Karthauses Bücherwelt …

31. Oktober 2012

Buch der Woche (42. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 10:45
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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Landgericht“ von Ursula Krechel.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: August 2012
Nach “Shanghai fern von wo” geht Ursula Krechel noch einmal den Spuren deutscher Geschichte nach. Ihr neuer Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft.Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch “Shanghai fern von wo” geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman “Landgericht” noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaasschen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt “Landgericht” den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. “Landgericht”, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.
Über den Autor

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier. Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Erste Lyrikveröffentlichungen 1977, danach erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. 2009 erhielt Ursula Krechel den “Joseph-Breitbach-Preis”. Die Autorin lebt in Berlin.

27. Oktober 2012

Ich lese gerade:

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 08:13
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“Die Liebe in groben Zügen” von Bodo Kirchhoff.

Der erste Satz:

“Sehnsucht nach Liebe ist die einzige  schwere Krankheit, mit der man sehr alt werden kann, sogar gemeinsam.”

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Vila und Renz, beide fürs Fernsehen tätig, sind ein Paar im Takt der Zeit mit erwachsener Tochter, Wohnung in Frankfurt und Sommerhaus in Italien alles so weit gut, wäre da nicht die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam. Noch aber sind Vila und Renz nicht alt, auch wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Sie stehen voll im Leben, nach außen erfolgreich und nach innen ein Paar, das viel voneinander weiß, aber nicht zu viel. Ein ausbalancierter Zustand; bis zu dem Augenblick, in dem Vila mit ungeahnter Intensität einen anderen zu lieben beginnt. Bodo Kirchhoff erzählt in seinem neuen großen Lebensroman von einer langen Ehe als ewiger Glückssuche, von frühem Missbrauch als späterer Weltverengung und einem lebenslänglichen, nur im Stillen erfüllten Verlangen. Im Zentrum aber steht die Liebe zwischen Vila, einer Frau in festen Verhältnissen, und dem Einzelgänger Bühl, Biograph eines Paars aus einer vergangenen, gottesfürchtigen Epoche. Nach seinen beiden erfolgreichen, weltumspannenden Romanen Infanta (1990) und Parlando (2001) erzählt Bodo Kirchhoff von drei welterschließenden Liebesseschichten und einer weltverengenden enttäuschten Jugendfreundschaft: Die Liebe in groben Zügen ist ein großartiges, souverän und stilsicher erzähltes Panorama einer Ehe als Lebensprojekt in einer Zeit, die den Moment verherrlicht. Und wenn es einen Höhepunkt in der Ehe gibt, erkennt Vila am Ende, dann besteht er in deren Dauer.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.

26. Oktober 2012

Das blaue Sofa

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 09:33
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Am Freitag, 02.11.2012, strahlt das ZDF eine neue Folge der Literatursendung „Das blaue Sofa“ um 23 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt wieder interessante Bücher nach seiner ganz persönlichen Auswahl vor.

Jenny Erpenbeck – Aller Tage Abend
Wolf Haas – Verteidigung der Missionarsstellung
Eric Kandel – Das Zeitalter der Erkenntnis
Christoph Ransmayr – Atlas eines ängstlichen Mannes
Régis Jauffret – Claustria

(Quelle: Newsletter “Das blaue Sofa”)

Buch der Woche (41. KW 2012)

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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Die Kunst des Feldspiels“ von Chad Harbach.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 21. August 2012

