Karthauses Bücherwelt …

31. Januar 2013

Tom Wolfe – Back to Blood

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Back to BloodTom Wolfe Gebundene Ausgabe: 768 Seiten Verlag: Karl Blessing Verlag  ISBN-13: 978-3896674890

Back to Blood
Tom Wolfe
Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-13: 978-3896674890

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?

Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Meine Meinung

Mit Einwanderern aus Kuba und Haiti, Afroamerikanern, americanos und einem russischem Oligarchen besetzt Tom Wolfe die Hauptfiguren seines Romans „Back to Blood“. Alle sind sie schrill, speziell und alles andere als Normalos und mit ihren Eigenarten erfüllen sie den Roman mit Leben. Aber genauso müssen sie für diese Art von Roman sein. Eine Gesellschaftssatire lebt von Übertreibungen und Überzeichnungen, um auf Missstände und gesellschaftliche Besonderheiten hinzuweisen. Handlungsort dieses Romans ist Miami, die Stadt die von und mit den Immigranten lebt, welche längst die Mehrheit ihrer Einwohner bilden, die Wasp’s aber immer noch das Geld in Händen halten. Im Roman wird gesagt, jeder hasse jeden, alle suchen nach Anerkennung, nach gesellschaftlichem Aufstieg und versuchen diejenigen, die nicht zu ihrer Gruppe gehören, zu demütigen und zu düpieren. Wolfe stellt dieses Aufeinanderprallen der Kulturen in dem melting pot Miami grandios dar. Obwohl ich Miami nicht kenne, konnte ich mir ein wirklich eindrucksvolles Bild vom Leben in dieser Stadt machen. Für die verschiedenen Stadtteile standen die einzelnen Hauptpersonen, ich lernte trostlose Viertel und die Nobelherbergen der Reichen kennen, sah wie die Armen lebten und die Highsociety sich in Orgien erging. Ebenso wurde ich aber auch an die Widersprüche innerhalb der einzelnen Gruppen herangeführt. Da gab es den Exilkubaner, der im Polizeidienst stehend den kubanischen Flüchtling vom Mast einer Yacht holte, bevor er das Festland erreichte und lernte den Psychiater kennen, der sich seine Patienten sicherte, indem er sie immer wieder ihrem Laster zuführte. Wolfe lästert über alle und jeden, er provoziert und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Er verdeutlicht, dass die verschiedenen Kulturen letztlich zusammenhalten (müssen) und diejenigen es schwer haben, die den schützenden Kreis der Gemeinschaft verlassen. Aus dem Grunde bin ich dem Verlag sehr dankbar, dass auf eine Übersetzung des Titels verzichtet wurde, kein anderer könnte treffender sein.

Vom Erzählstil empfand ich diesen Roman als recht ungewöhnlich. Häufig kommt es zu Einfügungen von Gedanken und und groß geschriebenen, wie geschrien wirkenden Einwürfen. Dadurch wirkt dieser Roman schrill und laut. Aber will der Autor nicht genau dieses Empfinden bei seinem Leser auslösen?

Mir hat „Back to Blood“ sehr gut gefallen. Der Roman wird nicht zu unrecht mit dem großen Werk „Fegefeuer der Eitelkeiten“ verglichen. Er wirkt allerdings wesentlich moderner und ist hoch aktuell. Wollte ich etwas kritisieren, wäre das die ein wenig zu kurz kommende Entwicklung der Protagonisten im Verlauf der Handlung. Da die die Handlung umfassende Zeitspanne aber relativ kurz und der Roman gut durchdacht und aufgebaut ist, fällt dies kaum ins Gewicht. Tom Wolfe lenkt mit „Back to Blood“ das Augenmerk des Leser auf eine weniger bekannte Szenerie der USA, die aber meisterlich geschildert wird und dazu sehr gut unterhält.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Tom Wolfe, 1931 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für “The Washington Post”, “New York Herald Tribune”, “Esquire” und “Harper’s”. In den 60er Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des “New Journalism”. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (American Book Award etc.) war international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er – schon 56 Jahre alt – mit “Fegefeuer der Eitelkeiten” (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten 1998 sein zweiter Roman “Ein ganzer Kerl”, mit “Hooking Up” eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (2001) und 2005 sein dritter Roman “Ich bin Charlotte Simmons”. Der Autor lebt in New York.

