Die Welt, wie wir sie kannten
Susan Beth Pfeffer
Originaltitel: Life as we knew it
Gebundene Ausgabe: 412 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3551582188
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 17 Jahre
„Ich will mir ab jetzt jeden Tag einen Augenblick Zeit nehmen, dankbar für alles zu sein, was ich habe.“ (S. 351).
Miranda ist 16 Jahre und lebt mit ihrer Familie, der Mutter, zwei Brüdern und einer Katze, in einer amerikanischen Kleinstadt. Ihr Leben verläuft völlig normal. Sie bewegen die üblichen Probleme eines Teenagers, sie schwärmt für einen Eiskunstläufer und ist von der Schule genervt, in der sich alles nur noch um das bevorstehende astronomische Ereignis dreht. In allen Fächern gibt es Hausaufgaben nur zu diesem einen Thema. Am 18. Mai um 21:37 Uhr ist es dann so weit. Auf den Straßen herrscht Volksfeststimmung, alle wollen dabei sein und beobachten wie ein Asteroid auf dem Mond einschlägt. Aber anders als von den Wissenschaftlern vorhergesagt, bleibt dies für die Menschheit nicht ohne Folgen. Der Mond wird aus seiner Umlaufbahn katapultiert und ist der Erde viel näher gekommen. Nicht nur, dass er nun unwirklich groß erscheint, in Folge dessen entstehen Sturmfluten ähnlich Tsunamis, es gibt mächtige Unwetter, die Erde bebt und auch längst erloschen geglaubte Vulkane brechen aus. An einen normalen Alltag ist bald nicht mehr zu denken. Die Telekommunikation bricht nach und nach zusammen. Der Strom fällt immer öfter aus und bleibt irgendwann ganz weg. Lebensmittel müssen beschafft werden. Als sich dann im August aufgrund der Vulkanausbrüche die Sonne hinter einer dichten, undurchdringlichen Staub- und Aschewolke versteckt, beginnt es zu schneien, die Temperaturen fallen rasant, deutlich unter den Gefrierpunkt. Es herrscht Chaos und es geht nur noch ums Überleben…
Susan Beth Pfeffer schildert diese Dystopie aus Sicht der 16-jährigen Miranda. Das Mädchen schreibt ein Tagebuch und dem Leser öffnen sich ihre Welt, ihre Sicht auf die Ereignisse und ihre Empfindungen. Vom 7. Mai bis zum 20. März des Folgejahres (konkrete Jahreszahlen sind nicht erwähnt) begleitet man diese amerikanische Familie und die von der Autorin gewählte Tagebuchform erzeugt eine sehr große Nähe, denn man erhält einen direkten Einblick in diesen Mikrokosmos. Sehr eindringlich schildert Susan Beth Pfeffer die sich langsam aber stetig verschlechternden Lebensbedingungen, den zunehmenden Hunger, die wachsende Verzweiflung und die kippende Stimmung. Diese gefühlte Nähe zu den Protagonisten macht deren Entscheidungen so nachvollziehbar und die Ausweglosigkeit der Situation fast körperlich spürbar. So verwundert es auch nicht, dass man in Gedanken kalkuliert, wie lange die eigenen Vorräte ausreichen würden, wie die eigenen Reaktionen ausfallen würden und wie wichtig mach selbstverständlich gewordene Kleinigkeit sein könnte. Sehr gelungen und passend zur Handlung ist das Cover des Buches, ein riesiger Mond, ein einsames Gehöft in winterlicher Landschaft unter einem bedrohlich dunklen, grauen Himmel. Auch die Gliederung des Romans in die einzelnen Jahreszeiten unterstreicht anschaulich das Geschehen. Das von der Autorin geschilderte Weltuntergangsszenario wirkt nicht künstlich und actiongeladen, es erscheint erschreckend realistisch, glaubhaft und nah. Aber auch in dem schier hoffnungslosen Überlebenskampf der Familie wird deutlich, dass es die kleinen Dinge des Lebens sind, die den Menschen die Kraft geben, den nächsten Tag anzugehen und an das Morgen zu glauben. Das wird besonders durch den einfachen, fast sachlichen Sprachstil des Romans betont.
„Die Welt, wie wir sie kannten“ ist ein beindruckender, fesselnder Jugendroman, der auch den erwachsenen Leser in seinen Bann zieht und zum Nachdenken anregt.
Über den Autor
Susan Beth Pfeffer (* 1948 in New York) ist eine US-amerikanische Kinderbuch- und Science-Fiction-Autorin. Sie lebt in Middletown, New York.
Die Moon-Crash-Trilogie:
1. Die Welt, wie wir sie kannten
2. Die Verlorenen von New York
3. Das Leben, das uns bleibt (erscheint im März 2012)
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