Karthauses Bücherwelt …

8. April 2012

Ian Whybrow – Erwin, König der Wüste

Einsortiert unter: 2012,Jugendbuch — Karthause @ 10:22
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Erwin, König der Wüste
Ein Erdmännchen-Abenteuer

Whybrow, Ian

Originaltitel: Meerkat Madness

Gebundene Ausgabe: 217 Seiten

Verlag: Schneiderbuch

ISBN-13: 978-3505129575

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 – 10 Jahre

Früher war Erwin der König der Wüste, ein geachteter König einer Erdmännchenkolonie. Aber seit seinem „Unfall“ mit dem Stummen Feind hat sich seine Welt verändert. Körperlich ist er nicht mehr der Alte, mit nur noch einem Auge und einigen „Kriegsverletzungen“ hat er es schwer, er taugt jetzt nur noch als Babysitter für den Nachwuchs. So erzählt er Tüftler, Mia und Träumer von seinen Abenteuern mit den Blah-Blahs, den Klick-Klicks und den O-Guck-Mals. Er prahlt, gibt mit seinen Erlebnissen an und verspinnt so manchen Meter Erdmännchenlegendengarn. Sogar die jungen Erdmännchen haben ihre Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Berichte. Aber dann kommt der Tag, an dem sie ihren dunklen Bau tief unter der Wüste verlassen dürfen…

Wer mag sie nicht, die possierlichen Erdmännchen. In den Zoos sind sie die Lieblinge von Groß und Klein. Ian Whybrow macht sie zu Helden einer wunderbaren Geschichte. Er erzählt vom Leben in einer Erdmännchenkolonie, von Freud und Leid, von Freund und Feind, vom Gewinnen und Verlieren, alles ohne jegliche Gewalt. Aber er berichtet auch, dass ein scheinbarer Verlierer am Ende etwas gewonnen haben kann. Das Buch ist kindgerecht, auch Erwins Unglück wird sehr einfühlsam vermittelt. Mit vielen Illustrationen wird der Text, der für Erstleser eine angenehme Schriftgröße hat, veranschaulicht. Die Handlung ist auf 22 Kapitel aufgeteilt, jedes ist etwa 10 Seiten lang. Eine Länge, die sich auch sehr gut für das abendliche Vorlesen eignet. Das Buch ist sehr flüssig zu lesen und lebt von seinen humorvoll geschilderten Begebenheiten. Es wird für die Altersklasse von 8 – 10 Jahren empfohlen, ich würde sie um 1 Jahr heruntersetzen. 10-jährige sind dem Buch vielleicht schon ein wenig entwachsen. Dagegen versteht auch ein 7-jähriger schon gut, worum es in der Handlung geht. Ich empfehle das Buch besonders als Vorlesebuch.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ian Whybrow, in Kent geboren, hat sich als Autor von humorvollen Erzählungen für Kinder und Jugendliche einen Namen gemacht. Heute lebt er mit seiner Frau in Middlesex und schreibt auch für den Hörfunk und das Fernsehen.

11. März 2012

Susan Beth Pfeffer – Die Welt, wie wir sie kannten

Einsortiert unter: 2012,Jugendbuch — Karthause @ 19:32
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Die Welt, wie wir sie kannten

Susan Beth Pfeffer

Originaltitel: Life as we knew it

Gebundene Ausgabe: 412 Seiten

Verlag: Carlsen Verlag GmbH

ISBN-13: 978-3551582188

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 17 Jahre

Ich will mir ab jetzt jeden Tag einen Augenblick Zeit nehmen, dankbar für alles zu sein, was ich habe.“ (S. 351).

