Karthauses Bücherwelt …

29. Dezember 2012

Buch der Woche (51. KW 2012)

Der mdr figaro empfiehlt „Das Kind, das nicht fragte“ von Hanns-Josef Ortheil.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 19. November 2012

An einem Frühlingstag im April landet Benjamin Merz mit dem Flugzeug in Catania. Merz ist Ethnologe, und er möchte die Lebensgewohnheiten der Menschen in Mandlica, einer kleinen Stadt an der Südküste Siziliens, erkunden. Er freut sich auf das Frage- und Antwortspiel, auf das er sich gründlich vorbereitet, damit er mit den Einheimischen ins Gespräch kommt. Allerdings muss er große Hemmungen überwinden, um diese Gespräche auch tatsächlich zu führen. Denn Benjamin Merz ist zwar ein kluger Ethnologe, aber ihm fällt es ungeheuer schwer, das zu tun, worauf seine ganze Arbeit aufbaut: Fragen zu stellen. Und das hat seinen Grund.
Aufgewachsen ist Benjamin Merz mit vier weitaus älteren Brüdern. Seine Kinderjahre verbrachte er in einer aufgezwungenen Spracharmut. Seine älteren Brüder gaben in der Familie den Ton an, und er als Nachkömmling war schon häufig alleine damit überfordert, zu verstehen, worüber gesprochen wurde. Selbst einfachste Verständnisfragen traute er sich dann nicht zu stellen, und später musste er sich das Fragen mühsam antrainieren. Dafür kann er aber ausgezeichnet zuhören. Und diese Fähigkeit macht ihn in Mandlica, der Stadt der Dolci, zu einem begehrten Gesprächspartner – insbesondere bei den Frauen. Sie beginnen ihm Familiengeheimnisse und verborgenste Liebeswünsche anzuvertrauen …
Mit dem Roman »Das Kind, das nicht fragte« schreibt Hanns-Josef Ortheil an dem großen autobiographischen Selbsterforschungsprojekt seiner Kinder- und Jugendjahre weiter. Nach »Die Erfindung des Lebens« und »Die Moselreise« setzt sich der Autor auch in diesem Roman mit dem großen Themenkomplex des Zusammenhangs von Verstummen und Sprechen, Fragen und Selbstfindung auseinander.

Über den Autor

Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Brandenburger Literaturpreis, dem Thomas-Mann-Preis, dem Georg-K.-Glaser Preis, dem Koblenzer Literaturpreis, dem Nicolas Born-Preis und jüngst dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

26. Dezember 2012

Carol Birch – Der Atem der Welt

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 14:40
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Der Atem der Welt

Birch, Carol

Originaltitel: Jamrach’s Menagerie

Gebundene Ausgabe: 395 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458175445

 

 

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Jaffy Brown wächst in ärmlichen Verhältnissen auf: Londons Docklands im Jahr 1857 stinken nach Moder und Unrat, sind bevölkert von Matrosen und Huren. Eines Tages begegnet Jaffy einem aus einer Menagerie entlaufenen Tiger, einem herrlichen Geschöpf auf geschmeidigen Pfoten. Eine Begegnung, die ihn in eine fremde, verheißungsvolle Welt voll exotischer Schönheit, wilder Tiere und wundersamer Geschöpfe versetzt. Und die in Jaffy Sehnsucht nach der Weite des Meeres weckt: Mit seinem besten Freund Tim heuert er auf einem Walfänger an, der sie auf eine abenteuerliche Reise führt, tief hinein in die Stürme des Indischen Ozeans. Und schließlich an die Grenzen der Welt und ihres Menschseins. Carol Birch erzählt ihren aufwühlenden Roman mit herausragender Erfindungsgabe, gepaart mit einer leuchtenden sprachlichen Kraft – im Kopf das wogende Meer. Ein Gesang der Geister über den Wassern, von der Verlorenheit auf hoher See und von einer bewegenden Freundschaft, die selbst das Unfassbare überdauert.

