Karthauses Bücherwelt …

19. November 2011

Marcel Reich-Ranicki – Mein Leben

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Mein Leben
Marcel Reich-Ranicki
Gebundene Ausgabe: 568 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt DVA
ISBN-13: 978-3421051493

Die Literatur ist mein Lebensgefühl. Das lassen, glaube ich, alle meine Ansichten und Urteile über Schriftsteller und Bücher erkennen, vielleicht auch die abwegigen und verfehlten. Letztlich ist es ja die Liebe zur Literatur, die mitunter sogar ungeheuerliche Leidenschaft, die es dem Kritiker ermöglicht, seinen Beruf auszuüben, seines Amtes zu walten. Und bisweilen mag es diese Liebe sein, die anderen die Person des Kritikers erträglich und in Ausnahmefällen sogar sympathisch macht. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Ohne Liebe zur Literatur gibt es keine Kritik.“ (S. 437 Marcel Reich-Ranicki in „Mein Leben“)

Marcel Reich-Ranicki erzählt in seiner Autobiografie gelebte Geschichte. Sie ist spannend wie ein Roman und doch weiß man, das sind die existenten Erlebnisse eines Mannes. Als Jude in Polen geboren, kam er als 9jähriger Junge ins „Land der Kultur“ nach Berlin. Schon in jungen Jahren lernte er die Literatur und das Theater lieben. Aber nur wenige Jahre später erlebte er ein ganz anderes Berlin. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten lebte er nun in einem Land, in dem Juden zunächst schikaniert, dann verfolgt, deportiert und vergast wurden. Auch seine geliebten Bücher sah er brennen. Er selbst wurde nach Warschau ausgewiesen. Dem Warschauer Ghetto, in dem er mit seiner Frau Tosia unter unmenschlichen Bedingungen ums Überleben kämpft, entkamen beide nur mit viel Glück den deutschen Exekutionskommandos und fanden Unterschlupf bei einem polnischen Ehepaar. Nach dem Ende des Krieges blieben die Reichs zunächst in Polen, unter anderem war er für den Geheimdienst tätig, aber nie verlor er die Literatur aus den Augen. Bis er dann die sich ihm bietende Gelegenheit nutzte und mit Frau und Sohn nach Deutschland zurückkehrte. Beeindruckend ist besonders seine Art, sein Leben zu schildern, in einfachen Worten, unmissverständlich, schnörkellos, ohne Bitterkeit, selbstkritisch und – wie ich finde – sehr berührend und trotzdem unterhaltend. Die Jahre, in denen er ständig um sein und das Leben seiner Lieben bangen musste, beschreibt er mit großer Distanz, dafür sehr detailliert. Wie ein roter Faden zieht sich die Literatur durch sein Leben und letztlich gelang es ihm, auch ohne akademische Ausbildung, seinen Kindheitstraum, Literaturkritiker zu werden, verwirklichen. Er machte sich schnell einen Namen, wurde und wird von den Autoren eher gefürchtet als geliebt. Durch seine Literatursendung „Das literarische Quartett“ wurde er auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt, seine Verrisse sind teilweise legendär. Neben den historischen Ereignissen, die Reich-Ranicki in seiner Autobiografie so prägnant beschreibt, gibt er gleichzeitig auch einen Abriss über die deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, den ich in dieser Form bisher nirgendwo fand. Habe ich MRR als Kritiker schon immer geschätzt, habe ich jetzt auch den Menschen Marcel Reich-Ranicki im Blick und sehe ihn ein wenig mit anderen Augen. Er lebt zurückgezogen, Freundschaften scheinen immer nur Nähe auf Zeit zu sein. Er ein polarisiert, hat eine eigene Meinung und vertritt diese vehement, auch wenn er andere damit gelegentlich brüskiert.

„Mein Leben“ ist wohl eine der bemerkenswertesten Biografien, die ich bisher las. Dieses Buch bekommt meine unbedingte Leseempfehlung. Marcel Reich-Ranicki hat als einer der letzten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts viel zu berichten. Deshalb bedaure ich die Lücke, die sich seit der Veröffentlichung seiner Autobiografie bildet.

