Karthauses Bücherwelt …

7. September 2009

Alice Greenway – Weisse Geister

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Weisse Geister   Alice Greenway   OT: White Ghost Girls    Gebundene Ausgabe: 224 Seiten     Verlag: mareverlag     ISBN-13: 978-3866481015
Weisse Geister
Alice Greenway
OT: White Ghost Girls
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: mareverlag
ISBN-13: 978-3866481015

Der Sommer, von dem ich erzählen will, ist die einzige Zeit von Bedeutung. Es ist die Zeit, an die ich denken werde, wenn ich sterbe, so wie sich andere vielleicht einen verlorenen Liebhaber ins Gedächtnis rufen oder einer Liebe nachtrauern, die nie zustande kam. Für mich gibt es nur eine Geschichte. Es ist die meiner Schwester – Frankies Geschichte.“ (Seite 8 )

Hongkong 1967. Die 13jährige Kate ist die Ich-Erzählerin dieses Romans. Die Familie lebt in Hongkong, während der Vater, Fotograf für das Time Magazin, den Vietnamkrieg mit dem Fotoapparat begleitet. Nur alle sechs Wochen besucht er seine Familie und es wird schnell deutliche, welch tiefe Spuren der Krieg bereits in seiner Seele hinterlassen hat. Frankie, die nur wenig ältere Schwester von Kate, ist in einem Alter, in dem sie nicht mehr ganz Kind und noch nicht ganz Frau ist. Mit ihren weiblichen Reizen spielt sie schon sehr bewusst. Frankie und Kate stehen sich sehr nahe. Die Mutter der beiden ist äußerst labil und lebt eigentlich nur mit ihrer Kunst. Anfangs scheint die Zeit der Drei recht unbeschwert zu sein. Die Elternteile sind beide sehr mit sich selbst beschäftigt und die Töchter sind mehr oder minder in der Obhut der damit doch recht überforderten chinesischen Haushälterin. Das Unheil scheint vorprogrammiert zu sein. Eines Tages begleiten die beiden Mädchen die Haushälterin zum Markt und fallen in die Hände von Rebellen. Kate muss für sie einen Auftrag ausführen, während Frankie in von den Aufrührern als Geisel gehalten wird. Dieser Tag ändert das Leben der Schwestern und deren Verhältnis zueinander grundlegend. Frankie soll auf ein Internat geschickt werden, auch um zu vermeiden, dass Kate durch deren Einfluss in Schwierigkeiten gerät. Da sie aber immer noch Frankies „Geheimnisschwester“ ist, ist es dafür bereits zu spät.

Alice Greenways Debüt-Roman „Weisse Geister“ beginnt fast beschaulich mit einem schönen Tag am Meer. Auf den ersten Seiten könnte man eine leichte Familiengeschichte vor exotischer Kulisse erwarten. Aber fast mit jeder Seite, die gelesen wird, nimmt die Intensität des Romans zu. Und nach und nach werden die unterschwelligen Probleme der Familie deutlich. Die fehlende Nähe der Eltern, das heimliche Verfolgen der Kriegshandlungen, die daraus resultierenden Ängste werden von der Autorin psychologisch gut durchdacht, beleuchtet und gut in Szene gesetzt. Aber auch die politische Situation im Hongkong in der 2 Hälfte der 1960er Jahre wurde von der Autorin beeindruckend gut herausgearbeitet und nachvollziehbar beschrieben. So stellt sie in diesem Buch die jungen Mädchen und die exotische Szenerie den Schrecken des Kriegs und der chinesischen Kulturrevolution gegenüber, das Zarte und Vergänglicher im Unterschied zu Krieg und Gewalt.

„Weiße Geister“ ist sehr einfühlsam geschrieben, vielleicht auch weil die Autorin selbst in Hongkong aufwuchs. Ihre Sprache ist fast schon poetisch, leise, gefühlvoll, aber lebendig und beeindruckend. Das Buch hat mich emotional sehr berührt, es war intensiv, jedoch ohne jede Gefühlsduselei geschrieben. Alice Greenway ist eine Autorin, von der ich gern wieder Bücher lesen würde.

Über den Autor 

Alice Greenway, 1964 in Washington D. C. geboren, aufgewachsen in Hongkong, Bangkok, Washington, Jerusalem und Massachusetts, studierte an der Yale University. Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie in Edinburgh, Schottland. Weiße Geister ist ihr erster Roman. (Quelle: Klappentext)

2. September 2009

Akardi Babtschenko – Die Farbe des Krieges

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Die Farbe des Krieges
Arkadi Babtschenko
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Rowohlt, Berlin
ISBN-13: 978-3871345586

“Ich habe immer gedacht, der Krieg sei schwarzweiß. Aber er ist bunt. – (…) Die Farben sind grell, die Bäume grün, und der Himmel ist hellblau dort, wo Menschen getötet werden. Das Leben blüht und gedeiht, die Vögel zwitschern, und die Bäume treiben junges Grün. – Tote Menschen liegen im Gras und sind überhaupt nicht schrecklich, sie gehören in diese bunte Welt. Man kann danebenstehen und lachen, sich unterhalten. Die Menschheit erstarrt nicht und verliert nicht den Verstand beim Anblick der Leichen. – Sehr seltsam, dass der Krieg bunt ist.”

1995. Junge Männer, Soldaten, werden nach Tschetschenien geschickt, um dort zu kämpfen. Der Leser begleitet den Ich-Erzähler in den Krieg und muss erst einmal in einem Zwischenlager Station machen. So wird über den Soldatenalltag in der russischen Armee berichtet, über Untätigkeit, Hunger, Misshandlungen durch dienstältere Soldaten und Mangel. Nur an einem mangelt es nicht, an den Leichen, die mit Flugzeugen aus dem Kriegsgebiet zurückgeführt werden. Aber das Grauen ist noch steigerungsfähig, dass erfahren die Soldaten bei ihrem Fronteinsatz. Tschetschenische Partisanenangriffe, friendly fire, Verstümmelungen, nicht wieder erkennbare Tote, Massaker und deren Vergeltungen prägen nun ihr Dasein.

10 Jahre später – wieder Tschetschenien – immer noch Krieg. Die Kriegsführung hat sich kaum geändert. Nur der Hass auf die Gegner wurde tiefer, dem entsprechend wurde die Wahl der Mittel auch grausamer. Um sich zu betäuben, griffen die Soldaten zu Alkohol und Drogen. So konnten sie für kurze Zeit in eine Traumwelt fern jeder Realität abtauchen und von einer friedlichen Heimat träumen.

Arkadi Babtschenko schildert den Tschetschenienkrieg aus russischer Sicht. Eine Sicht, die mir bisher unbekannt war, ebenso wie die erschreckenden und unbeschreiblichen Zustände in der Armee. Babtschenko schrieb seine eigenen Erlebnisse auf. Er war als 18jähriger selbst Soldat in Tschetschenien und hat die geschilderten Erfahrungen am eigenen Leib gemacht. Sprachlich gesehen ist dieses Buch kein Glanzstück. Es weiß durch seine Authentizität zu überzeugen. Nur wenige Bücher haben mich bisher so erschüttert und mitgenommen. Selbst jetzt beim Schreiben bekomme ich noch Gänsehaut und einen Kloß im Hals. Arkadi Babtschenko prangert Politiker und Generäle an, legt die Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Krieges kompromisslos offen, beschreibt unmissverständlich die Gräuel und setzt allen Gefallenen mit diesem Buch ein Denkmal. Dieses Buch wird oft mit den ganz großen Werken der Antikriegsliteratur in einem Atemzug genannt und das völlig zu Recht. Allerdings sollten die Leser nicht all zu sensibel sein, denn der Autor nennt die Dinge beim Namen, er beschreibt präzise und detailliert Zustände und Begebenheiten. Dieses Buch ist eine wahre Anklageschrift.

Über den Autor (www.amazon.de)

Arkadi Babtschenko, 1977 in Moskau geboren, wurde mit achtzehn Jahren zum Militärdienst einberufen und 1996 nach Tschetschenien versetzt. Anschließend studierte er in Moskau Jura und schrieb für verschiedene Zeitungen. 2001 wurde sein Zyklus Zehn Bilder vom Krieg mit dem Preis der literarischen Zeitschrift Debüt ausgezeichnet. Heute lebt Babtschenko als freier Journalist und Autor in Moskau.

