfühlen. Die Personen entstammen den verschiedensten Schichten, sind allesamt sehr gut charakterisiert und bereichern die Handlung durch die unterschiedlichen Lebens- und Sichtweisen.

Mein Fazit: „Der Himmel über den Linden“ ist die gelungene Fortsetzung von „Die weißen Lichter von Paris“. Nur ungern trennte ich mich von Xenia, Max, Natascha, Lilli und Felix. Auch dieses Buch brachte mir sehr schöne Lesestunden mit vielen Einblicken in die jüngere Geschichte. Ich empfehle beide Bücher sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Theresa Révay, 1965 in Paris geboren und aufgewachsen, studierte französische Literatur an der Sorbonne. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman mit Anfang zwanzig. Danach arbeitete sie viele Jahre als Übersetzerin und Gutachterin für verschiedene französische Verlage. „Die weißen Lichter von Paris“ ist ihr dritter Roman in deutscher Übersetzung. Momentan schreibt Theresa Révay an einer Fortsetzung.

25. Oktober 2011

Buch der Woche (42. KW)

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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Sture Hunde“ von Jens Wonneberger.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Martin Rohrbach kehrt nach Jahren zurück ins Windmühlenhaus. Dort, in der Nähe des Dorfes allein auf einem Hügel, hat sein Vater gewohnt bis zu seinem Tod. Nur kurz will Martin bleiben, den Vater beerdigen, das Nötigste erledigen und danach nichts wie weg. Doch plötzlich fragt er sich, was es mit der Freundschaft seines Vaters zum alten Lindner auf sich hatte. Warum haben die beiden so lang um diesen unscheinbaren Streifen Land gerungen, der das Windmühlenhaus umgibt? Und was ist aus Martins Jugendgefährten geworden, was aus seinen Rivalen? Alte Freundschaften und Begehrlichkeiten, ein verborgener Schatz und ein nie verjährter Verrat halten ihn zurück in dieser flirrenden Sommerlandschaft, die bei aller Schönheit zum Idyll nicht taugt: Zu weit weg ist das Meer, zu nah die Autobahn, zu weit weg die Arbeit und viel zu nah eine lang geliebte Frau. In kräftigen Farben und zarten Tönen erzählt Jens Wonneberger davon, wie Menschen aufeinander treffen und alles auf eine Karte setzen, um das zu erreichen, was ihnen das Glück bedeutet.

Über den Autor

Jens Wonneberger: Geboren 1960 in Großröhrsdorf. Seit 1992 ist er Schriftsteller und Literaturredakteur des Dresdner Stadtmagazins SAX. Zahlreiche Veröffentlichungen.

24. Oktober 2011

Janne Teller – Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

Einsortiert unter: 2011,Jugendbuch — Karthause @ 11:06
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  Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

 Stell dir vor, es ist Krieg – nicht irgendwo weit weg, sondern hier in Europa. Die demokratische Politik ist gescheitert und faschistische Diktaturen haben die Macht übernommen. Wer kann, flieht in den Nahen Osten, wie der 14-jährige Protagonist aus Deutschland. In einem ägyptischen Flüchtlingslager versucht er mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Weil er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, kann er nicht zur Schule gehen, kein Arabisch lernen, keine Arbeit finden. Er fühlt sich als Außenseiter und sehnt sich nach Hause. Doch wo ist das? Nach dem Bestseller “Nichts” eine neue erschreckende Vision von Janne Teller zu hochaktuellen Themen wie Flucht, Migration und Fremdenfeindlichkeit.

 Meine Meinung

In Form eines EU-Passes präsentiert sich Janne Tellers „Krieg“. Das schafft Nähe. Noch unvermittelter wird das Ganze mit der persönlichen Aufforderung, der Leser wird direkt angesprochen, sich das für uns inzwischen, zum Glück, Unvorstellbare vorzustellen. Zerbombte Häuser, Terror, Verfolgung, Flucht, Tod, Krieg – mitten in Deutschland, eine zerbrochene Europäische Union, Frankreich und Griechenland als Feinde der Deutschen, die Asylsuche in Ägypten. Das Besondere dabei ist, dass dieses Büchlein für die deutsche Übersetzung speziell an die hier herrschenden Bedingungen und die Besonderheiten Deutschlands angepasst wurde. So entsteht eine nahezu lebensechte Fiktion, die einem eine Gänsehaut verursacht. So werden die Themen Flucht und Migration aus einem uns unbekannten Blickwinkel inszeniert. Sehr gut zu diesem Buch passen die Illustrationen von Helle Jensen. Auf nur 64 Seiten schafft es die Autorin, den Leser persönlich anzusprechen, ihn in diese Fiktion aufzunehmen und ihm die Probleme der Migranten in der fremden Kultur, mit unbekannter Sprache und die Ablehnung bei den Einheimischen vor Augen zu führen und unsere „heile Welt“ auf den Kopf zu stellen. Andererseits finde ich es ein wenig schade, dass Janne Teller sich mit diesen wenigen Seiten zufrieden gibt. Der Stoff hat Potential für so viel mehr.