3. Oktober 2011

Biografien-Challenge

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Am 1. Oktober hat nun die Biografien-Challenge vom Krümel-Forum begonnen. Allerdings habe ich noch nicht unmittelbar begonnen. Erst möchte ich ein paar sehnsüchtig erwartete Neuerscheinungen und zwei Wanderbücher lesen. Aber ich habe mir schon Gedanken gemacht, welche Bücher ich lesen könnte.

Nach dem Check meiner Datenbank habe ich mir zu jedem Thema ein-zwei Bücher ausgesucht, die mich besonders interessieren. Änderungen sind natürlich immer mal drin. Hier seht ihr nun meine (vorläufige) Liste:

Literatur => Mein Leben – Marcel Reich-Ranicki

bildende Kunst und Musik => Beethoven – Maynard Solomon

Religion und Philosophie => Martin Luther – Horst Herrmann

Naturwissenschaft, Technik und Medizin => Einstein – Jürgen Neffe oder Darwin -Jürgen Neffe

Politik und Wirtschaft => Speer – Joachim Fest oder Mao – Jung Chang

besondere Leistung oder besonderes Schicksal ( z. B. Sport oder Krankheit) => John Rabe. Der gute Deutsche von Nanking – Erwin Wickert (Hg.)

Biographie einer Institution, Landes, Stadt, Fluss u.a. => Die Charité – Gerhard Jaeckel

Romanbiographie => Die Familie Bonaparte – Cornelia Wusowski

Autobiographie => Alleinflug – Elly Beinhorn

28. Juni 2011

Eve Haas – Das Geheimnis des Notizbuchs

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Das Geheimnis des Notizbuchs
Eve Haas
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453601703

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Vier Frauen, ein Notizbuch und ein unglaubliches Familiengeheimnis

Deutschland 1934: Eve ist neun, als sie mit ihren Eltern von Berlin nach London emigriert. Sie glaubt, aus einer jüdischen Familie zu stammen. Als Eve – Jahre später – beschließt, ihrer Herkunft auf den Grund zu gehen, entdeckt sie jedoch eine ganz andere Geschichte: Ihr Ururgroßvater war Prinz August von Preußen, der seine Tochter zum Schutz vor Neidern als Kind seines jüdischen Schneiders ausgab. Diese Entscheidung, die Eves Urgroßmutter 1843 das Leben rettete, wird ihrer Großmutter – ein Jahrhundert später – zum Verhängnis…

 Meine Meinung

Eve Haas erfuhr von der Existenz des geheimen Notizbuches bereits in jungen Jahren. Gleichzeitig wurde ihr das Versprechen abgenommen, dieses Geheimnis auch weiterhin zu bewahren. Zum Glück für die Leser, aber auch für die Historiker, begann sie doch viele Jahre später mit Nachforschungen, die sie bis in die für die Öffentlichkeit verschlossenen DDR-Archive führte. Das Ergebnis ihrer jahrelangen und unermüdlichen Ahnenforschung glich aber einer kleinen historischen Sensation. Das Leben des August von Preußen, Eve Haas’ Ururgroßvater, erschien in einem ganz neuen Licht, waren seine Ehe mit Emilie und die gemeinsame Tochter Charlotte weitgehend unbekannt. Als Leser begleitete man Eve Haas von dem Zeitpunkt, an dem sie von dem Notizbuch erfuhr, bis hin zu dem Tag, der ihr auch die letzte dunkle Stelle der Familienbiografie erhellte. So setzte man gemeinsam mit der Autorin ein Puzzle zusammen, dass spannend wie ein guter Krimi war. Veröffentlicht hat die Autorin ihr Buch erst im Alter von 85 Jahren, es ist ihr Lebenswerk. Da Eve Haas ihr Buch in der Ich-Form schrieb, fühlt man sich als Leser besonders angesprochen und in die Forschung involviert. So bekamen besonders ihre Nachforschungen im DDR-Archiv den gewissen Kick. Auch wenn mich da ein wenig das Gefühl beschlich, dieser Abschnitt ihrer Suche, sei besonders düster geschildert worden. Aber bei ihrer Vergangenheit empfindet man den Aufenthalt in einem totalitären System mit Sicherheit auch besonders bedrohlich. Mit ihrem Buch bringt Eve Haas dem Leser nicht nur ihre eigene bewegte Familiengeschichte nahe. Sie bereitet damit gleichzeitig ein Stück bisher unbekannter preußischer Geschichte auf, die höchst interessant ist und auch angesehene Historiker beeindruckt hat.
“Das Geheimnis des Notizbuchs” ist eine wahre Familiengeschichte, die ich sehr gern und mit viel Begeisterung gelesen habe. Die angenehme Sprache und die gut aufbereiteten historischen Fakten machten das Buch zu einem Leseerlebnis.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Eve Haas wurde 1924 in Breslau geboren. 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, emigrierte sie mit ihrer Familie nach England. Schon früh begann sie, zu schreiben und als freie Autorin für Zeitschriften zu arbeiten. Sie war über 42 Jahre verheiratet und hat drei Söhne. Eve Haas lebt in Hampstead bei London.

