Karthauses Bücherwelt …

8. Februar 2011

Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 18:11
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Nichts
Was im Leben wichtig ist
Janne Teller
Originaltitel: Intet
Broschiert: 139 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235960
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

“Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.” Mit diesem, die Schüler der 7. Klasse einer dänischen Kleinstadt, schockierenden Satz, verlässt Pierre Anthon die Schule und sitzt von nun an auf einem Pflaumenbaum, beschimpft seine ehemaligen Schulkameraden, wirft ihnen seine Wahrheiten an den Kopf, lacht sie aus und provoziert. Sind die Schüler zunächst irritiert, steigert sich das über Beunruhigung bis hin zur Angst. Dann aber werden sie aktiv. Sie beginnen in einem alten Sägewerk die Dinge zusammenzutragen, die für sie im Leben wichtig sind. So wollen sie einen Berg von Bedeutung sammeln, um Pierre zu beweisen, dass er Unrecht hat. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle, sie eskaliert. Und am Ende des Buches steht die Erkenntnis: “Ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll.”

Auf dieses Buch wurde ich zunächst durch „Die Vorleser“ aufmerksam, kurz darauf bekam ich die Empfehlung dafür auch von anderen Seiten. Die Idee für das Buch fand ich sehr gelungen. Janne Teller ließ die Sammlung der für die Jugendlichen bedeutsamen Sachen mit eigentlich recht belanglosen Dingen beginnen, um sie dann aber konsequent so zu steigern, dass die Schüler sich gegenseitig existentiell Bedeutungsvolles abverlangten. Als das Experiment dann letzten Endes immer brutaler wurde und schließlich aus dem Ruder lief, kamen unweigerlich Assoziationen zu Morton Rhue’s „Die Welle“ auf.

Als recht unbefriedigend empfand ich die Zeichnung der Personen. Ich weiß nicht, ob sich die Autorin bewusst zurückgehalten hat, Charaktere herauszuarbeiten, um eben das Augenmerk auf den eigentlichen Kern der Geschichte zu lenken, oder ob es ihr einfach nicht gelungen ist, lebensnahe Figuren zu beschreiben. Ich hätte mir auch gewünscht, dass dieses Buch mehr als nur 139 Seiten umfasst, um mehr Raum für eine philosophisch fundierte Tiefe zu haben. Als philosophisches Werk sehe ich das Jugendbuch von Janne Teller nicht an, dafür genügt es nicht, Bedeutung als Begriff nur anzureißen. Eine gelungene Anregung zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Begriff Bedeutung liefert sie damit allemal. Schon die Widersprüchlichkeit des Titels bietet für eine ausgiebige Diskussion die Grundlage.

Aber auch sprachlich hat mich dieses Buch nicht überzeugt. Besonders die sich ständig wiederholenden Steigerungen störten mich.

Dieses Buch ist es durchaus wert, kontrovers diskutiert zu werden. Es ist für junge Leser ab 14 Jahre geeignet, es wäre aber in jedem Fall empfehlenswert, mit den Jugendlichen nach oder während der Lektüre Grundzüge und Geschehnisse des Buches gemeinsam mit Erwachsenen zu erörtern.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Janne Teller wurde 1964 geboren. Die ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin lebt derzeit in Paris.Sigrid Engeler, geboren 1950 in Wolfenbüttel, lebt heute in Kiel. Sie übersetzte aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen.

 

17. Januar 2011

Ingo Schulze – Adam und Evelyn

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 20:49
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http://www.amazon.de/Adam-Evelyn-Roman-Ingo-Schulze/dp/3423138769/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1295293608&sr=1-1Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Ingo Schulze erzählt vom Spätsommer 1989 – und entdeckt in der Wendezeit die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis. Im Spiel mit dem biblischen Mythos von Adam und Eva gelingt ihm eine grandiose Tragikomödie.

Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen schöne Kleider schneidert. Und Adam liebt schöne Frauen. Abgesehen davon liebt er Evelyn. Die aber ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin an den Balaton. Und Adam fährt mit seinem alten Wartburg hinterher. Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist das Paradies zum Greifen nah – und alle müssen sich entscheiden.

Meine Meinung

Das Cover kann einen schon abschrecken. Mich hat es über lange Zeit vom Lesen abgehalten, zu süßlich, zu ostalgisch verklärt, das waren meine Vorurteile zu diesem Buch. Ich musste sie revidieren. Sehr dialoglastig, was aber nicht störend ist, erzählt der Autor die Geschichte von Adam, der von den Frauen geliebt wird, weil er ihnen schöne Kleider näht und dann die Anproben mitunter sehr individuell gestaltet. Als Evelyn ihn auf frischer Tat erwischt und ihm dann sagt, er solle doch abhauen, bekommt dieser Satz in Anbetracht der Zeit gleich noch eine ganz andere Bedeutung. Auf sehr unterhaltsame und amüsante Weise, immer mit einem Augenzwinkern, erzählt Ingo Schulz die Liebesgeschichte von Adam und Evelyn und ihren Verlockungen. Seine Protagonisten hat er sehr realistisch und sehr menschlich gezeichnet. Sie haben Schwächen und Stärken, sie sind liebenswert normal.

Ingo Schulzes Schreibstil ist fast schon minimalistisch. Oft reißt er Szenen nur an, kurze knappe Sätze reichen ihm dafür aus. Immer lässt er Raum für eigene Gedanken. Trotzdem gelingt es ihm ein beeindruckendes, wenn auch manchmal künstlerisch überspitztes Bild der Wendezeit zu zeichnen. Dabei spart er nicht an Details und kleinen witzigen, manchmal auch traurigen Begebenheiten aus dem Leben seiner Protagonisten.

Sein hohes Erzähltempo hält der Autor ziemlich konsequent bis zum Schluss durch, einzig in der Mitte gibt es ein wenig Zeit zum Durchatmen. So ist die 320 Seiten umfassende Erzählung über die Vertreibung aus dem Paradies (oder eher ins Paradies?) schnell gelesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte von 1983 bis 1988 klassische Philologie in Jena. Anschließend war er bis 1990 als Dramaturg am Landestheater Altenburg, dann in einer Zeitungsredaktion tätig. Diese Arbeit führte ihn 1993 für ein halbes Jahr nach Sankt Petersburg. Seither lebt er als freier Autor in Berlin. 2006 erhielt Ingo Schulz den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum und 2008 den Samuel-Bogumil-Linde-Preis für Literatur.

12. Januar 2011

Lew Tolstoi – Krieg und Frieden

Krieg und Frieden
Lew Tolstoi
OT: Vojna i mir
Gebundene Ausgabe: 2288 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235755

Pierre Besuchow, unehelicher Sohn des reichen Grafen Kirill Wladimirowitsch Besuchow, erbt nach dessen Tod nicht nur den Titel, sondern auch das immense Vermögen des Vaters. Das öffnet dem vorher als tollpatschig und manierenlos belächelten Pierre endgültig die Türen zur höheren Gesellschaft. Lange sucht er nach seinem Platz im Leben, wild sind die Trinkgelage an denen er teilnimmt. Vertrauensselig lässt er sich von seinen Verwaltern hintergehen und von seien vermeintlichen Freunden ausnutzen. Seine erste Ehe mit Hélèn Kuragin wurde arrangiert und verlief unglücklich.

Fürst Andrej Nikolajewitsch Bolkonski zieht 1805 in den Krieg gegen Napoléon, weil es für ihn die bessere Alternative zu seiner Ehe ist, in der er sich nicht mehr wohl fühlt. Seine Frau stirbt bei der Geburt des Sohnes, der daraufhin von Andrejs Schwester Marja im Hause des Vaters aufgezogen wird. Die Prinzessin selbst wird von ihrem despotischen Vater aufs ärgste bevormundet und unterdrückt, erst nach dessen Tod beginnt für sie ein glücklicheres Leben.

Nikolaj, Natascha und Petja sind die Kinder des über seine Verhältnisse lebenden Grafen Rostow. Nikolaj zieht begeistert in den Krieg. Als dies Jahre später auch der Jüngste, Petja, tun will, hat die Euphorie deutlich nachgelassen, das lag nicht nur an den fehlenden finanziellen Mitteln, die für die Ausstaffierung des Jungen aufgebracht werden mussten. So wurden immer öfter die Gedanken auf eine reiche Heirat der Kinder als letzte Hoffnung gelenkt. So ist prinzipiell die Hochzeit Nataschas mit Fürst Andrej bereits beschlossene Sache. Einzig sein Vater, der gegen diese Verbindung ist, fordert von Andrej eine „Wartezeit“ von einem Jahr. Während dieser verliebt sich Natascha in Anatol, nach dem gescheiterten Versuch mit ihm durchzubrennen, löst sie das Verlöbnis mit Andrej.

Pünktlich zum 100. Todestag des großen russischen Dichters Lew Tolstoi legt der Hanser Verlag die Neuübersetzung seines Epos „Krieg und Frieden“ von Barbara Conrad-Lütt vor. Laut dem Verlag soll sie sich stark an das Original angelehnt haben.

