Karthauses Bücherwelt …

2. Oktober 2010

Stieg Larsson – Verblendung

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 12:22
Tags: , , ,
Verblendung
1. Teil Millennium-Trilogie
Stieg Larsson
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453432451

1. Teil der Millenium-Trilogie

Mikael Blomkvist, Journalist und Hauptherausgeber der Zeitschrift Millennium, wurde vom Gericht zu einer 3-monatigen Haftstrafe und einer empfindlichen Geldstrafe wegen Verleumdung des Großindustriellen Wennerström verurteilt. Zu seiner Verteidigung unternahm er nichts. Damit schien seine Karriere vorerst gescheitert zu sein. Aber Herdrik Vander wurde durch diesen Prozess auf Blomkvist aufmerksam, holte durch Lisbeth Salander Informationen über ihn ein und engagierte ihn unter dem Vorwand, er solle seine Biografie schreiben. In Wirklichkeit sollte Blomkvist dem seit fast 40 Jahren ungeklärten Verschwinden von Harriet Vander, Hendriks Nichte, auf die Spur kommen.

„Verblendung ist der erste Teil der ursprünglich auf zehnteilig geplanten Millenium-Trilogie. Es folgen „Verdammnis“ und „Vergebung“. Stieg Larsson konnte dieses Projekt nicht zu Ende bringen, da er im Jahr 2004 infolge eines Herzinfarktes starb.

Die ersten 100 Seiten führten den Leser ausgesprochen langsam in die Handlung ein. Für mich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, wie sich die Story entwickeln würde, eine nette Familiengeschichte war ebenso möglich wie ein packender Thriller. Gleich vorweg, der Roman hatte von allem etwas, leider aus meiner Sicht auch von allem etwas zu wenig. Der Teil, der die wirtschaftlichen Verhältnisse der Industriellen widerspiegelte, war zu einfach und zu oberflächlich. Wenn man so leicht zu Milliarden käme, gäbe es wohl kaum noch Armut. Der Protagonist Mikael Blomkvist, der mit fast allen weiblichen Personen des Krimis nicht nur den Kaffee, sondern gleich auch noch sein Bett teilte, war recht klischeehaft dargestellt. Aber zum Glück (für ihn und den Leser) gab es ja die junge, unorthodox ermittelnde Lisbeth Salander mit schwerer Vergangenheit. Mit sehr unkonventionellen und auch nicht immer gesetzeskonformen Methoden (um deren Glaubhaftigkeit einzuschätzen, fehlt mir der fachliche Hintergrund) griff sie dem Journalisten unter die Arme, rette sein Leben und seine Deputation. Sowohl Mikael Blomkvist als auch Lisbeth Salander erzählen diese Geschichte aus ihrer jeweiligen Sicht und schildern ihre Erlebnisse. Mein Kampf mit dem Buch hielt noch bis etwa auf Seite 250 an. Die Einführung der Personen dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Dann war allerdings der Punkt gekommen, an dem bei mir Interesse erwachte. Die Ermittlungen begannen und die Familiengeschichte der Vanders nahm Konturen an. Das Buch ist einfach geschrieben und ist dadurch auch leicht und schnell zu lesen. So wurden die 704 Seiten dann doch keine Quälerei. Die Idee an sich hat mir auch gut gefallen. Aber die Längen die Larsson in die Handlung durch eine Überfülle an nebensächlichen Details einbaute, störten mich. Ich mag zwar sehr gern dicke Wälzer lesen, für diesen Krimi wären aber 350 Seiten ausreichend gewesen. Dazu hätte sich der Autor lediglich auf die Ermittlungen in Hedeby beschränken müssen. Eine letzte Frage bewegt mich und das ist die nach der Titelwahl. „Verblendung“ kann ich nur mit viel Phantasie nachvollziehen. Warum wurde der schwedische Titel nicht einfach ins Deutsche übersetzt. (Männer, die Frauen hassen)

Dieser erste Teil der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson ist ein solider Thriller, der eine Krimihandlung mit einer Familiengeschichte und etwas Gesellschaftskritik vereint. Wer ein langsames Einsteigen in die Handlung mag, wir diesen Thriller lieben. Den beiden anderen Teilen werden von mir auch noch eine Chance bekommen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Stieg Larsson, 1954 in Umeå, Schweden, geboren, war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. 2006 wurde er postum mit dem Skandinavischen Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens geehrt. Die Bücher aus seinem Nachlass erscheinen bei Heyne.

10. August 2010

Jo Nebø – Headhunter

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:39
Tags: , ,
Headhunter
Jo Nesbø
Originaltitel: Hodejegerne
Broschiert: 301 Seiten
Verlag: Ullstein Tb
ISBN-13: 978-3548280455

Als Headhunter ist Roger Brown eine Berühmtheit. Seine Kunden vertrauen ihm blind. Seiner Frau finanziert er eine Galerie und sein extravaganter Lebensstil übersteigt seine Einkünfte bei weitem. Lebensart ist für ihn wichtig, er braucht sie, um seine recht geringe Körpergröße zu kompensieren. Geschickt nutzt er die Gespräche mit den Bewerbern, um in Erfahrung zu bringen, ob diese Kunstgegenstände besitzen. Dieses Wissen nutzt er dann für sein „Hobby“ – Kunstraub. Nur durch diesen Nebenverdienst schafft er es, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Als er einem Rubensgemälde auf der Spur ist, laufen die Dinge allerdings nicht so wie geplant.

Jo Nesbø ist für mich ein Synonym für spannende Unterhaltung mit dem Kommissar Harry Hole. In diesem Thriller steht der Täter im Mittelpunkt des Geschehens. Der Leser begleitet den Ich-Erzähler Roger Brown und hat somit einen ganz anderen als den von Nesbø sonst verwendeten Zugang zu dem Geschehen. Da dieser Thriller sich so von den bisherigen des Autors unterscheidet, verbietet sich ein Vergleich mit den Harry-Hole-Fällen von allein. Aber nichts desto trotz ist auch Headhunter ein spannender und rasanter Thriller, den man gern und schnell liest. Unverhoffte Wendungen, ausdrucksvolle Charaktere und versteckte Hinweise auf das wirkliche Geschehen machen den Unterhaltungswert dieses Thrillers aus. Allerdings wirkt die Handlung stellenweise ein wenig unglaubwürdig. Die Headhunter-Szene bildet einen interessanten Hintergrund für diesen Kriminalfall. Die Auflösung des Falles lies mich zwar schmunzeln, irgendwie hatte Nesbø es doch geschafft mich auf die Seite von Brown zu ziehen, trotzdem fand ich sie fast etwas einfallslos.

Mein Fazit: „Headhunter“ ist ein gut zu lesender, aber kein überragender Thriller, der den Leser schnell in den Bann zieht. Mir hat er, bis auf das Ende, recht gut gefallen. Wer spannende Unterhaltung sucht, ist bei diesem Nesbø sicher nicht gänzlich falsch.

Über den Autor

Jo Nesbø, geb. 1960, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er ist der erfolgreichste Autor Norwegens, in 17 Ländern mit seinen Büchern vertreten, darunter die USA und England.

6. August 2010

Jan Zweyer – Goldfasan

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:40
Tags: , ,

2. Teil der Reihe um den Kriminalkommissar Peter Goldstein/Golsten

1943 im Ruhrgebiet. Der Kriminalkommissar Peter Goldstein, bekannt aus dem Krimi „Franzosenliebchen“ hat in Anbetracht der Zeiten seinen Nachnamen in Golsten geändert und ist inzwischen Mitglied der NSDAP und der SS. Das alles natürlich nur, weil er Karriere machen will, Kriminalrat zu werden, ist sein ehrgeiziges Ziel.

Der stellvertretende Kreisleiter Walter Munder, aufgrund der Farbe seiner Uniform der Goldfasan genannt, meldet das Verschwinden seiner polnischen Fremdarbeiterin mit zwei Tagen Verspätung. Golsten übernimmt den Fall und stößt bei seinen Ermittlungen schon bald auf Ungereimtheiten und Widersprüche. Die Vermisstensache Maria Slowacki ist alles andere als ein Routinefall.

