Karthauses Bücherwelt …

31. Juli 2012

Buch der Woche (30. KW 2012)

Einsortiert unter: Empfehlungen — Karthause @ 17:42
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Betrogenen“ von Michael Maar.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 12. Juli 2012
Stellen Sie sich vor, in Ihrer Sterbesekunde enthüllten sich Ihnen auf einen Schlag sämtliche Geheimnisse der Welt! Die Große Liste – sie ist eine Lieblingsvorstellung des alternden, aber charismatischen Schriftstellers Arthur Bittner, wie er sie seinem jüngeren Freund und designierten Biographen Karl Lorentz erzählt. In Karls Verehrung des großen Mannes, der immer noch viel Erfolg in der Damenwelt hat, haben sich schon ein paar Risse aufgetan, da erwähnt Bittner eine Tochter aus einer früheren Beziehung. Karl sucht sie – es ist die Zeit nach der Wende und vor dem Euro – in der Berliner Galerie auf, die sie mit einer Freundin teilt. Er verliebt sich, und als sie sich nach einer gemeinsam verbrachten Nacht nicht wieder meldet, beginnt ein Spiel der Scharaden und Verwechslungen. Jeder zweite führt ein verstecktes Doppelleben, Freunde und Kollegen verraten, beneiden und bewundern einander, und eigentlich geht es um das kleine Gelingen im großen Scheitern, um Liebe, Freundschaft und Tod. Und Karl hat an entscheidender Stelle nicht richtig zugehört… In seinem glänzend geschriebenen literarischen Debut erzählt der Essayist und Kritiker Michael Maar von Kunst, Eitelkeit, Sehnsucht und Tod.

Über den Autor

Michael Maar, geboren 1960 in Stuttgart, lebt in Berlin. Für seine Dissertation über den Zauberberg Auszeichnung 1995 mit dem Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (der er seit 2002 angehört) und 2000 mit dem Lessing-Förderpreis für Kritik. 2002 war er Gastprofessor an der Universität Stanford. Buchveröffentlichungen.

28. Juli 2012

Jan Guillou – Die Brückenbauer

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:03
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Die Brückenbauer

Jan Guillou

Originaltitel: Brobyggarna

Gebundene Ausgabe: 784 Seiten

Verlag: Heyne

ISBN-13: 978-3453268258

 

Norwegen, Ende des 19. Jahrhunderts. Als sowohl der Vater als auch der Onkel von Lauritz, Oscar und Sverre Lauritzen vom Fischfang nicht zurückkehrten, waren die Jungen gezwungen, in einer Seilerei zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Aber das Schicksal meinte es gut mit ihnen, ihr Geschick und Technikverständnis fiel auf und sie wurden von der Stiftung „Die gute Absicht“ gefördert. So wurde ihnen zunächst der Besuch eines Polytechnikums ermöglicht, danach wurden sie zum Studium der Ingenieurswissenschaften an die damals führenden Universität nach Dresden geschickt. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums erwarteten die Stiftungsmitglieder, dass die jungen Diplomingenieure ihre Schuld beim Eisenbahn- und Brückenbau in der Umgebung von Bergen abtragen. Aber nur Lauritz kehrte zurück, Oscar flüchtete nach einer Enttäuschung nach Deutsch-Ostafrika und Sverre setzte sich nach England ab und verschwand damit gänzlich aus dem Blickfeld des Lesers.

Jan Guillou war mir als Autor bisher unbekannt, der Klappentext des Romans versprach ein packendes, atmosphärisches, farbenprächtiges und großes Jahrhundertabenteuer. Das machte mich neugierig, obwohl ich diese Ankündigung schon als sehr vollmundig empfand.

„Die Brückenbauer“ ist in einer einfachen, aber gefälligen Sprache geschrieben, dadurch war das Buch für mich sehr flüssig zu lesen und die knapp 800 Seiten erschienen nicht zu umfangreich. Die technischen Abhandlungen über den Eisenbahn- und Brückenbau fand ich sehr gelungen. Sie langweilten mich nicht, im Gegenteil, sie regten mich an, selbst nachzulesen und weitergehende Informationen zu sammeln. Besonders gefielen mir die Ausführungen zu den sehr unterschiedlichen Bedingungen des Baus in Afrika und Norwegen. Beide Extreme wurden vom Autor gut beschrieben und sehr glaubhaft dargestellt und ich konnte mir ein gutes Bild über die damaligen Arbeitsweisen und den Stand der Technik verschaffen. Auch die Stimmung des anbrechenden 20. Jahrhunderts als Zeit des Auf- und Umbruchs hat der Autor gut eingefangen und den Zeitgeist sowie die historischen Hintergründe gut beschrieben.