Miranda ist 16 Jahre und lebt mit ihrer Familie, der Mutter, zwei Brüdern und einer Katze, in einer amerikanischen Kleinstadt. Ihr Leben verläuft völlig normal. Sie bewegen die üblichen Probleme eines Teenagers, sie schwärmt für einen Eiskunstläufer und ist von der Schule genervt, in der sich alles nur noch um das bevorstehende astronomische Ereignis dreht. In allen Fächern gibt es Hausaufgaben nur zu diesem einen Thema. Am 18. Mai um 21:37 Uhr ist es dann so weit. Auf den Straßen herrscht Volksfeststimmung, alle wollen dabei sein und beobachten wie ein Asteroid auf dem Mond einschlägt. Aber anders als von den Wissenschaftlern vorhergesagt, bleibt dies für die Menschheit nicht ohne Folgen. Der Mond wird aus seiner Umlaufbahn katapultiert und ist der Erde viel näher gekommen. Nicht nur, dass er nun unwirklich groß erscheint, in Folge dessen entstehen Sturmfluten ähnlich Tsunamis, es gibt mächtige Unwetter, die Erde bebt und auch längst erloschen geglaubte Vulkane brechen aus. An einen normalen Alltag ist bald nicht mehr zu denken. Die Telekommunikation bricht nach und nach zusammen. Der Strom fällt immer öfter aus und bleibt irgendwann ganz weg. Lebensmittel müssen beschafft werden. Als sich dann im August aufgrund der Vulkanausbrüche die Sonne hinter einer dichten, undurchdringlichen Staub- und Aschewolke versteckt, beginnt es zu schneien, die Temperaturen fallen rasant, deutlich unter den Gefrierpunkt. Es herrscht Chaos und es geht nur noch ums Überleben…

Susan Beth Pfeffer schildert diese Dystopie aus Sicht der 16-jährigen Miranda. Das Mädchen schreibt ein Tagebuch und dem Leser öffnen sich ihre Welt, ihre Sicht auf die Ereignisse und ihre Empfindungen. Vom 7. Mai bis zum 20. März des Folgejahres (konkrete Jahreszahlen sind nicht erwähnt) begleitet man diese amerikanische Familie und die von der Autorin gewählte Tagebuchform erzeugt eine sehr große Nähe, denn man erhält einen direkten Einblick in diesen Mikrokosmos. Sehr eindringlich schildert Susan Beth Pfeffer die sich langsam aber stetig verschlechternden Lebensbedingungen, den zunehmenden Hunger, die wachsende Verzweiflung und die kippende Stimmung. Diese gefühlte Nähe zu den Protagonisten macht deren Entscheidungen so nachvollziehbar und die Ausweglosigkeit der Situation fast körperlich spürbar. So verwundert es auch nicht, dass man in Gedanken kalkuliert, wie lange die eigenen Vorräte ausreichen würden, wie die eigenen Reaktionen ausfallen würden und wie wichtig mach selbstverständlich gewordene Kleinigkeit sein könnte. Sehr gelungen und passend zur Handlung ist das Cover des Buches, ein riesiger Mond, ein einsames Gehöft in winterlicher Landschaft unter einem bedrohlich dunklen, grauen Himmel. Auch die Gliederung des Romans in die einzelnen Jahreszeiten unterstreicht anschaulich das Geschehen. Das von der Autorin geschilderte Weltuntergangsszenario wirkt nicht künstlich und actiongeladen, es erscheint erschreckend realistisch, glaubhaft und nah. Aber auch in dem schier hoffnungslosen Überlebenskampf der Familie wird deutlich, dass es die kleinen Dinge des Lebens sind, die den Menschen die Kraft geben, den nächsten Tag anzugehen und an das Morgen zu glauben. Das wird besonders durch den einfachen, fast sachlichen Sprachstil des Romans betont.

Die Welt, wie wir sie kannten“ ist ein beindruckender, fesselnder Jugendroman, der auch den erwachsenen Leser in seinen Bann zieht und zum Nachdenken anregt.

Über den Autor

Susan Beth Pfeffer (* 1948 in New York) ist eine US-amerikanische Kinderbuch- und Science-Fiction-Autorin. Sie lebt in Middletown, New York.

Die Moon-Crash-Trilogie:

