Karthauses Bücherwelt …

19. November 2011

Marcel Reich-Ranicki – Mein Leben

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Mein Leben
Marcel Reich-Ranicki
Gebundene Ausgabe: 568 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt DVA
ISBN-13: 978-3421051493

Die Literatur ist mein Lebensgefühl. Das lassen, glaube ich, alle meine Ansichten und Urteile über Schriftsteller und Bücher erkennen, vielleicht auch die abwegigen und verfehlten. Letztlich ist es ja die Liebe zur Literatur, die mitunter sogar ungeheuerliche Leidenschaft, die es dem Kritiker ermöglicht, seinen Beruf auszuüben, seines Amtes zu walten. Und bisweilen mag es diese Liebe sein, die anderen die Person des Kritikers erträglich und in Ausnahmefällen sogar sympathisch macht. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Ohne Liebe zur Literatur gibt es keine Kritik.“ (S. 437 Marcel Reich-Ranicki in „Mein Leben“)

Marcel Reich-Ranicki erzählt in seiner Autobiografie gelebte Geschichte. Sie ist spannend wie ein Roman und doch weiß man, das sind die existenten Erlebnisse eines Mannes. Als Jude in Polen geboren, kam er als 9jähriger Junge ins „Land der Kultur“ nach Berlin. Schon in jungen Jahren lernte er die Literatur und das Theater lieben. Aber nur wenige Jahre später erlebte er ein ganz anderes Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lebte er nun in einem Land, in dem Juden zunächst schikaniert, dann verfolgt, deportiert und vergast wurden. Auch seine geliebten Bücher sah er brennen. Er selbst wurde nach Warschau ausgewiesen. Dem Warschauer Ghetto, in dem er mit seiner Frau Tosia unter unmenschlichen Bedingungen ums Überleben kämpft, entkamen beide nur mit viel Glück den deutschen Exekutionskommandos und fanden Unterschlupf bei einem polnischen Ehepaar. Nach dem Ende des Krieges blieben die Reichs zunächst in Polen, unter anderem war er für den Geheimdienst tätig, aber nie verlor er die Literatur aus den Augen. Bis er dann die sich ihm bietende Gelegenheit nutzte und mit Frau und Sohn nach Deutschland zurückkehrte. Beeindruckend ist besonders seine Art, sein Leben zu schildern, in einfachen Worten, unmissverständlich, schnörkellos, ohne Bitterkeit, selbstkritisch und – wie ich finde – sehr berührend und trotzdem unterhaltend. Die Jahre, in denen er ständig um sein und das Leben seiner Lieben bangen musste, beschreibt er mit großer Distanz, dafür sehr detailliert. Wie ein roter Faden zieht sich die Literatur durch sein Leben und letztlich gelang es ihm, auch ohne akademische Ausbildung, seinen Kindheitstraum, Literaturkritiker zu werden, verwirklichen. Er machte sich schnell einen Namen, wurde und wird von den Autoren eher gefürchtet als geliebt. Durch seine Literatursendung „Das literarische Quartett“ wurde er auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt, seine Verrisse sind teilweise legendär. Neben den historischen Ereignissen, die Reich-Ranicki in seiner Autobiografie so prägnant beschreibt, gibt er gleichzeitig auch einen Abriss über die deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, den ich in dieser Form bisher nirgendwo fand. Habe ich MRR als Kritiker schon immer geschätzt, habe ich jetzt auch den Menschen Marcel Reich-Ranicki im Blick und sehe ihn ein wenig mit anderen Augen. Er lebt zurückgezogen, Freundschaften scheinen immer nur Nähe auf Zeit zu sein. Er ein polarisiert, hat eine eigene Meinung und vertritt diese vehement, auch wenn er andere damit gelegentlich brüskiert.

„Mein Leben“ ist wohl eine der bemerkenswertesten Biografien, die ich bisher las. Dieses Buch bekommt meine unbedingte Leseempfehlung. Marcel Reich-Ranicki hat als einer der letzten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts viel zu berichten. Deshalb bedaure ich die Lücke, die sich seit der Veröffentlichung seiner Autobiografie bildet.

9. September 2011

Danijela Albrecht – Balkan bittersüß

Balkan bittersüß
Abenteuer Alltag in Bosnien-Herzegowina
Taschenbuch mit Bildteil, 200 S.
ISBN: 978-3-940855-11-4
Preis: 14,50 EUR

Danijela Albrecht nimmt den Leser in ihrem Buch mit auf die Reise nach Bosnien-Herzegowina. Aber was ist das für ein Buch, das sie ihren Lesern präsentiert? Eine Biografie, ein Reisebericht? Von jedem ein wenig trifft es wohl am ehesten. Wohin der Ausflug geht, ist klar. Denkt man an das Land, fällt einem sicher zuerst der brutale Krieg ein, der in den 1990er Jahren dort tobte und der auch an Danijela Albrechts Familie nicht spurlos vorüberging. Episodenhaft erzählt die Autorin von Erlebnissen mit ihrer Familie, die zum Teil in der ganzen Welt verstreut lebt, zu Familientreffen aber immer wieder zusammen findet und für die schon das simple Passieren der Landesgrenze zur Grenzerfahrung wird. Da ist Großvater Milan, der von einer Wiedervereinigung der Familie nach seinen Tod träumt. Der Leser lernt neben vielen anderen Begebenheiten das Big Biznes kennen und wird Zeuge einer traditionellen Hochzeit. Bei dieser steht nicht das Essen im Mittelpunkt, sondern das Trinken, der wilde Tanz der Männer, das würdevolle Tanzen der Frauen und die Unterhaltung. Aber für Danijela Albrecht scheint ihre Baka, die Großmutter, die fest in ihrem traditionellen Leben verankert ist und die das moderne Leben der Familienmitglieder nicht wirklich versteht und erst recht nicht gut heißt, die wichtigste Person in Drežnica zu sein. Das wird in der liebevollen Art, wie sie über ihre Baka berichtet, überdeutlich.
Es sind aber nicht nur die Familienangehörigen, die das Buch mit Leben füllen. Unterhaltsam und äußerst informativ erzählt Danijela Albrecht von einem kulturell und religiös zerrissenen Land, diese Kluft ist Bestandteil des täglichen Lebens und für jeden deutlich spürbar. Sie beleuchtet die Schwierigkeiten im bosnisch-kroatisch-serbischen Zusammenleben bis hin zu der Frage, warum für Amerikaner immer andere Regeln und Gesetze gelten als für den Rest der Welt.
An der warmherzigen Erzählweise der Autorin wird deutlich, wie tief sie noch in Bosnien-Herzegowina verwurzelt ist und wie sehr sie dieses Land liebt. Aber sie scheut auch nicht die kritischen Töne, die sie auf eine sehr charmante Art anschlägt. Davon lässt sie auch ihre Familie nicht gänzlich unverschont.
Diese literarische Reise mit Danijela Albrecht in das Land ihrer Familie fand ich sehr unterhaltsam und nicht minder informativ. Der gefällige Schreibstil der Autorin macht das Buch sehr leicht zu lesen und vermittelt schon nach wenigen Seiten das Gefühl zu dieser Familie zu gehören und alte Bekannte zu treffen, die auf der letzten Seite vom Leser wie gute Freunde verabschiedet werden. Auch schwierige Themen im Zusammenleben der Kulturen und Religionen spart sie nicht aus, erzählt aber immer mit einem Augenzwinkern und viel Verständnis für alle Seiten. Ich kann das vom Dryas Verlag veröffentlichte Buch, das mir von Blog dein Buch als Rezensionsexemplar – vielen Dank dafür – zur Verfügung gestellt wurde, guten Gewissen weiterempfehlen. Ich bewerte „Balkan bittersüß“ mit 4 von 5 Sternen und bestellt werden  kann es direkt beim Verlag.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Danijela Albrecht, geboren 1976, studierte Anglistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Universität Heidelberg und an der University of Connecticut (USA). Sie ist verheiratet, lebt in Mannheim und arbeitet an der Popakademie Baden-Württemberg. Ihre Familie mütterlicherseits stammt aus Bosnien-Herzegowina, so dass die Autorin seit ihrer frühen Kindheit immer wieder kürzere und längere Zeiträume in Bosnien-Herzegowina verbrachte.