Allerdings blieben mir die Figuren ein wenig zu farblos. Die Brüder Lauritz und Oscar waren kaum voneinander zu unterscheiden, nur der Handlungsort und die damit verbundenen geänderten Lebensumstände sorgten für eine Abwechslung. Auch ihr Leben verlief mir ein wenig zu geradlinig, insbesondere deshalb, weil es außer in ihren Liebesangelegenheiten nur unterschwellig Probleme in ihrem Leben gab. Sverre, der dritte Bruder, verschwand bereits im ersten Drittel des Romans aus dem Blickfeld des Lesers. Da kann man nur auf die weiteren geplanten Teile hoffen. Die Liebesgeschichten der Protagonisten empfand ich als sehr konstruiert. Als dann auch noch gegen Ende mehrere Kapitel nur auf Ingeborg ausgerichtet waren und auch sie in Norwegen fast ohne Stolpersteine durchs Leben schritt, war ich ein wenig enttäuscht. Bei der Beschreibung der Eigentümlichkeiten der verschiedenen Nationen, bedient der Autor alle denkbaren Klischees. So gab es die guten Deutschen, die bösen und brutalen Engländer und, was mich am meisten ärgerte, die kanibalistisch veranlagten Ureinwohner. Der Szene in der Missionsstation wurde für meine Begriffe zu viel Raum gegeben. Solche effekthaschende Darstellungen gingen leider zu Lasten der Charakterisierung der Personen.

Dieser Roman ist eine interessante Familiengeschichte, deren Potential jedoch nicht vollständig ausgereizt wurde. Aber immerhin wurde mein Interesse an weiteren Romanen des Autors geweckt und wenn ich auch kein Serienleser bin, freue ich mich auf die in Aussicht gestellten folgenden Teile mit diesen Protagonisten, zumal ja die Hoffnung besteht, den in diesem Band aus den Augen verlorenen Sverre doch noch einmal zu treffen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jan Guillou wurde 1944 im schwedischen Södertälje geboren und ist einer der prominentesten Journalisten seines Landes. Seine preisgekrönten Kriminalromane um den Helden Coq Rouge erreichten Millionenauflagen. Auch mit seiner historischen Romansaga um den Kreuzritter Arn gelang ihm ein Millionenseller, die Verfilmungen zählen in Schweden zu den erfolgreichsten aller Zeiten. Heute lebt Jan Guillou in Stockholm.

27. Juli 2012

Paolo Bacigalupi – Biokrieg

Einsortiert unter: 2012,SF/Fantasy — Karthause @ 14:50
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Biokrieg

Paolo Bacigalupi

Originaltitel: The Windup Girl

Taschenbuch: 608 Seiten

Verlag: Heyne Verlag

ISBN-13: 978-3453527577

Klappentext

Die nicht allzu ferne Zukunft. Der Klimawandel und die Profitgier der internationalen Großunternehmen haben die Erde, wie wir sie kennen, zerstört: Der Meeresspiegel ist angestiegen, das Erdöl versiegt und ganze Spezies wurden ausgerottet. Künstlich generierte Krankheiten, Bioterrorismus und Hungersnöte gehören zum Alltag. Die Supermächte sind schon lange untergegangen, stattdessen beherrschen die Lebensmittelkonzerne die globale Marktwirtschaft. Einzig dem Königreich Thailand ist es gelungen, sich durch Isolation und eine rigorose Biopolitik, seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Anderson Lake, Mitarbeiter der Firma AgriGen, wird nach Bangkok geschickt, wo er sich Zugang zu thailändischen Genlaboratorien verschaffen soll – weltweit die einzigen, die noch Stammkulturen unverseuchten Getreidesamens besitzen. Doch Thailands Regierung setzt alles daran, das Eindringen westlicher Konzerne in ihr Land zu verhindern …

