Karthauses Bücherwelt …

8. Februar 2012

Deana Zinßmeister – Der Schwur der Sünderin

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 18:16
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Man schreibt das Jahr 1525. Anna Maria kehrt von ihrer Suche nach den Brüdern zurück ins heimische Mehlbach. Aber sie kommt nicht nur mit ihrem überlebenden Bruder, sie bringt mit Veit auch einen Fremden mit, den sie heiraten möchte. Sowohl die Familie als auch die Dorfbewohner begegnen ihm mit skeptischer Zurückhaltung. Als dann nach ihrer Ankunft auch noch Wölfe nahe dem Dorf auftauchen und Veit gesehen wird, wie er mit ihnen spricht, entstehen schnell Behauptungen, er sei ein Werwolf. Am Tag der geplanten Hochzeit wird Veit auf brutalste Weise festgenommen. Anna Maria muss sich wieder auf eine gefährliche Reise begeben und den Vater suchen, der auf einer angeblichen Pilgerreise ist. Er soll das Leben des Geliebten retten.

Unmittelbar an den Vorgängerroman „Die Gabe der Jungfrau“ knüpft dieser zweite Teil an. Durch geschickt eingebaute Erinnerungen könnte man diesen auch ohne Kenntnis des Vorgängers genießen. Wie schon der erste Teil ist auch dieser ein wirklicher historischer Roman. Deana Zinßmeister lässt den Leser mit den Romanfiguren Geschichte erleben. Dafür integriert sie die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherche gekonnt in das Geschehen und beim Lesen erschließen sich fundiert, aber unaufdringlich, die Lebensumstände sowie gesellschaftliche und politische Zusammenhänge der damaligen Zeit. Äußerst interessant beschrieb die Autorin die sich ihrem Ende entgegengehenden Bundschuhaufstände und damit das Doppelleben des Anführers der Bundschuhbewegung Joß Fritz alias Daniel Hofmeister. Auch in diesem Roman liegt ihr Fokus auf den einfachen Menschen. Sehr einfühlsam schildert sie die Lebensumstände und Ansichten der Dorfbewohner, die allem Unbekannten gegenüber sehr skeptisch auftreten, Aberglauben nachhängen und Gerüchten gern Glauben schenken. Darunter hat am meisten Veit zu leiden. Seine innige Beziehung zu den Wölfen jagt den Menschen Angst ein, sie glauben die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und unterstützen die Diffamierung leichtgläubig.

Häufig kann bei Fortsetzungen der 2. Teil nicht mehr an das Niveau des ersten Teils anknüpfen, nicht so bei diesem Roman. Deana Zinßmeister gelingt es scheinbar mühelos, die Atmosphäre und den roten Faden wieder aufzunehmen. Ihre Charaktere entwickeln sich ohne Unterbrechung weiter. Sie werden gefühlvoll und realistisch in ihren guten und nicht so guten Eigenschaften beschrieben und wachsen dem Leser schnell ans Herz.

Diesen überzeugenden, sehr gelungenen historischen Roman runden eine im Buch enthaltene Karte, ein Personenverzeichnis und ein ausführliches Nachwort ab. Darin gibt die Autorin Auskunft darüber, welche Ereignisse und Personen real waren und welche ihrer Fantasie entsprangen. Aber eigentlich ist das ganz egal. Denn genau so, wie sie die Geschichte um die Familie Hofmeister geschrieben hat, hätte sie sich wirklich zugetragen haben können. Was wünscht man sich als Leser mehr? Eigentlich bleibt nur noch ein Wunsch offen, der nach weiteren unterhaltsamen, spannenden und bewährt guten Romanen der Autorin.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Deana Zinßmeister widmet sich seit einigen Jahren ganz dem Schreiben historischer Romane. Bei ihren Recherchen wird sie von führenden Fachleuten unterstützt, und für ihren Bestseller »Das Hexenmal« ist sie sogar den Fluchtweg ihrer Protagonisten selbst abgewandert. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