Meine Meinung

Carol Birch führt ihre Leser nach London in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein wenig lebte in meiner Fantasie die Welt des Charles Dickens auf. Ich lese Romane, die in dieser Zeit angesiedelt sind, an sich sehr gern und selten hat mich einer so zwiegespalten zurückgelassen wie dieser. Den Erzählstil der Autorin mochte ich. Durch die Verwendung vieler Adjektive erscheint die erzählte Geschichte sehr plastisch und man kann sich die Gegebenheiten sehr gut vorstellen. Andererseits hätte ich manches gern noch ausführlicher beschrieben gehabt, so zum Beispiel die Kindheit des Jaffy Brown in den Londoner Docklands. Es fiel mir auch etwas schwer, mich in den Roman einzulesen. So richtig einfangen konnte mich Carol Birch erst zum Zeitpunkt des Schiffbruchs. In diesem Abschnitt waren die Personen besonders gut charakterisiert, so wie im echten Leben in Notsituationen die Charaktereigenschaften besonders gut sichtbar werden, so empfand ich das auch in diesem Fall. Ungeschönt und psychologisch gekonnt wurden die Ängste und Gewissenskonflikte der Protagonisten dargestellt und manch harte Szene musste der Leser verdauen, Szenen, die nahe gingen und in denen auch Abscheu aufkommen konnte. Die Walfangkapitel erinnerten mich sehr an Moby Dick, konnten aber in ihrer Intensität nicht mit dem Klassiker mithalten. Im Nachwort wurde dann auch deutlich, auf welchen wahren Begebenheiten der Roman fundiert und die Parallelen zum Werk von Melville wurden verständlicher.

So hin- und hergerissen, wie ich beim Lesen des Romans war, bin ich auch bei dessen Bewertung, weil ich nicht an handfesten Fakten festmachen kann, was mich gestört hat. Vielleicht waren die Erwartungen meinerseits zu hoch, vielleicht war es das falsche Buch zur falschen Zeit. In Anbetracht der wirklich schönen Beschreibungen von Menschen, Tieren, Begebenheiten und Umwelt vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Carol Birch, geboren 1951, hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und wurde unter anderem mit dem David Higham Award ausgezeichnet. Mit Der Atem der Welt stand Birch auf der Shortlist des Man Booker Prize 2011. Birch lebt in Lancaster.

23. Dezember 2012

Buch der Woche (50. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 10:28
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Der mdr figaro empfiehlt „Wie alles kam“ von Henry James.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 8. Oktober 2012

Nach »Benvolio« ein weiterer Henry-James-Fund

Henry James ist der Meister psychologisch-realistischen Schreibens, sein Werk ein Gaumenschmaus erlesener Erzählkunst. Unverwechselbar geschmeidig im Stil, aber mit messerscharfem Blick enthüllt er die Beweggründe menschlichen Handelns. Dieser Band präsentiert fünf Kabinettstücke aus seinem erzählerischen Werk in deutscher Erstübersetzung.

Warum fällt die Wahl der umschwärmten Flora Saunt doch noch auf den zunächst verschmähten Geoffrey Dawling? Welche Pläne hat Georgina Gressie mit dem armseligen, stotternden Marineoffizier, der ihr sein Herz schenkt? Inwiefern ist das Porträt einer Frau im gelben Schal schuld am Scheitern eines Künstlers? Solch scheinbar banalen Fragen geht Henry James mit feiner Ironie auf den Grund. Satz für Satz entblößt er, welch zerstörerische Kraft Ehrgeiz, Missgunst und Habgier selbst innerhalb der innigsten Form menschlicher Beziehung entfalten können, der Liebe.

Die vorliegenden Geschichten spannen einen Bogen vom frühen Schaffen des Autors bis zu seinen späten Jahren, in denen seine bekanntesten, raffiniertesten Werke wie »Die Flügel der Taube«, »Die goldene Schale« und »Die Drehung der Schraube« entstanden.