29. August 2009

Anthony McCarten – Englischer Harem

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Englischer Harem - Anthony McCarten
Englischer Harem
Anthony McCarten
Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: Büchergilde Gutenberg
ISBN-13: 978-3257066401

Nichts ist so, wie es auf den Blick scheint.

Tracy Pringle, 20 Jahre, wohnt bei ihren Eltern in einem trostlosen und baufälligen 23geschossigen Wohnhaus in einem Londoner Vorort. Sie ist Kassiererin in einem Supermarkt und Tagträumerin. Tief in ihre Traumwelt versunken, reagiert sie bei einem offensichtlichen Diebstahl nicht und verliert infolge dessen ihren Job. Sie bewirbt sich in dem vegetarischen Restaurant „Persischer Garten“ um die Stelle einer Kellnerin. Saaman Sahar, der Inhaber, aus Teheran stammend, Sohn einer Metzgerdynastie, Moslem, Oxford-Absolvent und Mitglied eines anglikanischen Kirchenchores, ist zunächst nicht interessiert. Aber Tracy kämpft und bekommt die Stelle auf Probe. Sie setzt sich intensiv mit der persischen Kultur auseinander, Saaman beantwortet ihr die Fragen so gut er kann, aber schon bald weiß Tracy mehr als er. Schnell freundet sich Tracy mit seinen beiden Ehefrauen an. Firouzeh ist die Witwe seines Bruders, es war für Sam, wie er sich in England nennt, eine Ehrensache, sie zur Ehefrau zu nehmen und ihren Kindern ein Heim zu geben. Yvette ist Französin und auch sie hat er nicht ohne Überlegung geheiratet. Tracy ist vom Leben der Sahar’s begeistert, sie kommt ihrem Chef langsam näher, aus anfänglicher Freundschaft wird schnell Verliebtheit und so wird sie schließlich Ehefrau Nummer 3. Für Tracy’s Eltern ist das zuviel, sie können diesen englischen Harem nicht mit ihrem Weltbild vereinbaren und sind strikt gegen diese Beziehung. Und auch die englischen Behörden bekommen Informationen über diesen ungewöhnlichen Fall von Polygamie und werden aktiv.

Englischer Harem“ ist eine Liebesgeschichte, eine Tragödie, ein Drama, eine Komödie, ein Gesellschaftsroman und eine Familiengeschichte, oder besser gesagt, von jedem etwas. Anthony McCarten betrachtet in seinem Roman die allgemein bekannten Vorurteile Einheimischer gegenüber Migranten und fremden Kulturen – und umgekehrt. Er scheut sich nicht, die gängigen Klischees aufzugreifen und ad absurdum zu führen. Manche Stellen in dem Buch fand ich skurril und überzogen. Als künstlerisches Mittel ist dies aber durchaus geeignet, den Leser nachdenklich zu stimmen, ihm die Augen zu öffnen und ihn in den vorgehaltenen Spiegel schauen zu lassen. Auch ich stellte mir schon mal die Frage, wie ich als Mutter von Tracy reagiert hätte.

Die gegenseitigen Vorurteile und die sich daraus ergebenden Missverständnisse hat der Autor auf sehr nachvollziehbare, warmherzige und intelligente Art und Weise beschrieben. Nie hat er verurteilt, nie den moralischen Zeigefinger erhoben. Er hat Situationen beschrieben und dem Leser die Wertung überlassen. In kürzester Zeit habe ich dieses Buch gelesen. Es hat mich beeindruckt und es hat mich berührt, aber es hat mich auch schmunzeln lassen. Dieses Buch mochte ich von Beginn an sehr gern und das Ende war eine Klasse für sich.

Mein Fazit: „Englischer Harem“ ist weitaus mehr als eine simple Liebesgeschichte einer traumtänzerischen Supermarktkassiererin. Es zeigt unterhaltsam auf, wie wichtig Toleranz und Akzeptanz sind und welche Folgen Vorurteile und Missverständnisse nach sich ziehen können. Die Geschichte um Tracy Sahar wird sicher noch eine Weile in meinem Kopf nachwirken. Selten habe ich Anspruch und Unterhaltung auf so vergnügliche Art verknüpft gefunden.

Über den Autor (Quelle: Diogenes.ch)

Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland. Mit 25 (mit Stephen Sinclair) weltweiter Theatererfolg ›Ladies Night‹, in der unautorisierten Filmadaption (›The Full Monty/Ganz oder gar nicht‹) eine der weltweit erfolgreichsten Filmkomödien. Seine zwei ersten Romane bei Diogenes, ›Superhero‹ (2007) und ›Englischer Harem‹ (2008), waren beide große Kritiker- und Publikumserfolge.

26. August 2009

Iris Kammerer – Varus

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Varus
Varus
Iris Kammerer
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453470897

9 n. Chr. – Germanien ist unbefriedet und von den Römern unterworfen worden. Der Statthalter Publius Quinctilius Varus soll Teile des römischen Heeres vom Sommerlager zurück in das Winterquartier in der Nähe des heutigen Xanten führen. Im Vorfeld erhält er mehrere konkrete Hinweise, dass sein Vertrauter Arminius, aus einem germanischen Fürstengeschlecht stammend und unter Römern aufgewachsen, einen Verrat plant. Er hat zu seinem Schützling blindes Vertrauen und schlägt überheblich alle Warnungen in den Wind.

Als dann die ersten Angriffe auf die von ihm angeführten drei Legionen und deren Trosse erfolgen, ist Varus noch immer nicht gewarnt. Das Wetter ist schlecht, das Gelände ist unwegsam und für die Römer nicht geeignet in Stellung zu gehen. Aber in nicht nachvollziehbarer Selbstüberschätzung sieht Varus den Gegner sowohl kampfkraft- als auch zahlenmäßig als unterlegen an. Das entpuppt sich als eine fatale Fehleinschätzung der Situation, die den fast vollständigen Verlust der drei Legionen samt Nachhut zur Folge hat.

Zum 2.000. Mal jährt sich in diesem Jahr die Varusschlacht, die das politische Gesicht Mitteleuropas dauerhaft veränderte. Grund genug zu diesem historischen Roman von Iris Kammerer zu greifen. Sie schildert das historische Geschehen aus der Sicht der Römer. Sie nutzt gekonnt verschiedene Handlungsstränge und Perspektiven, um sich diesem Thema zu nähern. Da gibt es zum einen Caldus, der den Statthalter vor dem Verrat warnt und dafür rangniedrigere Dienste ausführen muss. Dann wird die Geschichte des Titus Annius erzählt, der die Sklavin Thiudgif aus einer Laune heraus durch ein Würfelspiel gewinnt, um die Iris Kammerer ebenfalls eine Handlung aufgebaut hat. Und es gibt den Erzählstrang um die Figur des Varus, in dem deutlich wird, wieso es zu dieser verheerenden Niederlage kommen konnte.

In ihrem Roman lässt Iris Kammerer sowohl historisch verbürgte Figuren als auch fiktive in die Handlung eingreifen, die, grob gesehen, die Handlungsstränge des Romans ausmachen. Sie schildert das Geschehen im Teutoburger Wald vor 2.000 Jahren äußerst glaubwürdig und realistisch. Dabei ist nicht sicher zu belegen, ob es sich in Wirklichkeit so und nicht anders zugetragen hat. Aber es wäre genau so, wie die Autorin es beschrieb, sehr gut vorstellbar.

Besonders hervorheben möchte ich, dass es Iris Kammerer, trotz der allgemein bekannten Geschichte der Schlacht, gelang, einen spannenden und fesselnden Roman zu schreiben. Dies ist aber auch darauf zurückzuführen, dass ihr Augenmerk nicht auf Varus und Arminius, sondern eher auf den historischen Helden der 2. Reihe lag. Die Sprache ist bestechend, klar und der Zeit gemäß. Ein dem Roman beigefügtes Glossar hilft dem Leser über die eine oder andere Klippe hinweg. Das Buch enthält ein ebenfalls sehr nützliches Namensverzeichnis, in dem die historischen Personen gekennzeichnet sind. Das half mir die anfängliche Verwirrung bei den sich ähnelnden römischen Namen zu überwinden.

