Karthauses Bücherwelt …

28. Mai 2013

Buch der Woche (18. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert“ von Christa Wolf.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Es ist ein ganz gewöhnliches Datum, doch für Christa Wolf war es über fünfzig Jahre lang ein besonderes: Seit 1960 beschrieb sie Jahr für Jahr ihren 27. September, fasziniert von der »Bedeutung, die ein durchschnittlicher Tag bekommt, wenn man wahrnimmt, wie viele Lebenslinien in ihm zusammenlaufen«. Als sie dann 2003 »Ein Tag im Jahr. 1960-2000« veröffentlichte, war die Resonanz überwältigend: »Eine unvergleichliche Chronik unserer Gegenwart« (Berliner Zeitung), »ein monumentales Tagebuch … eines ihrer wichtigsten Werke« (Der Spiegel). Auch im neuen Jahrhundert setzte Christa Wolf diese Arbeit fort und ging dem Zusammenspiel von Privatem, Subjektivem und großen zeitgeschichtlichen Ereignissen auf den Grund. Sie erzählt von Deutschland nach dem 11. September 2001, von der eigenen Arbeit etwa an ihrem letzten großen Werk »Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud«, aber auch von der kräftezehrenden Auseinandersetzung mit dem Altern. Eine persönliche Chronik und gleichzeitig ein einzigartiges Dokument der Zeitgenossenschaft: Christa Wolf führt mit der ihr eigenen präzisen Reflexion und mutigen Offenheit die Aufzeichnungen ihres großartigen Tage-Buchs »Ein Tag im Jahr« fort.

Über den Autor

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis, dem Thomas Mann Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Sie verstarb 2011 in Berlin.

23. Mai 2013

Dirk Müller – Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld

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Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld

Müller, Dirk

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426276051

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Dirk Müller – »Mr. Dax«, Bestsellerautor, Deutschlands populärster Wirtschaftserklärer – schildert den zweiten Akt des Währungs- und Wirtschaftsdramas, das seinen Schauplatz längst von den USA nach Europa verlagert hat. Er rekapituliert die fundamentalen Fehlentscheidungen bei der Konstruktion des Euro, zeigt auf, welche Triebkräfte am Werk waren, wer Profit daraus zog und wer heute ein massives Interesse am Zerfall eines starken europäischen Währungs- und Wirtschaftsraumes hat. Denn die aktuelle Krise ist nicht nur das Ergebnis maßloser Staatsschulden, sie ist auch Ausdruck eines amerikanisch-europäischen Wirtschaftskrieges, der hinter den Kulissen tobt. Müller zeigt, welche Möglichkeiten Europa und Deutschland offenstehen, er benennt Chancen und Gefahren.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Dirk Müller wird oft als “das Gesicht der Börse” bezeichnet. Nach dem Abitur und einer Bankausbildung begann 1992 seine Karriere an der Frankfurter Börse. Zunächst arbeitete er als Rentenhändler für verschiedene Unternehmen, bevor er 1998 amtlich vereidigter Kursmaklerstellvertreter und später Skontroführer wurde. Sein Wissen und seine Erfahrung werden allseits geschätzt; er ist ein gefragter Experte bei der Presse und im Fernsehen.
Meine Meinung
Wir leben in bewegten Zeiten, politisch und ökonomisch. Längst ist aus einem Miteinander der europäischen Staaten ein Gegeneinander geworden, weltweit gesehen, ist es wohl nicht vermessen, von einem Wirtschaftskrieg zu sprechen. Dabei wird Otto Normalbürger oft für dumm verkauft oder auch bewusst dumm gehalten. Nach “Crashkurs“ und “Cashkurs“ liegt mit “Showdown“ nun das dritte Sachbuch vor, in dem Dirk Müller die interessierte Leserschaft ein wenig hinter die Kulissen der Wirtschafts- und Politbühne schauen lässt.Dirk Müller macht deutlich, dass nicht ausschließlich die immensen Staatschulden ursächlich für die gegenwärtige Misere sind. Wieder einmal geht es um die Aufteilung von Rohstoffressourcen. In Europa gibt es keine unerschlossenen mehr? Und Griechenland hat schon gar keine? Weit gefehlt. Griechenland hat so große Erdöl/-gasvorkommen, dass es damit ganz Europa versorgen könnte. Dass es von der Förderung bis zur Tilgung der Staatsschulden nur ein kleiner Schritt ist, sollte dann auch jedem relativ schnell klar werden. Warum sollen sich die angeschlagenen Staaten zu Tode sparen, indem ihnen ein Sparprogramm nach dem anderen auferlegt wird. Warum wird nicht eher die Konjunktur angekurbelt? Warum wurde der us-amerikanisch geprägte IWF gegen das Anraten namhafter Fachleute zu Bewältigung der europäischen Schuldenkrise herangezogen? Warum hat man nicht auf eigene Kräfte vertraut? Was würde ein Austritt aus dem EURO für die Bürger der schuldengeschüttelten Staaten für Folgen haben? Was würde sich für uns beim Austreten Deutschlands aus der europäischen Währung ergeben? Ein wenig Licht in den Fragendschungel bringt schon das Nachdenken über die Frage „Wem nutzt es?“ Ohne die Antwort darauf vorweg nehmen zu wollen, dem Europäer nutzt die gegenwärtige Situation keinesfalls. Aber auch Dirk Müller hat keine ultimative Lösung des europäischen Problems parat. Er zeigt lediglich Möglichkeiten für Wege aus der Krise auf.Dieses Buch finde ich durchaus wichtig und gelungen, obwohl mir zwei Punkte nicht so gefielen. Zum einen nennt Müller nicht konsequent seine Informationsquellen. Mag sein er will sie in der Öffentlichkeit nicht bloßstellen, aber am Ende des Sachbuches hätte ich mir ein ausführliches Quellenverzeichnis gewünscht, ohne dass klar werden muss, wer genau zu welchem Thema Auskunft gab. Andererseits haderte ich beim Lesen ein wenig mit dem Sprachstil des Autors. Dieser war mir stellenweise ein wenig zu salopp. An manchen Stellen kam beim Lesen bei mir so eine Art Stammtischatmosphäre auf, die das Buch und das Thema einfach nicht verdient haben. Zwar soll dieses Sachbuch durchaus allgemeinverständlich sein, hier war es ein wenig zu launig.”Showdown“ ist ein hochinteressantes Sachbuch über die aktuellen Probleme der EURO-Zone. Dirk Müller zeigt verschiedene Möglichkeiten und deren Folgen für eine Krisenbewältigung auf. Dabei ist das Buch leicht verständlich geschrieben und auch Laien werden nicht vom üblichen Fachchinesisch überrollt. Klar ist, es muss etwas geschehen. Wie Dirk Müller schreibt, wir bewegen uns konsequent in Richtung eines Sumpfes, noch können wir uns entscheiden, ob wir ihn rechts oder links (ohne politische Wertung) umgehen wollen. Aber geradeaus, wie bisher, ist die eindeutig schlechteste aller Möglichkeiten.

Den Politikern möchte ich zurufen ‘Bewegt Euch!’, auf jeden Fall ist die Lektüre dieses Buches ein Weckruf, der nicht ungehört verklingen sollte. Aus dem Grund wünsche ich diesem aufklärenden Sachbuch viel Erfolg und viele Leser.