Taschenbuch: 480 Seiten * Verlag: Goldmann Verlag * ISBN-13: 978-3442472499

2. Dezember 2010

Deana Zinßmeister – Der Hexenturm

Einsortiert unter: 2010,Challenge,History — Karthause @ 17:40
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Der Hexenturm
Deana Zinßmeister
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442472482

Im Saarland um 1618. In Deana Zinßmeisters Roman „Das Hexenmal“ lernte der Leser die Geschichte der fünf jungen Eichsfelder Johann, Franziska, Katharina, Clemens und Burghard kennen, die auf der Flucht vor der Anklage der Hexerei ihre Heimat verlassen mussten. In diesem Buch, das direkt die Handlung des Vorgängers aufgreift, treffen wir die Fünf wieder und begleiten sie auf ihrer Flucht durch Hessen bis hin ins Saarland. Auf dem Gestüt Rehmringer werden sie, trotz des Todes des alten Pferdehändlers, von dessen Witwe freundlich aufgenommen und finden Arbeit und Unterkunft. Dies ist für einige Alteingesessene auf dem Hof und den der Witwe nahestehenden Amtsmann Johann von Baßy ein Dorn im Auge. Sie müssen auf der Hut sein, denn die Hexenverfolgung wird auch in ihrer neuen Heimat zelebriert. Zur gleichen Zeit ist auch der dem Leser aus dem 1. Teils der Geschichte bekannte Magier Barnabas unterwegs, in seinem Gefolge Sevatius und eine Kinderhexe.

Wie schon im „Hexenmal“ ist die Geschichte durch verschiedene Handlungsstränge geprägt. Durch nicht zu lange Kapitel hält Deana Zinßmeister die Spannung und vermeidet Längen. Ihr angenehmer und flüssig zu lesender Schreibstil ließ mich als Leser förmlich durch das Buch eilen. Die Autorin legt auch in diesem Roman großen Wert auf Details, das macht ihre Geschichten so beeindruckend authentisch. Das Alltagsleben, die damit verbundenen Schwierigkeiten, Sorgen und Nöte werden nachvollziehbar. Die belegten historischen Persönlichkeiten, die ihre Auftritte in dem Roman haben, lassen Geschichte lebendig werden.

In diesem Roman werden zwar immer wieder die Schicksale der Protagonisten in Rückblenden erzählt, so dass man ihn auch ohne Kenntnis des 1. Teils lesen und verstehen kann. Um aber die Entwicklung der Charaktere nachvollziehen zu können, sehe ich es als hilfreich an „Das Hexenmal“ gelesen zu haben. Die Story und auch die Charaktere haben in diesem 2. Teil für mich deutlich an Tiefe gewonnen. Besonders gelungen fand ich die Person des Magier Barnabas, der in seiner Bösartigkeit auch Skrupel hatte, die immer wieder deutlich wurden. Nur ganz wenige Charaktere bleiben etwas eindimensional, wie z.B. Servatius, der in jeder Beziehung einfach nur böse war. Aber letztlich war er in seinem Tun und Denken auch wieder überzeugend. Auch das Zusammenleben in der Gruppe wurde durch die Autorin realistisch und als nicht einfach beschrieben. Gab es doch im Verlauf der Handlung manch kritische Situationen für die Protagonisten zu meistern, an denen die Freundschaft der einstigen Zweckgemeinschaft zu zerbrechen drohte. Es kamen aber nicht nur die die in dem Roman zu Wort, die die konsequente Hexenverfolgung predigten und gnadenlos vollzogen. Auch die Lichtfänger konnten Akzente setzen und einen Hauch von Hoffnung hinterlassen.

Mein Fazit: Nach dem ich mit „Das Hexenmal“ ein wenig haderte, weil mir die Handlungsstränge zu losgelöst voneinander erschienen, hat sich das in „Der Hexenturm“ völlig relativiert. Ich habe mich sehr gern von Deana Zinßmeister durch dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte führen lassen und freue mich schon auf die nächste „Zeitreise“ mit ihr. Ich kann diesen schnörkellosen historischen Roman jedem Liebhaber dieses Genres empfehlen.

