Karthauses Bücherwelt …

18. September 2011

Tom Rob Smith – Agent 6

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 13:27
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Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

Moskau 1950. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit Austin nicht hinter die Kulissen des für ihn inszenierten Alltags schauen kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es fast zum Eklat. Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wurde eine Rolle in dem Spektakel zugewiesen. Der Abend endet mit mehreren Toten, und nur ein Mann weiß, was wirklich geschah: Agent 6. Und eines Tages wird Leo ihn finden.

 Meine Meinung

„Agent 6“ ist nach „Kind 44“ und „Kolyma“ bereits der dritte Roman um Leo Demidow. Wieder stehen er und seine Entwicklung im Mittelpunkt des Geschehens und der Zuordnung zum Genre des Thrillers kann ich nur bedingt zustimmen. Das ist aber eine Nebensächlichkeit. Betrachte ich den Roman rückblickend, kann ich sagen, dass es Tom Rob Smith gut gelungen ist, die Arbeit der verschiedenen Geheimdienste, neben dem KGB spielen auch die CIA und das pakistanische Pendant ISI eine Rolle, darzustellen. Für mich, die ich nur über literarische Geheimdiensterfahrungen verfüge, stellten sich diese Sachverhalte so dar, als hätte es sie in der Realität so gegeben. Der gesamte Roman, egal ob der Handlungsort die damalige Sowjetunion, die USA oder auch Afghanistan war, wirkte von Beginn an sehr düster und bedrückend auf mich. Die persönliche Entwicklung, die Leo Demidow nahm, war zwar menschlich nachvollziehbar beschrieben, manche Abschnitte wirkten aber trotzdem überzogen auf mich. „Agent 6“ lebt von und mit vielen Zeitsprüngen, Was in diesen ausgesparten Jahren geschah, weiß der Leser teils aus den Vorgängerromanen, teil bleiben die Geschehnisse auch im Dunkeln. Das fand ich ein wenig schade. Aber die Zeit, die der Leser den Protagonisten durch die verschiedenen Schauplätze begleitet, sind großteils spannend, actiongeladen und mitunter schon fast hollywoodlike. Besonders die letzten 100 Seiten waren so geschrieben, als hätte der Autor bereits eine Verfilmung im Hinterkopf, sozusagen ein finale grande, um dann (zu) schnell und einfach einen Schlusspunkt zu setzen.

Mein Fazit: „Agent 6“ ist ein schlüssig aufgebauter Roman, der auf den vorhergehenden Büchern aufbaut und mich trotz des etwas schwachen Endes gut lesen ließ.

Über den Autor (Quelle: amazon)

Tom Rob Smith wurde 1979 als Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters in London geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte in Cambridge und Italien und arbeitete anschließend als Drehbuchautor. Mit seinem Debüt »Kind 44« gelang Tom Rob Smith auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Er wurde u. a. mit dem »Steel Dagger« ausgezeichnet, für den »Man Booker Prize« nominiert und bisher in 30 Sprachen übersetzt. Nach »Kolyma« legt der Autor mit „Agent 6“ nun den dritten und letzten Band um den Geheimdienstoffizier Leo Demidow vor.

Originaltitel: Agent 6 * Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Manhattan * ISBN-13: 978-3442546770

5. Juli 2011

Andrea Busfield – Mauertänzer

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 19:11
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Mauertänzer
Andrea Busfield
OT: Born Under a Million Shadows
Gebundene Ausgabe: 334 Seiten
Verlag: Atrium-Verlag
ISBN-13: 978-3855350438

Kabul nach 2001. Nachdem Taliban das Haus der Familie zerstört hatten, Vater und Bruder töteten und die Schwester verschleppten, fanden Fawad und seine Mutter Unterschlupf bei der Tante. Sie hatten nun zwar ein Dach über dem Kopf, aber das Leben war schwierig und die Schwester der Mutter trug nichts dazu bei, es einfacher werden zu lassen. Von der Arbeit der Mutter konnten sie nicht überleben. So war der 11jährige Fawad gezwungen, den Reichtum der Ausländer umzuverteilen. Dann bekam die Mutter Arbeit und Unterkunft im Haus von drei in einer Wohngemeinschaft lebenden Ausländern. Fortan bildeten James, ein dem Alkohol nicht abgeneigter Journalist, Georgie, die sich als Aufbauhelferin um die Kashmirziegen kümmert und die lesbische May ihre Nachbarn und Arbeitgeber. Fawad lernte eine völlig neue, sehr freizügige Welt kennen. Mit Georgie, die seine Sprache sprach, führte er intensive Gespräche und schnell entwickelte der Junge eine Schwärmerei für die Engländerin, die mit einem einflussreichen Paschtunen liiert war.
Andrea Busfield hat über Jahre hinweg in Afghanistan gelebt, sie kennt das Land und die Mentalität der Menschen. Der Erzähler der Geschichte ist der 11jährige Fawad, der Mauertänzer. Mit seinen Augen und den kindlichen Gedankengängen öffnet die Autorin dem Leser ein Fenster in das gerade von den Taliban befreiten Afghanistan. Der Charme der Naivität eines Kindes ist es dann auch, der das Buch zu etwas Besonderem macht. So wie Fawad in seiner Wohngemeinschaft zwischen Tradition und Moderne steht, ist es ein Sinnbild für das heutige Afghanistan. Alte und bewährte Werte wie Tradition, Familienzusammengehörigkeit und Solidarität werden mit dem unbekümmert freien westlichen Leben gemessen und am Beispiel von Georgies Beziehung zu dem Paschtunen wird aufgezeigt, wie schwierig die Verknüpfung beider Welten ist.
Fawad erzählt viele Anekdoten aus dem Leben der afghanischen Familie und wenn es dann zu Missverständnissen in seinem neuen Lebensumfeld kommt entbehrt das nie einer gewissen Komik. Andererseits werden auch die Auswirkungen der langjährigen Kriege, der Drogen und der ärmlichen Lebensverhältnisse thematisiert.
In dieses Buch wurden sehr viele Themen angerissen und nicht alle logisch bis zum Ende geführt. Über die Authenzität des Buches wage ich nicht zu urteilen. Ich habe es als fiktive Geschichte einer Autorin gelesen, die Land und Leute gut kennt und entsprechend in ihrem Roman verarbeitet.
Ich habe das Buch, dass sich sehr leicht lesen lässt, in einem Rutsch durchgelesen und habe es sehr unterhaltsam gefunden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Andrea Busfield, Jahrgang 1970, ist britische Journalistin. 2005 erfüllte sie sich einen Traum: Sie zog nach Kabul und arbeitete als Redakteurin bei Sada-e-Azadi (Stimme der Freiheit), von der International Security Assistance Force gegründet. Im Anschluss schrieb sie für die Gulf Times in Qatar, bis sie nach Europa zurückkehrte, um in Wien zu leben.

