Karthauses Bücherwelt …

31. Januar 2013

Tom Wolfe – Back to Blood

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Back to BloodTom Wolfe Gebundene Ausgabe: 768 Seiten Verlag: Karl Blessing Verlag  ISBN-13: 978-3896674890

Back to Blood
Tom Wolfe
Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-13: 978-3896674890

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?

Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Meine Meinung

Mit Einwanderern aus Kuba und Haiti, Afroamerikanern, americanos und einem russischem Oligarchen besetzt Tom Wolfe die Hauptfiguren seines Romans „Back to Blood“. Alle sind sie schrill, speziell und alles andere als Normalos und mit ihren Eigenarten erfüllen sie den Roman mit Leben. Aber genauso müssen sie für diese Art von Roman sein. Eine Gesellschaftssatire lebt von Übertreibungen und Überzeichnungen, um auf Missstände und gesellschaftliche Besonderheiten hinzuweisen. Handlungsort dieses Romans ist Miami, die Stadt die von und mit den Immigranten lebt, welche längst die Mehrheit ihrer Einwohner bilden, die Wasp’s aber immer noch das Geld in Händen halten. Im Roman wird gesagt, jeder hasse jeden, alle suchen nach Anerkennung, nach gesellschaftlichem Aufstieg und versuchen diejenigen, die nicht zu ihrer Gruppe gehören, zu demütigen und zu düpieren. Wolfe stellt dieses Aufeinanderprallen der Kulturen in dem melting pot Miami grandios dar. Obwohl ich Miami nicht kenne, konnte ich mir ein wirklich eindrucksvolles Bild vom Leben in dieser Stadt machen. Für die verschiedenen Stadtteile standen die einzelnen Hauptpersonen, ich lernte trostlose Viertel und die Nobelherbergen der Reichen kennen, sah wie die Armen lebten und die Highsociety sich in Orgien erging. Ebenso wurde ich aber auch an die Widersprüche innerhalb der einzelnen Gruppen herangeführt. Da gab es den Exilkubaner, der im Polizeidienst stehend den kubanischen Flüchtling vom Mast einer Yacht holte, bevor er das Festland erreichte und lernte den Psychiater kennen, der sich seine Patienten sicherte, indem er sie immer wieder ihrem Laster zuführte. Wolfe lästert über alle und jeden, er provoziert und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Er verdeutlicht, dass die verschiedenen Kulturen letztlich zusammenhalten (müssen) und diejenigen es schwer haben, die den schützenden Kreis der Gemeinschaft verlassen. Aus dem Grunde bin ich dem Verlag sehr dankbar, dass auf eine Übersetzung des Titels verzichtet wurde, kein anderer könnte treffender sein.

Vom Erzählstil empfand ich diesen Roman als recht ungewöhnlich. Häufig kommt es zu Einfügungen von Gedanken und und groß geschriebenen, wie geschrien wirkenden Einwürfen. Dadurch wirkt dieser Roman schrill und laut. Aber will der Autor nicht genau dieses Empfinden bei seinem Leser auslösen?

Mir hat „Back to Blood“ sehr gut gefallen. Der Roman wird nicht zu unrecht mit dem großen Werk „Fegefeuer der Eitelkeiten“ verglichen. Er wirkt allerdings wesentlich moderner und ist hoch aktuell. Wollte ich etwas kritisieren, wäre das die ein wenig zu kurz kommende Entwicklung der Protagonisten im Verlauf der Handlung. Da die die Handlung umfassende Zeitspanne aber relativ kurz und der Roman gut durchdacht und aufgebaut ist, fällt dies kaum ins Gewicht. Tom Wolfe lenkt mit „Back to Blood“ das Augenmerk des Leser auf eine weniger bekannte Szenerie der USA, die aber meisterlich geschildert wird und dazu sehr gut unterhält.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Tom Wolfe, 1931 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für “The Washington Post”, “New York Herald Tribune”, “Esquire” und “Harper’s”. In den 60er Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des “New Journalism”. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (American Book Award etc.) war international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er – schon 56 Jahre alt – mit “Fegefeuer der Eitelkeiten” (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten 1998 sein zweiter Roman “Ein ganzer Kerl”, mit “Hooking Up” eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (2001) und 2005 sein dritter Roman “Ich bin Charlotte Simmons”. Der Autor lebt in New York.

Ich danke dem Blessing Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

22. Januar 2013

Buch der Woche (3. KW 2013)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 18:07
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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche, den Roman, den ich gerade lese:  „Back to Blood“ von Tom Wolfe.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 28. Januar 2013

Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?
Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Über den Autor

Tom Wolfe, 1931 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für “The Washington Post”, “New York Herald Tribune”, “Esquire” und “Harper’s”. In den 60er Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des “New Journalism”. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (American Book Award etc.) war international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er – schon 56 Jahre alt – mit “Fegefeuer der Eitelkeiten” (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten 1998 sein zweiter Roman “Ein ganzer Kerl”, mit “Hooking Up” eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (2001) und 2005 sein dritter Roman “Ich bin Charlotte Simmons”. Der Autor lebt in New York.

9. Januar 2013

Ayad Akhtar – Himmelssucher

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 19:43
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Himmelssucher

Akhtar, Ayad

Originaltitel: American Dervish

Broschiert: 384 Seiten

Verlag: carl’s books

ISBN-13: 978-3570585160

Milwaukee, Ende der 1970er Jahre. Ayad Akhtar erzählt die Geschichte des 10-jährigen Hayat, Sohn pakistanischer Einwanderer. Die Eltern haben sich äußerlich weitgehend dem amerikanischen Lebensstil angepasst. Nach der Flucht Minas, der Jugendfreundin der Mutter, fand sie im Haus von Hayats Eltern ein Heim. Schnell entwickelt sich zwischen ihr und dem 10-Jährigen eine enge Beziehung. Mina bringt ihm den Islam nahe. Er will begreifen und wird dadurch in den Zwiespalt zwischen den Regeln des Korans und dem Leben seiner Eltern gezogen. Als Mina sich dann noch in den Juden Nathan Wolfsohn verliebt, gerät Hayats Welt aus den Fugen.

Nach dem Tod seiner Tante Mina, Hayat ist längst ein reifer, erwachsener Mann, erzählt er rückblickend seine Geschichte. Dabei schildert er die Geschehnisse immer aus der Sicht eines 10-jährigen Jungen. Eine Wertung durch den erwachsenen Hayat habe ich ein wenig vermisst. Die Konflikte, in die der Junge geriet, waren die eines Kindes, dem ein echtes Zugehörigkeitsgefühl fehlt. Die Eltern lebten ihr (amerikanisches) Leben, Mina unterwies ihn im Koran. Er war hin- und hergerissen und wusste nicht mehr, was und wem er glauben sollte. Somit ist der im Klappentext beschriebene Verrat eher die Folge der inneren Zerrissenheit des Jungen und keine vorsätzliche Tat. Zwar spielt eine gewisse Eifersucht auch eine Rolle, aber die Folgen seines Handelns konnte Hayat noch nicht abwägen. Er wurde von ihnen förmlich überrollt. Hayat ist in einem gewissen Sinne Sympathieträger, wenn auch kein strahlender Held. Er hat einen groben Fehler begangen, der ihm zeitlebens nachhängt.