Über den Autor

Henry James (1843–1916), in New York geborener Sohn aus wohlhabender Familie, genoss eine kosmopolitische Erziehung. 1875 ging er zunächst als Korrespondent nach Paris und zog dann nach England. Er schrieb zwanzig Romane, daneben Theaterstücke und Reiseberichte sowie über hundert Erzählungen, die ihm höchste Anerkennung eintrugen.

22. Dezember 2012

Bodo Kirchhoff – Die Liebe in groben Zügen

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 16:59
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Die Liebe in groben Zügen

Kirchhoff, Bodo

Gebundene Ausgabe: 670 Seiten

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt

ISBN-13: 978-3627001834

“Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam.”

Bernhard Renz und Verena Wieland, die sich einfach Renz und Vila nennen, sind seit vielen Jahren verheiratet und gut saturiert. Er schreibt die Bücher für Vorabendserien, sie moderiert die Mitternachtstipps eines TV-Senders. Beide wohnen in Frankfurt am Main, haben eine Sommerresidenz am Gardasee und sind auf dem besten Wege, Großeltern zu werden, bis sich ihre Tochter doch noch anders entscheidet und lieber das Sexualverhalten der am Amazonas lebenden Naturvölker erforscht. Das ist der Punkt, an dem sich die Geister und scheinbar auch die Liebeswege des Paares scheiden.

Beide orientieren sich außerhalb des einengenden Tellerrandes der eigenen Ehe, suchen und finden Erfüllung. Vila kommt dem 10 Jahre jüngeren Zwischenmieter ihres Sommerhauses, Kristian Bühl, näher. Renz beginnt eine Beziehung mit der 20 Jahre jüngeren, sterbenskranken Marlies Mattrainer, in die auch Bühl vor langer Zeit verliebt war, die aber seinem Freund den Vorzug gab.

Mit dieser Konstellation ist die Beziehung zwischen Vila und Renz zwar im Gleichgewicht, dieses ist aber sehr fragil. Vila ist für mich in diesem Roman die stärkste Figur, wohl auch, weil ich ihr Handeln noch am ehesten nachvollziehen kann. Renz ist Anfang 60, ist schon deutlich gealtert und lebt an der Seite der kranken Marlies noch einmal auf, während deren Ende unaufhaltsam näher rückt.

In einem anderen Erzählstrang wird die Geschichte vom Heiligen Franz von Assisi und der Heiligen Klara erzählt, die Bühl, der ehemalige Lehrer mit Schriftstellerambitionen, in einem Buch verarbeiten will. Diese beiden Liebenden stehen stellvertretend für das Leiden in der Liebe und sind damit das verbindende Element der vier Hauptpersonen dieses Romans.

Die Liebe ist ein weltbewegendes Thema, in kaum einem Roman fehlt sie. Manchmal wird sie romantisch verklärt, gelegentlich erotisiert, ab und an frivol, oft kitschig und nur selten sehr gelungen in ihren Spielarten dargestellt. In diesem Roman resümiert nun der Mittsechziger Kirchhoff über die Liebe und dieses Fazit, das er auf 670 zieht, hat mir sehr gut gefallen. Man kann sicher trefflich darüber streiten, ob es die Gedanken eines alternden Mannes sind, ob er sich selbst in Renz wiederfindet. Egal. Dieser Roman, in dem es so plakativ um die Liebe geht, dass sogar die Hauptpersonen in den Hintergrund treten, hat mir sehr gefallen. An sich ist die Handlung sehr eingeschränkt und auch die Spannung hält sich in Grenzen. Das Beeindruckende an diesem Roman ist das, was die Liebe aus den Menschen macht und vor allem wie es Kirchhoff mit großer Wortgewandtheit und Lebenserfahrung gelingt, dem Leser dieses oft entehrte Thema mit entsprechendem Tiefgang zu präsentieren. Sprachlich ist es nach meinem Empfinden eines der besten Werke der aktuellen deutschen Literatur.