13. August 2011

Lisa Moos – Das erste Mal und immer wieder

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Das erste Mal und immer wieder
Lisa Moos
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
ISBN-13: 978-3896029591

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)
In diesem Buch erzählt Lisa Moos intim, offen und detailliert über ihre Erfahrungen als Prostituierte: Leidenschaft, Hemmungslosigkeit, Schattenseiten und sexuelle Obsessionen – und warum sie die Hoffnung auf “die große Liebe” niemals aufgegeben hat. “In meinem Leben habe ich circa sechstausendmal sexuelle Handlungen jeder Art mit Männern vorgenommen. Fünfmal wurde mir Gewalt angetan, davon zweimal in meiner eigenen Familie.” Bereits in ihrer Kindheit muss Lisa Moos die Vergewaltigung durch den Großvater und die Schläge des Stiefvaters erleiden. Die Erfahrungen von Gewalt, Sex und männlicher Dominanz bestimmen schon früh ihr Leben.
Mit 16 wird Lisa schwanger und braucht Geld für eine Abtreibung. Ohne Schulabschluss und Berufsausbildung bieten sich ihr kaum Perspektiven. In einem Bordell in ihrer Heimatstadt empfängt sie ihren ersten Freier. Viele weitere folgen.
Mit 26 Jahren hat Lisa schon alle Höhen und Tiefen des Hurenlebens kennengelernt: Sie hat sich auf dem Straßenstrich angeboten, in schäbigen Bordellen “angeschafft”, aber auch als Edelhure in Luxus-Etablissements gearbeitet. Sie berichtet, wie sie ihren Körper für fünfzig Mark in Hinterhöfen verkauft, von Sexorgien mit reichen Geschäftsmännern, Sado-Maso-Partys und von den Obsessionen und besonderen Wünschen ihrer Stammkunden und Freier.
Die Trennung von Beruf und Privatleben fällt Lisa nicht leicht, ihre zwei Ehen scheitern, um das Sorgerecht für ihre beiden Söhne muss sie immer wieder kämpfen. Nur der kleine Christopher bleibt ihr. Mit ihm möchte sie ein neues Leben im Süden beginnen. Doch auch hier holt ihre Vergangenheit sie ein …

Meine Meinung

Schonungslos offen und detailliert berichtet Lisa Moos über ihre Vergangenheit als Prostituierte und wenn ich offen und detailliert schreibe, meine ich das genau so. Nicht alle Episoden ihres Lebens sind leicht verdaulich und somit nicht unbedingt sensiblen Gemütern zuzumuten. Die Sprache ist oft derb und direkt. Sie umschreibt nicht und nennt die Dinge beim Namen.
Besonders bewegt haben mich die ganz persönlichen Dinge, z.B. die nicht unbeschwerte Kindheit, die Freigabe ihres zweiten Sohnes zu Adoption und immer wieder ihre Rückkehr zur Prostitution. Letzteres konnte ich nicht nur nicht verstehen, es machte mich fassungslos. Aber Lisa Moor hat für sich diesen Weg gewählt, es steht mir nicht zu über ihr Leben zu urteilen. Ein Urteil bilde ich mir nur zu ihrem Buch und dieses ist durchaus lesenwert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Lisa Moos wurde in Göttingen geboren. Sie arbeitete mehr als zwanzig Jahre als Prostituierte. Seit zehn Jahren lebt sie mit ihrem Sohn auf Mallorca, wo sie auch ihr Buch geschrieben hat.

28. Juni 2011

Eve Haas – Das Geheimnis des Notizbuchs

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Das Geheimnis des Notizbuchs
Eve Haas
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453601703

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Vier Frauen, ein Notizbuch und ein unglaubliches Familiengeheimnis

Deutschland 1934: Eve ist neun, als sie mit ihren Eltern von Berlin nach London emigriert. Sie glaubt, aus einer jüdischen Familie zu stammen. Als Eve – Jahre später – beschließt, ihrer Herkunft auf den Grund zu gehen, entdeckt sie jedoch eine ganz andere Geschichte: Ihr Ururgroßvater war Prinz August von Preußen, der seine Tochter zum Schutz vor Neidern als Kind seines jüdischen Schneiders ausgab. Diese Entscheidung, die Eves Urgroßmutter 1843 das Leben rettete, wird ihrer Großmutter – ein Jahrhundert später – zum Verhängnis…

 Meine Meinung

Eve Haas erfuhr von der Existenz des geheimen Notizbuches bereits in jungen Jahren. Gleichzeitig wurde ihr das Versprechen abgenommen, dieses Geheimnis auch weiterhin zu bewahren. Zum Glück für die Leser, aber auch für die Historiker, begann sie doch viele Jahre später mit Nachforschungen, die sie bis in die für die Öffentlichkeit verschlossenen DDR-Archive führte. Das Ergebnis ihrer jahrelangen und unermüdlichen Ahnenforschung glich aber einer kleinen historischen Sensation. Das Leben des August von Preußen, Eve Haas’ Ururgroßvater, erschien in einem ganz neuen Licht, waren seine Ehe mit Emilie und die gemeinsame Tochter Charlotte weitgehend unbekannt. Als Leser begleitete man Eve Haas von dem Zeitpunkt, an dem sie von dem Notizbuch erfuhr, bis hin zu dem Tag, der ihr auch die letzte dunkle Stelle der Familienbiografie erhellte. So setzte man gemeinsam mit der Autorin ein Puzzle zusammen, dass spannend wie ein guter Krimi war. Veröffentlicht hat die Autorin ihr Buch erst im Alter von 85 Jahren, es ist ihr Lebenswerk. Da Eve Haas ihr Buch in der Ich-Form schrieb, fühlt man sich als Leser besonders angesprochen und in die Forschung involviert. So bekamen besonders ihre Nachforschungen im DDR-Archiv den gewissen Kick. Auch wenn mich da ein wenig das Gefühl beschlich, dieser Abschnitt ihrer Suche, sei besonders düster geschildert worden. Aber bei ihrer Vergangenheit empfindet man den Aufenthalt in einem totalitären System mit Sicherheit auch besonders bedrohlich. Mit ihrem Buch bringt Eve Haas dem Leser nicht nur ihre eigene bewegte Familiengeschichte nahe. Sie bereitet damit gleichzeitig ein Stück bisher unbekannter preußischer Geschichte auf, die höchst interessant ist und auch angesehene Historiker beeindruckt hat.
“Das Geheimnis des Notizbuchs” ist eine wahre Familiengeschichte, die ich sehr gern und mit viel Begeisterung gelesen habe. Die angenehme Sprache und die gut aufbereiteten historischen Fakten machten das Buch zu einem Leseerlebnis.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Eve Haas wurde 1924 in Breslau geboren. 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, emigrierte sie mit ihrer Familie nach England. Schon früh begann sie, zu schreiben und als freie Autorin für Zeitschriften zu arbeiten. Sie war über 42 Jahre verheiratet und hat drei Söhne. Eve Haas lebt in Hampstead bei London.

8. Mai 2011

Renate Welsh – Dieda oder Das fremde Kind

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Österreich im 2. Weltkrieg. Sie war noch ein kleines Mädchen als die Mutter starb. Der Vater heiratete wieder und zu der Frau sollte sie Mutti sagen. Das umging sie ständig. Die Erinnerungen an ihre Mutti waren zu tief und sie fühlte sich schuldig an ihrem Tod. Als dann der Krieg näher kam und Bomben auch auf Wien fielen, musste die Kleine mit ihrer Stiefmutter den Vater, die geliebten Großeltern und Wien verlassen. Sie gingen in ein Dorf in den Bergen zur Familie der Frau und eigentlich hätte es sehr idyllisch sein können. Aber die Familie begegnete dem Mädchen mit Kälte und Ablehnung. Als sie ein Gespräch der Erwachsenen mitbekam, in dem sie „Die da“ genannt wurde, besteht sie energisch darauf, weiterhin Dieda genannt zu werden.

Geschichten, die eine schwierige Kindheit thematisieren, gibt es viele und doch ist diese besonders. Renate Welsh erzählt in dem sehr persönlichen Buch von ihren eigenen Kindheitserlebnissen, von Heimweh und der ungestillten Sehnsucht eines Kindes nach Menschen, die es lieben, vom Leben einer Außenseiterin. Das ist besonders bedrückend, wenn man bedenkt, das Mädchen war zu Beginn der Handlung erst fünf Jahre alt. So berichtet sie von einer Familie in der das Wort das Großvaters galt, Widerspruch wurde nicht geduldet, dafür gab es drakonische Strafen. So hatten alle Angst vor dem alten Mann, der den Führer verherrlichte und auf die „deutschen Werte“ pochte. Kinder hatten nichts zu sagen, sondern zu gehorchen. Schnell wurde er für mich dadurch zum Unsympath und ich musste mir ständig die Zeit und ihre Umstände ins Gedächtnis rufen, um die sich vor ihm duckenden Frauen zu verstehen. Die Schikanen, die die Kleine erdulden musste, reichten von Liebes- und Essensentzug hin zur Züchtigung. Briefe des geliebten Vaters wurden vorenthalten, der Kontakt zu den Großeltern unterbunden. Immer wieder wurde das Augenmerk auf das damalige Alltagsgeschehen gelenkt und Episoden daraus anschaulich für den Leser dargestellt. Renate Welsh bedient sich dabei einer sehr klaren, aber doch einfühlsamen Sprache mit der sie die Geschichte aus der Sicht der 5jährigen mit all ihrer kindlichen Naivität erzählt, die den Roman, trotz der geschilderten Bösartigkeiten dem Kind gegenüber, so liebenswert macht. Dieser Roman ist ein Jugendbuch, aber auch die Junggebliebenen finden darin eine gut lesbare und interessante Lektüre.