Chad Harbach hat den Traum von der “Great American Novel” wahr gemacht: Die Kunst des Feldspiels ist ein literarisches Wunder, ein magisches Debüt, ein so kluger wie zu Herzen gehender Roman über den Abschied von der Jugend, über Leidenschaft und Liebe, Freundschaft und Familie.
Der Gott des Spiels hat Henry Skrimshander ein Geschenk in die Wiege gelegt: Der schmächtige, unscheinbare Junge aus der Provinz ist das größte Baseball-Talent seit Jahrzehnten. Als er in die Mannschaft des Westish College aufgenommen wird, scheint sein Aufstieg in den Olymp vorprogrammiert. Monatelang macht er nicht einen Fehler. Doch dann geht ein Routinewurf auf fatale Weise daneben und die Schicksale von fünf Menschen werden untrennbar miteinander verknüpft.
Henry hat einen neuen Gegner: den Selbstzweifel. Sein Mentor Mike Schwartz macht die bittere Erfahrung, dass er Henry zuliebe sich selbst vergessen hat. Henrys schwuler Mitbewohner Owen muss sich von
einem herben Schlag erholen. Rektor Affenlight lernt spät im Leben die wahre Liebe kennen und schlittert in eine gefährliche Affäre. Und seine Tochter Pella flieht vor ihrem Mann nach Westish um auf dem Campus mehr als nur Sex zu finden.
Während das dramatische Endspiel unerbittlich näher rückt, sind sie alle gezwungen, sich mit ihren tiefsten Wünschen und Abgründen auseinanderzusetzen. Am Ende wird einer von ihnen gleich zweimal bestattet, und die Leben der anderen werden nie mehr dieselben sein. Die Kunst des Feldspiels erzählt von den Dingen, die uns ausmachen den Fehlern wie den Obsessionen. Wer wissen will, was es bedeutet, hier und heute ein Mensch zu sein, der muss dieses Buch lesen.

20. Oktober 2012

Buch der Woche (41. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:33
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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Kanada“ von Richard Ford.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 27. August 2012
Illegaler Handel, ein Banküberfall, drei Morde – um nicht weniger geht es in Richard Fords sprach- und bildgewaltigem neuem Roman. Dells Eltern sind nach einem gescheiterten Banküberfall in Montana festgenommen worden; er selbst ist zu seinem Schutz nach Kanada gebracht worden. Nun trifft er dort in einem einsamen Städtchen auf eine merkwürdige Schar. Bei Arthur Remlinger kann er unterschlüpfen – doch der Besitzer eines heruntergekommenen Jagdhotels erweist sich als ein Mann mit dunkler Vergangenheit. Inmitten der überwältigenden Landschaft von Saskatchewan entfaltet sich die Geschichte einer schmerzvollen Passage in die Welt der Erwachsenen, wo es keine Unschuldigen geben kann.
Über den Autor

Richard Ford wurde 1944 in Jackson, Mississippi, geboren und lebt heute in Maine. Er hat sieben Romane sowie Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. 1996 erhielt er für Unabhängigkeitstag den Pulitzer Prize.

19. Oktober 2012

Andreas Gruber – Todesfrist

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 08:08
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Todesfrist

Andreas Gruber

413 Seiten

Zeilenreich

Bestellnummer: 119246700

Das 48-Stunden-Rätsel

Die 26-jährige Sabine Nemenz ist eine junge und ehrgeizige Kriminalkommissarin, deren Traum es ist, einmal als Profilerin beim BKA zu arbeiten. Privat bereitet ihr die schon länger zurückliegende Scheidung ihrer Eltern Sorgen. Dann taucht der Vater bei ihr auf und berichtet, die Mutter sei vor gut 48 Stunden entführt worden und er hätte vom Entführer eine rätselhafte Botschaft erhalten.

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.«

Aber die Zeit war bereits abgelaufen, dieser Wettlauf war für sie verloren. Als die Ermittler von dem schwierigen Verhältnis der Eltern erfahren, fällt der Verdacht auf den Vater. Als sich der Fallanalytiker des BKA, Maarten S. Sneijder, dieses Falles annimmt, wird schnell klar, diese Tat ist keine Einzeltat und der Mörder stellt auf perfide Art und Weise Szenen des „Struwelpeter“ nach.

Andreas Gruber verwendete für seinen Thriller altbekannte Zutaten. Eine junge Ermittlerin, die privat ein paar Probleme hatte und die durch die Ermordung ihrer Mutter in den Fall persönlich involviert war, wurde sie von den Ermittlungen in diesem Fall abgezogen. Zuerst ermittelte sie auf eigene Faust, dann an der Seite des BKA-Analytikers. Man sollte meinen, den Leser erwartet einen der üblichen 08/15 Thriller, aber weit gefehlt. Der Autor hat seinen Thriller äußerst intelligent konstruiert. Anleihen nahm er bei einem Kinderbuch, anhand dessen er die Taten förmlich inszenierte. Die Opfer waren in Köln, Dresden, Leipzig, München und Wien zu Hause und immer bekam eine ihm nahestehende Person eine Art Hinweis, verbunden mit einem Rätsel und einer Frist von 48 Stunden. Konsequent wurde der Spannungsbogen aufgebaut und durchgehend bis zum Ende hin gehalten, die äußerst brutalen und wohl durchdachten Morde sind dafür nur ein Mittel zum Zweck. Daneben wurde durch die dauernden Geplänkel um den etwas sonderbaren Fallanalytiker Sneijder eine gewisse Lockerheit in seine Story gebracht, die den Leser immer wieder durchatmen lassen und andererseits die Neugier auf die weiteren Ermittlungen steigerte. Neben dem Handlungsstrang um die eigentlichen Taten existierte parallel ein weiterer, der den Leser in die Praxis einer Psychotherapeutin führte. Beide Stränge werden im Laufe der Handlung geschickt miteinander verwoben.