1. Die Welt, wie wir sie kannten
2. Die Verlorenen von New York
3. Das Leben, das uns bleibt (erscheint im März 2012)

4. Januar 2012

Ursula Poznanski – Saeculum

Einsortiert unter: 2011,Bücher,Jugendbuch — Karthause @ 19:10
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Bastian, Medizinstudent und der Sohn eines bekannten Chirurgen, wird von seiner Freundin zu einem im Mittelalter angesiedelten Live-Rollenspiel eingeladen. Eigentlich fühlt er sich verpflichtet, seinem Studium die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen, aber schon um sich von seinem erfolgs- und karriereorientierten Vater abzugrenzen, sagt er zu. Erst als die Gruppe schon unterwegs ist, wird der Ort für diese Convention bekannt und ein erster Schatten fällt auf das Vorhaben. Schnell macht eine alte Sage die Runde, der zu Folge auf dem Wald ein Fluch liegen soll. Im Wald angekommen, müssen sich die Teilnehmer von den Utensilien der Gegenwart trennen, erlaubt sind nur noch Gegenstände, die es auch schon im 14. Jahrhundert gab, Handy, Feuerzeug, Brillen, Medikamente – alles ist verboten. Jeder der Teilnehmer schlüpft in eine von ihm festgelegte Rolle und die entsprechende Kleidung, damit kann das Spiel beginnen, 5 Tage werden sie nun wie in der Vergangenheit leben. Aber schon bald kommt es zu mysteriösen Vorfällen, Spieler verschwinden spurlos, immer wieder finden die Verbliebenen rätselhafte Nachrichten. Der Fluch scheint sich zu bewahrheiten, langsam kippt die Stimmung im Team und mit ernster werdender Situation zeigen die Spieler ihren wahren Charakter, das Ganze läuft aus dem Ruder.

Nach „Erebos“ war ich sehr gespannt auf den neuen Roman von Ursula Poznanski. Schon das Äußere sprach mich an. Das Cover ist ganz einfach in schwarz und weiß gehalten, der Buchschnitt ist schwarz eingefärbt. Es macht zwar einen etwas düsteren Eindruck, der passt aber ausgezeichnet zur Atmosphäre des Romans, der dunkle Wald, das Wetter, die zunehmend sich verschlechternde Stimmung der Spieler. Den Einstieg in die Handlung gestaltete die Autorin ruhig, aber stetig. Sie ließ sich Zeit ihre Figuren vorzustellen und zu positionieren. Die Charaktere wurden von der Autorin sehr vielfältig gestaltet. Es gab kaum Stereotypen. Einzig Bastian war mir ein wenig zu sehr als Sympathieträger angelegt. Aber in ihrem Handeln und Denken wirkten sie glaubhaft und lebensecht. Der Spannungsbogen wurde recht konsequent aufgebaut. Allerdings wandelte sich etwa ab der Mitte des Buches die Stimmung, das Flair vom Mittelalter konnte in der Konfliktsituation von den Spielern nicht weitergetragen werden. Aber das scheint logisch, schließlich nahmen sie an einem Spiel teil, aus dem plötzlich bitterer Ernst wurde. Mir war eigentlich die ganze Lesezeit über klar, dass es für die sich ereignenden Mysterien eine logische Erklärung gab. Deshalb überkam mich auch nicht das Gruseln und der letztendlichen Lösung kam ich in Gedanken überraschend nahe. Allerdings bin ich auch den Altersempfehlungen des Verlags etwas entwachsen und darüber hinaus geübte Thrillerleserin. Trotzdem fühlte ich mich sehr gut unterhalten und von der Autorin sehr angenehm durch die Welt des Rollenspiels geleitet. Sehr eindrucksvoll beschrieb sie neben den Empfindungen ihrer Protagonisten, auch deren Umfeld, die Natur, und die örtlichen Gegebenheiten. Als Leser konnte ich mich sehr gut in die Teilnehmer der Saeculum-Convention hineinversetzen. Dieses Jugendbuch von Ursula Poznanski war sehr angenehm und unterhaltsam und spannend zu lesen, nicht nur Jugendlichen, auch ihren interessierten Eltern und Großeltern empfehle ich es gern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski, geboren in Wien, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und sich als Medizinjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie Kinderbücher zu schreiben. Mit ihrer Familie lebt sie im Süden von Wien.

24. Oktober 2011

Janne Teller – Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

Einsortiert unter: 2011,Jugendbuch — Karthause @ 11:06
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  Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

 Stell dir vor, es ist Krieg – nicht irgendwo weit weg, sondern hier in Europa. Die demokratische Politik ist gescheitert und faschistische Diktaturen haben die Macht übernommen. Wer kann, flieht in den Nahen Osten, wie der 14-jährige Protagonist aus Deutschland. In einem ägyptischen Flüchtlingslager versucht er mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Weil er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, kann er nicht zur Schule gehen, kein Arabisch lernen, keine Arbeit finden. Er fühlt sich als Außenseiter und sehnt sich nach Hause. Doch wo ist das? Nach dem Bestseller “Nichts” eine neue erschreckende Vision von Janne Teller zu hochaktuellen Themen wie Flucht, Migration und Fremdenfeindlichkeit.