17. Mai 2013

Buch der Woche (16. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Ein Hologramm für den König“ von Dave Eggers.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Alan Clay ist ein Mann der Old Economy, der nicht ganz ohne eigenes Zutun so gut wie ausrangiert ist und nun darum kämpft, die Studiengebühren seiner Tochter bezahlen und einen Rest seiner Würde bewahren zu können. Er hat noch eine Chance, um seiner Finanzlage und damit seinem Leben die entscheidende Wendung zu geben: Für eine amerikanische IT-Firma fliegt er mit einem Team von jungen Leuten nach Saudi-Arabien. Dort, wo mitten in der Wüste eine funkelnde Wirtschaftsmetropole entstehen soll, wollen sie dem saudischen König ihre hochentwickelte IT-Technik vorführen, mit der sie die Stadt versorgen möchten. In einem Zelt am Rande der riesigen Baustelle, aus der eines Tages die Stadt erwachsen soll, kämpfen sie nicht nur mit drückender Hitze und wackligem WiFi, sondern warten auf einen König, der einfach nicht kommt.»Ein Hologramm für den König« ist ein Roman über das, was die globalisierte Wirtschaft mit dem Menschen macht. Mit großer Empathie und herrlich absurder Komik erzählt, zielt er mitten ins Herz der heutigen Zeit. Vielschichtig, traurig, rührend. Ein literarischer Meilenstein. »Packend, wunderschön und traurig.« The New York Times Book Review

Über den Autor

Dave Eggers hat bislang sechs Bücher veröffentlicht, die zahlreiche literarische Auszeichnungen erhalten haben. Für »Zeitoun« wurde ihm u.a. der American Book Award und der Albatros-Preis der Günter-Grass-Stiftung verliehen. »Weit Gegangen« schildert das Schicksal von Valentino Achak Deng, einem Überlebenden des Bürgerkriegs im Sudan, und führte zur Gründung der Valentino Achak Deng Foundation, die eine von Mr Deng geleitete Mittelschule im Südsudan betreibt. Eggers ist Gründer und Herausgeber von McSweeney’s, einem unabhängigen Verlag mit Sitz in San Francisco. 2002 rief er ein gemeinnütziges Schreib- und Förderzentrum für Jugendliche ins Leben, 826 Valencia, das heute Ableger in mehreren amerikanischen Städten hat. Eggers stammt aus Chicago und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Nordkalifornien.

13. Mai 2013

Buch de Woche (15. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Ein Sonntag auf dem Lande“ von Pierre Bost.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Ein zartes impressionistisches Juwel, voller Charme und mit einem Hauch von MelancholieMonsieur Ladmiral, ein erfolgreicher, wenn auch konventioneller Maler, hat sich außerhalb von Paris niedergelassen, wo ihn wie jeden Sonntag der Sohn Gonzague mit seiner Familie besucht. Man isst, man spaziert, alles ist wie immer, bis Irène, die Tochter, auftaucht. Während Gonzague ein eher langweiliges bürgerliches Leben führt, geht Irène undurchschaubaren, doch umso lukrativeren Geschäften nach und lässt sich von niemand in die Karten ihres (Liebes-)Lebens blicken. Der Familiensonntag wird in Pierre Bosts kleinem Roman zu einem Panorama der Gefühle, wie sie in Familien nicht nur kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges unter der Oberfläche brodeln. Rivalität unter Geschwistern, Eifersucht und die Angst vor dem Tod des Vaters treten zutage nur die Mitglieder der Familie würden sich dies nie eingestehen.

Über den Autor
PIERRE BOST, 1901 in Lasalle geboren, wuchs in Le Havre auf und kam kurz nach dem Ersten Weltkrieg nach Paris. Zwischen 1924 und 1945 veröffentlichte er mehr als ein Dutzend Romane, Erzählbände und Essays. Er gehörte zu den bedeutendsten Literaten und Journalisten der Zwischenkriegszeit. Zu seinen wichtigsten Werken gehören »Faillite« (1928), »Le scandale« (1931), »Porte-Malheur« (1932) und »Monsieur Ladmiral va bientôt mourir«. Mit diesem kleinen Roman verabschiedete er sich 1945 aus der Literatur, um fortan als Drehbuchschreiber zu arbeiten. Pierre Bost starb 1975 in Paris. 1984 wurde »Monsieur Ladmiral va bientôt mourir« von Bertrand Tavernier unter dem Titel »Ein Sonntag auf dem Lande« verfilmt. Das Werk wurde bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet.

18. April 2013

Yejide Kilanko – Der Weg der Töchter

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Der Weg der Töchter

Kilanko, Yejide

Originaltitel: Daughters Who Walk This Path

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Verlag: Graf Verlag

ISBN-13: 978-3862200375

Kurzbeschreibung
Ein mutiges, mitreißendes Romandebüt über eine Kindheit in Nigerias Millionenstadt Ibadan. Das Mädchen Morayo erlebt das Erwachsenwerden behütet, aber voller Tabus: es wird eine Odyssee, aus der sie stark und voller Zukunftspläne hervorgeht. Sie ist pfiffig und temperamentvoll, die kleine Morayo, die mit ihrer geliebten Schwester in einer modernen nigerianischen Familie aufwächst. Eine herrliche Großfamilie, wo viel gekocht und gefeiert, aber auch hart gearbeitet wird. So ist es das Normalste der Welt, dass Bros T, der charmante, etwas halbstarke Cousin der Mädchen hier aufgenommen wird. Anfänglich ist Morayo begeistert von diesem Familienzuwachs, aber dann überfordert, als Bros T sie nachts bedrängt… Ein dichtes Netz des Schweigens legt sich plötzlich über das Haus, und Morayo erfährt von ihren Eltern keinen Trost, im Gegenteil, es ist, als sei sie selbst schuld. Bei Morenike, die seinerzeit ein ähnliches Schicksal erlitten hat, findet sie ein neues Zuhause und eine weibliche Verbundenheit, die sie zu einer starken und engagierten Persönlichkeit werden lässt. Das erkennt auch Kachi, Morayos erste Liebe aus der Schulzeit…

Über den Autor
Yejide Kilanko, geboren 1975 in Ibadan, Nigeria, wuchs als Tochter eines Universitätsprofessors und seiner Frau auf. Als Jugendliche entdeckte sie für sich Autoren wie Nadine Gordimer, Wole Soyinka und Chinua Achebe. Sie studierte Politikwissenschaften in Ibadan und zog 2000 mit ihrem Mann in die USA, später nach Kanada, wo sie heute als Kindertherapeutin arbeitet. Sie hat selbst drei Kinder. DER WEG DER TÖCHTER ist ihr erster Roman.

