Karthauses Bücherwelt …

22. Juli 2012

Nicole C. Vosseler – Jenseits des Nils

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:30
Tags: , , , , , ,

Jenseits des Nils

Nicole C. Vossler

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Bastei-Lübbe

ISBN-13: 978-3785724477

Sommer 1881. Nicole C. Vosseler lässt zu Beginn ihres Romans die elitäre Welt des englischen Adels aufleben. Die jungen Männer beendeten gerade ihr Studium am Royal Military College in Sandhurst, wer aus einer anderen gesellschaftlichen Schicht kommt hat es schwer. Die Damen leben das luxuriöse Leben gehobener Töchter aus gutsituiertem Hause. Nur Ada war auf einer längeren Europareise und möchte gern ihren eigenen Weg gehen und auf eigenen Beinen stehen. Ein wenig fühlt man zurückversetzt in die Welt der Jane Austen. Fünf junge Männer, Jeremy, Stephen, Leonard, Simon und Royston, gerade haben sie das Royal Military College in Sandhurst beendet und vier junge Ladies verlebten einen letzten unbeschwerten Sommer voller Ausgelassenheit, Sommerfeste erster tiefer Gefühle in Surrey. Bereits im Herbst ziehen die jungen Männer für das Empire in den ersten Sudankrieg und werden mit den Schrecken des Krieges in aller Konsequenz konfrontiert. Für die Daheimgebliebenen beginnt eine Zeit der Ungewissheit, des Wartens und der Hoffnung. Für alle ist dieser Krieg eine Zeit der Veränderung und des Umbruchs und alle in den Krieg gezogenen erleiden Blessuren an Leib und/oder Seele, nicht alle kehren zurück nach Hause.

Leicht und heiter beginnt Nicole C. Vosseler diesen Roman. Man meint den Sommer zu spüren und die Ausgelassenheit der jungen Hauptfiguren mitzuerleben. Doch der Sommer endet und der Hebst beginnt. Damit beginnt für die jungen Leute der Ernst des Lebens. Die Kadetten müssen in den Sudan und erleben den Krieg an eigenen Leib. Diesen beschreibt Nicole C. Vosseler sehr gekonnt, eindringlich, unverblümt und direkt und mit allen Schrecken und Gräueln, die man damit verbindet. Sie schafft es, dass ich mich als Leserin in die Männer hinein versetzen, die Schrecken und Leiden im Kampf und der Gefangenschaft nachvollziehen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, von einer Autorin solch sachkundige und detaillierte Szenen von Schlachten und Gemetzeln gelesen zu haben. Aber ebenso eindrucksvoll schildert Nicole C. Vosseler die Bilderbuchkulisse des englischen Landadels, die langsam Risse bekommt, die Erwartungen, Hoffnungen und Träume der Frauen, aber auch deren Sorgen und Ängste.

Dieser Roman ist eine sehr gelungene Mischung aus Historie, Abenteuer und Liebe. Wobei die Autorin immer die wahre Geschichte als Gerüst benutzt, in die sie ihre Romanhandlung einfügt. Die in diesem Roman enthaltene(n) Liebesgeschichte(n) sind unaufdringlich und stimmig in die Handlung eingebaut und gleiten nicht ins Kitschige ab. Der Krieg im Sudan, das Leben in Surrey, die Sehnsucht nach den Söhnen und Verlobten – all das spiegelt das Leben auf den Landsitzen der englischen Adligen zum Ende des 19. Jahrhunderts wider. „Jenseits des Nils“ lebt wie alle Romane der Autorin besonders von ihrer sehr bildreichen ausdrucksstarken Sprache, die wesentlich dazu beiträgt, diesen Roman zu einem Wohlfühlroman werden zu lassen.

Auch wenn die Romanbiografie der Emily Ruete „Sterne über Sansibar“ immer noch mein Lieblingsroman der Autorin ist, erscheint mir dieser Roman als ihr komplexester, weil das Denken und Tun der Handelnden nicht vorhersehbar war, es viele unverhoffte Wendungen gab und die Charaktere lebensecht und glaubhaft agierten. Ich wünsche diesem Roman noch viele begeisterte Leser. 4,5 Sterne

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Nicole Vosseler stammt aus Villingen-Schwenningen. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz. Sie lebt und arbeitet in Konstanz.