 Meine Meinung

In Form eines EU-Passes präsentiert sich Janne Tellers „Krieg“. Das schafft Nähe. Noch unvermittelter wird das Ganze mit der persönlichen Aufforderung, der Leser wird direkt angesprochen, sich das für uns inzwischen, zum Glück, Unvorstellbare vorzustellen. Zerbombte Häuser, Terror, Verfolgung, Flucht, Tod, Krieg – mitten in Deutschland, eine zerbrochene Europäische Union, Frankreich und Griechenland als Feinde der Deutschen, die Asylsuche in Ägypten. Das Besondere dabei ist, dass dieses Büchlein für die deutsche Übersetzung speziell an die hier herrschenden Bedingungen und die Besonderheiten Deutschlands angepasst wurde. So entsteht eine nahezu lebensechte Fiktion, die einem eine Gänsehaut verursacht. So werden die Themen Flucht und Migration aus einem uns unbekannten Blickwinkel inszeniert. Sehr gut zu diesem Buch passen die Illustrationen von Helle Jensen. Auf nur 64 Seiten schafft es die Autorin, den Leser persönlich anzusprechen, ihn in diese Fiktion aufzunehmen und ihm die Probleme der Migranten in der fremden Kultur, mit unbekannter Sprache und die Ablehnung bei den Einheimischen vor Augen zu führen und unsere „heile Welt“ auf den Kopf zu stellen. Andererseits finde ich es ein wenig schade, dass Janne Teller sich mit diesen wenigen Seiten zufrieden gibt. Der Stoff hat Potential für so viel mehr.

„Krieg“ ist ein sehr dünnes Büchlein, berührt aber ungemein und hat ein hohes Diskussionspotential, es rüttelt auf und macht einem deutlich, wie glücklich wir uns schätzen können, in relativer Sicherheit zu leben. Ich empfehle dieses Buch jungen und erwachsenen Lesern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Janne Teller, geb. 1964, ist ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin. Sie lebt derzeit in Paris.

8. Februar 2011

Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 18:11
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Nichts
Was im Leben wichtig ist
Janne Teller
Originaltitel: Intet
Broschiert: 139 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235960
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

“Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.” Mit diesem, die Schüler der 7. Klasse einer dänischen Kleinstadt, schockierenden Satz, verlässt Pierre Anthon die Schule und sitzt von nun an auf einem Pflaumenbaum, beschimpft seine ehemaligen Schulkameraden, wirft ihnen seine Wahrheiten an den Kopf, lacht sie aus und provoziert. Sind die Schüler zunächst irritiert, steigert sich das über Beunruhigung bis hin zur Angst. Dann aber werden sie aktiv. Sie beginnen in einem alten Sägewerk die Dinge zusammenzutragen, die für sie im Leben wichtig sind. So wollen sie einen Berg von Bedeutung sammeln, um Pierre zu beweisen, dass er Unrecht hat. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle, sie eskaliert. Und am Ende des Buches steht die Erkenntnis: “Ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll.”

Auf dieses Buch wurde ich zunächst durch „Die Vorleser“ aufmerksam, kurz darauf bekam ich die Empfehlung dafür auch von anderen Seiten. Die Idee für das Buch fand ich sehr gelungen. Janne Teller ließ die Sammlung der für die Jugendlichen bedeutsamen Sachen mit eigentlich recht belanglosen Dingen beginnen, um sie dann aber konsequent so zu steigern, dass die Schüler sich gegenseitig existentiell Bedeutungsvolles abverlangten. Als das Experiment dann letzten Endes immer brutaler wurde und schließlich aus dem Ruder lief, kamen unweigerlich Assoziationen zu Morton Rhue’s „Die Welle“ auf.