„Krieg“ ist ein sehr dünnes Büchlein, berührt aber ungemein und hat ein hohes Diskussionspotential, es rüttelt auf und macht einem deutlich, wie glücklich wir uns schätzen können, in relativer Sicherheit zu leben. Ich empfehle dieses Buch jungen und erwachsenen Lesern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Janne Teller, geb. 1964, ist ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin. Sie lebt derzeit in Paris.

18. Oktober 2011

Buch der Woche (41. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:31
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Der Friedhof in Prag“ von Umberto Eco.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Paris, 1897. Der Italiener Simonini erwacht in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich von seiner Kindheit über die Erlebnisse während des Risorgimento und der Pariser Kommune an die Gegenwart heranzutasten. Doch während er schläft, kommentiert jemand seine Einträge und entlarvt Simonini nicht nur als durchtriebenen Fälscher und Agenten, sondern auch als höchst gefährlichen Antisemiten und Mitverfasser der Protokolle der Weisen von Zion. Atemberaubend virtuos spielt Umberto Eco mit historischen Fakten und literarischer Fiktion, mit Wahrheit und Fälschung, mit Identität und Erinnerung. 

Über den Autor

Umberto Eco, geboren 1932 in Alessandria, lebt heute in Mailand. Er studierte Pädagogik und Philosophie und promovierte 1954 an der Universität Turin. Anschließend arbeitete er beim Italienischen Fernsehen und war als freier Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation in Turin, Mailand und Florenz tätig. Seit 1971 unterrichtet er Semiotik in Bologna. Eco erhielt neben zahlreichen Auszeichnungen den “Premio Strega” (1981) und wurde 1988 zum Ehrendoktor der Pariser Sorbonne ernannt.
Er verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. Seine Romane “Der Name der Rose” und “Das Foucaultsche Pendel” sind Welterfolge geworden.
2011 wurde Umberto Eco mit dem “Premio Pavese” ausgezeichnet.

13. Oktober 2011

Louis Begley – Der Fall Dreyfus

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Der Fall Dreyfus
Louis Begley
Originaltitel: Why The Dreyfus Affair Matters
Gebundene Ausgabe: 247 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN-13: 978-3518420621

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Im September 1894 entdeckte der französische Geheimdienst eine undichte Stelle im Generalstab der Armee: Militärische Geheimnisse wurden verraten, ausgerechnet an die Deutschen. Indizien für eine Täterschaft fehlten, doch ein Verdacht genügte. Nur wenige Wochen später wurde Hauptmann Alfred Dreyfus verhaftet, des Landesverrats für schuldig befunden und zu lebenslanger Verbannung auf der Teufelsinsel verurteilt. Kaum jemand zweifelte an der Richtigkeit des Urteils: Dreyfus war Jude. Dass ein »echter« Franzose einer solchen Tat fähig wäre, schien undenkbar. Louis Begley, der in diesem Buch zum ersten Mal aus seinem reichen Wissen als Anwalt schöpft, rekonstruiert den heute fast vergessenen Fall Dreyfus: die Hintergründe und Intrigen, die kriminellen Manipulationen in höchsten Kreisen, die Spaltung der französischen Gesellschaft in »Dreyfusards« und ihre konservativen Gegner. Begley zeigt, wie Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft funktionieren, damals wie heute: Vorannahmen führen zur Anklage, Racial Profiling ersetzt die Suche nach der Wahrheit, Beweise werden fabriziert. Und Guantánamo liegt der Teufelsinsel näher, als man glauben mag.