Meine Meinung
Morayo ist ein lebenslustiges Mädchen. Als sie 5 Jahre alt war, kam ihre Schwester zur Welt, sie war von Albinismus betroffen. Beide wuchsen behütet im Schoß einer eng zusammenhaltenden großen Familie im nigerianischen Ibadan auf. Die Zeit verging und Morayo wurde langsam zur Frau, war den Kinderschuhen aber noch nicht ganz entwachsen. Die Eltern nahmen ihren Neffen, Bros T. in die Familie auf, da seine Mutter mit dem schwierigen Halbwüchsigen nicht mehr zurechtkam. Eines Nachts schlich er sich in Morayos Bett, bedrängte und missbrauchte sie, dieses Mal und immer wieder. Als Morayo endlich den Mut fand und ihr Problem mit dem Cousin ansprach, wurde ihr die Schuld an den Vorfällen zugewiesen. Einzig bei ihrer Tante Morenike fand sie Verständnis und Trost…

Der Leser begleitet Morayo von über 25 Jahre und erlebt ihre Entwicklung vom kleinen Mädchen hin zur selbstbewussten jungen Frau. Obwohl die Familie äußerlich recht weltoffen wirkt, ist sie noch eng verstrickt in traditionelle Ansichten und Konventionen, die Morayo nach den Übergriffen ihres Cousins hart treffen. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, das Leben in dieser Großfamilie zu beschreiben. Man taucht in das Leben in der afrikanischen Großstadt ein, lernt die Familienmitglieder mit allen ihren guten und schlechten Eigenschaften und das sie umgebende Netzwerk von Freunden und Nachbarn kennen. Yejide Kilanko erzählt sehr persönlich, einfühlsam, warmherzig und in einer äußerst lebendigen Sprache. Die der Autorin eigene Kenntnis des Landes, seiner Besonderheiten und Traditionen werden auf jeder Seite des Romans spürbar und sorgen für eine atmosphärisch dichte Stimmung. So werden letztlich auch moralische Fragen aufgeworfen, die überall auf der Welt ihre Berechtigung haben. Letztlich zeigt es aber deutlich auf, welchen Herausforderungen sich junge Frauen in Nigeria stellen müssen, die ihren eigenen Weg gehen wollen.
„Der Weg der Töchter“ ist ein wirklich beeindruckendes Debüt der in Kanada mit nigerianischen Wurzeln lebenden Autorin. Man darf auf weitere Romane von Yejide Kilanko gespannt sein. Ihr Erstling ist ausgesprochen beeindruckend und nachhallend. Es bescherte mir eine sehr angenehme und interessante Lesezeit. Ich empfehle es sehr gern weiter.

Ich danke dem Graf Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

15. April 2013

Abbas Khider – Brief in die Auberginenrepublik

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 19:09
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Brief in die Auberginenrepublik

Khider, Abbas 

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Verlag: Edition Nautilus

ISBN-13: 978-3894017705

Kurzbeschreibung

Oktober 1999 im Irak herrscht Saddam Hussein, in Libyen Gaddafi, in Ägypten Mubarak, in Syrien Hafiz al-Assad und in Jordanien König Abdullah II bin Hussein. Die arabische Facebook und Twitter-Revolution gegen die Despoten ist noch fernste Zukunft. Einen Brief an der Zensur vorbeizuschicken, ist ein langwieriges und gefährliches Abenteuer. Das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo treibt die irakische Bevölkerung ins Elend einzig Auberginen gibt es im Überfluss, sodass die Iraker ihrem Land den Beinamen »Auberginenrepublik « verpasst haben. Salim, ein ehemaliger Student, schlägt sich im libyschen Exil als Bauarbeiter durch. Er war wegen des Besitzes verbotener Bücher verhaftet worden. Über seinen Onkel ist ihm die Flucht aus dem Irak gelungen, doch er hat nie wieder von seiner Familie, seinen Freunden und vor allem von seiner Geliebten Samia gehört, deren Namen er auch unter Folter nicht preisgegeben hatte. Nun erfährt er in Bengasi von einem die ganze arabische Welt überspannenden Netzwerk von illegalen Briefboten und wagt es, Samia einen Brief mit einem Lebenszeichen zu senden…

Über den Autor

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund »politischer Gründe« und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin.

Meine Meinung

Salim ist ein ehemaliger Student, der wegen des Besitzes illegaler Bücher im Irak verhaftet wurde. Sein Onkel verhalf ihm zur Flucht aus dem Gefängnis und dem Land. Nach einigen Zwischenetappen ist er in Bengasi gestrandet und verdingt sich dort als Bauarbeiter, wie viele im Exil lebende. Seit zwei Jahren hat er nichts mehr von seiner Familie gehört. Auf offiziellem Weg kann er wegen der Zensur keine Briefe in die Heimat schicken, da erfährt er zufällig von dem Netzwerk illegaler Briefboten. Er schreibt einen Brief an seine Geliebte Samia und schickt ihn auf die Reise.

Der eigentliche Protagonist dieses Romans ist ein Brief, dessen abenteuerlichen Weg der Leser auf seiner Reise von Bengasi über Kairo und Amman bis hin nach Bagdad verfolgen kann. Jedes der 7 Kapitel ist der Person an dem Ort gewidmet, bei der sich der Brief gerade befindet. So lernt der Leser Menschen kennen, die dem Regime, wie der Absender, zum Opfer gefallen sind, aber auch die, die in dem Brieftransport eine Geschäftsidee sehen, mit der sie ihr Geld verdienen und dann gibt es noch die, die sich dem Regime unterworfen haben und für die Zensurbehörde arbeiten. Aber es gibt auch die Menschen, die vollkommen uneigennützig einem Heimatlosen einfach nur helfen wollen.

Man merkt diesem Roman an, dass sein Autor aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen konnte. Denn Parallelen zu dem Exil-Iraker Salim, dem Schreiber der des Briefes, sind kaum zu übersehen. Ob der Roman autobiografisch ist, lasse ich dahingestellt. Inspirationen fand Abbas Khider dazu in seiner eigenen Vergangenheit gewiss genügend. Gekonnt flicht er in seine Erzählung immer wieder Passagen ein, die über die Situation der im Exil lebenden Iraker und die politischen Gegebenheiten in deren Heimat Auskunft geben. Der Roman wirkt dadurch auf mich ungeheuer glaubhaft. Abbas Khider schreibt sehr wortgewaltig, mitunter auch sehr poetisch, nie nur bitterernst, vieles schmückt er mit einem Fünkchen Humor. Sehr gerne lese ich die richtig dicken Wälzer. Aber ein Autor wie Abbas Khider gibt mir dann wieder zu verstehen, es bedarf nicht der vielen Worte für einen wirklich guten Roman, auch 160 Seiten können einem eine ganz Welt nahe bringen, wenn man auch an manchem Ort gern etwas länger geblieben wäre.

Ich danke der Edition Nautilus ganz herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

8. April 2013

Buch der Woche (13. KW 2013)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 15:59
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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Last Exit to El Paso“ von Fritz Rudolf Fries.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Fritz Rudolf Fries erzählt von einer Reise zweier Männer nach Amerika. Und am Ende werden alle Figuren, die Lebenden wie die Toten, ihre Träume verlassen und sich in den Paradiesen wiederfinden, die sie zu ihren Lebzeiten gesucht haben.Spielen die Herren Pierre Arronax und Archie ein Spiel, als sie sich aufmachen nach Amerika, genauer gesagt nach El Paso? Oder erlaubt sich da jemand einen bösen Scherz?Jedenfalls erfahren die beiden alten Männer, hinfällig schon und “am Ende ihrer Tage”, per Telefon, dass sie eine Weltreise gewonnen haben. Skeptisch zwar, haben sie wenig zu verlieren. Und Lust am Spiel hatten sie immer schon, entwerfen sie doch als ehemalige Bürger der DDR seit langem wild verworrene Szenarien, von denen nicht immer klar ist, ob sie in der Realität oder im Kopf ihren Ort haben. Drehbücher oder Romane, in denen die “Montagetechnik eines Fellini mit der absurden Komik eines Groucho Marx” verbunden wird, entstehen so. Oder wenigstens die Ideen dazu.Getreu dem Motto der Bremer Stadtmusikanten “Etwas Besseres als den Tod findest du überall” machen sich die beiden Männer in Damenbegleitung auf die abenteuerliche Reise, die sich bald als ein von geheimnisvollen Diensten inszeniertes Wettrennen entpuppt: Einer fährt entlang der amerikanischen Ostküste, der andere entlang der Westküste gen Süden. Weitere Weisungen und das Ziel der Reise sollen ihnen erst unterwegs mitgeteilt werden. Nicht genug damit: Fries verwickelt seine Helden in ein fortwährendes Geistergespräch mit den drei Kritikern aus Bolaños Roman “2666″.
Über den Autor

Fritz Rudolf Fries wurde 1936 in Bilbao (Spanien) als Sohn eines deutschen Kaufmanns geboren. 1942 siedelte die Familie nach Leipzig über. Er studierte Anglistik und Romanistik in Leipzig und arbeitete im Anschluß als Übersetzer und Dolmetscher. Von 1960-1966 arbeitete er als Assistent an der Akademie der Wissenschaften in Berlin, DDR. 1972 wurde er Mitglied des Pen-Zentrums der DDR und kurz darauf in dessen Präsidium gewählt. Nach der Wiedervereinigung wurde er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt sowie der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg.