Mein Fazit: „Varus“ ist einer der besten historischen Romane, die ich in der letzten Zeit las. Das bekannte Thema wurde hervorragend in einen spannenden Roman verpackt. Ich bin beeindruckt von der Detailtreue der Autorin und werde in absehbarer Zeit ihre Cinna-Trilogie lesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Iris Kammerer, 1963 in Krefeld geboren, arbeitete nach dem Studium der Klassischen Philologie und Philosophie als Texterin, Redakteurin und Beraterin. Seit 2004 ist sie freie Autorin. Bisher erschien die erfolgreiche Trilogie um den römischen Offizier Cinna (“Der Tribun”, “Die Schwerter des Tiberius” und “Wolf und Adler”) sowie der im Mittelalter angesiedelte Roman “Der Pfaffenkönig”. Iris Kammerer lebt zusammen mit ihrem als Sachbuchautor tätigen Mann Helmut Kammerer in Marburg.

25. August 2009

Alexandre Dumas – Der Graf von Saint Hermine

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Der Graf von Saint Hermine

Alexandre Dumas


Gebundene Ausgabe: 1040 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764502270

Am Grafen habe ich mich versucht, bis zur Seite 100 bin ich gekommen und dann habe ich das Buch wieder ins Regal gestellt. Nein, es war nicht die falsche Zeit für das Buch, das war kein Dumas, wie ich ihn erwartete. Vom Lesegefühl blieb alles aus, was für mich einen Dumas auszeichnete. Es ist wohl wahr, dass dieses Buch unvollendet blieb, aber das trifft sicher nicht nur das Romanende. Mir fehlte der Charme und auch die Spannung, was ich in den Musketieren und auch im Grafen von Monte Christo fand. Naja, wenn man Bücher aus Nostalgiegründen kauft, ist ein Fehlkauf halt nicht ausgeschlossen. Aber im Regal macht es sich richtig gut.

18. August 2009

Michael Köhlmeier – Abendland

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Abendland
Michael Köhlmeier
Gebundene Ausgabe: 784 Seiten
Verlag: Hanser Belletristik
ISBN-13: 978-3446209138

Der im Sterben liegende 95jährige Mathematiker Carl Jacob Candoris spricht mit seinem Freund und Schützling Sebastian Lukasser über sein Leben und hat den Wunsch, dass seine Biografie nach seinem Tod veröffentlicht wird. Mit Carls Biografie ist die des Sebastian Lukasser und seiner Familie eng verknüpft. Candoris lernt den begnadeten Jazzmusiker Georg Lukasser, Sebastians Vater, in einem Jazzkeller kennen und schätzen. Er wird zu dessen Mäzen, Schutzengel, Freund und auch Gebieter. Eine Rolle, in die er den Sohn, Sebastian, mit einbezieht. So wurde in „Abendland“ auch die Geschichte der Lukassers erzählt, stellenweise hat man den Eindruck, diese Familie steht im Mittelpunkt des Buches und Carl steht im Hintergrund und zieht die Fäden. Hier sehe ich eine enge Verknüpfung mit dem schriftstellerischen Werk des Sebastian Luskasser, der auch über berühmte Musiker Doppelbiografien schrieb. Mit dieser schon umfangreichen Lebensgeschichte und Beichte des Carl Candoris verknüpft Köhlmeier noch die bedeutenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts.

Michael Köhlmeier erzählt „Abendland“ nicht geradlinig, sondern eher verwinkelt und konstruiert. Er weicht immer wieder vom roten Faden ab und schiebt neue Anekdoten ein. Der Roman nimmt den Leser mit auf die Reise nach Innsbruck, Wien, Frankfurt/Main die USA und, und, und. Er konfrontiert mit Musikthemen, dem 3. Reich, der Wissenschaft, dem Bau der Atombombe, dem Rassismus in den USA und der RAF – um nur einige Themen zu nennen. Ich fand mich zeitweise in einem literarisch-historischen Irrgarten wieder. Begebenheit aus der Geschichte des 20. Jh. werden oft nur angerissen. Köhlmeier fordert von seinem Leser die Kenntnis des Geschehens. Deshalb wirkten diese Passagen anfangs oberflächlich und unausgegoren.

Die Kritik lässt nun den Eindruck aufkommen, das Buch hätte mir nicht gefallen. Genau das Gegenteil trifft es aber. Ich habe „Abendland“ sehr gern gelesen. Es ist aber unbestritten ein Buch, dessen Vielfalt sich erst beim wiederholten Lesen erschließen wird. Lange standen für mich zwei Fragen im Raum, da war einerseits die nach der Rolle des Carl Jacob Candoris in diesem Roman, in dem der eigentliche Biograf ja im Mittelpunkt zu stehen schien. Aber nach und nach wurde deutlich, dass Candoris der Macher im Hintergrund ist, er hält die Fäden in der Hand wie bei einem Puppenspiel und somit ist seine bedeutendste Funktion die des Überwachers, des Regisseurs. Andererseits bewegte mich die Frage, ob es Sebastian Lukasser vermag, sich von seinem schier übermächtigen Schatten zu lösen.

„Abendland“ ist wohl eines der vielschichtigsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Zum „nebenbei lesen“ ist es nicht geeignet, es fordert die gesamte Aufmerksamkeit seines Lesers, da sonst zu viele Facetten nicht erkannt werden. Ich habe sicher auch noch viele nicht wahrgenommen. Selten habe ich selbst beim Lesen eines Buches so viel recherchiert. Aber gerade diese Themenvielfalt lässt den Roman, dieses Epos manchmal etwas überladen und unüberschaubar wirken. Er hätte damit auch 3 oder 4 Romane füllen können. Bevor ich diesen Roman las, habe ich ihn als Hörbuch – hervorragend gesprochen von Jürgen Uter – gehört. Durch das nochmalige Lesen wurde mir vieles verständlicher und greifbarer. „Abendland“ ist mit Sicherheit ein Buch, das ich in absehbarer Zeit wieder zur Hand nehmen werde. In der Zwischenzeit werde ich mich mit den anderen Werken Köhlmeiers auseinandersetzen.

Über den Autor (Quelle: Amazon)

Michael Köhlmeier, geboren 1949, wuchs in Hohenems/Vorarlberg auf, wo er auch heute lebt. Für sein Werk wurde der österreichische Bestsellerautor unter anderem mit dem Manes-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet.

8. August 2009

Joseph Roth – Hotel Savoy

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 15:03
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Hotel Savoy

Joseph Roth

Gebundene Ausgabe: 123 Seiten

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN-13: 978-3462036695

Im Hotel Savoy, in einer nicht näher benannten Stadt im Osten Europas, treffen sich die verschiedensten Menschentypen. Es sind Gewinner und Verlierer der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, sie sind in diese Kategorien nach ihrer Unterbringung in den verschiedenen Etagen des 864 Zimmer umfassenden Hotels einzuordnen. Leben in den unteren Stockwerken die Erfolgreichen in großem Luxus, so treffen sich in der 6. und 7. Etage die Gestrandeten der Gesellschaft, die mit Mühe die nächste Miete begleichen können, oder dafür ihre Koffer an den Fahrstuhlführer Ignatz verpfänden. So bringt Joseph Roth dem Leser ehemalige Soldaten und Kriegsgefangene, Millionäre und Pleitiers, Schmuggler und Schieber, Kommunisten und Tänzerinnen näher. Über allen jenen wacht Ignatz. Alle Personen beschreibt Roth ganz wunderbar, charakterisiert sie gekonnt, immer mit einem feinen Hauch Ironie. So lebt auch der aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrte Gabriel Dan, der Ich-Erzähler, in diesem Hotel. Er wird nach einiger Zeit der Sekretär des Millionärs Bloomfield, der aus lange geheim gehaltenen Gründen regelmäßig in diesem Hotel absteigt und als Gönner der Armen gilt. Er ist deren Hoffnungsträger, die Lichtgestalt im irdischen Jammertal. Dan erfasst die Gesuche der Armen an den Reichen und verstrickt sich in beide Lager. Schließlich geht infolge eines Streiks das Hotel in Flammen auf. Eine kleine Welt ist – stellvertretend für die Große – aus den Fugen geraten und damit dem Untergang geweiht.