Als recht unbefriedigend empfand ich die Zeichnung der Personen. Ich weiß nicht, ob sich die Autorin bewusst zurückgehalten hat, Charaktere herauszuarbeiten, um eben das Augenmerk auf den eigentlichen Kern der Geschichte zu lenken, oder ob es ihr einfach nicht gelungen ist, lebensnahe Figuren zu beschreiben. Ich hätte mir auch gewünscht, dass dieses Buch mehr als nur 139 Seiten umfasst, um mehr Raum für eine philosophisch fundierte Tiefe zu haben. Als philosophisches Werk sehe ich das Jugendbuch von Janne Teller nicht an, dafür genügt es nicht, Bedeutung als Begriff nur anzureißen. Eine gelungene Anregung zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Begriff Bedeutung liefert sie damit allemal. Schon die Widersprüchlichkeit des Titels bietet für eine ausgiebige Diskussion die Grundlage.

Aber auch sprachlich hat mich dieses Buch nicht überzeugt. Besonders die sich ständig wiederholenden Steigerungen störten mich.

Dieses Buch ist es durchaus wert, kontrovers diskutiert zu werden. Es ist für junge Leser ab 14 Jahre geeignet, es wäre aber in jedem Fall empfehlenswert, mit den Jugendlichen nach oder während der Lektüre Grundzüge und Geschehnisse des Buches gemeinsam mit Erwachsenen zu erörtern.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Janne Teller wurde 1964 geboren. Die ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin lebt derzeit in Paris.Sigrid Engeler, geboren 1950 in Wolfenbüttel, lebt heute in Kiel. Sie übersetzte aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen.

 

3. Dezember 2010

Ursula Poznanski – Erebos

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 16:59
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Erebos
Ursula Poznanski
Gebundene Ausgabe: 485 Seiten
Verlag: Loewe Verlag
ISBN-13: 978-3785569573
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 13 Jahre

“Was kann sie denn, die Realität? Hungrig machen, durstig, unzufrieden. Sie verursacht Schmerzen, sie schlägt mit Krankheit um sich, sie gehorcht lächerlichen Gesetzen. Vor allem aber ist sie endlich. Immer führt sie zum Tod. Was zählt und Kraft hat, sind andere Dinge: Ideen, Leidenschaften, sogar Wahnsinn. Alles, was sich über die Vernunft emporhebt. Ich entziehe der Realität meine Zustimmung.”

Eigenartiges geschieht an einer Londoner Schule. Schüler kommen nicht mehr zum Unterricht, sie schwänzen das Basketball Training, sind ständig müde, Freundschaften drohen zu zerbrechen. Aber keiner spricht darüber. Hängt das mit der DVD zusammen, die unter der Hand weitergereicht wird? Nick Dunmore geht in die 9. Klasse und möchte unbedingt wissen was ES ist. Als Brynne ihm die DVD unter dem Mantel der Verschwiegenheit gibt, löst sich für ihn das Rätsel und endlich weiß er, es ist ein Spiel. EREBOS. Aber es hat strenge Regeln. Es darf mit keinem darüber gesprochen werden. Es muss allein gespielt werden. Man muss seine Aufgaben erfüllen, sonst ist man raus, endgültig, unwiderruflich. Schnell gerät Nick in den Sog des Spiels, er ist förmlich süchtig danach und schlägt alle Warnungen in den Wind. Aber Spiel und Realität vermischen sich immer mehr, bis Nick eines Tages erkennen muss, Erebos ist alles andere als ein harmloses Computerspiel.