4. April 2013

Astrid Rosenfeld – Elsa ungeheuer

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 14:52
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Elsa ungeheuer

Rosenfeld, Astrid

Gebundene Ausgabe: 276 Seiten

Verlag: Diogenes

ISBN-13: 978-3257068504

Inhalt (Klappentext):

Lorenz Bauer ist der neue Star der internationalen Kunstszene. Doch kaum einer ahnt, dass hinter seinem kometenhaften Aufstieg nicht nur Talent, sondern der raffinierte Plan zweier einflussreicher Frauen steckt.

Karl Brauer, Lorenz’ jüngerer Bruder, weiß das natürlich. Und auch, dass die verrätselten Bilder des aufstrebenden Malers ihren Ursprung in der Kindheit haben – in der Zeit, als Lorenz und Karl gerade ihre Mutter verloren hatten und Elsa in ihr Leben trat. Elsa mit den Streichholzarmen, dem rotzfrechen Mundwerk, den extravaganten Kleidern. Das Mädchen, an das einer der Brüder sein Herz verlor und der andere seine Illusionen. Das Mädchen, das keiner von beiden vergessen kann.

Meine Meinung

Auf den Klappentext vertrauend hatte ich eigentlich einen Roman aus der Kunstszene erwartet. Diese spielt auch eine gewisse Rolle, aber für mich eben nur eine zweitrangige. Als ich dann verdaut hatte, dass das eigentliche Thema die Geschichte der Dreiecksbeziehung zwischen Elsa, Lorenz und Karl ist, die durch Lorenz in seinem Lebenswerk verarbeitet wird, habe ich mich mit dem Buch doch recht schnell angefreundet.

Die Geschichte um die zu Beginn des Romans 11-jährige Elsa, die von ihrer Mutter beim Vater „abgestellt“ wird, damit diese sich auf einer Weltreise mit dem neuen Mann an ihrer Seite vergnügen kann, wird von Karl aus seiner Sicht erzählt. Elsa, die ihren Kummer und Schmerz nicht zeigen will, verbirgt sich hinter einem Schutzwall aus Starrköpfigkeit, Widerborstigkeit und Frechheit gepaart mit schriller Kleidung. Karl liebt Elsa, er himmelt sie an. Mit Lorenz, Karls älterem Bruder, streitet und schlägt sie sich. Trotzdem hat Karl immer das Gefühl, dass Elsa und Lorenz etwas gemeinsam haben, das ihn eifersüchtig macht.

Astrid Rosenfeld hat gekonnt eine sehr eigentümliche, oft fast schon skurrile Protagonistenschar ins Rennen geschickt. Mein Liebling war natürlich ‘Murmeltier’, auch wenn seine Gutenacht-Geschichten schon sehr speziell waren, erfuhren die Kinder einzig bei ihm Nähe, Wärme und Zuneigung. Sie hat überzeichnet und überspitzt und über viele Dinge mit einem lachenden und einem weinenden Auge berichtet.

„Elsa ungeheuer“ ist ein Roman, der lange nachhallt. Das ist hauptsächlich dem beeindruckenden Stil der Autorin zu verdanken, der Sprachgewalt und Einfühlungsvermögen verbindet und mit Metaphern und Wortwitz geschmückt ist.

Nach der Enttäuschung über den Klappentext habe ich den Roman sehr gern gelesen, er hat mich gut unterhalten und auch nachdenklich gestimmt. Die Autorin ist eine Entdeckung für mich und ihr Erstling „Adams Erbe“ steht bereits auf meinem Leseplan.

Über den Autor

Astrid Rosenfeld wurde 1977 in Köln geboren. Sie hat in diversen Jobs in der Filmbranche gearbeitet, unter anderem als Casterin. Ihr Debütroman “Adams Erbe” erschien 2011 und schaffte es auf Anhieb auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Astrid Rosenfeld lebt als freie Autorin in Berlin.

2. April 2013

Buch der Woche (12. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Briefsteller“ von Michail Schischkin.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 1. Oktober 2012

Eine Liebe über die Zeiten hinweg

Eine Frau, ein Mann, eine Sommerliebe. Sascha und Wolodja werden durch einen Krieg getrennt und können sich nur Briefe schreiben. Sie erzählen einander darin von allem und jedem: von Kindheit, Familie, Alltag, von Freud und Leid. Ein normaler Briefwechsel zweier Liebender – bis sich beim Leser Zweifel regen und klar wird, dass die Zeit der beiden ver-rückt ist, dass sie durch Raum und Zeit getrennt sind. Sie lebt in der Gegenwart, er kämpft im Boxeraufstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen chinesische Rebellen. Er stirbt in einem der ersten Gefechte dieses halb vergessenen Krieges, aber seine Briefe kommen weiterhin an. Sie heiratet, verliert ein Kind – und schreibt ihm unbeirrt weiter, als ob eine Parallelwelt bestünde, als ob die Zeit keine Rolle spielte, ebenso wenig wie der Tod.

Ein großer, anrührender Liebesroman, der die grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz behandelt und der durch die Macht des Wortes die Gesetze von Zeit und Raum außer Kraft setzt.

Über den Autor

Michail Schischkin ist einer der meist gefeierten russischen Autoren der Gegenwart. Er wurde 1961 in Moskau geboren, studierte Linguistik und unterrichtete Deutsch. Seit 1995 lebt er in der Schweiz, Moskau und Berlin. Seine Romane wurden national und international vielfach ausgezeichnet, u.a. erhielt er als Einziger alle drei wichtigsten Literaturpreise Russlands. 2011 wurde ihm der Internationale Literaturpreis Haus der Kulturen der Welt in Berlin verliehen. Für seinen neuesten Roman Briefsteller, der weltweit in über 20 Ländern erscheint, bekam er den hoch dotierten Bolshaja kniga (“Das große Buch”) zum zweiten Mal.