Ich erliege ja zur Zeit immer öfter dem Charme der Schreibweise österreichischer Schriftsteller, zu der Köhlmeier-Geiger-Haslinger-Riege gesellt sich jetzt noch Renate Welsh. Alle können sie sehr gut die Gefühle und Denkweisen ihrer Charaktere vermitteln und sich in die sie für den Leser mit Leben erfüllen. Deshalb freut es mich umso mehr wieder eine neue Autorin für mich entdeckt zu haben.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Renate Welsh, geboren 1937 in Wien, studierte Englisch, Spanisch und Staatswissenschaften und schreibt seit 1970 sowohl Kinder- und Jugendbücher als auch Bücher für Erwachsene. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Sie lebt in Wien.

Taschenbuch: 192 Seiten * Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag * ISBN-13: 978-3423252539

29. April 2011

Arno Geiger – Der alte König in seinem Exil

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Der alte König in seinem Exil
Arno Geiger
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446236349

Für uns alle ist die Welt verwirrend, und wenn man es nüchtern betrachtet, besteht der Unterschied zwischen einem Gesunden und einem Kranken vor allem im Ausmaß der Fähigkeit, das Verwirrende an der Oberfläche zu kaschieren. Darunter tobt das Chaos.” (Arno Geiger „Der alte König in seinem Exil“, Seite 57)

Arno Geigers Vater ist an Alzheimer erkrankt und seit einem Jahr im Pflegeheim. Nach und nach verliert der 1926 geborene August Geiger seine Erinnerung. Lange bemerkte die Familie nichts von dem schleichenden Ausbruch der Krankheit, erste Anzeichen wurden als Schusseligkeit bewertet und mit Ermahnungen wie „Reiß’ dich zusammen!“ abgetan. Das Verhältnis von Arno Geiger zu seinem Vater war nicht immer unproblematisch, aber nun im Angesicht der fortschreitenden Krankheit baut er Brücken zu ihm und es erwächst ein ganz neues Verhältnis zwischen Vater und Sohn. So zeigt auch dieses Buch, im Leben hat alles zwei Seiten.

Es ist ungemein schmerzhaft, mitzuerleben, wie ein Vater ins Vergessen sinkt und auch seine Kinder nicht mehr erkennt. Für Arno Geiger ist dies Anlass, offen über die Krankheit, aber auch über seine Familie zu schreiben. Er nutzt die Gelegenheit, das Leben seines Vaters aufzuarbeiten, erzählt aus dessen Leben, von den Höhen und Tiefen der väterlichen Krankengeschichte, sehr warmherzig von schweren, aber notwendigen Entscheidungen, die die Familie treffen musste und von dem schlechtem Gewissen der Angehörigen dem Kranken gegenüber. Durch diese Auseinandersetzung mit der Krankheit, dem Vater und letztlich mit sich selbst, kommen sich Vater und Sohn wieder näher, sie lernen einander auf eine andere, freundschaftliche Weise neu kennen. Geiger erzählt viele Geschichten und Anekdoten, anhand derer sich der Leser ein eigenes Bild vom Menschen August Geiger machen kann. Er ist nicht ohne Fehler, aber er ist wohl das, was man einen guten Menschen nennt. Obwohl der Leser deutlich spürt, die Krankheit hat den Vater voll im Griff, wirkt dieses Buch nie mitleidhaschend oder gar weinerlich geschrieben, sondern eher unterhaltend und erstaunlich leicht. „Der alte König in seinem Exil“ habe ich trotz der ernsten Thematik von Beginn an genossen. Besonders beeindruckt bin ich wieder von Geigers Einfühlungsvermögen und der Art wie es ihm gelingt, mit Worten Emotionen zu transportieren. Das Buch verströmte für mich von der ersten Seite an eine große Ruhe und Wärme und obwohl er das Schicksal des Vaters der Öffentlichkeit preisgab, hat er ihm seine Würde belassen und ihn nie bloß gestellt.

Über den Autor (Quelle: buecher.de)

Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, Vorarlberg, wuchs in Wolfurt/Österreich auf. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Seit 1993 lebt er als freier Schriftsteller. 1986 bis 2002 war er im Sommer auch als Videotechniker bei den Bregenzer Festspielen tätig. 1996 und 2004 nahm Arno Geiger am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. 2008 wurde Arno Geiger mit dem “Johann-Peter-Hebel-Preis” geehrt.

29. Dezember 2010

Günter de Bruyn – Preußens Luise

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Preußens Luise
Günter de Bruyn
Gebundene Ausgabe: 142 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886807185

Auf unsere Gemüter können Mythen nur so lange wirken, wie sie als Wahrheiten gelten; wenn wir wissen warum sie entstanden sind und welchem Zwecken sie dienten, sind wir ihrer Macht schon entflogen.“ (S.128, Preußens Luise, Günter de Bruyn)

Die am 10. März 1776 geborene Luise war die 7. von insgesamt 11 preußischen Königinnen. Sie war eine in Hannover geborene Mecklenburgische Prinzessin, die ihre Jugend in Darmstadt verbrachte. So war sie also auch persönlich mit vielen außerpreußischen Ländern verflochten. Gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike heiratete sie in der Weihnachtszeit des Jahres 1793 in die Königliche Familie ein. De Bruyn weist in seinem Buch ausdrücklich auf ihre Natürlichkeit hin, sie gehorchte ihren Gefühlen, widersetzte sich dem Hofzeremoniell und verhielt sich auch gelegentlich unschicklich. Die Ehe mit dem Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. galt als mustergültig. Schon in jungen Jahren war sie für den Hofbildhauer Schadow ein beliebtes Modell, Friedrich von Hardenberg und Jean Paul priesen in ihren Werken ihre Schönheit und Güte. Viele Dichter haben schon zu ihren Lebzeiten unzählige Verse ihr zu Ehren gedichtet. De Bruyn beleuchtet aber auch die tragische Seite ihres Lebens. Nach Napoleons Sieg bei Jena flüchtete sie gemeinsam mit ihren Kindern nach Ostpreußen. Nach ihrer Flucht wurde immer weniger ihre Schönheit und mehr ihre Leidensfähigkeit thematisiert. Im Alter von nur 34 Jahren starb sie. Luisenstätten existierten bereits zu Lebzeiten der Königin, aber nach ihrem Tod wurden diese zu Pilgerstätten. Auch die Dichter, wie u.a. Achim von Arnim, fertigten Schriften zu ihrem Leben. Friedrich Wilhelm III. machte das Andenken an Luise zur Staatsangelegenheit, die Stiftung des Eisernen Kreuzes wurde nachträglich auf den Geburtstag der Königin gelegt. Die Erneuerung der Stiftung durch Friedrich I., erfolge an ihrem Todestag. Die Kaiserzeit war die Hochzeit der Luisenverehrung, aber auch die Zeit, in der ihre Person besonders differenziert betrachtet wurde. Die immer volkstümlichere Verehrung glitt immer mehr ins sagenhafte und pseudosakrale ab, dem stand die um historische Wahrheit bemühte wissenschaftliche Betrachtungsweise gegenüber. Zu Zeiten des 3. Reiches geriet Luise beim Volk langsam in Vergessenheit. Zu Propagandazwecken wurde sie kaum benutzt und auch ihr Kinderreichtum fand keine Beachtung. Nach dem 2. Weltkrieg, kamen kaum noch Besucher nach Paretz, wo Luise die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte. Die Gebäude wurden in den letzten Kriegstagen geplündert, blieben aber von den Abrissbirnen der DDR verschont. Das Schlösschen wurde erst zur Bauernhochschule, dann beherbergte es das Institut für Landwirtschaft, später war es Sitz des VEB Tierzucht. Luise war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland kaum im Bewusstsein der Bevölkerung vorhanden, sie war eine historische Figur, wie viele andere auch.

Wer an dieses Buch mit dem gleichen Anspruch wie an eine Biografie herangeht, wird sicher enttäuscht sein. Günter de Bruyn betrachtet die Lebensetappen von Preußens Luise nur in dem Maße, wie sie zur Mythenbildung beitrugen. Mit zahlreichen Bildern und Zitaten aus Zeitdokumenten unterstreicht der Autor sein umfangreiches Studium der historischen Quellen. Er schreibt einfach und auch für den Geschichtslaien leicht verständlich, erläutert die politischen Situationen und die höfischen Gepflogenheiten. Allerdings hätte ich gern noch ein wenig ausführlicher zu der Entstehung der Luisenverehrung gelesen. Vollkommen schlüssig empfand ich hingegen das Vergehen des Luisen-Mythos’. “Preußens Luise“ ist mit seinen 142 Seiten ein Buch, das schnell gelesen ist. Es gibt die wichtigsten Lebensstationen der preußischen Königin wieder und ist ein guter Einstieg, will man sich dieser Thematik intensiver widmen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Günter de Bruyn, 1926 in Berlin geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in einem märkischen Dorf. Seine beiden autobiografischen Bücher “Zwischenbilanz” und “Vierzig Jahre” machten Furore. “Preußens Luise” wurde 2002 mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnet. Zu Günter de Bruyns zahlreichen Auszeichnungen zählen der Heinrich-Mann-Preis, der Thomas- Mann-Preis, der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste, der Jean-Paul-Preis und, 2002 verliehen, der Deutsche Nationalpreis.

