Karthauses Bücherwelt …

27. Oktober 2009

Diane Broeckhoven – Eine Reise mit Alice

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Eine Reise mit Alice - Diane Broeckhoven 92 Seiten Verlag: rororo ISBN-13: 978-3499247712

Eine Reise mit AliceDiane BroeckhovenVerlag: rororo 92 SeitenISBN-13: 978-3499247712

Die Geschichte um und mit Alice geht weiter. Jules Tod hat sie, so gut man es eben kann, verkraftet. Verreisen wollte sie eigentlich nicht mehr, weil sie dieses Glücksgefühl, dass sie bei den Reisen mit Jules empfand, verbannen wollte. Aber dann entschließt sie sich doch noch einmal nach Paris zu fahren, zu schauen, ob es die kleine Pension, in der sie ihre Hochzeitsnacht verbrachten, noch gibt. So fährt sie mit den Thalys von Antwerpen nach Paris. Nur einen Tag soll ihre Reise dauern, am Abend will sie wieder daheim sein. Aber in der unbekannt gewordenen Metropole findet sie sich nicht mehr zurecht. So bleibt sie in einem Café und gibt ihre Suche auf.

Auch auf einer zweiten Reise darf der Leser die alte Dame begleiten. Alice hat ihre Schwester Esther auf deren Drängen nach Ostende begleitet. Hier merkt sie, wie sehr ihr Jules doch fehlt, wie sie seine Rechthaberei, aber auch seine Ruhe vermisst. In der Gegenwart ihrer Schwester fühlt sie sich einsam, das erträgt sie irgendwann nicht mehr, sie packt ihre Sachen und fährt heim und bereitet sich dort innerlich auf eine weitere Reise vor.

Ganz feinfühlig beschreibt Diane Broeckhoven die Beschwerlichkeiten des Alters. Sie zeigt sowohl die körperlichen als auch die psychischen Grenzen von Alice auf, die mit dem Tempo des Lebens vor ihrer Wohnungstür nicht mehr mithalten kann. Dieses Buch zeigt aber auch die Prägnanz von gemeinsamen Erlebnissen, egal wie viel Zeit seitdem verstrichen ist.. Das macht besonders das Kapitel über die Reise mit ihrer Schwester deutlich. Ähnlich wie schon in „Ein Tag mit Herrn Jules“ ist auch dieses ein äußert gefühlvolles, leises Buch. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen, Achtung und Verständnis nähert sich die Autorin ihrer Protagonistin, die sich auch mit einer gewissen Portion Selbstironie auf ganz sympathische Weise ihrem Alltag stellt.

„Eine Reise mit Alice“ ist ein Buch der leisen Töne und tiefen Gedanken. Ganz poetisch ist das Ende, das mich mit einen Gänsehautgefühl und einem Kloß im Hals zurück ließ.

Von Diane Brockhoven las und rezensierte ich bisher Ein Tag mit Herrn Jules.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Diane Broeckhoven, 1946 in Antwerpen geboren, lebt nach 30 Jahren in den Niederlanden wieder in ihrer Geburtsstadt. Sie hat rund zwanzig Jugendbücher veröffentlicht, für die sie mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. “Ein Tag mit Herrn Jules” (C.H.Beck, 2005), ihr zweites Buch für Erwachsene, wurde in Deutschland zu einem Bestseller. Außerdem erschien von ihr bei C.H.Beck “Einmal Kind, immer Kind” (2005).

4. Juli 2009

Michel Faber – Die Unvollendete

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 14:09
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Die Unvollendete

Michel Faber

OT:  The Courage Consort
Taschenbuch: 122 Seiten
Verlag: List;
ISBN-13: 978-3548606217

 

 

Die Mitglieder des Vokalquintetts „Courage Consort“, Roger Consort, Kopf des Ensembles, und seine Frau Catherine, die deutsche Dagmar, Ben und Julian, waren zu Proben für ein modernes, anspruchsvolles Musikstück für zwei Wochen im belgischen Martinekerke zu Gast. Die Proben liefen nicht so wie geplant ab und die anfangs unscheinbare Catherine entwickelte im Laufe dieser zwei Wochen ein erstaunliches Selbstbewusstsein. Fürchtete sie sich zunächst noch vor nächtlichen Geräuschen aus dem nahen Wald, so unternahm sie später allein Spaziergänge in der nächtlichen sagenbehafteten Umgebung. 

Unvollendet im Rahmen dieser Erzählung ist zunächst die Protagonistin Catherine. Ängstlich, zaghaft, unsicher und von Selbstmordgedanken gequält, schildert Michel Faber sie auf den ersten Seiten seines Buches. Durch Gespräche, vor allem mit Dagmar, Radtouren und durch Hinterfragen ihrer eigenen Gedanken, durchlebt sie in der kurzen Zeit eine erstaunliche Wandlung. Unvollendet empfand ich als Leser aber das gesamte Buch. Michel Fabers Sprache ist zwar sehr schön und die Novelle ist flüssig zu lesen, aber ich fragte mich am Ende der für mich etwas schwer nachvollziehbaren Geschichte: Und nun? Den Charakteren fehlte es an Brillanz und der Handlung an Schwung. Wie sich ein Mensch in so kurzer Zeit wandeln kann, wurde nur oberflächlich und nicht glaubwürdig beschrieben. Ich hatte an dieses Buch deutlich höhere Erwartungen, die leider nicht erfüllt wurden. Das gesamte Buch kam mir vor wie ein Fragment – unvollendet eben. 

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Michel Faber (* 13. April 1960 in Den Haag, Niederlande) ist ein englischsprachiger Schriftsteller.

Im Alter von 7 Jahren wanderten seine Eltern mit ihm nach Australien aus, wobei sie einen Halbbruder in einem Heim für schwererziehbare Kinder zurückließen. Faber verkraftete die Emigration nur schwer und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Er wuchs in den Außenbezirken Boronia bzw. Bayswater der Stadt Melbourne auf. 

Er studierte Anglistik in Melbourne. Der Schwerpunkt seines Studiums lag auf der Literatur des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn der achtziger Jahre versuchte er gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau, nach Großbritannien zu emigrieren, scheiterte jedoch und erlebte dort eine kurze Zeit der Obdachlosigkeit, bevor sie nach Australien zurückkehrten. Kurz darauf endete jedoch diese Ehe, und die ersten Arbeiten an seinem Roman „Das karmesinrote Blütenblatt“ begannen, während er sich als Pfleger und mit diversen anderen Tätigkeiten über Wasser hielt. Hitze und Licht in Australien bedingten heftige Migräneanfälle, sodass er 1992 mit seiner zweiten Ehefrau, Eva Youren, erneut nach Großbritannien emigrierte – dieses Mal erfolgreich – und sich mit ihr und ihren beiden Söhnen in einem umgebauten Bahnhof nahe der schottischen Stadt Inverness niederließ. Für seine bisherigen Veröffentlichungen wurde er für zahlreiche Preise nominiert (unter anderem Whitbread First Novel Award 2000 für Under The Skin) und erhielt einige Auszeichnungen. Nach zwanzig Jahren Vorarbeit erschien 2002 der Roman „Das karmesinrote Blütenblatt“.

 

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