19. März 2013

Michael Köhlmeier – Die Abenteuer des Joel Spazierer

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 17:23
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Die Abenteuer der Joel Spazierer

Köhlmeier, Michael

Gebundene Ausgabe: 656 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag

ISBN-13: 978-3446241787

Im Jahr 1953 lernt der Leser den in Budapest bei seinen Großeltern lebenden András Fülüp kennen. Die Großeltern werden von Stalins Schergen abgeholt und der Junge ist 5 Tage und 4 Nächte sich selbst überlassen, ehe seine Mutter ihn eher zufällig findet. Das Leben nimmt seinen Lauf, die Familie flieht aus Ungarn, leider vor dem Arbeiteraufstand, sodass sie sich gezwungen sehen noch einmal zu fliehen. Die Familie fasst in Wien langsam Fuß und András ist ein Einzelgänger, obwohl alle ihm zugeneigt sind, und beginnt, ein böses Spiel zu spielen, er lügt, manipuliert seine Mitmenschen und verkauft sich bereits im zarten Alter von 9 Jahren an andere Männer. Als Leser folgt man seinem Lebensweg, der eng mit den Ereignissen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden ist, durch halb Europa, nach Dünkirchen, Italien, Liechtenstein, in die Schweiz, die ehemalige DDR und die Sowjetunion, darüber hinaus nach Mexiko und Kuba. Man erlebt ihn, wie er sich der freien Natur durchschlägt und sich durch seinen Gefängnisaufenthalt laviert. Er ist ein Egoist, Manipulierer, Lügner, Betrüger, Fälscher, Philosoph und Mörder. Dabei stellt man sich die Frage, ob er auch einfach nur ein Mensch sein kann.

Michael Köhlmeier hat mit „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ einen weiteren großen Roman vorgelegt, in dem auch sein Alter Ego Sebastian Lukasser seinen Platz einnehmen konnte. Dieser lenkt die Gedanken des unterdessen gealterten András Fülip, inzwischen nennt er sich Joel Spazierer, so, dass er diese für ein Buch festhalten kann. Lukasser ist der einzige Freund, den Spazierer je hatte und obwohl er alles über ihn weiß, hält er ihm die Treue. Wie bei allen seinen Romanen bewegt sich der Autor auch bei diesem auf einem sprachlich hohen Niveau. In diesem Roman gab es unglaublich skurrile Passagen und auch die ganz leisen, nachdenklich stimmenden. Gelegentlich ist der Leser von den Erzählungen des Protagonisten genarrt, weil man ihm vertraute und nun feststellen muss, alles ist dann doch anders. Michael Köhlmeier nennt seinen Roman selbst einen Schelmenroman und trifft es damit im Großen und Ganzen ziemlich genau. Der Protagonist erzählt seine Autobiografie, begibt sich auf Reisen, durchläuft verschieden gesellschaftliche Schichten, schafft es jedoch immer sich aus brenzligen Situationen zu retten und wird oft am Ende geläutert. Ob letzteres auch bei Joel Spazierer der Fall ist, lasse ich an dieser Stelle offen.

Der Roman wird nicht streng chronologisch erzählt. Der Autor springt mit Joel Spazierer durch dessen Leben. Die einzelnen Erlebnisse werden in einen Rahmen aus gegenwärtigen Betrachtungen des in zwischen über 60jährigen Protagonisten in 12 Kapiteln eingeflochten.

„Die Abenteuer des Joel Spazierer“ ist ein Roman, der gute, abwechslungsreiche und kurzweilige Unterhaltung bietet und obendrein zum Nachdenken anregt. Dabei gibt es Anlehnungen an andere literarische Werke. Der Autor selbst nennt Grimmelshausen, ich meine auch noch Günter Grass und John Irving erkannt zu haben. Michael Köhlmeier beweist einmal mehr, welch begnadeter Autor er ist. Bisher wurde ich von seinen Büchern noch nie enttäuscht, obwohl die Erwartung von Mal zu Mal höher ist. Wer gern einem, einen ganzen Roman bestimmenden, Protagonisten durch sein bewegtes Leben folgen möchte, sich auch für die Abgründe menschlicher Charaktere interessiert und dabei das Zeitgeschehen aus dessen Sicht erleben möchte, wird mit diesem Roman gut beraten sein.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und trat sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Er erhielt für seine Bücher zahlreiche Auszeichnungen, u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Johann-Peter-Hebel-Preis, dem Manès-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.

 

 

 

15. März 2013

Titus Müller – Nachtauge

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 07:48
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Nachtauge

Müller, Titus

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten

Verlag: Karl Blessing

ISBN-13: 978-3896674586

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Seit drei Jahren macht der britische Geheimdienst MI5 Jagd auf “Nachtauge”. Hinter diesem Codenamen verbirgt sich eine deutsche Spionin, die Schienen und Brücken zerstört und Verfolger kaltblütig umbringt. Jetzt steht sie vor ihrem größten Coup: der Aufdeckung einer womöglich kriegsentscheidenden großen Operation der britischen Luftwaffe. Diese bereitet die Bombardierung der größten deutschen Stauseeanlagen vor. Erstes Ziel: die Möhnetalsperre.

Hier arbeiten über tausend ukrainische Frauen unter entwürdigenden Bedingungen in einer Munitionsfabrik. Im Lager unterstehen sie dem Befehl von Georg Hartmann. Er gerät unter Druck, weil Gerüchte kursieren, dass er nicht hundertprozentig auf Parteilinie sei. Tatsächlich ist er bei den Arbeiterinnen weit weniger gefürchtet als die brutalen Männer vom Werkschutz. Ahnt Hartmann, dass einige Frauen, unter ihnen auch die ihm sympathische Nadjeschka, einen spektakulären Fluchtversuch planen?

Meine Meinung

In „Nachtauge“ gibt es zwei, lange Zeit parallel verlaufende Handlungsstränge, die der Autor geschickt miteinander verknüpft. Lesern, denen die Geschehnisse des 16./17. Mai 1943 im Kreis Soest nicht geläufig sind, erschließt sich erst recht spät der Zusammenhang der beiden Geschichten, so ist Spannung garantiert.

Vor 100 Jahren wurde die Möhnetalsperre erbaut und vor 70 Jahren von der britischen Luftwaffe bombardiert und zerstört. Die Ereignisse im deutschen Neheim und den verzweifelten Kampf der britischen Spionageabwehr thematisiert Titus Müller in diesem Roman. Sehr bildhaft schildert er das Leben und den Alltag im Lager der ukrainischen Zwangsarbeiterinnen und die Versuche Georg Hartmanns, ihnen das Leben wenigstens ein kleines bisschen zu erleichtern. Er versucht, so unauffällig wie möglich Vorschriften zu umschiffen, schmuggelt Romane russischer Klassiker ins Lager, bittet um größere Essensrationen und bessere medizinische Betreuung. Sein Tun bleibt aber nicht lange unbemerkt. Den Blockwart hat er bereits verärgert, weil er es bisher umgehen konnte, zu spenden. Als dieser in daraufhin denunziert, wurde es auch für Axel Rottländer schwer, seine schützende Hand über den Schwager zu halten. Als dieser sich dann auch noch mit der Ukrainerin in der Öffentlichkeit zeigt, läuft die Gestapo-Maschinerie an. Auch der in England angesiedelte Teil der Romanhandlung um die Jagd auf die kaltblütige deutsche Agentin war durchaus überzeugend. Die Angst vor dem Scheitern der kriegsentscheidenden Operation wurde sehr glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben.

Durch seine gekonnte, der Zeit angemessene Wortwahl und die angenehme sprachliche Gestaltung des Romans bekommt der Leser ein gutes Gefühl für die Zeit. Seine Protagonisten hat Titus Müller sehr facettenreich charakterisiert. Alle hatten Stärken und Schwächen. Ihr Handeln war nachvollziehbar und, was ich ganz besonders schätze, sie machten im Laufe der Handlung eine Entwicklung durch.

Sowohl die Operation Chastise als auch die Liebesgeschichte von Georg und Nadjeschka haben einen wahren Hintergrund. Letztere wurde sehr gefällig in die Romanhandlung eingefügt und wirkte weder aufgesetzt noch in irgendeiner Weise kitschig, sondern einfach sehr natürlich. Die Angst und Zweifel waren logisch und nachvollziehbar.