„Hotel Savoy“ ist einer der frühen Romane Joseph Roths, aber ich ertappte mich immer wieder dabei, dass ich ihn gedanklich an „Radetzkymarsch“ und „Die Kapuzinergruft“ anschließen ließ. Schon in diesem Frühwerk wird die Prägnanz und Brillanz der Sprache Joseph Roths deutlich. Er erweckt die verschiedensten Charaktere zum Leben, lässt sie förmlich aufeinanderprallen. Ob arm oder reich, alle Personen wirken lebensecht und glaubwürdig. Ganz famos beschreibt er mit großer Symbolhaftigkeit die Wirren nach dem Krieg, das vielfältige Leben im Hotel, die Hoffnungen, Träume und Illusionen, die dann letztendlich mit dem Hotel untergehen. „Hotel Savoy“ ist für mich ein ganz besonderes Buch, es geht unter die Haut, berührt und weckt Verständnis. Alle Bücher des Autors sind für mich sowohl stilistische als auch sprachliche Perlen, von denen es viel zu wenig gibt.

Über den Autor

Joseph Roth wurde 1894 in Schwabendorf b. Brody in Ostgalizien geboren und verstarb am 27.05.1939 in Paris. Roth war als Journalist u.a. in Berlin und Wien tätig, ehe er als Korrespondent für die “Frankfurter Zeitung” alle europäischen Großstädte bereiste. Seit 1933 emigrierte Roth schrittweise über Wien nach Marseille, Nizza und schließlich Paris. Dort verfiel er aus Verzweiflung dem Alkoholismus und verstarb in einem Armenhospital.

 

28. Juli 2009

Jeffery Deaver – Der Täuscher

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Der Täuscher

Jeffery Deaver

OT: The Broken Window

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764502966

In diesem 8. Fall des Ermittler-Duos Lincoln Rhyme/Amelia Sachs wird es für den gelähmten Ermittler Rhyme persönlich. Sein Cousin Arthur Rhyme wurde wegen Mordverdacht inhaftiert. Auf den ersten Blick erscheint die Beweislast erdrückend zu sein. Bei näherer Betrachtung, wird deutlich, dass es mehrere ähnlich gelagerte Fälle gibt. Den wahren Mörder gilt es nun schnellstens zu finden. Doch das erweist sich als äußerst kompliziert, denn der perfide Täter tarnt sich, indem er durch Datendiebstahl fremde Identitäten annimmt. So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn das Morden geht weiter…

Jeffery Deavers Thriller sind für mich ein Garant für gute und spannende Unterhaltung und diesem Anspruch wird auch dieser 8. Fall um die Ermittler Rhyme/Sachs gerecht. Vom Aufbau sind die einzelnen Fälle sehr ähnlich. Es gibt einerseits die Ermittlerperspektive, dem gegenüber steht die des Täters, der dabei aber nicht identifiziert wird und in diesem Part des Thrillers in der Ich-Form erzählt. Darüber hinaus taucht der Leser mit jedem neuen Fall der Reihe etwas tiefer in das Privatleben und die Vergangenheit der beiden Ermittler ein. Aber jeder Fall ist anders, sowohl von der Thematik als auch vom Spannungsaufbau. In diesem steht der Diebstahl, der Missbrauch und die Manipulation von persönlichen Informationen im Mittelpunkt. Dabei wird aufgezeigt, wie Daten aus dem Gebrauch von Rabatt-, Geld- und Kreditkarten, Spuren im Internet, Informationen aus verschiedensten Verträgen Lebensgewohnheiten widerspiegeln und den Menschen gläsern werden lassen. Ein brisantes Alltagsproblem, bei dem jeder darauf baut, dass seine persönlichen Daten nicht in falsche Hände kommen.

Auch sprachlich ist dieser Thriller ein echter Deaver, dessen Stil durch eine flüssige Schreibweise und den konsequenten Aufbau eines Spannungsbogen unter Verwendung jeder einzelnen Spur gekennzeichnet ist. So wird der Leser förmlich von Kapitel zu Kapitel getrieben. Es gibt immer wieder neue Wendungen, schnell taucht ein Verdacht auf, nur, um ein paar Seiten später wieder verworfen zu werden. Die Charaktere werden brillant beschrieben und der Aufbau des Thrillers ist gewohnt intelligent. Er spielt mit den Ängsten der Menschen und ist absolut nachvollziehbar.

Mein Fazit: „Der Täuscher“ ist für mich der beste – weil auch aktuellste – Deaver, den ich bisher gelesen habe. Dem Leser wird Spannung und Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten. Ich kann diesen Thriller uneingeschränkt jedem Liebhaber dieses Genres empfehlen.

Lincoln-Rhyme-Reihe

1. Fall Die Assistentin/Der Knochenjäger – 1997 – OT: The Bone Collector

2. Fall Letzter Tanz – 1998 – OT:The Coffin Dancer

3. Fall Der Insektensammler – 2000 – OT: The Empty Chair

4. Fall Das Gesicht des Drachen – 2002 OT: The Stone Monkey

5. Fall Der faule Henker – 2003 – OT: The Vanished Man

6. Fall Das Teufelsspiel – 2005 – OT: The Twelfth Card

7. Fall Der gehetzte Uhrmacher – 2006 – OT: The Cold Moon

8. Fall Der Täuscher – 2008 – OT: The Broken Window

Über den Autor (www.amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt und haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

14. Juli 2009

Sigrid Damm – Das Leben des Friedrich Schiller

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P1010277

Das Leben des Friedrich Schiller

Sigrid Damm

Gebundene Ausgabe: 489 Seiten

Verlag: Insel, Frankfurt

ISBN-13: 978-3458172208

“Meine beste Freude ist meine Thätigkeit, sie macht mich glücklich in mir selbst und unabhängig nach aussen…“ (Friedrich Schiller S. 441)

Sigrid Damm stellt Schillers Werk in den Mittelpunkt ihres Buches. Es ist somit keine Biographie im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Betrachtung zu Schillers Arbeitsalltag, der Entstehung seiner Werke, der dazu gehörigen Umstände und Rahmenbedingen – eine Wanderung durch sein Lebenswerk. Als Grundlage für dieses Buch sind Schillers Briefwechsel und andere Zeitdokumente zu sehen, die Sigrid Damm in einer wie bekannt akribischen Recherche in Archiven, Museen und Bibliotheken analysierte. So belegt sie sehr viele Dinge mit Auszügen aus Originalen, sind diese jedoch für sie nicht greifbar, beispielsweise die, von denen bekannt ist, dass sie bewusst vernichtet wurden, zieht sie ihre eigenen Schlussfolgerungen, an einigen wenigen Stellen verliert sie sich auch in kleine Spekulationen. So erlebt der Leser Friedrich Schiller immer als Schaffenden, teilweise auch als einen vom Schaffen Besessenen. Aber neben dem Dichter tritt sich nach und nach der Mensch Schiller in den Vordergrund. Seine Erwartungen und Enttäuschungen, sein Schwanken zwischen Hochstimmung und Depression, die immer währenden Geldsorgen, seine angeschlagene Gesundheit, seine Bissigkeit gegenüber Zeitgenossen und sein Werben um die Freundschaft Goethes bringt die Autorin dem Leser nahe. Nach dem Zustandekommen der Dichterfreundschaft legt sie ihr Augenmerk auf das sich gegenseitige Beflügeln und Austauschen der beiden Großen, die ein enges Miteinander verbindet, aber auch ein gewisses Konkurrenzdenken trennt.

Mir hat dieses Buch gut gefallen. Der Mensch Friedrich Schiller, von dem mir beschämend wenig bekannt war, offenbarte sich mir. Manche meiner Fragen beantwortete die Autorin nur ganz knapp und auch erst am Ende des Buches, beispielsweise die nach der Vaterrolle Schillers. Was ich ihr allerdings ein wenig ankreide ist die nicht vorurteilsfreie Herangehensweise an die Person Friedrich Schiller. Das drückt sich oft nur einfachen Formulierungen z. B. bezüglich seiner Krankheiten aus, an anderen Stellen in Wertungen. Ich gebe zu, dass ich dass sogar nachvollziehen kann. Mein Herz schlägt auch eher für Goethe, denn für Schiller. Dennoch empfand ich es als ein wenig störend.

Mein Fazit: Nach „Christiane und Goethe“ war dies das zweite Buch, welches ich von Sigrid Damm las. Trotz der Ausrichtung des Buches auf das Werk Schillers, kam ich dem Menschen Friedrich Schiller deutlich näher. Ich habe „Das Leben des Friedrich Schiller“ gern gelesen und freue mich auf die Bücher der Autorin, die noch in meinem Regal stehen.