War mir der Kommissar Peter Goldstein in „Franzosenliebchen“  recht sympathisch, so hegte ich für Peter Golsten deutlich weniger Sympathien. Hat er sich doch zu einem ausgemachten Opportunisten gemausert, der für die Karriere auch bereit ist, Überzeugungen aufzugeben. Mit dieser Figur hat der Autor einen recht häufig in der damaligen Zeit vorkommenden Zeitgenossen in Szene gesetzt. In seiner Familie stößt Peter Golsten mit seinem Handeln nicht auf Gegenliebe, denn sein Schwiegervater ist aktiv im Widerstand tätig, er versteckt einen Juden. Sehr gut hat der Autor gezeigt, wie die Nazibonzen sich gegenseitig aus der Patsche helfen, eine Hand wäscht schließlich die andere und so hat es der eifrige Ermittler, für die Nazigrößen ist er schon zu dienstbeflissen, schwer. Aber er hat auch beschrieben, was geschieht, wenn Parteigenossen unbequem werden.

Auch „Goldfasan“ ist ein sehr gut recherchierter Kriminalroman, der sich leicht und flüssig liest. Die Kriminalhandlung ist wie auch im Vorgängerroman unaufdringlich in die Schilderung der Zeit und des Lebens im Nationalsozialismus in Herne eingebettet. Besonders haben mir die Charaktere gefallen, die Jan Zweyer regelrecht mit Leben erfüllt. Sie haben in meiner Fantasie alle ein Gesicht und ein menschliches Wesen bekommen. Aber Zweyer wertet oder moralisiert nicht. Und so bekommt man als Leser den Eindruck, an einer realen Geschichte teilhaben zu dürfen. Sein Kriminalroman ist einer der ruhigeren Art, ohne wilde Verfolgungsjagden und großes Blutvergießen.

Mein Fazit: „Goldfasan“ ist die gelungene Fortsetzung der Peter-Golstein-Reihe. Ich freue mich schon auf den hoffentlich bald erscheinenden dritten Teil.

Über den Autor

Jan Zweyer, geboren 1953 in Frankfurt am Main, lebt schon seit vielen Jahren in Herne. Sein halbes Leben war er in unterschiedlichen Funktionen bei verschiedenen Industrieunternehmen beschäftigt, heute ist Zweyer freier Schriftsteller. Nach zahlreichen zeitgenössischen Kriminalromanen und -kurzgeschichten erschien 2007 das erste Buch der geplanten Trilogie um Peter Goldstein, das zur Zeit der Weimarer Republik spielt: Franzosenliebchen. Mit Goldfasan erscheint nun der zweite Band, der sich mit der Nazizeit auseinandersetzt.

27. Juli 2010

Jan Zweyer – Franzosenliebchen

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 13:03
Tags: , , , ,

Teil 1 der Peter Goldstein-Reihe

1923 im Ruhrgebiet. Noch nicht einmal zwei Wochen ist es her als das Ruhrgebiet von französischen Truppen besetzt wurde. Agnes Treppmann hatte ein Anstellung als Dienstmädchen. Erst sehr spät kann sie ihre Arbeitsstelle verlassen. Zu Hause kommt sie nie an. Als man ihre Leiche entdeckt, liegt daneben ein Koppel einer französischen Uniform. Für die deutsche Polizei ist der Fall schnell klar. Aber die Besatzer übernehmen den Fall, umgehend kommt es zum Gerichtsverfahren, in dem die beiden verdächtigen französischen Soldaten freigesprochen werden. In der Berliner Polizeizentrale schenkt man den Untersuchungen kein Vertrauen und schickt den Kriminalkommissar Peter Goldstein ins Ruhrgebiet. Er ist für diesen Auftrag aufgrund seiner Zweisprachigkeit prädestiniert und soll dort verdeckt ermitteln. Das ist ein nicht ungefährlicher Auftrag. Denn nicht nur von Seiten der Besatzer gehen für ihn Gefahren aus.

„Franzosenliebchen“ ist ein Kriminalroman, dessen Handlung in einer Zeit angesiedelt ist, über die man nicht so häufig liest. Dem Roman ist deutlich anzumerken, wie intensiv sich der Autor mit dieser noch relativ jungen Geschichte auseinandergesetzt hat. Überzeugend weiß er vom Widerstand der Bergleute zu berichten, ebenso von der Behandlung der Frauen, die den Besatzern zu freundlich gesinnt waren. So schafft er es, ein authentisch wirkenden Bild der Bergarbeiterkolonie Teutoburgia zu zeichnen. Seine Charaktere sind Menschen, die mit ihren Moral- und Wertvorstellungen wunderbar in das damalige Zeitbild passen. So tritt die kriminalistische Handlung zeitweise zu Gunsten der historischen Handlung in den Hintergrund. Das ist der Geschichte aber keinesfalls abträglich. Der Roman wirkt authentisch und der Spannungsbogen ist fast durchgehend erhalten. Die kleinen Längen innerhalb des Kriminalfalles werden aber durch die Realitätsnähe der Handlung voll kompensiert.

„Franzosenliebchen“ ist der 1. Teil einer auf 3 Teile angelegten Serie um den Kriminalkommissar Peter Goldstein.

Über den Autor

Jan Zweyer, geb. 1953 in Frankfurt am Main, lebt schon seit vielen Jahre in Herne. Sein halbes Leben war er in unterschiedlichen Funktionen bei verschiedenen Industrieunternehmen beschäftigt, heute ist er freier Schriftsteller. Nach zahlreichen zeitgenössischen Kriminalromanen erschien 2007 das erste Buch der geplanten Trilogie um Peter Goldstein, das zur Zeit der Weimarer Republik spielt: Franzosenliebchen. Mit Goldfasan erscheint nun der zweite Band, der sich mit der NS-Zeit auseinandersetzt.

Homepage des Autors

29. März 2010

Sabine Thiesler – Die Totengräberin

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:21
Tags: , ,

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • ISBN-10: 3453434684
  • ISBN-13: 978-3453434684

Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende.“

Dieser Gedanke begleitet Magda Tillmann schon seit ihrer Kindheit. Als ihr Mann Johannes dann nach vielen glücklichen Ehejahren eine Affäre mit der jüngeren Carolina hat, ist für sie klar, dass sie handeln muss. In ihrem Ferienhaus in der Toskana bringt sie ihren Mann um, vergräbt seine Leiche im Garten und pflanzt auf sein Grab ein Olivenbäumchen. Sie verschleiert ihren Mord, in dem sie erklärt, er habe in Rom einen Freund besuchen wollen und sei nun verschwunden. So macht sie eine Vermisstenmeldung und ruft damit den trotteligen Kommissar Neri auf den Plan. Als Johannes Bruder Lukas in dem Feriendomizil auftaucht, ist für Magda die Welt wieder in Ordnung. Sie verdrängt den Tod ihres Mann ebenso, wie sie den des gemeinsamen Sohnes nicht wahr haben will und sieht Lukas als ihren Ehemann an. Dieser macht das Spiel mit, weil er seit Jahren in Magda verliebt ist und erkennt zu spät, dass Magda psychisch krank ist. Aber dann kommt ein Fremder hinter das Geheimnis des frisch gepflanzten Olivenbaumes und will aus diesem Wissen seinen Nutzen ziehen…

Die beiden anderen Krimis von Sabine Thiesler habe ich mit viel Freude gelesen und so hatte ich Grund zu der Annahme, dass „Die Totengräberin“ an dieses Niveau anknüpfen kann. Sabine Thiesler schrieb diesen Krimi in Anlehnung an den bekannten Howcatchem-Stil. Gleich zu Beginn des Buches wird der Leser Zeuge des Mordes, auch der Täter ist von Anfang an bekannt und die Spannung sollte durch die Jagd des Mörders aufkommen. Sollte, ist aber nicht. „Die Totengräberin“ ist streckenweise schreiend langweilig. Der Kommissar Neri scheint einer Komödie entsprungen zu sein und soll nun als Dorftrottel Detektivarbeit leisten, er kommt einer Karikatur aller dümmlichen Ermittler in Film, Fernsehen und Buch gleich. Magda verdrängt in ihrem Wahnsinn alles Schreckliche in ihrer Vergangenheit. Der Unfalltod des Vaters, der ihre Mutter auch mit „Jemand“ betrog, taucht immer wieder bruchstückhaft in ihren Gedanken auf und sie schreibt Briefe an Thorben, dessen Tod sie vollkommen verdrängt hat. Der naive Lukas bemerkt in seiner Verliebtheit das Ausmaß von Magdas Krankheit erst, als es bereits zu spät ist. Die Auflösung ist dann einfach nur noch hanebüchen und an den Haaren herbei gezogen. Bei der Bewertung von Krimis bin ich ja eigentlich recht wohlwollend, für die perfidesten Taten opfere ich gern meine Lesezeit, so lange es dem Autor gelingt mich bei der Stange zu halten. Bei diesem Buch tendierte ich aber doch zwischenzeitlich dazu, es einfach zur Seite zu legen. Warum ich dann doch nicht tat? Weil ich nicht glauben wollte, dass Sabine Thiesler nicht doch noch etwas in Petto hat, was mich mit diesem Kriminalroman versöhnen könnte. Mein Durchhaltevermögen wurde jedoch nicht belohnt Aber das Buch hat auch einen positiven Aspekt, er enthält einige nette Landschaftsbeschreibungen der Toskana. Aber da dies ein Krimi und kein Reiseführer ist, fällt das ja nicht wirklich ins Gewicht.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz… und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit ihrem zweiten Hexenkind.