Jugendbücher sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Als mir aber von verschiedenen Seiten Erebos empfohlen wurde, ging es mir allmählich wie Nick. Ich wollte es haben, wollte wissen, was es mit dem Buch auf sich hat, warum es meine Bekannten im gestandenen Erwachsenenalter so gefesselt hat. Ich war sehr skeptisch, denn Computerspiele interessieren mich überhaupt nicht. Aber dann war das Buch endlich da, zum Glück an einem Wochenende und ich begann zu lesen. Was dann mit mir geschah, ist der Kunstfertigkeit der Autorin zuzuschreiben. Für 24 Stunden tauchte ich in die Welt von Erebos ein. Ähnlich wie es Nick mit dem Spiel erging, erging es mir mit dem Buch. Schon nach kurzer Zeit war ich im Sog der Handlung, die recht ruhig beginnt, sich aber stetig steigert und ständig zwischen Spiel und Realität wechselt, um später in eine von mir unerwartete Richtung zu gehen. Bildlich sah die Spielebenen vor mir und wie Nick süchtig von Level zu Level hastete, las ich mich von Kapitel zu Kapitel. Für einen ganzen Tag erledigte ich nur die allernotwendigsten Arbeiten und war für meine Mitmenschen sicher eine Zumutung. Von der Spannung her kann dieses Jugendbuch problemlos mit den besten Thrillern mithalten. Die Charaktere der Protagonisten sind lebendig und nicht stereotyp, das Buch liest sich ungemein flüssig. Die Autorin hat es geschafft, mich in eine für mich unbekannte Welt zu locken, in der ich neben einem Computerspiel, das scheinbar mitdenken kann, auch noch Werwölfe, Vampire, Dunkelelfen und Trolle kennen lernte. Diese phantasievoll ausgestattete Welt hat mich gleichermaßen fasziniert und schockiert. Als besonderes Bonbon gibt es nicht nur durch den Titel kleine Fingerzeige hin zur griechischen Mythologie. Alles in allem legt Ursula Poznanski mit diesem Jugendbuch eine schlüssige, ausgezeichnet facettierte und vor allem authentisch wirkende Geschichte von ungeheurer Sogkraft vor, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, trotzdem pädagogisch wirkt und sicher auch den einen oder anderen Wenig-Leser begeistern kann.

Mein Fazit: „Erebos“ ist eine fantastisch erzählte und äußerst spannende Geschichte für junge und jung gebliebene Leser. Die Altersangabe 12-13 Jahre, kann man ganz getrost mit dem Vorsatz „ab“ versehen. Es hat mich lange kein Buch mehr in einen solche Leserausch versetzt wie dieses.

 

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie ist als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihre Bücher zeichnen sich durch sprühenden Witz und Ideenreichtum aus.

9. Februar 2008

Jana Frey – Ich, die Andere

Einsortiert unter: 2008,Jugendbuch — Karthause @ 14:18


Ich, die Andere

Jana Frey

Gebundene Ausgabe 357 Seiten
Verlag: Loewe Verlag (2007)
ISBN-13: 978-3785558652

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Kelebek ist Deutsche. Und sie ist Türkin. Sie will mit ihren Freundinnen Spaß haben und gleichzeitig mit ihrer Familie den Ramadan begehen. Sie liebt die blaue Moschee in Istanbul – und sie liebt Janosch. Ihre Gefühle sind zu kostbar, als dass sie jemandem davon erzählen könnte, zu zerbrechlich. Doch Sercan, ihr Bruder, mit dem sie früher alle Geheimnisse geteilt hat, merkt sofort, dass Kelebek plötzlich anders ist. Er beginnt sie zu kontrollieren, eindringliche Fragen zu stellen. Als er endlich Gewissheit hat, ist Sercan voller Hass. Hass auf Janosch, Hass auf Kelebek – Hass, der außer Kontrolle zu geraten droht …

 

Meine Meinung

Wie die anderen Bücher von Jana Frey hat mir auch dieses sehr gut gefallen. Wieder hat sie ein aktuelles Thema, die Integration von Jugendlichen die in zwei Kulturen leben, aufgegriffen, dem es an Brisanz nicht fehlt. Mit einer schönen Sprache wird der Leser in die Welt von Kelebek geführt, sie ist Türkin und sie ist Deutsche. So ist sie mit den türkischen Traditionen eng verbunden und liebt die freiere deutsche Lebensweise. Dieser innere Zwiespalt wird dem Leser sehr gut vermittelt, ich konnte gut mit Kelebek mitfühlen. Aber auch der Gewissenskonflikt der jungen Türkin als sie sich verliebt und der Bruder Sercan nur noch mit Hass reagiert, war für mich sehr gut nachvollziehbar.

Jana Frey schrieb ihren neuen Jugendroman fernab von den gängigen Klischees und Vorurteilen. Sie zeigt deutlich positive und negative Aspekte beider Kulturen aus und erteilt auch jungen Radikalen auf beiden Seiten eine Abfuhr. Ich hatte den Eindruck ein sehr realitätsnahes Buch gelesen zu haben. Es war ein typischer Jana-Frey-Roman, interessant, informativ, spannend und unterhaltsam.