13. Dezember 2010

Hans-Joachim Noack/Wolfram Bickerich – Helmut Kohl. Die Biographie

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Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Vollblutpolitiker, Machtmensch, Einheitskanzler: die große Biographie zum 80. Geburtstag Kaum ein Politiker der jüngsten deutschen Geschichte hat so polarisiert – und kaum einer wurde so unterschätzt wie Helmut Kohl. Die langjährigen «Spiegel»-Politikchefs Hans-Joachim Noack und Wolfram Bickerich, die Kohls Karriere seit vierzig Jahren zum Teil aus nächster Nähe verfolgt haben, zeichnen das Porträt dieses Ausnahmepolitikers, der wie kein Zweiter das Land geprägt hat. Ein glänzend geschriebenes Lebenspanorama – und zugleich eine packende Zeitreise durch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

Meine Meinung:

Von Hans-Joachim Noack las ich vor 2 Jahren die gelungene Biographie des Altkanzlers Helmut Schmidt. Um so mehr war ich erfreut jetzt die Helmut Kohls vor mir zu haben, prägte er doch über Jahrzehnte die Politik der Bundesrepublik Deutschland. Empfand ich die Schmidt-Biographie als sehr freundschaftlich und wohlwollend, so war diese das krasse Gegenteil. Äußerst kritisch, ja fast schon aggressiv scharf gingen die Autoren mit dem Altkanzler ins Gericht. Überaus deutlich bemerkte man, dass sowohl menschlich als auch politisch Welten zwischen den Autoren und Helmut Kohl liegen. Ich finde das sehr schade, obwohl ich kein besonderer Anhänger von Helmut Kohl bin. Aber von einer Biographie erwarte ich, dass sie doch mit größtmöglicher Neutralität geschrieben wird und nicht zum Parkett für persönliche oder parteipolitische Fehden wird. Darüber konnten mich auch die knapp bemessenen Stellen nicht hinweg trösten, in denen auch Leistungen des Altkanzlers gewürdigt wurden.

Über den Autor

Hans-Joachim Noack, geboren 1940, war seit 1968 Reporter der «Süddeutschen Zeitung» und der «Frankfurter Rundschau ». Von 1983 bis 2005 arbeitete er für den «Spiegel», zuletzt als Leiter des Politikressorts. Für seine journalistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. 2008 erschien die Biographie «Helmut Schmidt», die zum Bestseller wurde.

Wolfram Bickerich, geboren 1942, Studium der Politik und Germanistik, war seit 1968 Journalist bei der dpa, von 1974 an beim «Spiegel», davon lange Jahre als Ressortleiter Politik. 1999 erschien «Die D-Mark. Eine Biographie».

13. Juni 2010

Johanna Adorján – Eine exklusive Liebe

Eine exklusive Liebe
Johanna Adorján
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN-13: 978-3630872919

Vera und István haben als ungarische Juden den Holocaust überlebt. Infolge des ungarischen Aufstandes im Jahre 1956 flohen sie nach Dänemark. Dort zogen sie gemeinsam ihre Kinder groß und als István dann 1991 schwer erkrankte planten sie den gemeinsamen Tod. Als am 13. Oktober 1991 der Tag dann gekommen war, brachte Vera den Hund zu Freunden, denen sie von einer Reise erzählte, räumte die Wohnung auf und kümmerte sich ein letztes Mal um die Rosen. Tage später fand man die beiden, die miteinander alt wurden und sich so liebten, dass der Tod sie nicht scheiden konnte, Hand in Hand in ihrem Bett.

„Davon sprechen wir nicht.“ Damit verdrängten Vera und István ihre Erlebnisse aus den Zeiten des Holocaust und der Zeit als Kommunisten im Ungarn der Nachkriegszeit. „Davon sprechen wir nicht.“, beschloss auch die Familie der beiden nach ihrem Tod. Aber 16 Jahre danach brach Johanna Adorján ihr Schweigen und setzte sich mit dem gemeinsamen Sterben ihrer Großeltern auseinander. Minutiös rekonstruierte die Autorin den letzten Tag ihrer Großeltern und versuchte weiße Flecken in deren Leben durch die Befragung von noch lebenden Bekannten und Freunden Veras und Istváns mit Wissen zu färben. So entstand die Geschichte der Liebe eines außergewöhnlichen Paares, dass sich aus großem Respekt voreinander ein Leben lang siezte. Eine Liebe, die so außergewöhnlich, so exklusiv war, dass sich darin nur Platz für die Eheleute fand.

Am Anfang hatte ich ein paar Bedenken, da die Schilderungen der Zeitzeugen doch zum Teil sehr oberflächlich waren, dass nicht wirklich klar wird, warum beide den gemeinsamen Tod wählten. Schließlich war Vera an die 10 Jahre jünger als ihr Mann, immer noch eine schöne Frau und für ihr Alter recht gesund. Die Vielzahl der Befragungen schuf jedoch ein wirklich rundes und nachvollziehbares Bild des Ehepaares. Vieles, was erst schwer verständlich erschien, wurde nach und nach greifbar. Manches blieb für immer verloren.

In verschiedenen, abwechselnden Erzählperspektiven berichtet die Autorin ohne zu moralisieren oder zu werten, sie hinterfragt und analysiert die ihr vorliegenden Fakten und rekonstruiert so den letzten Tag im Leben ihrer Großeltern. Sie klärt damit aber auch ihre eigenen Identitätsfragen und sucht nach ihren Wurzel.

Die Sprache von Johanna Adorján ist von angenehmer Leichtigkeit, nüchtern und trotz der Thematik oft mit leisem Humor gespickt.

Beim Lesen bekam ich häufig eine Gänsehaut, so berührte mich das Buch. Ich war beeindruckt von der Tiefe der Gefühle und der Eindringlichkeit der Sprache. Trotz einiger offen gebliebener Fragen, weil ja über vieles nicht gesprochen wurde, ist mir dieses ruhige Buch ans Herz gewachsen.

Mein Fazit: „Eine exklusive Liebe“ ist das außergewöhnliche Liebesgeschichte eines faszinierenden Paares, das einander so nah war, dass sie im Tod nicht getrennt sein wollten.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Johanna Adorján, 1971 in Stockholm geboren, studierte in München Theater- und Opernregie. Seit 1995 arbeitet sie als Journalistin, seit 2001 in der Feuilleton-Redaktion der »FAS«. »Eine exklusive Liebe« ist ihr erstes Buch.

12. Dezember 2009

Oliver Hilmes – Cosimas Kinder

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 20:34
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Cosimas Kinder
Oliver Hilmes
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886808991

Nachdem ich „Die Herrin des Hügels“ mit Begeisterung gelesen habe, griff ich sofort zu der logischen Fortsetzung dieses Buches und wandte mich somit den Nachkommen der Cosima Wagner zu. Der Stil des Vorgängerbuches wird hier konsequent fortgesetzt. Aufbauend auf den Erkenntnissen zu Cosima stellt der Autor nun nacheinander deren Kinder vor. In der Familie Wagner geht es um Geld, die Wahrung des äußeren Scheins, Traditionen, Erwartungen und Intrigen. Oliver Hilmes beschreibt und erläutert die Handlungsweisen der Personen und charakterisiert sie sehr genau. Dabei empfand ich seine wertungsfreie und nicht moralisierende Schreibweise als sehr angenehm. Interpretationen überlässt Hilmes seinen Lesern. Er liefert dafür lediglich die Grundlage, die auf historischen Quellen, die z. beruht. Auch in diesem Buch wird sehr gekonnt auf das Zeitgeschehen eingegangen Die Familie Wagner wird im Spiegel ihrer Zeit betrachtet.

Als ich „Cosimas Kinder“ zu lesen begann – unmittelbar nach „Die Herrin des Hügels“ – überlegte ich schon, ob ich mir ein bisschen viel Wagner auf einmal vorgenommen hatte. Meine Zweifel waren unberechtigt, in diesem Buch entwickelte sich der Wagner-Clan weiter. Es wurde weiterhin „gedient und nicht geliebt“, es gab weiterhin Familienzwist, sowie diverse Anekdoten und Begebenheiten. Ich habe auch in diesem Buch eine lehrreiche Lektüre gefunden, die sehr unterhaltsam war und stellenweise Machenschaften aufdeckte, die einer Seifenoper würdig wären.