Mit dieser Romanhandlung hat der Autor grundlegende religiöse Bezüge verknüpft. Er gibt einen Einblick in das religiöse Leben der pakistanischen Einwandererfamilie und spannt den Bogen vom Islam hin zum Judentum und Christentum. Dieser Roman wird sicher die Gemüter ob des großen Raums, der religiösen Fragen eingeräumt wird, spalten. Immer wieder werden Suren aus dem Koran zitiert. Dabei ist der Autor keineswegs unkritisch, er glorifiziert nicht. Ich hätte mir an dieser Stelle jedoch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Durch die Erklärungen Minas versucht der Autor zwar die Sicht eines Erwachsenen zu verdeutlichen, kommt dabei über das Niveau eines guten Jugendbuches nicht hinaus und das meine ich keineswegs despektierlich.

Sehr gut und eindringlich beschrieb er die Situation der Frau im Islam. Er thematisiert die Anwendung von Gewalt gegenüber Frauen und bezieht dazu Stellung.

Schaut man in die Biografie des Autors, von der der Verlag nur sehr wenig preisgibt, kann man schon einige Parallelen zum Protagonisten erkennen. Ayad Akhtar weiß, wie sich ein Einwandererkind fühlt, dass in einer neuen Kultur Fuß fassen muss und hat dies auch hervorragend in seinem Roman zum Tragen gebracht.

Für mich öffnete sich mit diesem Buch wieder einmal ein Fenster in eine mir nicht so vertraute Welt. Allerdings halte ich Vergleiche zu Husseinis „Drachenläufer“, wie es sie auf dem Umschlagtext zu lesen gibt, für zu weit hergeholt. Jeder Roman sollte für sich gesehen und gelesen werden.

Mir hat dieser Roman gut, aber nicht sehr gut, gefallen. Er hat mich auf der emotionalen Ebene nicht so angesprochen, wie ich es von einem sehr guten Roman erwarte. Er war aber flüssig zu lesen, vermittelte einiges an Informationen für mich und wird mir in Erinnerung bleiben. Auf weitere Werke des Autors warte ich gespannt.

29. Dezember 2012

Buch der Woche (51. KW 2012)

Der mdr figaro empfiehlt „Das Kind, das nicht fragte“ von Hanns-Josef Ortheil.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 19. November 2012

An einem Frühlingstag im April landet Benjamin Merz mit dem Flugzeug in Catania. Merz ist Ethnologe, und er möchte die Lebensgewohnheiten der Menschen in Mandlica, einer kleinen Stadt an der Südküste Siziliens, erkunden. Er freut sich auf das Frage- und Antwortspiel, auf das er sich gründlich vorbereitet, damit er mit den Einheimischen ins Gespräch kommt. Allerdings muss er große Hemmungen überwinden, um diese Gespräche auch tatsächlich zu führen. Denn Benjamin Merz ist zwar ein kluger Ethnologe, aber ihm fällt es ungeheuer schwer, das zu tun, worauf seine ganze Arbeit aufbaut: Fragen zu stellen. Und das hat seinen Grund.
Aufgewachsen ist Benjamin Merz mit vier weitaus älteren Brüdern. Seine Kinderjahre verbrachte er in einer aufgezwungenen Spracharmut. Seine älteren Brüder gaben in der Familie den Ton an, und er als Nachkömmling war schon häufig alleine damit überfordert, zu verstehen, worüber gesprochen wurde. Selbst einfachste Verständnisfragen traute er sich dann nicht zu stellen, und später musste er sich das Fragen mühsam antrainieren. Dafür kann er aber ausgezeichnet zuhören. Und diese Fähigkeit macht ihn in Mandlica, der Stadt der Dolci, zu einem begehrten Gesprächspartner – insbesondere bei den Frauen. Sie beginnen ihm Familiengeheimnisse und verborgenste Liebeswünsche anzuvertrauen …
Mit dem Roman »Das Kind, das nicht fragte« schreibt Hanns-Josef Ortheil an dem großen autobiographischen Selbsterforschungsprojekt seiner Kinder- und Jugendjahre weiter. Nach »Die Erfindung des Lebens« und »Die Moselreise« setzt sich der Autor auch in diesem Roman mit dem großen Themenkomplex des Zusammenhangs von Verstummen und Sprechen, Fragen und Selbstfindung auseinander.

Über den Autor

Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Brandenburger Literaturpreis, dem Thomas-Mann-Preis, dem Georg-K.-Glaser Preis, dem Koblenzer Literaturpreis, dem Nicolas Born-Preis und jüngst dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

22. Dezember 2012

Bodo Kirchhoff – Die Liebe in groben Zügen

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 16:59
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Die Liebe in groben Zügen

Kirchhoff, Bodo

Gebundene Ausgabe: 670 Seiten

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt

ISBN-13: 978-3627001834

“Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam.”

Bernhard Renz und Verena Wieland, die sich einfach Renz und Vila nennen, sind seit vielen Jahren verheiratet und gut saturiert. Er schreibt die Bücher für Vorabendserien, sie moderiert die Mitternachtstipps eines TV-Senders. Beide wohnen in Frankfurt am Main, haben eine Sommerresidenz am Gardasee und sind auf dem besten Wege, Großeltern zu werden, bis sich ihre Tochter doch noch anders entscheidet und lieber das Sexualverhalten der am Amazonas lebenden Naturvölker erforscht. Das ist der Punkt, an dem sich die Geister und scheinbar auch die Liebeswege des Paares scheiden.

Beide orientieren sich außerhalb des einengenden Tellerrandes der eigenen Ehe, suchen und finden Erfüllung. Vila kommt dem 10 Jahre jüngeren Zwischenmieter ihres Sommerhauses, Kristian Bühl, näher. Renz beginnt eine Beziehung mit der 20 Jahre jüngeren, sterbenskranken Marlies Mattrainer, in die auch Bühl vor langer Zeit verliebt war, die aber seinem Freund den Vorzug gab.

Mit dieser Konstellation ist die Beziehung zwischen Vila und Renz zwar im Gleichgewicht, dieses ist aber sehr fragil. Vila ist für mich in diesem Roman die stärkste Figur, wohl auch, weil ich ihr Handeln noch am ehesten nachvollziehen kann. Renz ist Anfang 60, ist schon deutlich gealtert und lebt an der Seite der kranken Marlies noch einmal auf, während deren Ende unaufhaltsam näher rückt.