“Todesfrist” ist sehr flüssig zu lesen, ständig verspürte ich den Drang, mehr wissen zu wollen. Die Idee des Autors, das Kinderbuch als Mordvorlage zu nehmen, fand ich ebenso unkonventionell wie originell. Nicht zuletzt trugen die Personen, die dem Alltag entschlüpft zu sein schienen, zu dem sehr gelungen Thriller bei.

Wer gern Thriller mit gut ausgetüftelten Morden liest, sich von grausamen, perfiden und blutigen Taten nicht abschrecken lässt und genügend Zeit für 400 Seiten Spannung hat – den aus der Hand konnte ich das Buch nicht legen – wird mit “Todesfrist” sehr gut beraten sein. Ich bewerte es mit 5 Sternen.

 

Mein Dank gilt Blog dein Buch und zeilenreich für das zur Verfügung stellen des Buches, welches hier bestellt werden kann.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und arbeitet halbtags für einen Pharma-Konzern. Mit seiner Familie und vier Katzen lebt er in Grillenberg in Niederösterreich. Er ist zweifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises.

16. Oktober 2012

Michail A. Scholochow – Der stille Don

Der stille Don
Michail A. Scholochow
OT: Тихий Дон
Gebundene Ausgabe: 1.816 Seiten, 4 Bände
Verlag: Volk und Wissen 

Russland, am Don 1912 – 1920. Grigori Melechow ist Kosak, jung und verliebt in Aksinja, die Ehefrau seines Nachbarn Stepan Astachow. Die Eltern wollen dieser Beziehung ein Ende bereiten und verheiraten ihn mit Natalja. Daraufhin fliehen Grigori und Aksinja. Inzwischen tobt der 1. Weltkrieg und Grigori kämpft in einem Kosakenregiment auf der Seite Russlands. Daheim wendet sich Aksinja dem Sohn des Gutsbesitzers zu, bei dem sie bei ihrer Flucht Arbeit und Unterschlupf fanden. Als Grigori während eines Fronturlaubes davon erfährt, kehrt er zurück zu seiner Ehefrau Natalja. Aber auch die beiden gemeinsamen Kinder können nicht verhindern, dass Grigori immer wieder die Beziehung zu Aksinja aufnimmt. Die Jahre vergehen, es sind Jahre des Krieges, der Oktoberrevolution und des Aufstandes der Weißen gegen die Bolschewiki. Grigori ist stets ein Kämpfer für die Kosaken, mehrfach wurde er verletzt, er nahm aufgrund seiner Verdienste inzwischen den Rang eines Offiziers ein. Er ficht den Kampf aber auf wechselnden Seiten aus. Weder den Weißen noch den Roten fühlt er sich wirklich zugehörig.

 Vor vielen Jahren, in meiner Jugendzeit habe ich „Der stille Don“ zum ersten Mal gelesen. Damals rückte dieses Buch sofort in die erste Reihe meiner Lieblingsbücher auf. Wie ist das aber, wenn man zu einem solchen Roman ungezählte Jahre später wieder greift? Man verfügt über eine ganz andere Weltsicht, viele Dinge haben sich verändert, man wurde reifer und auch anspruchsvoller, was die Lektüre betrifft. Wird das Werk den hohen Erwartungen immer noch gerecht werden?