Wer bei „Krieg und Frieden“ eine nette Familiensaga erwartet, der wird bitter von diesem Werk enttäuscht sein. Tolstoi erzählt die Russische Geschichte in der Zeit von 1805 bis 1820. In diesem historischen Rahmen, der geprägt ist durch die Napoléonischen Kriege und den Russlandfeldzug Bonapartes, lässt er eine Vielzahl von Personen agieren. Im Mittelpunkt seiner Erzählung stehen die adligen Familien Rostow, Besuchow und Bolkonski, deren Leben Schnittpunkte bei mehreren Generationen aufweist. In verschiedenen Handlungssträngen wird der Leser mit dem Leben und den Lebensumständen dieser Familien sowie mit ihren Ansichten zum Krieg und zu weltanschaulichen Themen vertraut gemacht. So hat Tolstoi nicht nur ein monumentales Epos sondern auch ein Sittenbild dieser Zeit geschaffen. Aus seiner Biographie ist mir bekannt, welch großen Wert Lew Tolstoi auf historische Genauigkeit gelegt hat. Er beschäftigte sich intensiv mit den Napoléonischen Kriegen und konnte so die militärischen Aktivitäten realistisch, detailgetreu und fast minutiös schildern. Ich empfand die Art und Weise der Schilderung der Kriege als besondere Stärke Tolstois. Er lenkt das Augenmerk des Lesers auf das Grauen, das im Krieg das Leben und Sterben begleitet. Er zeigt verschiedene Ansichten und Standpunkte bezüglich des Krieges und schildert ausführlich die Taktiken und Truppenaufstellungen der sich gegenüberstehenden gegnerischen Parteien, berichtet von Kriegseuphorie und nackter Angst. Aber letztlich bleibt immer der Mensch mit seinen Empfindungen, im Mittelpunkt von Tolstois Werk. Sicher ziehen sich die Ausführungen über das Militärische schon gelegentlich über 10 und mehr Seiten. Tolstoi hat es meisterhaft verstanden seine Charaktere sowohl mit Leben als auch mit Gedanken auszufüllen. Es sind Menschen, wie es sie zur Zeit der Handlung gegeben haben mag, sie wirken lebendig und wirklichkeitsnah. Als langweilig oder besonders schwer zu lesen empfand ich das Buch nicht. Im Gegenteil, Tolstois Schreibstil versetzte mich in die Welt des alten Russlands, vor meinem inneren Auge entstanden Bilder, die mich beim Lesen des Buches begleiteten. Die französischen Dialoge störten mich an keiner Stelle, waren doch die entsprechenden Übersetzungen als Fußnote der jeweiligen Seite zu finden. Sehr interessant empfand ich auch das Nachwort und die zusätzlichen Erläuterungen.

„Krieg und Frieden“ ist einer jener Romane, von denen es leider nur wenige gibt, Meisterwerke der Weltliteratur.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Leo Tolstoi (1828-1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa zog er sich auf sein Familiengut zurück und schrieb dort seine großen Werke. Unter dem Eindruck Rousseauscher Ideen verurteilte er Kultur und Zivilisation als das natürlich Menschentum verfälschende Elemente. Werke u.a.: “Krieg und Frieden”, “Anna Karenina”, “Die Kreuzersonate”, “Meine Beichte”.

11. Januar 2011

Roopa Farooki – Als ich lernte zu fliegen

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 18:36
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Als ich lernte zu fliegen
Roopa Farooki
OT: The Way Things Look to Me
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3785760444

Dieses Buch kam als Geschenk zum mir und die Schenkende hatte ein ganz besonders glückliches Händchen bei der Auswahl. Roopa Farooki, eine mir bis dahin völlig unbekannte Autorin, führte mich in die Welt der in London lebenden Murphy-Geschwister. Eine Welt, in deren Mittelpunkt die autistische 19jährige Yasmin steht, deren Bedürfnissen sich das Leben der anderen stets unterzuordnen, zumindest anzupassen, hatte. Asif Murphy ist 23 Jahre alt. Der Not gehorchend hat er sein Studium abgebrochen und erduldet nun einen langweiligen, ihn unterfordernden Büroalltag. Sein Leben ist völlig anders als das von anderen jungen Männern in seinem Alter. Seit dem plötzlichen Tod der Mutter kümmert er sich aufopfernd um Yasmin, die am Asperger Syndrom, einer leichteren Ausprägungsform von Autismus, leidet. Sie hat Inselbegabungen, sieht beispielsweise Musik als Farben und erinnert sich minutiös an vergangene Erlebnisse. Sie braucht einen ganz geregelten Tagesablauf, Veränderungen kann sie nur schwer verkraften. Lila, die andere Murphy-Schwester, 1 Jahr jünger als Asif, ist ihm keine Stütze. Sie hält das alles nicht mehr aus. Sie will nicht mehr fremdbestimmt leben. Sie will leben wie Gleichaltrige, will ins Kino gehen, sich mit Freunden treffen. In manchen Momenten hat sie das Gefühl, die Schwester oder deren Krankheit zu hassen. Nun lebt sie ihr eigenes Leben mit wechselnden Partnern und Jobs – und Neurodermitis. Doch als Yasmin davon berichtet, dass ein Fernsehteam in einer Dokumentation über sie und ihre Krankheit berichten will, bringt das die Geschwister an den Rand einer Katastrophe, denn Yasmin hat einen Plan. Die schwierige Situation, in der sich die Geschwister befinden, wird von der Autorin auf ganz beeindruckende Weise nachvollziehbar und berührend zugleich beschrieben, ebenso die problematische Kindheit von Asif und Lila, die nicht ohne psysischische Folgen blieb. So unterschiedlich die Geschwister auch in ihrem Wesen beschrieben sind, konnte ich für alle sofort viel Sympathie empfinden. Auch die etwas spezielle Lila konnte ich mit ihrer Flucht aus der Familie sehr gut verstehen. Mit wechselnden Erzählperspektiven und Zeitschienen lässt Roopa Farooki ihre Leser Anteil haben am problematischen Alltag der Geschwister und sie baut Verständnis für jedes der Familienmitglieder auf eine sehr feinfühlige Art auf, ohne dabei auf irgendeine Art belehrend zu sein. Oft wird sie sehr deutlich, manchmal sogar drastisch, z.B. wenn sie von Lilas extremer Neurodermitis berichtet. Aber immer erzählt Roopa Farooki bildhaft, einfühlsam und ruhig. Auch wenn ich hier öfter über Krankheiten, psychische Probleme, familiäre Sorgen und auch Wut schrieb ist dies kein tief trauriger problemüberladener Roman. Es gab durchaus auch witzige Begebenheiten, die mich zum Lachen brachten. Mit diesem Buch habe ich eine neue Autorin entdeckt, von der ich gern mehr lesen würde. Die hier vorgefundene Mischung aus Leichtigkeit des Erzählens und Tiefe der Gedanken hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dieses Buch empfehle ich gern weiter.

 

Über den Autor (Quelle: Lübbe.de)

Roopa Farooki wurde in Lahore geboren und wuchs in London auf. Sie machte ihren Abschluss am New College, Oxford und arbeitete in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Roopa lebt jetzt in Südfrankreich mit ihrem Mann und ihren Söhnen. Ihr erster Roman “Kardamom und Honig” stand auf der Shortlist zum “Orange New Writers Award” 2007

29. Dezember 2010

Günter de Bruyn – Preußens Luise

Einsortiert unter: 2010,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 19:32
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Preußens Luise
Günter de Bruyn
Gebundene Ausgabe: 142 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886807185

Auf unsere Gemüter können Mythen nur so lange wirken, wie sie als Wahrheiten gelten; wenn wir wissen warum sie entstanden sind und welchem Zwecken sie dienten, sind wir ihrer Macht schon entflogen.“ (S.128, Preußens Luise, Günter de Bruyn)