Den Anhängern des Wagner-Clans, den Lesern von Biografien und historisch Interessierten kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Es ist auch ohne weiteres ohne Kenntnis des Vorgängerbuches zu lesen, da der Autor die Hintergründe von Entwicklungen aus den Vorgängerbuch aufgreift und sehr gut erläutert.

9. Dezember 2009

Oliver Hilmes – Die Herrin des Hügels

Die Herrin des Hügels
Oliver Hilmes
Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886808366

Nachdem ich im vergangenen Jahr „Witwe im Wahn“ von Oliver Hilmes gelesen hatte, stand für mich fest, weitere Bücher des Autors unbedingt lesen zu wollen. „Die Herrin des Hügels“ ist die Biografie der von 1837 bis 1930 lebenden Cosima Wagener (geb. Liszt). Es gibt bereits eine Reihe von Lebensbildern dieser doch sehr widersprüchlichen Persönlichkeit. Oliver Hilmes bediente sich in seinem Buch aber den neuen bisher nicht zugänglichen Quellen des Wagner-Clans. Eindrucksvoll und anschaulich berichtet Hilmes über die schwierige Kindheit, ständig wechselten für die uneheliche Tocher von Franz Liszt und der Gräfin Marie d’Agoult die Bezugspersonen, war es erst die Mutter, dann die Großmutter so wurde später eine Gouvernante und ein Pariser Institut mit der Erziehung beauftragt. Der berühmte Franz Liszt, kam seiner Vaterrolle kaum nach. Bereits 1853 lernte sie den Komponisten Richard Wagner kennen, heiratete aber 1857 den besten Schüler Liszt’s, Hans von Bülow. Als ihre Ehe 1870 geschieden wurde lebte sie bereits mit Richard Wagner zusammen, den sie nur wenige Wochen nach der Scheidung heiratete. Cosima Wagner war aber nicht nur die Ehefrau des Komponisten, sie war seine Privatsekretärin, seine Assistentin, seine Vertraute in allen Dingen, seine Muse. So wurde in enger Zusammenarbeit die Idee von Wagner-Festspielen in Bayreuth umgesetzt. Nach Wagners Tod im Jahre 1883 übernahm sie die Festspielleitung und führte das Festspielhaus mit Hartnäckigkeit, Führungsstärke und festem Willen durch schwierige Zeiten erfolgreich bis ins Jahr 1906. Sie sah es als persönliche Berufung an, Richard Wagner ein Denkmal zu setzen und seine Arbeit zu würdigen, indem sie die Bayreuther Festspiele zu einer festen Einrichtung werden lässt.

Oliver Hilmes ist es mit dieser Biografie gelungen, wertungsfrei ein vollständiges Bild der Cosima Wagner zu zeichnen. Überzeugend hat er ihre Widersprüchlichkeit herausgearbeitet, ihre Mission als Wagners Erbin, ihre antisemitischen Ansichten und auch die Beziehung zu Adolf Hitler, den sie 1923 erstmals traf und von dieseem Zeitpunkt an protegierte, dargestellt. So kann sich der Leser ein umfassendes Charakterbild dieser beeindruckenden Frau, so zwiespältig sie auch war, machen.

Die Biografie ist flüssig und leicht zu lesen, auch die eingefügten Ausschnitte aus Originaldokumenten störten den Lesefluss nicht im Geringsten. Mich hat diese überaus gelungene Biografie veranlasst, auch andere Quellen nachzuschlagen und mich der Musik Richard Wagners nach jahrelanger Abstinenz wieder zuzuwenden.

Mit „Die Herrin des Hügels“ ist für mich das Wagner-Thema noch nicht beendet. Mein nächstes Buch ist „Cosimas Kinder. Triumph und Tragödie der Wagner-Dynastie“ vom gleichen Autor. „Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth“ von Brigitte Hamann wird in Kürze folgen.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Oliver Hilmes (* 1971 in Viersen) ist ein deutscher Historiker, Publizist und Autor von Biografien.  Oliver Hilmes studierte Geschichte, Politik und Psychologie an den Universitäten Marburg, Paris und Potsdam. Er promovierte über politische Musikgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker.
Bekannt wurde er durch seine Biografien über Alma Mahler-Werfel und Cosima Wagner, die es auch in die Spiegel-Bestsellerliste schafften.
Die Zeitschrift Die Welt bezeichnete ihn als das “Wunderkind unter den deutschen Biografen”.

4. Oktober 2009

Michaela Vieser – Tee mit Buddha

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 17:39
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Tee mit Buddha Michaela Vieser Gebundene Ausgabe: 304 Seiten Verlag: Pendo  ISBN-13: 978-3866122109
Tee mit Buddha
Michaela Vieser
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Pendo
ISBN-13: 978-3866122109

Michaela Vieser studiert in London Japanologie. Den Studenten wird ein Auslandssemester angeraten, aber Michaela Vierser will weit mehr. Ihr Traum ist es, in ein Zen-Kloster zu gehen. Trotz längerer Recherche sieht sie dafür aber keine Möglichkeit. Kurz davor, ihren Traum zu begraben, macht ein japanischer Mönch, der an der Universität Buddhismus lehrt und von von ihrem Ansinnen erfuhr, ihr das Angebot, ein Jahr in seinem Mutterkloster zu verbringen. Das ist zwar kein Zen-Kloster, sondern gehörte zur Jodo-Shinshu-Strömung und liegt im Süden des Landes. Im Kloster leben ca. 100 Bewohner, Mönche, Familien, japanische Angestellte, Studenten. Das Kloster ist ein Spiegelbild der Gesellschaft im Kleinen. Michaela hat 3 Jahre lang die Sprache studiert und macht sich nun als erste Westeuropäerin auf, ihr Jahr im japanischen Kloster in Angriff zu nehmen.

Lange bevor ich dieses Buch las, war ich mir nicht sicher, ob es etwas für mich ist, oder eher nicht. Und um ehrlich zu sein, ich weiß es nach der Lektüre noch immer nicht.

Die Autorin erzählt von ihrem Leben in der für sie völlig fremden Welt, auch von der Ernüchterung, die sie in der ersten Zeit überkam. Ihre Erwartungen waren durchaus anders als die Realität. Als Leser ließ sie mich am Alltagsleben in diesem Kloster teilhaben, am Tagesablauf, an der Bedeutung der Gebete, an Ritualen, an Grundlegendem und Profanen.  Sie machte mich unter anderem mit der Teezeremonie, Ikebana, Kendo und der Kalligrafie vertraut. Mit viel Witz erzählt sie die verschiedensten Anekdoten und beschreibt die Fettnäpfchen, die sich ihr in den Weg stellten und in die sie trat. Dabei berichtet sie nicht in der zeitlichen Abfolge, sie erzählt, in dem sie in jedem Kapitel des Buches eine Person und die gemeinsamen Erlebnisse vorstellt. So erfuhr ich zwar vieles über Japan und die japanische Denk- und Lebensweise, aber trotzdem sprang der Funke zum Buch nicht über. Mir blieb vieles fremd, auch die Autorin selbst, vor allem weil die Emotionen für mich nicht immer nachvollziehbar waren und mir die gedankliche Tiefe fehlte. Der Sprachstil ist sehr einfach gehalten. Auch hatte ich gehofft, ein paar tiefgründigere Informationen über den Buddhismus zu bekommen. So bleibe ich ein wenig enttäuscht zurück und frage mich nun, ob ich einfach zu viel erwartet habe, oder ob das Buch nicht mehr hergab.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michaela Vieser, geb. 1972, hat während und nach ihrem Japanologiestudium in Japan gelebt. Sie hat u. a. ein Jahr mit buddhistischen Mönchen verbracht, die Kunst der japanischen Bergasketen erforscht und das Drehbuch zu einem preisgekrönten Dokumentarfilm geschrieben. Zurück in Deutschland, arbeitete sie für Scholz & Friends an der Kampagne »Deutschland – Land der Ideen« mit. Vieser übersetzt außerdem japanische Drehbücher, schreibt u. a. für Geo, Financial Times,Vanity Fair, NZZ und arbeitet als Trendscout. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Berlin.