Im Zentrum von Michail Scholochows Epos steht der Kosak Grigori Melechow, anhand dessen Geschichte, der seiner Familie und seines Kosakendorfes lässt der Autor eine Zeit aufleben, die gekennzeichnet ist durch Krieg, Revolution und Bürgerkrieg. Diese von großen Umbrüchen geprägte und vom Autor historisch korrekt, detailliert und verständlich beschriebene Zeit bildet den großen Hintergrund dieses 1.816 Seiten umfassenden Romans.

Der Protagonist dieses monumentalen Romans ist Grigori Melechow. Er ist ein einfacher Kosak, der mit seiner Scholle tief verwurzelt und ein mutiger Kämpfer ist und dem der Rausch von Liebe und Alkohol nicht fremd ist. Aufgrund seiner Verdienste im Kampf wurde er Offizier, der von der Truppe geachtet und von den ausgebildeten Offizieren aufgrund seiner Herkunft verachtet wird. Als Kosak steht er zwischen den Weißen und den Roten und ebenso wie im Kampf steht der Mann Grigori zwischen zwei Frauen. Er ist innerlich zerrissen und letztlich ein Gescheiterter.

Der Roman entstand in der Zeit von 1928 bis 1940. Das lässt vermuten, dass sich der Autor, der als linientreu gilt, in diesem Werk zum Agitator der Kommunisten aufschwingen würde – aber weit gefehlt. Er beschreibt die politische Situation weitgehend neutral, analysiert die Schwächen auf beiden Seiten und bringt stellenweise recht unverblümte Kritik an. Er unterscheidet nicht nach gut und böse, weder bei den Menschen noch bei den Ideologien. Er lässt seine Figuren durch ihr Handeln zeigen, welche Position sie einnehmen und überlässt die Wertung dessen dem Leser. So bringt der Autor seinem Leser die russische Seele ohne viel Pathos und Propaganda nahe und zeichnet ein äußerst gelungenes Zeit- und Sittenbild. Denn es sind die kleinen Dinge des Alltags und der Natur, auf die Michail Scholochow den Blick des Lesers lenkt und die er so wunderbar beschreibt, sei es das Wasserholen am Brunnen oder die Schönheit der Donsteppe an einen Sommerabend. Genau das sind die Szenen, die der Leser benötigt, um von den harten Kriegsszenen Abstand zu gewinnen. Diese schildert er schonungslos, ungeschönt und vor allem sehr glaubhaft. So hat Scholochow mir Menschen nahe gebracht, von denen ich weiß, es sind fiktive Figuren, von denen ich aber auch sagen kann, genau diese Menschen hätten zu dieser Zeit im Dongebiet leben können. Trotzdem war ich als Leser nur ein stiller Beobachter der Szenerie. Für mich hat dieser Roman keinen Helden, nur Menschen, die liebten und litten.

Der Tod ist ein ständiger Begleiter in diesen 4 Bänden. Krankheiten und Kriege lassen viele Menschen zu zeitig sterben, wieder andere legen selbst Hand an sich oder werden hinterrücks von fremder Hand aus Rache getötet. Trotzdem ist „Der stille Don“ ein Roman, der den Leser nicht traurig, sondern eher nachdenklich stimmt. Der Roman ist gezeichnet von ungeheurer Sprachgewalt und Inhaltsfülle, er lebt von vielen kleinen Details, die der Autor sehr bewusst in die Romanhandlung eingebaut hat.

Michail Scholochow erhielt für diesen Roman den Nobelpreis für Literatur. Allerdings stehen auch ungeklärte oder auch nicht zu klärende Plagiatsvorwürfe im Raum. Dazu kann ich mich nicht äußern, aber egal wie, der Roman selbst ist dieser hohen Auszeichnung würdig.

Mein Fazit: Mich hat „Der stille Don“ auch als Wiederholungslektüre wieder voll in seinen Bann gezogen. Leser, die fiktive Geschichten vor historischer Kulisse in Monumentalform mögen und die für diese historische Epoche mit ihren aufeinanderprallenden Ideologien offen sind, werden an diesen Roman ihre Freude haben.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michail Scholochow (1905 – 1984) begann 1923 seine literarische Karriere mit Erzählungen aus dem Kosakenleben. ›Der stille Don‹, erschienen 1928 – 1940, machte ihn zu einem der populärsten russischen Schriftsteller. 1965 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