Über den Autor (Quelle Wikipedia)

Sigrid Damm (* 7. Dezember 1940 in Gotha) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin.

Sigrid Damm wuchs in Gotha auf, wo sie 1959 ihr Abitur machte. Von 1959 bis 1965 studierte sie Germanistik und Geschichte an der Universität Jena. Anschließend war sie als Hochschuldozentin in Jena und Berlin tätig. 1970 promovierte sie zum Doktor der Philosophie. Daneben wirkte sie als Autorin an einer im Verlag Volk und Wissen erschienenen “Geschichte der deutschen Literatur” mit. Seit 1978 lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin. 1993 war sie Gastdozentin an den Universitäten in Edinburgh und Glasgow, 1994 an der Universität Hamburg.

Sigrid Damm ist in erster Linie Verfasserin von Werken über Personen aus dem Umkreis der Weimarer Klassik. Insbesondere mit ihren in einer Mischung aus Biographie und Fiktion geschriebenen Büchern über Goethes Jugendfreund Jakob Michael Reinhold Lenz und Goethes Ehefrau Christiane von Goethe erzielte sie große Publikumserfolge.

Sigrid Damm ist Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

8. Juli 2009

Donna Milner – River

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River

Donna Milner

 

Originaltitel: After River

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Piper

ISBN-13: 978-3492051620

 

Natalie Ward lebt mit ihren Brüdern und den Eltern auf einer Farm in British Columbia. Das Leben war hart, aber gut. Die Wards hatten sich eine heile Welt geschaffen, hauptsächlich, weil über viele Themen nicht gesprochen wurde. An einem Nachmittag im Juli 1966 kam River auf die Farm, blieb und arbeitete dort als Helfer. Er musste als Kriegsdienstverweigerer aus den USA flüchten und fand bei den Wards Familienanschluss. Mit dem Erscheinen von River ändert sich vieles im Leben der jungen Natalie. Als er die Farm verließ, war nichts mehr so wie war. Auch Nathalie verließ die Farm und kehrt erst 34 Jahre später wieder heim, nachdem sie von ihrem Bruder Boyer erfährt, dass ihre Mutter im Sterben liegt.

Mit River gelang die Autorin Donna Milner ein beachtliches Romandebüt. Ganz ruhig beginnt sie die Geschichte aus der Sicht von Natalie zu erzählen. Im Alltag der Familie Ward gab es kaum Höhen und Tiefen. Langsam aber konsequent steigert sie die Spannung, so dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Der Stil der Autorin hat mir gut gefallen. Leicht und flüssig war das Buch zu lesen, aber trotzdem weder seicht noch kitschig. Den einzigen Mangel, den ich an dem Roman fand, war das Ende. Es war für mich zu vorhersehbar und ein wenig emotional.

Der deutsche Titel des Buches ist mir ein wenig unverständlich. Ich frage mich, warum nicht die einfache Übersetzung des Originaltitels „After River“ übernommen wurde.

Mein Fazit: Von diesem Erstlingswerk der Autorin war ich sehr angenehm überrascht. Es hat mich gut unterhalten und ich hatte schöne Lesestunden. Nun bin ich auf weitere Romane aus der Feder von Donna Milner gespannt.

Über den Autor

Donna Milner lebt mir ihrem Mann im kanadischen Bundesstaat British Columbia. Nachdem ihr erster Roman „River“ ein überwältigendes internationales Echo fand, hängte sie ihre Karriere als Immobilienmaklerin an den Nagel, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

 

6. Juli 2009

Simon Beckett – Die Chemie des Todes

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:23
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Die Chemie des Todes

Simon Beckett

OT: The Chemistry of Death

Taschenbuch: 432 Seiten

Verlag: Rowohlt

ISBN-13: 978-3499241970

 

 

David Hunter übernimmt in einem kleinen Ort in Norfolk eine Arztpraxis. Seit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter hält ihn nichts mehr in London, auch mit seinen Beruf als forensischer Anthropologe will er nichts mehr zu tun haben. Aber in seiner neuen Heimat ist er ein Fremder, ein Zugezogener, er muss gegen Vorurteile kämpfen. Dann wird die Leiche einer Frau gefunden, auch eine Fremde, Hunter hilft der Polizei bei den Untersuchungen und gerät schnell bei den Bewohnern Manhams unter Verdacht. Als kurz darauf noch eine junge Frau verschwindet, eine Einheimische, regiert im vorher so idyllischen Ort die Angst… 

Dieser Roman ist der erste Teil der David-Hunter-Reihe und Simon Beckett ist damit ein spannender Thriller gelungen. Bei mir führte er ein recht langes unbeachtetes Dasein im Regal. Nach dem was ich bisher darüber hörte bzw. las, erwartete ich einen Thriller, der so ziemlich alles, was ich vorher in diesem Genre gelesen habe, in den Schatten stellen sollte. An dem war es nicht ganz. Die Chemie des Todes ist ein solider Thriller, der sich der bekannten Stilmittel bediente, keineswegs schlecht, aber die Freudenbekundungen blieben bei mir aus. Trotzdem habe ich das Buch aufgrund der flüssigen Schreibweise schnell und gern gelesen und freue mich auf die Nachfolger. An die werde ich dann mit etwas weniger großen Erwartungen herangehen. Ich hätte mir gewünscht, dass in dem Thriller ein wenig mehr auf die Arbeit des forensischen Anthropologen eingegangen wird. Aber vielleicht kommt das ja in nächsten Büchern. 

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Simon Beckett (* 1968[1]in Sheffield, England) ist ein britischer Journalist und Autor. Er ist Verfasser von erfolgreichen Kriminalromanen, die inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Nach seinem Abschluss mit einem Master of Arts in englischer Sprache arbeitete Beckett als Immobilienhändler, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Als freiberuflicher Journalist schrieb er für The Times, The Independent on Sunday, The Daily Telegraph, The Observer und andere Publikationen.

Bei Recherchen lernte er die Polizeiarbeit von innen kennen; das gilt insbesondere für seine Erfahrungen mit der Body Farm der University of Tennessee in Tennessee, USA, einer Forschungsanstalt für Verwesungsprozesse. Dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.

 

4. Juli 2009

Michel Faber – Die Unvollendete

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 14:09
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Die Unvollendete

Michel Faber

OT:  The Courage Consort
Taschenbuch: 122 Seiten
Verlag: List;
ISBN-13: 978-3548606217

 

 

Die Mitglieder des Vokalquintetts „Courage Consort“, Roger Consort, Kopf des Ensembles, und seine Frau Catherine, die deutsche Dagmar, Ben und Julian, waren zu Proben für ein modernes, anspruchsvolles Musikstück für zwei Wochen im belgischen Martinekerke zu Gast. Die Proben liefen nicht so wie geplant ab und die anfangs unscheinbare Catherine entwickelte im Laufe dieser zwei Wochen ein erstaunliches Selbstbewusstsein. Fürchtete sie sich zunächst noch vor nächtlichen Geräuschen aus dem nahen Wald, so unternahm sie später allein Spaziergänge in der nächtlichen sagenbehafteten Umgebung. 

Unvollendet im Rahmen dieser Erzählung ist zunächst die Protagonistin Catherine. Ängstlich, zaghaft, unsicher und von Selbstmordgedanken gequält, schildert Michel Faber sie auf den ersten Seiten seines Buches. Durch Gespräche, vor allem mit Dagmar, Radtouren und durch Hinterfragen ihrer eigenen Gedanken, durchlebt sie in der kurzen Zeit eine erstaunliche Wandlung. Unvollendet empfand ich als Leser aber das gesamte Buch. Michel Fabers Sprache ist zwar sehr schön und die Novelle ist flüssig zu lesen, aber ich fragte mich am Ende der für mich etwas schwer nachvollziehbaren Geschichte: Und nun? Den Charakteren fehlte es an Brillanz und der Handlung an Schwung. Wie sich ein Mensch in so kurzer Zeit wandeln kann, wurde nur oberflächlich und nicht glaubwürdig beschrieben. Ich hatte an dieses Buch deutlich höhere Erwartungen, die leider nicht erfüllt wurden. Das gesamte Buch kam mir vor wie ein Fragment – unvollendet eben. 

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Michel Faber (* 13. April 1960 in Den Haag, Niederlande) ist ein englischsprachiger Schriftsteller.

