Karthauses Bücherwelt …

22. April 2013

Jeffery Deaver – Die Angebetete

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Die Angebetete

Deaver, Jeffery

Originaltitel: XO (K.Dance 3)

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764504700

Kayleigh Towne ist Vollblutmusikerin. „Your Shadow“ ist ihr aktueller Hit. Auf ihren Konzerten wird sie von den Fans gefeiert, aber einer von ihnen fühlt sich von ihren Songs ganz besonders angesprochen und meint an ihn gerichtete Botschaften in den Texten zu finden. Edwin Sharp ist besessen von Kayleigh, er stalkt sie. Die Sängerin hat aber noch ein anderes Problem, ihr Vater. Dieser war selbst Musiker, hat inzwischen seine Stimme durch zu viel Alkohol und Nikotin ruiniert und setzt nun seinen gesamten Ehrgeiz und Einfluss daran, die Tochter bestmöglich zu vermarkten. Kathryn Dance, Körpersprache-Expertin, nutzt ihren Urlaub, um für ihre Musik-Homepage neue Titel aufzunehmen und Zeit mit ihrer Freundin Kayleigh zu verbringen. Als sie von dem Stalker erfährt und zugleich noch ein Mord geschieht, beginnt sie mit den Ermittlungen…

„Die Angebetete“ ist der 3. Teil der Reihe um die Kinesiologin Kathryn Dance, die immer noch am Ordnen ihrer privaten Probleme ist. Wie in allen seinen Thrillern hat Jeffery Deaver routiniert eine spannende Handlung mit einem interessanten, aktuellen Thema verknüpft. Hier übt der Autor, der selbst Hobbymusiker ist und Songtexte schreibt, massive Kritik an der Musikindustrie. Den Spannungsbogen baut der Autor ungewohnt langsam auf. Erst im letzten Drittel des Thrillers überschlagen sich dann die Ereignisse, es gibt unverhoffte Wendungen und als mitfiebernder Leser tappt man in die vom Autor ausgelegten Denkfallen. Stellenweise wirken diese aber ein bisschen zu gewollt und konstruiert. Als kleines Schmankerl gibt es einen kurzen Auftritt von Lincoln Rhyme, der Kathryn Dance kurz seine Sichtweise auf den Fall erläutert.

„Die Angebetete“ ist ein, bis auf wenige Stellen, an denen man kleine Längen empfindet, ein flüssig zu lesender und besonders durch den Bezug auf die Musikbranche interessanter Thriller. Es ist ein guter Roman, wenn auch nicht der beste des Autors.

Das besondere Highlight jedoch ist das 40 Seiten umfassende Zusatzmaterial mit den Songtexten der Protagonistin Kayleigh Towne. In die dazugehörige Musik kann man auf der Seite www.jefferydeaverxomusic.com hineinhören und diese downloaden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

15. Februar 2013

Barry Lyga – Ich soll nicht töten

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:51
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Ich soll nicht töten

Lyga, Barry

Originaltitel: I Hunt Killers

Taschenbuch: 384 Seiten

Verlag: Blanvalet

ISBN-13: 978-3442380435

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Stell dir vor, der berüchtigtste Serienkiller der Welt wäre dein Vater …

Heimlich beobachtet der 17-jährige Jasper »Jazz« Dent ein Ermittlerteam am Schauplatz eines brutalen Mordes. Dem jungen Mann wird sofort klar, dass er in großen Schwierigkeiten steckt. Denn der Killer hat seinem Opfer mehrere Finger abgeschnitten und als Souvenir mitgenommen. Und genau das war das Markenzeichen von Jazz’ Vater. Doch der berüchtigte Serienmörder befindet sich seit Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis. Jazz weiß, dass nun alle ihn für den Täter halten müssen – bis er den wahren Schuldigen zur Strecke bringt.

Meine Meinung

Der 17-jährige Jasper „Jazz“, die Hauptfigur des Romans, musste sich von frühester Kindheit an die grauenhaften Beschreibungen der vom Vater begangenen 124 Morde anhören. Der Vater ist inzwischen zu vielfach lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt worden und verbüßt die Strafe gerade. Jasper selbst ist durch des Vaters Erzählungen zu einem Experten in puncto Serienmörder geworden. So erkennt er vor den ermittelnden Behörden, dass die neuen Morde in der kleinen Stadt einen solchen Killer zuzuschreiben sind. Der Tatverdacht fällt aber recht schnell auf Jazz, frei nach dem Motto: Wie der Vater so der Sohn. Weil er kein Gehör findet, ermittelt Jasper auf eigene Faust.

Der 17-jährige Jasper Dent ist eine interessante Figur. Seine Ängste, zu werden wie der Vater, seine Selbstzweifel, seine innere Zerrissenheit wurden gut dargestellt, trotzdem blieb er für mich ein wenig konturlos und eindimensional. Eine Entwicklung des Jungen, der selbst gern lügt und manipuliert, konnte ich nicht erkennen.

Der Sprachstil ist sehr einfach, somit ist der Thriller leicht und schnell gelesen. Aufgrund der anglizismenlastigen Sprache passt der Roman gut zum jugendlichen Alter des Protagonisten, was aber zur Folge hat, das dieser Thriller stellenweise auch wie ein Jugendbuch wirkt. Das steht jedoch im auffallenden Widerspruch zum Inhalt des Thrillers.

Im Laufe der Handlung kommt es dann zur Zusammenarbeit der Polizei mit Jazz, dieser Part erschien mir nicht glaubwürdig, ebenso wie die Szenen mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes. So muteten große Teile des Thrillers für meinen Geschmack sehr überzogen an.

Der Klappentext war vielversprechend, die hinter dem Thriller stehende Idee stimmte mich hoffnungsvoll, wirklich spannungsgeladene Lesestunden vor mir zu haben. Leider habe ich diesen Thriller von der ersten Seite an mit sehr großer Distanz gelesen, durchgehend fehlte es mir an Spannung, auch am Ende kam diese nicht bei mir auf. Vielleicht waren auch einfach meine Erwartungen wegen des Vergleichs mit „Das Schweigen der Lämmer“ zu hoch. Solche Vergleiche hinken immer, dieser war an den Haaren herbeigezogen.

„Ich soll nicht töten“ ist keineswegs ein schlechter Roman, lediglich meinem Geschmack und meinem persönlichen Anspruch an spannende Literatur hat er nicht entsprochen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Barry Lyga hat bereits mehrere in den USA gefeierte Jugendbücher geschrieben. Seit seinen Recherchen für seinen Debüt-Thriller Ich soll nicht töten weiß er beunruhigend gut über alle Methoden Bescheid, wie man eine Leiche verschwinden lässt. Der Autor lebt und arbeitet in New York City.

18. Januar 2013

Matthew Quirk – Die 500

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:12
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Die 500

Quirk, Matthew

Originaltitel: The 500

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896674722

Henry Davis weiß, Politiker sind manipulierbar, sie sind korrumpierbar. Dieses Wissen macht er sich zu Nutze. 500 der mächtigsten Männer zählen zu den Klienten seiner Beraterfirma. Sein Mittel zum Zweck ist jedoch nicht das Geld, sondern die Leichen, die ein jeder von ihnen im Keller hat. Davis sucht seine Ansatzpunkte bei G.I.E.R. – Geld, Ideologie, Ego und Repression. Er versucht alles, um jede Kleinigkeit aus dem Leben seiner Kunden in Erfahrung zu bringen, Fehler, Geheimnisse und Leidenschaften. Mike Ford wird von Davis angeworben, um die Drecksarbeit zu erledigen. Mikes Vater ist zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, den Grund dafür kennt er nicht. Er selbst hat eine kriminelle Vergangenheit, hat den Absprung aber noch geschafft und studiert jetzt in Harvard. Davis‘ Angebot kommt für ihn gerade zur rechten Zeit, denn er hat Schulden. In der Firma steigt er schnell auf und durchschaut dabei immer mehr die Geschäfte seines Bosses. Als Henry Davis erfährt, dass Mike Ford kurz davor ist, seine dunkelsten Geheimnisse herauszufinden, beginnt für Mike ein Wettlauf mit gegen die Zeit und den Tod.

Ohne große Einleitung ist der Leser mitten in der Handlung. Es werden nicht erst lang die Personen eingeführt oder deren Vergangenheit beleuchtet. Darüber erfährt man sukzessive im Verlauf der Handlung. Der Leser taucht zeitlich gesehen, kurz vor dem Ende der eigentlichen Geschichte in diesen Thriller ein und erfährt von dem in der Ich-Form erzählenden Mike Ford in einer Art Rückblick die bisherigen Geschehnisse, um dann den Abschluss sozusagen direkt zu verfolgen.