Dieser Roman stimmt sehr nachdenklich und lässt einen unumgänglich die eigenen Gefühle hinterfragen. Wer dazu den Mut hat, wer die Liebe in (fast) allen ihren Facetten erkunden möchte und dazu die Sprachkunst Bodo Kirchhoffs genießen kann, wird mit „Die Liebe in groben Zügen“ sehr gut beraten sein. Es ist ein Roman, der in Erinnerung bleiben wird, trotzdem werde ich dieses Buch mit Sicherheit noch ein weiteres Mal lesen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.

18. Dezember 2012

Buch der Woche (49. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 09:40
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Der mdr figaro empfiehlt „Ein Tag zu lang“ von Marie NDiaye.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 13. Oktober 2012
Am 2. September, nicht wie sonst üblich am 1. September, will der Lehrer Herman mit seiner Frau Rose und Kind die Ferien beenden und in die Hauptstadt zurückreisen. Als er am Morgen aufwacht, muß er feststellen: beide sind verschwunden. Zugleich beherrscht statt des sonnigen Wetters dichter Nebel die Landschaft, macht alles unsichtbar. Herman macht sich in den nahegelegenen Ort auf, um bei den zuständigen Stellen die Verlustmeldung zu erstatten – und wird lange Zeit durch diesen Ort irren: als der Fremde schlechthin. Einen Tag zu lang blieb Herman in seiner Ferienidylle – und schon hat sich alles zur Unkenntlichkeit entstellt. Die große, sprachmächtige Erzählerin Marie NDiaye läßt uns mit dem Lehrer erleben, was es heißt, die Mitmenschen, die Umwelt, nicht zuletzt die eigene Familie, als Fremdes entdecken zu müssen. Herman macht die Grunderfahrung menschlicher Existenz: Es genügt eine winzige Abweichung vom Vorgegebenen, und schon sind alle bisherigen Gewißheiten nicht mehr gültig. Auf sich selbst zurück geworfen erfindet Herman, gemeinsam mit dem Leser, sich und die Welt neu: Ausgang offen.

Über den Autor

Marie NDiaye, 1967 in Pithiviers bei Orléans geboren, veröffentlichte mit 17 ihren ersten Roman; weitere Romane und Theaterstücke folgten. Die Autorin lebt seit 2007 mit ihrer Familie in Berlin.

16. Dezember 2012

Ulf Schiewe – Die Hure Babylon

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 14:46
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Man schreibt das Jahr 1147. Ermengarda, Vescomtessa von Narbona, muss weiterhin ihre Scheinehe aufrecht erhalten. Sie liebt aber Arnaut de Montalban, einen jungen Landadeligen. Dieses Verhältnis ist ein offenes Geheimnis und als Ermengarda dann noch ein Kind von Arnaut erwartet, scheint das Glück auf ihrer Seite. Sie erleidet jedoch eine Fehlgeburt. Arnaut sieht das als Strafe Gottes für die sündhafte Beziehung zu Ermengarda an und schließt sich dem 2. Kreuzzug ins gelobte Land an.

„Die Hure Babylon“ ist der 3. Teil der Montalban-Reihe, die mit „Der Bastard von Tolosa“ begann und schließt zeitlich direkt an seinen unmittelbaren Vorgänger „Die Comtessa“ an. Allerdings können alle Romane von einander losgelöst gelesen werden, Ulf Schiewe versteht es ganz hervorragend, Inhalte aus den vorherigen Romanen in diesem zu wiederholen, ohne den Leser, dem diese bereits bekannt sind, zu langweilen. Wie bereits von mir erwartet, ist auch „Die Hure Babylon“ erzählerisch äußerst eindrucksvoll geschrieben. Besonders die Erkenntnis Arnauts, dass es bei den Kreuzzügen nicht vorrangig um die Verbreitung des Glaubens sondern um Macht und Territoriengewinn geht, war blendend beschrieben. Der Autor schildert das Gemetzel in den Schlachten intensiv und hält sich dabei eng an die zurzeit zur Verfügung stehenden historischen Quellen. Dadurch wirkt der Roman sehr authentisch, verlangt dem Leser aber einiges ab. Nichts wird geschönt, es wird gemordet, abgeschlachtet, vergewaltigt. Der Kreuzzug wird geschildert als das was er war, ein grausamer, brutaler Krieg unter dem Deckmantel des Glaubens.