Die am 10. März 1776 geborene Luise war die 7. von insgesamt 11 preußischen Königinnen. Sie war eine in Hannover geborene Mecklenburgische Prinzessin, die ihre Jugend in Darmstadt verbrachte. So war sie also auch persönlich mit vielen außerpreußischen Ländern verflochten. Gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike heiratete sie in der Weihnachtszeit des Jahres 1793 in die Königliche Familie ein. De Bruyn weist in seinem Buch ausdrücklich auf ihre Natürlichkeit hin, sie gehorchte ihren Gefühlen, widersetzte sich dem Hofzeremoniell und verhielt sich auch gelegentlich unschicklich. Die Ehe mit dem Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. galt als mustergültig. Schon in jungen Jahren war sie für den Hofbildhauer Schadow ein beliebtes Modell, Friedrich von Hardenberg und Jean Paul priesen in ihren Werken ihre Schönheit und Güte. Viele Dichter haben schon zu ihren Lebzeiten unzählige Verse ihr zu Ehren gedichtet. De Bruyn beleuchtet aber auch die tragische Seite ihres Lebens. Nach Napoleons Sieg bei Jena flüchtete sie gemeinsam mit ihren Kindern nach Ostpreußen. Nach ihrer Flucht wurde immer weniger ihre Schönheit und mehr ihre Leidensfähigkeit thematisiert. Im Alter von nur 34 Jahren starb sie. Luisenstätten existierten bereits zu Lebzeiten der Königin, aber nach ihrem Tod wurden diese zu Pilgerstätten. Auch die Dichter, wie u.a. Achim von Arnim, fertigten Schriften zu ihrem Leben. Friedrich Wilhelm III. machte das Andenken an Luise zur Staatsangelegenheit, die Stiftung des Eisernen Kreuzes wurde nachträglich auf den Geburtstag der Königin gelegt. Die Erneuerung der Stiftung durch Friedrich I., erfolge an ihrem Todestag. Die Kaiserzeit war die Hochzeit der Luisenverehrung, aber auch die Zeit, in der ihre Person besonders differenziert betrachtet wurde. Die immer volkstümlichere Verehrung glitt immer mehr ins sagenhafte und pseudosakrale ab, dem stand die um historische Wahrheit bemühte wissenschaftliche Betrachtungsweise gegenüber. Zu Zeiten des 3. Reiches geriet Luise beim Volk langsam in Vergessenheit. Zu Propagandazwecken wurde sie kaum benutzt und auch ihr Kinderreichtum fand keine Beachtung. Nach dem 2. Weltkrieg, kamen kaum noch Besucher nach Paretz, wo Luise die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte. Die Gebäude wurden in den letzten Kriegstagen geplündert, blieben aber von den Abrissbirnen der DDR verschont. Das Schlösschen wurde erst zur Bauernhochschule, dann beherbergte es das Institut für Landwirtschaft, später war es Sitz des VEB Tierzucht. Luise war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland kaum im Bewusstsein der Bevölkerung vorhanden, sie war eine historische Figur, wie viele andere auch.

Wer an dieses Buch mit dem gleichen Anspruch wie an eine Biografie herangeht, wird sicher enttäuscht sein. Günter de Bruyn betrachtet die Lebensetappen von Preußens Luise nur in dem Maße, wie sie zur Mythenbildung beitrugen. Mit zahlreichen Bildern und Zitaten aus Zeitdokumenten unterstreicht der Autor sein umfangreiches Studium der historischen Quellen. Er schreibt einfach und auch für den Geschichtslaien leicht verständlich, erläutert die politischen Situationen und die höfischen Gepflogenheiten. Allerdings hätte ich gern noch ein wenig ausführlicher zu der Entstehung der Luisenverehrung gelesen. Vollkommen schlüssig empfand ich hingegen das Vergehen des Luisen-Mythos’. “Preußens Luise“ ist mit seinen 142 Seiten ein Buch, das schnell gelesen ist. Es gibt die wichtigsten Lebensstationen der preußischen Königin wieder und ist ein guter Einstieg, will man sich dieser Thematik intensiver widmen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Günter de Bruyn, 1926 in Berlin geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in einem märkischen Dorf. Seine beiden autobiografischen Bücher “Zwischenbilanz” und “Vierzig Jahre” machten Furore. “Preußens Luise” wurde 2002 mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnet. Zu Günter de Bruyns zahlreichen Auszeichnungen zählen der Heinrich-Mann-Preis, der Thomas- Mann-Preis, der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste, der Jean-Paul-Preis und, 2002 verliehen, der Deutsche Nationalpreis.

22. Dezember 2010

Jeffery Deaver – Allwissend

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 14:08
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Wie zur Erinnerung an einen Autounfall steht am Straßenrand ein Kreuz, geschmückt mit roten Rosen. Allerdings steht darauf als Todesdatum das Datum des folgenden Tages. Als tags darauf eine im Kofferraum ihres Autos eingesperrte junge Frau in der steigenden Flut gefunden wird, übernimmt Kathryn Dance den Fall. Die junge Frau überlebt nur ganz knapp. Immer mehr solcher mysteriöser Kreuze werden an den Straßenrändern Kaliforniens gefunden und in einem Blumengeschäft wurden 12 Sträuße rote Rosen gestohlen. Auch bei den weiteren Opfer werden deren Ängste genutzt, um sie zu quälen. Unter großem Zeitdruck muss Kathryn Dance ermitteln, den jeden Tag kann es neue Opfer geben. Schnell wird man auf den Chilton-Report aufmerksam, und der Täter scheint enttarnt. Aber auch privat steht die Ermittlerin unter enormem Druck, ihre Mutter wird verdächtigt, bei einem ihrer Patienten Sterbehilfe geleistet zu haben.

In diesem Thriller um die Verhör- und Kinesikexpertin Kathryn Dance begibt sich Jeffery Deaver Online, in die Welt des Internets, der Blogs und der Rollenspiele. Wie von ihm nicht anders gewohnt, schreibt Deaver sehr flüssig. Trotzdem gibt es in der Handlung gelegentliche Längen, die mich nicht unbedingt an das Buch fesselten. Denen folgten allerdings auch wieder Kapitel, in denen ich unter keinen Umständen gestört werden wollte. Ähnlich, wie es mir beim Lesen erging, erlebte auch die Ermittlerin ihre up and downs. Das IT-Thema behandelt der Autor sehr anschaulich, so dass auch die Leser, die sich in diesen Gefilden nicht so heimisch fühlen, keine Verständnisprobleme haben werden. Leicht verständlich beschreibt er, wie schnell sich Nachrichten und Information mittels moderner Medien streuen lassen. Auch seine Protagonisten wirken lebendig und realitätsnah. Ihre Charaktere lassen sie menschlich erscheinen, sie haben sowohl gute als auch weniger gute Seiten. Die Ermittlerin wurde von Jeffery Deaver bereits in dem Rhyme/Sachs-Thriller „Der gehetzte Uhrmacher“ eingeführt, mit „Die Menschenleserin“ hatte sie ihren ersten Auftritt als Ermittlerin. In „Allwissend“ erfährt der Leser wiederum ein wenig mehr über ihren privaten Hintergrund. Aber wie schon beim Vorgängerroman wurde ich mit diesem Thriller nicht so warm wie mit mit denen um Lincoln Rhyme. Die Spannung war nicht so präsent und der gesamte Roman nicht so temporeich wie die von mir so gern gelesenen Thriller aus der Rhyme/Sachs-Reihe.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

16. Dezember 2010

Anita Shreve – Die Nacht am Strand

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 19:08
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Die Nacht am Strand
Anita Shreve
Originaltitel: Body Surfing
Broschiert: 339 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492258807

Sydney ist 29 Jahre alt und ihr Leben ist aus den Fugen geraten. Ihre erste Ehe mit dem Piloten wurde geschieden, weil sie ständig um sein Leben fürchtete. Ihr zweiter Mann, ein Arzt, starb ganz überraschend im Dienst. Um Abstand von ihrem bisherigen Leben zu gewinnen, nimmt sie an der Küste New Hampshires den Job einer Privatlehrerin bei den Edwards an. Julie, die Tochter, soll es mit Sydneys Hilfe schaffen an DEM College aufgenommen zu werden. Wenig später kommen die erwachsenen Söhne der Edwards, Ben und Jeff, zu Besuch. Gemeinsam mit ihnen verbringt Sydney eine ausgelassene Nacht am Strand und sie bemerkt recht schnell, dass sie sich zu Jeff, dem Jüngeren der Brüder, hingezogen fühlt, während sie zu Ben stets eine gewisse kühle Distanz hält. Die Dinge entwickeln sich recht zügig. Jeff trennt sich von seiner Freundin Victoria, kommt mit Sydney zusammen und die Hochzeitsplanungen laufen auf Hochtouren. Aber unter Oberfläche brodelt es, in der Familie haben sich Spannungen aufgebaut. Und so nimmt eine Geschichte eine Wendung, die man in dieser Art nicht erwartet hätte.