In einem anderen Erzählstrang wird die Geschichte vom Heiligen Franz von Assisi und der Heiligen Klara erzählt, die Bühl, der ehemalige Lehrer mit Schriftstellerambitionen, in einem Buch verarbeiten will. Diese beiden Liebenden stehen stellvertretend für das Leiden in der Liebe und sind damit das verbindende Element der vier Hauptpersonen dieses Romans.

Die Liebe ist ein weltbewegendes Thema, in kaum einem Roman fehlt sie. Manchmal wird sie romantisch verklärt, gelegentlich erotisiert, ab und an frivol, oft kitschig und nur selten sehr gelungen in ihren Spielarten dargestellt. In diesem Roman resümiert nun der Mittsechziger Kirchhoff über die Liebe und dieses Fazit, das er auf 670 zieht, hat mir sehr gut gefallen. Man kann sicher trefflich darüber streiten, ob es die Gedanken eines alternden Mannes sind, ob er sich selbst in Renz wiederfindet. Egal. Dieser Roman, in dem es so plakativ um die Liebe geht, dass sogar die Hauptpersonen in den Hintergrund treten, hat mir sehr gefallen. An sich ist die Handlung sehr eingeschränkt und auch die Spannung hält sich in Grenzen. Das Beeindruckende an diesem Roman ist das, was die Liebe aus den Menschen macht und vor allem wie es Kirchhoff mit großer Wortgewandtheit und Lebenserfahrung gelingt, dem Leser dieses oft entehrte Thema mit entsprechendem Tiefgang zu präsentieren. Sprachlich ist es nach meinem Empfinden eines der besten Werke der aktuellen deutschen Literatur.

Dieser Roman stimmt sehr nachdenklich und lässt einen unumgänglich die eigenen Gefühle hinterfragen. Wer dazu den Mut hat, wer die Liebe in (fast) allen ihren Facetten erkunden möchte und dazu die Sprachkunst Bodo Kirchhoffs genießen kann, wird mit „Die Liebe in groben Zügen“ sehr gut beraten sein. Es ist ein Roman, der in Erinnerung bleiben wird, trotzdem werde ich dieses Buch mit Sicherheit noch ein weiteres Mal lesen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.

18. Dezember 2012

Buch der Woche (49. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 09:40
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Der mdr figaro empfiehlt „Ein Tag zu lang“ von Marie NDiaye.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 13. Oktober 2012
Am 2. September, nicht wie sonst üblich am 1. September, will der Lehrer Herman mit seiner Frau Rose und Kind die Ferien beenden und in die Hauptstadt zurückreisen. Als er am Morgen aufwacht, muß er feststellen: beide sind verschwunden. Zugleich beherrscht statt des sonnigen Wetters dichter Nebel die Landschaft, macht alles unsichtbar. Herman macht sich in den nahegelegenen Ort auf, um bei den zuständigen Stellen die Verlustmeldung zu erstatten – und wird lange Zeit durch diesen Ort irren: als der Fremde schlechthin. Einen Tag zu lang blieb Herman in seiner Ferienidylle – und schon hat sich alles zur Unkenntlichkeit entstellt. Die große, sprachmächtige Erzählerin Marie NDiaye läßt uns mit dem Lehrer erleben, was es heißt, die Mitmenschen, die Umwelt, nicht zuletzt die eigene Familie, als Fremdes entdecken zu müssen. Herman macht die Grunderfahrung menschlicher Existenz: Es genügt eine winzige Abweichung vom Vorgegebenen, und schon sind alle bisherigen Gewißheiten nicht mehr gültig. Auf sich selbst zurück geworfen erfindet Herman, gemeinsam mit dem Leser, sich und die Welt neu: Ausgang offen.

Über den Autor

Marie NDiaye, 1967 in Pithiviers bei Orléans geboren, veröffentlichte mit 17 ihren ersten Roman; weitere Romane und Theaterstücke folgten. Die Autorin lebt seit 2007 mit ihrer Familie in Berlin.

16. Dezember 2012

Ulf Schiewe – Die Hure Babylon

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 14:46
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Man schreibt das Jahr 1147. Ermengarda, Vescomtessa von Narbona, muss weiterhin ihre Scheinehe aufrecht erhalten. Sie liebt aber Arnaut de Montalban, einen jungen Landadeligen. Dieses Verhältnis ist ein offenes Geheimnis und als Ermengarda dann noch ein Kind von Arnaut erwartet, scheint das Glück auf ihrer Seite. Sie erleidet jedoch eine Fehlgeburt. Arnaut sieht das als Strafe Gottes für die sündhafte Beziehung zu Ermengarda an und schließt sich dem 2. Kreuzzug ins gelobte Land an.

„Die Hure Babylon“ ist der 3. Teil der Montalban-Reihe, die mit „Der Bastard von Tolosa“ begann und schließt zeitlich direkt an seinen unmittelbaren Vorgänger „Die Comtessa“ an. Allerdings können alle Romane von einander losgelöst gelesen werden, Ulf Schiewe versteht es ganz hervorragend, Inhalte aus den vorherigen Romanen in diesem zu wiederholen, ohne den Leser, dem diese bereits bekannt sind, zu langweilen. Wie bereits von mir erwartet, ist auch „Die Hure Babylon“ erzählerisch äußerst eindrucksvoll geschrieben. Besonders die Erkenntnis Arnauts, dass es bei den Kreuzzügen nicht vorrangig um die Verbreitung des Glaubens sondern um Macht und Territoriengewinn geht, war blendend beschrieben. Der Autor schildert das Gemetzel in den Schlachten intensiv und hält sich dabei eng an die zurzeit zur Verfügung stehenden historischen Quellen. Dadurch wirkt der Roman sehr authentisch, verlangt dem Leser aber einiges ab. Nichts wird geschönt, es wird gemordet, abgeschlachtet, vergewaltigt. Der Kreuzzug wird geschildert als das was er war, ein grausamer, brutaler Krieg unter dem Deckmantel des Glaubens.

Der Roman ist in fünf Teile gegliedert. Jeder einzelne beginnt mit einem Kapitel, das aus der Sicht Ermengardas in der Ich-Form geschrieben wurde. Dadurch behält der Leser auch die Geschehnisse in Narbona im Auge.

Die Personen in diesem Roman sind, wie in allen des Autors, sehr gekonnt charakterisiert. Sie erscheinen wirklichkeitsnah und lebensecht, man hat das Gefühl, der Autor berichtet von guten Bekannten, die Stärken und auch Schwächen haben. Man kann mit ihnen mitfiebern, mitleiden und sich an ihnen reiben. Allesamt sind sie Kinder ihrer Zeit.