Meine Meinung

Nach den Romanen von Louis Begley griff in nun zu diesem Essay. Darin stellt Louis Begley die Affäre um den wegen Landesverrat verurteilten und auf die Teufelsinsel verbannten französischen Juden Alfred Dreyfus den Vorgängen von Guantánamo gegenüber. Dabei deckt er Analogien auf, die man auf Anhieb nicht für möglich hält, trennen diese beiden Geschehnisse doch gut 100 Jahre. Aber Rechtsbeugung, Manipulation von Beweisen und weil nur sein kann, was auch sein darf ist die Wahrheitsfindung in beiden Fällen nicht vorurteilsfrei, die Folgen für die Betroffenen waren und sind jeweils unmenschliche Haftbedingungen. Begley beleuchtet die Dreyfus-Affäre wesentlich ausführlicher als das aktuelle Geschehen. Er sucht die Ursachen für Dreyfus’ Verurteilung bereits im deutsch-französischen Krieg von 1871 und analysiert den zunächst latenten, aber immer stärker werdenden Antisemitismus im Frankreich der damaligen Zeit. Louis Begley greift bei seinem Buch auf seine unfangreichen juristischen Erfahrungen und Kenntnisse zurück. Zwischen dem Schriftsteller und dem Rechtsanwalt kommt es zur fruchtbaren Symbiose. Das schlägt sich besonders in der guten Lesbarkeit und der aufgebauten Spannung dieses doch komplizierten Falles nieder. Die schier unübersichtliche Anzahl von Fakten, Beweisen und Originalzitaten werden durch den gelungenen populärwissenschaftlichen Stil leichter verdaulich. Im Vorwort seines in Buchform erschienenen Essays wird die Hoffnung deutlich, die er in die Präsidentschaft Barak Obamas setzt. Eine aktuelle Einschätzung der Lage im Lager Guantánamo durch Louis Begley würde mich schon sehr interessieren. Dieses Buch kann ich allen Politikinteressieren guten Gewissens empfehlen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Louis Begley wurde am 6. Oktober 1933 unter dem Namen Ludwik Begleiter als Sohn polnischer Juden in einer kleinen Stadt im Osten Polens (heute Ukraine) geboren. Er selbst und seine Mutter entgingen, als katholische Polen getarnt, dem Holocaust. Nach dem Ende des Krieges kam die Familie wieder zusammen. Vier Monate blieben sie in Paris, wo Vater und Sohn Englisch lernten. Im März 1947 siedelte die Familie Begleiter in die USA über und ließ sich in Flatbush/Brooklyn nieder, wo sie den Namen Begley annahm.1950 erhielt Louis Begley ein Harvard-College-Stipendium und wurde damit zum Harvard College zugelassen; 1954 legte er sein Examen in Englischer Literatur ab. Von 1956 bis 1959 studierte er an der Harvard Law School und arbeitete im Anschluss bis zum Jahr 2004 als Anwalt in der Kanzlei Debevoise & Plimpton. Ende der sechziger Jahre arbeitete er bei der französischen Niederlassung von Debevoise in Paris. 1991 legte Louis Begley seinen ersten Roman vor: Wartime Lies, (Lügen in Zeiten des Krieges), New York 1991 – Suhrkamp 1994. Er gilt als ein wichtiges Dokument der literarischen Erinnerung an den Holocaust. Louis Begley lebt in New York.

11. Oktober 2011

Buch der Woche (40. KW 2011)

In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Der Traum des Kelten“ von Mario Vargas Llosa.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Gequält von Mückenstichen, Schlafentzug und Verzweiflung sitzt Roger Casement 1916 in einer Gefängniszelle im Londoner Pentonville Prison und wartet auf seine Hinrichtung. Der einstige Held ist zum Geächteten geworden. Nun erinnert sich Casement an sein Leben als Diplomat und Abenteurer, der sich dem Kampf gegen die grausamen Kolonialherren im Kongo und Amazonas gewidmet hatte. Gegen die Habgier, Brutalität und Unersättlichkeit, die die Eroberer gegenüber den Eingeborenen walten ließen. – Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Über den Autor

Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits während seines Studiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen, ehe 1963 sein erster Roman Die Stadt und die Hunde erschien. Der peruanische Romanautor und Essayist ist stets als politischer Autor aufgetreten und ist damit auch weit über die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Das grüne Haus, Das Fest des Ziegenbocks, Tante Julia und der Kunstschreiber und Das böse Mädchen.
Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático (FREDEMO) bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück.
Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2010 den Nobelpreis für Literatur. Heute lebt Mario Vargas Llosa in Madrid und Lima.

 

6. Oktober 2011

Wolfram Fleischhauer – Torso

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
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Torso
Wolfram Fleischhauer
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198537