Ich danke dem Blessing Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

29. Januar 2013

Buch der Woche (4. KW 2013)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:31
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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche:  „Angst“ von Dirk Kurbjuweit.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 18. Januar 2013
Das saturierte Leben von Randolph Tiefenthaler scheint mit dem Kauf der schönen Berliner Altbauwohnung seine Erfüllung zu finden. Der Architekt und seine Familie ahnen nichts Böses, als der schrullige Herr Tiberius ihnen Kuchen vor die Tür stellt. Doch bald wird der Nachbar aus dem Souterrain unheimlich. Er beobachtet Tiefenthalers Frau, schreibt erst verliebte, dann verleumderische Briefe, erstattet sogar Anzeige. Die Ehe stürzt in eine Krise, das bloße Dasein des Nachbarn vergiftet den Alltag. Tiefenthaler vertraut lange auf den Rechtsstaat, der aber zeigt sich hilflos gegenüber dem Stalker. Die zerstörte Sicherheit erschüttert Tiefen­thaler im Innersten. Denn er kennt die Angst schon lange. Sein eigener Vater ist ein Waffennarr, als Kind musste Randolph schießen lernen und fürchtete stets das Schlimmste. Vater und Sohn sind sich seit Jahren fremd – doch nun bringt die unerträgliche Situation Randolph auf einen entsetz­lichen Gedanken … Dirk Kurbjuweit schildert mit beklemmender Spannung, wie Ohnmacht eine Familie zur Selbstjustiz treibt. «Angst» ist das Psychogramm einer Gewalttat, die Geschichte einer extremen, in ihrer Sprachlosigkeit berührenden Vater-Sohn-Beziehung – und ein erzählerisches Experiment, das die dünne Haut unserer bürgerlichen Zivilisation auf die Zerreißprobe stellt.

Über den Autor

Dirk Kurbjuweit, geboren 1962 in Wiesbaden, war Redakteur der „Zeit“, seit 1999 arbeitet er für den „Spiegel“. Er hat bislang sechs hochgelobte Romane geschrieben, drei davon wurden fürs Kino verfilmt, darunter „Schussangst“ und „Zweier ohne“; zuletzt erschien „Kriegsbraut“ (2011). Für seine Reportagen erhielt Dirk Kurbjuweit 1998 und 2002 den Egon-Erwin-Kisch-Preis sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen.

26. Januar 2013

Thommie Bayer – Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 14:20

Vier Arten, die Liebe zu vergessen

Bayer, Thommie

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

Verlag: Piper

ISBN-13: 978-3492054805

Michael, Thomas, Bernd und Wagner, der keinesfalls Detlef gerufen werden möchte, haben sich aus den Augen verloren. Jeder lebt sein Leben mit Höhen und Tiefen, keines ähnelt dem des anderen, bis auf die Tatsache, dass die Liebe die Schwachstelle in aller Leben ist. Jahre später, aus den Jungen sind inzwischen Mittvierziger geworden, treffen sich die einstigen Freunde am Grab von Emmi wieder, die sie zu der A-Capella Gruppe „Nachtigallen“ formte. Beim gemeinsamen Abschied nehmen von der ehemaligen Lehrerin spüren sie, es ist noch etwas von der alten Vertrautheit zwischen ihnen geblieben. Spontan lädt der geheimnisvolle Michael der alten Zeiten wegen die drei Männer in seinen Palazzo nach Venedig ein…

Wer mich kennt, weiß, Liebesromane sind nicht unbedingt meine Lieblingslektüre. Wenn der Handlungsort dann noch in Venedig angesiedelt ist, lasse ich aus Angst vor kitschigem Liebesgezwitscher in der Regel die Finger von diesen Büchern. Durch Zufall kam dann „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ zu mir. Der Autor war mir, ehrlich gesagt kein Begriff, ein Thommie Bayer war mir lediglich aus der Musikszene der 1980er Jahre bekannt. Schnell stellte sich heraus, der Autor des vor mir liegenden Buches ist genau dieser Musikpoet.