Als ich zu diesem Buch griff erwartete ich einen Liebesroman mit typisch amerikanischen Touch, eine heile Welt, eine Prise Kitsch, süßliches Liebesgeflüster und Protagonisten ohne Fehl und Tadel. Schnell bemerkte ich, von fast allen Vorurteilen muss ich mich trennen. Eine heile Welt fand ich nur zu Beginn des Romanes vor. Sehr schnell spürte ich die unterschwelligen Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, die eigentlich kaum thematisiert wurden, sondern eher zwischen den Zeilen zu finden waren. Ich empfand es auch als sehr auffällig, dass die Autorin das Geschehen sehr distanziert, von einer Art Außenperspektive her schildert. Dadurch war eine Identifikation mit den Hauptpersonen kaum möglich, was aber den Vorteil hat, dass man als Leser dem Geschehen mit größerer Neutralität gegenüber steht. Mit hat diese Sicht der Dinge sehr gut gefallen. Allerdings bediente sich Anita Shreve auch einiger Klischees, so gab es den liebenswerten, netten und verständnisvollen Vater und als Gegenstück dazu die ständig unzufriedene, mürrische und mäkelnde Mutter, oder die gut geratenen Söhne und den Sorgen bereitenden Nachkömmling. Was ich aber am positivsten in Erinnerung behalten werde, „Die Nacht am Strand“ ist keine der typischen Herz-Schmerz-Geschichten. Es ist eine schöne Liebesgeschichte, eine Alltagsgeschichte, die nicht kitschig wirkte und auch nicht auf die Tränendrüsen drückte. Anita Shreve legte mit diesem Buch einen leichten, gut und flüssig zu lesenden, aber keineswegs seichten Roman vor. Durch die immer nur angedeuteten innerfamiliären Schwierigkeiten erhielt dieser Roman schon ein gewisses Maß an Tiefe.

Mein Fazit: „Die Nacht am Strand“ habe ich gern gelesen. Wer Spaß an klaren und schnörkellosen Liebes- und amerikanischen Familiengeschichten hat, wird mit diesem Buch gut unterhalten werden.

Über den Autor (Quelle: Amazon)

Anita Shreve, geboren 1947, gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen der USA. Sie lebt mit ihrem Mann in Boston/ Massachusetts. Mit ihren Romanen, die von der Kritik für ihre kühle Eleganz gefeiert werden, erreicht sie weltweit ein Millionepublikum. Zu ihren größten Erfolgen gehören »Das Gewicht des Wassers«, »Die Frau des Piloten« und »Olympia« sowie »Eine Hochzeit im Dezember«. Zuletzt erschien von ihr »Die Nacht am Strand«.

13. Dezember 2010

Hans-Joachim Noack/Wolfram Bickerich – Helmut Kohl. Die Biographie

Einsortiert unter: 2010,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 19:56
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Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Vollblutpolitiker, Machtmensch, Einheitskanzler: die große Biographie zum 80. Geburtstag Kaum ein Politiker der jüngsten deutschen Geschichte hat so polarisiert – und kaum einer wurde so unterschätzt wie Helmut Kohl. Die langjährigen «Spiegel»-Politikchefs Hans-Joachim Noack und Wolfram Bickerich, die Kohls Karriere seit vierzig Jahren zum Teil aus nächster Nähe verfolgt haben, zeichnen das Porträt dieses Ausnahmepolitikers, der wie kein Zweiter das Land geprägt hat. Ein glänzend geschriebenes Lebenspanorama – und zugleich eine packende Zeitreise durch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

Meine Meinung:

Von Hans-Joachim Noack las ich vor 2 Jahren die gelungene Biographie des Altkanzlers Helmut Schmidt. Um so mehr war ich erfreut jetzt die Helmut Kohls vor mir zu haben, prägte er doch über Jahrzehnte die Politik der Bundesrepublik Deutschland. Empfand ich die Schmidt-Biographie als sehr freundschaftlich und wohlwollend, so war diese das krasse Gegenteil. Äußerst kritisch, ja fast schon aggressiv scharf gingen die Autoren mit dem Altkanzler ins Gericht. Überaus deutlich bemerkte man, dass sowohl menschlich als auch politisch Welten zwischen den Autoren und Helmut Kohl liegen. Ich finde das sehr schade, obwohl ich kein besonderer Anhänger von Helmut Kohl bin. Aber von einer Biographie erwarte ich, dass sie doch mit größtmöglicher Neutralität geschrieben wird und nicht zum Parkett für persönliche oder parteipolitische Fehden wird. Darüber konnten mich auch die knapp bemessenen Stellen nicht hinweg trösten, in denen auch Leistungen des Altkanzlers gewürdigt wurden.

Über den Autor

Hans-Joachim Noack, geboren 1940, war seit 1968 Reporter der «Süddeutschen Zeitung» und der «Frankfurter Rundschau ». Von 1983 bis 2005 arbeitete er für den «Spiegel», zuletzt als Leiter des Politikressorts. Für seine journalistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. 2008 erschien die Biographie «Helmut Schmidt», die zum Bestseller wurde.

Wolfram Bickerich, geboren 1942, Studium der Politik und Germanistik, war seit 1968 Journalist bei der dpa, von 1974 an beim «Spiegel», davon lange Jahre als Ressortleiter Politik. 1999 erschien «Die D-Mark. Eine Biographie».

11. Dezember 2010

Sabine Weigand – Die Markgräfin

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 16:53
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Die Markgräfin
Sabine Weigand
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596159352

Als im Fränkischen Kulmbach bei Bauarbeiten den ca. 400 Jahre alte Leichnam eines Säuglings entdeckt wird, beginnen die örtlichen Hobbyhistoriker mit ihren Nachforschungen. Langsam forschen sie sich durch die Geschichte der Burg, bis sie auf Barbara von Ansbach stoßen. Die Markgräfin wurde 1495 als Tochter des Markgrafen Friedrich des Älteren von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth geboren. Noch im Kindesalter wird sie mit dem alten Herzog von Groß Glogau verheiratet. Schon zwei Jahre später stirbt der Herzog und Barbara kehrt zu ihrer Familie zurück. Daraufhin wird per procurationem die Ehe mit dem König von Böhmen arrangiert, die jedoch nie vollzogen wird. 5 lange Jahre wartet Barbara ab, bevor sie um Auflösung dieser Ehe ersucht. Daraufhin wird sie von ihren Brüdern auf der Plassenburg gefangen gehalten.

Sabine Weigand verknüpft in ihrem Roman einen Handlungsstrang aus der Gegenwart mit dem, der sich mit dem Leben der Barbara von Ansbach befasst. Geschickt hat sie beide miteinander verwoben. Denn erst durch die in unserer Zeit vorgenommen Untersuchungen und Forschungen der drei Freizeithistoriker, die man nicht immer richtig ernst nehmen konnte, kommt eine gewisse Spannung in die Geschichte. Es zog sich etwas, ehe ich mit „Die Markgräfin“ warm wurde und zum Highlight hat sich das Buch bis zum Ende hin nicht entwickelt. Dafür besticht es durch exakte Beschreibungen von Lebensstil und Brauchtum des ausgehenden Mittelalter. Leider geht dies zu lasten der agierenden Personen, die mir die gesamte Zeit über fremd und farblos erschienen.

Mein Fazit: „Die Markgräfin“ war das Debüt von Sabine Weigand. Auch wenn es von mir noch die eine oder andere Kritik gibt, ist es ein durchaus lesenswerter historischer Roman.

 

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Die Spur der Markgräfin entdeckte sie bei ihren Forschungen zur Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, einer der größten Festungsanlagen Nordeuropas – dem Schauplatz ihres Romans.. “Die Markgräfin” ist ihr erster Roman.

3. Dezember 2010

Ursula Poznanski – Erebos

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 16:59
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Erebos
Ursula Poznanski
Gebundene Ausgabe: 485 Seiten
Verlag: Loewe Verlag
ISBN-13: 978-3785569573
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 13 Jahre

“Was kann sie denn, die Realität? Hungrig machen, durstig, unzufrieden. Sie verursacht Schmerzen, sie schlägt mit Krankheit um sich, sie gehorcht lächerlichen Gesetzen. Vor allem aber ist sie endlich. Immer führt sie zum Tod. Was zählt und Kraft hat, sind andere Dinge: Ideen, Leidenschaften, sogar Wahnsinn. Alles, was sich über die Vernunft emporhebt. Ich entziehe der Realität meine Zustimmung.”

Eigenartiges geschieht an einer Londoner Schule. Schüler kommen nicht mehr zum Unterricht, sie schwänzen das Basketball Training, sind ständig müde, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Aber keiner spricht darüber. Hängt das mit der DVD zusammen, die unter der Hand weitergereicht wird? Nick Dunmore geht in die 9. Klasse und möchte unbedingt wissen was ES ist. Als Brynne ihm die DVD unter dem Mantel der Verschwiegenheit gibt, löst sich für ihn das Rätsel und endlich weiß er, es ist ein Spiel. EREBOS. Aber es hat strenge Regeln. Es darf mit keinem darüber gesprochen werden. Es muss allein gespielt werden. Man muss seine Aufgaben erfüllen, sonst ist man raus, endgültig, unwiderruflich. Schnell gerät Nick in den Sog des Spiels, er ist förmlich süchtig danach und schlägt alle Warnungen in den Wind. Aber Spiel und Realität vermischen sich immer mehr, bis Nick eines Tages erkennen muss, Erebos ist alles andere als ein harmloses Computerspiel.