15. Oktober 2012

Buch der Woche (40. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:01
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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Die Liebe in groben Zügen“ von Bodo Kirchhoff.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 22. August 2012
Vila und Renz, beide fürs Fernsehen tätig, sind ein Paar im Takt der Zeit mit erwachsener Tochter, Wohnung in Frankfurt und Sommerhaus in Italien alles so weit gut, wäre da nicht die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam. Noch aber sind Vila und Renz nicht alt, auch wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Sie stehen voll im Leben, nach außen erfolgreich und nach innen ein Paar, das viel voneinander weiß, aber nicht zu viel. Ein ausbalancierter Zustand; bis zu dem Augenblick, in dem Vila mit ungeahnter Intensität einen anderen zu lieben beginnt. Bodo Kirchhoff erzählt in seinem neuen großen Lebensroman von einer langen Ehe als ewiger Glückssuche, von frühem Missbrauch als späterer Weltverengung und einem lebenslänglichen, nur im Stillen erfüllten Verlangen. Im Zentrum aber steht die Liebe zwischen Vila, einer Frau in festen Verhältnissen, und dem Einzelgänger Bühl, Biograph eines Paars aus einer vergangenen, gottesfürchtigen Epoche. Nach seinen beiden erfolgreichen, weltumspannenden Romanen Infanta (1990) und Parlando (2001) erzählt Bodo Kirchhoff von drei welterschließenden Liebesseschichten und einer weltverengenden enttäuschten Jugendfreundschaft: Die Liebe in groben Zügen ist ein großartiges, souverän und stilsicher erzähltes Panorama einer Ehe als Lebensprojekt in einer Zeit, die den Moment verherrlicht. Und wenn es einen Höhepunkt in der Ehe gibt, erkennt Vila am Ende, dann besteht er in deren Dauer.
Über den Autor

Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.

13. Oktober 2012

Antti Tuomainen – Der Heiler

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:58
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Der Heiler

Tuomainen, Antti

OT: Parantaja

Broschiert: 224 Seiten

Verlag: List Hardcover

ISBN-13: 978-3471350829

Helsinki in naher Zukunft. In der Stadt herrscht Chaos. Die Menschen leiden unter den Folgen der Klimaveränderungen, die Strom- und Wasserversorgung funktioniert nicht mehr, es wird geplündert und Willkür herrscht vor, kurz – die Stadt ist im Ausnahmezustand. Die Situation verschärft sich, da ein selbsternannter Heiler, als eine Art Rächer, die aus seiner Sicht für die Situation Verantwortlichen samt ihrer Familien auf brutalste Art und Weise hinrichtet. Die Journalistin Johanna Lethinen war ihm auf der Spur. Aber seit 24 Stunden hat ihr Ehemann, Tapani, kein Lebenszeichen mehr von ihr erhalten, obwohl sie sonst bei Recherchen wenigstens per E-Mail oder SMS den Kontakt hielten. Weder die Polizei, noch Johannas Chef und auch die Freunde können oder wollen Tapani helfen. Er stößt auf eine Mauer des Schweigens und beginnt auf eigene Faust, seine Frau zu suchen. Dabei muss er erkennen, seine Frau hatte eine Vergangenheit, die ihm bislang unbekannt war.

Antti Tuomainen zeichnet in seinem Roman ein düsteres Bild der nahen Zukunft. Es herrscht eine Art Weltuntergangsstimmung, alles ist trostlos, beängstigend und hoffnungslos. Dies beschreibt er außerordentlich überzeugend und realistisch. Er erklärt die Ursachen für dieses Szenario, auch dies erscheint glaubhaft.

Der Ich-Erzähler in diesem Thriller ist Tapani Lethinen. Über ihn erfährt der Leser, dass Johanna die Liebe seines Lebens ist, beide sind seit 10 Jahren verheiratet, aber ihm wird schnell klar, Johannas Vergangenheit ist ihm unbekannt. Auch das Bild von seinen Freunden wandelt sich im Laufe seiner gut 2 Tage andauernden Suche. Tapani ist ein Lyriker, zeigt aber nur wenige Gefühlsregungen und wirkt eher unterkühlt. Das passt so gar nicht zusammen. Er versucht schließlich die Liebe seines Lebens zu retten. All das geschieht in einer relativ kurzen Zeitspanne. Der in Ermittlungssachen ungeübte Ehemann kämpft an einsamer Front gegen alle, vor allem gegen das Schweigen und kommt doch überraschend schnell zu ersten Erfolgen.