Thommie Bayer sagt selbst, die Liebe ist ein weltbewegendes Thema. In diesem Roman begegnet der Leser einigen Variationen dieser, der freundschaftlichen Liebe, der Liebe zur bilden Kunst und der zur Musik, der hoffnungsvollen und hoffnungslosen Liebe, der platonischen Liebe. So verschieden Michael, Thomas, Bernd und Wagner auch sind so unterschiedlich haben sie rückblickend die Liebe erlebt – und sie verpatzt. Einer hat die Liebe seines Lebens so hoch stilisiert, dass sie so niemals Realität werden kann. Ein anderer kompensiert verlorene Liebe durch Alkohol. Der nächste versucht, fehlende Liebe durch schnellen Sex auszugleichen und Vierte im Bunde ist nicht einmal mehr in der Lage, das Schöne und Einzigartige zu erkennen. Erzählt wird die Geschichte in der Hauptsache von Michael und die Handlung wechselt stetig zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Seine vier Protagonisten hat Thommie Bayer mit glaubwürdigen, lebensnahen Charakteren ausgestattet. In seinem Roman herrschen eher die leisen Töne vor, er besticht durch unterschwelligen Humor, wirkt leicht erzählt und hat durchaus Tiefen und Gedanken, die lohnenswert sind, weitergesponnen zu werden. Lediglich zum Ende hin wird das Erzähltempo deutlich höher und die Handlung scheint sich zu überschlagen. Wie ein roter Faden zieht sich durch das gesamte Buch, eingeleitet zur Worte von Leonard Cohen, neben der Liebe die Musik. Immer wieder werden Textstellen bekannter Songs zitiert.

Wer bei dem Roman „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“ eine der üblichen Liebesgeschichten erwartet, wird sicher enttäuscht werden. Thommie Bayer hat mit dieser Geschichte einen lebensklugen Roman vorgelegt, der mir neben den Themen Respekt, Freundschaft und Liebe vier Männer nahe brachte, die ich am Schluss nur ungern verließ. Zum Glück ist Thommie Bayer ein fleißiger Schreiber und noch etwa 15 seiner Romane warten auf mich. Für mich war dieser Roman ein echtes Highlight.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Thommie Bayer, 1953 in Esslingen geboren, war Maler und Liedermacher, bevor er 1984 begann, Stories, Gedichte, Drehbücher und Romane zu schreiben. All seine Bücher entwickeln einen erzählerischen Sog, wie man ihn sonst vor allem aus angelsächsischen Romanen kennt. Unter anderen erschienen von ihm »Die gefährliche Frau«, der für den Deutschen Buchpreis nominierte Roman »Eine kurze Geschichte vom Glück« und »Fallers große Liebe«. Weiteres zum Autor: http://www.thommie-bayer.de

Thommie Bayer bei Wissen trifft...

Thommie Bayer bei “Wissen trifft…”

22. Januar 2013

Buch der Woche (3. KW 2013)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:07
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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche, den Roman, den ich gerade lese:  „Back to Blood“ von Tom Wolfe.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 28. Januar 2013

Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?
Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Über den Autor

Tom Wolfe, 1931 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für “The Washington Post”, “New York Herald Tribune”, “Esquire” und “Harper’s”. In den 60er Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des “New Journalism”. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (American Book Award etc.) war international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er – schon 56 Jahre alt – mit “Fegefeuer der Eitelkeiten” (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten 1998 sein zweiter Roman “Ein ganzer Kerl”, mit “Hooking Up” eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (2001) und 2005 sein dritter Roman “Ich bin Charlotte Simmons”. Der Autor lebt in New York.