28. Oktober 2007

Khaled Hosseini – Drachenläufer

Einsortiert unter: 2007,Belletristik — Karthause @ 20:55
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Amir, Sohn eines wohlhabenden Paschtunen und Hassan, ein Hazara und Sohn des Dieners von Amirs Vater, werden von der gleichen Amme gestillt und wachsen gemeinsam auf. Hassan würde für Amir alles tun. Amir selbst sieht diese Beziehung wesentlich egoistischer. Er nutzt seine bessere Herkunft aus, er ist stolz, wenn er Hassan etwas vorlesen kann, dieser kann weder lesen noch schreiben, aber auf den Gedanken, es dem Freund zu lehren, kommt er nicht. Auch die Beziehung Amirs zu seinem Vater ist sehr kompliziert. Amir liest viel und schreibt eigene Geschichten. Der Vater erwartet vom Sohn, dass er Fußball spielt und die traditionellen Wettkämpfe im Drachensteigen gewinnt. Letzteres gelingt ihm zwar mit Hassans Hilfe, aber Hassan muss diesen Sieg Amirs teuer bezahlen. Der Freund könnte zwar helfend einschreiten als Hassan in größter Not ist, er verrät jedoch die Freundschaft. Für ihn ist der Sieg beim Drachensteigen wichtig, er hat endlich die Aufmerksamkeit des Vaters erlangt, nach der er sich so lange sehnte. Der Verrat, den Amir an Hassan beging, verfolgt ihn noch als erwachsener Mann. Amir, der schon Ende der 70er Jahre mit dem Vater in die USA geflüchtet ist, findet keine Ruhe. Als er Jahre später dann die Möglichkeit bekommt, seine Schuld abzutragen, macht er sich auf den Weg nach Afghanistan.

Die Handlung des Romas beginnt Mitte der 70er Jahre und zieht sich in verschiedenen Episoden bis in unsere jüngste Vergangenheit hin. Dem Autor gelingt es hervorragend, Details aus dem Alltag in Afghanistan auf interessante Weise mit der Handlung des Buches zu verknüpfen. Politische Hintergründe werden beleuchtet und ich konnte mir ein gutes Bild über die Lebensumstände der Bewohner Kabuls zu Zeiten des Friedens, aber auch unter der sowjetischen Besatzung und unter der Taliban-Herrschaft machen. Er scheute auch nicht die realitätsnahe Schilderung von Gräueltaten, die in Kriegzeiten an der Tagesordnung waren. Trotzdem hatte ich als Leser nie den Eindruck ein Voyeur zu sein. Denn ich lachte mit dem Protagonisten, ich litt mit ihm, ich verachtete ihn und ich liebte ihn. Dies war nur durch die fantastische Erzählweise Khaled Hossenis möglich, der diesen Roman so einfühlsam und in einem so lebendigen Stil schrieb, dass ich zeitweise das Gefühl hatte, eine wahre Geschichte zu lesen. Das ist aber nicht zuletzt des Ich-Erzählers Amir geschuldet, der mich mit seiner nicht zu blumigen aber spürbaren arabischen Erzählweise völlig in seinen Bann zog. Manche Passagen waren fast schon poetisch. Mir persönlich war das Ende des Buches mit etwas zu viel Action beladen, zu amerikanisch. Aber das ist Geschmacksache, spannend war es auf jeden Fall. Zusammenfassend kann ich sagen, dass „Drachenläufer“ ein äußerst bemerkenswertes Buch ist, das ich sehr gern weiterempfehle. Ich hoffe, von diesem Autor noch viele Bücher lesen zu können, er ist ein wunderbarer Erzähler.

Taschenbuch: 385 Seiten
Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3833301490

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