Karthauses Bücherwelt …

11. Mai 2010

Oliver Pötzsch – Die Henkerstochter

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 18:13
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Die Henkerstochter
Oliver Pötzsch
Broschiert: 511 Seiten
Verlag: Ullstein Tb
ISBN-13: 978-3548268521

Im bayrischen Schongau kam ein Junge auf mysteriöse Art und Weise um Leben und auf der Schulter trug er ein eingeritztes Hexensymbol. Schnell ist wurde die Hebamme Martha Stechlin als Hexe dingfest gemacht und eingekerkert. Aber weitere Morde an Kindern geschahen. Bei allen fand man das ominöse Zeichen. Damit war klar, die Hebamme ist mit dem Teufel im Bunde. Der wurde dann von einigen Schongauern auch leibhaftig gesehen. Einzig der Henker Jakob Kuisl, seine Tochter Magdalena und Simon Fronwieser, der junge Stadtmedicus, glauben an die Unschuld der vormals so beliebten Hebamme. Für die drei begann ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Hexe soll schnellstmöglich brennen.

Oliver Pötzsch, selbst Nachfahre der Kuisl-Dynastie, hat sich in seinem Roman ein interessantes Thema gewählt. Von verschiedenen Seiten wurde mir dieses Buch empfohlen. Nun habe ich es gelesen und könnte meine Meinung kurzfassen: nett.

Dem Autor gelingt es in seinem Roman die Figur des Henkers mit Leben zu erfüllen. Glaubwürdig berichtet er, das dieser am Töten auch keine Freude hat, aber auf Grund seiner Herkunft aus einer Henkersfamilie, keine andere Möglichkeit des Gelderwerbs hat. Die Charakterisierung der anderen Protagonisten fand ich als nicht so gelungen. Sie blieben mir ohne wirkliche Tiefe, dafür aber in manchen Beziehungen etwas überzeichnet, denn in den entscheidenden Momenten gelang ihnen vieles. Mit Hilfe des Zufalls waren es richtige Helden.

Insgesamt gesehen ist „Die Henkerstochter“ ein solider historischer Roman mit einigem Lokalkolorit. Er hat einen starken Anfang und lässt dann aber deutlich nach. Dazu kamen einige Längen, die mich störten. Das Ende empfand ich als sehr simpel. Deshalb werde ich die Folgebände wohl mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lesen.

Über den Autor

Oliver Pötzsch, Jg. 1970, arbeitet seit Jahren als Filmautor für den Bayerischen Rundfunk, vor allem für die Kultsendung quer. Er ist ein Nachfahre der Kuisls, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert die berühmteste Henker-Dynastie Bayerns waren. Oliver Pötzsch lebt in München.

21. Dezember 2009

Katja Doubek – Katharina Kepler

Einsortiert unter: 2009,History — Karthause @ 13:49
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Katharina Kepler
Katja Doubek
Gebundene Ausgabe: 414 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492045261

Die Hexenprozesse in Württemberg fanden ihren Höhepunkt im endenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert. Auch Katharina Kepler, die Mutter des großen Astronomen, war davon betroffen. Sie führte in Leonberg ein zurückgezogenes Leben als Heilkundige und Kräuterfrau. Nachdem sie schon früh von ihrem Mann, der gern trank und auch oft gewalttätig wurde, verlassen wurde, musste die zierliche, zähe Frau auf sich allein gestellt, für sich und die Kinder sorgen. Mit eisernem Willen, Entbehrungen und Herz und Mund am rechten Fleck meisterte sie den Alltag. Das brachte ihr jedoch nicht nur Freunde ein. Besonders Luther Einhorn ist sie im Weg und als sich ihm 1617 die Möglichkeit bietet, ihr den Prozess zu machen, ergreift er die Chance.

Katja Doubek ist ein wirklich hervorragender historischer Roman gelungen. Sie erzählt die Lebensgeschichte der Katharina Kepler von ihrer Kindheit an bis hin zu ihrem Tod. Dabei geht sie auf die damaligen Sitten und Gebräuche ein, schildert das Zeitgeschehen sehr anschaulich und beschreibt detailliert das Alltagsleben. Sie erzählt von den Schwierigkeiten der Katharina Kepler in ihrer Ehe, den Misshandlungen, die sie erdulden musste ebenso einprägsam und glaubwürdig, wie von der Suche nach dem verschollenen Ehemann, der ständigen Sorge um die Mitmenschen und das Verhältnis zu ihren vier überlebenden Kindern. Dem Buch ist die minutiöse Recherche anzumerken, dabei wird es an keiner Stelle langatmig. Die Sprache ist einfach gehalten, aber nicht monoton. Glaubte ich nach dem Lesen des Klappentextes, einen Roman, der ausschließlich die Hexenverfolgung zum Thema hat, vor mir zu haben, wurde ich dann zu meiner Freude eines besseren belehrt. Die das Leben des Johannes Kepler betreffenden Abschnitte, seine Ausbildung, seine Arbeit und seine Sorge um die Mutter, haben das Buch abgerundet.