Die Idee hinter dem Buch ist sehr gelungen. Es geht um die Manipulierbarkeit von Politikern. Ein Thema, das sehr ins psychologische geht. Diesen Aspekt, ebenso wie die Feinzeichnung seiner Protagonisten ließ der Matthew Quirk jedoch weitgehend außen vor. Sein Hauptaugenmerk lag auf actionlastigen Szenen und so ließen sich seine Darsteller relativ schnell in Gut und Böse einordnen. Das Erzähltempo hielt der Autor bis auf wenige Ausnahmen hoch. Die erste Hälfte des Romans hat mir auch noch recht gut gefallen. Über die verwendeten Klischees konnte ich ganz gut hinwegsehen. Die letzten 200 Seiten empfand ich allerdings als unglaubwürdig, überzogen und absehbar. Der Protagonist mutierte zum Superhelden, den weder Verletzungen noch Schmerzen aus der Bahn werfen konnten. Dafür jagte eine Actionszene die nächste. Ich habe nichts gegen Action in Romanen oder Filmen. In diesem Fall hätte ich mir aber gewünscht, dass der Autor seinem Helden ein wenig mehr Profil verleiht und dieser blasse und reichlich naive Handlanger des Big Boss zur Persönlichkeit wird. Das Ende des Thrillers war dann in allen seinen Facetten sehr hollywooglike. Eine Verfilmung des Stoffes könnte ich mir gut vorstellen.

Mein Fazit: Wer eine Vorliebe für schnell erzählte und ebenso schnell gelesene Thriller, deren Schwerpunkt im wahrsten Sinne des Wortes im Thrill liegt, hat und wer über Schwächen in der psychologischen Zeichnung der Personen hinwegsehen kann, wird mit diesem nicht schlecht beraten sein. Leider passten das Buch und mein Lesegeschmack nicht so ganz zusammen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Matthew Quirk (31) ist in New Jersey aufgewachsen und hat in Harvard studiert. Anschließend arbeitete er jahrelang als investigativer Journalist für THE ATLANTIC. DIE 500 ist sein erster Roman. Er lebt in Washington D.C.

19. Oktober 2012

Andreas Gruber – Todesfrist

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Todesfrist

Andreas Gruber

413 Seiten

Zeilenreich

Bestellnummer: 119246700

Das 48-Stunden-Rätsel

Die 26-jährige Sabine Nemenz ist eine junge und ehrgeizige Kriminalkommissarin, deren Traum es ist, einmal als Profilerin beim BKA zu arbeiten. Privat bereitet ihr die schon länger zurückliegende Scheidung ihrer Eltern Sorgen. Dann taucht der Vater bei ihr auf und berichtet, die Mutter sei vor gut 48 Stunden entführt worden und er hätte vom Entführer eine rätselhafte Botschaft erhalten.

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.«

Aber die Zeit war bereits abgelaufen, dieser Wettlauf war für sie verloren. Als die Ermittler von dem schwierigen Verhältnis der Eltern erfahren, fällt der Verdacht auf den Vater. Als sich der Fallanalytiker des BKA, Maarten S. Sneijder, dieses Falles annimmt, wird schnell klar, diese Tat ist keine Einzeltat und der Mörder stellt auf perfide Art und Weise Szenen des „Struwelpeter“ nach.

Andreas Gruber verwendete für seinen Thriller altbekannte Zutaten. Eine junge Ermittlerin, die privat ein paar Probleme hatte und die durch die Ermordung ihrer Mutter in den Fall persönlich involviert war, wurde sie von den Ermittlungen in diesem Fall abgezogen. Zuerst ermittelte sie auf eigene Faust, dann an der Seite des BKA-Analytikers. Man sollte meinen, den Leser erwartet einen der üblichen 08/15 Thriller, aber weit gefehlt. Der Autor hat seinen Thriller äußerst intelligent konstruiert. Anleihen nahm er bei einem Kinderbuch, anhand dessen er die Taten förmlich inszenierte. Die Opfer waren in Köln, Dresden, Leipzig, München und Wien zu Hause und immer bekam eine ihm nahestehende Person eine Art Hinweis, verbunden mit einem Rätsel und einer Frist von 48 Stunden. Konsequent wurde der Spannungsbogen aufgebaut und durchgehend bis zum Ende hin gehalten, die äußerst brutalen und wohl durchdachten Morde sind dafür nur ein Mittel zum Zweck. Daneben wurde durch die dauernden Geplänkel um den etwas sonderbaren Fallanalytiker Sneijder eine gewisse Lockerheit in seine Story gebracht, die den Leser immer wieder durchatmen lassen und andererseits die Neugier auf die weiteren Ermittlungen steigerte. Neben dem Handlungsstrang um die eigentlichen Taten existierte parallel ein weiterer, der den Leser in die Praxis einer Psychotherapeutin führte. Beide Stränge werden im Laufe der Handlung geschickt miteinander verwoben.

“Todesfrist” ist sehr flüssig zu lesen, ständig verspürte ich den Drang, mehr wissen zu wollen. Die Idee des Autors, das Kinderbuch als Mordvorlage zu nehmen, fand ich ebenso unkonventionell wie originell. Nicht zuletzt trugen die Personen, die dem Alltag entschlüpft zu sein schienen, zu dem sehr gelungen Thriller bei.

Wer gern Thriller mit gut ausgetüftelten Morden liest, sich von grausamen, perfiden und blutigen Taten nicht abschrecken lässt und genügend Zeit für 400 Seiten Spannung hat – den aus der Hand konnte ich das Buch nicht legen – wird mit “Todesfrist” sehr gut beraten sein. Ich bewerte es mit 5 Sternen.

 

Mein Dank gilt Blog dein Buch und zeilenreich für das zur Verfügung stellen des Buches, welches hier bestellt werden kann.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und arbeitet halbtags für einen Pharma-Konzern. Mit seiner Familie und vier Katzen lebt er in Grillenberg in Niederösterreich. Er ist zweifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises.

13. Oktober 2012

Antti Tuomainen – Der Heiler

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:58
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Der Heiler

Tuomainen, Antti

OT: Parantaja

Broschiert: 224 Seiten

Verlag: List Hardcover

ISBN-13: 978-3471350829

Helsinki in naher Zukunft. In der Stadt herrscht Chaos. Die Menschen leiden unter den Folgen der Klimaveränderungen, die Strom- und Wasserversorgung funktioniert nicht mehr, es wird geplündert und Willkür herrscht vor, kurz – die Stadt ist im Ausnahmezustand. Die Situation verschärft sich, da ein selbsternannter Heiler, als eine Art Rächer, die aus seiner Sicht für die Situation Verantwortlichen samt ihrer Familien auf brutalste Art und Weise hinrichtet. Die Journalistin Johanna Lethinen war ihm auf der Spur. Aber seit 24 Stunden hat ihr Ehemann, Tapani, kein Lebenszeichen mehr von ihr erhalten, obwohl sie sonst bei Recherchen wenigstens per E-Mail oder SMS den Kontakt hielten. Weder die Polizei, noch Johannas Chef und auch die Freunde können oder wollen Tapani helfen. Er stößt auf eine Mauer des Schweigens und beginnt auf eigene Faust, seine Frau zu suchen. Dabei muss er erkennen, seine Frau hatte eine Vergangenheit, die ihm bislang unbekannt war.

Antti Tuomainen zeichnet in seinem Roman ein düsteres Bild der nahen Zukunft. Es herrscht eine Art Weltuntergangsstimmung, alles ist trostlos, beängstigend und hoffnungslos. Dies beschreibt er außerordentlich überzeugend und realistisch. Er erklärt die Ursachen für dieses Szenario, auch dies erscheint glaubhaft.

Der Ich-Erzähler in diesem Thriller ist Tapani Lethinen. Über ihn erfährt der Leser, dass Johanna die Liebe seines Lebens ist, beide sind seit 10 Jahren verheiratet, aber ihm wird schnell klar, Johannas Vergangenheit ist ihm unbekannt. Auch das Bild von seinen Freunden wandelt sich im Laufe seiner gut 2 Tage andauernden Suche. Tapani ist ein Lyriker, zeigt aber nur wenige Gefühlsregungen und wirkt eher unterkühlt. Das passt so gar nicht zusammen. Er versucht schließlich die Liebe seines Lebens zu retten. All das geschieht in einer relativ kurzen Zeitspanne. Der in Ermittlungssachen ungeübte Ehemann kämpft an einsamer Front gegen alle, vor allem gegen das Schweigen und kommt doch überraschend schnell zu ersten Erfolgen.