14. Juli 2009

Sigrid Damm – Das Leben des Friedrich Schiller

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 19:45
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Das Leben des Friedrich Schiller

Sigrid Damm

Gebundene Ausgabe: 489 Seiten

Verlag: Insel, Frankfurt

ISBN-13: 978-3458172208

“Meine beste Freude ist meine Thätigkeit, sie macht mich glücklich in mir selbst und unabhängig nach aussen…“ (Friedrich Schiller S. 441)

Sigrid Damm stellt Schillers Werk in den Mittelpunkt ihres Buches. Es ist somit keine Biographie im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Betrachtung zu Schillers Arbeitsalltag, der Entstehung seiner Werke, der dazu gehörigen Umstände und Rahmenbedingen – eine Wanderung durch sein Lebenswerk. Als Grundlage für dieses Buch sind Schillers Briefwechsel und andere Zeitdokumente zu sehen, die Sigrid Damm in einer wie bekannt akribischen Recherche in Archiven, Museen und Bibliotheken analysierte. So belegt sie sehr viele Dinge mit Auszügen aus Originalen, sind diese jedoch für sie nicht greifbar, beispielsweise die, von denen bekannt ist, dass sie bewusst vernichtet wurden, zieht sie ihre eigenen Schlussfolgerungen, an einigen wenigen Stellen verliert sie sich auch in kleine Spekulationen. So erlebt der Leser Friedrich Schiller immer als Schaffenden, teilweise auch als einen vom Schaffen Besessenen. Aber neben dem Dichter tritt sich nach und nach der Mensch Schiller in den Vordergrund. Seine Erwartungen und Enttäuschungen, sein Schwanken zwischen Hochstimmung und Depression, die immer währenden Geldsorgen, seine angeschlagene Gesundheit, seine Bissigkeit gegenüber Zeitgenossen und sein Werben um die Freundschaft Goethes bringt die Autorin dem Leser nahe. Nach dem Zustandekommen der Dichterfreundschaft legt sie ihr Augenmerk auf das sich gegenseitige Beflügeln und Austauschen der beiden Großen, die ein enges Miteinander verbindet, aber auch ein gewisses Konkurrenzdenken trennt.

Mir hat dieses Buch gut gefallen. Der Mensch Friedrich Schiller, von dem mir beschämend wenig bekannt war, offenbarte sich mir. Manche meiner Fragen beantwortete die Autorin nur ganz knapp und auch erst am Ende des Buches, beispielsweise die nach der Vaterrolle Schillers. Was ich ihr allerdings ein wenig ankreide ist die nicht vorurteilsfreie Herangehensweise an die Person Friedrich Schiller. Das drückt sich oft nur einfachen Formulierungen z. B. bezüglich seiner Krankheiten aus, an anderen Stellen in Wertungen. Ich gebe zu, dass ich dass sogar nachvollziehen kann. Mein Herz schlägt auch eher für Goethe, denn für Schiller. Dennoch empfand ich es als ein wenig störend.

Mein Fazit: Nach „Christiane und Goethe“ war dies das zweite Buch, welches ich von Sigrid Damm las. Trotz der Ausrichtung des Buches auf das Werk Schillers, kam ich dem Menschen Friedrich Schiller deutlich näher. Ich habe „Das Leben des Friedrich Schiller“ gern gelesen und freue mich auf die Bücher der Autorin, die noch in meinem Regal stehen.

Über den Autor (Quelle Wikipedia)

Sigrid Damm (* 7. Dezember 1940 in Gotha) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin.

Sigrid Damm wuchs in Gotha auf, wo sie 1959 ihr Abitur machte. Von 1959 bis 1965 studierte sie Germanistik und Geschichte an der Universität Jena. Anschließend war sie als Hochschuldozentin in Jena und Berlin tätig. 1970 promovierte sie zum Doktor der Philosophie. Daneben wirkte sie als Autorin an einer im Verlag Volk und Wissen erschienenen “Geschichte der deutschen Literatur” mit. Seit 1978 lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin. 1993 war sie Gastdozentin an den Universitäten in Edinburgh und Glasgow, 1994 an der Universität Hamburg.

Sigrid Damm ist in erster Linie Verfasserin von Werken über Personen aus dem Umkreis der Weimarer Klassik. Insbesondere mit ihren in einer Mischung aus Biographie und Fiktion geschriebenen Büchern über Goethes Jugendfreund Jakob Michael Reinhold Lenz und Goethes Ehefrau Christiane von Goethe erzielte sie große Publikumserfolge.

Sigrid Damm ist Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

20. Februar 2009

Sophie van der Stap – Heute bin ich blond

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 13:15
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Sophie ist jung und lebenslustig, Anfang 20, sie will das Leben genießen, Zukunftspläne schmieden, aber dann kommt die schreckliche Diagnose: Krebs. Zu gut weiß sie was sie erwartet, ihre Mutter hat gerade erst den Kampf gegen den Brustkrebs gewonnen. Viele ordnen dieses Buch sicher in die Reihe der Betroffenheitsliteratur ein. Aber betroffen war ich beim Lesen erst in zweiter Linie. Sicher las ich die Geschichte der todkranken Sophie, vordringlich war jedoch die Geschichte einer jungen, starken Frau, die für sich Wege gefunden hat, mit ihrer Krankheit umzugehen. Als ihr während der Chemotherapie die Haare ausfallen, kauft sie sich eine Perücke, dann noch eine und letzten Endes hat sie neun Stück. Jede hat einen Namen, mit jeder fühlt sie sich anders und jede gibt gibt ihr ein anderes Stück Lebensgefühl.

Dieses Buch brachte ich mir aus der Bibliothek mit und eigentlich waren es die Fotos von Sophie van der Stap mit ihren verschieden Perücken, die mich neugierig machten. Als ich es dann las war ich erstaunt, denn die Geschichte von einer krebskranken jungen Frau versprach schwere Kost zu werden. Aber in dem Buch entdeckte ich eine unerwartete Leichtigkeit. Die Autorin erzählt, auch mit einer gewissen Selbstironie, von schweren Stunden und von Lichtblicken. Diese leichte, unbeschwerte Schreibweise mildert die Erschütterung, die dieses Schicksal bei mir hervorrief deutlich. War es deswegen schlechter? Nein. Das Buch ist in Tagebuchform verfasst. Dadurch empfand ich das Buch nicht so flüssig zu lesen.

Mein Fazit: „Heute bin ich blond“ ist die wahre Geschichte der Autorin Sophie van der Stap. Ein schweres Thema, dass durch den jugendlichen Erzählstil auch unterhaltsam war.

Über den Autor (www.amazon.de)

Sophie van der Stap, geboren am 11. Juni 1983 in Amsterdam, studierte Politologie, als bei ihr Anfang 2005 Krebs diagnostiziert wurde. Die Autorin lebt in Amsterdam und arbeitet neben dem Studium als freie Journalistin für Cosmopolitan und NL20.

Broschiert: 240 Seiten * Verlag: Droemer/Knaur * ISBN-13: 978-3426274439

11. Februar 2009

Anonyma – Eine Frau in Berlin

Einsortiert unter: 2009,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 15:52
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“Es ist das einzigartige Zeugnis eines Opfers von Gewalt, das seine Souveränität bewahrt und sich seiner historischen Situation bewusst ist. Es bietet Geschichte aus erster Hand, verdeutlicht nachdrücklich die Traumatisierung einer ganzen Gesellschaft: in seiner Menschlichkeit und Reife ein erschütterndes Dokument von Grausamkeit und Schamgefühl, Überlebenswillen und Selbstbehauptung, in dem die deutsche Wirklichkeit des Dritten Reichs in einem neuen Licht gebrochen scheint.” Literaturen

Meine Meinung

Eine Frau in Berlin“ sind die über etwa 2 Monate geführten persönlichen Tagebücher der Autorin. Als sie diese schrieb, war sie von dem Gedanken einer späteren Veröffentlichung weit entfernt. Sie tat es für sich, um Vergewaltigungen und Übergriffe russischer Soldaten bestmöglich zu verarbeiten. So entstand ein Zeitdokument, das seinesgleichen sucht. Kaum vorstellbar waren die erlebten Grausamkeiten, bewundernswert der Überlebenswille der Autorin, die sich mit dieser schrecklichen Situation arrangieren musste und konnte. Es wird ein Kapitel der letzten Kriegs- und ersten Friedenstage angesprochen, dass nicht oft den Zugang zur Literatur findet, viel zu oft wird es einfach totgeschwiegen. Aus diesem Grund ist das Buch der anonymen Autorin äußerst bemerkenswert.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren recht hoch und wurden – abgesehen von der brisanten Problematik – enttäuscht. An den Schreibstil konnte ich von der ersten bis zur letzten Seite nicht gewöhnen. Wenn ich bedenke, dass die Autorin über ihr eigenes Erleben schrieb, fehlten mir jegliche Emotionen. Ich vermisste Gefühle wie Wut, Abscheu und Ekel. Die Gräueltaten wurden ausführlich, aber nüchterner als die Ankündigung eines Tiefdruckgebietes im Wetterbericht geschildert. Ich mag keine Bücher, in denen sich Autoren einem Seelenstriptease unterziehen, aber diese verstandesmäßige Erörterung war mein Ding nicht. Häufig führt das bewusste Aussparen von Gefühlen zu einer gewissen Eindringlichkeit, aber auch das empfand ich in diesem Buch nicht so. Gut herausgearbeitet wurde hingegen der Zusammenhalt der Hausbewohner in der schwierigen Zeit und der Zerfall dieser Gemeinschaft, sobald sich die Bedingungen ein wenig besserten.