 

Über den Autor

Deana Zinßmeister hat sich mit dem Schreiben einen Traum erfüllt und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits mit ihrem ersten historischen Roman »Das Hexenmal« gelang ihr auf Anhieb ein Erfolg. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

17. April 2010

Deana Zinßmeister – Die Gabe der Jungfrau

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 16:57
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Die Gabe der Jungfrau
Deana Zinßmeister
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442470365

Mehlbach in der Kurpfalz um 1525. Die Stimmung war angeheizt, die Welt hatte sich verändert. Es war die Zeit des deutschen Bauernkrieges. Luther hatte vor nicht all zu langer Zeit seine Thesen zur Reformation der Kirche veröffentlicht und Müntzer war in Thüringen und Sachsen der Wortführer der Bauern.

Der freie Bauer Daniel Hofmeister schickte zwei seiner Söhne in den Kampf für die Sache der Bauern. Bevor sie gingen gaben sie jedoch ihrer Schwester Anna Maria das Versprechen, dass einer nicht ohne den anderen heimkehren würde.

Anna Maria besaß die Gabe, sich im Traum von nahestehenden Menschen, deren Tod bevor steht, verabschieden zu können. Eines Nachts sah sie ihre Brüder in verschneiter Landschaft. In großer Sorge und Eile brach sie mit dem Segen des Vaters auf, um Peter und Matthias in den Kriegswirren zu finden und das Schicksal abzuwenden.

Der Leser begleitet die junge Frau auf ihrer abenteuerlichen und nicht ungefährlichen Suche. Dabei verwebt Deana Zinßmeister die verschiedenen Handlungsstränge mit der realen Geschichte so geschickt, dass am Ende die Handlung stimmig ist und der Leser gleichzeitig ein sehr realistisches Bild über das Leben und die Ereignisse dieser bewegten Zeit machen kann. So erfährt man vom Doppelleben des Vaters ebenso wie vom schweren Leben der Bauern und ganz nebenbei, unaufdringlich und mit dem Gespür für das Wesentliche werden die historischen Fakten unterbreitet. Man lernt die Bundschuhbewegung als Wurzel für den Bauernkrieg auf deutschem Boden kennen und die Standpunkte von Luther und Müntzer zu unterscheiden.

Die Beweggründe für das Handeln der Protagonisten werden immer wieder in Rückblenden dargelegt, so wurde den Figuren von Anfang an ein Charakter verliehen und Leben eingehaucht. Sie wuchsen mir ans Herz, ich konnte mit ihnen hoffen und bangen und als ich das Buch schloss, hatte ich das Gefühl gute Bekannte zu verlassen.

In diesem Roman trifft Fiktion auf Realität und es war mir nicht immer möglich reale Personen von denen, die der Feder der Autorin entsprangen, zu unterscheiden.

Das Buch enthält ein umfangreiches Nachwort und ein ausführliches Quellenverzeichnis, das belegt, was beim Lesen schon angenehm auffällt, die Autorin hat eine akribische Recherche betrieben. Ich hätte gern noch ein Personenverzeichnis und eine Karte im Buch gehabt. Solche Beigaben liebe ich. Deren Fehlen laste ich aber keinesfalls der Autorin an.

„Die Gabe der Jungfrau“ ist für mich der beste der bisher von Deana Zinßmeister erschienen Romane. Gut charakterisierte Figuren treffen auf eine interessante und von der Autorin gewohnt gekonnt erzählte Geschichte und sind eingebettet in einen realen historischen Rahmen. Was will man als Leser historischer Romane mehr.

Über den Autor

Deana Zinßmeister hat sich mit dem Schreiben einen Traum erfüllt und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits mit ihrem ersten historischen Roman »Das Hexenmal« gelang ihr auf Anhieb ein Erfolg. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Saarland.

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