Besonders beeindruckt haben mich die Passagen mit den tiefen, fast schon philosophischen Gedanken zum Thema Krieg. Sie gaben diesem im 12. Jahrhundert angesiedelten Roman eine ungemeine Aktualität.

Dem Buch ist ein umfangreiches Glossar beigefügt, das die im Roman verwendeten unbekannten und fremdsprachigen Begriffe sehr gut erklärt. Neben einem Personenverzeichnis, das die urkundlich erwähnten Personen benennt rundet eine Landkarte das Buch ab.

Wer gern gut recherchierte, schlüssig geschriebene, unterhaltsame Romane liest, sich von den Gräueln des Kreuzzuges nicht abschrecken lässt, wird in „Die Hure Babylon“ einen wunderbar opulenten, bild- und sprachgewaltigen historischen Roman finden, mit dem man in die Vergangenheit förmlich eintauchen und seine Geschichtskenntnisse auffrischen kann. Für mich hat dieser Roman alles was ein wirklich gutes Buch benötigt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der “brotlosen Kunst” widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte.

Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den “Bastard von Tolosa”, seinen ersten Roman, mündete. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.
Mehr Information über den Autor findet man unter www.ulfschiewe.de

10. Dezember 2012

Buch der Woche (48. KW 2012)

Der mdr figaro empfiehlt „Die Frau im Spiegel“ von Éric Emmanuel Schmitt.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 17. August 2012

Eric-Emmanuel Schmitt begeistert Millionen von Lesern. Mit »Die Frau im Spiegel« ist ihm eine einzigartige Überraschung gelungen: das einfühlsame Porträt dreier Frauen.

Eine Braut flieht vor ihrer Hochzeit, eine verheiratete Frau verrät in intimen Briefen ihr Geheimnis, eine junge Schauspielerin sucht hinter den vielen Masken und den Fallstricken des Glamours ihr wahres Selbst. Jede von ihnen sieht sich im Spiegel ihrer Sehnsucht als eine Andere, in einer Welt von verwirrender Schönheit und Tragik.

Mit phantastischer Leichtigkeit gelingt es Eric-Emmanuel Schmitt in seinem neuen Roman, hinter diesen Spiegel zu schauen. Er schildert uns das Leben von drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und deren Schicksale durch einen einzigen Wunsch verknüpft sind – das betörende Gefühl, ganz bei sich zu sein.

Über den Autor

Eric-Emmanuel Schmitt, geboren im März 1960 in Sainte-Foy-Lès-Lyons, studierte Klavier in Lyon und Philosophie in Paris. Zunächst Lehrbeauftragter für Philosophie an den Universitäten Besançon und Chambéry, begann er Anfang der 90er Jahre als Autor für Theater, Film und Fernsehen zu arbeiten. Seine erste Prosapublikation in deutscher Sprache »Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran« (2003 im Ammann Verlag) begeisterte Hunderttausende von Leserinnen und Lesern und wurde mit dem Deutschen Bücherpreis 2004 als »Publikumsliebling des Jahres« ausgezeichnet.

8. Dezember 2012

Die Plantage – Catherine Tarley

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 20:26
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Die Plantage

Tarley, Catherine

Taschenbuch: 880 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3423249430

South Carolina im Jahr 1781. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg hat Antonia Lorimer zur Witwe gemacht, ihr Mann fiel britischen Milizen zum Opfer. Nun kehrt sie auf ihre Plantage Legacy zurück, die im Krieg schwer beschädigt wurde und auf der durch die Misswirtschaft ihres Mannes eine hohe Schuldenlast liegt. Eines Abends findet sie in ihrem Stall den durch Misshandlungen schwer verwundeten britischen Soldaten William Marshall. Antonia pflegt den Mann, der eigentlich ein Feind ist, gesund. Aus Dankbarkeit und Schuldgefühlen heraus, greift er Antonia beim Wiederaufbau der Plantage tatkräftig unter die Arme. Nach seiner Genesung setzt sie ihn als Verwalter ein und verliebt sich in ihn.

Catherine Tarley nimmt den Leser mit auf die Plantage Legacy in South Carolina. Schon nach wenigen Seiten ist man in die Handlung eingetaucht, die von einem mystisch angehauchten Prolog eingeleitet wird. Die Südstaatenatmosphäre ist an sich recht schnell präsent und damit auch die Probleme der damaligen Zeit. Die Folgen des Krieges lasteten schwer auf den Plantagen. Sklaven sind geflüchtet, damit fehlte es an Arbeitskräften. Legacy selbst war durch Antonias Ehemann vor dessen Tod schon an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben worden. Die Autorin versteht es sehr anschaulich diese Schwierigkeiten in Szene zu setzen und den Leser von der Härte der Situation zu überzeugen.

Die vier Hauptpersonen des Romans, Antonia Lorimer, William Marshal, Andrew Tyler, Banker in Charles Town und Algernon Reed, reichster Farmer der Umgebung, werden von der Autorin gut eingeführt, charakterisiert und in ihren Beziehungen durch die Handlungsfäden gut miteinander verflochten. Antonia stößt in dem Roman immer wieder an Grenzen, sie schwankt zwischen der Naivität der gutsituierten Farmerstochter und der aufgeklärten, gebildeten jungen Frau. Das macht sie in einigen Situationen unglaubwürdig. Das naive „Weibchen“ konnte ich eher abnehmen als die toughe Frau, weil sie in vielen Situationen wahrlich hilflos war. Die am besten charakterisierte Person ist jedoch Algernon Reed. Der reiche und erfolgreiche Farmer wird immer wieder von den Dämonen seiner psychischen Krankheit heimgesucht. Hervorragend hat Catherine Tarley diese beiden Seiten des Mannes entwickelt. Alle anderen Figuren erschienen mir jedoch sehr schablonenhaft und farblos.

Die wechselnde Erzählperspektive in den elf Teilen entwirft ein umfassendes Bild des Lebens in der damaligen Zeit. Durch die verschiedenen Blickwinkel kommt man als Leser den Romanfiguren näher und kann ihr Denken und Handeln besser nachvollziehen. So lernt der Leser auch die Personen ein wenig besser kennen, die scheinbar nicht im unmittelbar im Fokus der Handlung standen. Allerdings kommt dadurch und durch die zeitlichen Sprünge eine gewisse Unruhe auf, die mich ein wenig störte.

Sehr gut gewählt fand ich den zeitlichen Rahmen der Handlung, der Unabhängigkeitskrieg wird meinem Empfinden nach deutlich seltener als der Bürgerkrieg behandelt. Ebenso hat mir gefallen, dass dieser Krieg nicht allgegenwärtig thematisiert wurde, aber sehr deutlich wurde, wie er die Entscheidungen, die Gedanken und das Tun der Personen beeinflusste.