Die Sprache wirkt teilweise gehetzt und abgehackt. Manche Szenen werden staccato artig erzählt. Man sollte meinen, dass dies für den Spannungsbogen, der zu Beginn auch gut ausgeprägt war, hilfreich sei. Das empfand ich leider nicht so. Trotz der Themenvielfalt und des durchaus für einen Thriller nicht unüblichen Schreibstils empfand ich etliche Passagen als langatmig.

Die Figuren waren für meinen Geschmack sehr oberflächlich charakterisiert. Sie waren auswechselbare Stereotype.

Obwohl der Thriller mit nur 224 Seiten bei recht großer Schrift sehr schnell gelesen war, wurde ich mit ihm nicht richtig warm.

Aus der Themenvielfalt und dem Plot hätte eine großartige Story entstehen können, leider spann der Autor die durchaus vorhandenen positiven Ansätze nicht konsequent zu Ende. Für die geringe Seitenzahl waren die Themen wohl zu vielfältig und komplex oder im Umkehrschluss, der Autor hatte, für das, was er dem Leser mitteilen wollte, zu wenig Raum. 100 Seiten mehr hätten dem Thriller gut getan.

„Der Heiler“ ist ein Mischung aus Dystopie und Thriller, der schnell gelesen ist und über wirklich gute und nachdenkenswerte Ansätze verfügt, jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Antti Tuomainen wurde 1971 geboren und war früher als Werbetexter tätig. Heute arbeitet er als Autor und freier Journalist. Der Heiler wurde 2011 mit dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet, dem angesehensten Medienpreis für Kriminalliteratur. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

28. Mai 2012

Marc Raabe – Schnitt

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Gabriel Nauman arbeitet bei einem Security-Unternehmen. Am Abend des 1. September fährt er für einen Kollegen zu einem mysteriösen Einsatz. Vor Ort findet er Spuren eines Einbruchs und ein schwarzes Kleid. Er kann den Einsatz aber nicht beenden, weil er einen Notruf von seiner Freundin Liz erhält. Sie ist überfallen worden. Am genannten Ort angekommen, ist die Polizei schon mitten in den Ermittlungen, allerdings in einer Mordsache an einem jungen Mann. Die junge, schwangere Frau ist spurlos verschwunden. Schnell gerät Gabriel unter Mordverdacht und wird festgenommen. Er flieht und sucht nach einer Spur von Liz. Er wird sie aber nur retten können, wenn er sich erinnert, was vor 29 Jahren, am 13. Oktober 1979, geschah…

Bereits mit der ersten Seite entwickelte dieser Thriller einen Sog, der den stetigen Wunsch in weckte, mehr zu erfahren. Der Leser, der im Prolog erfährt, dass der 11-jährige Gabriel, als er heimlich in das sich im Keller befindende Labor des Vaters schlich, Schreckliches erlebt hat, tappt somit bis fast zum Schluss über die wirklichen Ereignisse im Dunkeln.

Sehr gut hat mir die Charakterisierung der Figuren gefallen, besonders die von Gabriel. Seine innere Zerrissenheit kam nicht zuletzt durch die häufigen Zwiegespräche mit Luke Skywalker, die Gabriel in seinen Gedanken führte, sehr gut zum Tragen.

Jedes neue Kapitel ist mit Datum und Uhrzeit versehen, so wusste ich minutiös den Ablauf der Dinge einzuordnen und hatte das Gefühl, in die Suche direkt involviert zu sein.

Dieser in einen Prolog und 58 Kapitel gegliederte Psychothriller war stilistisch sehr gut und flüssig zu lesen, er war blutig, er war brutal und er war das, was er vorgab zu sein, er war ein wirklicher Psychothriller. Dazu ist er durchgehend spannend und in einem hohen Erzähltempo gehalten. Ein wenig hadere ich mit dem Ende des Thrillers. Mir war die Auflösung ein wenig zu simpel.

Thrillerleser, die den Psychoaspekt bevorzugen und vor brutalen und blutigen Stories nicht zurückschrecken, sind mit diesem Debütroman von Marc Raabe sicher gut beraten.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer Fernsehproduktion. Schnitt ist sein erster Psychothriller. Marc Raabe lebt mit seiner Familie in Köln.

23. April 2012

Nelson DeMille – Der Löwe

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:18
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Der Löwe

Nelson DeMille

OT: The Lion

Gebundene Ausgabe: 554 Seiten

Verlag: Hoffmann und Campe

ISBN-13: 978-3455403060

 

Vor drei Jahren verschwand Asad Khalil, libyscher Terrorist mit dem Namen „Der Löwe“, spurlos von der Bildfläche nachdem er einen tödlichen Rachefeldzug quer durch die USA absolvierte. Jetzt ist er wieder aufgetaucht, er hat noch einige Rechnungen offen und wieder hinterlässt er eine unübersehbare Blutspur. Ganz weit oben auf seiner Liste stehen seine alten Gegenspieler der Anti-Terror-Task-Force John Corey und seine Partnerin und Ehefrau Kate.

„Der Löwe“ ist der fünfte Thriller, in dessen Mittelpunkt John Corey steht und der zweite, in dem er es mit Asad Khalil, dem libyschen Terroristen, aufnehmen muss. Aber auch ohne die Vorgänger zu kennen, findet man problemlos in die Geschichte, frühere Ereignisse werden wie nebenbei in der laufenden Handlung erklärt. Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt. John Corey berichtet in der Ich-Form über seine Sicht der Dinge. Das wirkt sehr persönlich und authentisch. Sein Gegenspieler, Asad Khalil, steht im Mittelpunkt des zweiten Handlungsstranges, der in der 3. Person geschrieben ist. Der Thriller ist in sieben Teile und insgesamt 49 Kapitel gegliedert, die Abschnitte in denen der Leser Khalil direkt begleitet, sind immer etwas kürzer gehalten als die, die Ermittlungen zu dessen Morden betreffen. Die Hauptfiguren lassen sich zwar problemlos in gut und böse einordnen, sie sind aber trotzdem nicht rundweg stereotyp. John Corey empfand ich an so mancher Stelle als etwas nervend in seiner Selbsteinschätzung, die nur gelegentlich durch Selbstironie gemildert wurde. Dessen ungeachtet er nicht der Unsympath an sich, stellenweise zeigte er sich sogar sehr menschlich. Sein loses Mundwerk hat mir gelegentlich ein breites Grinsen ins Gesicht gemalt. Trotzdem hatte ich mit seiner zynisch-sarkastischen und häufig rassistischen Art immer wieder kleine Probleme. Seine Vorbehalte gegenüber Anhängern des islamischen Glaubens gründen sich in den Ereignissen des 11. September 2001, die er selbst nur knapp überlebte. Er ist eben alles, aber kein geschniegelter Durchschnittsermittler und ganz sicher wird er die Leserschaft spalten, entweder man mag ihn, oder man lehnt ihn ab. Asad Khalil ist ein Psychopath ersten Ranges, er mordet unter dem Deckmantel der Rache aus reinem Vergnügen, egal ob Landsmann und Helfer, Amerikaner und Feind, Mensch oder Tier. Trotz der gekonnt geschilderten äußerst brutalen Morde blitzt immer wieder ein feiner, von mir sehr geschätzter Humor auf. Die Taten an sich waren intelligent konstruiert, einfallsreich und häufig ungewöhnlich. Die Spannung hielt von der ersten bis zur letzten Seite an, auch wenn der Thriller ein von mir nicht unerwartetes Ende fand und recht geradlinig aufgebaut war, würde ich ihn nicht als vorhersehbar bezeichnen. Aber für das ganz besondere Leseerlebnis fehlten mir ein paar irreführende Wendungen. Besonders gefallen hat mir der ungetrübte, kritische, aber auch subjektive Blick des Autors auf die USA, ihre Politik und die inneren Zustände.

Diesen actionreichen, brutalen und sehr flüssig zu lesenden Thriller empfehle ich allen Liebhabern dieses Genres, die eine Lektüre bevorzugen, in der es auch mal etwas blutiger zugehen darf. Mich hat dieser Thriller sehr gut unterhalten.

In der John-Corey-Reihe sind bisher erschienen:

Goldküste
Das Spiel des Löwen
Nachtflug
Operation Wild Fire
Der Löwe

Über den Autor (Quelle: amazon.de -gekürzt)
Nelson DeMille wurde 1943 in Jamaika geboren. 1966 bis 1969 war er als Oberleutnant der amerikanischen Armee in Vietnam. Danach studierte er Politik und Geschichte. Seit 1974 schreibt er Spannungsromane und gehört seit langem zu den erfolgreichsten Thrillerautoren Amerikas. Seine Werke sind regelmäßig auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten.