Jugendbücher sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Als mir aber von verschiedenen Seiten Erebos empfohlen wurde, ging es mir allmählich wie Nick. Ich wollte es haben, wollte wissen, was es mit dem Buch auf sich hat, warum es meine Bekannten im gestandenen Erwachsenenalter so gefesselt hat. Ich war sehr skeptisch, denn Computerspiele interessieren mich überhaupt nicht. Aber dann war das Buch endlich da, zum Glück an einem Wochenende und ich begann zu lesen. Was dann mit mir geschah, ist der Kunstfertigkeit der Autorin zuzuschreiben. Für 24 Stunden tauchte ich in die Welt von Erebos ein. Ähnlich wie es Nick mit dem Spiel erging, erging es mir mit dem Buch. Schon nach kurzer Zeit war ich im Sog der Handlung, die recht ruhig beginnt, sich aber stetig steigert und ständig zwischen Spiel und Realität wechselt, um später in eine von mir unerwartete Richtung zu gehen. Bildlich sah die Spielebenen vor mir und wie Nick süchtig von Level zu Level hastete, las ich mich von Kapitel zu Kapitel. Für einen ganzen Tag erledigte ich nur die allernotwendigsten Arbeiten und war für meine Mitmenschen sicher eine Zumutung. Von der Spannung her kann dieses Jugendbuch problemlos mit den besten Thrillern mithalten. Die Charaktere der Protagonisten sind lebendig und nicht stereotyp, das Buch liest sich ungemein flüssig. Die Autorin hat es geschafft, mich in eine für mich unbekannte Welt zu locken, in der ich neben einem Computerspiel, das scheinbar mitdenken kann, auch noch Werwölfe, Vampire, Dunkelelfen und Trolle kennen lernte. Diese phantasievoll ausgestattete Welt hat mich gleichermaßen fasziniert und schockiert. Als besonderes Bonbon gibt es nicht nur durch den Titel kleine Fingerzeige hin zur griechischen Mythologie. Alles in allem legt Ursula Poznanski mit diesem Jugendbuch eine schlüssige, ausgezeichnet facettierte und vor allem authentisch wirkende Geschichte von ungeheurer Sogkraft vor, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, trotzdem pädagogisch wirkt und sicher auch den einen oder anderen Wenig-Leser begeistern kann.

Mein Fazit: „Erebos“ ist eine fantastisch erzählte und äußerst spannende Geschichte für junge und jung gebliebene Leser. Die Altersangabe 12-13 Jahre, kann man ganz getrost mit dem Vorsatz „ab“ versehen. Es hat mich lange kein Buch mehr in einen solche Leserausch versetzt wie dieses.

 

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie ist als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihre Bücher zeichnen sich durch sprühenden Witz und Ideenreichtum aus.

2. Dezember 2010

Deana Zinßmeister – Der Hexenturm

Einsortiert unter: 2010,Challenge,History — Karthause @ 17:40
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Der Hexenturm
Deana Zinßmeister
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442472482

Im Saarland um 1618. In Deana Zinßmeisters Roman „Das Hexenmal“ lernte der Leser die Geschichte der fünf jungen Eichsfelder Johann, Franziska, Katharina, Clemens und Burghard kennen, die auf der Flucht vor der Anklage der Hexerei ihre Heimat verlassen mussten. In diesem Buch, das direkt die Handlung des Vorgängers aufgreift, treffen wir die Fünf wieder und begleiten sie auf ihrer Flucht durch Hessen bis hin ins Saarland. Auf dem Gestüt Rehmringer werden sie, trotz des Todes des alten Pferdehändlers, von dessen Witwe freundlich aufgenommen und finden Arbeit und Unterkunft. Dies ist für einige Alteingesessene auf dem Hof und den der Witwe nahestehenden Amtsmann Johann von Baßy ein Dorn im Auge. Sie müssen auf der Hut sein, denn die Hexenverfolgung wird auch in ihrer neuen Heimat zelebriert. Zur gleichen Zeit ist auch der dem Leser aus dem 1. Teils der Geschichte bekannte Magier Barnabas unterwegs, in seinem Gefolge Sevatius und eine Kinderhexe.

Wie schon im „Hexenmal“ ist die Geschichte durch verschiedene Handlungsstränge geprägt. Durch nicht zu lange Kapitel hält Deana Zinßmeister die Spannung und vermeidet Längen. Ihr angenehmer und flüssig zu lesender Schreibstil ließ mich als Leser förmlich durch das Buch eilen. Die Autorin legt auch in diesem Roman großen Wert auf Details, das macht ihre Geschichten so beeindruckend authentisch. Das Alltagsleben, die damit verbundenen Schwierigkeiten, Sorgen und Nöte werden nachvollziehbar. Die belegten historischen Persönlichkeiten, die ihre Auftritte in dem Roman haben, lassen Geschichte lebendig werden.

In diesem Roman werden zwar immer wieder die Schicksale der Protagonisten in Rückblenden erzählt, so dass man ihn auch ohne Kenntnis des 1. Teils lesen und verstehen kann. Um aber die Entwicklung der Charaktere nachvollziehen zu können, sehe ich es als hilfreich an „Das Hexenmal“ gelesen zu haben. Die Story und auch die Charaktere haben in diesem 2. Teil für mich deutlich an Tiefe gewonnen. Besonders gelungen fand ich die Person des Magier Barnabas, der in seiner Bösartigkeit auch Skrupel hatte, die immer wieder deutlich wurden. Nur ganz wenige Charaktere bleiben etwas eindimensional, wie z.B. Servatius, der in jeder Beziehung einfach nur böse war. Aber letztlich war er in seinem Tun und Denken auch wieder überzeugend. Auch das Zusammenleben in der Gruppe wurde durch die Autorin realistisch und als nicht einfach beschrieben. Gab es doch im Verlauf der Handlung manch kritische Situationen für die Protagonisten zu meistern, an denen die Freundschaft der einstigen Zweckgemeinschaft zu zerbrechen drohte. Es kamen aber nicht nur die die in dem Roman zu Wort, die die konsequente Hexenverfolgung predigten und gnadenlos vollzogen. Auch die Lichtfänger konnten Akzente setzen und einen Hauch von Hoffnung hinterlassen.

Mein Fazit: Nach dem ich mit „Das Hexenmal“ ein wenig haderte, weil mir die Handlungsstränge zu losgelöst voneinander erschienen, hat sich das in „Der Hexenturm“ völlig relativiert. Ich habe mich sehr gern von Deana Zinßmeister durch dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte führen lassen und freue mich schon auf die nächste „Zeitreise“ mit ihr. Ich kann diesen schnörkellosen historischen Roman jedem Liebhaber dieses Genres empfehlen.

 

Über den Autor

Deana Zinßmeister hat sich mit dem Schreiben einen Traum erfüllt und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits mit ihrem ersten historischen Roman »Das Hexenmal« gelang ihr auf Anhieb ein Erfolg. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

28. November 2010

Titus Müller – Der Kalligraph des Bischofs

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Turin im 9. Jahrhundert. Germunt ist auf der Flucht vor seinen Häschern in der Bischofsstadt angekommen. Er soll seine Stiefmutter getötet haben und fristet sein Leben durch Diebstähle. Der neu ernannte Bischof Claudius, auch gerade in der Stadt eingetroffen, nimmt sich seiner an, erkennt sein Talent und lässt ihn in den schönen Künsten unterrichten. Aber Claudius, der das Bilderverbot predigt, hat starke Widersacher. Er muss die Stadt gegen die Sarazenen verteidigen und seinem ärgsten Feind, dem Grafen Godeoch, die Stirn bieten.

Titus Müllers Debütroman ist in einer Zeit angesiedelt, von der ich bisher recht selten gelesen habe. Dabei gelingt es ihm sehr gut die örtlichen Gegebenheiten und die historischen Umstände zu beschreiben. Der Handlungsaufbau war schlüssig, wenn auch etwas zufallslastig und die Geschichte an sich hatte ihre spannenden Momente. Allerdings konnte ich mich nur schlecht in die Figur des Germut hineinversetzen. Was er leistete, war stellenweise schier übermenschlich und realitätsfern. Interessant fand ich dagegen wieder den Charakter des Bischof Claudius, der sich mit seinen Ideen und Vorstellung gegen die Kirche wandte. Auch die Auseinandersetzung mit der Kirche war sehr lesenswert. Das eigentliche Thema, die Kalligraphie, hätte ich gern etwas ausführlicher behandelt gehabt. Alles in allem war das Buch lesenswert. Ich habe schon den aktuellen Roman „Die Jesuitin von Lissabon“ von Titus Müller gelesen und konnte dabei feststellen, dass er sich als Autor, besonders was das Zeichnen von Charakteren anbetrifft, spürbar weiterentwickelt hat.

Über den Autor

Titus Müller, 1977 in Leipzig geboren, studierte Neuere deutsche Literatur, Mittelalterliche Geschichte und Publizistik in Berlin. Er erhielt den Würth-Literaturpreis und den C.S. Lewis-Preis. “Das Mysterium” wurde 2008 mit dem Sir Walter Scott-Preis als bester historischer Roman des Jahres ausgezeichnet. Titus Müller lebt in München. Bisher erschienen von ihm: “Der Kalligraph des Bischofs”, “Die Priestertochter”, “Die sieben Häupter”, “Der zwölfte Tag”, “Die Brillenmacherin”, “Die Todgeweihte”.