Meine Meinung

Spinnt man die Gedanken um globale Erwärmung, Klimaveränderung und Verknappung der Ressourcen ungehemmt weiter, gelangt man unweigerlich an den Punkt, an dem Paolo Bacigalupi mit seiner Romanhandlung einsetzt. Wir sagen, gegenwärtig wäre es 5 Minuten vor 12 Uhr, aber in „Biokrieg“ ist es bereits 15 Minuten später. Es sind schon beeindruckende Gedankenspiele, die der Autor in seinem Roman umsetzt. Aber für mich sind diese nicht zur Gänze verarbeitet. Es gibt ein Energieproblem. Wir wissen, das steht uns auch in der Gegenwart bevor. Aber an keiner Stelle im Roman wird von der Nutzung von Solar- und Windenergie oder Wasserkraft gesprochen. Da wurden Riesenelefanten als „Kraftwerke“ designt und Spannfedern als Energiespeicher genutzt. Das ist unterhaltsam und amüsant zu lesen, mehr aber nicht, ich denke da existieren weitaus mehr Alternativen. Die Story wird aus Sicht von 5 Hauptpersonen, die eher keine Sympathieträger sind und alle verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören, in sich mehr und mehr verflechtenden Handlungssträngen erzählt. Ich fand es nicht einfach mich in dieses Buch einzulesen. Probleme hatte ich mit den Namen der diversen Personen, besonders aber mit den häufig verwendeten Thai-Begrifflichkeiten. Sie erschlossen sich auch nur sehr langsam aus dem Text. Diese Begriffe waren zwar kursiv geschrieben, ein Glossar fehlte jedoch in meiner Taschenbuchausgabe, das wäre sehr hilfreich gewesen. Auch wird die Geschichte nicht chronologisch erzählt, erst zum Ende hinkann man die einzeln gesammelten Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Dadurch war der Roman für mich auch nicht besonders flüssig zu lesen. „Biokrieg“ verlangte mir einiges an Konzentration und Durchhaltevermögen ab. Das hätte ich so nicht erwartet, denn die Grundidee des Romans fand ich außerordentlich gut.

„Biokrieg“ ist auch von der Wirkung her ein typischer Post-Doomsday-Roman, düster, bedrückend und besorgniserregend. Diese Stimmung hat Paolo Bacigalupi sehr gut beschrieben, sie war für mich auch deutlich spürbar und wirkte auch noch nach. Trotzdem überwog die Enttäuschung bei mir, nur aus dichter Atmosphäre, einem exotischen Handlungsort und einer klugen Idee, wird nicht automatisch guter Roman. Mir fehlte ein mitreißendes Element, Spannung oder vielleicht auch nur ein Protagonist, mit dem ich mitfiebern könnte.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Paolo Bacigalupi ist bereits als Kurzgeschichtenautor in Erscheinung getreten bevor er mit Biokrieg seinen ersten Roman veröffentlichte, der vom Time Magazine prompt in die Top Ten der besten Romane des Jahres aufgenommen wurde. Auch für seine Kurzgeschichten erhielt Paolo Bacigalupi schon mehrere Auszeichnungen. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in West Colorado.

25. Juli 2012

Buch der Woche (29. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:34
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Der Umweg“ von Gerbrand Bakker.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 12. März 2012
An klaren Tagen kann man in der Ferne das Meer sehen, und auf den verwunschenen Wegen rings um das alte walisische Farmhaus ist lange niemand mehr gewandert. Es ist ein schöner Flecken Erde, den Agnes sich als Versteck ausgesucht hat. Die Gedanken an das, was sie von Amsterdam vertrieben hat, ihr ahnungsloser Mann, der junge Student, vor allem aber die verstörende Angst vor dem Kommenden, lassen sich so leichter im Zaum halten. Nur manchmal wird ihr alles zuviel: dass der Fuchs sich eine Gans nach der andern holt oder dass der grobe Nachbarsfarmer schon morgens um neun in Socken vor ihr sitzt.
Da nistet sich eines Tages der junge Bradwen bei ihr ein. Ähnlich wie Agnes gibt er kaum etwas über seine Vergangenheit preis. Und Agnes, die nicht mit dem Rauchen aufhört, weil sie sich dafür zu krank fühlt, stellt fest: Vorsicht und Zurückhaltung sind nur etwas für die Gesunden.
Der Roman von Gerbrand Bakker, dem “Meister der Andeutungen” (KulturSPIEGEL), bringt uns eine Frau nahe, die in auswegloser Situation Stärke zeigt und beschlossen hat, auf Umwege zu verzichten. Sacht und selbstverständlich geht er unter die Haut, und die Töne, die er anschlägt, hallen lange nach.