2. April 2012

Stephan M. Rother – Ich bin der Herr deiner Angst

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:13
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Ich bin der Herr deiner Angst

Stephan M. Rother

Taschenbuch: 576 Seiten

Verlag: rororo

ISBN-13: 978-3499258695

Im Mittelpunkt dieses in Hamburg angesiedelten Thrillers stehen die Ermittler Jörg Albrecht und Hannah Friedrichsen. Sie ermitteln in einer Serie äußerst bizarrer und grausamer Morde. Die ersten beiden Opfer sind Kollegen, das dritte Opfer ist eine bekannte TV-Moderatorin, die für einen Privatsender als Berichterstatterin immer in erster Reihe stand. Die Ermittler stehen unter Druck, denn die Fälle haben die Öffentlichkeit wach gerüttelt, gab es doch zu Beginn von Jörg Albrechts Polizeikarriere ähnlich gelagerte Serienmorde. Der damalige Täter sitzt jedoch inzwischen in der Psychiatrie.

Der in 12 Kapitel gegliederte Thriller wird von einem Vorspiel eingeleitet, von mehreren Zwischenspielen unterbrochen und endet mit einem Nachspiel. Die Haupthandlung wird aus der Sicht der beiden Ermittler geschildert, dabei ist Hannah Friedrichsen die Ich-Erzählerin und die Sichtweise ihres Vorgesetzten, Jörg Albrecht, wird dem Leser in der dritten Person erzählt. Diese beiden Erzählperspektiven tun dem Roman sehr gut, der Blickwickel des Lesers wird dadurch scheinbar größer und der Einblick in die Ermittlertätigkeit lässt die Protagonisten in ihrem Tun überzeugender wirken. Auch wenn beide Ermittler nicht meine Sympathie erlangten, Albrecht kehrte für meine Begriffe zu oft den Bildungsbürger heraus, Friedrichsens Affäre mit dem Staranwalt war völlig unnötig, führten sie mich doch gekonnt zur Aufklärung dieser eigenwilligen Mordserie, bei der sich die Angst der Opfer immer in ihrem Tod widerspiegelte. Der Spannungsbogen wird von Beginn an ziemlich konstant gehalten. Sprachlich ist der Roman sehr ansprechend und flüssig zu lesen. Die Aufklärung der Morde ist intelligent konstruiert, wobei mir besonders die psychologische Komponente sehr gut gefiel.

Thrillerleser, die ihre Lektüre abseits der bluttriefenden Massenware suchen und ihr Augenmerk eher auf das Subtile richten, werden mit „Ich bin der Herr deiner Angst“ sicher angenehme, spannende und unterhaltsame Lesestunden verbringen können.

Mein besonderer Dank gilt dem rororo Verlag für das Rezensionsexemplar.

 Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Stephan M. Rother wurde 1968 im niedersächsischen Wittingen geboren, ist studierter Historiker und war fünfzehn Jahre lang als Kabarettist unterwegs. Seit einem Jahrzehnt veröffentlicht er erfolgreich Romane, darüber hinaus ist er als Übersetzer tätig. Stephan M. Rother ist verheiratet und lebt in einem verwinkelten Haus voller Bücher und Katzen am Rande der Lüneburger Heide.

6. März 2012

Jussi Adler-Olsen – Das Alphabethaus

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:14
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Das Alphabethaus

Jussi Adler-Olsen

Originaltitel: Alfabethuset
Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3423248945

1944. Während eines Aufklärungsfluges im deutschen Luftraum stürzen James und Bryan, beide englische Piloten, in der Nähe von Dresden ab. Bei ihrer Flucht retten sie sich vor ihren Verfolgern in einen Lazarettzug voller Soldaten mit Kriegsneurosen und schlüpfen in die Identität zweier deutscher SS-Angehöriger, die sie kurzerhand verschwinden lassen. Die Fahrt endet im Freiburger „Alphabethaus“, in dem die Soldaten wieder kriegstauglich gemacht werden sollen. James und Bryan müssen nun unter allen Umständen vermeiden, enttarnt zu werden, aber sie sind nicht die einzigen Simulanten in der Klinik…
Im Jahr 1972, ist Bryan anlässlich der Olympischen Spiele wieder in Deutschland und macht sich auf die Suche nach seinem Freund James, den er vor 28 Jahren im Breisgau zurück ließ. Dabei trifft er auf alte Bekannte, die nicht erfreut sind, dass er Vergangenes ans Tageslicht bringt.

„Das Alphabethaus“ ist der Debütroman von Jussi Adler-Olsen, der nach den Erfolgen seiner Thriller um den Ermittler Mørck in Deutschland veröffentlicht wurde. Unglückerweise assoziiert das Cover einen Zusammenhang zur Mørck-Reihe. Das ist aber nicht der Fall, dieser Roman, den ich nur bedingt ins Thriller-Genre einordnen würde, steht für sich allein.
Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Handlung gefangen genommen und im 1. Teil wurde die Spannung stetig gesteigert. Leider blieb das nicht durchgehend so. Zu Beginn des 2. Teils, der im Jahr 1972 spielt, empfand ich ein paar Längen und las ich den Roman mit deutlich mehr Distanz. Spannung kam zwar nach ein paar ein paar Kapiteln wieder auf, dem Autor gelang es jedoch bis zum Ende hin nicht mehr, mich so zu fesseln wie zu Beginn des Buches, obwohl in dieser Teil deutlich mehr Thrillerelemente aufwies.
Beeindruckend waren für mich die glaubhaft beschriebenen Abschnitte in der psychiatrischen Klinik, der Alltag, die Behandlungsmethoden und Charakteristiken der Erkrankungen wurden sehr gekonnt und detailreich in Szene gesetzt. Jussi Adler-Olsens Roman ist sprachlich sehr einfach gestaltet, er verzichtet auf sehr actiongeladene und blutige Beschreibungen, dafür steht das Zwischenmenschliche für ihn in diesem Roman im Vordergrund, was ich als sehr angenehm empfand. Kurze, prägnante Sätze bestimmen seinen Stil. Seine Protagonisten waren recht gut charakterisiert, ließen sich jedoch recht offensichtlich in gut oder böse einordnen.
Trotz meiner angeführten Kritikpunkte und einiger kleinerer Ungereimtheiten habe ich diesen Roman von Jussi Adler Olsen gern gelesen. Er hat mir angenehme Lesestunden beschert und mich gut unterhalten.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. 1997 erschien sein erster Roman ›Das Alphabethaus‹ (ab Februar 2012 auch in Deutschland). Er erreichte in Schweden, Holland und Finnland, Spanien, Südamerika und Norwegen die Spitzen der Bestsellerlisten. Es folgten die Romane ›Firmaknuseren‹ (2003) und ›Washington Dekretet‹ (2006), bevor er 2007 mit dem ersten Fall für Carl Mørck, ›Erbarmen‹, einen Riesenerfolg hatte. 2008 stürmte er auch mit ›Schändung‹, dem zweiten Fall für Carl Mørck, 2009 mit ›Erlösung‹, dem dritten Fall für Carl Mørck, und 2010 mit ›Verachtung‹, dem vierten Fall für Carl Mørck, (in DK: ‘Jounal 64′; ab September 2012 auch in Deutschland) die Bestsellerlisten. Die auf zehn Teile angelegte Carl-Mørck-Serie wird ab 2012 im Rahmen einer europäischen Co-Produktion (Zentropa und ZDF) für Kino und Fernsehen verfilmt. Jussi Adler-Olsen wurde u. a. ausgezeichnet mit dem Harald-Mogensen-Krimipreis 2009 für ›Erlösung‹, dem Reader’s Bookprize 2010, einem der bedeutendsten Literaturpreise Dänemarks, dem Glass Key Award 2010 – dem bedeutendsten Krimipreis Skandinaviens. Jussi Adler-Olsen ist außerdem Preisträger des Goldenen Lorbeers 2011, der wichtigsten literarischen Auszeichnung Dänemarks für das Gesamtwerk eines Autors. ‘Erlösung’ ist Jahresbestseller 2011 in Deutschland. Jussi Adler-Olsen ist Dauergast auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

16. Februar 2012

Ursula Poznanski – Fünf

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 20:24
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Beatrice Kasparin und ihr Kollege Florin Wenninger, beide sind Ermittler bei LKA in Salzburg, werden zu einem Tatort auf einer Kuhweide gerufen. Eine tote Frau wurde am Fuß eines Felsen gefunden. Ein Selbstmord ist auszuschließen, sie war gefesselt. An den Fußsohlen finden die Ermittler eine Art Code tätowiert. Schnell wird herausgefunden, dass es sich dabei um GPS-Koordinaten handelt. Am angegebenen Ort angelangt, finden sie nach einiger Suche den Cache, eine Box, die unter anderem eine abgetrennte Hand enthält. Es gibt also mehr als nur ein Todesopfer. Der Täter inszeniert eine mörderische Schnitzeljagd, bei der auch die junge Kommissarin ins Visier des Mörders gerät, denn er weiß etwas über ihre Vergangenheit.