Einzig ein kleiner Recherchefehler schlich sich ein. Vor Rügen sind Wattwanderungen leider nicht möglich. ;)

 

30. Oktober 2007

John Boyne – Der Junge im gestreiften Pyjama

Einsortiert unter: 2007,Jugendbuch — Karthause @ 17:53

:) :) :) :)

Gerade habe ich dieses Buch beendet, ein Gänsehautgefühl blieb zurück und auch gedanklich kann ich mich momentan noch nicht so ganz von diesem Buch lösen.

Als erstes fiel mir der ungewöhnliche Klappentext auf, der ausnahmsweise gar nichts verrät, sondern explizit darauf hinweist, dass es für den Leser besser ist, wenn er nichts vorher weiß.

Unter dem Titel stand “Fabel”. Hmmm. Ich erwartete ja einen Roman und mit der entsprechenden Verwunderung und Neugier begann ich das Lesen. Über den Inhalt will ich hier auch nichts weiter schreiben, nur über die Wirkung. Das Buch las sich schnell und flüssig und nur ungern unterbrach ich. Schnell stellte ich auch fest, es ist wirklich eine Art Fabel.

Der Stil von John Boynes Buch ist geprägt durch Vergleiche, Auslassungen, Andeutungen und durch die große Naivität des Protagonisten. Vieles bleibt unausgesprochen, doch der Leser weiß, es ist das Grauen für das es keiner Worte bedarf. Gerade das war es, was mich in den Bann dieses Buches zog. Viele Romane über das 3. Reich habe ich bereits gelesen. Aber meistens zeichneten die sich durch detailgetreue Schilderungen von Gräueltaten und den Zuständen in Konzentrationslagern aus. “Der Junge im gestreiften Pyjama” ist wegen des bewussten “Wegblendens” nicht weniger intensiv. Denn die eigene Phantasie beginnt dann aktiv zu werden, wenn der Autor aufhört zu beschreiben. Es muss den jugendlichen Lesern der Schrecken nicht detailliert präsentiert werden. Sicher werden die Jugendlichen dazu Fragen haben, dann sollten die Eltern, Großeltern oder auch die Lehrer entscheiden, in wie weit die Jugendlichen mit Einzelheiten konfrontiert werden können. Ich persönlich würde dieses Buch einem Schüler erst als Lektüre empfehlen, wenn der Geschichtsunterricht die notwendigen Grundlagen gelegt hat. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall für Jung und Alt.

OT: The boy in the striped Pyjama
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3596852284
Gelesen: September 2007

29. Oktober 2007

Jana Frey – Sackgasse Freiheit. Aus dem Leben eines Straßenkindes

Einsortiert unter: 2007,Jugendbuch — Karthause @ 19:54

:) :) :) :)

Eigentlich war Sofia einmal eine gute Schülerin. Aber von der Muter wird sie nicht geliebt und vom Stiefvater bekommt sie häufig schon aus nichtigen Anlässen Prügel. Die Eltern lieben nur ihr gemeinsames Kind. Zuerst lassen ihre schulischen Leistungen stark nach und Sofias Versetzung ist gefährdet, dann schwänzt sie die Schule und schließlich beginnt sie zu stehlen. Die Eltern reagieren immer gleich – mit Prügel. So eskaliert die häusliche Situation immer mehr. Die Eltern werden nicht mehr Herr der Lage. Sie schalten das Jugendamt ein und die 14-Jährige kommt in ein Heim aus dem sie wiederholt flieht, bis sie eines Tages gar nicht mehr zurückkehrt. Sie wählt für sich das harte Leben auf der Straße.

Auch „Sackgasse Freiheit“ ist wie die anderen Bücher der Autorin ein sehr realitätsnahes auf einer wahren Begebenheit beruhendes Jugendbuch. Ungeschönt, mit einfachen Worten erzählt sie die Geschichte von Sofia, die sich ungeliebt fühlt und im Elternhaus seelischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt ist. Jana Frey schildert die Gefühle des Mädchens so eindringlich und nachvollziehbar, dass ich mich als stille Beobachterin fühlte, die Sofia sehr gern in den Arm genommen und geholfen hätte.