Mehr über den Autor und seine Romane ist unter www.titusmueller.de zu finden.

21. November 2010

Sabine Thiesler – Der Menschenräuber

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:45
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Der Menschenräuber
Sabine Thiesler
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453266315

Jonathan war ein erfolgreicher Fotograf und Medienmanager. Aber der Unfall, durch den seine Tochter ums Leben kam, verändert ihn grundlegend. Seine Ehe zerbricht, er lässt alles hinter sich und verlässt Deutschland. Es ist eher der Zufall der ihn in das idyllische Dorf in der Toskana führt. Dort lernt er die blinde Sophia, die seiner Tochter so gleicht, kennen. Er beschließt zu bleiben, aber als ihn nach Jahren seine Vergangenheit einholt, ändert sich für ihn wieder alles.

“”Der Menschenräuber” war der vierte Roman den ich von Sabine Thiesler gelesen habe und gleichzeitig der zweite, der mich gar nicht mehr überzeugte. Wieder hat die Autorin für ihren Krimi als Handlungsort die Toskana gewählt. Diese Landschaft scheint ihr sehr am Herzen zu liegen, sehr detailreich und bildhaft beschreibt sie die Gegend. Man bekommt Lust auf eine Reise dorthin. Auch Bekannte aus den Vorgängerromanen tauchen in diesem wieder auf, so zum Beispiel der trottelige Kommissar Neri, der wieder einer mittelmäßigen Satire entsprungen scheint, und auch in diesem Buch keine bessere Figur abgibt. Zu den Protagonisten konnte zu keiner Zeit eine Beziehung aufbauen, eigentlich waren sie mir egal. Die Idee zum Buch fand ich sogar recht gut, die Umsetzung gefiel mir dann nicht mehr. So reihten sich Zufälle aneinender, manches schien an den Haaren herbeigezogen und zum Schluss kommt es, wie es kommen musste, unglaubwürdig, vorhersehbar und trivial. Auch beim Aufbau des Krimis ist der Autorin nichts Neues eingefallen. Sie bleibt ihrem bekannten Schema treu, das inzwischen zwar einen gewissen Wiedererkennungwert hat, jetzt nach dem vierten Buch jedoch langweilt. Das ich „Der Menschenräuber“ überhaupt beendet habe, liegt einzig daran, dass ich Zeit hatte und die Autorin einen sehr flüssigen Schreibstil hat, so dass die gut 400 Seiten schnell gelesen waren. Dieses Buch kann ich leider nicht empfehlen.

Über den Autor (Quelle Amazon)

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit den beiden folgenden Büchern Hexenkind und Die Totengräberin.

Von Sabine Thiesler habe ich bisher gelesen:

Der Kindersmmler
Hexenkind
Die Totengräberin

12. November 2010

Andrea Schacht – Das Spiel des Sängers

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Andrea Schacht führt ihre Leser in diesem Roman auf die Burg Langel zur Zeit der Minnesänger. Dort will Ritter Ulrich wegen des Mordes an dem Burgherren Eberhard die Lehennachfolge klären. Neben den Bewerbern ist auch der Barde Hardo Lautenschläger eingeladen worden. Er soll für eine gute Stimmung in der Runde sorgen. Aber ist die Unterhaltung der Gäste wirklich sein ausschließliches Anliegen? Diese Frage stellt sich nach dem Mord am Burgvogt und einem Anschlag auf Hardo um so dringender. Wer hatte ein Motiv? Oder besser, wer hatte keines? Ritter Ulrich will die Tat auf seine ganz persönliche Art und Weise lösen. Er lässt die Zugbrücke hoch ziehen. Da die Burg nun nicht mehr verlassen werden kann, muss auf Gedeih und Verderb jeder mit jedem auskommen und jeder weiß, eine(r) hat die Tat begangen. Die Spannung zwischen den Gästen nimmt zu, als ihnen bewusst wird, dass die von Hardo allabendlich vorgetragene Minne seine Lebensgeschichte ist, die weit mehr mit der Burg verbandelt ist als viele erwarteten und in der sich einige von ihnen wieder finden.

Andrea Schachts Romane sind für mich inzwischen schon ein Garant für gute Unterhaltung. Sie helfen mir beim Abschalten nach einem stressreichen Arbeitstag. So erging es mir auch mit „Das Spiel des Sängers“. Mit dem ihr eigenen Humor und Wortwitz schafft die Autorin es, die Zeit der Minne vor meinem inneren Auge mit Leben zu erfüllen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie ihre Charaktere sehr gekonnt und einfühlsam in die Geschichte einbringt. Man spürt, dass die Akteure Andrea Schacht am Herzen liegen und so berichtet sie über Hardo, Ulrich, Engelin, Casta, Margarethe und wie sie alle hießen auch mit einem Augenzwinkern und natürlich taucht auch wieder ein Katerchen in der Handlung auf. Von Beginn an war dieses Buch spannend und auch als das Ende absehbar war, büßte es nichts von seinem Reiz ein. Das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Hardo in seinen Gesängen immer nur häppchenweise Episoden aus seinem Leben preis gibt und dann wieder die Ent- und Verwicklungen der Burggäste thematisiert werden. Dadurch, dass die in der Handlung vorkommenden Personen auf der Burg eingeschlossen sind, berichtet Andrea Schacht über ein sehr abgeschottetes Terrain. Manchmal fühlte ich das Flair der guten, alten englischen Krimis. Dabei hatte ich ja eigentlich einen reinen historischen Roman erwartet. Zu der Krimihandlung und der Historie kam noch die eine oder andere offene oder versteckte Liebelei und somit waren alle Bedingungen für flüssig zu lesende, humorvolle und auch spannende Unterhaltung gegeben. Abgerundet wurde sehr positive Gesamteindruck durch die passend zu Handlung eingefügten Texte alter Minnegesänge und die sehr ansprechende Gestaltung des Buches.

Über den Autor

Andrea Schacht war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin tätig, hat dann jedoch ihren seit Jugendtagen gehegten Traum verwirklicht, Schriftstellerin zu werden. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Kölner Begine Almut Bossart gewannen auf Anhieb die Herzen von Lesern und Buchhändlern. Mit »Die elfte Jungfrau« kletterte Andrea Schacht erstmals auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, die sie seither mit schöner Regelmäßigkeit immer neu erobert. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Nähe von Bonn.

10. November 2010

Bettina Hennig – Luise. Königin aus Liebe

Einsortiert unter: 2010,Challenge,History — Karthause @ 18:32
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Luise. Königin aus Liebe
Bettina Hennig
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442464067

Luise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, wächst gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike nach dem Tod von Mutter und Stiefmutter bei der Großmutter in Darmstadt auf. Diese setzt alles daran, ihre beiden Enkeltöchter standesgemäß zu verheiraten. Ihre Bemühungen wurden mit einer Doppelhochzeit belohnt. Weihnachten 1793 heiratet Luise den Preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und Friederike ehelicht dessen Bruder Friedrich Ludwig (genannt Louis). Während man Luises Heirat noch eine Liebesheirat nennen kann, heiraten Friederike und Louis aus Gründen der Staatsräson.

Bettina Hennig widmet sich in ihrem ersten Roman einer der wohl schillerndsten weiblichen Persönlichkeiten am Preußischen Hof. Sie beschreibt Luise als anmutig schöne junge Frau, die durch ihre Unbekümmertheit und ihr unaristokratisches Auftreten bei Hofe zunächst einige schmerzliche Erfahrungen machen musste. Ihr Leben in einer Zeit mit großen politischen Umwälzungen blieb von den historischen Ereignissen nicht unbeeinflusst. Wobei die Flucht vor Napoleons Truppen sicher eines der einschneidendsten Erlebnisse ihres kurzen Lebens waren. Mit großer, der Zeit entsprechenden Wortgewandtheit bringt die Autorin dem Leser das nicht immer einfache Leben der im Volke so beliebten Preußenkönigin nahe. Dabei legt sie aber eindeutig den Schwerpunkt auf die Liebe von Luise, die Liebe zum König, zu den Kindern, die immer wieder aufkommende Verliebtheit in andere Männer und die Liebe zum Volk. Natürlich schreibt Bettina Hennig auch über die politischen Ereignisse und über den Krieg. Aber als das Bestimmende in Luises Leben wird, wie der Titel schon sagt, die Liebe gesehen. Ich fand das etwas bedauerlich und hätte Luise gern im Spiegel ihrer Zeit gesehen. Ansonsten weiß die Autorin ihre Leser mit ausführlichen Geschichten und detailreich ausgeschmückten Histörchen vom Leben am Hof zur Zeit Friedrich Wilhelm III. zu unterhalten. Sehr gut hat mir die Darstellung der historischen Personen gefallen. Sie erschienen nie stereotyp, sondern facettenreich und lebensnah. Und so ist auch Luise nicht nur die lebenslustige, manchmal etwas oberflächliche junge Frau, der Leser erlebt sie auch zweifelnd und besorgt. Sehr gut wurde das Wachsen der Beziehung zwischen Luise und Friedrich Wilhelm geschildert. Denn von einer Liebesheirat der beiden zu sprechen, macht nur Sinn, wenn man als das Gegenstück die verordnete Ehe von Friederike und Louis sieht, bei der von keiner Seite Gefühle oder auch nur Sympathie eine Rolle spielten.
Bis auf meinen genannten Kritikpunkt, der aber nicht so schwerwiegend ist, schließlich weist der Buchtitel auf die Gewichtung der Fakten hin, empfand ich dieses Buch als einen sehr gelungenen Erstlingsroman, der dem Leser eine illustre historische Persönlichkeit wirklich nahe bringt und Lust auf weitere Lektüre in dieser Zeit macht. Über weitere Romane der Autorin würde ich mich freuen.