Die Sprache wirkt teilweise gehetzt und abgehackt. Manche Szenen werden staccato artig erzählt. Man sollte meinen, dass dies für den Spannungsbogen, der zu Beginn auch gut ausgeprägt war, hilfreich sei. Das empfand ich leider nicht so. Trotz der Themenvielfalt und des durchaus für einen Thriller nicht unüblichen Schreibstils empfand ich etliche Passagen als langatmig.

Die Figuren waren für meinen Geschmack sehr oberflächlich charakterisiert. Sie waren auswechselbare Stereotype.

Obwohl der Thriller mit nur 224 Seiten bei recht großer Schrift sehr schnell gelesen war, wurde ich mit ihm nicht richtig warm.

Aus der Themenvielfalt und dem Plot hätte eine großartige Story entstehen können, leider spann der Autor die durchaus vorhandenen positiven Ansätze nicht konsequent zu Ende. Für die geringe Seitenzahl waren die Themen wohl zu vielfältig und komplex oder im Umkehrschluss, der Autor hatte, für das, was er dem Leser mitteilen wollte, zu wenig Raum. 100 Seiten mehr hätten dem Thriller gut getan.

„Der Heiler“ ist ein Mischung aus Dystopie und Thriller, der schnell gelesen ist und über wirklich gute und nachdenkenswerte Ansätze verfügt, jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Antti Tuomainen wurde 1971 geboren und war früher als Werbetexter tätig. Heute arbeitet er als Autor und freier Journalist. Der Heiler wurde 2011 mit dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet, dem angesehensten Medienpreis für Kriminalliteratur. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

8. Oktober 2012

Buch der Woche (39. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:14
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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Die Zeit, die Zeit“ von Martin Suter.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 28. August 2012
Ist es verrückt, wenn einer glaubt, die Zeit lasse sich “zurückdrehen”? Es ist verrückt, denkt Peter Taler anfangs, als er das Vorhaben des alten Knupp begreift, der ihm gegenüber wohnt. Denn der möchte etwas denkbar Unmögliches möglich machen.

Über den Autor

Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, lebt mit seiner Frau in Spanien und Guatemala. Er war Werbetexter und erfolgreicher Werber, ein Beruf, den er immer wieder durch andere Schreibtätigkeiten ergänzt oder unterbrochen hat. Unter anderem “GEO”-Reportagen, zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 lebt er als freier Autor, seit 1992 schreibt er die wöchentliche Kolumne “Business Class” in der “Weltwoche”.
Martin Suter ist am 29. März 2004 in Zürich mit der Goldenen Diogenes Eule ausgezeichnet worden.

5. Oktober 2012

Susanne Goga – Das Leonardo-Papier

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 16:38
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Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Wenn ein einzelnes Blatt Papier den Tod bedeuten kann …

England 1821: Georgina Fielding ist im besten heiratsfähigen Alter, interessiert sich aber mehr für Geologie als für potenzielle Ehemänner. Als sie eine wertvolle Fossiliensammlung und ein rätselhaftes Notizbuch erbt, ist ihre Neugier geweckt. Mithilfe des Reiseschriftstellers Justus von Arnau begibt sie sich auf die Spurensuche. Rätsel gibt ihnen insbesondere eine einzelne Manuskriptseite auf. Sie ist in Spiegelschrift geschrieben wie die Werke Leonardo da Vincis – und hat einen brisanten Inhalt…

Susanne Goga lässt uns an den Anfängen jener revolutionären Wissenschaft teilhaben, die im frühen 19. Jahrhundert an den Grundfesten des Glaubens rüttelte: der Geologie. Zugleich aber ist »Das Leonardo-Papier« die packende Geschichte einer jungen Frau, die sich über Konventionen hinweg setzt und ihren guten Ruf riskiert, um das Geheimnis ihrer Herkunft zu lösen – und ihr persönliches Glück zu erobern.

Ein fesselnder historischer Roman, in dem Leonardo da Vincis »Codex Leicester«, das teuerste Buch der Welt, eine entscheidende Rolle spielt.

