Karthauses Bücherwelt …

12. November 2010

Andrea Schacht – Das Spiel des Sängers

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 18:38
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Andrea Schacht führt ihre Leser in diesem Roman auf die Burg Langel zur Zeit der Minnesänger. Dort will Ritter Ulrich wegen des Mordes an dem Burgherren Eberhard die Lehennachfolge klären. Neben den Bewerbern ist auch der Barde Hardo Lautenschläger eingeladen worden. Er soll für eine gute Stimmung in der Runde sorgen. Aber ist die Unterhaltung der Gäste wirklich sein ausschließliches Anliegen? Diese Frage stellt sich nach dem Mord am Burgvogt und einem Anschlag auf Hardo um so dringender. Wer hatte ein Motiv? Oder besser, wer hatte keines? Ritter Ulrich will die Tat auf seine ganz persönliche Art und Weise lösen. Er lässt die Zugbrücke hoch ziehen. Da die Burg nun nicht mehr verlassen werden kann, muss auf Gedeih und Verderb jeder mit jedem auskommen und jeder weiß, eine(r) hat die Tat begangen. Die Spannung zwischen den Gästen nimmt zu, als ihnen bewusst wird, dass die von Hardo allabendlich vorgetragene Minne seine Lebensgeschichte ist, die weit mehr mit der Burg verbandelt ist als viele erwarteten und in der sich einige von ihnen wieder finden.

Andrea Schachts Romane sind für mich inzwischen schon ein Garant für gute Unterhaltung. Sie helfen mir beim Abschalten nach einem stressreichen Arbeitstag. So erging es mir auch mit „Das Spiel des Sängers“. Mit dem ihr eigenen Humor und Wortwitz schafft die Autorin es, die Zeit der Minne vor meinem inneren Auge mit Leben zu erfüllen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie ihre Charaktere sehr gekonnt und einfühlsam in die Geschichte einbringt. Man spürt, dass die Akteure Andrea Schacht am Herzen liegen und so berichtet sie über Hardo, Ulrich, Engelin, Casta, Margarethe und wie sie alle hießen auch mit einem Augenzwinkern und natürlich taucht auch wieder ein Katerchen in der Handlung auf. Von Beginn an war dieses Buch spannend und auch als das Ende absehbar war, büßte es nichts von seinem Reiz ein. Das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Hardo in seinen Gesängen immer nur häppchenweise Episoden aus seinem Leben preis gibt und dann wieder die Ent- und Verwicklungen der Burggäste thematisiert werden. Dadurch, dass die in der Handlung vorkommenden Personen auf der Burg eingeschlossen sind, berichtet Andrea Schacht über ein sehr abgeschottetes Terrain. Manchmal fühlte ich das Flair der guten, alten englischen Krimis. Dabei hatte ich ja eigentlich einen reinen historischen Roman erwartet. Zu der Krimihandlung und der Historie kam noch die eine oder andere offene oder versteckte Liebelei und somit waren alle Bedingungen für flüssig zu lesende, humorvolle und auch spannende Unterhaltung gegeben. Abgerundet wurde sehr positive Gesamteindruck durch die passend zu Handlung eingefügten Texte alter Minnegesänge und die sehr ansprechende Gestaltung des Buches.

Über den Autor

Andrea Schacht war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin tätig, hat dann jedoch ihren seit Jugendtagen gehegten Traum verwirklicht, Schriftstellerin zu werden. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Kölner Begine Almut Bossart gewannen auf Anhieb die Herzen von Lesern und Buchhändlern. Mit »Die elfte Jungfrau« kletterte Andrea Schacht erstmals auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, die sie seither mit schöner Regelmäßigkeit immer neu erobert. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Nähe von Bonn.

27. Oktober 2010

Andrea Schacht – Götterfunkeln

Einsortiert unter: 2010,sonstiges — Karthause @ 10:45
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Götterfunkeln
Andrea Schacht
Taschenbuch: 392 Seiten
Verlag: Sieben Verlag
ISBN-13: 978-3941547018

Die letzten Tage im Dezember 2011. Nach dem Maja-Kalender steht das Ende der Welt unmittelbar bevor. Die 31-jährige Helena verlor vor 2 Jahren ihren Ehemann Julian. Kurz vor dem Jahreswechsel erhält sie eher zufällig, weil sie nach einem Streit mit ihrer Mutter wütend das Haus verließ und ihre Bekannte Zara traf, die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen und zu schauen, was für Paradiese auf die Erretteten für die Zeit danach warten. Mit weiteren 20 Auserwählten begibt sie sich, immer in Begleitung ihres Katers Dante, mit einem UFO auf die Reise. Das Paradies selbst stellt sich als eine Art Themenpark dar. Alles wurde gerade umgestaltet, die Besucher sollen sich schließlich wohl fühlen, und die Götter halten Rat, wie es mit der Erde weiter gehen soll. So wandern die Besucher durch die Insel der Seligen und treffen dort auf Goethe, in Walhall begegnen sie Wagner. Nacheinander werden die Paradiese aller irdischen Religionen besucht und die Gäste kommen mit den Göttern ins Gespräch. Vielleicht gibt es ja auch noch Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Julian.

Unterdessen beginnt auf der Erde die verzweifelte Suche nach den spurlos verschwundenen Angehörigen.