25. Januar 2010

Jo Nesbø – Leopard

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:55
Tags: , , ,

Leopard
Jo Nesbø
Originaltitel: Panserhjerte
Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Ullstein HC
ISBN-13: 978-3550087745

Nach seinem letzten Fall um den Schneemann brauchte Harry Abstand, Abstand zur Polizei, Abstand zu Norwegen, Abstand zu seinem bisherigen Leben. Die Trennung von Rakel und deren Sohn hat ihn sehr mitgenommen. Unterschlupf hat er in Hongkong gefunden. Aber in Ruhe leben kann er auch dort nicht. Alkohol, Opium und Pferdewetten sind für ihn zum Lebensinhalt geworden. Wegen seiner Schulden bei den Tiraden, der chinesischen Mafia, kann er auch das Land nicht verlassen, denn sie haben ihm seinen Pass als Pfand abgenommen. Die junge norwegische Ermittlerin Kaja Solness fliegt im Auftrag von Gunnar Hagen, Leiter des Morddezernates, nach Hongkong, um Hole zurück nach Norwegen zu holen, denn dort treibt erneut ein vermeintlicher Serienmörder sein Unwesen. Dies sind aber nicht die einzigen Handlungsorte, der Leser verfolgt die Ermittlungen noch in Ruanda, im Kongo und in Leipzig.

Gleich zu Beginn des Romans wird man Zeuge eines äußerst grausamen und perfide ausgeklügelten Mordes an einer Frau. War „Schneemann“ schon nichts für Zartbesaitete, empfand ich „Leopard“ im Vergleich zum Vorgängerbuch noch einmal als eine deutliche Steigerung.

Die Handlung verläuft in verschiedenen Strängen. Neben den Ermittlungen in den Mordfällen ging es in diesem Thriller auch um das Kompetenzgerangel zwischen dem Morddezernat und dem Kriminalamt.

Temporeich erzählt Jo Nesbø vom Fortschreiten der Ermittlungen, von Fehlschlägen und der behördlichen Rivalität. Mikael Bellman, Chef des Kriminalamtes und selbsternannter Platzhirsch, will mit seinem Team allein die Fälle lösen und erkennt die Kompetenz des Morddezernates nicht an. Ruhe kommt in dieses Buch immer dann, wenn Harry Hole seinen todkranken Vater am Sterbebett besucht. Es ist ein leises Abschiednehmen von Vater und Sohn, dass gefühlvoll und eindringlich beschrieben wurde. Eine weiter Handlungsebene ist die unvermeidliche Lovestory. Die gehört wohl einfach zu diesem Genre.

Prinzipiell hat mir „Leopard“ recht gut gefallen. Der Spannungsbogen wurde kontinuierlich aufgebaut und auch bis zum Ende hin gehalten. Die Morde sind zwar brutal, aber gerade noch erträglich und auch die Ermittler sind nicht zimperlich und müssen einiges einstecken. Jo Nesbø erzählt gekonnt und baut geschickte Cliffhanger ein, so lässt er dem Leser Zeit zum Durchatmen und zum stillen Weiterfiebern und hält ihn so vor allen Dingen bei der Stange. Der Thriller ist leicht und flüssig zu lesen, zieht den Leser schnell in seinen Bann und entwickelt dann eine gewisse Eigendynamik. Mir fiel es doch recht schwer, das Buch zur Seite zu legen. Nesbø nutzt intelligent die Zutaten, die einen guten Thriller ausmachen, durchkonstruierte Morde als Grundlage, ein bisschen Liebesgeflüster fürs Gefühl und einige unverhoffte Wendungen für die Spannung. Einzig die Figur des Harry Hole hat mir in diesem Fall nicht so zugesagt. Zwar gelingt es dem Autor gut, seine Sucht und Schwächen zu beschreiben, aber den Widrigkeiten seines Berufsalltags kann er trotzen, obwohl er psychisch und physisch sehr mitgenommen scheint. Nicht jeder kann seine persönlichen Defizite so gut überspielen.

Mein Fazit: „Leopard“ ist der 8., gut in Szene gesetzte Fall des Ermittlers Harry Hole. Wer sich nicht an der Spezifik des Ermittlers stört, rasante und blutige Kriminalromane bevorzugt und Liebhaber dieses Genres ist, für den wird dieses Buch kein Fehlgriff sein.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Jo Nesbø (* 23. März 1960 in Oslo) ist ein norwegischer Musiker und Autor.

Nach einer Ausbildung als Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen war er neben seiner Aufgabe als Sänger und Komponist der Popgruppe Di Derre als Makler und Journalist tätig.

Hauptperson von Nesbøs bisherigen Kriminalromanen ist der alkoholkranke, alleinstehende Hauptkommissar Harry Hole, der zumeist brutale Mordfälle lösen muss.

Nesbø erhielt als Auszeichnung den norwegischen Riverton-Preis und den skandinavischen Krimipreis (Glasnøkkelen) für seinen Debütroman Flaggermusmannen. Sein Roman Rotkehlchen brachte ihm 2000 den norwegischen Buchhandelspreis ein und wurde 2004 zum besten norwegischen Krimi aller Zeiten (Tidenes beste norske krim) gewählt. Seine Werke wurden in die schwedische, finnische, dänische, englische, niederländische, französische, polnische und deutsche Sprache übersetzt.

Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:

  1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
  2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
  3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
  4. Die Fährte (Sorgenfri)
  5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
  6. Der Erlöser (Frelseren)
  7. Schneemann (Snømannen)
  8. Leopard (Panserhjerte)

9. Januar 2010

Joyce Carol Oates – Zombie

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 11:23
Tags: , , ,

Zombie
Joyce Carol Oates
Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
Verlag: DVA
ISBN-13: 978-3421051783

Quentin ist 31 Jahre alt, er ist einsam. Für seine Eltern, der Vater ist Professor, ist er DIE Enttäuschung. Im Ort stößt er wegen seiner Homosexualität auf Ablehnung, nur für seine Großmutter ist er wegen der gelegentlichen Gefälligkeiten ein großartiger Enkel. So gerät er ins Abseits, ist von dem Wunsch beseelt, sich einen Zombie zu schaffen, der ihm hörig ist und wird so zum Serienmörder. Seine Opfer sucht er sich in anderen Ortsteilen oder unter Anhaltern, die in seinem Haus wohnenden Studenten sind tabu. Deren Verschwinden wäre zu auffällig. Er führt an seinen Opfern chirurgische Versuche zur frontalen Lobotomie durch, eine unglaubliche Grausamkeit – auf nähere Erläuterungen möchte hier verzichten.

Joyce Carol Oates hat mit diesem Psychogramm eines Serienmörders ein Buch vorgelegt, das aufgrund der Länge, der Kapiteleinteilung und der eingefügten Skizzen recht schnell zu lesen ist, das aber den Leser auch noch nach der Lektüre beschäftigt. Sie hat den Schwerpunkt ihres Buches nicht auf Effekthascherei und blutige Szenen gerichtet. Es hat mir keine schlaflosen Nächte bereitet, in Gedanken war ich jedoch, wie so oft auch in der Realität, mit der Frage beschäftigt, warum hat keiner etwas bemerkt. Die Autorin schreibt dieses Portrait vollkommen nüchtern, emotionslos und wertungsfrei. Die 57 relativ kurzen Kapitel erinnern an Tagebucheinträge. Teilweise schreibt Quentin P. von sich selbst auch in der 3. Person. So kommt es dazu, dass man als Leser das Gefühl hat, wirklich in die Gedankenwelt einen Psychopathen einzutauchen. Die eingefügten Skizzen, die kindlich und nur flüchtig hingeworfen erscheinen, runden den Eindruck, dem man von dem Protagonisten hat, ab. Stilistisch ist es kein Meisterwerk, aber gute, nachhaltige und interessante Unterhaltung bietet Joyce Carol Oates auf jeden Fall.