„Nachtauge“ las ich fast an einem Stück. Ich konnte den Roman nicht aus der Hand legen bevor die letzte Seite gelesen war. Er war spannend und hat mich von Anfang bis zum Ende gefesselt. Ich hatte das Gefühl, dem Bericht von Zeitzeugen zu lauschen. In dem Buch sind noch Anmerkungen des Autors zu den historischen Ereignissen und Hintergründen enthalten. Dadurch wird die wirklich spannende Lektüre abgerundet. Ich empfehle diesen Roman sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Berlin Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik. 1998 begründete er die Literaturzeitschrift “Federwelt”. 2002 war er Mitbegründer des Autorenkreises Historischer Roman “Quo vadis”. Im gleichen Jahr veröffentlichte er, 24 Jahre jung, seinen ersten Roman: “Der Kalligraph des Bischofs”. Es folgten weitere historische Romane wie “Die Brillenmacherin” (2005).Titus Müller wurde mit dem C. S. Lewis- Preis und den Sir Walter-Scott-Preis ausgezeichnet. 2011 erschien im Blessing Verlag sein Roman über den Untergang der Titanic: “Tanz unter Sternen”.

Mein besonderer Dank gilt dem Karl Blessing Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

13. März 2013

Buch der Woche (10. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Leben“ von David Wagner.

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Kurzbeschreibung

«Wann passiert es schon, daß einem die Verlängerung des eigenen Lebens angeboten wird?» Der Anruf kommt um kurz nach zwei. Ein junger, sterbenskranker Mann geht ans Telefon, und eine Stimme sagt: Wir haben ein passendes Spenderorgan für Sie. Auf diesen Anruf hat er gewartet, diesen Anruf hat er gefürchtet. Soll er es wagen, damit er weiter da ist für sein Kind? Er nimmt seine Tasche und läßt sich ins Berliner Virchow-Klinikum fahren. Von der Geschichte und Vorgeschichte dieser Organtransplantation handelt «Leben»: von den langen Tagen und Nächten im Kosmos Krankenhaus neben den wechselnden Bettnachbarn mit ihren Schicksalen und Beichten – einem Getränkehändler etwa, der heimlich seine Geliebte besucht, oder einem libanesischen Fleischer, der im Bürgerkrieg beide Brüder verlor. Beim Zuhören bemerkt er zum ersten Mal, daß auch er schon ein Leben hinter sich hat. Und da, in seinem weißen Raumschiff Krankenbett, unterwegs auf einer Reise durch Erinnerungs- und Sehnsuchtsräume, kreisen die Gedanken: Wen hat er geliebt? Für wen lohnt es sich zu leben? Und welcher Mensch ist gestorben, so daß er weiter leben kann, möglicherweise als ein anderer als zuvor? David Wagner hat ein berührendes, nachdenklich stimmendes, lebenskluges Buch über einen existentiellen Drahtseilakt geschrieben. Ohne Pathos und mit stilistischer Brillanz erzählt er vom Lieben und Sterben, von Verantwortung und Glück – vom Leben, das der Derwisch eine Reise nennt.
Über den Autor

David Wagner, geboren 1971, veröffentlichte 2000 seinen Debütroman «Meine nachtblaue Hose». Sein Roman «Vier Äpfel» stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2009. Der Autor wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Walter-Serner-Preis, der Dedalus-Preis für Neue Literatur und der Georg-K.-Glaser-Preis. David Wagner lebt in Berlin.

7. März 2013

Buch der Woche (9. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Was Liebe ist“ von Ulrich Woelck.

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Kurzbeschreibung

Herbst 1999. Roland Ziegler reist als Mitinhaber eines Familienunternehmens nach Berlin, um an einer Konferenz über die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs teilzunehmen. In einem Café lernt er Zoe kennen, eine junge Jazz-Sängerin, die ihm abends bei einem Konzert einen klassischen Song widmet: ›You don’t know, what love is.‹ Zoe begleitet Roland nach Amsterdam und wird für ihn zu seiner großen Liebe. Befreit von alltäglichen Zwängen erleben sie eine vorher nie gekannte Nähe. Doch die Familie, die Firma und deren Vergangenheit melden sich bald zurück. Und Zoe ist plötzlich verschwunden.
Was ist Liebe? Können wir lieben, ohne unsere Vergangenheit zu kennen? Eindringlich und klar erzählt Ulrich Woelk von zwei sehr gegensätzlichen Menschen, die eines verbindet: Angehörige einer Generation zu sein, die den Versprechungen der großen Gefühle misstraut. Und die am Ende genau das erleben, was ihnen unmöglich erschien: Eine große Liebesgeschichte.

Über den Autor

Ulrich Woelk, 1960 geboren, in Köln aufgewachsen, studierte in Tübingen Physik und promovierte 1991 an der TU Berlin, wo er bis 1994 als Astrophysiker tätig war. Heute lebt der Erzähler und Dramatiker als freier Schriftsteller in Berlin. Literarische Arbeiten seit den 1980er Jahren; »Aspekte«-Literaturpreis für das Debüt ›Freigang‹ (1990). Weitere Romane und Erzählungen: ›Rückspiel‹, ›Amerikanische Reise‹, ›Liebespaare‹, ›Die letzte Vorstellung‹, ›Einstein on the lake‹, ›Die Einsamkeit des Astronomen‹, ›Schrödingers Schlafzimmer‹ und ›Joana Mandelbrot und ich‹. Im Frühjahr 2013 erscheint der Roman ›Was Liebe ist‹.

28. Februar 2013

Buch der Woche (8. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche: „Esti“ von Péter Esterházy.

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Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 25. Februar 2013
Wie in seinem gefeierten Roman „Harmonia Caelestis“ spielt Péter Esterházy mit der Identität und treibt sein Spiel hier auf die Spitze. Er wird zu Kornél Esti, dem charmantesten Romanhelden der Literatur aus Ungarn, einer Erfindung des großen Schriftstellers Dezsö Kosztolányi. Esterházy schlägt Haken und Kapriolen, taucht ab – bis alles, jede Begebenheit, jeder Gedanke die Form von Kornél Esti annimmt. Esti kann eine Studentin in skandalös kurzen Röcken sein, die Jungfrau Maria oder auch ein betender Karpfen. Zugleich schreibt Péter Esterházy aber auch seinen eigenen romanhaften Lebenslauf, denn „Kornél Esti – c’est moi“. Ein echter Esterházy!

Über den Autor

Péter Esterházy wurde 1950 in Budapest geboren, wo er auch heute lebt, seit 1978 als freier Schriftsteller. 2004 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet und 2012 mit dem Bremerhavener Jeanette-Schocken-Preis für Literatur.

21. Februar 2013

Thomas Hardy – Tess

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Tess

Hardy, Thomas

Originaltitel: Tess of the d’Urbervilles

Taschenbuch: 592 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3423141888

Unter dem Titel “Tess of the d’Urbervilles. A Pure Woman Faithfully Presented” veröffentlichte Thomas Hardy im Jahr 1891 diesen Roman zum ersten Mal in seiner ursprünglichen Langform.