29. Dezember 2010

Günter de Bruyn – Preußens Luise

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Preußens Luise
Günter de Bruyn
Gebundene Ausgabe: 142 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886807185

Auf unsere Gemüter können Mythen nur so lange wirken, wie sie als Wahrheiten gelten; wenn wir wissen warum sie entstanden sind und welchem Zwecken sie dienten, sind wir ihrer Macht schon entflogen.“ (S.128, Preußens Luise, Günter de Bruyn)

Die am 10. März 1776 geborene Luise war die 7. von insgesamt 11 preußischen Königinnen. Sie war eine in Hannover geborene Mecklenburgische Prinzessin, die ihre Jugend in Darmstadt verbrachte. So war sie also auch persönlich mit vielen außerpreußischen Ländern verflochten. Gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike heiratete sie in der Weihnachtszeit des Jahres 1793 in die Königliche Familie ein. De Bruyn weist in seinem Buch ausdrücklich auf ihre Natürlichkeit hin, sie gehorchte ihren Gefühlen, widersetzte sich dem Hofzeremoniell und verhielt sich auch gelegentlich unschicklich. Die Ehe mit dem Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. galt als mustergültig. Schon in jungen Jahren war sie für den Hofbildhauer Schadow ein beliebtes Modell, Friedrich von Hardenberg und Jean Paul priesen in ihren Werken ihre Schönheit und Güte. Viele Dichter haben schon zu ihren Lebzeiten unzählige Verse ihr zu Ehren gedichtet. De Bruyn beleuchtet aber auch die tragische Seite ihres Lebens. Nach Napoleons Sieg bei Jena flüchtete sie gemeinsam mit ihren Kindern nach Ostpreußen. Nach ihrer Flucht wurde immer weniger ihre Schönheit und mehr ihre Leidensfähigkeit thematisiert. Im Alter von nur 34 Jahren starb sie. Luisenstätten existierten bereits zu Lebzeiten der Königin, aber nach ihrem Tod wurden diese zu Pilgerstätten. Auch die Dichter, wie u.a. Achim von Arnim, fertigten Schriften zu ihrem Leben. Friedrich Wilhelm III. machte das Andenken an Luise zur Staatsangelegenheit, die Stiftung des Eisernen Kreuzes wurde nachträglich auf den Geburtstag der Königin gelegt. Die Erneuerung der Stiftung durch Friedrich I., erfolge an ihrem Todestag. Die Kaiserzeit war die Hochzeit der Luisenverehrung, aber auch die Zeit, in der ihre Person besonders differenziert betrachtet wurde. Die immer volkstümlichere Verehrung glitt immer mehr ins sagenhafte und pseudosakrale ab, dem stand die um historische Wahrheit bemühte wissenschaftliche Betrachtungsweise gegenüber. Zu Zeiten des 3. Reiches geriet Luise beim Volk langsam in Vergessenheit. Zu Propagandazwecken wurde sie kaum benutzt und auch ihr Kinderreichtum fand keine Beachtung. Nach dem 2. Weltkrieg, kamen kaum noch Besucher nach Paretz, wo Luise die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte. Die Gebäude wurden in den letzten Kriegstagen geplündert, blieben aber von den Abrissbirnen der DDR verschont. Das Schlösschen wurde erst zur Bauernhochschule, dann beherbergte es das Institut für Landwirtschaft, später war es Sitz des VEB Tierzucht. Luise war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland kaum im Bewusstsein der Bevölkerung vorhanden, sie war eine historische Figur, wie viele andere auch.