Mein Fazit: „Zombie“ ist das hervorragend gezeichnete Portrait eines kranken Kopfes. Einzig die recht kurzen Kapitel haben mich etwas gestört. Es war das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe, ich bin neugierig auf weitere geworden.

Über die Autorin (Quelle: Wikipedia)

Joyce Carol Oates (* 16. Juni 1938 in Lockport im US-Bundesstaat New York) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Gelegentlich publiziert Oates auch unter den Pseudonymen Rosamond Smith und Lauren Kelly.
Oates stammt aus einfachen Verhältnissen der weißen unteren Mittelschicht. Ihr Vater war Werkzeugmacher und Farmer. Ihre Schwester Lynn musste wegen Autismus in ein Heim.1956 erhielt Oates ein Stipendium und studierte in Syracuse und an der University of Wisconsin Englisch und Philosophie. Sie erwarb 1960 den B.A. und 1961 den M.A. Von 1961 bis 1967 war sie Anglistik-Dozentin an der University of Detroit, von 1967 bis 1978 wirkte sie an der Universität im kanadischen Windsor. Nachdem sie von 1978 bis 1981 als Writer in Residence an der Princeton University (New Jersey) gearbeitet hatte, wurde sie dort 1987 Professorin für Kreatives Schreiben.
Seit 1961 war Joyce Carol Oates mit Raymond J. Smith (1930–2008) verheiratet, der als Professor für Literaturgeschichte in Princeton lehrte. Das Paar hatte keine Kinder. Gemeinsam gaben sie die „Ontario Review of Books“ heraus. Im März 2009 heiratete Oates den Neurowissenschaftler Charles Gross.

7. Januar 2010

Greg Iles – Leises Gift

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:29
Tags: , ,

Leises Gift
Greg Iles
Originaltitel: True Evil
Broschiert: 604 Seiten
Verlag: BasteiLübbe
ISBN-13: 978-3404159673

Klappentext

Dr. Chris Shepard hat die junge Frau, die in seine Arztpraxis kommt, nie zuvor gesehen. Alex Morse gibt sich als Agentin des FBI zu erkennen. Sie sei, so sagt sie, auf der Spur eines Scheidungsanwalts, der seinen Klienten einen ganz besonderen Dienst bietet: Ihre Ehepartner sterben auf unerklärliche Weise. “Okay. Aber warum erzählen Sie mir das?” Zum ersten Mal blickte Agentin Morse unbehaglich drein. “Weil …”, sagte sie schließlich zögernd, “vor genau einer Woche Ihre Frau nach Jackson gefahren ist und zwei Stunden im Büro dieses Anwalts verbracht hat.”

Meine Meinung

Greg Iles lässt diesen Thriller mit einem unglaublichen Verdacht beginnen. FBI-Agentin Alex Morse wird am Sterbebett ihrer Schwester mit dem Verdacht konfrontiert, deren Tod sei nicht Folge einer heimtückischen Krankheit, sondern Mord. Als sie auf eigene Faust ermittelt, kommt sie unglaublichen Dingen auf die Spur.

Dieser Thriller beginnt eher bedächtig – jedenfalls für mich, die bei diesem Genre gern zu den etwas blutigeren Stories greift. Aber so unvorstellbar wie diese beginnt, so glaubwürdig-subtil nimmt sie ihren Lauf. Greg Iles versteht es meisterhaft, die Spannung zu halten, den Leser zu fesseln und an der Geschichte zu halten, dabei ist die Mordmethode so originell wie selten, fast schon perfekt. Die Charaktere der Hauptpersonen überzeugen, wenn auch in der üblichen Rollenverteilung von gut und böse, wie (fast) immer in dieser Art Buch fehlt auch hier die Grauzone. Aber darauf kann ich mich problemlos einlassen. Einzig der Schluss kam mir (mal wieder) zu actionlastig daher. Aber Thrillerautoren lieben wahrscheinlich als Ende das groß aufgebotene Finale.

Von Greg Iles habe ich bereits folgende Bücher gelesen:

Blackmail

24 Stunden

29. September 2009

Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:03
Tags: , , , , ,
Ein König für Deutschland Andreas Eschbach Gebundene Ausgabe: 491 Seiten Verlag: Lübbe ISBN-13: 978-3785723746
Ein König für Deutschland
Andreas Eschbach
Gebundene Ausgabe:
491 Seiten Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3785723746

Entscheidend ist nicht, ob wirklich alle Stimmen korrekt gezählt werden; entscheidend ist, dass alle glauben, dass sie korrekt gezählt werden.“

Vincent Wayne Merrit (21) ist ein talentierter Programmierer. In Florida arbeitet er bei einer kleinen Softwarefirma mit einer ambitionierten Chefin und steigt schnell zum 1. Programmierer auf. Dann bekommt er im Jahr 2000 den Auftrag, für einen Abgeordneten ein Programm zu Test- und Studienzwecken zu schreiben, dass die Abstimmungsergebnisse der Wahlcomputer verändern kann. Bereits einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, hat er zunächst Skrupel. Seine Chefin zerstreut seine Bedenken und Vincent erfüllt seinen Auftrag. Als er das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen sieht, kommen Zweifel in ihm auf, ob sein Programm wirklich nur zu Testzwecken genutzt wurde.

Zanetti, der Geliebte der Firmenchefin, erpresst ihn 8 Jahre später mit seinem Wissen über dieses Programm. Vincent soll noch einmal ein solches Programm schreiben. Dieses Mal aber kein zu Testzwecken bestimmtes, sondern ein einsatzfähiges Programm, das bei den Landtagswahlen in Hessen eine Patt-Situation herbeiführen soll.

Vincent gelingt die Flucht, er will sein Programm nicht an Zanetti liefern. Deshalb schickt er es seinem in Deutschland lebenden Vater, Simon König, den er persönlich gar nicht kennt, weil dieser mit Vincents Mutter nur eine sehr kurze Affäre hatte. Simon ist Lehrer an einem Gymnasium, lebt sehr zurückgezogen und weiß von Computern im Prinzip nur, dass es sie gibt. Er soll die CD, die ihm sein Sohn schickte, sicher aufbewahren. Das gelingt ihm nicht einmal einen Tag lang. Und eine Geschichte, die so unvorstellbar gar nicht ist, nimmt ihren Lauf.

Andreas Eschbach setzt seinem Roman das Zitat Stalins voran: „Diejenigen, die wählen, entscheiden gar nichts. Diejenigen, die die Stimmen auszählen, alles.“, das den Leser gedanklich schon auf die hochaktuelle und brisante Handlung vorbereitet.

In gewohnter Manier führt der Autor den Leser auch in seinem neuesten Roman an ein heikles Thema, die Manipulierbarkeit von Wahlen, demokratischen Wahlen mit geheimer Abstimmung mittels Wahlcomputer. Auch in diesem Roman schafft er es, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt. So gefangen ist man in der logisch aufgebauten Handlung und der kontinuierlich gesteigerten Spannung.

Zum besseren Verständnis für die Computerlaien und die normalen Wahlurnenbesucher hat er mittels Fußnoten entsprechende Erklärungen eingebaut, die gleichzeitig die exakte Recherche belegen und die Realitätsnähe dokumentieren. Das gilt auch für die theoretische Möglichkeit, in Deutschland die Monarchie wieder einzuführen.

Andreas Eschbach erzählt seinen Roman in zwei Haupthandlungssträngen, die in den USA angesiedelte Geschichte um Vincent Merrit und den in Deutschland spielenden Teil um den Normalbürger Simon König.

Der einzige Kritikpunkt in diesem Buch ist für mich die Rolle Vincents im letzten Drittel dieses Romans. Für meinen Geschmack hatte der Zufall Vincent den Zugang zum Computer ein bisschen einfach ermöglicht. Diese zusätzliche Action hätte die Romanhandlung nicht erfordert.

Alles in Allem ist es Andreas Eschbach wieder einmal gelungen, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, mit denen ich an diesen Roman ging. Ein flüssig geschriebener und spannend zu lesender Thriller entschädigten mich für eine zweieinhalbjährige Wartezeit auf den neuen Eschbach. Ich kann diesen Roman an die Liebhaber dieses Genres ruhigen Herzens empfehlen.