Es war nicht einfach für mich, meine moralischen Vorstellungen beiseite zu lassen und mich gänzlich auf die Viktorianische Zeit einzulassen. Hardy machte mir es mir leicht, ein Bild vom Alltagsleben seiner Protagonisten zu bekommen. Detailliert und realistisch schildert er die schwere Arbeit in der Landwirtschaft, den Stand der Technik und das Leben der Landbevölkerung. Tess beschreibt er zu Beginn als junges und lebenslustiges Mädchen, das mit ihren Freundinnen in den Frühling tanzt. Das Schicksal, Angel und Alec und Moralvorstellungen der damaligen Zeit stehen aber einer glücklichen Zukunft von Tess im Weg. Ausgangspunkt für Tess‘ tiefen Fall war nicht zuletzt die Lebensweise ihrer Eltern. Der Vater trank, die Mutter war ein einfältiges, kindliches Wesen. Beide machten nur so viel wie unbedingt nötig, um das Überleben der Familie zu sichern. Als sie dann von der noblen Abstammung der Durbeyfields erfuhren, sehen sie darin eine Möglichkeit, ihrem Elend zu entfliehen. Tess, die älteste Tochter sollte den reichen Verwandten Alec d‘Ubervilles heiraten. Tess wurde herausgeputzt und zu den vermeintlichen Verwandten geschickt. Alec fand auch Gefallen an dem jungen, frischen Mädchen, statt sie zu heiraten vergewaltigte er sie. Tess floh zurück ins Elternhaus, bekam ein Kind, das jedoch nur kurze Zeit lebte. Tess war ein gefallenes Mädchen, eine aussichtsreiche Heirat war undenkbar geworden. Daraufhin verließ sie ihr Dorf und fand eine Anstellung auf einem Hof in Talbothays, wo sie Angel Clare trifft, der ihr bereits bei dem am Anfang des Romans besagtem Frühlingfest auffiel und sie aber damals nicht beachtete. Ihr Gewissen verbietet es Tess seinen Heiratsantrag anzunehmen. Schließlich stimmt sie aber doch zu. Am Hochzeitstag gestehen sich beide ihre Vergangenheit ein. Angel, der Pfarrerssohn, verlässt Tess und geht nach Brasilien. Tess muss sich allein durchschlagen und trifft wieder auf Alec…

Thomas Hardy erzählt Tess‘ Geschichte aus der Sicht eines moralisierenden, allwissenden Erzählers. Dabei tritt besonders deutlich die Doppelmoral viktorianischer Zeit zutage. Was heute kaum noch einen Menschen peinlich berühren würde, führte Tess an den Rand des Abgrunds und ließ sie den letzten Schritt darüber hinaus selbst tun. Ihr Niedergang ist unaufhörlich und das Ende vorauszuerahnen. Dabei deutet Hardy stets nur an, vermeidet jede Schilderung mit sexuellem Hintergrund und überlässt dem Leser das Angedeutete zur Interpretation. Die Sprache des Romans wirkt mitunter schwülstig und etwas angestaubter, als ich dies bei einem vor gut 120 Jahren geschriebenen Roman erwarten durfte. Sowohl der Sprachstil und auch diese Andeutungen störten mich persönlich ein wenig. Da war ich aus anderen in diesem Zeitalter entstandenen Romanen anderes gewöhnt. Ich möchte keineswegs detailgetreue Schilderungen von Vergewaltigungen lesen, aber im moralischen Nebel möchte ich als Leserin auch nicht stehen gelassen werden.

Die männlichen Protagonisten, die Tess zunächst so verschieden sieht, gleichen sich in ihrem selbstgerechten Egoismus und ihrem Umgang mit Tess wie eineiige Zwillinge. Alec schmückt sich mit einem erkauften Titel. Angel scheinbar gebildet, ist gefangen in seinem enggewebten Netz moralischer Vorstellungen. Beide sind Männer, die für diese Zeit stehen und wurden von Hardy hervorragend in Szene gesetzt.

Der Roman trägt den Untertitel: ‘Eine reine Frau’. Dies ist der einzige Hinweis darauf, wie Thomas Hardy in Wirklichkeit über die Scheinmoral dachte und mit dem er versuchte, die Tragödie um Tess ins rechte Licht zu rücken.

„Tess“ habe ich sehr gern gelesen. Er vermittelte mir ein eindrucksvolles Bild vom Dasein der einfachen Landarbeiter im viktorianischen England. Trotzdem mir persönlich ein paar Kleinigkeiten nicht so gefielen, sehe ich den Stellenwert dieses Romans in der Weltliteratur und bin froh ihn gelesen zu haben. Gerne empfehle ich ihn weiter.

Über den Autor

Thomas Hardy, geboren am 2. Juni 1840, war Sohn eines Baumeisters. Er ging nach der Architektenlehre nach London und begann neben seiner Arbeit als Kirchenrestaurator zu schreiben. 1871 erschien der erste seiner berühmten ›Wessex‹-Romane, die alle in seiner heimatlichen Umgebung angesiedelt sind. Hardy hinterließ ein umfangreiches Werk, darunter 14 Romane und fast 1000 Gedichte. Er starb am 11. Januar 1928.

19. Februar 2013

Buch der Woche (7. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche:  „Die Fabeln von der Begegnung“ von Botho Strauß.

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Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 25. Februar 2013
Neue Geschichten von Botho Strauß, dem bedeutendsten Physiognomiker der Literatur in Deutschland. In seinen hellsichtigen Erzählungen, Wahrnehmungen und Überlegungen geht es immer um den einen, einzigen Augenblick, in dem sich das Leben ändert, die Liebe sich auflöst, die scheinbar stabilen Zusammenhänge verschwimmen. Unter dem Vergrößerungsglas seines tief eindringenden Blicks wird dieser Augenblick festgehalten. Das hat zumeist unheimliche Konsequenzen. Denn wenn es auch von außen so aussieht, als würden „die Sinne sich wieder aufrichten wie Gras, das man eine Zeitlang niedergetrampelt hat“, so bleiben doch winzige Narben zurück, die sich in der Zeit zu seelischen Katastrophen addieren.
Über den Autor

Botho Strauß, 1944 in Naumburg/Saale geboren, lebt in Berlin.

12. Februar 2013

Buch der Woche (6. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche:  „Seelenasche“ von Vladimir Zarev.

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Kurzbeschreibung

In „Seelenasche“, dem dritten und letzten Band von Vladimir Zarevs großer Trilogie zur Geschichte von Bulgarien, glimmt nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs noch einmal kurz die Hoffnung auf Einigkeit, Recht und Freiheit auf. Vor dem Hintergrund brutaler Machtverteilungskämpfe wird jedoch schnell klar, dass sich hier nur das durchsetzt, was der reale Sozialismus angeblich längst besiegt hatte: Habgier und Egoismus. Nun sind es die Frauen der Familie Weltschev, die, jede auf ihre Weise, Größe und Haltung zeigen. Vladimir Zarev, der „Balzac Bulgariens“, ist einer der wichtigsten Erzähler Südosteuropas und die Geschichte der Familie Weltschev sein Meisterwerk.

Über den Autor

Vladimir Zarev, geboren 1947 in Sofia, Autor von insgesamt fünfzehn Romanen, Erzählbänden und Sachbüchern. Auf Deutsch erschien 2007 der Roman Verfall und 2009 bei Deuticke als erster Teil der “Weltschev”-Trilogie der Roman Familienbrand.

5. Februar 2013

Buch der Woche (5. KW 2013)

Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche:  „Kronhardt“ von Ralph Dohrmann.