In einem Anhang ist dem Roman ein Glossar beigefügt. Die verwendete Karte ist leider nur dekoratives Beiwerk, wirklich nützlich ist sie ob des gewählten Maßstabes nicht.

„Die Plantage“ ist ein recht dialoglastiger Roman und obwohl die Autorin durch das Verwenden von vielen Fremdwörtern versucht hat, ihm einen höheren Anspruch zu verleihen, war er trotz der 880 Seiten schnell zu lesen. Es ist ein netter Südstaatenschmöker, in dem die Romantik nicht zu kurz kam, aber auch nicht überstrapaziert wurde. Catherine Tarley schnitt in dem Roman eine Vielzahl von Themen an und trotz der angeführten Kritikpunkte bescherte er mir unterhaltsame Lesestunden.

Mein Dank gilt dem Deutschen Taschenbuch Verlag  für das zur Verfügung stellen des Rezensionsexemplars.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Catherine Tarley geboren 1957, arbeitete nach ihrem Studium als Dramaturgin für einen US-amerikanischen Filmproduzenten. Im Jahr 2001 kam sie als Produktmanagerin zu einem süddeutschen Buchverlag. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

4. Dezember 2012

Buch der Woche (47. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:30
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Der mdr figaro empfiehlt „Manon Lescaut von Turdej“ von Birgit Wsewolod Petrow.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: August 2012
Ein sowjetischer Spitalzug auf dem Weg von einer Front zu anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum.
Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden:
“Wir fuhren schon so lange, daß wir nach und nach die Vorstellung von der Zeit verloren hatten … Niemand wußte, wohin wir geschickt wurden. Wir fuhren von Station zu Station, als hätten wir uns verlaufen. Man hatte uns wohl vergessen.”
Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, anders als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm, und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine “sowjetische Manon” und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.
“Manon Lescaut von Turdej”, entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer Zeitschrift “Novyj Mir”.
“Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, daß es nicht so war, daß ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsachlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, daß ich Vera liebte.
Ich legte mich so auf die Pritsche, daß ich gleich den ganzen Waggon sehen konnte. Wo Vera auch auftauchte, ich konnte sie sehen. Wie ein Somnambuler drehte ich mich zu der Seite, wo sie war.”

Über den Autor

Wsewolod Petrow (1912 – 1978) entstammte einer Petersburger Adelsfamilie, er war Kunsthistoriker und arbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg am Russischen Museum.
Nach dem Krieg, als Offizier in der Roten Armee demobilisiert, hat er sich wieder seiner wissenschaftlichen Arbeit gewidmet und Standardwerke zur russischen Kunst veröffentlicht.Olga Martynova, geboren in Sibirien, wuchs in Leningrad auf und studierte dort russische Sprache und Literatur. Seit 1991 lebt sie in Frankfurt/Main. 2011 wurde sie mit dem Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim ausgezeichnet.

3. Dezember 2012

Die Comtessa – Ulf Schiewe

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:26
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http://ecx.images-amazon.com/images/I/51oxP0X954L._BO2,204,203,200_AA300_SH20_OU03_.jpgDie Comtessa

Schiewe, Ulf

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198872

Südfrankreich Mitte des 12. Jahrhunderts. Die 15-jährige Ermengarda, Erbin von Narbona, wird aus politischen Gründen zur Ehe mit dem Grafen von Tolosa gezwungen. Ihre Stiefmutter Ermessenda, Vescomtessa und Regentin von Narbona und Bettgefährtin des mächtigen Grafen Alfons, setzt ihren ganzen Ehrgeiz daran, durch diese vorteilhafte Verbindung ihre eigene Position zu stärken. Aber noch vor dem Vollzug der Ehe flieht Ermengarda mit Hilfe der ihr zutiefst ergebenen jungen Ritter, Felipe und Arnaut, in Richtung Spanien. Es beginnt ein Katz und Maus Spiel mit den Verfolgern, die alles daran setzen, die Flüchtige und ihre Begleiter dingfest zu machen.

Bereits Ulf Schiewes Debütroman „Der Bastard von Tolosa“ habe ich mit großer Begeisterung gelesen. „Die Comtessa“ setzt dessen Handlung etwa zwei Generationen später fort. Es ist nicht zwingend erforderlich, den Vorgängerroman gelesen zu haben, der Autor lässt keine Frage zu früherem Geschehen offen, verliert sich aber auch nicht im endlosen Wiederaufwärmen von bereits Bekanntem. Ich habe mich aber sehr gefreut, „alte Bekannte“ wiederzutreffen. Sollte ich diesen Roman kurz charakterisieren fielen mir sofort opulent und bildgewaltig dazu ein. Der Autor lässt seinen Leser das Mittelalter erleben. Er erklärt für jeden verständlich die politische Situation und die Kräfteverteilung der herrschenden Adligen, er beschreibt das Leben der handelnden Personen von den Alltagsaufgaben bis hin zur Verrichtung der Notdurft ohne dabei den Leser zu langweilen oder zu ermüden. Darüber hinaus schildert er die Schönheit der Landschaft und die Härten für den, der in der Natur und von der Natur überleben muss. Auch die zu bestehenden Abenteuer passen sich sehr gut in die Handlung und wirken zu keinem Zeitpunkt übertrieben oder gar unangemessen.

An ein, zwei Stellen waren mir Ermengarda und ihre männlichen Beschützer ein wenig zu modern, sprich, Ermengarda war mir zu emanzipiert, was Filipe und Arnaut ohne aufzubegehren auch hinnahmen. Ich konnte dies nur unter dem Gesichtspunkt akzeptieren, wenn ich bedachte, dass die junge Vescomtessa im Rang über den ihr treu ergebenen Rittern stand.

In die Romanhandlung ist dezent eine sich anbahnende Liebesgeschichte eingeflochten worden. Mich hat das in diesem Fall nicht gestört. Sie erschien mir glaubhaft und war jenseits von Kitsch und flachem Liebesgestammel. Besonders Ermengarda gefiel mir dabei in ihrer inneren Zerrissenheit.

Obwohl man schon rein intuitiv die Protagonisten als sympathisch oder einschätzt, oder sie eher in ihrer Art und Weise ablehnt, nur wenige stehen zwischen den Lagern, ordne ich diesen Roman zu den anspruchsvollen Romanen dieses Genres zu. Das ist nicht zuletzt der der Zeit angepassten Sprache zu verdanken. Dazu gibt es ein umfangreiches Glossar, ein Verzeichnis der urkundlich erwähnten Personen und drei Karten. Diese machte es mir beim Lesen sehr leicht. Die Flüchtenden konnte ich so genau verfolgen und hatte dadurch stets eine geografische Orientierung.