Der Roman ist in fünf Teile gegliedert. Jeder einzelne beginnt mit einem Kapitel, das aus der Sicht Ermengardas in der Ich-Form geschrieben wurde. Dadurch behält der Leser auch die Geschehnisse in Narbona im Auge.

Die Personen in diesem Roman sind, wie in allen des Autors, sehr gekonnt charakterisiert. Sie erscheinen wirklichkeitsnah und lebensecht, man hat das Gefühl, der Autor berichtet von guten Bekannten, die Stärken und auch Schwächen haben. Man kann mit ihnen mitfiebern, mitleiden und sich an ihnen reiben. Allesamt sind sie Kinder ihrer Zeit.

Besonders beeindruckt haben mich die Passagen mit den tiefen, fast schon philosophischen Gedanken zum Thema Krieg. Sie gaben diesem im 12. Jahrhundert angesiedelten Roman eine ungemeine Aktualität.

Dem Buch ist ein umfangreiches Glossar beigefügt, das die im Roman verwendeten unbekannten und fremdsprachigen Begriffe sehr gut erklärt. Neben einem Personenverzeichnis, das die urkundlich erwähnten Personen benennt rundet eine Landkarte das Buch ab.

Wer gern gut recherchierte, schlüssig geschriebene, unterhaltsame Romane liest, sich von den Gräueln des Kreuzzuges nicht abschrecken lässt, wird in „Die Hure Babylon“ einen wunderbar opulenten, bild- und sprachgewaltigen historischen Roman finden, mit dem man in die Vergangenheit förmlich eintauchen und seine Geschichtskenntnisse auffrischen kann. Für mich hat dieser Roman alles was ein wirklich gutes Buch benötigt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der “brotlosen Kunst” widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte.

Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den “Bastard von Tolosa”, seinen ersten Roman, mündete. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.
Mehr Information über den Autor findet man unter www.ulfschiewe.de

10. Dezember 2012

Buch der Woche (48. KW 2012)

Der mdr figaro empfiehlt „Die Frau im Spiegel“ von Éric Emmanuel Schmitt.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 17. August 2012

Eric-Emmanuel Schmitt begeistert Millionen von Lesern. Mit »Die Frau im Spiegel« ist ihm eine einzigartige Überraschung gelungen: das einfühlsame Porträt dreier Frauen.

Eine Braut flieht vor ihrer Hochzeit, eine verheiratete Frau verrät in intimen Briefen ihr Geheimnis, eine junge Schauspielerin sucht hinter den vielen Masken und den Fallstricken des Glamours ihr wahres Selbst. Jede von ihnen sieht sich im Spiegel ihrer Sehnsucht als eine Andere, in einer Welt von verwirrender Schönheit und Tragik.

Mit phantastischer Leichtigkeit gelingt es Eric-Emmanuel Schmitt in seinem neuen Roman, hinter diesen Spiegel zu schauen. Er schildert uns das Leben von drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und deren Schicksale durch einen einzigen Wunsch verknüpft sind – das betörende Gefühl, ganz bei sich zu sein.

Über den Autor

Eric-Emmanuel Schmitt, geboren im März 1960 in Sainte-Foy-Lès-Lyons, studierte Klavier in Lyon und Philosophie in Paris. Zunächst Lehrbeauftragter für Philosophie an den Universitäten Besançon und Chambéry, begann er Anfang der 90er Jahre als Autor für Theater, Film und Fernsehen zu arbeiten. Seine erste Prosapublikation in deutscher Sprache »Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran« (2003 im Ammann Verlag) begeisterte Hunderttausende von Leserinnen und Lesern und wurde mit dem Deutschen Bücherpreis 2004 als »Publikumsliebling des Jahres« ausgezeichnet.