Im Alter von 7 Jahren wanderten seine Eltern mit ihm nach Australien aus, wobei sie einen Halbbruder in einem Heim für schwererziehbare Kinder zurückließen. Faber verkraftete die Emigration nur schwer und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Er wuchs in den Außenbezirken Boronia bzw. Bayswater der Stadt Melbourne auf. 

Er studierte Anglistik in Melbourne. Der Schwerpunkt seines Studiums lag auf der Literatur des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn der achtziger Jahre versuchte er gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau, nach Großbritannien zu emigrieren, scheiterte jedoch und erlebte dort eine kurze Zeit der Obdachlosigkeit, bevor sie nach Australien zurückkehrten. Kurz darauf endete jedoch diese Ehe, und die ersten Arbeiten an seinem Roman „Das karmesinrote Blütenblatt“ begannen, während er sich als Pfleger und mit diversen anderen Tätigkeiten über Wasser hielt. Hitze und Licht in Australien bedingten heftige Migräneanfälle, sodass er 1992 mit seiner zweiten Ehefrau, Eva Youren, erneut nach Großbritannien emigrierte – dieses Mal erfolgreich – und sich mit ihr und ihren beiden Söhnen in einem umgebauten Bahnhof nahe der schottischen Stadt Inverness niederließ. Für seine bisherigen Veröffentlichungen wurde er für zahlreiche Preise nominiert (unter anderem Whitbread First Novel Award 2000 für Under The Skin) und erhielt einige Auszeichnungen. Nach zwanzig Jahren Vorarbeit erschien 2002 der Roman „Das karmesinrote Blütenblatt“.

 

8. Juni 2009

Erlend Loe – Doppler

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 17:02
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Doppler

Loe, Erlend

Taschenbuch: 149 Seiten
Verlag: KiWi
ISBN-13: 978-3462039429

 

 

Andreas Doppler ist ein tüchtiger norwegischer Familienvater und ein tüchtiger Angestellter im öffentlichen Dienst. Er hat eine tüchtige Frau, tüchtige Kinder, eigentlich sind alle um ihn herum irgendwie tüchtig. Das ist auch ganz normal für ihn – bis zu dem Tag, an dem er auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad im Wald stürzt. Da liegt er leicht benommen, den Blick in den Himmel gerichtet und kommt ins Grübeln. Was bringt diese Tüchtigkeit? Am Abend geht er heim, packt ein paar Sachen und zieht in den Wald. Abgeschieden von den Menschen genießt Doppler die Einsamkeit. Aber er braucht auch Lebensmittel. Die beschafft er sich zunächst aus Düsseldorfs Keller, nachdem dieser aber seine Kellertür verschließt, muss er eine Elchkuh töten. Deren Kalb, von Doppler liebevoll Bongo genannt, wird von nun an sein ständiger Begleiter, Freund und weiches Kopfkissen. Mit dem Supermarktleiter fädelt er geschickt einen Tauschhandel (Elchfleisch gegen Magermilch) ein, so ist er seine größte Sorge los. Als er wieder versucht bei Düsseldorf an Nahrungsmittel zu kommen, erwischt dieser ihn. Aus dieser Begegnung entwickelt sich langsam eine Freundschaft. Dann kommt seine Frau, die ihn hin und wieder besucht und erzählt ihm von ihrer neuen Schwangerschaft. Bis zum Geburtstermin lässt sie ihm die Freiheit im Wald zu leben, aber im Mai soll er heimkehren. Es bleiben 6 Monate …

Wer kauzige, schrullige, eigenbrötlerische Protagonisten mag, wird Andreas Doppler lieben. Ohne Vorwarnung wird er zum Aussteiger und nimmt den Kampf gegen die Tüchtigkeit auf. Er erfreut sich an den kleinen Dingen im Leben, ein hübscher Käfer, eine schöne Abendstimmung, die Zweisamkeit mit dem verwaisten Elchkalb. Auf den ersten Blick ist dies vielleicht eine einfache, oberflächliche Geschichte. Aber beim Lesen wird einem unwillkürlich ein Spiegel vorgehalten und man, zumindest mir ging es so, erkennt eigene Lebenssituationen wieder. Doppler philosophiert über das Leben, die Suche nach Perfektion, die Politik und die eingefahren Gleise, die keiner gern verlässt. Das alles beschreibt Erlend Loe auf eine witzig-ironische Art, die einfach nur Lesespaß bereitet. Das Buch ist einfach und zeitlos geschrieben und entwickelt eine nicht vorher geahnte Gedankentiefe. Die knapp 150 Seiten sind recht schnell gelesen, aber ein kleiner Stachel ist steckengeblieben. Der Gedanke, wie man selbst mit der Zeit umgeht, oder ob Perfektion wirklich alles ist, ist nicht zu verdrängen. „Doppler“ ist ein nachwirkendes Buch.

Sehr gut gefallen haben mir die langsame Entwicklung der Freundschaft zwischen dem Hobbybastler Düsseldorf und Doppler sowie die liebenswerte Vater-Sohn-Geschichte. Einzig das Ende des Buches fand ich persönlich ein wenig zu aufgesetzt, es wirkte nicht realistisch, sondern eher etwas konstruiert.

Mein Fazit: Wer eine kurze, witzig-charmante Geschichte über den Sinn des Lebens lesen möchte, wird mit Erlend Loe’s „Doppler“ eine gute Wahl treffen. In diesem Sinne „Carpe Diem!“ und im Leben geht es um mehr als nur um die Tüchtigkeit.

 

Über den Autor

Erlend Loe, geboren 1969 in Trondheim, Studium der Literaturwissenschaften in Oslo, später an der Dänischen Filmschule in Kopenhagen und an der Kunstakademie in Trondheim. Lebt als Schriftsteller, Drehbuchautor und Übersetzer in Oslo.

3. Juni 2009

Vikas Swarup – Rupien! Rupien!

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 16:17
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Rupien! Rupien!

Vikas Swarup

Originaltitel: Q & A

Broschiert: 344 Seiten

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN-13: 978-3462037388

8,85 EUR

Ram Mohammed Thomas, ein armer indischer Kellner, kann bei der Quizshow „Wer wird Milliardär“ alle zwölf Fragen richtig beantworten. Doch wie kann das sein? Wie kann ein ungebildeter Waisenjunge, noch dazu ein Analphabet, der im Slum lebt, über dieses Wissen verfügen? Der Fernsehsender vermutet Betrug und so wird Ram verhaftet. Wie aus heiterem Himmel taucht eine Anwältin bei ihm im Gefängnis auf, sie übernimmt seine Verteidigung. Gemeinsam schauen sie sich die Aufzeichnung der Show an und Ram berichtet aus seinem Leben und erklärt damit,warum er genau diese Fragen beantworten konnte.

Der Roman von Vikas Swarup folgt konsequent dem von der Show vorgegebenen Schema, 12 Fragen – 12 Antworten – 12 Kapitel. Zu Beginn eines jeden Kapitels erzählt Ram Mohammed Thomas eine Begebenheit aus seinem Leben, die genau zur richtigen Lösung der Frage führt. Dann wird geschildert wie die Zwei das Video ansehen und er den Moderator immer mehr in Erstaunen versetzt wird. Der Ausgang des Buches ist von Beginn an klar und doch bleibt es interessant, mehr über das Leben des jungen Inders zu erfahren. Swarup schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisch und malt so ein recht realistisches Bild der Lebensumstände im Indien unserer Zeit.

„Rupien! Rupien!“ habe ich sehr gern gelesen. An keiner Stelle kam Langeweile auf, nie war es langatmig. Im Gegenteil, die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten erzählt, jung, frisch, stellenweise witzig, oder auch bedrückend und traurig. Die gesamte Klaviatur der Gefühle wird angesprochen, der Erzähler driftet aber nie ins Pathetisch-Kitschige ab, erzählt aber mit so viel Charme und transportiert trotz der eigentlich ja eher traurigen Geschichte sehr viel Lebensfreude zum Leser. Der Film ist inzwischen in den deutschen Kinos gespielt worden und ich überlege immer noch, ob ich ihn mir ansehe, oder ob ich es beim Lesen belassen werde.

Über den Autor

Vikas Swarup hat als indischer Diplomat in der Türkei, in den USA, Äthiopien und Großbritannien gearbeitet. Zurzeit ist er beim Außenministerium in Neu Delhi beschäftigt. »Rupien! Rupien!« ist sein erster Roman.


