Zelter, Joachim
Gebundene Ausgabe: 211 Seiten
Verlag: Klöpfer und Meyer
ISBN-13: 978-3863510350
Der Verlag über das Buch (Quelle: Klöpfer und Meyer)
Hier ist er: Heinrich Manns Roman DER UNTERTAN ganz anders, neu erzählt für unsere Zeit. Mit großem menschlichem Gespür erzählt Joachim Zelter, was längst überfällig war: die Entwicklungsgeschichte des modernen Untertanen in der Welt von heute, erzählt von der frühen Schulzeit bis zum Erwachsenenalter, von den Siebzigerjahren bis in die Jetztzeit. Ein Psychogramm, ein gesellschaftliches Sittengemälde individueller wie kollektiver Anpassung – und menschlicher Entfremdung. Unnachahmlich beschreibt Joachim Zelter das Zusammenspiel von Selbstverleugnung, Nicht-Sein und Aufgehen im Anderen, im Mächtigen und im geschichtlich Werdenden. Am Ende erzählt der Roman unser aller Geschichte: Wie wir zu dem geworden sind, was wir heute sind.
Meine Meinung
Heinrich Mann steht in meiner persönlichen Autorenrangliste ganz weit vorn, sein „Untertan“ ist eines meiner Lieblingsbücher. Als ich dann „untertan“ von Joachim Zelter sah und las, was der Klappentext und der Verlag darüber verlauten ließen, machten sich schon ein paar Zweifel breit, ob Zelter diesem Maß, mit dem seinen Romans messen würde, gewachsen sein wird. Den bewussten Vergleich zu Manns „Der Untertan“ fand ich sehr gewagt. Schon nach den ersten Seiten wusste ich, der Verlag hatte nicht übertrieben und ich freute mich über jede Seite in diesem Roman. Virtuos setzt Zelter die Sprache ein, glänzt mit einer ausdrucksstarken Erzählweise, geprägt vom Übertreiben, Überspitzen und Überkünsteln. Er erzählt sachlich, mit Witz und Ironie. Gekonnt setzt er Aufzählungen und Wiederholungen als Stilmittel ein. Noch drastischer als Diederich Heßling ist Friedrich Ostertag untertan, den Lehrern, den Klassenkameraden, den Kommilitonen, den Professoren, den Adligen, den Reichen, den adligen Reichen und nicht zuletzt dem längst verstorbenen Urgroßvater, der das Spiel „Fang den Hut“ erfand und auf dessen Erfindung die Familie Ostertag ihre Bedeutung und Tradition gründet. Er buckelt gegenüber allen von ihm geglaubt höher Stehenden schlimmer, als es der Untertan Manns je tat. Er biedert sich an und ist sich für nichts zu schade. Selbstachtung ist ihm fremd, in diesem Punkt unterscheidet er sich von seinem großen literarischen Vorbild. Er kann nicht nach unten treten, wie Heßling es tat, Friedrich Ostermann ist in der Hierarchie, zumindest stellt er sich auf diese Stufe, ganz unten.
Der Roman Zelters setzt in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts ein und streckt sich bis in die Gegenwart. So entstand auf lediglich 211 Seiten ein Entwicklungsroman, der ein markantes Sittenbild unserer Zeit abgibt und am Ende steht die Frage, sind wir alle nicht ein bisschen „untertan“?
Joachim Zelters „untertan“ ist einer der besten Romane, die ich in diesem Jahr gelesen habe, eine Perle auf den Büchermarkt, sowohl die Sprache als auch die Aussage betreffend.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Dr. phil. Joachim Zelter, geb. 1962 in Freiburg, studierte und lehrte englische Literatur in Tübingen und Yale, seit 1997 freier Schriftsteller, gerühmter ‘Vorlesekünstler’. Ausgezeichnet mit dem Thaddäus-Troll-Preis und der Fördergabe der Internationalen Bodenseekonferenz 2000.

aktueller Lesestoff

Das Buch ist mir in der Vorschau auch aufgefallen, ich finde das Cover sehr stimmungsvoll (auch wenn mir der Bezug zur Geschichte nicht ganz klar ist). Nun hast du mir den Roman erst recht schmackhaft gemacht, vor allem wegen der – wie du schreibst – virtuosen Sprachverwendung.
Meinst du, die Lektüre ist auch dann so bereichernd, wenn man den Mann’schen Untertan nicht kennt und schätzt?
Kommentar von caterina — 9. August 2012 @ 22:22 |
Zelters “untertan” ist auf jeden Fall sehr gut lesbar, ohne den von Mann zu kennen. Wenn man den von H.M. kennt, zieht man nur automatisch Parallelen. Vielleicht ist ein unvorbelastetes Lesen sogar besser.
Kommentar von Karthause — 10. August 2012 @ 07:54 |
Mir hat der Roman auch gut gefallen. Während der Frankfurter Buchmesse habe ich eine amüsante Lesung mit Joachim Zelter gehört. Die Story hat mich aber eher wütend gemacht, gerade weil sie so treffsicher war. (Meine Besprechung hier: http://umamibuecher.wordpress.com/2012/10/29/untertan-von-joachim-zelter/ )
Kommentar von Carmen — 29. Oktober 2012 @ 18:27 |