Mein Fazit: Wer sich für realitätsnahe historische Romane interessiert, sollte dieses Buch unbedingt gelesen haben. Da dies der erste Roman war, den ich von Katja Doubek gelesen habe und dieser mich vollkommen überzeugte, habe ich auch schon erfolgreich nach weiteren Werken von ihr Ausschau gehalten.

Über den Autor

Katja Doubek, geboren 1958, studierte Psychologie, Germanistik, Philosophie und Geschichte, ist heute als Psychotherapeutin tätig und verfaßte zahlreiche Sachbücher und besondere Lexika. Sie lebt in München. Zuletzt erschienen von ihr »Das Lexikon der Attentate«, »Blue Jeans. Levi Strauss und die Geschichte einer Legende« und »Katharina Kepler«.

18. November 2009

Sabine Weigand – Seelen im Feuer

Einsortiert unter: 2009,History — Karthause @ 20:24
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Seelen im Feuer
Sabine Weigand
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Krüger
ISBN-13: 978-3810526632

Klappentext

Jeder kann verdächtigt werden, jeder wird verhört, jeder kann brennen. Die Angst geht um in Deutschland. 1626 ist es die Angst vor dem Teufel, der Zauberei, den Hexen. Es ist ein Ringen um Gut und Böse, aber auch ein Kampf um die Macht. Der intrigante Fürstbischof von Bamberg will die freien Bürger der Stadt in ihre Schranken weisen. Neben den einfachen Leuten hat er es deshalb besonders auf die Stadträte abgesehen. Sie werden verhört und verurteilt. Sie werden verbrannt. Mit der jungen Apothekerstochter Johanna schauen wir in eine Welt, in der der Hexenwahn Wirklichkeit ist. Auch sie droht in den Teufelskreis zu geraten, aus dem keiner entrinnt. Gelingt ihr die Flucht ins weltoffene Amsterdam? Bekommen die Bürger von Bamberg endlich Hilfe bei Kaiser und Papst, um dem Brennen ein Ende zu machen?

Meine Meinung

Gleich vorweg, dies war das erste Buch, welches ich von Sabine Weigand gelesen habe, aber auf weitere freue ich mich schon. Der Grund dafür ist die professionelle Recherche, die dem Buch Leben eingehaucht hat. Oft kann man als Leser nur erahnen, welchen Aufwand der Autor bei seinen Nachforschungen betrieben hat. Aber in diesem Buch ist es spürbar. Endlos viele kleine Details, die manchmal nur am Rande vermerkt wurden, lassen die Hexenverfolgung real werden.

„Seelen im Feuer“ beleuchtet ein Zeitfenster von 1626 – 1632. In diesen 6 Jahren, in denen bei der Bevölkerung Angst und Schrecken ständige Begleiter waren. Es wurden so viele Menschen denunziert, angeklagt, gefoltert und verurteilt, dass ganze Straßenzüge ausstarben und ein normales Leben nicht mehr stattfand. Ursache für diese nicht enden wollende Hexenjagd war die Wichtigtuerei des Bürgermeistersohnes Hansi Moorhaupt. Nachdem er die „Historia von D. Johann Fausten…“ gelesen hatte, behauptete er, auch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Damit begann ein Schreckenszenario, das über Jahre hinweg, das Leben der Menschen in Bamberg bestimmen sollte und unzählige unschuldige Opfer zur Folge hatte. Gekonnt fügte die Autorin Zeitdokumente in ihren Roman, dadurch wurde die Authentizität nochmals erhöht: Auch wenn diese in altem Deutsch eingefügten Texte den Lesefluss ein wenig hemmten, empfand ich sie als sehr informativ und für den gesamten Roman als bedeutend.

Erschreckend gut nachvollziehbar waren die Schilderungen der Folter, die Qualen und Ängste, die die Beschuldigten durchlebten. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, es ist einfach zuviel, Handlungen wiederholten sich. Aber wie soll andererseits dem Leser klar werden, wie grausam die Hexenjagd war und wie unsagbar viele – nicht nur Frauen – zum Opfer wurden.

Die Charaktere der im Roman vorkommenden Person waren sehr realistisch und fein gezeichnet. Ihr Tun war nachvollziehbar und glaubhaft.