„Die Comtessa“ braucht sich als Roman nicht hinter „Der Bastard von Tolosa“ zu verstecken. Letzterer hat mir nur eine Winzigkeit besser gefallen. Ulf Schiewe hat mit „Die Comtessa“ einen Roman geschrieben, der sowohl von den Handelnden, die eine gelungene Mischung aus fiktiven und verbürgten Personen sind, als auch von der Handlung her der Bezeichnung „historisch“ gerecht wird. Die von Ulf Schiewe inszenierte Reise ins Mittelalter habe sehr gern unternommen und freue mich auf weitere. Ich empfehle den Roman sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der “brotlosen Kunst” widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte. Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den “Bastard von Tolosa” , seinen ersten Roman, mündete. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.

29. November 2012

Buch der Woche (46. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:53
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Der mdr figaro empfiehlt „Die Frau mit dem Hund“ von Birgit Vanderbeke.

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Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 9. Oktober 2012

Pola Nogueira ist »Die Frau mit dem Hund« – und sie spielt die Hauptrolle in einem Roman, der in all seiner rebellischen Widerständigkeit nichts weniger ist als ein Hohelied auf die Liebe und das Leben. Ein großes kleines Buch von Birgit Vanderbeke.Eines Tages ist sie einfach da, Pola Nogueira. Sie bringt ihren Hund mit, und sie ist schwanger. Ihr Erscheinen verwirrt nicht nur Jule Tenbrock, die übereifrige Angestellte einer Wäscherei, die wie alle anderen im siebten Distrikt seit langem weder einen Hund noch ein Kind gesehen hat. Einzig Timon Abramowski zeigt sich neugierig und offen gegenüber Pola, die vom Land in die Stadt geflüchtet ist, um dort ihr Kind zu bekommen. Doch mit der unkontrollierbaren Sinnlichkeit und dem Leben, das sie mitbringt, wird es kein leichtes Spiel für sie werden. Und nicht zuletzt für Timon, dem sehr schnell klar ist, dass er sich mit Pola auf kein geringes Abenteuer einlässt … Wer von dem Charme des wunderbaren Romans »Das lässt sich ändern« verzaubert war, wird die anarchische Kraft der Pola Nogueira lieben.

Über den Autor

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 in Dahme, lebt seit vielen Jahren in Südfrankreich. Ihre Bücher »Das Muschelessen« und »Alberta empfängt einen Liebhaber« wurden vielfach preisgekrönt und waren große Kritiker- und Publikumserfolge. Neben der »Gebrauchsanweisung für Südfrankreich« erschien zuletzt der so charmante wie hintersinnige Roman »Das lässt sich ändern«.

19. November 2012

Buch der Woche (45. KW 2012)

Einsortiert unter: Empfehlungen,Allgemeines — Karthause @ 16:16
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Der mdr figaro empfiehlt „In einer Person“ von John Irving.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 25. September 2012
Auf der Laienbühne seines Großvaters in Vermont lernt William, dass gewisse Rollen sehr gefährlich sind. Und dass Menschen, die er liebt, manchmal ganz andere Rollen spielen, als er glaubt: so wie die geheimnisvolle Bibliothekarin Miss Frost. Denn wer sich nicht in Gefahr begibt, wird niemals erfahren, wer er ist.

Über den Autor

John (Winslow) Irving, geboren am 2. März 1942 in Exeter, im Staat New Hampshire, als ältestes von vier Kindern. John Irvings Vater war Lehrer und Spezialist für russische Geschichte und Literatur. Seine Kindheit verbrachte Irving in Neuengland. 1957 begann er mit dem Ringen; 19jährig wusste Irving, was er werden wollte: Ringer und Romancier. Studium der englischen Literatur an den Universitäten von New Hampshire und Iowa, wo er später Gastdozent des Schriftsteller-Workshops war. Deutschkurs in Harvard. 1963-1964 Aufenthalt in Wien. 1964 Rückkehr in die Vereinigten Staaten. Arbeit als Lehrer an Schule und Universität bis 1979. Lebt heute in Toronto und im südlichen Vermont. 1992 wurde Irving in die National Wrestling Hall of Fame in Stillwater, Oklahoma, aufgenommen, 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für seinen von Lasse Hallström verfilmten Roman Gottes Werk und Teufels Beitrag.

16. November 2012

Susanne Amtsberg – Das Dach der Seligen

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Das Dach der Seligen

Amtsberg, Susanne

Gebundene Ausgabe: 349 Seiten

Verlag: Aufbau Verlag

ISBN-13: 978-3351035044

In Tibet vermag alles den Besitzer zu wechseln, sogar das Schicksal.“

1906 – 1910. Gustav Bonnen möchte „einen Stein in den Bau des menschlichen Wissens“ einfügen. Er ist Geograph, jung verheiratet mir Emmy, einer Malerin und träumt von eigenen Entdeckungen in Afrika. Als dieser Traum zerplatzt, wendet er sich der Erkundung des Daches der Welt zu. Gemeinsam mit einem Biologen und einem Fotographen begibt er sich im Jahr 1906 auf eine Expedition nach Tibet. Als Emmy, die im Leben ihres Ehemannes eher eine Nebenrolle spielt und inzwischen auch einen Sohn bekam, vom Tod Gustavs erfährt, ist sie fest entschlossen, den Unglücksort aufzusuchen. Bis sie dies in die Tat umsetzen kann, vergehen mehrere Jahre. Kurz vor ihrer Abreise erhält sie die Expeditionstagebücher Gustavs, die der Botaniker Henry Wood Schimmel in Tibet fand. Mit dem Lesen dieser beginnt sie jedoch erst auf der Überfahrt nach Asien.

Aufmerksam wurde ich auf diesen Roman von der mir bislang unbekannten Autorin durch den Handlungsort Tibet.