Andrea Schacht war mir bisher als Autorin von historischen Romanen bekannt und die Bücher, die ich von ihr las, sind mir in bester Erinnerung geblieben. Und nun liegt zu meiner großen Überraschung ein Endzeitroman der Autorin vor. Das machte mich doch mehr als neugierig. Als dann gleich zu Beginn der Handlung ein UFO ins Spiel kam, war ich für kurze Zeit etwas ernüchtert. Aber nur um mich mit um so mehr Spaß durch den paradiesischen Themenpark zu lesen. Mit viel Wortwitz, Ironie, und Augenzwinkern sowie manch skurriler Idee führt die Autorin ihre Leser durch die himmlische Verkaufsschau. So erfuhr ich, dass ich dort nicht überrascht sein sollte, Kunstrasen und einen moderne Fortbewegungsmittel nutzenden Hermes vorzufinden und natürlich ist auch das Paradies nicht von Sparzwängen verschont geblieben. Der Märtyrer wird mit Dart-Pfeilen malträtiert und Jesus begegnet mir als Hippie. Lust zum Verweilen hatte ich lediglich an einer der vielen Stationen, die alle sehr detailreich und illuster beschrieben wurden. Aber es ging der Autorin nicht nur darum dem Leser ein Schmunzeln und auch einen lauten Lacher abzuringen. Immer wieder trafen die Besucher auf ihrer Besichtigungstour auf ein altes, zerlumptes Mütterchen, deren Identität es zu ergründen hieß und die erst ganz am Ende wirklich bekannt wird. Mit fortschreitender Handlung werden die dem Buch innewohnenden Gedanken immer tiefer und das anfangs als spaßig empfundene Buch wird ernster. Der Leser wird mit Ideen und Gedanken konfrontiert wird, die es lohnt, weiter zu spinnen. Als einzigen (kleinen) Kritikpunkt sehe ich, dass ich schon ziemlich zu Beginn des Buches die endgültige logische Auflösung erahnte. Da der Weg dorthin aber ein überaus netter war, fällt das kaum ins Gewicht. Einen so farbenfrohen und doch zugleich tiefsinnigen Endzeitroman hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Für mich war dieses Genre bisher eher düster und ernst besetzt. Aber dieser witzig-spritzige Roman, der mit leichter Feder geschrieben zu sein scheint, lässt sich wunderbar lesen, ist amüsant, kurzweilig und unterhaltsam und lässt mich doch nachdenklich zurück – er ist so ganz anders als von mir erwartet. Andrea Schacht hat mich eben noch nie enttäuscht. Ich würde mir mehr Bücher dieser Art von der Autorin wünschen, die mit diesem Werk einen sehr unkonventionellen Weg gegangen ist.

Ich danke der Buchcouch und dem Sieben Verlag für Buch.

Näheres über die Autorin und ihre Bücher ist auf ihrer Homepage zu finden.

28. Oktober 2007

Andrea Schacht – Kreuzblume

Einsortiert unter: 2007,History — Karthause @ 21:08
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Antonia, 1790 in Köln geboren, wächst unter Soldaten im Gefolge eines Trosses auf, den die Mutter, die Maketenderin Elisabeth, begleitet. Um das Mädchen zu schützen, zieht man ihr die Kleidung eines Knaben an und von nun an lebt Toni als Trossbub. Die Wirren zur Zeit der napoleonischen Kriege verschlagen sie bis nach Jena. Dort erfährt Toni von ihrer Mutter, dass diese nicht ihre leibliche, sondern lediglich ihre Ziehmutter ist. Kurz darauf wird Elisabeth von marodierenden Truppen überfallen und getötet. Antonia, steht nun ganz allein da und die Unterlagen, die sie in Elisabeths wenigen Besitztümern über ihre leibliche Mutter findet, weisen ihr den Weg zurück nach Köln.

Als weiterer Handlungsstrang wird in diesem Roman aber auch der Einsatz engagierter Kölner für den Weiterbau ihres Doms aufgezeigt, dem die nichtauffindbaren Fassadenpläne entgegenstanden. Im Jahr 1560 wurden alle Zahlungen und Arbeiten an der Kathedrale eingestellt und an dem unfertigen Gotteshaus nagt im frühen 19. Jh. bereits der Zahn der Zeit. Das ruft die Befürworter seines Abrisses auf den Plan, die hauptsächlich im Sinn haben, die Steine als Baumaterial zu nutzen.

Der Domherr Hermann von Waldegg ist an der Fertigstellung des Doms besonders interessiert. In dessen Haus findet die in die Rheinstadt zurückgekehrte Antonia eine neue Familie. Die Umstellung vom Trossbuben zur Dame aus der Gesellschaft ist für das Mädchen nicht leicht. Bei den von ihr angestellten Nachforschungen zur Vergangenheit ihrer wirklichen Mutter gerät sie mitten in die Auseinandersetzungen der gegnerischen Parteien.

„Kreuzblume“ ist ein opulenter historischer Roman, der akribisch recherchiert wurde. Andrea Schacht hat ein farbenfrohes Zeit- und Sittengemälde geschaffen, das das Leben in der Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts detailgetreu widerspiegelt. Sie beschreibt genau, z.B. anhand der Kleidung, der Speisen und der Wohnverhältnisse, wie sich die einzelnen Familien von einander unterscheiden. Dabei ist der über 700 Seiten umfassende Roman an keiner Stelle langatmig, sondern lässt den Leser auf äußerst kurzweilige Weise an den spannenden, teils auch alltäglichen Abenteuern der Protagonisten teilhaben. Diese haben fein ausgearbeitete Charaktere, die gut in ihre Zeit passen. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, Ängste und Hoffnungen. Auch die Sprache harmoniert hervorragend mit der Handlungszeit. Die eingebaute Geschichte des Kölner Doms wurde geschickt mit dem Geschehen verwoben.

Dieser Roman hat mich ausgezeichnet unterhalten, ich konnte mit den Romanhelden mitfiebern, mitleiden und hoffen. In dieses Buch bin ich eingetaucht und habe dabei gern die Zeit vergessen.

Gebundene Ausgabe: 736 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN-13:978-3764502201

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