Meine Meinung

Geologie ist für mich nicht unbedingt ein Wissensgebiet, das ich mir als Hintergrund für eine Romanhandlung gewünscht hätte. Wahrscheinlich ist auch dies der Grund, neben dem Titel, der mich eine der unzähligen Verschwörungsgeschichten vermuten lies, weswegen ich dem Roman über Jahre hinweg keine Beachtung schenkte. Umso mehr war ich überrascht, als sich dieser Roman als ein wirklich gut recherchierter historischer Roman entpuppte. Schon der Prolog zog mich in seinen Bann. Er warf Fragen auf und versprach Spannung. Aber mindestens ebenso spannend war das, was Susanne Goga an Geologischem in den Roman einbaute. Diese Wissenschaft war noch recht jung und befand sich im Aufbruch. Vieles war noch nicht bekannt, aber sie stand schon im klaren Konflikt zu dem, was die Bibel lehrte. Dieses Erwachen der Wissenschaft verband die Autorin sehr gekonnt mit dem Erwachen der Georgina Fielding, die auf eigenen Beinen stehen wollte und von ihrer Tante aber in eine gute Ehe gedrängt werden sollte. So wie die Wissenschaftler an dem althergebrachten Glauben rüttelten, so kämpfte Georgina gegen altgediente Moralvorstellungen.

Susanne Goga verfügt über eine sehr bildliche Sprache, so dass zusammen mit der eigenen Vorstellungskraft die Handlung förmlich wie in einem Film abläuft. Sie versteht es wunderbar, Wissensvermittlung und Unterhaltung zu verbinden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
SUSANNE GOGA, 1967 geboren, ist eine renommierte Literaturübersetzerin. Sie schrieb zwei historische Kriminalromane, bevor sie sich mit „Das Leonardo-Papier” (2009 im Diana Verlag erschienen) dem klassischen historischen Roman zuwandte. Susanne Goga lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.

2. Oktober 2012

Buch der Woche (38. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:32
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Der mdr figaro empfielt als Buch der Woche „Das dreizehnte Kapitel“ von Martin Walser.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 7. September 2012
Die meisten leiden ohne Gewinn – so steht es im Roman Das dreizehnte Kapitel, der ebendiesen Satz widerlegen will. Mit einem Festessen im Schloss Bellevue fängt er an: Ein Mann sitzt am Tisch einer ihm unbekannten Frau und kann den Blick nicht von ihr lösen. Wenig später schreibt er ihr, und zwar so, dass sie antworten muss. Es kommt zu einem Briefwechsel, der von Mal zu Mal dringlicher, intensiver wird. Beide, der Schriftsteller und die Theologin, beteuern immer wieder, dass sie glücklich verheiratet sind. Aber sie gestehen auch, dass sie in dem, was sie einander schreiben, aus sich herausgehen können wie nirgends sonst und dass sie ihre Ehepartner verraten. Nur weil ihr Briefabenteuer so aussichtslos ist, darf es sein. An ein persönliches Treffen ist nicht zu denken. Die Buchstabenketten sind Hängebrücken über einem Abgrund namens Wirklichkeit. Eines Tages teilt die Theologin mit, ihr Mann sei schwer erkrankt. Während sie auf einer Fahrradtour durch Kanadas Wildnis mit ihm noch einmal das Leben feiert, wartet der Schriftsteller auf Nachrichten. Als wieder eine eintrifft, wirft sie alles um. Martin Walsers Roman über eine Liebe, die als Unmöglichkeit so tiefgründig und lebendig ist wie kaum etwas, kreist auf schwindelerregende Weise um das Wesen der menschlichen Existenz. Und führt dabei vor Augen, dass ein Lieben ohne Hoffnung auf Hoffnung das eigene Leben erst empfindbar macht. Ein bewegender, lebenskluger, ja aufregender Roman über eine Frau und einen Mann, die gerade durch die Unmöglichkeit ihrer Liebe zu einer noch nie erfahrenen Gefühlsheftigkeit gesteigert werden.

Über den Autor

Martin Walser wurde 1927 in Wasserburg geboren, lebt in Überlingen am Bodensee. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis und 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Außerdem wurde er mit dem Orden «Pour le Mérite» ausgezeichnet und zum «Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres» ernannt.

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