18. Januar 2013

Matthew Quirk – Die 500

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:12
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Die 500

Quirk, Matthew

Originaltitel: The 500

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896674722

Henry Davis weiß, Politiker sind manipulierbar, sie sind korrumpierbar. Dieses Wissen macht er sich zu Nutze. 500 der mächtigsten Männer zählen zu den Klienten seiner Beraterfirma. Sein Mittel zum Zweck ist jedoch nicht das Geld, sondern die Leichen, die ein jeder von ihnen im Keller hat. Davis sucht seine Ansatzpunkte bei G.I.E.R. – Geld, Ideologie, Ego und Repression. Er versucht alles, um jede Kleinigkeit aus dem Leben seiner Kunden in Erfahrung zu bringen, Fehler, Geheimnisse und Leidenschaften. Mike Ford wird von Davis angeworben, um die Drecksarbeit zu erledigen. Mikes Vater ist zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, den Grund dafür kennt er nicht. Er selbst hat eine kriminelle Vergangenheit, hat den Absprung aber noch geschafft und studiert jetzt in Harvard. Davis‘ Angebot kommt für ihn gerade zur rechten Zeit, denn er hat Schulden. In der Firma steigt er schnell auf und durchschaut dabei immer mehr die Geschäfte seines Bosses. Als Henry Davis erfährt, dass Mike Ford kurz davor ist, seine dunkelsten Geheimnisse herauszufinden, beginnt für Mike ein Wettlauf mit gegen die Zeit und den Tod.

Ohne große Einleitung ist der Leser mitten in der Handlung. Es werden nicht erst lang die Personen eingeführt oder deren Vergangenheit beleuchtet. Darüber erfährt man sukzessive im Verlauf der Handlung. Der Leser taucht zeitlich gesehen, kurz vor dem Ende der eigentlichen Geschichte in diesen Thriller ein und erfährt von dem in der Ich-Form erzählenden Mike Ford in einer Art Rückblick die bisherigen Geschehnisse, um dann den Abschluss sozusagen direkt zu verfolgen.

Die Idee hinter dem Buch ist sehr gelungen. Es geht um die Manipulierbarkeit von Politikern. Ein Thema, das sehr ins psychologische geht. Diesen Aspekt, ebenso wie die Feinzeichnung seiner Protagonisten ließ der Matthew Quirk jedoch weitgehend außen vor. Sein Hauptaugenmerk lag auf actionlastigen Szenen und so ließen sich seine Darsteller relativ schnell in Gut und Böse einordnen. Das Erzähltempo hielt der Autor bis auf wenige Ausnahmen hoch. Die erste Hälfte des Romans hat mir auch noch recht gut gefallen. Über die verwendeten Klischees konnte ich ganz gut hinwegsehen. Die letzten 200 Seiten empfand ich allerdings als unglaubwürdig, überzogen und absehbar. Der Protagonist mutierte zum Superhelden, den weder Verletzungen noch Schmerzen aus der Bahn werfen konnten. Dafür jagte eine Actionszene die nächste. Ich habe nichts gegen Action in Romanen oder Filmen. In diesem Fall hätte ich mir aber gewünscht, dass der Autor seinem Helden ein wenig mehr Profil verleiht und dieser blasse und reichlich naive Handlanger des Big Boss zur Persönlichkeit wird. Das Ende des Thrillers war dann in allen seinen Facetten sehr hollywooglike. Eine Verfilmung des Stoffes könnte ich mir gut vorstellen.

Mein Fazit: Wer eine Vorliebe für schnell erzählte und ebenso schnell gelesene Thriller, deren Schwerpunkt im wahrsten Sinne des Wortes im Thrill liegt, hat und wer über Schwächen in der psychologischen Zeichnung der Personen hinwegsehen kann, wird mit diesem nicht schlecht beraten sein. Leider passten das Buch und mein Lesegeschmack nicht so ganz zusammen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Matthew Quirk (31) ist in New Jersey aufgewachsen und hat in Harvard studiert. Anschließend arbeitete er jahrelang als investigativer Journalist für THE ATLANTIC. DIE 500 ist sein erster Roman. Er lebt in Washington D.C.

16. Januar 2013

Buch der Woche (2. KW 2013)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:31
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Der mdr figaro empfiehlt „August“ von Christa Wolf.

Der Sender schreibt dazu:

“Die Erzählung “August” entstand 2011, im Todesjahr der Schriftstellerin Christa Wolf. Darin erzählt sie eine bewegende Nachkriegsgeschichte. Diese Veröffentlichung sowie die Uraufführung “Der geteilte Himmel” am Schauspielhaus Dresden zeigen, dass Christa Wolf für ihre Leser nach wie vor eine feste Größe ist. Doch nicht immer halten nachgelassene Werke, was man sich vom Autor verspricht.”