Mit „Fünf“ habe ich den ersten Nichtjugendroman von Ursula Poznanski gelesen. Mit ihrem Ermittlerduo erweckt sie zwei unverbrauchte Kommissartypen zum Leben, die beide auch mitten in selbigem stehen. Beatrice Kasparin ist alleinerziehende Mutter, die von ihrem Ex-Mann ständig unter Druck gesetzt wird. Weder tags noch nachts verschont er sie vor seinen Telefonterror. Bei den Kindern macht er sie schlecht. Die Trennung mag er nicht akzeptieren. Der Spagat zwischen Job und Privatleben ist für sie alles andere als leicht. Sie ist überlastet. Eine gestresste Kommissarin ist nicht unbedingt neu, aber trotzdem lässt die Autorin um Beatrice Kasparin einen interessanten Nebenschauplatz entstehen. Den Thriller rund um das Geocaching aufzubauen, war dagegen neu und ziemlich genial. Zwar hatte ich von diesem Hobby schon gehört, mich aber noch nie damit auseinandergesetzt. Ursula Poznanski hat mich aber sehr gut mit dieser Thematik vertraut gemacht. Gemeinsam mit den Ermittlern näherte sich auch der Leser diesem Thema, die Spannung litt keinen Moment unter den Erklärungen. Schon im Prolog wurde ein Spannungsbogen aufgebaut und diese wurde bis zum Ende hin gehalten. Einzig in der Mitte des Thriller gab einen kleinen Hänger. Als Leser konnte man mitfiebern und ermitteln und war eigentlich nie schlauer als das Ermittlerpaar. Zwischendrin durchzuckte mich mal ein Gedanke, in dem ich einer Person ein Motiv zuordnete. Von dieser Spur wurde ich aber schnell wieder abgelenkt. Am Ende bekommt der Leser das Motiv der Morde auch noch aus Tätersicht geschildert. Eine Sache, die ich eigentlich nicht besonders mag. In diesem Fall hat es mich nicht gestört, weil es sich in die Handlung einerseits gut einfügte und es andererseits nicht belehrend wirkte. Der Thriller war flüssig zu lesen und zog mich in eine Art Lesesog. Ich konnte und wollte das Buch nicht aus der Hand legen. An die jeweiligen Tatorte wurden die Ermittler mittels der entsprechenden GPS-Koordinaten gelockt. Sie bilden auch die Überschriften der Kapitel. Ich habe diese Koordinaten in eine Suchmaschine eingegeben und konnte mir die Tatorte und deren Umgebung ansehen. Das machte das Gelesene noch ein wenig authentischer.

Nach „Erebos“ und „Saeculum“ war „Fünf“ der dritte Roman, den ich von Ursula Poznanski las. Ebenso wie in ihren Jugendbüchern wählte sie für diesen Thriller ein Hobby als Hintergrund der Romanhandlung, in das sie ihre Leser gekonnt einführte. Das Buch war spannend, logisch aufgebaut, mitreißend und äußerst unterhaltsam. Ich freue mich auf weitere Bücher dieser Autorin.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universitäten und landete schließlich als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag. Nach dem fulminanten Erfolg ihres Jugendromans “Erebos” widmet sie sich nun hauptsächlich dem Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.

2. Dezember 2011

Frank Schätzing – Der Schwarm

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
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In Peru und Argentinien verschwanden Fischer auf hoher See. Vor der mittelamerikanischen und australischen Küste sterben Menschen, weil sie in Kontakt mit in Massen auftretenden hochgiftigen Quallen kamen. In Frankreich platzten in einem Sterne-Restaurant Hummer, verbreiteten eine gallertartige Masse, Menschen starben. Gastanker explodierten, ein Forschungsschiff verschwand spurlos. Wale trafen verspätet auf ihren Wanderungen vor der kanadischen Westküste ein. Als sie dann doch endlich ankamen, waren sie aggressiv und griffen Menschen und Schiffe an. Im norwegischen Schelfgebiet vermehrten sich massenhaft Borstenwürmer, die sich von methanabbauenden Bakterien ernährten, die ihrerseits das eisförmige Methanhydrat in großen Mengen abbauten. Dadurch wurde der Kontinentalhang vor Norwegens Küste instabil, kam ins Rutschen und verursachte einen gewaltigen Tsunami, der die Küstenregionen Nordeuropas verwüstete. Der Golfstrom kam zum Erliegen. In der Tiefsee verlegte Glasfaserkabel wurden zerstört, eine Kommunikation zwischen den Kontinenten war nur noch eingeschränkt möglich. Das freigesetzte Methan beschleunigte den Treibhauseffekt. Vor der Ostküste der USA wanderten Krebse mit giftigen Bakterien besetzt an Land. Das Gift gelangte ins Abwasser, giftige Gase stiegen auf und töteten die Menschen in ihren Häusern. Vor den Kanaren droht die instabile Westflanke des Cumbre Vieja durch die methanfressenden Bakterien abzurutschen und einen Megatsunami zu verursachen. Die Menschheit ist in ihrer Existenz bedroht. Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Ländern, unter Federführung der USA, führen einen fieberhaften Kampf gegen die Bedrohung. Immer klarer wird, dass diese im Zusammenhang mit der überall gefundenen gallertartigen Masse, die von den Forschern Yrr genannt wurde, steht. Die Forschung läuft auf Hochtouren.

Die Menschen fliegen ins All, suchen nach intelligentem Leben außerhalb der Erde. Aber wie gut kennen sie den eigenen Planeten? Die Tiefsee ist mehr oder weniger unerforschtes Gebiet. Das nutzt Frank Schätzing in seinem Roman und siedelt eine unbekannte Lebensform mit kollektiver Intelligenz in den Tiefen der Ozeane an. Gekonnt verknüpft er verschiedene Wissenschaftsgebiete wie Meeresbiologie, Zoologie, Ökologie, Vulkanologie und Klimaforschung und erklärt die angerissenen Themen allgemeinverständlich. Außerdem werden philosophische und völkerkundliche Ansätze, religiöse Gedanken und ausführliche Informationen zu technischen Fragen der Ölförderung und der Tiefseeforschung nicht ausgelassen. Auch an Handlungsorten mangelt es in Schätzings „Der Schwarm“ nicht. Trotz der beeindruckenden Themenfülle und Schauplatzvielfalt wird der Leser nicht überfordert. Der Roman ist gut strukturiert, in 5 Teile, einen Prolog und einen Epilog untergliedert. Zwischenüberschriften geben dem Leser Auskunft über den Zeitverlauf und der Ort der Handlung. Ein Kritikpunkt sind die recht eindimensional gestalteten Charaktere, die schon so manch gängigem Klischee entsprechen und sich grob in gut und böse einordnen lassen, das wird durch die abwechslungsreiche Handlung aber gut kompensiert. Denn den Hauptprotagonisten an sich gibt es nicht. Es sind etwa ein Dutzend Personen, davon einige real existierende, die die Handlung maßgeblich vorantreiben. Aus einer umfangreichen Recherche schöpfend, die auch noch in „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ einflossen, schuf Frank Schätzing einen äußerst interessantern und spannungsgeladenen Thriller. Den ersten Teil, in dem die Welt zunächst mit unerklärlichen Erscheinungen konfrontiert wurde, fand ich nahezu genial. Als dann in der zweiten Hälfte der Existenzkampf der Menschheit geschildert wurde, konnte mich der Autor nicht mehr hundertprozentig packen. Da gab es Szenen, die mir zu konstruiert und zu hollywoodlike erschienen und damit einfach nicht ganz meinem Geschmack entsprachen. Das Buch ließ sich gut und flüssig lesen, die wissenschaftlichen Fakten erdrückten die Handlung nicht. Ich empfehle „Der Schwarm“ gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Frank Schätzing, Jahrgang 1957, lebt gleich mehrere Leben. Als Kreativchef einer Werbeagentur, Musiker und Musikproduzent, begeisterter Hobbykoch und seit Mitte der Neunziger als Schriftsteller. Mit „Der Schwarm“ hat sich Schätzing, selber ausgebildeter Taucher, einen Traum erfüllt, nachdem er die Idee der Geschichte tatsächlich Jahre zuvor geträumt hatte. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.