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Kurzbeschreibung

“So stiegen sie den Grubenrand hoch, und hinter ihnen das Gebell wurde leiser. Bald sahen die Jungs eine Libelle; die mathematische Anmut ihrer Geraden, und sie spürten diesen Augenblick in sich, diesen Blick, wenn man frei ist.” In der Maschinenstickerei Kronhardt&Sohn rattern nach dem Krieg die Maschinen, als wäre nichts gewesen. Willem, einziges Kind der Firmenerbin, wächst unter der strengen Kontrolle von Mutter und Stiefvater auf. Früh geht er auf Distanz, sucht seine Freiheit auf ausgedehnten Ausflügen in die Natur und in der Begegnung mit ganz unterschiedlichen Menschen. In bewegenden Bildern und einprägsamer Sprache erzählt dieser große deutsche Entwicklungsroman über sechzig Jahre Leben in der Bundesrepublik. Kapitel für Kapitel öffnet sich ein Kosmos aus Ereignissen, Erinnerungen und Blickwinkeln, in dessen Zentrum die Suche des Menschen nach sich selber steht.

Über den Autor

Ralph Dohrmann, 1963 in Bederkesa geboren, wuchs in Bremen auf. 1998 veröffentlichte er unter dem Titel Perros/Hunde. Erzählungen aus Mexiko und einer unglaublichen Wirklichkeit seinen ersten Band mit Erzählungen. Für das vorliegende Romanprojekt erhielt er ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds e.V.

29. Januar 2013

Buch der Woche (4. KW 2013)

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Der mdr figaro empfiehlt in dieser Woche:  „Angst“ von Dirk Kurbjuweit.

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Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 18. Januar 2013
Das saturierte Leben von Randolph Tiefenthaler scheint mit dem Kauf der schönen Berliner Altbauwohnung seine Erfüllung zu finden. Der Architekt und seine Familie ahnen nichts Böses, als der schrullige Herr Tiberius ihnen Kuchen vor die Tür stellt. Doch bald wird der Nachbar aus dem Souterrain unheimlich. Er beobachtet Tiefenthalers Frau, schreibt erst verliebte, dann verleumderische Briefe, erstattet sogar Anzeige. Die Ehe stürzt in eine Krise, das bloße Dasein des Nachbarn vergiftet den Alltag. Tiefenthaler vertraut lange auf den Rechtsstaat, der aber zeigt sich hilflos gegenüber dem Stalker. Die zerstörte Sicherheit erschüttert Tiefen­thaler im Innersten. Denn er kennt die Angst schon lange. Sein eigener Vater ist ein Waffennarr, als Kind musste Randolph schießen lernen und fürchtete stets das Schlimmste. Vater und Sohn sind sich seit Jahren fremd – doch nun bringt die unerträgliche Situation Randolph auf einen entsetz­lichen Gedanken … Dirk Kurbjuweit schildert mit beklemmender Spannung, wie Ohnmacht eine Familie zur Selbstjustiz treibt. «Angst» ist das Psychogramm einer Gewalttat, die Geschichte einer extremen, in ihrer Sprachlosigkeit berührenden Vater-Sohn-Beziehung – und ein erzählerisches Experiment, das die dünne Haut unserer bürgerlichen Zivilisation auf die Zerreißprobe stellt.

Über den Autor

Dirk Kurbjuweit, geboren 1962 in Wiesbaden, war Redakteur der „Zeit“, seit 1999 arbeitet er für den „Spiegel“. Er hat bislang sechs hochgelobte Romane geschrieben, drei davon wurden fürs Kino verfilmt, darunter „Schussangst“ und „Zweier ohne“; zuletzt erschien „Kriegsbraut“ (2011). Für seine Reportagen erhielt Dirk Kurbjuweit 1998 und 2002 den Egon-Erwin-Kisch-Preis sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen.

18. Januar 2013

Matthew Quirk – Die 500

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Die 500

Quirk, Matthew

Originaltitel: The 500

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896674722

Henry Davis weiß, Politiker sind manipulierbar, sie sind korrumpierbar. Dieses Wissen macht er sich zu Nutze. 500 der mächtigsten Männer zählen zu den Klienten seiner Beraterfirma. Sein Mittel zum Zweck ist jedoch nicht das Geld, sondern die Leichen, die ein jeder von ihnen im Keller hat. Davis sucht seine Ansatzpunkte bei G.I.E.R. – Geld, Ideologie, Ego und Repression. Er versucht alles, um jede Kleinigkeit aus dem Leben seiner Kunden in Erfahrung zu bringen, Fehler, Geheimnisse und Leidenschaften. Mike Ford wird von Davis angeworben, um die Drecksarbeit zu erledigen. Mikes Vater ist zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, den Grund dafür kennt er nicht. Er selbst hat eine kriminelle Vergangenheit, hat den Absprung aber noch geschafft und studiert jetzt in Harvard. Davis‘ Angebot kommt für ihn gerade zur rechten Zeit, denn er hat Schulden. In der Firma steigt er schnell auf und durchschaut dabei immer mehr die Geschäfte seines Bosses. Als Henry Davis erfährt, dass Mike Ford kurz davor ist, seine dunkelsten Geheimnisse herauszufinden, beginnt für Mike ein Wettlauf mit gegen die Zeit und den Tod.

Ohne große Einleitung ist der Leser mitten in der Handlung. Es werden nicht erst lang die Personen eingeführt oder deren Vergangenheit beleuchtet. Darüber erfährt man sukzessive im Verlauf der Handlung. Der Leser taucht zeitlich gesehen, kurz vor dem Ende der eigentlichen Geschichte in diesen Thriller ein und erfährt von dem in der Ich-Form erzählenden Mike Ford in einer Art Rückblick die bisherigen Geschehnisse, um dann den Abschluss sozusagen direkt zu verfolgen.

Die Idee hinter dem Buch ist sehr gelungen. Es geht um die Manipulierbarkeit von Politikern. Ein Thema, das sehr ins psychologische geht. Diesen Aspekt, ebenso wie die Feinzeichnung seiner Protagonisten ließ der Matthew Quirk jedoch weitgehend außen vor. Sein Hauptaugenmerk lag auf actionlastigen Szenen und so ließen sich seine Darsteller relativ schnell in Gut und Böse einordnen. Das Erzähltempo hielt der Autor bis auf wenige Ausnahmen hoch. Die erste Hälfte des Romans hat mir auch noch recht gut gefallen. Über die verwendeten Klischees konnte ich ganz gut hinwegsehen. Die letzten 200 Seiten empfand ich allerdings als unglaubwürdig, überzogen und absehbar. Der Protagonist mutierte zum Superhelden, den weder Verletzungen noch Schmerzen aus der Bahn werfen konnten. Dafür jagte eine Actionszene die nächste. Ich habe nichts gegen Action in Romanen oder Filmen. In diesem Fall hätte ich mir aber gewünscht, dass der Autor seinem Helden ein wenig mehr Profil verleiht und dieser blasse und reichlich naive Handlanger des Big Boss zur Persönlichkeit wird. Das Ende des Thrillers war dann in allen seinen Facetten sehr hollywooglike. Eine Verfilmung des Stoffes könnte ich mir gut vorstellen.

Mein Fazit: Wer eine Vorliebe für schnell erzählte und ebenso schnell gelesene Thriller, deren Schwerpunkt im wahrsten Sinne des Wortes im Thrill liegt, hat und wer über Schwächen in der psychologischen Zeichnung der Personen hinwegsehen kann, wird mit diesem nicht schlecht beraten sein. Leider passten das Buch und mein Lesegeschmack nicht so ganz zusammen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Matthew Quirk (31) ist in New Jersey aufgewachsen und hat in Harvard studiert. Anschließend arbeitete er jahrelang als investigativer Journalist für THE ATLANTIC. DIE 500 ist sein erster Roman. Er lebt in Washington D.C.

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