Das Bundesverfassungsgericht urteilte über den Einsatz von Wahlcomputern am 03. März 2009.

Weitere von mir gelesene Bücher des Autors
Quest
Das Jesus-Video
Ausgebrannt
Eine Billion Dollar

28. Juli 2009

Jeffery Deaver – Der Täuscher

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:02
Tags: , ,

Der Täuscher

Jeffery Deaver

OT: The Broken Window

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764502966

In diesem 8. Fall des Ermittler-Duos Lincoln Rhyme/Amelia Sachs wird es für den gelähmten Ermittler Rhyme persönlich. Sein Cousin Arthur Rhyme wurde wegen Mordverdacht inhaftiert. Auf den ersten Blick erscheint die Beweislast erdrückend zu sein. Bei näherer Betrachtung, wird deutlich, dass es mehrere ähnlich gelagerte Fälle gibt. Den wahren Mörder gilt es nun schnellstens zu finden. Doch das erweist sich als äußerst kompliziert, denn der perfide Täter tarnt sich, indem er durch Datendiebstahl fremde Identitäten annimmt. So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn das Morden geht weiter…

Jeffery Deavers Thriller sind für mich ein Garant für gute und spannende Unterhaltung und diesem Anspruch wird auch dieser 8. Fall um die Ermittler Rhyme/Sachs gerecht. Vom Aufbau sind die einzelnen Fälle sehr ähnlich. Es gibt einerseits die Ermittlerperspektive, dem gegenüber steht die des Täters, der dabei aber nicht identifiziert wird und in diesem Part des Thrillers in der Ich-Form erzählt. Darüber hinaus taucht der Leser mit jedem neuen Fall der Reihe etwas tiefer in das Privatleben und die Vergangenheit der beiden Ermittler ein. Aber jeder Fall ist anders, sowohl von der Thematik als auch vom Spannungsaufbau. In diesem steht der Diebstahl, der Missbrauch und die Manipulation von persönlichen Informationen im Mittelpunkt. Dabei wird aufgezeigt, wie Daten aus dem Gebrauch von Rabatt-, Geld- und Kreditkarten, Spuren im Internet, Informationen aus verschiedensten Verträgen Lebensgewohnheiten widerspiegeln und den Menschen gläsern werden lassen. Ein brisantes Alltagsproblem, bei dem jeder darauf baut, dass seine persönlichen Daten nicht in falsche Hände kommen.

Auch sprachlich ist dieser Thriller ein echter Deaver, dessen Stil durch eine flüssige Schreibweise und den konsequenten Aufbau eines Spannungsbogen unter Verwendung jeder einzelnen Spur gekennzeichnet ist. So wird der Leser förmlich von Kapitel zu Kapitel getrieben. Es gibt immer wieder neue Wendungen, schnell taucht ein Verdacht auf, nur, um ein paar Seiten später wieder verworfen zu werden. Die Charaktere werden brillant beschrieben und der Aufbau des Thrillers ist gewohnt intelligent. Er spielt mit den Ängsten der Menschen und ist absolut nachvollziehbar.

Mein Fazit: „Der Täuscher“ ist für mich der beste – weil auch aktuellste – Deaver, den ich bisher gelesen habe. Dem Leser wird Spannung und Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten. Ich kann diesen Thriller uneingeschränkt jedem Liebhaber dieses Genres empfehlen.

Lincoln-Rhyme-Reihe

1. Fall Die Assistentin/Der Knochenjäger – 1997 – OT: The Bone Collector

2. Fall Letzter Tanz – 1998 – OT:The Coffin Dancer

3. Fall Der Insektensammler – 2000 – OT: The Empty Chair

4. Fall Das Gesicht des Drachen – 2002 OT: The Stone Monkey

5. Fall Der faule Henker – 2003 – OT: The Vanished Man

6. Fall Das Teufelsspiel – 2005 – OT: The Twelfth Card

7. Fall Der gehetzte Uhrmacher – 2006 – OT: The Cold Moon

8. Fall Der Täuscher – 2008 – OT: The Broken Window

Über den Autor (www.amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt und haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

6. Juli 2009

Simon Beckett – Die Chemie des Todes

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:23
Tags: , , , ,

Die Chemie des Todes

Simon Beckett

OT: The Chemistry of Death

Taschenbuch: 432 Seiten

Verlag: Rowohlt

ISBN-13: 978-3499241970

 

 

David Hunter übernimmt in einem kleinen Ort in Norfolk eine Arztpraxis. Seit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter hält ihn nichts mehr in London, auch mit seinen Beruf als forensischer Anthropologe will er nichts mehr zu tun haben. Aber in seiner neuen Heimat ist er ein Fremder, ein Zugezogener, er muss gegen Vorurteile kämpfen. Dann wird die Leiche einer Frau gefunden, auch eine Fremde, Hunter hilft der Polizei bei den Untersuchungen und gerät schnell bei den Bewohnern Manhams unter Verdacht. Als kurz darauf noch eine junge Frau verschwindet, eine Einheimische, regiert im vorher so idyllischen Ort die Angst… 

Dieser Roman ist der erste Teil der David-Hunter-Reihe und Simon Beckett ist damit ein spannender Thriller gelungen. Bei mir führte er ein recht langes unbeachtetes Dasein im Regal. Nach dem was ich bisher darüber hörte bzw. las, erwartete ich einen Thriller, der so ziemlich alles, was ich vorher in diesem Genre gelesen habe, in den Schatten stellen sollte. An dem war es nicht ganz. Die Chemie des Todes ist ein solider Thriller, der sich der bekannten Stilmittel bediente, keineswegs schlecht, aber die Freudenbekundungen blieben bei mir aus. Trotzdem habe ich das Buch aufgrund der flüssigen Schreibweise schnell und gern gelesen und freue mich auf die Nachfolger. An die werde ich dann mit etwas weniger großen Erwartungen herangehen. Ich hätte mir gewünscht, dass in dem Thriller ein wenig mehr auf die Arbeit des forensischen Anthropologen eingegangen wird. Aber vielleicht kommt das ja in nächsten Büchern. 

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Simon Beckett (* 1968[1]in Sheffield, England) ist ein britischer Journalist und Autor. Er ist Verfasser von erfolgreichen Kriminalromanen, die inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Nach seinem Abschluss mit einem Master of Arts in englischer Sprache arbeitete Beckett als Immobilienhändler, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Als freiberuflicher Journalist schrieb er für The Times, The Independent on Sunday, The Daily Telegraph, The Observer und andere Publikationen.

Bei Recherchen lernte er die Polizeiarbeit von innen kennen; das gilt insbesondere für seine Erfahrungen mit der Body Farm der University of Tennessee in Tennessee, USA, einer Forschungsanstalt für Verwesungsprozesse. Dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.

 

25. Mai 2009

Simon Beckett – Obsession

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:53
Tags: , ,

Obsession

Simon Beckett

OT: Owning Jacob

Rowohlt-Taschenbuch

ISBN: 978-3499248863

9,95 EUR

Als Sarah starb, blieb Ben nur noch ihr autistischer Sohn Jacob. Als er beim Aufräumen eine Schatulle mit Zeitungsartikeln über eine Kindesentführung fand, wird Ben nachdenklich. Denn der Säugling wurde genau an dem Tag entführt, an dem Sarahs Sohn geboren wurde. Auf eigene Faust beginnt er sich mit Ermittlungen, die ihn bis zur Obsession treiben…

Obsession“ ist der erste Roman den ich von Simon Beckett las und gleich vorweg, ich fand ihn nicht schlecht. Der Thriller entwickelte sich zügig, war actionreich geschrieben und spannend. An manchen Stellen war die Handlung ein wenig an den Haaren herbeigezogen und somit auch nicht ganz schlüssig. Bens Abneigung allen im Roman vorkommenden Frauen gegenüber konnte ich bis zum Schluss nicht begreifen, aber auch ein Thriller-Held hat halt manchmal ein unbewusstes Feindbild neben dem eigentlichen Gegner. Das Hin und her um den autistischen Jungen hat sehr berührt, Die Rolle, die die Behörden dabei spielten, war keine gute, aber gerade das Festhalten an Paragraphen und Vorschriften empfand ich als sehr realitätsnah.

Mein Fazit: „Obsession“ ist ein kurzweiliger Thriller für zwischendurch, der gut unterhält. Der allgemeinen Meinung nach zu urteilen sollen ja seine aktuelleren Thriller um Längen besser sein. Ich bin gespannt.