Über den Autor
Bettina Hennig, geboren 1963 in Hamburg, studierte nach ihrer Ausbildung zur Cutterin in Hamburg Film- und Sprachwissenschaften sowie Informatik. Seit 1992 ist sie als Redakteurin bei verschiedenen Boulevardzeitungen und Illustrierten tätig. Bekannt sind ihre Interviews mit internationalen Stars wie z. B. Madonna. Derzeit promoviert sie zum Thema »Klatschjournalismus«. Sie lebt mit dem Künstler Karmers in Hamburg. »Luise. Königin aus Liebe« ist ihr erster Roman.

Dies war das erste Buch, das ich im Rahmen der History-Challenge „Der Geschichte auf der Spur“ gelesen habe. Damit ist die Etappe „Neuzeit – Zeit des Umbruchs 1789 -1815“ abgedeckt.

4. November 2010

Stieg Larsson – Vergebung

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Vergebung
Stieg Larsson
Originaltitel: Luftslottet som sprängdes
Taschenbuch: 864 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453434066

 3. Teil der Milennium-Trilogie

„Vergebung“ setzt unmittelbar die Handlung des Vorgängers fort. Lisbeth wird mit schwersten Schussverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und notoperiert, auch ihr Intimfeind und Erzeuger Zalatschenko hat ihren Axtangriff überlebt. Jetzt liegen beide auf der Intensivstation. Die Ermittlungen gegen Lisbeth Salander laufen auf Hochtouren und werden nur durch ihren stationären Aufenthalt behindert. Mikael Blomkvist – immer zutiefst von Salanders Unschuld überzeugt – stellt auf eigenen Faust Ermittlungen an und sticht bei seinen Nachforschungen in ein Wespennest, womit er sogar höchste politische Kreise aufschreckt.

In diesem letzten Teil der Trilogie werden alle Handlungsstränge zusammengeführt. Somit hat der Roman den Charakter von „Was danach geschah“. Wieder gab es etliche Szenen, die für mich an der Grenze des Vorstellbaren waren, aber Lisbeth Salander war spürbar gehandicapt und konnte über lange Strecken nur vom Krankenbett aus aktiv werden, was den Eindruck aus den vorangegangenen Büchern etwas relativierte. Auch „Vergebung“ war sehr detailreich und flüssig geschrieben, bot Spannung und Unterhaltung. Es wurden nur noch wenige Personen in die Romanhandlung aufgenommen, so dass der Leser viele alte Bekannte wiederfand. Deren Charaktere haben sich allerdings nur unwesentlich verändert. Eine Entwicklung war kaum zu erkennen. Trotzdem habe ich diesen 3. Teil sehr gern gelesen. Er söhnt mich mit des gesamten Trilogie, die ich vorher immer als etwas unfertig empfunden hatte, aus.

28. Oktober 2010

Michael Köhlmeier – Idylle mit ertrinkendem Hund

Einsortiert unter: 2010,Bücher,Belletristik — Karthause @ 14:06
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Idylle mit ertrinkendem Hund
Michael Köhlmeier
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: ZSOLNAY-VERLAG
ISBN-13: 978-3552060760

Hohenems Winter 2006. Der wegen seiner großen Exaktheit bekannte und renommierte Lektor, Dr. Johannes Beer, kündigt sich als Gast bei seinem Autor, dem Ich-Erzähler, an. Obwohl beide seit Jahren miteinander arbeiten, kennen sie sich auf privater Ebene kaum. Zum persönlichen Du kam es eher zufällig als gewollt. Das Verhältnis zwischen beiden ist zwischen fachlichem Vertrauen und persönlicher Distanziertheit angesiedelt. Im Haus des Autors mit erstaunlich großem Gepäck angekommen, begeistert Dr. Beer sich sofort für den urwaldgleichen Wintergarten seiner Gastgeber, wodurch ihm die Sympathien der Hausherrin gewiss sind. Er möchte während seines Aufenthaltes aber nicht nur über Literatur sprechen, er möchte spazieren gehen, allein. Auf einer dieser Wanderungen durch die tief verschneite Alter-Rhein-Landschaft begegnet er einem großen schwarzen Hund, der ihn offensichtlich in sein Herz geschlossen hat.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, was Michael Köhlmeier mit diesem Buch ausdrücken wollte. Alles begann sehr leicht und unterhaltsam, steigerte sich aber und bekam immer mehr Tiefe. Oberflächlich betrachtet, berichtet Köhlmeier in seiner Erzählung von einem Autor, der sich mit seinem Lektor trifft. Beide duzen sich mehr aus Versehen und als Freunde kann man sie wohl nicht bezeichnen. Aber je weiter man liest, desto mehr wird man von der leisen, unterschwelligen Traurigkeit und der erzählerischen Dichte erfasst. Unzählige Metaphern, von denen viele auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind, schmücken dieses dünne Buch. Es war mir wieder eine Freude, die Sprache des Autors auf mich wirken zu lassen. Beeindruckend beschriebene Szenen, die unaufhaltsam und ganz unbemerkt die Seele des Leser ergreifen, erwecken Emotionen, die noch lange nachhallen. Tief beeindruckt war ich von dem eigentlichen Problem in diesem Buch, dem Tod der Tochter Paula, die so jung starb, noch gar nicht richtig lebte, denn “…sie hat den Boden nur mit den Fußspitzen berührt.” Und so geht es letztlich in diesem gehaltvollen Büchlein nicht nur um Freundschaft, sondern um den Umgang mit dem Tod und um den Verlust eines geliebten Menschen. Dem angedachten Gespräch mit dem Lektor über den Tod der Tochter und dessen literarischer Verarbeitung, das sich der Ich-Erzähler in Gedanken zurechtlegte, liegt eine geniale Konstruktion zugrunde, die einem bewusst wird, wenn man die Biographie Michael Köhlmeiers mit dem vorliegenden Roman vergleicht.

„Idylle mit ertrinkendem Hund“ – von mir eigentlich nur als Zwischenlektüre gedacht – hat mich weitaus mehr beschäftigt und beeindruckt als erwartet. Das zeigt wieder einmal, wie viel sich auf nur 112 Seiten sagen lässt. Dieses Buch kann man getrost mehrmals lesen, ich bin sicher, es wird immer wieder eine Bereicherung sein.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michael Köhlmeier, geb. 1949, wuchs in Hohenems/Vorarlberg auf, wo er auch heute lebt. Für sein Werk wurde der österreichische Bestsellerautor unter anderem mit dem Manes-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet.

 

 

27. Oktober 2010

Andrea Schacht – Götterfunkeln

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Götterfunkeln
Andrea Schacht
Taschenbuch: 392 Seiten
Verlag: Sieben Verlag
ISBN-13: 978-3941547018

Die letzten Tage im Dezember 2011. Nach dem Maja-Kalender steht das Ende der Welt unmittelbar bevor. Die 31-jährige Helena verlor vor 2 Jahren ihren Ehemann Julian. Kurz vor dem Jahreswechsel erhält sie eher zufällig, weil sie nach einem Streit mit ihrer Mutter wütend das Haus verließ und ihre Bekannte Zara traf, die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen und zu schauen, was für Paradiese auf die Erretteten für die Zeit danach warten. Mit weiteren 20 Auserwählten begibt sie sich, immer in Begleitung ihres Katers Dante, mit einem UFO auf die Reise. Das Paradies selbst stellt sich als eine Art Themenpark dar. Alles wurde gerade umgestaltet, die Besucher sollen sich schließlich wohl fühlen, und die Götter halten Rat, wie es mit der Erde weiter gehen soll. So wandern die Besucher durch die Insel der Seligen und treffen dort auf Goethe, in Walhall begegnen sie Wagner. Nacheinander werden die Paradiese aller irdischen Religionen besucht und die Gäste kommen mit den Göttern ins Gespräch. Vielleicht gibt es ja auch noch Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Julian.