Mein Fazit: „Eine Frau in Berlin“ ist ein Buch über eine historisch bedeutsame Zeit. Anonyma schildert in ihm ein Einzelschicksal, das für tausende andere Frauenschicksale steht. Ich habe von schrecklichen Dingen gelesen, hatte jedoch dabei immer den Eindruck, diese würden von einer Unbeteiligten erzählt.

Über den Autor (www.amazon.de)

Es war der Wunsch der Autorin, dass ihr Name ungenannt bleibt. Nur deshalb erlaubte sie, dass nach ihrem Tod die Tagebücher wieder veröffentlicht werden durften. Denn schon als ihre Notizen in den späten 50er Jahren erst in den USA und dann in Deutschland erschienen, sah sich die Autorin unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt. Seit dem Erscheinen in der “Anderen Bibliothek” gibt es in der Presse einige Spekulationen über die Identität der Autorin – und über die Authentizität des Textes. Walter Kempowski sprach sich in einem Gutachten für die Echtheit der Tagebücher aus; wir respektieren auch weiterhin den Wunsch der Verstorbenen, ungenannt zu bleiben.

Gebundene Ausgabe: 300 Seiten * Verlag: Eichborn * ISBN-13: 978-3821847375

19. November 2008

Irving Stone – Michelangelo

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 18:39
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Auf 700 kleingedruckten Seiten wird das Leben eines der wohl größten Genies der Menschheit, Michelangelo, abgehandelt. Der Leser lernt Michelangelo in einem Alter von 13 Jahren kennen und erfährt von den Kämpfen, die er besonders mit seinem Vater ausfechten musste, ehe er seinen Weg gehen konnte und die besondere Förderung von Lorenzo di Medici bis zu dessen Tod. Man begleitet ihn bei seiner Ausbildung, seinem Schaffen und in seinem Alltag. Auf die einzelnen Stationen seines Lebens möchte ich hier nicht im Einzelnen eingehen. Das Besondere dieses Buches war für mich, dass der Leser Michelangelo förmlich beim Entstehen seiner Werke über die Schulter schauen konnte und so viele Details seines künstlerischen Schaffen erfuhr. Aber auch der Mensch Michelangelo stand im Fokus des Autors. Da dieser stets den Bezug zum historischen Geschehen suchte, ist diese Romanbiografie sowohl eine Würdigung des Künstlers, seines Lebens, seines Werkes und eine beeindruckende Beschreibung seiner Arbeitstechniken als auch ein überaus gelungenes Zeit- und Sittenbild der italienischen Renaissance. Besonders gut hat mir gefallen, wie Irving Stone es schaffte, die Leidenschaft des Künstlers in Worte zu fassen.

Mir hat das Buch inhaltlich sehr gut gefallen. Für mich kam es einer Zeitreise gleich. Zwar war Michelangelo für mich auch vor der Lektüre selbstverständlich kein Unbekannter, aber diese Biografie rundete das Wissen zur Person und zu der Zeit, in der er lebte, ab. Parallel zu diesem Buch betrachtete ich seine Werke in einem Buch über sein Gesamtwerk. Das ergänzte das Gelesene auf hervorragende Weise.

Irving Stone schrieb seinen Roman in einem leicht zu lesenden, flüssigen Stil. Sicher sind bei der Beschreibung von Arbeitsabläufen Wiederholungen unumgänglich, aber besonders in der zweiten Hälfte des Buches hätte ich das gern weniger ausführlich gehabt. Das ist der einzige Kritikpunkt, den ich dem Autor anlasten möchten. Anders beim Verlag: das Buch umfasst gute 700 Seiten, die so klein bedruckt waren, dass ich das Lesen nach spätestens 30 Seiten als Zumutung empfand. Darüber hinaus ärgerten mich die unzähligen orthographischen Fehler, die mir auch einiges an Lesefreude nahmen.

Mein Fazit: „Michelangelo“ von Irving Stone ist ein beeindruckender Roman über das Leben und Schaffen des berühmten Michelangelo Buonarroti. Die detailreich, gut recherchierte und stimmungsvolle Romanbiografie ist nicht nur für Kunstliebhaber eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Allerdings sollte der Leser sich vielleicht nach einer anderen Ausgabe, als ich sie besitze, umsehen.

Gebundene Ausgabe: 700 Seiten
Verlag: Herbig
ISBN-13: 978-3776606942

26. September 2008

Kluun – Mitten ins Gesicht

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 14:54

Stijn und Carmen sind jung und erfolgreich und leben in den Niederlanden. Sie lieben sich, ihre kleine Tochter und das Leben und führen eigentlich eine glückliche Ehe. Aber Stijn geht fremd, wann immer sich ihm eine Gelegenheit dazu bietet. Er kann nicht anders. Doch Carmen ist seine große Liebe. Eines Tages schlägt das Schicksal hart und erbarmungslos zu, sozusagen mitten ins Gesicht. Carmen erkrankt an einer äußerst aggressiven Form von Brustkrebs. Der Behandlungsmarathon beginnt, Chemotherapien, Bestrahlungen, Brustamputation. Dazwischen erlebt der Leser immer wieder ein Stück Normalität, so gut wie es der Gesundheitszustand Carmens gerade zulässt. Stijn tut alles für seine Frau, stößt aber auch an seine Grenzen und ist von der Situation überfordert. Er hat eine „Scheißangst“ und flüchtet sich in immer neue Affären. Als auch die Ärzte Carmen dann nicht mehr helfen können, bleibt nur noch ein Ausweg: Sterbehilfe.

Seit ein paar Monaten stand dieses Buch, das als Geschenk zu mir kam, unbeachtet im Regal. Ein Lesetipp weckte dann mein Interesse und so musste ich feststellen, dass Kluun ein ganz anderes Buch geschrieben hat, als ich erwartete. Offen und ehrlich geht Stijn mit seinen Schwächen um. Er versucht zur ergründen und zu begründen, warum er das Fremdgehen braucht. Er hinterfragt seine Beziehung zu Carmen. War ich anfangs noch der Meinung dieser notorische Fremdgänger sei so ziemlich das Letzte, was frau als Ehemann braucht, so wandelte sich dieses Bild zu meinem eigenen Erstaunen im Laufe der Zeit grundlegend.

Die einfache, deutliche und realitätsnahe Schilderung der Krankheit in allen Phasen hat mich betroffen gemacht. Die Kraft von Carmen und Stijn hat mich beeindruckt. Dieses Buch hat eine Vielzahl von Emotionen in mir geweckt, die Palette reicht von tiefer Trauer bis hin zum entspannten Schmunzeln. Dieses Buch ist etwas Besonderes.

Besonders ist auch die Aufmachung des Buches. Neu in die Handlung eingreifende Personen werden in kleinen Kästchen vorgestellt, ebenso die besuchten Lokalitäten. Jedes Kapitel wird durch ein Zitat aus einem Musikstück bekannter Künstler eingeleitet.

Mein Fazit: „Mitten ins Gesicht“ ist ein besonderes Buch im Genre der Erfahrungsberichte. Es ist nicht darauf angelegt, die Tränendrüsen des Lesers zu beanspruchen. Es schildert in Nahaufnahme wie der Krebs unbarmherzig und schonungslos das Leben und Lieben der Familie grundlegend verändert. Besonders das Ende hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Fortsetzung dieses Buchs „Ohne sie“ werde ich mit Sicherheit auch lesen.

Broschiert: 368 Seiten * Verlag: Fischer (TB) * ISBN-13: 978-3596169115

23. September 2008

Hans-Joachim Noack – Helmut Schmidt. Die Biografie

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 17:51

Der bevorstehende 90. Geburtstag von Helmut Schmidt, Bundeskanzler a. D., am 23. Dezember 2008 ist für den Politikjournalisten Hans-Joachim Noack Anlass, über das bewegte Leben des Staatsmannes zu berichten. Bereits seit Jahren sind beide eng vertraut und für diese Biografie öffnete Helmut Schmidt sein Privatarchiv.

 

Hans-Joachim Noack berichtet kurz über die Kindheit und die Jugendjahre Helmut Schmidts. Sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit sind bereits in jungen Jahren deutlich erkennbar. Sehr früh lernt Helmut Schmidt Hannelore (Loki) Glaser kennen, beide hat schon in Kindertagen eine enge Freundschaft verbunden. Nach dem Abitur leistet er seinen Wehrdienst ab, kurz vor Beendigung dessen beginnt der Zweite Weltkrieg, den der junge Mann zwar voller Ehrgeiz , aber mit wenig nationalsozialistischer Überzeugung mitmacht. Später sagt er über diese Zeit, er sei zwar kein Held aber eben auch kein Schwein gewesen. 1942 heiratet er Hannelore. Zum Ende des Krieges entkommt er wegen kritischer Äußerungen nur knapp und mit Hilfe seiner direkten Vorgesetzen einer Verurteilung. Das Ende des Krieges erlebt er in britischer Kriegsgefangenschaft. Dort lernt er Hans Bohnenkamp kennen, der ihm bezüglich des Nationalsozialismus die letzten Illusionen nimmt und ihn politisch prägt. So wird er 1945 Mitglied der SPD.