Über den Autor (www.amazon.de)

Simon Beckett, geboren 1968, versuchte sich nach Abschluss eines Englischstudiums als Immobilienhändler, lehrte Spanisch und war Schlagzeuger. 1992 wurde er freier Journalist und schrieb für bedeutende britische Zeitungen wie “Times”, “Daily Telegraph” oder “Observer”. Im Laufe seiner journalistischen Arbeit spezialisierte Beckett sich auf kriminalistische Themen. Als Romanautor trat er zuerst 1994 an die Öffentlichkeit. Simon Beckett ist verheiratet ist und lebt in Sheffield. Andree Hesse wurde 1966 in Braunschweig geboren und wuchs bei Celle auf. Nach einer Sattlerlehre studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er lebt als Schriftsteller und Übersetzer englischsprachiger Literatur in Berlin.

22. Mai 2009

Inge Löhnig – Der Sünde Sold

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:25
Tags: , ,

Der Sünde Sold

Dühnforts 1. Fall

Inge Löhnig

Broschiert: 432 Seiten

Verlag: Ullstein TB-Verlag

ISBN-13: 978-3548268644

8,95 EUR

Im beschaulichen Mariaseeon verschwindet der 5jährige Jakob nach dem Spiel bei einem Freund. Die Dorfbewohner beginnen die Suche, Kommissar Konstantin Dühnfort leitet die Ermittlungen, aber der Junge bleibt spurlos verschwunden. Bei einem Waldlauf entdeckt die neu in das Dorf gezogene Agnes Gaudera Jakob nackt auf einem Holzhaufen, der einem Scheiterhaufen sehr ähnlich sieht. Körperlich ist Jakob gesund, seine Sprachlosigkeit ist jedoch die Folge psychischer Verletzungen. Wer war der Täter, welche Motive hatte er oder sie? Die Polizei ist noch mitten in ihren Ermittlungen als die Erzieherin des Jungen auf grausamste Weise ermordet aufgefunden wird…

Der Sünde Sold“ ist das gelungene Krimi-Debüt von Inge Löhnig. Von der ersten Seite an nahm mich die Handlung gefangen. Dachte ich zu Beginn des Buches noch, es würde sich ausschließlich um Verbrechen an Kindern handeln, nahm der Krimi schon nach kurzer Zeit eine Wendung, wurde deutlich thrillerlastiger und spannender. Mit dem Kommissar Konstantin Dühnfort wurde eine sehr lebensechte und menschliche Figur geschaffen, die. Durch seine ganz spezielle Art und Weise war er mir sofort sympathisch. Auch die anderen Figuren waren durch das Leben gezeichnet. Jeder musste bereits Schicksalsschläge bewältigen, hatte gute und auch schlechte Seiten. Auch die sich leise anbahnende Liebesgeschichte hatte ihren Charme. Die gesamte Story war intelligent geschrieben, durchdacht und stimmig. Auch als ich ahnte, wer die Taten begangen haben könnte, wurde der Spannungsbogen gehalten. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.

Mein Fazit: „Der Sünde Sold“ zeigt mir wieder, dass es den guten deutschen Krimi noch gibt. Ich werde den 2. Fall des Kommissars Dühnfort, der am 1. Februar 2010 unter dem Titel „In weißer Stille“ erscheint, ungeduldig erwarten.

Über den Autor (www.amazon.de)

Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert. Nach einer Karriere als Art- Directorin in verschiedenen Werbeagenturen hat sie sich mit einem Designstudio selbstständig gemacht. Inge Löhnig wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

9. Februar 2009

Ilkka Remes – Das Erbe des Bösen

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:18
Tags: , ,

http://www.amazon.de/Das-Erbe-B%C3%B6sen-Ilkka-Remes/dp/3423246669/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1234194417&sr=8-1

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

An die Nazis hat er seine Seele verkauft. An die NASA sein Wissen. Jetzt holt die Vergangenheit ihn ein. Als der finnische Physiker Rolf Narva in hohem Alter überraschend eine Reise nach Berlin antritt und spurlos verschwindet, beginnt für seinen Sohn Erik und dessen Frau Katja ein Alptraum. Vieles deutet darauf hin, dass ein dunkles Geheimnis die Vergangenheit des Vaters umgibt. Einst hatten Rolf und seine Frau, eine Biologin, als Wissenschaftler in den USA Karriere gemacht. Was führt den alten Mann jetzt nach Berlin? Und was hat das Deutschland der Nazizeit mit Rolfs Verschwinden zu tun? Erik – selbst Wissenschaftler – hat eine erfolgreiche Gentechnik-Firma in London gegründet. Doch plötzlich erhält das Thema Genetik für ihn eine ganz neue Dimension. Während Erik und Katja einem entsetzlichen Familiengeheimnis auf die Spur kommen, ahnen sie nichts von der Gefahr, die sie selbst und das Leben ihrer Kinder bedroht …

Meine Meinung

“Das Erbe des Bösen“ war mein erster, aber sicher nicht mein letzter Roman von Ilkka Remes. Geschickt verwob er in diesem Thriller die Fäden zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei verknüpfte er Wahrheit und Fiktion auf eine Weise, wie ich sie in einem Buch dieses Genres bisher nicht gelesen habe. Die Arbeit der Wissenschaftler im nationalsozialistischen Deutschland, deren spätere Abwanderung in die USA und die Folgen für das spätere Leben der Protagonisten sind so spannend beschrieben, dass dies allein schon die Basis für einen Roman bieten würde. Aber das Verschwinden von Rolf Narva und die familiäre Geheimnistuerei, die Suche nach ihm und die Aufdeckung des Familiengeheimnisses steigern den Spannungsbogen dermaßen, dass man völlig in dem Buch versinken konnte. Seine Protagonisten hat Remes lebensecht konzipiert und diese Realitätsnähe hat er bis zum Ende durchgehalten. Ihre Handlungen waren logisch aufgebaut und somit für mich nachvollziehbar. Der Thriller, in dem mehrere Handlungsstränge zusammengeführt wurden, ließ sich leicht und flüssig lesen und überzeugte durch seine Authentizität. Die wissenschaftlichen Passagen waren auch für den Laien verständlich. Meine einzigen Kritikpunkte sind die ziemlich offensichtliche Produktwerbung und (wieder einmal) das Finale Grande. Letzteres scheint aber eine ganz persönliche Macke von mir zu sein, das bemängele ich bei vielen Büchern.

Mein Fazit: „Das Erbe des Bösen“ ist ein historisch fundierter, spannungsgeladener, realistischer Thriller, den ich sehr gern gelesen habe und den ich ebenso gern weiter empfehle. Hintergrundinformationen kann man auf der Autoren-Website des dtV nachlesen.

Über den Autor (www.amazon.de)

Ilkka Remes wurde 1962 in einer Gemeinde im südostfinnischen Seengebiet geboren.1997 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der sogleich die Bestsellerlisten eroberte. Remes war der erste Autor, der einen Thriller reinsten Wassers vorlegte. Er hat die finnische Variante des Genres eingeführt und etabliert.Dem Debüt sind mittlerweile weitere Thriller gefolgt. Ilkka Remes ist der meistgelesene finnische Schriftsteller. Seine Bücher erzielen in Finnland stets sechstellige Auflagenhöhen. In der Öffentlichkeit macht sich der Autor rar. Innerhalb von 7 Jahren hat er zwei Interviews gegeben. Er tritt in Finnland nirgendwo auf, macht keine PR-Touren oder dergleichen.

Broschiert: 528 Seiten * Verlag: Dtv (Mai 2008) * ISBN-13: 978-3423246668

26. Januar 2009

Jo Nesbø – Schneemann

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:41
Tags: , ,

Harry Hole ist ein erfahrener Osloer Polizist mit seinen kleinen Eigenheiten. In seinem 7. Fall jagt er einen äußerst brutalen Serienmörder, der es auf auf junge Frauen mit Kindern abgesehen hat. Vier tötet er auf bestialische Weise. Als Markenzeichen hinterlässt er einen Schneemann in den Gärten der Opfer. Nach und nach wird klar, dass die Morde direkt mit den Kindern im Zusammenhang stehen müssen. Aber Hole ist bei diesem Fall auch persönlich involviert, der Täter hat seine Geliebte im Visier.