8. Dezember 2012

Die Plantage – Catherine Tarley

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 20:26
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Die Plantage

Tarley, Catherine

Taschenbuch: 880 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3423249430

South Carolina im Jahr 1781. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg hat Antonia Lorimer zur Witwe gemacht, ihr Mann fiel britischen Milizen zum Opfer. Nun kehrt sie auf ihre Plantage Legacy zurück, die im Krieg schwer beschädigt wurde und auf der durch die Misswirtschaft ihres Mannes eine hohe Schuldenlast liegt. Eines Abends findet sie in ihrem Stall den durch Misshandlungen schwer verwundeten britischen Soldaten William Marshall. Antonia pflegt den Mann, der eigentlich ein Feind ist, gesund. Aus Dankbarkeit und Schuldgefühlen heraus, greift er Antonia beim Wiederaufbau der Plantage tatkräftig unter die Arme. Nach seiner Genesung setzt sie ihn als Verwalter ein und verliebt sich in ihn.

Catherine Tarley nimmt den Leser mit auf die Plantage Legacy in South Carolina. Schon nach wenigen Seiten ist man in die Handlung eingetaucht, die von einem mystisch angehauchten Prolog eingeleitet wird. Die Südstaatenatmosphäre ist an sich recht schnell präsent und damit auch die Probleme der damaligen Zeit. Die Folgen des Krieges lasteten schwer auf den Plantagen. Sklaven sind geflüchtet, damit fehlte es an Arbeitskräften. Legacy selbst war durch Antonias Ehemann vor dessen Tod schon an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben worden. Die Autorin versteht es sehr anschaulich diese Schwierigkeiten in Szene zu setzen und den Leser von der Härte der Situation zu überzeugen.

Die vier Hauptpersonen des Romans, Antonia Lorimer, William Marshal, Andrew Tyler, Banker in Charles Town und Algernon Reed, reichster Farmer der Umgebung, werden von der Autorin gut eingeführt, charakterisiert und in ihren Beziehungen durch die Handlungsfäden gut miteinander verflochten. Antonia stößt in dem Roman immer wieder an Grenzen, sie schwankt zwischen der Naivität der gutsituierten Farmerstochter und der aufgeklärten, gebildeten jungen Frau. Das macht sie in einigen Situationen unglaubwürdig. Das naive „Weibchen“ konnte ich eher abnehmen als die toughe Frau, weil sie in vielen Situationen wahrlich hilflos war. Die am besten charakterisierte Person ist jedoch Algernon Reed. Der reiche und erfolgreiche Farmer wird immer wieder von den Dämonen seiner psychischen Krankheit heimgesucht. Hervorragend hat Catherine Tarley diese beiden Seiten des Mannes entwickelt. Alle anderen Figuren erschienen mir jedoch sehr schablonenhaft und farblos.

Die wechselnde Erzählperspektive in den elf Teilen entwirft ein umfassendes Bild des Lebens in der damaligen Zeit. Durch die verschiedenen Blickwinkel kommt man als Leser den Romanfiguren näher und kann ihr Denken und Handeln besser nachvollziehen. So lernt der Leser auch die Personen ein wenig besser kennen, die scheinbar nicht im unmittelbar im Fokus der Handlung standen. Allerdings kommt dadurch und durch die zeitlichen Sprünge eine gewisse Unruhe auf, die mich ein wenig störte.

Sehr gut gewählt fand ich den zeitlichen Rahmen der Handlung, der Unabhängigkeitskrieg wird meinem Empfinden nach deutlich seltener als der Bürgerkrieg behandelt. Ebenso hat mir gefallen, dass dieser Krieg nicht allgegenwärtig thematisiert wurde, aber sehr deutlich wurde, wie er die Entscheidungen, die Gedanken und das Tun der Personen beeinflusste.

In einem Anhang ist dem Roman ein Glossar beigefügt. Die verwendete Karte ist leider nur dekoratives Beiwerk, wirklich nützlich ist sie ob des gewählten Maßstabes nicht.