Susanne Amtsberg erzählt in ihrem Roman von den Expeditionserlebnissen des Gustav Bonnen, der im Jahr 1906 gemeinsam mit einen Fotografen und einem Zoologen aufbricht, um das Dach der Welt zu erkunden. Die Rahmenhandlung bildet die Geschichte seiner trauernden Witwe Emmy, die sich auf die Suche nach dem Unglücksort begibt. Dabei verknüpft sie geschickt die der jungen Witwe zugespielten Aufzeichnungen ihres Mannes im Expeditionstagebuch mit deren eigenem Erleben auf ihrer Reise. Die fiktiven Aufzeichnungen des Geologen haben für mich den eigentlichen Reiz dieses Romans ausgemacht, sie erfüllen ihn mit Leben und Inhalt und nehmen auch den größten Raum des 11 Kapitel umfassenden Romans ein. Sehr bildhaft werden die Schönheit und Einzigartigkeit der dortigen Fauna und Flora geschildert. Der Leser erfährt viel von den Bewohnern Tibets, von ihrer Lebensweise, von ihrer über lange Zeit gewachsenen Abneigung gegenüber den Chinesen. Anhand dieser Tagebucheinträge, die äußerst sachlich und rational gehalten sind, bekommt man einen sehr guten Einblick in den Expeditionsalltag der damaligen Zeit. Sie beschreiben das Zusammenleben des Geologen mit seinen Mitstreitern, Cohn, dem Fotographen und Beermann, dem Zoologen, mit allen Schwierigkeiten, Gefahren, Unwägbarkeiten, Härten und Strapazen. Diese Passagen wirken sehr authentisch. An seine zu Hause gebliebene Ehefrau verschwendet er kaum einen Gedanken. Für ihn existiert nur seine Forschung, die Ehefrau scheint für ihn nur ein Accessoire, ein notwendiges Anhängsel, zu sein. Die die Expedition begleitenden Yaks scheinen ihm viel näher zu stehen. Als nicht so glaubwürdig empfand ich die Tatsache, dass Emmy die Tagebücher ihres Mannes nicht sofort nach Erhalt, sondern erst auf der Überfahrt nach Asien öffnete. Emmy blieb mir während des gesamten Romans fremd, ebenso wie der Mensch Gustav. Zu dem Forscher Gustav konnte ich eher eine gewisse Nähe aufbauen. Menschliche Wärme ist aber eine Eigenschaft, die ich beiden Protagonisten nicht bescheinigen kann.

Der Sprachstil der Autorin hat mich sehr angesprochen. Besonders mit den überzeugend wirkenden Tagebüchern verstand sie es, mich zu fesseln und zu beeindrucken. Über ihre umfangreiche Recherche zeugt die umfangreiche Quellensammlung am Ende des Romans. Auch die Erläuterungen zu historisch verbürgten Personen war sehr aufschlussreich und vertiefte die informative Seite des Romans. Die dem Roman beigefügte Karte habe unzählige Male aufgeschlagen und bin der Route der Expedition im Geiste gefolgt.

Susanne Amtsberg hat einen Roman über eine Expedition auf das Dach der Welt geschrieben, die es nie gab, es ist aber vorstellbar, dass sie genau so hätte gewesen sein können. Wer Abenteuerromane mag und auf große Emotionen verzichten kann, wird mit diesem Buch sicher ähnlich viel Lesefreude haben wie ich.

Über die Autorin (Quelle: Aufbau Verlag)

Susanne Amtsberg, geboren 1963, studierte Archäologie. Von 1995 bis 2003 veröffentlichte sie mehrere Kriminalromane. Sie wohnt und schreibt am Rhein. Sie gräbt im In- und Ausland.

Mein Dank gilt dem Aufbau Verlag  für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

15. November 2012

Buch der Woche (44. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 19:26
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Der mdr figaro empfiehlt „Der Gefangene des Himmels“ von Carlos Ruiz Zafón.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 25. Oktober 2012
Nach Der Schatten des Windes und Das Spiel des Engels der neue große Barcelona-Roman von Carlos Ruiz Zafón. – Barcelona, Weihnachten 1957.
Der Buchhändler Daniel Sempere und sein Freund Fermín werden erneut in ein großes Abenteuer hineingezogen. In der Fortführung seiner Welterfolge nimmt Carlos Ruiz Zafón den Leser mit auf eine fesselnde Reise in sein Barcelona. Unheimlich und spannend, mit unglaublicher Sogkraft und viel Humor schildert der Roman die Geschichte von Fermín, der “von den Toten auferstanden ist und den Schlüssel zur Zukunft hat”. Fermíns Lebensgeschichte verknüpft die Fäden von Der Schatten des Windes mit denen aus Das Spiel des Engels.
Ein meisterliches Vexierspiel, das die Leser rund um die Welt in Bann hält.
Über den Autor

Carlos Ruiz Zafón, geb. 1964 in Barcelona, lebt heute in Los Angeles. Mit den großen Barcelona-Romanen ‘Der Schatten des Windes’ und ‘Das Spiel des Engels’ begeisterte er ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt; seine Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Das Spiel des Engels stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.Peter Schwaar wurde 1947 in Zürich geboren, Studium der Germanistik in Zürich und Berlin, Redakteur beim Zürcher Tages-Anzeiger, seit 1987 freier Journalist und Übersetzer. Er lebt in Barcelona.

12. November 2012

Vicki Baum – Menschen im Hotel

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Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Vicki Baum wiederentdecken – mit ihren besten Romanen! Vicki Baum schrieb von den 20ern bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zahllose Bestseller und führte das Leben eines Weltstars. Ihr Verlag würdigt sie nun mit einer wegweisenden Biographie und der Neuausgabe ihrer bekanntesten Romane. Menschen im Hotel, erschienen im Jahr 1929, machte Vicki Baum weltberühmt. Der mit leichter Hand, Poesie und subtilem Witz erzählte Roman führt eine Handvoll Menschen im Grand Hotel zusammen, zeigt sie in ihren Krisen, Träumen und Enttäuschungen und liefert ein atmosphärisch dichtes Bild vom Berlin der 20er-Jahre. Am Broadway dramatisiert, in Hollywood mit Greta Garbo, später noch einmal mit Heinz Rühmann verfilmt, begründete der Roman Vicki Baums Weltruf und ebnete ihr den Weg in die USA.

Meine Meinung

Die Autorin führt den Leser in das renommierteste Hotel Berlins im Jahr 1920. Das Hotel ist ein Treffpunkt der verschiedensten Menschen und kommt einer Art Mikrokosmos gleich. Sehr langsam und ausführlich führt die Autorin ihre Figuren ein, die den grundverschiedenen Kreisen angehören. Da ist zum einen die alternde Primaballerina Grusinskaja, die mit dem Altern ihr Problem hat. Der Buchhalter Kringelein ist todkrank, will aber die letzte Zeit seines Lebens im Stil seines Generaldirektors Preysing verbringen. Diese ist auch Gast des Hotels, für ihn geht es um das Überleben seiner Firma. Dann lernt man noch den depressiven Kriegsversehrten Dr. Otternschlag, den Gauner Baron von Gaigern und Flämmchen, die eine gute Partie machen will, kennen. Alles diese Personen sind sehr speziell gezeichnet und in ihren Charakteren überzeichnet. Keine ist die Hauptperson, alle bestehen neben- und miteinander. Scheinen sie sich in diesem Hotel, in dem die Menschen kommen und gehen, auch nur zufällig zu begegnen, verflicht sich ihr Schicksal miteinander und keiner von ihnen wird es so verlassen, wie er es betreten hat.