6. Oktober 2011

Wolfram Fleischhauer – Torso

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
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Torso
Wolfram Fleischhauer
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198537

In einem Abrisshaus im Osten von Berlin findet die Polizei einen grausig mit Tierteilen dekorierten zur Schau gestellten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger hat so etwas in seiner langjährigen Laufbahn als Kripo-Beamter, sowohl in der ehemaligen DDR als auch im vereinten Deutschland, noch nicht gesehen. Während er mitten in den Ermittlungen steckt, kämpft Elin Hilger darum, die Ermittlungen um den als Selbstmord abgetanen Tod ihres Bruders Eric, er war IT-Spezialist, wieder aufrollen zu lassen. Dazu braucht sie Zellangers Unterstützung, er war mit diesem Fall betraut. Gleichzeitig verschwindet die Bankierstochter Inga Zieten, deren Vater unter allen Umständen die Polizei aus den Ermittlungen heraushalten will.
Wolfram Fleischhauers Genre-Palette ist weit gefächert. Mit „Torso“ gab er sein Debüt als Thriller-Autor. Mit viel Thrill begann er auch die Handlung, die um das Jahr 2002 in Berlin angesiedelt ist. Die Beschreibung des makaber in Szene gesetzten Torsos ist sicher nichts für Zartbesaitete und Leser mit schwachen Nerven, sie ist ungeschönt, grauenhaft und dabei sehr gut vorstellbar. Dann baut er um die drei Handlungsstränge eine intelligent konstruierte, vielschichtige und gleichzeitig komplexe Geschichte auf. So werden Machenschaften in der Finanzwelt, Korruption, organisiertes Verbrechen, Stasivergangenheit thematisiert, ohne den Thriller damit zu überladen. Im Mittelpunkt von „Torso“ steht nicht wie üblich die Ermittlungsarbeit der Polizei, sie wird zwar nie aus dem Auge verloren, es geht aber um mehr, es geht um Moral, Ethik und Verantwortung. So ist auch die auf den ersten Blick recht skurril erscheinende Elin Hilger für diesen Roman in ihrer Andersartigkeit ein Glücksgriff. Weitgehende Konsumverweigerung steht konträr zu der Skrupellosigkeit und der maßlosen Gier der Banker. Auch an anderen Stellen kommt Fleischhauer in seinem Thriller – ungewohnt für dieses Genre, aber deshalb um so bemerkenswerter – ins Philosophieren. Die Charakterisierung der Personen fand ich sehr gelungen. Alle wirkten in ihrem Auftreten ehrlich, echt und glaubwürdig, wenn auch mitunter kauzig, sonderbar und bizarr. Ein wenig vermisst habe ich diesem Thriller den von mir so geschätzten ausgefeilten Sprachstil des Autors, das ist aber wohl eher dem Genre anzulasten als der Schreibkunst Wolfram Fleischhauers. Mich hat dieser Thriller, einschließlich des Nachwortes, sehr gut unterhalten. Lediglich das Ende fand ich etwas zu konstruiert und auch etwas zu schnell herbeigeführt. Nicht alle Fragen wurden direkt geklärt, aber da sei es der Fantasie des Lesers überlassen, die eigenen Schlüsse zu ziehen.

Über den Autor (Quelle amazon.de)
Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Nach vier Romanen über die Künste (“Die Purpurlinie”, “Die Frau mit den Regenhänden”, “Drei Minuten mit der Wirklichkeit”, “Das Buch, in dem die Welt verschwand”), dem Familienroman “Die Inderin” und dem Universitätsroman “Der gestohlene Abend” ist “Torso” sein erster literarischer Thriller. Mehr Informationen zum Autor unter: www.wolfram-fleischhauer.de

18. September 2011

Tom Rob Smith – Agent 6

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 13:27
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Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

Moskau 1950. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit Austin nicht hinter die Kulissen des für ihn inszenierten Alltags schauen kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es fast zum Eklat. Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wurde eine Rolle in dem Spektakel zugewiesen. Der Abend endet mit mehreren Toten, und nur ein Mann weiß, was wirklich geschah: Agent 6. Und eines Tages wird Leo ihn finden.

 Meine Meinung

„Agent 6“ ist nach „Kind 44“ und „Kolyma“ bereits der dritte Roman um Leo Demidow. Wieder stehen er und seine Entwicklung im Mittelpunkt des Geschehens und der Zuordnung zum Genre des Thrillers kann ich nur bedingt zustimmen. Das ist aber eine Nebensächlichkeit. Betrachte ich den Roman rückblickend, kann ich sagen, dass es Tom Rob Smith gut gelungen ist, die Arbeit der verschiedenen Geheimdienste, neben dem KGB spielen auch die CIA und das pakistanische Pendant ISI eine Rolle, darzustellen. Für mich, die ich nur über literarische Geheimdiensterfahrungen verfüge, stellten sich diese Sachverhalte so dar, als hätte es sie in der Realität so gegeben. Der gesamte Roman, egal ob der Handlungsort die damalige Sowjetunion, die USA oder auch Afghanistan war, wirkte von Beginn an sehr düster und bedrückend auf mich. Die persönliche Entwicklung, die Leo Demidow nahm, war zwar menschlich nachvollziehbar beschrieben, manche Abschnitte wirkten aber trotzdem überzogen auf mich. „Agent 6“ lebt von und mit vielen Zeitsprüngen, Was in diesen ausgesparten Jahren geschah, weiß der Leser teils aus den Vorgängerromanen, teil bleiben die Geschehnisse auch im Dunkeln. Das fand ich ein wenig schade. Aber die Zeit, die der Leser den Protagonisten durch die verschiedenen Schauplätze begleitet, sind großteils spannend, actiongeladen und mitunter schon fast hollywoodlike. Besonders die letzten 100 Seiten waren so geschrieben, als hätte der Autor bereits eine Verfilmung im Hinterkopf, sozusagen ein finale grande, um dann (zu) schnell und einfach einen Schlusspunkt zu setzen.

Mein Fazit: „Agent 6“ ist ein schlüssig aufgebauter Roman, der auf den vorhergehenden Büchern aufbaut und mich trotz des etwas schwachen Endes gut lesen ließ.

Über den Autor (Quelle: amazon)

Tom Rob Smith wurde 1979 als Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters in London geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte in Cambridge und Italien und arbeitete anschließend als Drehbuchautor. Mit seinem Debüt »Kind 44« gelang Tom Rob Smith auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Er wurde u. a. mit dem »Steel Dagger« ausgezeichnet, für den »Man Booker Prize« nominiert und bisher in 30 Sprachen übersetzt. Nach »Kolyma« legt der Autor mit „Agent 6“ nun den dritten und letzten Band um den Geheimdienstoffizier Leo Demidow vor.

Originaltitel: Agent 6 * Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Manhattan * ISBN-13: 978-3442546770

3. September 2011

Klaus-Peter Wolf – Ostfriesengrab

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:28
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Ostfriesengrab
Klaus-Peter Wolf
3. Fall Ann-Kathrin Klaasen
Broschiert: 400 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596180493

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)
Im zauberhaften Park von Schloss Lütetsburg wird eine weibliche Leiche gefunden. Der Mörder hat sie wie eine Elfe in den blühenden Sträuchern drapiert. Welche Botschaft will er Kommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihrem Team damit übermitteln? Auch der dritte Kriminalroman mit der beliebten Kommissarin verspricht Spannung pur.

Meine Meinung
Nachdem mir die ersten beiden Teile dieser Krimireihe ausgesprochen gut gefielen, waren meine Erwartungen natürlich sehr hoch. Wieder hatte die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen einen spektakulären Serienmörder im beschaulichen Ostfriesland dingfest zu machen. Aber die sich auch sonst nicht sklavisch an den Dienstvorschriften festhaltenden Kommissarin begeht einen Fehler, der Verdächtige entkommt und prompt gibt es eine weitere Leiche, die in das Schema des gesuchten Mörders passt. Im weiteren Verlauf nimmt die Handlung, die auch wieder viel die private Seite der Kommissarin und ihres Lebenspartners Frank Weller berührt, immer abstrusere Formen an. Es folgt eine Suspendierung, aber auch die hält die Superkommissarin nicht vom persönlichen Eingreifen in diesen Fall ab. Auch in diesem Teil spielt der Tod ihres Vaters eine nicht unbedeutende Rolle. Aber das hat mich dann schon gar nicht mehr richtig interessiert, ich wollte eigentlich nur noch wissen, ob ich mit meinen „Ermittlungen“ richtig lag. Stilistisch hat sich im Vergleich zu den Vorgängern nichts geändert. Gewohnt routiniert schreibt Klaus-Peter Wolf seinen leicht zu lesenden Kriminalroman. Nur leider konnte er mich mit diesem, sowohl vom Plot als auch von der Dramaturgie her, nicht erreichen.
In Kürze kommt der 4. Teil der Krimi-Reihe „Ostfriesensünde“ zu mir. Ich hoffe, das mir dieser besser gefällt, sonst ist für mich das Kapitel Ann Kathrin Klaasen im Ostfrieslandkrimi abgeschlossen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Laus-Peter Wolf, 1954 in Gelsenkirchen geboren, lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norddeutschland. Er schrieb u. a. »Die Abschiebung« (1984), »Traumfrau« (1989) und »Samstags, wenn Krieg ist« (1994) und zählt heute zu den erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache. Seine Bücher und Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Anne-Frank-Preis, dem Erich-Kästner-Preis und dem Magnolia Award Shanghai. Seine Bücher wurden bisher in 22 Sprachen übersetzt und über 8 Millionen Mal verkauft.