 

26. Mai 2009

Hans Salcher – Steinwurf

Einsortiert unter: 2009,Lyrik — Karthause @ 19:08
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Steinwurf

Hans Salcher

Broschiert: 100 Seiten

Verlag: Skarabaeus

ISBN-13: 978-3708232621

12,90 EUR

Hans Salchers Gedichtband „Steinwurf“ war ein wahrer Volltreffer. Dieses einfach aufgemachte Büchlein im Handtaschenformat habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Ich nahm es mit in den Urlaub und in stillen Minuten genoss ich seine Gedichte, ließ mich tragen von oft nur wenigen Zeilen und versank in seinen Illustrationen. Vom Stil her minimalistisch, manche Gedichte erinnern schon an Fragmente, jedoch vom Inhalt her ungeheuer tief, so könnte man dieses Buch kurz und knapp charakterisieren. Nichts wirkt überflüssig, kein Wort ist zuviel. So erzeugt Hans Salcher ungeheure Stimmungen beim Leser. Manchmal waren es nur drei oder vier Zeilen, die mehr Tiefe in sich bargen als manch seitenlange Beschreibung. In seinen Gedichten widmet Hans Salcher vornehmlich der Natur das Augenmerk, aber auch das dörfliche Leben und die Liebe zu Mensch, Tier und Umwelt haben ihren Platz. Dieses Büchlein ist gewiss keines, welches man hintereinander weg lesen kann und möchte. Ich nahm es immer wieder zur Hand, um mich an einigen seiner Gedichte zu erfreuen.

Dieser Gedichtband ist ein Schätzchen zu dem ich gern immer wieder greifen werde und das ich gern empfehlen oder verschenken werde.

Über den Autor (www.amazon.de)

Hans Salcher, geboren 1956 in Bannberg/Osttirol, lebt als Maler und Schriftsteller in Lienz. Zahlreiche Buchveröffentlichungen mit Lyrik und Prosa, zuletzt bei Skarabæus: Himmelschauen (Gedichte, 2002), Weißgekalkt (Gedichte und Prosa, 2003), Worte haben ein Bild gemalt (Kunstbuch mit Gedichten, 2006) sowie Vater (Erzählung, 2007).

 

Clemens Lindner – Weißer Mohn

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 12:10
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Weißer Mohn

Clemens Lindner

Broschiert: 168 Seiten

Verlag: Skarabaeus

ISBN-13: 978-3708232614

19,90 EUR

Sebastian Hauser ist ein Außenseiter. An seiner Umwelt und den Mitmenschen hat er wenig Interesse. Seine Aufmerksamkeit ist fast ausschließlich auf das Leben des Dichters Georg Trakl gerichtet. Er sieht sich aufgrund einiger sehr spezieller Gemeinsamkeiten mit ihm verbunden, fühlt sich als Seelenverwandter. Drogen, Inzest und Depressionen prägen beider Leben, sie haben sogar am gleichen Tag Geburtstag und so ist das Grab Trakls zur Pilgerstätte für Sebastian Hauser geworden. Dort ist er ihm, seinem Idol, am nächsten.

Las sich „Weißer Mohn“ zu Beginn noch spannend, so ließ dies von Abschnitt zu Abschnitt nach. Der Autor erzählt seinen Roman aus verschiedenen Blickwinkeln. Diese Perspektivwechsel brachten viel Unruhe in das ohnehin recht kurze Buch. Dazu kam noch, dass ich öfter nicht wusste, wer gerade der erzählende Part ist, so kam zu der Verwirrung in der Geschichte noch meine eigene dazu. Auch konnte ich nicht klar erkennen, wem die Texte zuzuordnen waren, die in die Geschichte verwoben waren. Waren es Zitate aus Trakls Werks oder stammten sie doch eher aus Hausers Feder?

Ein Gutes hatte das Buch dann aber doch. Ich bin neugierig geworden auf das Werk des Georg Trakl. Er war mir als Dichter bisher unbekannt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich von „Weißer Mohn“ doch eher enttäuscht bin, die Kurzbeschreibung von Amazon war recht ansprechend. Schade, ich kann dieses Buch nicht guten Gewissens empfehlen. Auch den Preis empfinde ich als zu hoch, wenn ich bedenke, dass ich für 19,90 EUR lediglich ein Taschenbuch in der Hand halte.

Über den Autor

Clemens Lindner, geboren 1965 in Hall, lebt und arbeitet in Tirol und Tokyo. Mehrere Literaturstipendien und -preise. Mitarbeit an diversen Theaterproduktionen, Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, Hörspiele, Tätigkeiten als Übersetzer.

25. Mai 2009

Simon Beckett – Obsession

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:53
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Obsession

Simon Beckett

OT: Owning Jacob

Rowohlt-Taschenbuch

ISBN: 978-3499248863

9,95 EUR

Als Sarah starb, blieb Ben nur noch ihr autistischer Sohn Jacob. Als er beim Aufräumen eine Schatulle mit Zeitungsartikeln über eine Kindesentführung fand, wird Ben nachdenklich. Denn der Säugling wurde genau an dem Tag entführt, an dem Sarahs Sohn geboren wurde. Auf eigene Faust beginnt er sich mit Ermittlungen, die ihn bis zur Obsession treiben…

Obsession“ ist der erste Roman den ich von Simon Beckett las und gleich vorweg, ich fand ihn nicht schlecht. Der Thriller entwickelte sich zügig, war actionreich geschrieben und spannend. An manchen Stellen war die Handlung ein wenig an den Haaren herbeigezogen und somit auch nicht ganz schlüssig. Bens Abneigung allen im Roman vorkommenden Frauen gegenüber konnte ich bis zum Schluss nicht begreifen, aber auch ein Thriller-Held hat halt manchmal ein unbewusstes Feindbild neben dem eigentlichen Gegner. Das Hin und her um den autistischen Jungen hat sehr berührt, Die Rolle, die die Behörden dabei spielten, war keine gute, aber gerade das Festhalten an Paragraphen und Vorschriften empfand ich als sehr realitätsnah.

Mein Fazit: „Obsession“ ist ein kurzweiliger Thriller für zwischendurch, der gut unterhält. Der allgemeinen Meinung nach zu urteilen sollen ja seine aktuelleren Thriller um Längen besser sein. Ich bin gespannt.

Über den Autor (www.amazon.de)

Simon Beckett, geboren 1968, versuchte sich nach Abschluss eines Englischstudiums als Immobilienhändler, lehrte Spanisch und war Schlagzeuger. 1992 wurde er freier Journalist und schrieb für bedeutende britische Zeitungen wie “Times”, “Daily Telegraph” oder “Observer”. Im Laufe seiner journalistischen Arbeit spezialisierte Beckett sich auf kriminalistische Themen. Als Romanautor trat er zuerst 1994 an die Öffentlichkeit. Simon Beckett ist verheiratet ist und lebt in Sheffield. Andree Hesse wurde 1966 in Braunschweig geboren und wuchs bei Celle auf. Nach einer Sattlerlehre studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er lebt als Schriftsteller und Übersetzer englischsprachiger Literatur in Berlin.

23. Mai 2009

Judith Hermann – Alice

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 21:13
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Alice

Judith Hermann

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

Verlag: Fischer. S. Verlag GmbH

ISBN-13: 978-3100331823

18,95 EUR


Die Planeten laufen langsam, aber sie machen ihre Transite, und dann ändert sich dein ganzes Leben, es ändert sich, ob du willst oder nicht.“ Seite 67/68

In ihrem neuesten Werk „Alice“ erzählt Judith Hermann fünf Geschichten vom Sterben und vom Tod. Verbunden werden diese durch die Titelfigur Alice, die eben jene menschlichen Verluste zu beklagen hat. Fünfmal musste sie von ihr nahestehenden Personen Abschied nehmen, in ihrem Herzen jedoch und das wird besonders in der letzten Episode deutlich, behalten alle ihren festen Platz.

Es ist bewundernswert wie sachlich, gleichwohl warmherzig und menschlich die Autorin mit diesem traurigen Thema umgeht. In schon fast minimalistischer Form schildert sie die Schicksale und Erlebnisse weit entfernt von Gefühlsduselei und Druck auf die Tränendrüsen. Beeindruckt hat mich die klare, geradlinige Sprache von Judith Hermann. Kein Wort ist zuviel und keins am falschen Platz. Dabei schafft sie eine bemerkenswert tiefe Atmosphäre, die mir als Leser aber doch noch genügend Raum für eigene Gedanken ließ.