In diesem Roman stecken alle Zutaten, die ein guter Unterhaltungsroman nötig hat, Liebe, eine Gaunerei, einen Todesfall, ein schweres Schicksal und vor allem viel Zeitgeist. Alles zusammen wirkt wie mit leichter Feder geschrieben, dramatisch gut durchdacht und mit Ironie verziert. So hat man als eine Momentaufnahme das Leben in einem Grandhotel bildlich vor sich. Das Buch lässt sich leicht lesen, die Einführung der Personen ist vielleicht ein wenig zu lang und geht zu Lasten der Handlung. Es hat mir aber Freude bereitet, diesen mit Witz und ein paar psychologischen Anspielungen versehenen Roman zu lesen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Vicki Baum, geboren am 24. Januar 1888 in Wien, gestorben am 29. August 1960 in Hollywood. Zunächst Musikerin, 1926 Redakteurin in Berlin, ab 1931 in den USA; verheiratet mit dem Dirigenten R. Lert. Ihre Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und teilweise verfilmt. 

11. November 2012

Buch der Woche (43. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 11:45
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Der mdr figaro empfiehlt „Das Phantom des Alexander Wolf“ von Gaito Gasanow.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 27. August 2012
Ein ehemaliger Weißgardist erinnert sich an ein tragisches Erlebnis im Bürgerkrieg in Russland, als er einen Reiter niederschoss. Jahre später, im Exil in Paris, findet er den Vorfall in einem Buch beschrieben. Er versucht den Autor namens Alexander Wolf zu treffen, doch stattdessen begegnet er der rätselhaften Jelena und verliebt sich in sie. Eines Tages erzählt sie ihm von ihrem früheren Geliebten, der dachte, bald sterben zu müssen, weil er dem Tod schon einmal entronnen war. In einem brillanten Spannungsbogen erzählt Gaito Gasdanow, der mit Nabokov, Proust und Camus verglichen wurde, diesen 1947 erschienenen Roman, in dem Liebe und Tod aufs engste verwoben sind. Sein Protagonist Alexander Wolf ist eine der geheimnisvollsten und unvergesslichsten Figuren der Weltliteratur.

Über den Autor

Gaito Gasdanow, 1903 in St. Petersburg geboren und 1971 in München gestorben, gilt als einer der wichtigsten russischen Exilautoren des frühen 20. Jahrhunderts. Seit 1923 lebte er im Exil in Paris, wo er begann, regelmäßig literarische und journalistische Texte zu veröffentlichen. Wegen der existentialistischen Prägung seines Werks wurde Gasdanow wiederholt als der „russische Camus“ bezeichnet. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane und Erzählungen. Bei Hanser erscheint im Herbst 2012 erstmals in deutscher Übersetzung Das Phantom des Alexander Wolf.

PS: In der kommenden Woche gibt es dann auch wieder meine Meinung zu den von mir gelesenen Büchern. ;-)

31. Oktober 2012

Buch der Woche (42. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 10:45
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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Landgericht“ von Ursula Krechel.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: August 2012
Nach “Shanghai fern von wo” geht Ursula Krechel noch einmal den Spuren deutscher Geschichte nach. Ihr neuer Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft.Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch “Shanghai fern von wo” geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman “Landgericht” noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaasschen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt “Landgericht” den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. “Landgericht”, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.
Über den Autor

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier. Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Erste Lyrikveröffentlichungen 1977, danach erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. 2009 erhielt Ursula Krechel den “Joseph-Breitbach-Preis”. Die Autorin lebt in Berlin.

27. Oktober 2012

Ich lese gerade:

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“Die Liebe in groben Zügen” von Bodo Kirchhoff.

Der erste Satz:

“Sehnsucht nach Liebe ist die einzige  schwere Krankheit, mit der man sehr alt werden kann, sogar gemeinsam.”

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Vila und Renz, beide fürs Fernsehen tätig, sind ein Paar im Takt der Zeit mit erwachsener Tochter, Wohnung in Frankfurt und Sommerhaus in Italien alles so weit gut, wäre da nicht die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam. Noch aber sind Vila und Renz nicht alt, auch wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Sie stehen voll im Leben, nach außen erfolgreich und nach innen ein Paar, das viel voneinander weiß, aber nicht zu viel. Ein ausbalancierter Zustand; bis zu dem Augenblick, in dem Vila mit ungeahnter Intensität einen anderen zu lieben beginnt. Bodo Kirchhoff erzählt in seinem neuen großen Lebensroman von einer langen Ehe als ewiger Glückssuche, von frühem Missbrauch als späterer Weltverengung und einem lebenslänglichen, nur im Stillen erfüllten Verlangen. Im Zentrum aber steht die Liebe zwischen Vila, einer Frau in festen Verhältnissen, und dem Einzelgänger Bühl, Biograph eines Paars aus einer vergangenen, gottesfürchtigen Epoche. Nach seinen beiden erfolgreichen, weltumspannenden Romanen Infanta (1990) und Parlando (2001) erzählt Bodo Kirchhoff von drei welterschließenden Liebesseschichten und einer weltverengenden enttäuschten Jugendfreundschaft: Die Liebe in groben Zügen ist ein großartiges, souverän und stilsicher erzähltes Panorama einer Ehe als Lebensprojekt in einer Zeit, die den Moment verherrlicht. Und wenn es einen Höhepunkt in der Ehe gibt, erkennt Vila am Ende, dann besteht er in deren Dauer.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.

20. Oktober 2012

Buch der Woche (41. KW 2012)

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Der mdr figaro empfiehlt als Buch der Woche „Kanada“ von Richard Ford.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 27. August 2012
Illegaler Handel, ein Banküberfall, drei Morde – um nicht weniger geht es in Richard Fords sprach- und bildgewaltigem neuem Roman. Dells Eltern sind nach einem gescheiterten Banküberfall in Montana festgenommen worden; er selbst ist zu seinem Schutz nach Kanada gebracht worden. Nun trifft er dort in einem einsamen Städtchen auf eine merkwürdige Schar. Bei Arthur Remlinger kann er unterschlüpfen – doch der Besitzer eines heruntergekommenen Jagdhotels erweist sich als ein Mann mit dunkler Vergangenheit. Inmitten der überwältigenden Landschaft von Saskatchewan entfaltet sich die Geschichte einer schmerzvollen Passage in die Welt der Erwachsenen, wo es keine Unschuldigen geben kann.
Über den Autor

Richard Ford wurde 1944 in Jackson, Mississippi, geboren und lebt heute in Maine. Er hat sieben Romane sowie Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. 1996 erhielt er für Unabhängigkeitstag den Pulitzer Prize.

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