Wer an dieses Buch mit dem gleichen Anspruch wie an eine Biografie herangeht, wird sicher enttäuscht sein. Günter de Bruyn betrachtet die Lebensetappen von Preußens Luise nur in dem Maße, wie sie zur Mythenbildung beitrugen. Mit zahlreichen Bildern und Zitaten aus Zeitdokumenten unterstreicht der Autor sein umfangreiches Studium der historischen Quellen. Er schreibt einfach und auch für den Geschichtslaien leicht verständlich, erläutert die politischen Situationen und die höfischen Gepflogenheiten. Allerdings hätte ich gern noch ein wenig ausführlicher zu der Entstehung der Luisenverehrung gelesen. Vollkommen schlüssig empfand ich hingegen das Vergehen des Luisen-Mythos’. “Preußens Luise“ ist mit seinen 142 Seiten ein Buch, das schnell gelesen ist. Es gibt die wichtigsten Lebensstationen der preußischen Königin wieder und ist ein guter Einstieg, will man sich dieser Thematik intensiver widmen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Günter de Bruyn, 1926 in Berlin geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in einem märkischen Dorf. Seine beiden autobiografischen Bücher “Zwischenbilanz” und “Vierzig Jahre” machten Furore. “Preußens Luise” wurde 2002 mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnet. Zu Günter de Bruyns zahlreichen Auszeichnungen zählen der Heinrich-Mann-Preis, der Thomas- Mann-Preis, der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste, der Jean-Paul-Preis und, 2002 verliehen, der Deutsche Nationalpreis.

13. Dezember 2010

Hans-Joachim Noack/Wolfram Bickerich – Helmut Kohl. Die Biographie

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Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)

Vollblutpolitiker, Machtmensch, Einheitskanzler: die große Biographie zum 80. Geburtstag Kaum ein Politiker der jüngsten deutschen Geschichte hat so polarisiert – und kaum einer wurde so unterschätzt wie Helmut Kohl. Die langjährigen «Spiegel»-Politikchefs Hans-Joachim Noack und Wolfram Bickerich, die Kohls Karriere seit vierzig Jahren zum Teil aus nächster Nähe verfolgt haben, zeichnen das Porträt dieses Ausnahmepolitikers, der wie kein Zweiter das Land geprägt hat. Ein glänzend geschriebenes Lebenspanorama – und zugleich eine packende Zeitreise durch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

Meine Meinung:

Von Hans-Joachim Noack las ich vor 2 Jahren die gelungene Biographie des Altkanzlers Helmut Schmidt. Um so mehr war ich erfreut jetzt die Helmut Kohls vor mir zu haben, prägte er doch über Jahrzehnte die Politik der Bundesrepublik Deutschland. Empfand ich die Schmidt-Biographie als sehr freundschaftlich und wohlwollend, so war diese das krasse Gegenteil. Äußerst kritisch, ja fast schon aggressiv scharf gingen die Autoren mit dem Altkanzler ins Gericht. Überaus deutlich bemerkte man, dass sowohl menschlich als auch politisch Welten zwischen den Autoren und Helmut Kohl liegen. Ich finde das sehr schade, obwohl ich kein besonderer Anhänger von Helmut Kohl bin. Aber von einer Biographie erwarte ich, dass sie doch mit größtmöglicher Neutralität geschrieben wird und nicht zum Parkett für persönliche oder parteipolitische Fehden wird. Darüber konnten mich auch die knapp bemessenen Stellen nicht hinweg trösten, in denen auch Leistungen des Altkanzlers gewürdigt wurden.

Über den Autor

Hans-Joachim Noack, geboren 1940, war seit 1968 Reporter der «Süddeutschen Zeitung» und der «Frankfurter Rundschau ». Von 1983 bis 2005 arbeitete er für den «Spiegel», zuletzt als Leiter des Politikressorts. Für seine journalistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. 2008 erschien die Biographie «Helmut Schmidt», die zum Bestseller wurde.

Wolfram Bickerich, geboren 1942, Studium der Politik und Germanistik, war seit 1968 Journalist bei der dpa, von 1974 an beim «Spiegel», davon lange Jahre als Ressortleiter Politik. 1999 erschien «Die D-Mark. Eine Biographie».