Unterdessen beginnt auf der Erde die verzweifelte Suche nach den spurlos verschwundenen Angehörigen.

Andrea Schacht war mir bisher als Autorin von historischen Romanen bekannt und die Bücher, die ich von ihr las, sind mir in bester Erinnerung geblieben. Und nun liegt zu meiner großen Überraschung ein Endzeitroman der Autorin vor. Das machte mich doch mehr als neugierig. Als dann gleich zu Beginn der Handlung ein UFO ins Spiel kam, war ich für kurze Zeit etwas ernüchtert. Aber nur um mich mit um so mehr Spaß durch den paradiesischen Themenpark zu lesen. Mit viel Wortwitz, Ironie, und Augenzwinkern sowie manch skurriler Idee führt die Autorin ihre Leser durch die himmlische Verkaufsschau. So erfuhr ich, dass ich dort nicht überrascht sein sollte, Kunstrasen und einen moderne Fortbewegungsmittel nutzenden Hermes vorzufinden und natürlich ist auch das Paradies nicht von Sparzwängen verschont geblieben. Der Märtyrer wird mit Dart-Pfeilen malträtiert und Jesus begegnet mir als Hippie. Lust zum Verweilen hatte ich lediglich an einer der vielen Stationen, die alle sehr detailreich und illuster beschrieben wurden. Aber es ging der Autorin nicht nur darum dem Leser ein Schmunzeln und auch einen lauten Lacher abzuringen. Immer wieder trafen die Besucher auf ihrer Besichtigungstour auf ein altes, zerlumptes Mütterchen, deren Identität es zu ergründen hieß und die erst ganz am Ende wirklich bekannt wird. Mit fortschreitender Handlung werden die dem Buch innewohnenden Gedanken immer tiefer und das anfangs als spaßig empfundene Buch wird ernster. Der Leser wird mit Ideen und Gedanken konfrontiert wird, die es lohnt, weiter zu spinnen. Als einzigen (kleinen) Kritikpunkt sehe ich, dass ich schon ziemlich zu Beginn des Buches die endgültige logische Auflösung erahnte. Da der Weg dorthin aber ein überaus netter war, fällt das kaum ins Gewicht. Einen so farbenfrohen und doch zugleich tiefsinnigen Endzeitroman hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Für mich war dieses Genre bisher eher düster und ernst besetzt. Aber dieser witzig-spritzige Roman, der mit leichter Feder geschrieben zu sein scheint, lässt sich wunderbar lesen, ist amüsant, kurzweilig und unterhaltsam und lässt mich doch nachdenklich zurück – er ist so ganz anders als von mir erwartet. Andrea Schacht hat mich eben noch nie enttäuscht. Ich würde mir mehr Bücher dieser Art von der Autorin wünschen, die mit diesem Werk einen sehr unkonventionellen Weg gegangen ist.

Ich danke der Buchcouch und dem Sieben Verlag für Buch.

Näheres über die Autorin und ihre Bücher ist auf ihrer Homepage zu finden.

12. Oktober 2010

Stieg Larsson – Verdammnis

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:32
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2. Teil der Milennium-Trilogie

Kurzbeschreibung – gekürzt (Quelle: amazon.de)

Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Meine Meinung

„Verdammnis“ ist die konsequente Fortsetzung von „Verblendung“, die Handlung beginnt etwa 1 ½ Jahre später. Unter diesem Aspekt erscheint die über 200 Seiten lange Einführung der Personen im 1. Teil in einem ganz anderen Licht. Bei diesem Teil der Trilogie beginnt sich der Spannungsbogen deutlich eher zu straffen. Auf Fragen zu Lisbeths Vergangenheit, die man sich nach „Verblendung“ stellte, bekommt der Leser ansatzweise Antworten. Lisbeth steht im Mittelpunkt des Geschehens, sie erscheint wieder als eine Art Superwomen und in etlichen Szenen kommt schon die Frage nach Authenzität auf. Da in „Verdammnis“ auf viele Details aus dem Vorgängerroman Bezug genommen wird, sollte man diese Trilogie in der entsprechenden Reihenfolge lesen. Ansonsten blieb Stieg Larsson seinem bekannten Stil treu, man trank Kaffee, hat natürlich einen Apple und löste Probleme im Schlafzimmer. Zum Ende des Thrillers nahm die Spannung noch einmal sprunghaft zu. Ein fast zu actionreiches Finale lässt hoffen, dass der letzte Teil ohne große Einführung das Geschehen fortsetzt.

Mein Fazit: Mir hat dieser 2. Teil der Millenium-Trilogie trotz ein paar Mängeln besser gefallen als „Verblendung“, er war unterhaltsam und auch spannender. „Vergebung“ werde ich in kürze lesen.

5. Oktober 2010

Kirsten Schützhofer – Die Konfektmacherin

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Die Konfektmacherin
Kirsten Schützhofer
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: Diana Verlag
ISBN-13: 978-3453354401

Südfrankreich, nach 1685. Catherine Jospin war 10 Jahre alt, als ihr Mutter starb und ihr ein Büchlein mit Rezepten hinterließ. Sie und ihre Schwestern Marietta und Julie waren protestantischen Glaubens. Eine Tatsache, die mit der Ablösung des Edikt von Nantes durch das von Fontainebleau durch Ludwig IX. für die Anhänger des falschen Glaubens höchst gefährlich war. Ihnen drohte Verfolgung, Gefängnis und auch der Tod. Nachdem infolge des Verrats durch die du Ports die Älteste der Schwestern, Marietta, gemeinsam mit ihrem Mann festgenommen wurden, mussten Catherine und Julie fliehen. Gemeinsam mit Mathieu, dem Freund seit Kindestagen und Verlobter Catherines, wollten sie über die Berge in Richtung Genf fliehen. Schon bald wurde Mathieu von den beiden Mädchen getrennt, die nun versuchten, sich mit Hilfe des Fluchthelfers Luc nach Orléans durchzuschlagen. Aber Barnabas du Port und sein Sohn Adrien, angestachelt durch den Vater, geben die Suche nach den Schwestern nicht auf. Ein Geheimnis aus alten Zeiten liegt über den beiden Familien.

Mit „Die Konfektmacherin“ hat Kirsten Schützhofer ihren vierten historischen Roman vorgelegt. Der Titel versprach einen jener süßlichen „Die …in“-Romane, die derzeitig in den Buchhandlungen unübersehbar sind. Dafür war allerdings zu wenig Konfektmacherin drin. Zum Glück. Die Autorin ist ihrem bekannten Stil treu geblieben und hat historische Genauigkeit, Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe dem lieblichen Gesäusel vorgezogen. Ihre Protagonisten wirkten menschlich mit eben jenen Stärken und Schwächen, die einen vollwertigen Charakter ausmachen. So gab es Personen, die man schnell in sein Herz schloss und solche, deren Tun und Lassen man eher mit Skepsis betrachtete. Sehr exakt und detailliert schilderte die Autorin die historischen Gegebenheiten und zeigt vor dem Hintergrund der Hugenottenverfolgung infolge des Edikts von Fontainebleau auf, wie wichtig gegenseitige Toleranz und Akzeptanz für ein friedliches Zusammenleben der Menschen sind. Wie ein roter Faden zieht sich das nicht miteinander Sprechen durch die elf Jahre umfassende Handlung. Was den Protagonisten das Leben erschwert, aber das zieht natürlich auch einen Zuwachs an Spannung nach sich. Mit viel Liebe zum Detail wird der Alltag der Menschen zur damaligen Zeit sehr anschaulich beschrieben. Die im Roman enthaltenen Liebesgeschichten drängen nur sehr selten in den Vordergrund, obwohl sie doch die Handlung in einem gewissen Maße prägen. Sie sind lebens- und gefühlsnah beschrieben, sind aber weder kitschig noch romantisch verklärt, was dem historischen Hintergrund der Handlung auch nicht angemessen wäre. Das Buch ist flüssig und ohne größere Längen geschrieben, es zieht den Leser von Beginn an in den Bann und lässt sich sehr gut lesen.

Liebhaber von Romanen, bei denen geschichtsrelevante Ereignisse nicht nur bloße Kulisse sind, sondern die Handlung leiten und die noch dazu sehr genau recherchiert und gut beschrieben sind, werden an „Die Konfektmacherin“ viel Freude haben.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Kirsten Schützhofer, 1972 geboren, war in der Erwachsenenbildung tätig, bevor sie 1999 in Leipzig den Studiengang Bibliothekswesen begann. Sie verbrachte längere Zeit am Goethe Institut in Bordeaux sowie in Bibliotheken in Colmar und in den Archives de Paris. Heute arbeitet sie als Bibliothekarin. „Die Konfektmacherin“ ist ihr vierter Roman im Diana-Verlag.

Homepage von Kirsten Schützhofer

PS: Wer jetzt Lust auf Süßes verspürt, kann sie die Leckerei aus Montelimar hier anschauen. Gucken macht auch nicht dick. ;-)

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