Über den Autor

Gerbrand Bakker, 1962 in Wieringerwaard geboren, studierte niederländische Sprach- und Literaturwissenschaft in Amsterdam, arbeitete als Übersetzer von Untertiteln und ist Diplomgärtner. Er ist Autor eines etymologischen Wörterbuchs der niederländischen Sprache und des Jugendromans Birnbäume blühen weiß (Patmos 2004).

22. Juli 2012

Nicole C. Vosseler – Jenseits des Nils

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:30
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Jenseits des Nils

Nicole C. Vossler

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Bastei-Lübbe

ISBN-13: 978-3785724477

Sommer 1881. Nicole C. Vosseler lässt zu Beginn ihres Romans die elitäre Welt des englischen Adels aufleben. Die jungen Männer beendeten gerade ihr Studium am Royal Military College in Sandhurst, wer aus einer anderen gesellschaftlichen Schicht kommt hat es schwer. Die Damen leben das luxuriöse Leben gehobener Töchter aus gutsituiertem Hause. Nur Ada war auf einer längeren Europareise und möchte gern ihren eigenen Weg gehen und auf eigenen Beinen stehen. Ein wenig fühlt man zurückversetzt in die Welt der Jane Austen. Fünf junge Männer, Jeremy, Stephen, Leonard, Simon und Royston, gerade haben sie das Royal Military College in Sandhurst beendet und vier junge Ladies verlebten einen letzten unbeschwerten Sommer voller Ausgelassenheit, Sommerfeste erster tiefer Gefühle in Surrey. Bereits im Herbst ziehen die jungen Männer für das Empire in den ersten Sudankrieg und werden mit den Schrecken des Krieges in aller Konsequenz konfrontiert. Für die Daheimgebliebenen beginnt eine Zeit der Ungewissheit, des Wartens und der Hoffnung. Für alle ist dieser Krieg eine Zeit der Veränderung und des Umbruchs und alle in den Krieg gezogenen erleiden Blessuren an Leib und/oder Seele, nicht alle kehren zurück nach Hause.

Leicht und heiter beginnt Nicole C. Vosseler diesen Roman. Man meint den Sommer zu spüren und die Ausgelassenheit der jungen Hauptfiguren mitzuerleben. Doch der Sommer endet und der Hebst beginnt. Damit beginnt für die jungen Leute der Ernst des Lebens. Die Kadetten müssen in den Sudan und erleben den Krieg an eigenen Leib. Diesen beschreibt Nicole C. Vosseler sehr gekonnt, eindringlich, unverblümt und direkt und mit allen Schrecken und Gräueln, die man damit verbindet. Sie schafft es, dass ich mich als Leserin in die Männer hinein versetzen, die Schrecken und Leiden im Kampf und der Gefangenschaft nachvollziehen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, von einer Autorin solch sachkundige und detaillierte Szenen von Schlachten und Gemetzeln gelesen zu haben. Aber ebenso eindrucksvoll schildert Nicole C. Vosseler die Bilderbuchkulisse des englischen Landadels, die langsam Risse bekommt, die Erwartungen, Hoffnungen und Träume der Frauen, aber auch deren Sorgen und Ängste.

Dieser Roman ist eine sehr gelungene Mischung aus Historie, Abenteuer und Liebe. Wobei die Autorin immer die wahre Geschichte als Gerüst benutzt, in die sie ihre Romanhandlung einfügt. Die in diesem Roman enthaltene(n) Liebesgeschichte(n) sind unaufdringlich und stimmig in die Handlung eingebaut und gleiten nicht ins Kitschige ab. Der Krieg im Sudan, das Leben in Surrey, die Sehnsucht nach den Söhnen und Verlobten – all das spiegelt das Leben auf den Landsitzen der englischen Adligen zum Ende des 19. Jahrhunderts wider. „Jenseits des Nils“ lebt wie alle Romane der Autorin besonders von ihrer sehr bildreichen ausdrucksstarken Sprache, die wesentlich dazu beiträgt, diesen Roman zu einem Wohlfühlroman werden zu lassen.

Auch wenn die Romanbiografie der Emily Ruete „Sterne über Sansibar“ immer noch mein Lieblingsroman der Autorin ist, erscheint mir dieser Roman als ihr komplexester, weil das Denken und Tun der Handelnden nicht vorhersehbar war, es viele unverhoffte Wendungen gab und die Charaktere lebensecht und glaubhaft agierten. Ich wünsche diesem Roman noch viele begeisterte Leser. 4,5 Sterne

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Nicole Vosseler stammt aus Villingen-Schwenningen. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz. Sie lebt und arbeitet in Konstanz.