14. Juli 2009

Sigrid Damm – Das Leben des Friedrich Schiller

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P1010277

Das Leben des Friedrich Schiller

Sigrid Damm

Gebundene Ausgabe: 489 Seiten

Verlag: Insel, Frankfurt

ISBN-13: 978-3458172208

“Meine beste Freude ist meine Thätigkeit, sie macht mich glücklich in mir selbst und unabhängig nach aussen…“ (Friedrich Schiller S. 441)

Sigrid Damm stellt Schillers Werk in den Mittelpunkt ihres Buches. Es ist somit keine Biographie im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Betrachtung zu Schillers Arbeitsalltag, der Entstehung seiner Werke, der dazu gehörigen Umstände und Rahmenbedingen – eine Wanderung durch sein Lebenswerk. Als Grundlage für dieses Buch sind Schillers Briefwechsel und andere Zeitdokumente zu sehen, die Sigrid Damm in einer wie bekannt akribischen Recherche in Archiven, Museen und Bibliotheken analysierte. So belegt sie sehr viele Dinge mit Auszügen aus Originalen, sind diese jedoch für sie nicht greifbar, beispielsweise die, von denen bekannt ist, dass sie bewusst vernichtet wurden, zieht sie ihre eigenen Schlussfolgerungen, an einigen wenigen Stellen verliert sie sich auch in kleine Spekulationen. So erlebt der Leser Friedrich Schiller immer als Schaffenden, teilweise auch als einen vom Schaffen Besessenen. Aber neben dem Dichter tritt sich nach und nach der Mensch Schiller in den Vordergrund. Seine Erwartungen und Enttäuschungen, sein Schwanken zwischen Hochstimmung und Depression, die immer währenden Geldsorgen, seine angeschlagene Gesundheit, seine Bissigkeit gegenüber Zeitgenossen und sein Werben um die Freundschaft Goethes bringt die Autorin dem Leser nahe. Nach dem Zustandekommen der Dichterfreundschaft legt sie ihr Augenmerk auf das sich gegenseitige Beflügeln und Austauschen der beiden Großen, die ein enges Miteinander verbindet, aber auch ein gewisses Konkurrenzdenken trennt.

Mir hat dieses Buch gut gefallen. Der Mensch Friedrich Schiller, von dem mir beschämend wenig bekannt war, offenbarte sich mir. Manche meiner Fragen beantwortete die Autorin nur ganz knapp und auch erst am Ende des Buches, beispielsweise die nach der Vaterrolle Schillers. Was ich ihr allerdings ein wenig ankreide ist die nicht vorurteilsfreie Herangehensweise an die Person Friedrich Schiller. Das drückt sich oft nur einfachen Formulierungen z. B. bezüglich seiner Krankheiten aus, an anderen Stellen in Wertungen. Ich gebe zu, dass ich dass sogar nachvollziehen kann. Mein Herz schlägt auch eher für Goethe, denn für Schiller. Dennoch empfand ich es als ein wenig störend.

Mein Fazit: Nach „Christiane und Goethe“ war dies das zweite Buch, welches ich von Sigrid Damm las. Trotz der Ausrichtung des Buches auf das Werk Schillers, kam ich dem Menschen Friedrich Schiller deutlich näher. Ich habe „Das Leben des Friedrich Schiller“ gern gelesen und freue mich auf die Bücher der Autorin, die noch in meinem Regal stehen.

Über den Autor (Quelle Wikipedia)

Sigrid Damm (* 7. Dezember 1940 in Gotha) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin.

Sigrid Damm wuchs in Gotha auf, wo sie 1959 ihr Abitur machte. Von 1959 bis 1965 studierte sie Germanistik und Geschichte an der Universität Jena. Anschließend war sie als Hochschuldozentin in Jena und Berlin tätig. 1970 promovierte sie zum Doktor der Philosophie. Daneben wirkte sie als Autorin an einer im Verlag Volk und Wissen erschienenen “Geschichte der deutschen Literatur” mit. Seit 1978 lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin. 1993 war sie Gastdozentin an den Universitäten in Edinburgh und Glasgow, 1994 an der Universität Hamburg.

Sigrid Damm ist in erster Linie Verfasserin von Werken über Personen aus dem Umkreis der Weimarer Klassik. Insbesondere mit ihren in einer Mischung aus Biographie und Fiktion geschriebenen Büchern über Goethes Jugendfreund Jakob Michael Reinhold Lenz und Goethes Ehefrau Christiane von Goethe erzielte sie große Publikumserfolge.

Sigrid Damm ist Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

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