Mein Fazit: „Seelen im Feuer“ ist ein ausgezeichneter historischer Roman, das betrifft sowohl die Erzählweise als auch die Geschichtstreue. Er ist ein Zeitdokument. Auch die in die Handlung aufgenommene Liebesgeschichte schmälert den äußerst positiven Gesamteindruck nicht, sie rundet die Geschichte ab.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus der Stadtgeschichte von Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans »Das Perlenmedaillon«, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman »Die Königsdame« zugrunde. Schon bei ihrem ersten Erfolgsroman »Die Markgräfin« lieferte die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach die historische Vorlage.

28. Oktober 2007

Elmar Bereuter – Die Lichtfänger

Einsortiert unter: 2007,History — Karthause @ 20:42
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Elmar Bereuter hat mit „Die Lichtfänger“ einen historischer Roman geschrieben, der so ganz nach meinem Geschmack war. Historisch verbürgte Personen prägen die Geschichte, fiktive Personen runden das Ganze ab, bringen Leben in die Erzählung. Dabei sind die Charaktere so vielfältig wie die Handlungsmotive.

Zwei Zeitebenen bilden das Gerüst dieses Buches. Die eine ist das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert, in der als Rahmenhandlung die Lebensgeschichte des Historikers und Sonderlings George Lincoln Burr erzählt wird. Dieser ist maßgeblich am Aufbau der Bibliothek der Universität Cornell beteiligt. Er fährt selbst nach Europa, um zur Problematik der Hexenverfolgung zu recherchieren und bringt von dieser einige Jahre dauernden Reise etliche wertvolle Originaldokumente für die Bibliothek mit. Seine Reise führt ihn quer durch Europa, aber hauptsächlich in Deutschland stößt er auf die von ihm gesuchten Akten. Die zweite Zeitebene, die immer wieder kapitelweise eingeschoben wird, ist die Zeit der Hexenverfolgung im Raum um Trier im 16./17. Jahrhundert. Es ist die Zeit des Peter Binsfeld, Cornelius Loos, Johannes Weyer, Dietrich Flade, Friedrich Spee von Langenfeld und Herrmann Löher. Es ist die Zeit in der mit Schriften wie „Der Hexenhammer“ von Heinrich Institoris die Hexenverfolgung legitimiert wurde. Die Wirkung dieses Werkes wird in dem Buch eindringlich geschildert. Der Hexenglaube, der gespeist wurde von Unwissenheit, Aberglaube, Neid und Missgunst, führte zu einer der größten Hinrichtungswellen in der Geschichte. Nachbarn beschuldigten sich gegenseitig, Kinder beschuldigten ihre Eltern und Geschwister, Geistliche wurde zu Handlangern der Hexenjäger. Die der Hexerei und Zauberei Beschuldigten mussten unsägliche Qualen erleiden, bis sie endlich gestanden, nur um dem Leiden ein Ende zu bereiten, der Tod auf dem Scheiterhaufen erschien den Besagten wie eine Erlösung. Aber es gab auch Lichtgestalten in dieser dunklen Zeit. Diese lebten in ständiger Gefahr entdeckt zu werden und auch auf dem Scheiterhaufen zu enden wie z.B. Dietrich Flade oder Cornelius Loos. Mit der „Cautio Criminalis“ von Friedrich Spee von Langenfeld wurde erstmals der Praxis der Hexenprozesse entgegengetreten. Das alles wurde protokolliert und fand sich in den Akten wieder, die der amerikanische Historiker Burr entdeckte und bildete die Verbindung zwischen den beiden Handlungen.

Elmar Bereuter ist es gelungen, sicher durch umfangreiche und akribische Recherche, unverfälschte Geschichte in einen Roman einzubringen, der seinesgleichen sucht. Dabei bedient er sich einer kraftvollen und intensiven Sprache, die mich an das Buch fesselte. Er hat reale Historie so lebensnah und doch so packend geschildert, dass sogar dieser dunkle Geschichtsabschnitt, über den ich persönlich recht wenig wusste, eine wahre Lesefreude war. Am Ende gelingt ihm noch der Bezug auf unsere jüngere Vergangenheit, in der wieder Menschen verfolgt, gefoltert und verbrannt wurden.

Mein Fazit: „Die Lichtfänger“ ist ein beeindruckend lebendiger historischer Roman, der Wissensvermittlung und Lesespaß in sich vereinte, der mich traurig gemacht hat und mich schmunzeln ließ. Ich kann ihn vorbehaltlos empfehlen. Ich werde demnächst noch „Hexenhammer“ und auch „Schwabenkinder“ von diesem Autor lesen.

Broschiert:414 Seiten
Verlag:Piper
ISBN-13:978-3492247719

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