19. Juli 2012

Buch der Woche (28. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:19
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Das schweigende Kind“ von Raoul Schrott.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 27. Februar 2012
Ein Mann sitzt in einem Sanatorium an der Grenze der Schweiz. Er erzählt seiner Tochter die Umstände, die zum Tod ihrer Mutter führten. Immer tiefer in seine Vergangenheit eintauchend, zeichnet er Seite für Seite ein Mosaik seines Lebens auf: seine Karriere als Maler, der Auftrag, einen Katalog von Sternbildern zu erstellen, die Zerrüttungen bei der Geburt der Tochter. Was als schonungslose Beichte beginnt, endet als Geständnis: Trägt er Schuld am rätselhaften Tod der Mutter? Raoul Schrotts dichte Erzählung über Gewalt, die Liebe zu einem Kind, Paradiese und Sünde ist ein erschütterndes Zeugnis. Einem Kippbild gleich zieht es die Geschichte eines großen Verlusts unter vielen Blickwinkeln nach.

Über den Autor

Raoul Schrott, Jg. 1964, studierte Literatur und Sprachwissenschaft in Innsbruck, Norwich, Paris und Berlin. Er lebt in Innsbruck und Seillans (Provence). Für sein Werk wurde er bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

10. Juli 2012

Buch der Woche (27. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:45
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Schlagmann“ von Evi Simeoni.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Gutaussehend, erfolgreich – und ausgebrannt Arne hat alles, was man sich wünschen kann: eine attraktive Freundin, einen durchtrainierten Körper und eine Goldmedaille. Und doch zerstört er planmäßig sein Leben. Noch Jahre später lässt die Menschen, die ihm nahe standen, eine Frage nicht los: Warum haben wir nichts bemerkt?Arne hat alles, was man sich wünschen kann: eine attraktive Freundin, einen durchtrainierten Körper und eine Goldmedaille.
Und doch zerstört er planmäßig sein Leben. Noch Jahre später lässt die Menschen, die ihm nahe standen, eine Frage nicht los: Warum haben wir nichts bemerkt?
Die erfolgreiche Journalistin Evi Simeoni beschreibt in ihrem Debüt die an einer wahren Begebenheit orientierte Leidensgeschichte eines Hochleistungssportlers. Der Schlagmann Arne Hansen gewinnt zwar die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen, aber er kann sich an dem Sieg nicht freuen. Innerlich ist er leer und ausgebrannt. Der Höhepunkt seiner Sportlerkarriere ist auch der Wendepunkt seines Lebens. Fassungslos müssen seine Freundin und ein Mannschaftskollege mitansehen, wie der magersüchtige Arne sich selbst zugrunde richtet.
Aus unterschiedlichen Perspektiven wird der unaufhaltsame Niedergang und das Sterben eines Menschen mit großer erzählerischer Wucht und Anteilnahme geschildert.
Die Autorin wurde mit dem “Theodor-Wolff-Preis” ausgezeichnet. In ihrem Roman thematisiert sie sensibel das Thema “Depression”.

Über den Autor

Evi Simeoni wurde 1958 in Stuttgart geboren. Seit 1981 ist sie Sportredakteurin der »Frankfurter Allgemeine Zeitung« und inzwischen Reporterin. 1981 wurde sie mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. 1996 wurde sie zur »Sportjournalistin des Jahres« gewählt. »Schlagmann« ist ihr erster Roman.

5. Juli 2012

Bernd Schroeder – Mutter und Sohn

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 15:32
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Mutter & Sohn

Bernd Schroeder

Gebundene Ausgabe: 168 Seiten

Verlag: Carl Hanser

ISBN-13: 978-3446204669

 

Johannes Seidel (57 Jahre alt) ist Architekt, er entwirft Industriehallen und hätte doch lieber ein Haus für Lisa und sich entwerfen sollen. Aber Lisa hat ihn vor vier Wochen verlassen. Er liebt sie, sie fehlt ihm. Warum hat Lisa ihn eigentlich verlassen und nicht seine Mutter? Die nimmt ihn doch sowieso nicht wahr. Ihr Lebensmittelpunkt ist die vor 30 Jahren verstorbene Tochter Franziska, die für die Mutter immer noch weiter lebt. Sein Arbeitgeber nimmt die Tatsache, dass Johannes jetzt ungebunden ist, als Vorwand, ihn nach Brasilien ins Zweigwerk zu versetzen. Aber just in diesem Moment sitzt Mutter Seidel im Rollstuhl und hofft auf Johannes Hilfe. Ohne Lisa ist aber auch der hilflos.