Dies war der erste Roman, den ich von Jo Nesbø gelesen haben. Dass es bereits der 7. Fall des Ermittlers Harry Hole war, beeinträchtigte mein Lesevergnügen keineswegs. Auch bei der Person des Ermittlers wurden keine Kenntnisse vorausgesetzt, sondern Informationen über dessen Vergangenheit geschickt mit der Handlung verbunden. Der Autor hat einen fantastischen Spannungsbogen hergestellt und gehalten. Die Taten waren realistisch beschrieben und forderten vom Leser schon eine gewisse Härte. Die Idee des Krimis war komplex, gut ausgefeilt und sorgte für einige Überraschungen. Bereits in der ersten Hälfte des Buches hatte ich einen Verdacht, wer der Schneemann sein könnte. Aber im Verlauf der Handlung kam mir diese so abstrus vor, dass ich sie verwarf – nur, um am Ende festzustellen, so falsch lag ich nicht. Genau das machte diesen Krimi aus. Unverhoffte Wendungen, die nicht an den Haaren herbeigezogen waren, sondern vom Autor logisch gefügt wurden. Die Sprache war so wie ich sie mir für einen Kriminalroman wünsche, leicht und flüssig zu lesen, schnörkellos, nichts soll den Lesefluss hemmen. Einzig kritikwürdig empfand ich das Ende, das war mir – wie bei vielen anderen Büchern dieses Genres – zu actionlastig. Hatte da der Autor vielleicht ein eventuelles Drehbuch im Hinterkopf?

Mein Fazit: „Schneemann“ ist ein sehr spannender Kriminalroman, der Lust auf seine Vorgänger gemacht hat. Für Krimileser ist er ein absoluter Buchtipp. Für mich war es nicht der letzte Nesbø.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Der erfolgreichste Autor Norwegens ist längst auch international ein Bestsellerautor, seine Romane um Kommissar Harry Hole werden in dreißig Sprachen übersetzt. Schneemann wurde – wie schon Nesbøs Debüt Der Fledermausmann – in der Kategorie “Bester Kriminalroman des Jahres” mit dem “Buchhändler-Preis” (Bokhandlerprisen) ausgezeichnet sowie mit dem “Buchclub-Leserpreis” (Bokklubben Nye Bøkers leserpris) als “Bester Roman des Jahres”. Jo Nesbø lebt in Oslo.

Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:

  1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
  2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
  3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
  4. Die Fährte (Sorgenfri)
  5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
  6. Der Erlöser (Frelseren)
  7. Schneemann (Snømannen)

OT: Snømannen * Gebundene Ausgabe: 512 Seiten * Verlag: Ullstein Hc * ISBN-13: 978-3550087578

9. Dezember 2008

Ines Thorn – Galgentochter

Einsortiert unter: 2008,History,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:21
Tags: , , ,

Auf dem Frankfurter Galgenberg wird die Leiche einer Hure neben einem aufgehängten Hund gefunden. Der Richter sieht es als erwiesen an, dass es sich dabei um einen Selbstmord handelt. Auf die Argumentation seiner Frau Hella und deren Mutter Gustelies gibt er nichts. Als kurze Zeit darauf eine Leiche nach der anderen dort aufgefunden wird, immer von einem erhängten Hund begleitet, beginnen die beiden Frauen ihre Ermittlungen auf eigene Faust.

In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens, Tochter einer Hübschlerin, erzählt, die selbst nach der Versteigerung ihrer Jungfräulichkeit, nur knapp dem Hurenhaus entkam.

 

Die Bücher von Ines Thorn habe ich immer gern gelesen. Sie waren gut recherchiert, stilistisch angenehm zu lesen und ihre Figuren waren ausgesprochen lebendig beschrieben. Mit diesem Buch hat die Autorin neues Terrain beschritten, es ist ihr erster Krimi und mich überzeugte er leider gar nicht. Die Figuren passten nicht in ihre Zeit, die beiden ermittelnden Frauen waren für die Mitte des 16. Jahrhundert überzogen emanzipiert, das machte die Geschichte unglaubwürdig. Die Charaktere bekamen in meinen Gedanken keine Gesichter, sie blieben farblos. Die Geschichte um die 13-jährige war mir an vielen Stellen viel zu detailliert. Gewalt kann auch beschrieben werden, in dem man Einzelheiten nicht schildert. Die Rolle des Hundes empfand ich grenzwertig. Dem Mädchen sind Dinge widerfahren, die man keinem Menschen wünscht. Mir fehlte es da am Feingefühl der Autorin. Die Detailtreue bei den Misshandlungen erinnerte fast schon an die Effekthascherei der Boulevardberichterstattung. Daher war ich schon erstaunt, dass die Autorin diese entsetzlichen Szenen in solch einer Ausführlichkeit schilderte. Für mich war auch sehr schnell klar, wer der Mörder ist. Diese Vorhersehbarkeit nahm mir dann auch noch die Spannung.

Ich habe dieses Buch aber trotz aller Kritikpunkte zu Ende gelesen. Das lag an der schönen, flüssigen Schreibweise von Ines Thorn, die ich immer so mochte

Mein Fazit: „Galgentochter“ war der erste Krimi, den ich von Ines Thorn gelesen habe, es war wohl auch der letzte. Mit dem Buch wurde ich von Beginn an nicht warm, zu viel hatte ich zu bemängeln. Schade. Allerdings gibt mein SuB noch ein ungelesenes Buch der Autorin her, auf das ist die Vorfreude ungemindert.

 

Broschiert: 384 Seiten * Verlag: Rowohlt Tb * ISBN-13: 978-3499246036

 

27. Oktober 2008

Klaus-Peter Wolf – Ostfriesenblut

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 09:56
Tags: , ,

2. Fall

Als Ann Kathrin Klaasen eines Abends nach Hause kommt, findet sie vor der Tür ihres Hauses eine Leiche. Die Ermittlungen beginnen und recht schnell wird die Identität der Toten geklärt. Es handelt sich dabei um Regina Orthner, die früher in einem Kinderheim arbeitete. Auf ihrem Totenschein ist Herzversagen vermerkt, Untersuchungen ergeben jedoch, dass die Frau keineswegs eines natürlichen Todes gestorben ist. Noch während der Ermittlungen in diesem Fall erhält Ann Kathrin Klaasen Hinweise auf weitere Taten.

Wie schon im ersten Teil der in Norddeich handelnden Krimiserie um die Kommissarin Klaasen wird auch in diesem nicht nur der Kriminalfall beleuchtet. Die Person der Kommissarin steht ebenfalls als Mensch im Mittelpunkt. Und menschlich ist sie. Sie macht ihren Job, ist ehrgeizig, aber im Hinterkopf hat sie immer ihre gescheiterte Beziehung und den Sohn, zu dem sie immer weniger Zugang hat. Als dann auch noch die neue Lebensgefährtin ihres Ex verschwindet, wird es für Ann Kathrin Klassen ganz persönlich.

Durch „OstfriesenKiller“ wurde ich auf Klaus-Peter Wolf als Autor aufmerksam. „Ostfriesenblut“ war danach eine Art Pflichtlektüre für mich. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Wie schon im ersten Teil sind die Protagonisten sehr lebensecht und natürlich gezeichnet. Sie stehen im Beruf mit all ihren Alltagsproblemen und grenzen sich von Superkommissaren zum Glück deutlich ab. Trotz idyllischer Urlaubslandschaft und sympathischen Polizeibeamten mangelt es diesem Krimi aber weder an Spannung noch an Brutalität. Die Tat selbst ist verknüpft mit der Thematik der schwarzen Pädagogik. Gekonnt ließ der Autor Informationen darüber ein sein Buch einfließen, ohne dabei die Kriminalfälle aus dem Auge zu verlieren.

Die Spannung wurde konsequent aufgebaut und auch durch die privaten Begebenheiten um die Kommissarin nicht abgeflacht. Durch die einfache, schnörkellose Sprache ist das Buch gut und flüssig zu lesen.

Mein Fazit: „Ostfriesenblut“ ist ein raffinierter deutscher Krimi, der mir noch einen Tick besser gefiel als sein Vorgänger. Jedem Krimifan, der ohne große Actionszenen auskommt, ist dieses Buch sehr zu empfehlen.