Am Ende des Buches sind Adressen von Ansprechpartnern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt, die Betroffenen Auskünfte erteilen können.

Dieses Jugendbuch hallt noch immer in mir nach. Ich möchte es den Lesern aller Generationen uneingeschränkt empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag:
Loewe Verlag; Auflage: 1 (März 2005)
ISBN-10:
3785554222
ISBN-13:
978-3785554227
Gelesen:
April 2007

Jana Frey – Höhenflug abwärts. Ein Mädchen nimmt Drogen

Einsortiert unter: 2007,Jugendbuch — Karthause @ 19:51

:) :) / :)

Marie lebt das Leben einer ganz normalen 14-Jährigen. Sie erlebt in den Sommerferien ein erstes Verliebtsein in Leon, den sie schon seit frühester Kindheit kennt und der sie in den Ferien zum ersten Mal geküsst hat. Als das neue Schuljahr beginnt kommt eine neue Schülerin in die Klasse der Beiden, Friederike. Leon verliebt sich in die Neue. Für Marie bricht eine Welt zusammen. In dieser Situation lernt sie ältere Schüler ihrer Schuler näher kennen, sie geht zu deren Parties, dort gehören Alkohol, Zigaretten, Joints, Ecstasy und LDS dazu, nur von Heroin hält sich die Clique fern.

Jana Frey beschreibt auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung von Marie. Feinfühlig schildert sie die Gefühlswelt des Mädchens. Der Leser bekommt eine sehr realistische Vorstellung von dem Loch, in das Marie gefallen ist. Der Leser erfährt aber auch von den Hochgefühlen, die Marie nach dem Drogenkonsum durchlebt. Diese werden von der Autorin so bildhaft geschildert, dass eine gewisse Neugier bei den jugendlichen Lesern geweckt werden könnte. Zu normal ist die Einnahme von Pillen, der Konsum von LSD und der Genuss von Alkohol.

Für Jugendliche würde ich dieses Buch nur bedingt empfehlen. Parallel zu der Lektüre sollten von Erwachsenen intensive Gespräche zur Drogenproblematik geführt werden. Dieses Buch klärt meines Erachtens nicht ausreichend über die Folgen der Drogeneinnahme auf. Auch diesem Buch von Jana Frey ist eine Liste nützlicher Ansprechpartner zu finden.

Ich bewerte dieses Buch mit nur 2,5 von 5 Sternen, das hat ausschließlich damit zu tun, dass die Gefährlichkeit von Drogen nicht ausreichend herausgearbeitet wurde. Sprachlich und stilistisch hat mir dieses Buch sehr gut gefallen.

 

Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag:
Loewe Verlag
ISBN-10:
3785556241
ISBN-13:
978-3785556245
Gelesen:
April 2007

Jana Frey – Rückwärts ist kein Weg. Schwanger mit 16

Einsortiert unter: 2007,Jugendbuch — Karthause @ 19:29

:) :) :) :)

Jana Frey ist ein beeindruckendes Jugendbuch gelungen. Es ist das erste, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Ungeheuer feinfühlig und empfindsam hat sie die Gefühle und Ängste der 14 Jährigen beschrieben. Auch ihr Umfeld wurde auf eindrucksvolle Weise beleuchtet. Sie thematisiert aber auch die Vorurteile und die daraus resultierende Ablehnung einiger Mitmenschen, die Lillis Entscheidung verständnislos gegenüberstehen.

 

“Rückwärts ist kein Weg. Schwanger mit 14″ ist sehr flüssig zu lesen. Die Sprache ist einfühlsam und altersgerecht. Lillis Geschichte ist aber nicht nur den jugendlichen Lesern, sondern auch deren Eltern und Großeltern ans Herz zu legen.

 

Als einzigen Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass sich bei den angeführten Jahreszahlen der Fehlerteufel eingeschlichen hat. Da dieser kleine Schönheitsfehler aber weder die Handlung oder den Lesefluss noch die Aussage beeinflusst hat, erhält dieses Buch von mir ein “sehr empfehlenswert”.

 

 

Gebundene Ausgabe: 169 Seiten
Verlag:
Loewe Verlag; Auflage: 1 (März 2005)
ISBN-10:
3785554230
ISBN-13:
978-3785554234
Gelesen:
April 2007

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