„Die Plantage“ ist ein recht dialoglastiger Roman und obwohl die Autorin durch das Verwenden von vielen Fremdwörtern versucht hat, ihm einen höheren Anspruch zu verleihen, war er trotz der 880 Seiten schnell zu lesen. Es ist ein netter Südstaatenschmöker, in dem die Romantik nicht zu kurz kam, aber auch nicht überstrapaziert wurde. Catherine Tarley schnitt in dem Roman eine Vielzahl von Themen an und trotz der angeführten Kritikpunkte bescherte er mir unterhaltsame Lesestunden.

Mein Dank gilt dem Deutschen Taschenbuch Verlag  für das zur Verfügung stellen des Rezensionsexemplars.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Catherine Tarley geboren 1957, arbeitete nach ihrem Studium als Dramaturgin für einen US-amerikanischen Filmproduzenten. Im Jahr 2001 kam sie als Produktmanagerin zu einem süddeutschen Buchverlag. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

5. Dezember 2012

Das blaue Sofa

Einsortiert unter: Uncategorized — Karthause @ 14:14

Am Freitag, 07.12.2012, strahlt das ZDF eine neue Folge der Literatursendung „Das blaue Sofa“ um 23 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt wieder interessante Bücher nach seiner ganz persönlichen Auswahl vor.

Versuch über den Stillen Ort – Peter Handke
Aus den Fugen – Alain Claude Sulzer
Das Festmahl des John Saturnall – Lawrence Norfolk
Joseph Anton – Salman Rushdie

(Quelle: Newsletter “Das blaue Sofa”)

 

4. Dezember 2012

Buch der Woche (47. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:30
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Der mdr figaro empfiehlt „Manon Lescaut von Turdej“ von Birgit Wsewolod Petrow.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: August 2012
Ein sowjetischer Spitalzug auf dem Weg von einer Front zu anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum.
Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden:
“Wir fuhren schon so lange, daß wir nach und nach die Vorstellung von der Zeit verloren hatten … Niemand wußte, wohin wir geschickt wurden. Wir fuhren von Station zu Station, als hätten wir uns verlaufen. Man hatte uns wohl vergessen.”
Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, anders als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm, und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine “sowjetische Manon” und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.
“Manon Lescaut von Turdej”, entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer Zeitschrift “Novyj Mir”.
“Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, daß es nicht so war, daß ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsachlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, daß ich Vera liebte.
Ich legte mich so auf die Pritsche, daß ich gleich den ganzen Waggon sehen konnte. Wo Vera auch auftauchte, ich konnte sie sehen. Wie ein Somnambuler drehte ich mich zu der Seite, wo sie war.”

Über den Autor

Wsewolod Petrow (1912 – 1978) entstammte einer Petersburger Adelsfamilie, er war Kunsthistoriker und arbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg am Russischen Museum.
Nach dem Krieg, als Offizier in der Roten Armee demobilisiert, hat er sich wieder seiner wissenschaftlichen Arbeit gewidmet und Standardwerke zur russischen Kunst veröffentlicht.Olga Martynova, geboren in Sibirien, wuchs in Leningrad auf und studierte dort russische Sprache und Literatur. Seit 1991 lebt sie in Frankfurt/Main. 2011 wurde sie mit dem Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim ausgezeichnet.

3. Dezember 2012

Die Comtessa – Ulf Schiewe

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:26
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http://ecx.images-amazon.com/images/I/51oxP0X954L._BO2,204,203,200_AA300_SH20_OU03_.jpgDie Comtessa

Schiewe, Ulf

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198872

Südfrankreich Mitte des 12. Jahrhunderts. Die 15-jährige Ermengarda, Erbin von Narbona, wird aus politischen Gründen zur Ehe mit dem Grafen von Tolosa gezwungen. Ihre Stiefmutter Ermessenda, Vescomtessa und Regentin von Narbona und Bettgefährtin des mächtigen Grafen Alfons, setzt ihren ganzen Ehrgeiz daran, durch diese vorteilhafte Verbindung ihre eigene Position zu stärken. Aber noch vor dem Vollzug der Ehe flieht Ermengarda mit Hilfe der ihr zutiefst ergebenen jungen Ritter, Felipe und Arnaut, in Richtung Spanien. Es beginnt ein Katz und Maus Spiel mit den Verfolgern, die alles daran setzen, die Flüchtige und ihre Begleiter dingfest zu machen.