Nach nur wenigen Seiten beginnt ein fast durch das gesamte Buch führender Dialog zwischen Mutter und Sohn, den das Leben geschrieben zu haben scheint. Witzig, bissig, immer zwischen Komödie und Tragödie schwankend erzählt Bernd Schroeder die Geschichte um Johannes Dilemma, seine zwei Frauen und seine beiden Probleme. Dabei machen es sich Mutter und Sohn gegenseitig schwer. Beide sind mit ihren Macken ein wenig einförmig, aber andererseits auf ihre etwas spezielle Art liebenswert. Und gerade weil dem Leser so manche Situation scheinbar bekannt vorkommen mag, möchte man beide aufrütteln, ihnen ins Gewissen reden und verhärtete Fronten aufweichen. Dabei ist man auch als Leser nicht sicher ob sich beide nun lieben oder eher hassen, ob sie sich gegenseitig brauchen oder doch eher nicht. Sie versuchen jedenfalls alles, sich misszuverstehen und das Gesagte falsch auszulegen. „Mutter Sohn“ ist in einer absolut natürlichen Sprache geschrieben, es ist nichts Verkopftes darin zu finden, sondern einfach nur Johannes Alltag. So sind die 168 Seiten schnell gelesen, aber auch wenn das Buch wieder im Regal steht, wirkt es in den Gedanken noch nach. Überrascht hat mich dann doch der Schluss. Diesen werde ich aber selbstverständlich nicht näher ausführen.

„Mutter & Sohn“ war ein unterhaltsames und glaubwürdiges Buch, das mir einen Abend entspannte Lesestunden beschert hat.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Bernd Schroeder, geboren 1944, studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in München. Seit 1970 arbeitet er als freier Autor. Bis 1992 hat er vorwiegend Fernseh- und Hörspiele geschrieben, u.a. die ersten Drehbücher für Wolfgang Petersen. 1985 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis, 1992 den Deutschen Filmpreis. Seit 1993 hat er verschiedene Romane veröffentlicht (“Versunkenes Land”, “Unter Brüdern”, “Die Madonnina”, “Mutter & Sohn” und den Erzählband “Rudernde Hunde” in Zusammenarbeit mit Elke Heidenreich). Er lebt in Köln.

1. Juli 2012

Buch der Woche (26. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 10:07
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Wenn Eulen schrein“ von Janet Frame.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Janet Frames erster Roman von 1957, der ihren literarischen Ruhm begründete und von den Heimsuchungen einer neuseeländischen Eisenbahnarbeiter-Familie erzählt, wird nach dem großen Erfolg ihres nachgelassenen Romans “Dem neuen Sommer entgegen” in einer überarbeiteten Übersetzung neu vorgelegt.
Die Familie des Eisenbahners Bob Withers in der Kleinstadt Waimaru wird von Unglück und Krankheit geplagt: Eine Tochter, Francie, stirbt durch einen tragischen Unfall, eine andere, Daphne, erkrankt psychisch so schwer, dass sie in eine Heilanstalt eingewiesen werden muss, ihr Bruder Toby hat epileptische Anfälle.
Hinter dem Drama der Familie werden aber auch gesellschaftliche Konflikte sichtbar: Kann man im ganz anders gearteten Kosmos Neuseelands einfach die Werte und Bildungsstandards des weißen Europa vermitteln, ohne Rücksicht auf die angestammte Kultur?
Vor allem die grandiose, poetische Sprache dieses Romans, seine Fähigkeit, besonders in die Gedanken- und Wahnwelt Daphnes einzudringen, seine menschliche Feinfühligkeit und erzählerische Objektivität machen ihn zu einem Meisterwerk der Literatur des 20. Jahrhunderts.

Über den Autor

Janet Frame wurde 1924 als drittes von fünf Kindern eines Eisenbahnarbeiters in Dunedin, Neuseeland, geboren, wo sie 2004 auch starb. Die Familienverhältnisse waren zum Teil tragisch, sie selbst wurde zu Unrecht als Schizophrene über Jahre in Nervenheilanstalten behandelt, u. a. mit Elektroschocks.
Frame ist Autorin von zwölf Romanen. Ihre Autobiographie gehört zu den bedeutendsten Beispielen für dieses Genre im 20. Jahrhundert. Janet Frame zählte zu den Anwärterinnen für den Literaturnobelpreis.

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