18. Mai 2011

Bernhard Kegel – Der Rote

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:29
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Der Rote
Bernhard Kegel
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: marebuchverlag
ISBN-13: 978-3866480674

Der anerkannte deutsche Professor Hermann Pauli, eine Koryphäe wenn es um Kopffüßer geht, macht Urlaub in Kaikoura (Neuseeland). Eigentlich will er Abstand zu seinem Leben gewinnen, um den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Als er auf einer für den Ort typischen Whalewatching-Tour ist, geschieht Ungewöhnliches. Das Meer brodelt, eine Art Seebeben hat zu Riesenwellen geführt, die auch an Kaikoura nicht spurlos vorübergegangen sind. Aber es kommt noch schlimmer. Die Wale bleiben aus und mit ihnen die Touristen, dafür findet der Wissenschaftler Unmengen toter Cephalopoden am Strand. Aber einer von ihnen ist noch am Leben und der ist etwas ganz Besonderes…
Die Aufmachung und der Klappentext haben mein Interesse an diesem Buch geweckt. So war „Der Rote“ dann der erste von mir gelesene sogenannte Tiefsee-Thriller. So zweigeteilt wie die Genrebezeichnung ist meine Meinung zu diesem Roman. Hervorragend ist es Bernhard Kegel gelungen die Einzigartigkeit der Unterwasserwelt darzustellen. Anschaulich, detailliert, leicht verständlich und kompetent schreibt er über den Arbeitsalltag der Wissenschaftler, über Pottwale und die Vielfalt der Klasse der Kopffüßer. Er hat es geschafft, mein Interesse an einer Spezies zu wecken, der ich ansonsten lediglich im Restaurant meine Aufmerksamkeit schenke. Diese fachlich fundierten Abschnitte haben mich in ihren Bann gezogen, ich fand sie spannend, von ihnen hat das gesamte Buch gelebt. Sobald die Handlung aber die biologische Ebene verließ und es um zwischenmenschliche Probleme ging, war dieses Flair verschwunden. Vielleicht war einfach die Story zu realistisch. Allerdings würde ich diesen Roman nicht dem Genre Thriller zuordnen, dafür entwickelte sich alles zu betulich und mit zu wenig „thrill“. Für meinen Geschmack waren viele Charaktere auch zu einfach gehalten, sie hatten nicht genug Tiefe, auch waren die Dialoge oft zu oberflächlich, da es an echten Auseinandersetzungen mit wirklichen Antagonisten fehlte. Der Wissenschaftler Degenhart schien mir eher pro forma in die Handlung aufgenommen zu sein. Auch auf die wahrscheinlich unvermeidlich dazugehörende Liebesgeschichte hätte ich gut verzichten können.
Alles in Allem habe ich das Buch recht gern gelesen, besonders der biologische Teil begeisterte mich, man merkte, der Autor ist vom Fach und weiß, worüber er schreibt. Ich werde sicher noch die anderen Bücher des Autors lesen, neugierig bin ich schon darauf geworden.
PS: Ein Vergleich mit „Der Schwarm“ kann von meiner Seite nicht kommen. Den Schätzing habe ich (noch) nicht gelesen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Bernhard Kegel, Jahrgang 1953, ist promovierter Biologe, leidenschaftlicher Jazzgitarrist und Autor mehrerer Bücher, darunter Die Ameise als Tramp, Das Ölschieferskelett und Wenzels Pilz. Seinen packenden Romanen liegen stets die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zugrunde: «Selten verbindet sich fundierte Sachkenntnis so erfreulich mit erzählerischen Qualitäten» (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Bernhard Kegel lebt in Berlin.

24. März 2011

André Pilz – Bataillon d’Amour

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:24
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Mayra ist eine lebenslustige und –hungrige junge Kolumbianerin. Sie lebt gemeinsam mit ihrer schwerkranken Mutter und ihrer Schwester in einer elenden Behausung im Slum von Bogotá und träumt von einem besseren Leben. Deutsch hat sie von ihrem Vater gelernt, der zwischenzeitlich aber aus ihrem und dem Leben der Familie verschwunden ist. In einem Internetchat lernt sie einen jungen Deutschen kennen und verliebt sich in ihn. Als sie dann auf eine Stellenanzeige stößt, über die Bedienungen für das Oktoberfest gesucht werden, sieht sie darin eine doppelte Chance, sie könnte den Mann, den sie sie so liebt, kennen lernen und mit diesem Job dem Elend entfliehen. Völlig blauäugig fliegt sie nach Deutschland, dort erfährt sie schmerzhaft, dass sie nicht auf dem Oktoberfest, sondern im d’Amour, einem berühmt-berüchtigten „Club“, arbeiten wird. Sie ist in die Hände skrupelloser Mädchenhändler geraten.

André Pilz ist mit seinem Roman über Mädchenhandel und Zwangsprostitution an die Grenzen des Erträglichen gegangen. Schonungslos, offen und ungeschönt wird dem Leser dieses Milieu nahegebracht. Er scheut sich nicht grausamste Misshandlungen zu beschreiben und dem Leser das Leiden der modernen Sklavinnen nahezubringen. Leider funktionierte der antrainierte Schutz, ‚Es ist ja nur eine fiktive Geschichte’ bei diesem Buch nicht. Dazu waren die Szenen zu lebensecht und unter die Haut gehend. Sicher wird es Leser geben, die diesen Thriller wegen der unmenschlichen Grausamkeiten, der Brutalität, den Vergewaltigungen und den Misshandlungen nicht lesen wollen und nicht lesen können. Lange habe ich überlegt, ob Pilz dieses Thema anders hätte anfassen können und habe mich dann zu einem klaren NEIN durchgerungen. Pilz will bewusst schockieren, er will anklagen und die Augen öffnen.

Auch sprachlich ist das Buch der Thematik angepasst, in einfachem Stil, absichtlich derb, direkt und offen. Nichts wird angedeutet, alles wird beim Namen genannt. Eine besonders schöne und ausgefeilte Sprache würde hierbei nur beschönigen und verdecken. Die Geschichte wird aus der Perspektive Mayras in der Ich-Form erzählt, daneben leitet den Leser ein in der 3. Person berichtenden Erzähler durch die Handlung und deren Hintergründe. Damit erreicht der Autor, dass alle Aspekte ihre Beachtung finden. Die Charaktere passen schon recht gut in die gut-böse-Schablone. Aber ehrlich, ich hatte auch nicht das Bedürfnis die guten Seiten dieser menschlichen Bestien zu erfahren

Mein Fazit: „Bataillon d’Amour“ ist ein unheimlich aufwühlender Thriller, der tief unter die Haut geht, berührt und absolut schonungslos ist. Selten habe ich so viele Unmenschlichkeiten in einem Buch gelesen wie in diesem. Darüber sollte man sich vor der Lektüre im Klaren sein und sich fragen, ob man dazu bereit ist.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

André Pilz, geboren 1972, lebt in München und Vorarlberg. Student, Gitarrist, Briefträger, Museumswärter und Flughafenarbeiter, seit 2007 freier Schriftsteller.

Broschiert: 336 Seiten * Verlag: Haymon Verlag * ISBN-13: 978-3852188478

 

22. Dezember 2010

Jeffery Deaver – Allwissend

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 14:08
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Wie zur Erinnerung an einen Autounfall steht am Straßenrand ein Kreuz, geschmückt mit roten Rosen. Allerdings steht darauf als Todesdatum das Datum des folgenden Tages. Als tags darauf eine im Kofferraum ihres Autos eingesperrte junge Frau in der steigenden Flut gefunden wird, übernimmt Kathryn Dance den Fall. Die junge Frau überlebt nur ganz knapp. Immer mehr solcher mysteriöser Kreuze werden an den Straßenrändern Kaliforniens gefunden und in einem Blumengeschäft wurden 12 Sträuße rote Rosen gestohlen. Auch bei den weiteren Opfer werden deren Ängste genutzt, um sie zu quälen. Unter großem Zeitdruck muss Kathryn Dance ermitteln, den jeden Tag kann es neue Opfer geben. Schnell wird man auf den Chilton-Report aufmerksam, und der Täter scheint enttarnt. Aber auch privat steht die Ermittlerin unter enormem Druck, ihre Mutter wird verdächtigt, bei einem ihrer Patienten Sterbehilfe geleistet zu haben.