19. Juni 2011

Eric Walz – Die Schleier der Salome

Einsortiert unter: 2011,Challenge,History — Karthause @ 12:48
Tags: , , , , , ,

Judäa um Christi Geburt. Am Tag der Geburt von Prinzessin Salome ließ König Herodes aus Angst vor der angekündigten Geburt eines Messias alle männlichen Neugeborenen töten, auch Salomes Zwillingsbruder, seinen Enkel. Die jüdische Prinzessin wuchs in einem von Neid, Missgunst, Intrigen, Ränkespielen und Angst geprägten Umfeld auf. Schnell erkannte sie, dass sie als Mädchen in der von Männern dominierten Gesellschaft ohne Bildung kaum eine Chance auf eine herausragende Position am Königshof hat. Den Thora-Unterricht erkämpfte sie sich durch eine List und machte sich damit Kephallion zum Feind. Gleichzeitig wurde aber auch Ihre Tante Akme, die einflussreiche Tetrachin von Ashdod, auf sie aufmerksam und förderte die ehrgeizige Prinzessin. Dann kam Timon, ein junger Grieche auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters, an den Hof. Von ihm erfuhr Salome wie wichtig es für sie wäre, auch Kenntnisse in anderen Wissenschaften zu erlangen. Beide kamen sich näher und verliebten sich ineinander, aber Timon hatte inzwischen herausgefunden, wer die Schuld am Tode des Vaters trug…

Eric Walz nimmt den Leser mit auf eine gedankliche Zeitreise. Er schildert Judäa, wie es vor 2000 Jahren ausgesehen haben mag, ein fruchtbares, blühendes und reiches Land. Er beschreibt aber auch die historische Situation am Hof, berichtet von Intrigen, Morden, politischen Strömungen, Machtkämpfen und Revolten. In diese authentische Kulisse bettet er die Lebensgeschichte der jüdischen Prinzessin Salome von deren Geburt, über deren betörenden Tanz vor ihrem Stiefvater Antipas, der ihr dafür den Kopf von Johannes dem Täufer präsentierte, bis hin zu ihrer Zeit als Königin ein. Geschickt baut er ein dazu Gerüst aus historisch verbürgten und fiktiven Personen, die er alle sehr lebensecht charakterisiert, so dass sich letztlich dieser historische Roman wie eine Biografie liest. In einem ausführlichen Nachwort erklärt Eric Walz dem Leser wie weit die Realität reicht und wo die Fiktion einsetzt. Die der Fantasie des Autors entsprungene Liebesgeschichte Salomes mit dem jungen Griechen hätte ich mir etwas weniger vordergründig vorstellen können, störend empfand ich sie jedoch nicht. In „Die Schleier der Salome“ wird der Leser mit zahlreichen Informationen zur Geschichte und Kultur Judäas konfrontiert. Das geschieht aber immer auf eine ganz unaufdringliche und nie dozierende Art und Weise. So verbanden sich in dem Roman die Wissensvermittlung, der sehr angenehm zu lesende Stil des Autors und die interessante und zugleich unterhaltsame Geschichte zu einem wirklichen Leseerlebnis, das mich dazu anregte, mehr über diese bewegte Zeit, um die ich im Roman bisher immer einen Bogen machte, erfahren zu wollen. Sehr interessant fand ich auch die Beschreibungen der strengen Sitten und Bräuche der Juden, des Einflusses der Römischen Besatzer auf das Volk sowie die sich aus dem aufkommenden Christentum ergebenden Veränderungen.

Mein Fazit: „Die Schleier der Salome“ ist ein rundum gelungener historischer Roman von dem man sagen kann, wenn sich die Geschichte so nicht zugetragen hat, hätte es auf jeden Fall aber so gewesen sein können. Das ist in meinen Augen das größte Lob, das man einem Roman aus diesem Genre machen kann. Für mich war dieser Autor eine Entdeckung. Auf seine anderen bereits veröffentlichten Romane bin ich sehr neugierig geworden. Ich empfehle dieses Buch gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Eric Walz wurde 1966 in Königstein im Taunus geboren. Im Jahr 2002 erfüllte er sich den Jugendtraum, Bücher zu schreiben. Sein Debütroman Die Herrin der Päpste wurde auf Anhieb ein großer Erfolg. Zuletzt erschien von ihm im Oktober 2007 Die Glasmalerin, ein historischer Kriminalroman, der vor dem Hintergrund des Konzils von Trient spielt. Eric Walz lebt nach vielen Jahren in Berlin heute als Schriftsteller im Umland von Stuttgart.

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 35 Followern an