In einem Abrisshaus im Osten von Berlin findet die Polizei einen grausig mit Tierteilen dekorierten zur Schau gestellten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger hat so etwas in seiner langjährigen Laufbahn als Kripo-Beamter, sowohl in der ehemaligen DDR als auch im vereinten Deutschland, noch nicht gesehen. Während er mitten in den Ermittlungen steckt, kämpft Elin Hilger darum, die Ermittlungen um den als Selbstmord abgetanen Tod ihres Bruders Eric, er war IT-Spezialist, wieder aufrollen zu lassen. Dazu braucht sie Zellangers Unterstützung, er war mit diesem Fall betraut. Gleichzeitig verschwindet die Bankierstochter Inga Zieten, deren Vater unter allen Umständen die Polizei aus den Ermittlungen heraushalten will.
Wolfram Fleischhauers Genre-Palette ist weit gefächert. Mit „Torso“ gab er sein Debüt als Thriller-Autor. Mit viel Thrill begann er auch die Handlung, die um das Jahr 2002 in Berlin angesiedelt ist. Die Beschreibung des makaber in Szene gesetzten Torsos ist sicher nichts für Zartbesaitete und Leser mit schwachen Nerven, sie ist ungeschönt, grauenhaft und dabei sehr gut vorstellbar. Dann baut er um die drei Handlungsstränge eine intelligent konstruierte, vielschichtige und gleichzeitig komplexe Geschichte auf. So werden Machenschaften in der Finanzwelt, Korruption, organisiertes Verbrechen, Stasivergangenheit thematisiert, ohne den Thriller damit zu überladen. Im Mittelpunkt von „Torso“ steht nicht wie üblich die Ermittlungsarbeit der Polizei, sie wird zwar nie aus dem Auge verloren, es geht aber um mehr, es geht um Moral, Ethik und Verantwortung. So ist auch die auf den ersten Blick recht skurril erscheinende Elin Hilger für diesen Roman in ihrer Andersartigkeit ein Glücksgriff. Weitgehende Konsumverweigerung steht konträr zu der Skrupellosigkeit und der maßlosen Gier der Banker. Auch an anderen Stellen kommt Fleischhauer in seinem Thriller – ungewohnt für dieses Genre, aber deshalb um so bemerkenswerter – ins Philosophieren. Die Charakterisierung der Personen fand ich sehr gelungen. Alle wirkten in ihrem Auftreten ehrlich, echt und glaubwürdig, wenn auch mitunter kauzig, sonderbar und bizarr. Ein wenig vermisst habe ich diesem Thriller den von mir so geschätzten ausgefeilten Sprachstil des Autors, das ist aber wohl eher dem Genre anzulasten als der Schreibkunst Wolfram Fleischhauers. Mich hat dieser Thriller, einschließlich des Nachwortes, sehr gut unterhalten. Lediglich das Ende fand ich etwas zu konstruiert und auch etwas zu schnell herbeigeführt. Nicht alle Fragen wurden direkt geklärt, aber da sei es der Fantasie des Lesers überlassen, die eigenen Schlüsse zu ziehen.

Über den Autor (Quelle amazon.de)
Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Nach vier Romanen über die Künste (“Die Purpurlinie”, “Die Frau mit den Regenhänden”, “Drei Minuten mit der Wirklichkeit”, “Das Buch, in dem die Welt verschwand”), dem Familienroman “Die Inderin” und dem Universitätsroman “Der gestohlene Abend” ist “Torso” sein erster literarischer Thriller. Mehr Informationen zum Autor unter: www.wolfram-fleischhauer.de

5. Oktober 2011

Buch der Woche (39. KW 2011)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:15
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Schmerzmacherin“ von Marlene Streeruwitz.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.

Über den Autor

Marlene Streeruwitz, geboren in Baden bei Wien, Studium der Slawistik und Kunstgeschichte in Wien. Autorin und Regisseurin von Theaterstücken und Hörspielen. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Wien und Berlin. 2009 erhielt sie den Peter-Rosegger-Literaturpreis der Steiermark.

3. Oktober 2011

Biografien-Challenge

Einsortiert unter: Allgemeines,Challenge — Karthause @ 08:56
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Am 1. Oktober hat nun die Biografien-Challenge vom Krümel-Forum begonnen. Allerdings habe ich noch nicht unmittelbar begonnen. Erst möchte ich ein paar sehnsüchtig erwartete Neuerscheinungen und zwei Wanderbücher lesen. Aber ich habe mir schon Gedanken gemacht, welche Bücher ich lesen könnte.

Nach dem Check meiner Datenbank habe ich mir zu jedem Thema ein-zwei Bücher ausgesucht, die mich besonders interessieren. Änderungen sind natürlich immer mal drin. Hier seht ihr nun meine (vorläufige) Liste:

Literatur => Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki

bildende Kunst und Musik => Beethoven – Maynard Solomon

Religion und Philosophie => Martin Luther – Horst Herrmann

Naturwissenschaft, Technik und Medizin => Einstein – Jürgen Neffe oder Darwin -Jürgen Neffe

Politik und Wirtschaft => Speer – Joachim Fest oder Mao – Jung Chang

besondere Leistung oder besonderes Schicksal ( z. B. Sport oder Krankheit) => John Rabe. Der gute Deutsche von Nanking – Erwin Wickert (Hg.)

Biographie einer Institution, Landes, Stadt, Fluss u.a. => Die Charité – Gerhard Jaeckel

Romanbiographie => Die Familie Bonaparte – Cornelia Wusowski

Autobiographie => Alleinflug – Elly Beinhorn

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