„Alice“ ist ein Buch für ruhige, besinnliche Stunden, und genau darin lag für mich der Reiz dieses Buches, es ist zeitlos, leise, wohltuend unspektakulär und unsentimental. Ich wünsche diesem besonderen Buch viele Leser und werde es selbst gern weiter empfehlen.

Über den Autor

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. 1998 erschien ihr erstes Buch »Sommerhaus, später«, dem eine außerordentliche Resonanz zuteil wurde und für das sie mit dem Literaturförderpreis der Stadt Bremen, dem Hugo-Ball-Förderpreis und dem Kleist- Preis ausgezeichnet wurde. 2003 erschien der Erzählungsband »Nichts als Gespenster«. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das deutsche Kino verfilmt. Judith Hermann lebt und schreibt in Berlin.

22. Mai 2009

Inge Löhnig – Der Sünde Sold

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:25
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Der Sünde Sold

Dühnforts 1. Fall

Inge Löhnig

Broschiert: 432 Seiten

Verlag: Ullstein TB-Verlag

ISBN-13: 978-3548268644

8,95 EUR

Im beschaulichen Mariaseeon verschwindet der 5jährige Jakob nach dem Spiel bei einem Freund. Die Dorfbewohner beginnen die Suche, Kommissar Konstantin Dühnfort leitet die Ermittlungen, aber der Junge bleibt spurlos verschwunden. Bei einem Waldlauf entdeckt die neu in das Dorf gezogene Agnes Gaudera Jakob nackt auf einem Holzhaufen, der einem Scheiterhaufen sehr ähnlich sieht. Körperlich ist Jakob gesund, seine Sprachlosigkeit ist jedoch die Folge psychischer Verletzungen. Wer war der Täter, welche Motive hatte er oder sie? Die Polizei ist noch mitten in ihren Ermittlungen als die Erzieherin des Jungen auf grausamste Weise ermordet aufgefunden wird…

Der Sünde Sold“ ist das gelungene Krimi-Debüt von Inge Löhnig. Von der ersten Seite an nahm mich die Handlung gefangen. Dachte ich zu Beginn des Buches noch, es würde sich ausschließlich um Verbrechen an Kindern handeln, nahm der Krimi schon nach kurzer Zeit eine Wendung, wurde deutlich thrillerlastiger und spannender. Mit dem Kommissar Konstantin Dühnfort wurde eine sehr lebensechte und menschliche Figur geschaffen, die. Durch seine ganz spezielle Art und Weise war er mir sofort sympathisch. Auch die anderen Figuren waren durch das Leben gezeichnet. Jeder musste bereits Schicksalsschläge bewältigen, hatte gute und auch schlechte Seiten. Auch die sich leise anbahnende Liebesgeschichte hatte ihren Charme. Die gesamte Story war intelligent geschrieben, durchdacht und stimmig. Auch als ich ahnte, wer die Taten begangen haben könnte, wurde der Spannungsbogen gehalten. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.

Mein Fazit: „Der Sünde Sold“ zeigt mir wieder, dass es den guten deutschen Krimi noch gibt. Ich werde den 2. Fall des Kommissars Dühnfort, der am 1. Februar 2010 unter dem Titel „In weißer Stille“ erscheint, ungeduldig erwarten.

Über den Autor (www.amazon.de)

Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert. Nach einer Karriere als Art- Directorin in verschiedenen Werbeagenturen hat sie sich mit einem Designstudio selbstständig gemacht. Inge Löhnig wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

21. Mai 2009

Gregory David Roberts – Shantaram

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 15:51
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Shantaram

Gregory David Roberts

Hardcover: 1.088 Seiten

Goldmann Verlag

ISBN: 978-3442311538

24,95 EUR

Es gibt eine Wahrheit, die tiefer liegt als Erfahrung. Man findet sie jenseits dessen, was wir sehen und fühlen. Diese Form der Wahrheit unterscheidet das aufrichtige Empfinden von einfacher Klugheit. Für gewöhnlich fühlen wir uns hilflos, wenn wir ihr begegnen; und der Preis, den wir für das Wissen um sie bezahlen, ist, wie der Preis für das Wissen um die Liebe, manchmal höher, als das Herz zu geben bereit ist. Sie kann uns nicht immer helfen, die Welt zu lieben, doch sie bewahrt uns davor, die Welt zu hassen. Und der einzige Weg, diese Wahrheit zu erleben, besteht darin, sie zu offenbaren, von Seele zu Seele…“

Nach einem aufsehenerregenden Ausbruch aus einem australischen Hochsicherheitsgefängnis ist Lindsay – so sein Name in seinem gefälschten Pass – auf der Flucht. Über Umwege landet er in Bombay und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Kurz nach seiner Ankunft lernt er den Inder Prabaker kennen. Dieser zeigt Linbaba, wie er Lindsay freundschaftlich nennt, sein Indien auf seine ganz persönliche Weise. So lernt er nicht nur das Land, sondern auch die Menschen zu schätzen. Er findet sowohl eine Heimat als auch Freunde und lernt deren Sprachen, Hindi und Marathi. Schicksalhaft sind die Begegnungen mit Karla, Khaled Ansari und Khaderbhai, sie werden sein weiteres Leben bestimmen. Im Slum, in dem Lin zunächst lebt, wird er aufgrund seiner Ausbildung in Erster Hilfe zum Arzt auserkoren. So wird er zum Shantaram, dem Mann des Friedens. Er erlebt alle Facetten des menschlichen Lebens von ehrlicher Liebe bis zu familiären Gewalt. Kleiner und größere Gesetzesverstöße, Alkohol und Drogen bestimmen das Leben vieler, er lernt Missstände aller Art kennen und ganz langsam gerät er immer mehr unter den Einfluss eines mächtigen Mafiabosses. Aber dann wird er plötzlich aus unerklärlichen Gründen verhaftet…

In eine fiktive Form gebracht, erzählt Gregory David Robert mit diesem Buch seine eigene unglaubliche Lebensgeschichte. Lange bin ich um dieses Buch geschlichen, denn 1088 Seiten sind auch für mich, einer bekennenden Liebhaberin von dicken Wälzern, kein Pappenstil. Und mir drängte sich immer wieder die Frage auf, kann ein 1952 Geborener so viel erlebt haben, dass er diese Seiten ohne große Längen füllen kann. Roberts kann das und, wie ich meine, in beeindruckender Form. Die Sprache ist einfach und leicht zu lesen und so schmökerte ich mich durch ein Buch, das Indien sehr detailliert und facettenreich beschrieb. Beim Lesen hatte ich oft den Eindruck direkt dabei zu sein. Mit sehr gelungenen Beschreibungen von Land und Leuten und den unübersehbaren Gegensätzen entstand in meinem Kopf ein beeindruckend farbenprächtiges Bild des indischen Subkontinents. Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich zum letzten Mal mit einem Protagonisten so mitfieberte und -litt.

Mein Fazit: „Shantaram“ ist ein Indienepos der besonderen Art. Es ist Roberts’ Liebeserklärung an das Land, beeindruckend, mitreißend, aufwühlend. Ich wünschte es gäbe mehr solcher Romane.

Über den Autor www.amazon.de

Gregory David Roberts wurde 1952 in Melbourne, Australien, geboren. Während seiner Studienjahre beging er mehrere bewaffnete Raubüberfälle und wurde zu einer 19-jährigen Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Nach seiner spektakulären Flucht ließ sich Gregory David Roberts in Bombay nieder. Dort gründete er unter anderem seine eigene Castingagentur für Bollywood-Filmproduktionen und eine Rockband. Seine Kontakte zur lokalen Mafia führten schließlich zu seiner Festnahme in Frankfurt. Gregory David Roberts wurde nach Australien zurückgeschickt, wo er weitere sechs Jahre im Gefängnis verbrachte – zwei davon in Einzelhaft. In dieser Zeit begann er seine Arbeit an seinem ersten Roman “Shantaram”, der mittlerweile zu einem weltweiten sensationellen Erfolg avanciert ist. Heute lebt Gregory David Roberts mit seiner Familie in Genf.

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