Broschiert: 328 Seiten * Verlag: Fischer (Tb.) * ISBN-13: 978-3596166688

30. September 2008

Greg Iles – 24 Stunden

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:39

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
24 Stunden – so lange dauern in der Regel die perfekt geplanten Entführungen eines Kidnapper-Trios. Die schockierten Eltern zahlen das geforderte Lösegeld, und die geraubten Kinder gelangen wohlbehalten nach Hause. Doch im Fall der kleinen Abby Jennings verläuft nichts nach Plan: Denn das entführte Mädchen benötigt dringend ein lebensnotwendiges Medikament, und ihre Eltern gehören nicht zu der Sorte von Menschen, die sich widerstandslos geschlagen geben. Die Jagd nach den Kidnappern wird zu einem Kampf auf Leben und Tod …

Meine Meinung

Nachdem ich „Blackmail“ als sehr spannend und unterhaltsam empfand, wollte ich von Greg Iles mehr lesen. „24 Stunden“ kam mir als nächstes in die Hände. Die ersten Seiten hielten, was ich erwartete, eine gute Story und viel Spannung. Aber mit der Entführung der Abby Jennings verwässerte die Geschichte nach und nach immer mehr. Weder das Entführer-Trio noch die Jennings waren in ihren Handlungen konsequent. Viele Dinge erschienen nicht recht schlüssig und der Zufall war auch ein beliebter Helfer in diem Thriller. Allerdings ließ sich das Buch flüssig lesen und es gab die eine oder andere Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Der Schluss des Buches war dann sehr actiongeladen. Wahrscheinlich hatte der Autor schon das effektvolle Finale der Verfilmung vor Augen. Mich hat „24 Stunden“ nicht überzeugt.

Taschenbuch: 400 Seiten * Verlag: Lübbe * ISBN-13: 978-3404148103

3. September 2008

Jeffery Deaver – Der gehetzte Uhrmacher

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:06
Tags: , ,

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Er mordet mit der unfehlbaren Präzision eines Schweizer Uhrwerks

“Der kalte Vollmond scheint die Erde an: Das Ende der Reise, die mit der Geburt begann.” Der Uhrmacher

Blutige Handabdrücke auf einem Pier – die Leiche fortgerissen von den eiskalten Fluten des Hudson River. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse des Broadway – sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader … Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können zwar kein Motiv für die quälend grausamen Morde entdecken, doch dafür hat der Täter an beiden Tatorten deutliche Spuren hinterlassen: kleine, laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunter zählten – die unverwechselbare Visitenkarte des “Uhrmachers”. Fieberhaft machen sich die beiden Ermittler auf die Jagd und erhalten dabei unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance, eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, entlarvt Falschaussagen präziser als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint mit ihrer Unterstützung der Täter schon bald entlarvt. Doch dann wird klar: Der Uhrmacher ist seinen Verfolgern längst einen entscheidenden Schritt voraus, und irgendwo im Verborgenen tickt ein Zeitzünder unerbittlich gegen Null … Der siebte Fall für den genialen gelähmten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs!

Meine Meinung

“Nichts ist, wie es scheint.”

Der gehetzte Uhrmacher“ ist der 7. Fall des Ermittlerduos Rhyme/Sachs.

In New York treibt ein Mörder sein Unwesen, der seine Opfer scheinbar willkürlich auswählt und an jedem Tatort eine laut tickende Uhr als persönliches Markenzeichen hinterlässt. Lincoln Rhyme ist wieder gefordert und in altbekannter Manier lässt Deaver den Leser direkt an den Ermittlungen teilnehmen. Die Ermittlungslisten werden von Kapitel zu Kapitel umfangreicher, aber dem Täter scheinen weder Rhyme noch der Leser näher zu kommen. Gleichzeitig ist Amelia Sachs dabei, ihren ersten eigenen Fall als Ermittlerin zu bearbeiten. So steht sie Rhyme nicht in dem Maße zur Verfügung, wie er sie benötigt. Dafür kommt ihm Kathryn Dance zu Hilfe, sie ist Spezialistin für die Analyse der Körpersprache. Rein zufällig stehen die beiden Fälle, dann aber doch in einem direkten Zusammenhang. Der Thriller nimmt noch einige unverhoffte, manchmal auch unnötige Wendungen, aber am Ende kommen Rhyme und Sachs ans Ziel und beide Fälle werden gelöst.

Jeffery Deavers Thriller um das Ermittlerpaar Rhyme/Sachs standen für mich immer als Garanten für Spannung und gute Unterhaltung. In dieser Hinsicht war ich von diesem etwas enttäuscht. Der Thriller hatte unerwartete Längen und auch der Spannungsbogen konnte nicht durchweg gehalten werden. Immer wieder flachte die Geschichte ab, obwohl der Plot an sich gut war. Einige Seiten weniger hätten die Handlung gestrafft und wären sowohl für das Buch als auch für mich als Leser von Vorteil gewesen. Etwas gestört haben mich auch die manchmal einfach zu durchschauenden Handlungskonstrukte. Überzeugt hat mich dieser Thriller nicht. Vielleicht hat sich nach den 7 Fällen die Story um die beiden Ermittler auch einfach nur abgenutzt. Vieles von der Genialität, mit der die beiden in den vorherigen Fällen brillierten, war unauffindbar.

Mein Fazit: „Nichts ist, wie es scheint.“ Und nicht in jedem Deaver ist die erwartete Spannung drin, die der Klappentext verspricht. Leider. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Aber der nächste Thriller „Die Menschenleserin“ ist schon in der Warteschleife. Ich bin gespannt.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764502027

Sabine Prilop – Das Mühlengrab

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:50

/

 

Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Der schöne Rostocker Kommissar mit dem schicken Roadster, der Leidenschaft fürs Kochen und dem flotten Schlagstock beim Trommeln in seiner Jazzband ist schwer angeschlagen. Thomas Bellroth trauert um die Frau, die er heiraten wollte. Rache an Sonjas Mörder ist der einzige Gedanke, für den sein Kopf noch zu taugen scheint bis man ihn in Urlaub schickt, in die Provinz zwischen Gifhorn und Braunschweig, zu seinem Vater. Dort beginnt eine ganz andere Art von Jagd: eine Schatzsuche in alten Mühlen. Thomas ist nicht der einzige in diesem mörderischen Spiel, in dem sich Gegenwart und Vergangenheit verweben. Aber was er zuerst dabei zu Tage fördert, hatte er nie wiederfinden wollen: Erinnerungen an seine Kindheit. Der Tag, an dem sein Vater in den Westen floh …Vor dem Hintergrund der Atmosphäre der ländlichen Kleinstadt Gifhorn und der Faszination ihres Mühlenmuseums entwickelt Sabine Prilop ganz nebenher eine deutsch-deutsche Familiengeschichte und eine Vater-Sohn-Beziehung, die ebenso spannend ist wie der Kriminalfall, in den Bellroth in Meine hineingezogen wird. Es ist nicht nur ihr Insiderwissen über die Polizeiarbeit, die Prilops Romanfiguren authentisch macht.

 

Meine Meinung

Organisierte Kriminalität, eine unaufgearbeitete Familiengeschichte und Heideidyll sind die Zutaten für diesen Krimi. Mein erster Gedanke, nach dem ich den Klappentext las, war: ‚Das geht gar nicht.’ Aber schon nach wenigen Seiten war ich von dem Krimi, der für mich fast mehr eine Familiengeschichte war, gepackt. Ich wollte mehr wissen über den Rostocker Kommissar Thomas Bellroth, sein kompliziertes Verhältnis zu seinem Vater und die geheimnisvollen Geschichten um den Mühlenschatz. Geschickt hat Sabine Prilop Gegenwart und Vergangenheit der Romanfiguren mit einander verbunden, so, dass man die Hintergründe für die Handlungen der einzelnen Personen recht gut nachvollziehen konnte. Die Handlung des Buches war in der Umgebung von Gifhorn angesiedelt. Eine Gegend, die mir durch einen Urlaub nicht unbekannt war und so hatte ich z. B. den Tatort im Mühlenmuseum bildlich vor Augen.

Dies war das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. „Mühlengrab“ ist flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Besonders die detailgetreuen Beschreibungen der Mühlen haben mich beeindruckt. Trotz der komplizierten Familiengeschichte und der schön beschriebenen Heidelandschaft verlor Sabine Prilop den roten Faden nicht aus den Augen. Die Spannung zog sich konsequent durch das ganze Buch. Den Freunden des ruhigeren Krimis würde ich diesen Heidekrimi ohne Bedenken empfehlen. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.
Danke, liebe Steffi, für diese Überraschung.

 

Broschiert: 208 Seiten * Verlag: Leda Verlag * ISBN-13: 978-3939689102

« Vorherige SeiteNächste Seite »

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 33 Followern an