9. Januar 2013

Ayad Akhtar – Himmelssucher

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 19:43
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Himmelssucher

Akhtar, Ayad

Originaltitel: American Dervish

Broschiert: 384 Seiten

Verlag: carl’s books

ISBN-13: 978-3570585160

Milwaukee, Ende der 1970er Jahre. Ayad Akhtar erzählt die Geschichte des 10-jährigen Hayat, Sohn pakistanischer Einwanderer. Die Eltern haben sich äußerlich weitgehend dem amerikanischen Lebensstil angepasst. Nach der Flucht Minas, der Jugendfreundin der Mutter, fand sie im Haus von Hayats Eltern ein Heim. Schnell entwickelt sich zwischen ihr und dem 10-Jährigen eine enge Beziehung. Mina bringt ihm den Islam nahe. Er will begreifen und wird dadurch in den Zwiespalt zwischen den Regeln des Korans und dem Leben seiner Eltern gezogen. Als Mina sich dann noch in den Juden Nathan Wolfsohn verliebt, gerät Hayats Welt aus den Fugen.

Nach dem Tod seiner Tante Mina, Hayat ist längst ein reifer, erwachsener Mann, erzählt er rückblickend seine Geschichte. Dabei schildert er die Geschehnisse immer aus der Sicht eines 10-jährigen Jungen. Eine Wertung durch den erwachsenen Hayat habe ich ein wenig vermisst. Die Konflikte, in die der Junge geriet, waren die eines Kindes, dem ein echtes Zugehörigkeitsgefühl fehlt. Die Eltern lebten ihr (amerikanisches) Leben, Mina unterwies ihn im Koran. Er war hin- und hergerissen und wusste nicht mehr, was und wem er glauben sollte. Somit ist der im Klappentext beschriebene Verrat eher die Folge der inneren Zerrissenheit des Jungen und keine vorsätzliche Tat. Zwar spielt eine gewisse Eifersucht auch eine Rolle, aber die Folgen seines Handelns konnte Hayat noch nicht abwägen. Er wurde von ihnen förmlich überrollt. Hayat ist in einem gewissen Sinne Sympathieträger, wenn auch kein strahlender Held. Er hat einen groben Fehler begangen, der ihm zeitlebens nachhängt.

Mit dieser Romanhandlung hat der Autor grundlegende religiöse Bezüge verknüpft. Er gibt einen Einblick in das religiöse Leben der pakistanischen Einwandererfamilie und spannt den Bogen vom Islam hin zum Judentum und Christentum. Dieser Roman wird sicher die Gemüter ob des großen Raums, der religiösen Fragen eingeräumt wird, spalten. Immer wieder werden Suren aus dem Koran zitiert. Dabei ist der Autor keineswegs unkritisch, er glorifiziert nicht. Ich hätte mir an dieser Stelle jedoch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Durch die Erklärungen Minas versucht der Autor zwar die Sicht eines Erwachsenen zu verdeutlichen, kommt dabei über das Niveau eines guten Jugendbuches nicht hinaus und das meine ich keineswegs despektierlich.

Sehr gut und eindringlich beschrieb er die Situation der Frau im Islam. Er thematisiert die Anwendung von Gewalt gegenüber Frauen und bezieht dazu Stellung.

Schaut man in die Biografie des Autors, von der der Verlag nur sehr wenig preisgibt, kann man schon einige Parallelen zum Protagonisten erkennen. Ayad Akhtar weiß, wie sich ein Einwandererkind fühlt, dass in einer neuen Kultur Fuß fassen muss und hat dies auch hervorragend in seinem Roman zum Tragen gebracht.

Für mich öffnete sich mit diesem Buch wieder einmal ein Fenster in eine mir nicht so vertraute Welt. Allerdings halte ich Vergleiche zu Husseinis „Drachenläufer“, wie es sie auf dem Umschlagtext zu lesen gibt, für zu weit hergeholt. Jeder Roman sollte für sich gesehen und gelesen werden.