Bereits Ulf Schiewes Debütroman „Der Bastard von Tolosa“ habe ich mit großer Begeisterung gelesen. „Die Comtessa“ setzt dessen Handlung etwa zwei Generationen später fort. Es ist nicht zwingend erforderlich, den Vorgängerroman gelesen zu haben, der Autor lässt keine Frage zu früherem Geschehen offen, verliert sich aber auch nicht im endlosen Wiederaufwärmen von bereits Bekanntem. Ich habe mich aber sehr gefreut, „alte Bekannte“ wiederzutreffen. Sollte ich diesen Roman kurz charakterisieren fielen mir sofort opulent und bildgewaltig dazu ein. Der Autor lässt seinen Leser das Mittelalter erleben. Er erklärt für jeden verständlich die politische Situation und die Kräfteverteilung der herrschenden Adligen, er beschreibt das Leben der handelnden Personen von den Alltagsaufgaben bis hin zur Verrichtung der Notdurft ohne dabei den Leser zu langweilen oder zu ermüden. Darüber hinaus schildert er die Schönheit der Landschaft und die Härten für den, der in der Natur und von der Natur überleben muss. Auch die zu bestehenden Abenteuer passen sich sehr gut in die Handlung und wirken zu keinem Zeitpunkt übertrieben oder gar unangemessen.

An ein, zwei Stellen waren mir Ermengarda und ihre männlichen Beschützer ein wenig zu modern, sprich, Ermengarda war mir zu emanzipiert, was Filipe und Arnaut ohne aufzubegehren auch hinnahmen. Ich konnte dies nur unter dem Gesichtspunkt akzeptieren, wenn ich bedachte, dass die junge Vescomtessa im Rang über den ihr treu ergebenen Rittern stand.

In die Romanhandlung ist dezent eine sich anbahnende Liebesgeschichte eingeflochten worden. Mich hat das in diesem Fall nicht gestört. Sie erschien mir glaubhaft und war jenseits von Kitsch und flachem Liebesgestammel. Besonders Ermengarda gefiel mir dabei in ihrer inneren Zerrissenheit.

Obwohl man schon rein intuitiv die Protagonisten als sympathisch oder einschätzt, oder sie eher in ihrer Art und Weise ablehnt, nur wenige stehen zwischen den Lagern, ordne ich diesen Roman zu den anspruchsvollen Romanen dieses Genres zu. Das ist nicht zuletzt der der Zeit angepassten Sprache zu verdanken. Dazu gibt es ein umfangreiches Glossar, ein Verzeichnis der urkundlich erwähnten Personen und drei Karten. Diese machte es mir beim Lesen sehr leicht. Die Flüchtenden konnte ich so genau verfolgen und hatte dadurch stets eine geografische Orientierung.

„Die Comtessa“ braucht sich als Roman nicht hinter „Der Bastard von Tolosa“ zu verstecken. Letzterer hat mir nur eine Winzigkeit besser gefallen. Ulf Schiewe hat mit „Die Comtessa“ einen Roman geschrieben, der sowohl von den Handelnden, die eine gelungene Mischung aus fiktiven und verbürgten Personen sind, als auch von der Handlung her der Bezeichnung „historisch“ gerecht wird. Die von Ulf Schiewe inszenierte Reise ins Mittelalter habe sehr gern unternommen und freue mich auf weitere. Ich empfehle den Roman sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der “brotlosen Kunst” widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte. Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den “Bastard von Tolosa” , seinen ersten Roman, mündete. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.

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