 

Nach seiner Entlassung studiert Helmut Schmidt Volkswirtschaftslehre und arbeitet nach erfolgreichem Abschluss in verschiedenen Positionen im Hamburger Senat. 1962, als Schmidt, inzwischen Innensenator der Hansestadt, während der Sturmflut die Rettungsmaßnahmen organisiert, legt er den Grundstein für seinen Ruf als Krisenmanager. Innerhalb der Partei macht er, immer noch brennend vor Ehrgeiz, schnell Karriere. Schon als junger Politiker ist er ein Meister der Selbstinszenierung und ein hervorragender Rhetoriker. Bewusst bricht er manch innerparteilichen Konflikt vom Zaun. Er ist in seinem „Verein“ – wie er die SPD nennt – ein unbequemes Mitglied, einer, der immer etwas arrogant und belehrend wirkt. Das Verhältnis zu Willy Brandt war stets problembehaftet, zeitweise sogar zerrüttet. Zahlreiche Beispiele führt der Autor an, um zu belegen, dass Pragmatismus für Helmut Schmidt immer wichtiger als politische Linientreue ist. Trotz politischer Disharmonien wird er im Mai 1974 zum 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Die Ämter, die er zuvor innehatte, Bundesverteidigungsminister, Bundeswirtschaftsminister und Bundesfinanzminister, befähigen ihn dazu wie keinen anderen. Besondere Herausforderungen während seiner Kanzlerschaft sind der Antiterrorkampf gegen die „Rote Armee Fraktion“, die Verbesserung des internationalen Ansehens Deutschlands, die Abrüstungsbemühungen und der damit eng verbundene NATO-Doppelbeschluss, infolge dessen er 1982 gestürzt wird.

 

Seit 1983 ist Schmidt Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, seine umfangreichen Erfahrungen fließen in eine Vielzahl von Büchern ein und noch heute hält er weltweit Vorträge zu aktuellen politischen Problemen. Hans-Joachim Noack würdigt aber auch Schmidts große Liebe zur Kunst.

 

In seinem Buch gelingt es Noack, das Leben und das Werk des ehemaligen Regierungschefs zu würdigen und historisch einzuordnen. Diese von Sympathie geprägte, aber auch Kritik nicht aussparende Biografie ist das, was Kenner der Szene als biografisches Psychogramm bezeichnen. Zahlreiche Fotos aus dem Archiv des Altkanzlers runden dieses Werk ab.

 

Helmut Schmidt ist mir vor der Lektüre dieser Biografie natürlich kein Unbekannter gewesen. Der Mann mit der Prinz-Heinrich-Mütze, (fast) immer mit Zigarette und hanseatisch kühl hat mich schon in jungen Jahren beeindruckt, war er doch in seiner Art so anders als alle bundesdeutschen Kanzler vor ihm. Hans-Joachim Noack versucht zu erklären, warum Schmidt ist wie er ist. Dabei verzichtet er auf boulevardjournalistische Berichte, er bringt mir den Politiker und ein Stück auch den Menschen Helmut Schmidt näher, sein Privatleben bleibt weitgehend verborgen. Mir hat diese Mischung sehr gut gefallen.

 

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten * Verlag: Rowohlt Berlin Verlag GmbH * ISBN-13: 978-3871345661

 

7. August 2008

Jung Chang – Wilde Schwäne

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 18:28

 

“Mein Buch ist kein Buch über Politik. Es ist ein Buch darüber, wie Politisches sich bis aufs kleinste auf das Leben jedes Einzelnen auswirkt” (Jung Chang)

Jung Chang erzählt in ihrem Roman „Wilde Schwäne“ die Geschichte ihrer Familie im 20. Jahrhundert aus der Sicht der Frauen, welche auch einen tiefen Einblick in die chinesische Geschichte und Politik gestattet.

Yufang, Jung Changs Großmutter, wurde 1909 geboren. Sie ist die einzige, die die Kaiserzeit noch erlebt hat und die Letzte, die sich wegen des geltenden Schönheitsideals der Lotosfüße ihre gesunden Füße brechen und binden lassen musste. Das bereitete ihr lebenslange Qualen. Die soziale Stellung der Familie war nicht sonderlich gut, Yufangs Vater war aber ehrgeizig und so verkaufte er seine Tochter an den mächtigen, aber deutlich älteren General Xue als Konkubine.

Erst nach Jahren, mit dem Tod des Generals, erhielt sie ihre Freiheit und die der 1931 geborenen Tochter, Baoqin, wieder. Später lernt Yufang den Arzt Dr. Xia kennen. Gegen den Willen seiner erwachsenen Kinder heiraten sie.

Das Kaiserreich ist zerfallen und das Land von den Japanern besetzt. Diese herrschen mit äußerster Gewalt. Es folgt die „Befreiung“ durch die Kuomintang, deren führender Kopf ist Chiang Kai-shek ist. Dieser führte die Menschen in einen erbitterten Bürgerkrieg mit den Kommunisten unter der Führung von Mao Zedong.

Baoqin, Changs Mutter, ist auf der Seite der Kommunisten, sie erhofft sich von ihnen ein Ende von Gewalt und Hunger. Zunächst scheint es auch zu einer Verbesserung der Lebensumstände zu kommen, da sich die Versorgung mit Lebensmitteln deutlich verbessert. Aber langsam werden persönliche Freiheiten immer mehr eingeschränkt, die Rolle des Einzelnen und der Familie wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt, dem Staat werden alle Interessen untergeordnet. Mao ist der alleinige Führer. Einen Geheimdienst braucht er nicht. Er benutzt das Volk. Denunziationen, Anklageversammlungen und Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Auch Jung Changs Familie ist davon betroffen. Sie werden als Kapitalistenhelfer abgestempelt.

Unter diesen politischen Verhältnissen wächst die 1952 geborene Jung Chang auf. Die Eltern versuchen zwar ihr möglichstes, werden aber auch diffamiert und in Folge dessen inhaftiert. Die Familie leidet unter den Auswirkungen des „großen Sprungs nach vorn“ ebenso wie unter der Kulturrevolution und den ständigen Anklagen, Kapitalistenhelfer zu sein. Ende der 60er Jahre wird die Familie auseinander gerissen und zur Umerziehung aufs Land geschickt.

Die Verhältnisse bessern sich erst nach dem Tod von Mao. Dann erhält Jung Chang die Möglichkeit eines Universitätsstudiums. Unter immer noch widrigen Umständen studiert sie Englisch, aber es stehen vielmehr Propaganda und Politik auf dem Studienplan als die Fremdsprache selbst. Mit viel Eigeninitiative und ungeheurem Ehrgeiz schafft es Jung Chang eine der besten zu werden. Ganz langsam beginnt auch bei der chinesischen Regierung ein Umdenken. Es gibt eine vorsichtige Öffnung des Landes nach außen und Jung Chang wird die erste chinesische Studentin, die ein Stipendium für ein Studium im Ausland bekommt. 1988 verlässt sie China und setzt ihr Studium in London fort.

Wilde Schwäne“ ist ein überaus interessantes Buch. Jung Chang schildert ungeschminkt die Lebensumstände im China des 20. Jahrhunderts. In einer einfachen, sachlich nüchternen Sprache berichtet sie vom Leben ihrer Familie. Manchmal hat mich dieser Stil etwas gestört und ich hätte mir ein mehr an Emotionen gewünscht. Das mindert aber nicht die Bedeutung dieses Buches. „Wilde Schwäne“ ist ein wichtiges Buch, weil es tiefe Einblicke in eine uns doch recht verschlossene Welt gibt. Jung Changs Buch ist auch heute noch in China verboten.

 

Taschenbuch: 732 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
ISBN-13: 978-3426711484

 

1. Juli 2008

Carla van Raay – Einmal Hölle und zurück

Einsortiert unter: 2008,Biografie/Erfahrungen — Karthause @ 18:54

Als Kind wurde Carla vom Vater missbraucht. Als junge Frau ging sie ins Kloster und musste die psychischen Quälereien der Nonnen über sich ergehen lassen. Als sie auch das nach Jahren nicht mehr aushält, ist ihr einziger Ausweg die Prostitution.

 

Carla van Raay hat in diesem Buch ihr Leben niedergeschrieben. In wie weit darin Ausschmückungen enthalten sind, kann ich nicht beurteilen und Vermutungen möchte ich nicht anstellen. Eins steht fest, sie hat ein schweres Schicksal in ihrem von großen Kontrasten geprägten Leben hinter sich. Carlas Geschichte hat mich betroffen gemacht, aber nicht so berührt, wie es andere Bücher dieses Genres schon taten. Dafür hatte es einfach zu viele Längen und die Sprache zeigte deutlich, dass das Schreiben nicht der Beruf der Carla van Raay ist. Trotzdem war es interessant zu lesen, wie Carla van Raay ihren Weg fand.

 

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426778241

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