Mir hat dieser Roman gut, aber nicht sehr gut, gefallen. Er hat mich auf der emotionalen Ebene nicht so angesprochen, wie ich es von einem sehr guten Roman erwarte. Er war aber flüssig zu lesen, vermittelte einiges an Informationen für mich und wird mir in Erinnerung bleiben. Auf weitere Werke des Autors warte ich gespannt.

8. Januar 2013

Buch der Woche (1. KW 2013)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:31
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Der mdr figaro empfiehlt „Die Schriften von Accra“ von Paulo Coelho.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 7. Januar 2013
Er ist vor langer Zeit auf der Suche nach Abenteuern und Reichtum in die Welt hinausgegangen und zufällig in Jerusalem gelandet. In einer magischen Nacht, als ein feindliches Heer die Stadt bedroht und alles verloren scheint, antwortet der geheimnisvolle Fremde auf die großen Fragen der Menschen, die über die Jahrtausende immer wieder gestellt werden.

Über den Autor

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, Studium der Rechtswissenschaften, danach Reisen nach Südamerika, Europa und Nordafrika. Zurück in Brasilien, Veröffentlichung von Theaterstücken und provokativer Rocksongs, die ihm über die Militarjunta der 70er Jahre dreimal ins Gefängnis einbrachten. Er ist Herausgeber einer Untergrundzeitschrift, eines Musikmagazins sowie Direktor von Polygram und CBS, Brasilien. Ab 1980 (Stellenverlust) 5 Jahre Studium in einem alten spanischen Orden und Zurücklegung des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela. 2006 wurde Paulo Coelho mit dem mexikanischen Literaturpreis “Las Pergolas” ausgezeichnet.

7. Januar 2013

2012/2013 – Rückschau und Ausblick

Einsortiert unter: Allgemeines — Karthause @ 09:23

Das Jahr 2013 ist nun schon fast eine Woche alt. Es wird also Zeit, ein Resümee des vergangenen Jahres zu ziehen.

2012 habe ich 86 Bücher mit insgesamt 34.357 Seiten gelesen. Es war ein gutes Lesejahr. 

Meine Tops:

Die Orangen des Präsidenten – Abbas Khider
Blackout. Morgen ist es zu spät – Marc Elsberg
Der stille Don – Michail Scholochow
Vergewaltigt. Eine Liebesgeschichte – Carol Joyce Oates

Mein Flop:

Shades of Grey (Bd. 1) – E. L. James (Es war ja vorauszusehen, dass dieses Buch nichts für mich ist, allerdings wollte ich herausfinden, was die anderen Leser daran so begeistert. – Ich habe es nicht herausgefunden.)

Meine Neuentdeckungen:

„Vielen Dank für das Leben“ von Sibylle Berg und „untertan“ von Joachim Zelter müssten eigentlich ganz vorn bei meinen Top-Büchern stehen. Von beiden Autoren hatte ich bisher aber noch nichts gelesen, so dass sie wirkliche Neuentdeckungen für mich sind. Bei beiden Romanen hatte ich beim Lesen das Gefühl, ich müsse mir SOFORT alle anderen von den Autoren veröffentlichten Roman eanschaffen.

Ausblick auf 2013

Vorsätze für das Jahr 2013 habe ich keine, aber ein bisschen geplant habe ich doch. So nehme ich im BücherTreff an der Monats-Challenge teil. An sich bin ich kein Leser, der sich durch fremd gegebene Vorgaben beim Lesen lenken lässt. Dabei verliere ich schnell die Lust. Aber in diesem Fall gibt es monatlich eine Leseaufgabe zu erfüllen. Ich muss mich im Vorfeld nicht zu sehr festlegen und so hoffe ich, diese Herausforderung doch bestehen zu können. Desweiteren freue ich mich auf die Klassiker-Leserunde, die im Krümelforum im Februar mit Tess von Thomas Hardy startet und bin sehr gespannt, mit welchem Buch es weitergehen wird.

Ich wünsche allen ein gutes Jahr 2013 und denkt daran „… Sinn des Lebens kann es nicht sein, am Ende die Wohnung aufgeräumt zu hinterlassen.“ (Elke Heidenreich)

 

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