In diesem Thriller um die Verhör- und Kinesikexpertin Kathryn Dance begibt sich Jeffery Deaver Online, in die Welt des Internets, der Blogs und der Rollenspiele. Wie von ihm nicht anders gewohnt, schreibt Deaver sehr flüssig. Trotzdem gibt es in der Handlung gelegentliche Längen, die mich nicht unbedingt an das Buch fesselten. Denen folgten allerdings auch wieder Kapitel, in denen ich unter keinen Umständen gestört werden wollte. Ähnlich, wie es mir beim Lesen erging, erlebte auch die Ermittlerin ihre up and downs. Das IT-Thema behandelt der Autor sehr anschaulich, so dass auch die Leser, die sich in diesen Gefilden nicht so heimisch fühlen, keine Verständnisprobleme haben werden. Leicht verständlich beschreibt er, wie schnell sich Nachrichten und Information mittels moderner Medien streuen lassen. Auch seine Protagonisten wirken lebendig und realitätsnah. Ihre Charaktere lassen sie menschlich erscheinen, sie haben sowohl gute als auch weniger gute Seiten. Die Ermittlerin wurde von Jeffery Deaver bereits in dem Rhyme/Sachs-Thriller „Der gehetzte Uhrmacher“ eingeführt, mit „Die Menschenleserin“ hatte sie ihren ersten Auftritt als Ermittlerin. In „Allwissend“ erfährt der Leser wiederum ein wenig mehr über ihren privaten Hintergrund. Aber wie schon beim Vorgängerroman wurde ich mit diesem Thriller nicht so warm wie mit mit denen um Lincoln Rhyme. Die Spannung war nicht so präsent und der gesamte Roman nicht so temporeich wie die von mir so gern gelesenen Thriller aus der Rhyme/Sachs-Reihe.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

21. November 2010

Sabine Thiesler – Der Menschenräuber

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:45
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Der Menschenräuber
Sabine Thiesler
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453266315

Jonathan war ein erfolgreicher Fotograf und Medienmanager. Aber der Unfall, durch den seine Tochter ums Leben kam, verändert ihn grundlegend. Seine Ehe zerbricht, er lässt alles hinter sich und verlässt Deutschland. Es ist eher der Zufall der ihn in das idyllische Dorf in der Toskana führt. Dort lernt er die blinde Sophia, die seiner Tochter so gleicht, kennen. Er beschließt zu bleiben, aber als ihn nach Jahren seine Vergangenheit einholt, ändert sich für ihn wieder alles.

“”Der Menschenräuber” war der vierte Roman den ich von Sabine Thiesler gelesen habe und gleichzeitig der zweite, der mich gar nicht mehr überzeugte. Wieder hat die Autorin für ihren Krimi als Handlungsort die Toskana gewählt. Diese Landschaft scheint ihr sehr am Herzen zu liegen, sehr detailreich und bildhaft beschreibt sie die Gegend. Man bekommt Lust auf eine Reise dorthin. Auch Bekannte aus den Vorgängerromanen tauchen in diesem wieder auf, so zum Beispiel der trottelige Kommissar Neri, der wieder einer mittelmäßigen Satire entsprungen scheint, und auch in diesem Buch keine bessere Figur abgibt. Zu den Protagonisten konnte zu keiner Zeit eine Beziehung aufbauen, eigentlich waren sie mir egal. Die Idee zum Buch fand ich sogar recht gut, die Umsetzung gefiel mir dann nicht mehr. So reihten sich Zufälle aneinender, manches schien an den Haaren herbeigezogen und zum Schluss kommt es, wie es kommen musste, unglaubwürdig, vorhersehbar und trivial. Auch beim Aufbau des Krimis ist der Autorin nichts Neues eingefallen. Sie bleibt ihrem bekannten Schema treu, das inzwischen zwar einen gewissen Wiedererkennungwert hat, jetzt nach dem vierten Buch jedoch langweilt. Das ich „Der Menschenräuber“ überhaupt beendet habe, liegt einzig daran, dass ich Zeit hatte und die Autorin einen sehr flüssigen Schreibstil hat, so dass die gut 400 Seiten schnell gelesen waren. Dieses Buch kann ich leider nicht empfehlen.

Über den Autor (Quelle Amazon)

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit den beiden folgenden Büchern Hexenkind und Die Totengräberin.

Von Sabine Thiesler habe ich bisher gelesen:

Der Kindersmmler
Hexenkind
Die Totengräberin

4. November 2010

Stieg Larsson – Vergebung

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:40
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Vergebung
Stieg Larsson
Originaltitel: Luftslottet som sprängdes
Taschenbuch: 864 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453434066

 3. Teil der Milennium-Trilogie

„Vergebung“ setzt unmittelbar die Handlung des Vorgängers fort. Lisbeth wird mit schwersten Schussverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und notoperiert, auch ihr Intimfeind und Erzeuger Zalatschenko hat ihren Axtangriff überlebt. Jetzt liegen beide auf der Intensivstation. Die Ermittlungen gegen Lisbeth Salander laufen auf Hochtouren und werden nur durch ihren stationären Aufenthalt behindert. Mikael Blomkvist – immer zutiefst von Salanders Unschuld überzeugt – stellt auf eigenen Faust Ermittlungen an und sticht bei seinen Nachforschungen in ein Wespennest, womit er sogar höchste politische Kreise aufschreckt.

In diesem letzten Teil der Trilogie werden alle Handlungsstränge zusammengeführt. Somit hat der Roman den Charakter von „Was danach geschah“. Wieder gab es etliche Szenen, die für mich an der Grenze des Vorstellbaren waren, aber Lisbeth Salander war spürbar gehandicapt und konnte über lange Strecken nur vom Krankenbett aus aktiv werden, was den Eindruck aus den vorangegangenen Büchern etwas relativierte. Auch „Vergebung“ war sehr detailreich und flüssig geschrieben, bot Spannung und Unterhaltung. Es wurden nur noch wenige Personen in die Romanhandlung aufgenommen, so dass der Leser viele alte Bekannte wiederfand. Deren Charaktere haben sich allerdings nur unwesentlich verändert. Eine Entwicklung war kaum zu erkennen. Trotzdem habe ich diesen 3. Teil sehr gern gelesen. Er söhnt mich mit des gesamten Trilogie, die ich vorher immer als etwas unfertig empfunden hatte, aus.

12. Oktober 2010

Stieg Larsson – Verdammnis

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:32
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2. Teil der Milennium-Trilogie

Kurzbeschreibung – gekürzt (Quelle: amazon.de)

Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Meine Meinung

„Verdammnis“ ist die konsequente Fortsetzung von „Verblendung“, die Handlung beginnt etwa 1 ½ Jahre später. Unter diesem Aspekt erscheint die über 200 Seiten lange Einführung der Personen im 1. Teil in einem ganz anderen Licht. Bei diesem Teil der Trilogie beginnt sich der Spannungsbogen deutlich eher zu straffen. Auf Fragen zu Lisbeths Vergangenheit, die man sich nach „Verblendung“ stellte, bekommt der Leser ansatzweise Antworten. Lisbeth steht im Mittelpunkt des Geschehens, sie erscheint wieder als eine Art Superwomen und in etlichen Szenen kommt schon die Frage nach Authenzität auf. Da in „Verdammnis“ auf viele Details aus dem Vorgängerroman Bezug genommen wird, sollte man diese Trilogie in der entsprechenden Reihenfolge lesen. Ansonsten blieb Stieg Larsson seinem bekannten Stil treu, man trank Kaffee, hat natürlich einen Apple und löste Probleme im Schlafzimmer. Zum Ende des Thrillers nahm die Spannung noch einmal sprunghaft zu. Ein fast zu actionreiches Finale lässt hoffen, dass der letzte Teil ohne große Einführung das Geschehen fortsetzt.

Mein Fazit: Mir hat dieser 2. Teil der Millenium-Trilogie trotz ein paar Mängeln besser gefallen als „Verblendung“, er war unterhaltsam und auch spannender. „Vergebung“ werde ich in kürze lesen.

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